Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom November, 2016 angezeigt.

Als die Bahnbögen noch voller Leben waren: Ein Zeitsprung an der Bahnstraße

Ein Foto aus den frühen 1970er Jahren lässt uns staunen. Das aus dem Stadtarchiv stammende Foto zeigt unter den Bahnbögen an der Bahnstraße eine lebendige Geschäftszeile. Heute schauen wir dort nur noch durch die nackten Rundbögen, die in den 1860er Jahren als Unterbau für die Rheinische Eisenbahnstrecke errichtet wurden, hindurch auf die parallel verlaufende Heinrich-Melzer-Straße, benannt nach dem ersten Nachkriegs-Vorsitzenden des DGB in Mülheim. Dort fanden sich noch in den 70er Jahren kleine Geschäfte, Lagerräume und Wohnungen. Erst Anfang der 1980er Jahre verschwanden die Geschäfte in den Bahnbögen zugunsten eines reinen Durchgangs und Durchblicks. Dabei ließe sich heute unter der ehemaligen Eisenbahnstrecke viel besser kaufen, verkaufen und wohnen. Denn inzwischen verläuft dort der Ruhr-Rad-Schnellweg - mit Stadtbalkon.

Die kleine Geschäftswelt unter den Bahnbögen, die sich bis in die 1890er Jahre zurückverfolgen lässt, und die im Zuge des westdeutschen Wirtschaftswu…

Die Netzwerkerin: Als Stadtteilkoordinatorin ist die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Gronek in Styrum unterwegs, um Menschen zu einer starken Gemeinschaft starker Persönlichkeiten zu bilden

Wenn die heute 34-jährige Sabine Gronek als Teenager in Styrum unterwegs war, dann vor allem, weil es sie ins Freibad zog. Als ihr Mann Stephan und sie 2013 überlegten, wo sie sich das Ja-Wort für das gemeinsame Leben geben wollten, fiel ihre Wahl auf das Schloss Styrum. „Die Atmosphäre dort gefiel mir einfach gut“, erinnert sich die studierte Erziehungswissenschaftlerin, die in Speldorf geboren wurde und am Gymnasium Broich ihr Abitur gemacht hat.

Dass sie schon bald in und für Styrum arbeiten würde, hätte die Geisteswissenschaftlerin, die schon diverse befristete Arbeitsverhältnisse als wissenschaftliche Mitarbeiterin, Projektmanagerin und zuletzt als Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Ruhr-West hinter sich gebracht hat, damals nicht träumen lassen. Doch im Juli 2015 ergab sich die Chance, als für Styrum eine Bildungsnetzwerkerin gesucht wurde.

Bis dahin kannte sie vor allem die gängigen Styrum-Klischees, über den Stadtteil in dem „viele Ausländer leben und in dem e…

So gesehen: Auch Maschinen können irren

Früher hielt ich elektrische Schreibmaschinen mit Zeilenspeicher und Fax-Geräte für die Spitze des technischen Fortschritts. Heute schreibe ich meine Texte mit einem Computer und versende sie per E-Mail. Die Zeiten, in denen man als Journalist Texte auf einer Schreibmaschine tippte und sie per Fax verschickte, damit sie am anderen Ende der Leitung von Mitarbeitern einer Drucksatzstelle ins rechte Zeitungsmaß gebracht werden konnten, scheinen Lichtjahre entfernt. Das nennt man Rationalisierung.

Da beschleicht den Journalisten, der noch im analogen Zeitalter mit Manuskriptpapier aufgewachsen ist, die  Angst, wie so mancher Kollege in der industriellen Massenfertigung in nicht allzu ferner Zukunft durch einen Schreib-Roboter ersetzt zu werden. In Japan werden Roboter jetzt auch schon in der Altenpflege eingesetzt. Elektronische statt menschliche Zuwendung im Alter? Ob man das noch erleben möchte? Doch es gibt noch Hoffnung für die Schöpfung Mensch.

