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Es werden Posts vom November, 2018 angezeigt.

Mülheim unter dem Hakenkreuz

Schätzungsweise sechs Millionen Juden wurden Opfer des Holcaust. Allein in Mülheim wurden 270 jüdische Mitbürger ab 1941 in sogenannten Judenhäusern interniert und dann vom damaligen Hauptbahnhof, dem heutigen Bahnhof West an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße in die Vernichtungslager deportiert. 1933 zählte die Jüdische Gemeinde noch 640 Mutglieder. In Deutschland lebten damals rund 64 Millionen Bürger, von denen nur rund 650.000 der jüdischen Religion angehörten. Als die 1907 am damaligen Viktoriaplatz, heute Platz der alten Synagogen, in der Reichspogromnacht 1938 vom Chef der damaligen Berufsfeuerwehr, Alfred Fretr, in Brand gesetzt wurde, war das Gebäude bereits in den Besitz der Sparkasse übergegangen. Bereits im März 1933 hatten die Nationalsozialisten und ihre Bündnispartner in Mülheim die politische Führung der Stadt übernommen und im Rat durchgesetzt, dass Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg, der ihn am 30. Januar 1933 ernannt hatte, zu Mülhei…

Begegnung mit einem Zeitzeugen

Es ist nicht einfach, Schüler zwei Stunden lang mit einem Lebensbericht und einem anschließenden Gespräch zu fesseln. Sally Perel kann es. 400 Jugendliche hören ihm in der Aula des Gymnasiums Broich gebannt zu, als der 93-Jährige ihnen erzählt wie er als Jude den Holocaust überlebte, weil er als Hitlerjunge und Wehrmachtssoldat in eine neue Identität schlüpfte und damit den Willen seiner von den Nazis ermordeten Mutter erfüllte: "Geh, Sally. Du musst leben!"


Die Jugendlichen haben ihre Begegnung mit dem Zeitzeugen gut vorbereitet. Sie haben sich den 1990 gedrehten Film "Hitlerjunge Salomon" angeschaut, der die Überlebensgeschichte Sally Perels erzählt. Und sie haben sich zusammen mit ihren Geschichtslehrern Florian Sauer und Seydi Güngör überlegt, welche Fragen sie dem Zeitzeugen aus einer Zeit stellen wollen, die sie und ihre Eltern nur aus dem Geschichtsbuch kennen. Am Ende seines ergreifenden Lebensberichtes sagt Perel seinen jungen Zeitzeugen: "Die Geschich…

Nachbarn kommen sich näher

Die Innenstadt gilt als anonymes Pflaster. Hier gibt es kein rechtes Stadtteilbewusstsein wie andernorts in Mülheim.
Beate Gottwald, Raghild Geck und Jörg Marx arbeiten im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Stadtmitte daran, dass sich das ändert. Ihr Ausgangspunkt ist das Quartier rund um den Hans-Böckler-Platz. Die 1951 gegründete Wohnungsbaugesellschaft SWB ist dort unter anderem Eigentümerin der Wohn-Hochhäuser Hans-Böckler-Platz 7 bis 9. Sie hat mit der sogenannten Tenne dem Netzwerk der Generationen einen Treffpunkt zur Verfügung gestellt, der für Feste, für Kaffeeklatsch, Filmvorführungen, gemeinsames Singen und Nachbarschaftstreffen aller Art genutzt wird. „Wir stecken viel Arbeit in den Aufbau einer lebendigen Nachbarschaft, in der man sich kennt oder kennen lernt“, betont die ehrenamtliche Nachbarschafts-Netzwerkerin Beate Gottwald. Deshalb ist sie manchmal enttäuscht, wenn nur zehn oder 20 Nachbarn zum Treffen in die Tenne kommen. Gerne würde sie dort auch mehr Nachbarn der Gener…