Denn als ich jüngst an einer Haltestelle …

Ein gut eingespieltes Team: Die Notfallseelsorger der Evangelischen Kirche und ihre Fahrer vom Deutschen Roten Kreuz

Rund 100 Mal im Jahr werden Pfarrer Guido Möller und seine 54 Kollegen aus dem Notfallseelsorger-Team des evangelischen Kirchenkreises an der Ruhr zu einem Notfall gerufen. Ein Mensch ist plötzlich gestorben. Ein
anderer hat sich das Leben genommen oder droht mit einem Suizid. Auf der Autobahn sind Menschen bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet worden. Angehörige, Unfallopfer oder Unfallbeteiligte und Unfallverursacher stehen unter Schock. „Zu diesem Schock kommt oft die quälende Frage nach der persönlichen Schuld. Hätten wir, hätte ich das verhindern können“, weiß Möller. Der 54-jährige Theologe, der in seinem früheren Berufsleben auch als Krankenpfleger gearbeitet hat, gehört seit 2002 zum Team der Notfallseelsorger, das er seit 2007 leitet. Wenn Möller zum Einsatz gerufen wird, ist in der Regel Kurt Sallner als Fahrer und Rettungshelfer in der Not an seiner Seite. Der 47-jährige Bundesbeamte und seine 39 Kollegen aus dem Notfallseelsorgedienst des Deutschen Roten Kreuzes arbe…

So gesehen: Streicheleinheiten müssen sein

Heutzutage muss man mit allem rechnen und das in jeder Hinsicht. Noch vor wenigen Tagen mussten wir uns warm anziehen, weil es doch spürbar kälter geworden war. Doch nun stiegen die Temperaturen dann auch wieder so an als hätten wir April und nicht November.

Mein Gott. So schnell kann das gehen. Gestern noch ein Anflug von Herbstdepression und heute schon ein Hauch von Frühlingsgefühlen. Eben diese Gefühlslage wurde bei mir gestern verstärkt, als ich nach einem Pressegespräch von einer Dame unerwartet in den Arm genommen wurde. Heute ist Mann ja nichts Gutes mehr gewöhnt und befürchtet eher, unverhofft auf den Arm genommen zu werden.

Doch besagte Dame, die sich zuvor in gleicher zugewandter Weise von ihren Kolleginnen verabschiedet hatte, stellte mit weiblicher Weisheit fest. „Auch die Männer sollen nicht zu kurz kommen, wenn es um Streicheleinheiten geht!“

„Wie wahr, wie wahr“, denkt der Gentleman und genießt den Augenblicks, wohl wissend, dass der Moment, in dem er sich ni…

Von der Windmühle zum Wohnhaus: Ein Zeitsprung an der Düsseldorfer Straße in Saarn

Wo heute ein moderner Wohnbau steht, stand an der Düsseldorfer Straße 92, gleich gegenüber der heutigen Buchhandlung Hilberath und Lange, eine Windmühle. Eine Zeichnung aus dem Stadtarchiv zeigt es. Die Heimatforscher Heinz Weirauch und Andreas ten Brink bestätigen, das die Kornmühle Kotthaus um 1838 errichtet wurde und bis etwa 1910 in Betrieb war.

„Neben der Kotthaus-Mühle gab es früher in Saarn auch eine 1289 erstmals  erwähnte Klostermühle und eine Mühle an der Langenfeldstraße, die ebenfalls Korn mahlten“, erzählt Weirauch. Die Reste der Kotthaus-Mühle wurden, wie man in der NRZ nachlesen kann, im Februar 1970 abgerissen, um Platz für neuen Wohnungsbau zu schaffen. Unweit des ehemaligen 

Windmühlengeländes findet sich heute an der Düsseldorfer Straße 98 die Alte Mühlen-Apotheke. Dieser Name bezieht sich allerdings nicht auf die Windmühle Kotthaus, sondern auf die früher dort existierende Dampfmühle. Die 1970 abgerissene Kotthaus-Mühle war Mülheims letzte Mühle. Schon 1963  hatte di…

So gesehen: Ein frommer Wunsch

Es gibt Berufe, die den ganzen Mann fordern. Das gilt auch für die Bestückung des Weihnachtstreffs auf der Schloßstraße, wie ich an diesem Wochenende beobachten konnte. Wer schon mal erlebt hat, wie die Dekoration des heimischen Weihnachtsbaums eine Familienkrise auslösen kann, der muss schon staunen, mit welchem Fingerspitzengefühl und mit welcher Übersicht dieser Mann für die Bestückung des Weihnachtstreffs einen stattlichen Hebekran auf seinen vier dicken Rädern durch das Labyrinth der Wochenmarkt- und Weihnachtsbuden, durch die Freiräume zwischen Brunnen, Bänken und Baumkübeln und immer knapp vorbei an Fußgängern und Lieferwagen zentimetergenau dort hin steuert, wo die Baumkugeln und LED-Leuchten hin müssen.

Doch in meinen Respekt für die präzise und verantwortungsvolle Arbeit des einsamen Mannes auf der Hebebühne mischt sich unvermittelt ein Gedanke aus meiner Kindheit und ein Stück Wehmut.

Denn was dieser Mann heute alleine tut, war früher auf viele Schultern verteilt. Wo sind sei…

Der Schutzengel vom Roten Kreuz - Als Mitarbeiterin des Hausnotrufdienstes fährt DRK-Rettungshelferin Alina Giesen, mal mit und mal ohne Blaulicht durch die Stadt, um vor allem alleine lebenden Senioren zu helfen: Nicht immer ist es ein Notfall

Alina Giesen ist eine starke Frau. Man glaubt es nicht, wenn man die 21-Jährige zierliche Frau sieht. Aber man weiß es, wenn man sieht, wie sie zusammen mit Kollegen vom Rettungsdienst eine alte Dame, die sich nach einem Sturz den Oberschenkelhals gebrochen hat aus der fünften Etage durchs Treppenhaus in den Rettungswagen trägt oder wenn sie ihren 20 Kilo schweren Rettungs-Rucksack schultert.

Der hat es in sich: Kompressen, Verbandsmaterial, diverse Medikamente, Beatmungsgeräte, Spritzen Infusionsbesteck, Brechbeutel, Pflasterrollen, Pupillenreflexleuchte, Wirbelsäulenstütze...Fast hat man den Eindruck, dass die junge Frau eine kleine Klinik auf ihren Schultern trägt.

Der Oberschenkelhalsbruch ist in dieser 24-Stundenschicht der härteste, aber nicht der einzige Einsatz für die FSJlerin.

Dieses Kürzel steht für Alina Giesen und ihre fünf Kolleginnen, die aktuell beim Hausnotrufdienst des DRK ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Ihr monatliches Entgelt beträgt 360 Euro.…

Volkstrauertag bleibt leider aktuell - Nicht nur auf dem im Ersten Weltkrieg angelegten Ehrenfriedhof im Uhlenhorst wurde gestern der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror gedacht

Stärker als es der Bildhauer Hermann Liekfeld mit seiner Skulptur „Der Zusammenbrechende“ getan hat, kann man das, was Kriege (bis heute) Menschen antun, kaum ins Bild setzen. Ein nackter Mensch schaut hilflos und vom Schmerz gebeugt zu Boden. Als der Mülheimer Bildhauer in den 30er-Jahren sein Mahnmal für den im Ersten Weltkrieg angelegten Ehrenfriedhof im Uhlenhorst schuf, stand der Zweite Weltkrieg noch bevor, der etwa 56 Millionen Menschen das Leben kosten sollte — nachdem der Erste Weltkrieg bereits zehn Millionen Menschenleben gefordert hatte.

Nicht nur auf diese historischen Tatsachen, sondern auch darauf, „dass Krieg, Terror, Gewalt und Tot immer noch von schmerzlicher Aktualität sind“, wiesen Bezirksbürgermeister Hermann-Josef Hüßelbeck und Diakon Jürgen Werner in ihren Ansprachen hin. Würdig und berührend begleiteten die Chorbrüder des ältesten Mülheimer Männergesangsvereins, Frohsinn 1852, die Veranstaltung des Volkstrauertages, zu dem der Sozialverband Deutschla…

Der Frieden bleibt eine Dauerbaustelle - Volksbund mahnt zur Hilfe für Notleidende

Der Volkstrauertag mahnt uns, im Gedenken an die Toten der Kriege nicht nachzulassen und Frieden und Freiheit nicht allzu selbstverständlich hinzunehmen, sondern als eine beständige Gestaltungsaufgabe zu betrachten!“ Darauf wies der Vorsitzende des örtlichen Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Markus Püll, am Sonntag bei der Volkstrauertagskundgebung des Volksbundes hin.

Der Volksbund gedachte auch diesmal am Mahnmal für den unbekannten Soldaten, unweit des Altstadtfriedhofes, der Gefallenen der beiden Weltkriege und der Menschen, die bis heute als Soldaten und Zivilisten Opfer von Krieg, Terror und Gewalt geworden sind.

Püll erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass nach Angaben der Vereinten Nationen derzeit weltweit 65 Millionen Menschen vor Krieg und Terror fliehen müssen. In diesem Zusammenhang zitierte der Stadtverordnete die Mahnung von Papst Franziskus: „Wir dürfen nie aufhören, uns um Menschen zu kümmern, die in Not sind.“

Dieser Text erschien am 15. Novem…

Das Haus Küchen - Ein Zeitsprung im Uhlenhorst

Viel hat sich auf dem historischen Bild des Stadtfotografen Walter Schernstein und auf der aktuellen Aufnahme scheinbar nicht geändert. Und doch liegen zwischen den beiden Fotografie aus den Jahren 1989 und 2016 Welten.

Als Schernsteins Aufnahme entstand beherbergte die 1913 im Auftrag des Industriellen Gerhard Küchen  im englischen Landhaus-Stil errichtete Villa noch die Evangelische Akademie. Unter der Leitung ihres rührigen Direktors Dieter Bach wurde die 1952 von der Rheinischen Landeskirche eröffnete und getragene Akademie in besonderem Maße zu dem, was sie immer sein sollte und wollte, zu einem Haus der Begegnung.

Hier begegneten sich Menschen aller Generationen und Gesellschaftsschichten,
Mächtige und Ohnmächtige aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten dort über die Fragen aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft, suchten mögliche Antworten und Handlungsoptionen.

Vor allem in den politischen Wendejahren 1989 und 1990 wurde die Evangelische Akademie zum Forum des …

Ein Beruf, der zur Berufung wurde: Unterwegs mit dem Bestattermeister Stefan Helmus-Fohrmann

Als junger Schreiner hätte sich Stefan Helmus nicht vorstellen können, eines Tages als Bestatter zu arbeiten. Doch dann traf er vor 30 Jahren im Sommerurlaub Mirjam Fohrmann, deren Eltern ein Möbelhaus mit einem angeschlossenem Bestattungsinstitut betrieben. Bald segelten die beiden in den Hafen der Ehe und wurden auch beruflich ein Paar. Irgendwann fragte ihn der Schwiegervater, ob er ihm bei der Überführung eines Verstorbenen helfen könne. Der heute 49-Jährige half und begann damit eine zweite Berufslaufbahn, die ihn zum Bestattungsmeister und Thanatologen werden ließ. Thanatologen sind Fachleute, die auch schwer verletzte Unfall-Opfer mit Schminke, Wachs und Füllstoffen so präsentieren, dass sich die Hinterbliebenen bei der Aufbahrung würdevoll von ihnen verabschieden können. Genau das leisten Helmus und sein ebenfalls entsprechend ausgebildeter Sohn Tristan an diesem Tag bei einem jungen Mann, der sich von einer 100 Meter hohen Brücke in den Tod gestürzt hat. Wenn Helmus, mit schw…

Ausstellung beleuchtet Widerstand: Menschen, die gegen Hitler kämpften, werden jetzt bis zum 23. Dezember im Haus der Stadtgeschichte vorgestellt: Der Weg dort hin lohnt sich

Was hätten wir getan? Und was tun wir heute, um uns für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einzusetzen? Diese Fragen stellt Oberbürgermeister Ulrich Scholten mit Blick auf die 25 Portraits der Menschen, die etwas getan haben gegen das menschenverachtende Regime Hitlers. „Die damaligen Ereignisse zeigen uns auch heute noch, wie schnell aus populistischen Schreihälsen Mörder werden können“, sagt der Leiter des Stadtarchivs, Kai Rawe am 9. November, an dem die Ausstellungseröffnung im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße 37 an den 9. November 1938 erinnern will, als auch in Mülheim die Synagoge brannte.

Obwohl die bis zum 23. Dezember zu sehende Ausstellung der Stiftung 20. Juli 1944 und der Gedenkstätte deutscher Widerstand keine Mülheimer Widerstandskämpfer, wie den Offizier Günther Smend, die Stadtverordneten Wilhelm Müller, Otto Gaudig und Fritz Terres oder den katholischen Priester Otto Müller vorstellt, lohnt sich der Weg in die Ausstellung. Sie…

Drei Fragen an Axel Smend: Widerstand ist auch heute gefragt

Am 9. November 2016 wurde im Haus der Stadtgeschichte  an der Von-Graefe-Straße 37) eine Ausstellung zum Widerstand gegen Hitler eröffnet. Was fällt AxelSmend, Sohn des 1944 von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Günther Smend dazu ein?

Frage: Was lehrt uns das Beispiel Ihres Vaters?

Antwort: Für heute und für unsere Demokratie bedeutet das: eine eigene Meinung artikulieren, Farbe bekennen, Rückgrat zeigen; streitige Fragen aufnehmen, letztlich e i g e n e Verantwortung übernehmen.

Frage: Wie und wo müssen wir heute widerstehen?

Antwort: Wir müssen sehr wachsam sein, gerade heute, wo in Deutschland an extremistischen Verführungen und Verführern – gleich ob links- oder rechtsextremistisch – kein Mangel herrscht, und rechtsextremistische Kreise versuchen, den Widerstand gegen die Nazi-Diktatur für sich zu vereinnahmen.

Frage: Wie ist es heute um die Zivilcourage bestellt?

Antwort: Gerade Jugendliche sind heute bereit, sich für andere und für Minderheiten einzusetzen und s…

Ein Haus im Wandel der Zeit: Ein Zeitsprung an der Friedrich-Ebert-Straße

Man sieht dem Haus an der Friedrich-Ebert-Straße 48 an, dass es in die Jahre gekommen ist. Hier hat das vom gemeinnützigen Künstlerverein Makroskope betriebene Zentrum für Kunst und Technik (www.makroskope.eu) seinen Sitz, in dem man Ausstellungen, Workshops, das Museum für Fotokopie und „Konzerte für abseitige Musik“ besuchen kann. In den vergangenen Jahren war dort auch die jetzt zum Löhberg umgezogene Geschäftsstelle der Mülheimer Klimaschutz-Initiative ansässig. Die historische Fotografie zeigt das Haus in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Schäden des Luftangriffs vom 22. und 23. Juni 1943 noch deutlich erkennbar waren.

Damals zog dort das bereits 1831 am Kirchenhügel eröffnete und später zum Lohberg umgezogene Schreibwarengeschäft Wilhelm Prüßmann ein. Das traditionsreiche Fachgeschäft wechselte 2007 dann in sein heutiges Ladenlokal an der Wallstraße 5.

Ganz alte Mülheimer werden sich noch daran erinnern, dass das vormals als Hotel genutzte Haus  an der Friedrich-Ebert…

So gesehen: Nicht jeder Mann ist zum Anbeißen

Denken Sie sich, ich habe, nein, nicht das Christkind, sondern den Weihnachtsmann gesehen. Oder war es doch der Nikolaus. In Zeiten der allgemeinen Kulturverwirrung kann einem ja schon mal leicht die Orientierung verloren gehen. Fest steht nur, dass die Nikoläuse, die ich gesehen haben. schon lange vor Sankt Martin, gut verpackt, im Supermarkt stehen. Da sich ihre Reihen dort bereits gelichtet haben, darf man davon ausgehen, dass sie bereits einen Monat vor dem eigentlichen Nikolaustag bereits vernascht worden sind.

Dass die Weihnachtsmänner aus Schokolade derzeit schon so hoch im Kurs stehen, obwohl ihre Zeit doch eigentlich noch nicht gekommen ist, wundert mich gar nicht.

Denn Schokolade macht bekanntlich glücklich und stärkt die Nerven. Das kann beim Lesen, Sehen und Hören der Nachrichten nur gut tun. Denn dort wimmelt es momentan ja nur von Weihnachtsmännern, die sich als egomane Möchtegern-Staatsmänner aufspielen.
Schade, dass man diese Weihnachtsmänner, die so gar nicht zum Anbeiße…

So gesehen: Viel Lärm um nichts

Was macht man, wenn es plötzlich bei einem piept? Manche mögen an den Besuch eines Psychiaters denken. Ich versuchte es erst mal mit der Konsultation eines Technikers. Der bescheinigte mir, dass es tatsächlich bei mir piept. Die Quelle des leisen, aber doch stetigen und unüberhörbaren Tons machten wir schnell in der verbrauchten Batterie eines in der Diele montierten Rauchmelders aus. Doch wir wunderten uns nicht schlecht, als es auch dann noch piepte, nachdem der Techniker den Rauchmelder mit der neuen Batterie wieder montiert hatte. Den anhaltenden Ton im Ohr durchkämmten wir die Wohnung so lange, bis wir schon nahe daran waren, uns für eine Gruppentherapie beim Psychiater anzumelden.

Doch als ich dann ganz nebenbei von meinem Ersatz-Rauchmelder berichtete, den ich für Notfälle im Dielenschrank gebunkert hatte, beschlich uns eine Ahnung, die schnell zur Gewissheit wurde. Es war eben die verbrauchte Batterie des Ersatz-Rauchmelders, die mich an den Rand des Wahnsinns getri…

Ein Stück heiterer Ernst: Die Ensemblemitglieder der Kleinen Bühne des Backsteintheaters zeigtenmit ihrer 17. Premiere: Man darf über die Olympier der deutschen Dichtung lachen

Schiller, Goethe, Lessing. Diese Poeten aus dem Dichter-Olymp kennt jeder aus dem Deutsch-Unterricht und hat entsprechend gute oder auch schlechte Erinnerungen an sie.

Gut Lachen hatten die rund 80 Literaturfreunde, die am Samstagabend den Weg ins Backstein-Theaterstudio an der Schulstraße fanden. Dort verstanden es die Ensemblemitglieder der Kleinen Bühne des Backstein-Theaters mit der Premiere ihres 17. Programms nicht nur den berühmten Dichtern, sondern auch ihren Zuhörern ein Lächeln und manchmal auch etwas mehr zu entlocken, frei nach Goethe und gesprochen von Justus Cohen: „Ihr wisst auf unseren deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag.“

Diese Olympier, die Programm-Autor Günter Johann, ein pensionierter Deutschlehrer, aus seinem Bücherschrank auf die Bühne gebracht hatte, musste man mögen. Denn alle Ensemble-Mitglieder brachten Goethe, Lessing und Schiller mit so viel Esprit und Empathie auf die Bühne, dass die Klassiker lebendig und gegenwärtig wurden. Die au…

Investoren nehmen 68 Millionen Euro für das neue Stadtquartier Schloßstraße in die Hand

In der Computeranimation ist es schon fertig, das neue Stadtquartier Schloßstraße. An die Stelle des seit sechs Jahren leer stehenden Kaufhofgebäudes sind zwei Gebäudekomplexe mit einer kombinierten Putz- und Natursteinfassade getreten, die durch eine acht Meter breite Passage getrennt und zugleich durch sie mit dem neuen Ruhrquartier verbunden sind.

Oberbürgermeister Ulrich Scholten spricht angesichts der ersten Bagger- und Baugeräusche im und am alten Kaufhof-Komplex von „Zukunftsmusik“, bevor die Architekten Gerd Rainer Scholze und Michael Martin vom Projektplaner AIP und der Vorstandsvorsitzende der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB), Frank Esser das 68-Millionen-Euro-Projekt, unweit der Baustelle im OB-Büro, vorstellen.

Scholze nennt den Zeitfahrplan. Im Oktober rechnet er mit der Baugenehmigung und bis Ende des Jahres mit dem Abschluss der Abrissarbeiten. Im Januar 2017 so der Bau des neuen Stadtquartiers zwischen Schloßstraße und Ruhrpromenade begonnen und im ersten Quarta…

Warum Menschen immer wieder fliehen müssen: Eine aktuelle Ausstellung im Forum zeigt es

Wenn am 13. November der Volkstrauertag begangen wird, ist das kein Gedenken für Gestern. Das macht eine bemerkenswerte, weil anschaulich und kompakt informierende Ausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge deutlich, die noch bis zum 13. November im ersten Obergeschoss des Forums zu sehen ist. Mit Bildern, Texten und Grafiken wird nicht nur die Geschichte der jüdischen Flucht aus Nazi-Deutschland oder die Vertreibung der Deutschen aus den ehemals deutschen Gebieten jenseits von Oder und Neiße, nach dem Zweiten Weltkrieg, erzählt. Auch die heutigen Flüchtlingsströme, die zum Teil nach Deutschland führen, weil Menschen in ihrer Heimat an Leib und Leben bedroht werden, werden vor Augen geführt.
„Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit weltweit 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Knapp eine Million von ihnen kam 2015 nach Deutschland“, beschreibt der Mülheimer Vorsitzende des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Markus Püll, die Dimension des globalen Problems und füg…

Das Bestattungshaus Helmus-Fohrmann lädt zum Tag des Gedenkens und zum Tag der offenen Türe ein

"Nur zwei Dinge sind sicher, die Steuern und der Tod", wusste schon der 1790 gestorbene amerikanische Staatsmann Benjamin Franklin. Zu seiner Zeit ließen sich fast alle Menschen beerdigen. Nur ganz wenige Freimaurer und Freigeister wählten die Feuerbestattung, um damit ihre von Kirche und Religion unabhängige Geisteshaltung zu unterstreichen."Ließen sich früher vielleicht 20 Prozent der Menschen feuerbestatten, so sind es heute etwa 80 Prozent", beschreibt Bestatterin Mirjam Helmus-Fohrmann den Wandel der letzten 20 Jahre. Warum der Trend inzwischen so massiv zur Feuerbestattung geht, liegt für Mirjam Helmus-Formann und ihren Mann Stefan auf der Hand. "Viele Menschen suchen heute nach einer preiswerten und pflegefreien Bestattungsform, weil sie ihren Angehörigen nicht zur Last fallen wollen."
Verstorbene wollen ihren Angehörigen nicht zur Last fallenWer mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt geht, weiß, dass es nicht nur hier viele alte und einsame Me…

So gesehen: Werden wir doch mal politisch

Wundern Sie sich manchmal darüber, dass sich Politiker oft gar nicht oder nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können, obwohl allen das gemeinsame Ziel und die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns klar sein müsste?

Dann versuchen Sie doch mal einen Familien-Geburtstag zu organisieren und alle Familienmitglieder an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit und an einem bestimmten Ort zusammenzubringen.

Dann werden Sie sich erst wundern und dann gar nicht mehr wundern.  „Ich könnte an jedem anderen Tag, aber nicht an diesem. Da habe ich einen ganz wichtigen Termin, den ich auf keinen Fall verschieben kann. Sonst gerne.“ Und wo wollen wir essen? „Also in dieses Lokal kriegen mich keine zehn Pferde hinein! Ich gehe überall hin, aber nicht dort hin.“ Was wollen wir essen: „Das auf keinen  Fall. Ich bin vegetarisch oder allergisch oder beides!“ Und wen wollen wir einladen? „Wenn Der kommt, komme ich auf keinen Fall. Ich bin ja eine Seele von Mensch. Aber das tue ich mir n…

Rückblick: Einigkeit im Angesicht der Not - Amt 4. November 1946 konstituierte sich der erste frei gewählte Mülheimer Stadtrat der Nachkriegszeit

Derzeit muss man sich im Rathaus den Kopf darüber zerbrechen, wie man angesichts einer äußerst angespannten Haushaltslage einen aus Düsseldorf gesteuerten Nothaushalt und ein damit verbundenes Streichkonzert bei den freiwilligen Leistungen der Stadt verhindern kann.

Kämmerer und Stadtverordnete sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Doch ihre 39 Vorgänger, die am 4. November 1946 den ersten frei gewählten Stadtrat der Nachkriegszeit konstituierten, mussten ungleich schwerere Aufgaben bewältigen. Damals standen der Wiederaufbau der zerstörten Stadt und die Überwindung von Hunger und Kälte auf der Tagesordnung. „Bisher 58 000 Kubikmeter Schutt besteitigt", liest man am 6. November 1946 in der Mülheimer NRZ. Und am 9. November: „Soforthilfe soll Ermährungskrise überwinden – Mehltransporte für die britische Zone verlassen die USA."

Im Angesicht dieser erdrückenden Nachkriegsnot treten die Stadtverordneten am Nachmittag des 4. November in der Aula des heutigen Otto-P…

Ein Zeitsprung vom Viktoriaplatz zum Synagogenplatz

Mit einem Foto aus dem Stadtarchiv springen wir zurück ins Jahr 1960. Damals hieß der Synagogenplatz noch Viktoriaplatz. Und wo heute das 2009 eröffnete Medienhaus mit der Stadtbibliothek, der Touristen-Information und einer Beratungsstelle des Stromversorgers RWE steht, stand der nach drei Jahren gerade fertig gestellte Neu- und Umbau der Stadtsparkasse.Die an gleicher Stelle 1909 eröffnete Stadtsparkasse war, wie viele andere Gebäude der Innenstadt beim großen Luftangriff vom 22. und 23. Juni 1943 stark beschädigt und anschließend (bis 1950) provisorisch instandgesetzt worden. Etwa dort, wo heute die Touristen-Information zu finden ist, stand bis zur Reichspogromnacht am 9. November 1938 die damals bereits von der Stadtsparkasse erworbene Synagoge der Jüdischen Gemeinde. Nach dem Krieg fand im dort errichteten Anbau der Stadtsparkasse die Stadtbildstelle ihr Quartier, die heute als Medienzentrum wieder im neuen Medienhaus sitzt.

Bis zur Mitte der 50 Jahre wickelte die 1842 gegründete…

Vom Tod das gute Leben lernen; Chefarzt Christian Soimaru inspiriert und tröstet mit seiner Kanzelrede

Es tut der Kirche gut, wenn sie nicht nur Geistliche predigen lässt. Die Kanzelrede, die der Mediziner Christian Soimaru gestern in der Petrikirche hielt, lieferte den Beweis dafür.

Der für rekonstruktive und plastische Chirurgie zuständige Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses gab seinen Zuhörern Impulse zum wichtigsten Thema, das es gibt. Er beschäftigte sich am Vorabend des Allerheiligen- und Allerseelen-Tages mit der Frage von Tod und Leben.

Soimaru, der als Arzt täglich mit dem Tod, aber auch mit dem prallen Leben zu tun hat, berichtete von seinem eigenen Lernprozess im Angesicht der menschlichen Sterblichkeit. Er erzählte vom Sterben seines Vaters und dem Gefühl, in der Endphase seines Lebens die Zeit nicht wirklich gut genutzt zu haben, weil er im Rückblick zu viel Zeit mit der geschäftigen Therapierecherche verschwendet habe. „Wenn wir auf das Ende unseres Lebens schauen, haben wir mehr Einfluss auf dessen Gestaltung, den Ort, an dem wir sein wollen und auf die Menschen, mit …