Politiker und Puppenspieler

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kam eine halbe Stunde zu spät zum Prinzenball, aber noch früh genug, um am Samstagabend im ausverkauften Festsaal der Stadthalle die tolle Tanzshows der Tollitäten, der Ruhrgarde und der Tanzformation Calypso mit zu erleben. "Mülheim hat eine hervorragende Verkehrsanbindung, wenn nicht gerade mal wieder die Deutsche Bahn ausfällt oder man auf der A40 im Stau steht", sagte der aus Berlin eingeflogene Landesvater unter den Lachern der 500 Gäste. Man weiß: Der Mann hat als Ministerpräsident, CDU-Landeschef und Bundes-Vize seiner Partei nicht nur an Rhein und Ruhr viele Termine. "Ich war jetzt eine Woche lang in Berlin. Wenn man dort das Theater erlebt, ist man froh am Samstagabend hier wieder unter normalen Menschen zu sein", machte der aus der Karnevalshochburg Aachen stammende Preisträger der Spitzen Feder deutlich, dass er mit Spitzer Feder Pointen zu setzen weiß.
Diese Kunst beherrscht(e) auch Karikaturist Thomas Plaßmann, der al…

Spitze Feder im Doppelpack

Mit Armin Laschet und Martin Reinl zeichneten die Mülheimer Karnevalisten jetzt gleich zwei Persönlichkeiten mit einer Spitzen Feder für Ihre Verdienste um das freie Wort aus. Beide Preisträger, die jetzt auch "Ordensbrüder" sind, zeigten in ihren Dankesworten, dass sie den seit 1984 vom Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval verliehenen Ehrenpreis zu Recht erhalten haben. "Du bekommst die Spitze Feder, damit ich sie mir an meinen Hut stecken kann", ließ der Autor, Regisseur und Synchronsprecher Martin Reinl sein Zirkuspferd Horst Ferdinand spotten. Der aus der Karnevalshochburg Aachen stammende NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der sein Geld früher als Journalist verdient hat, hatte die Lacher der 500 Jecken im ausverkauften Festsaal der Stadthalle auf seiner Seite, als er feststellte: "Ich war die ganze Woche in Berlin. Und wenn man das Theater sieht, das sich dort abspielt, ist man froh, wenn man am Samstagabend hier wieder unter normalen Menschen sein …

Ein Ritter mit Spaß an der Freude

"Ich erkenne dich ohne Kappe gar nicht wieder", frotzelte Oberbürgermeister Ulrich Scholten am Mittwochabend bei seiner Laudatio auf Hans Klingels. Der 68-jährige Industriekaufmann und selbstständige Stahlhändler wurde im Stadthallenrestaurant Caruso vom Stadtprinzen Johannes II. (Terkatz) sanft zum 34. Ritter vom Schiefen Turm geschlagen.
Bevor Klingels seine Rittermütze aufgesetzt bekam, stand der Geschäftsführer des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval ungewöhnlich zivil, im schwarzen Smoking und ohne Narrenkappe vor den geladenen Jecken.
Ulrich Scholten, selbst Ehrensenator der Röhrengarde, würdigte Ritter Hans "als einen Motor des Mülheimer Karnevals, der den Frohsinn in Mülheim zum Laufen bringe." Hauptausschuss-Präsident Markus Uferkamp wünschte sich von Klingels, der unter anderem auch den Narrenkurier und die Prinzenhefte herausgibt, "noch viele schöne Jahre, in denen wir den Mülheimer Karneval gestalten können."
Der am Aschermittwoch (22.2.1950…

Was tun gegen Kinderarmut?

Die Zahl erschreckt. Ein Drittel der Kinder in Mülheim leben mit ihren Eltern von Arbeitslosengeld 2, sind also von Armut bedroht. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren nicht nur die Zahl der "armen" Kinder, sondern auch die Zahl der Einkommensmillionäre in unserer Stadt gestiegen.
Nach einer Auftaktveranstaltung zum Thema Kinderarmut in Mülheim, die im September in der Stadthalle über die Bühne ging, beschäftigten sich jetzt 30 interessierte Mülheimer, auf Einladung der SPD-Fraktion, im Medienhaus mit der Frage, was man konkret gegen Kinderarmut tun könnte.
Sowohl die Profis, die als Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagoginnen, Erzieher, Lehrer und Fallmanager mit dem Thema beschäftigt sind, als auch die schlicht interessierten Bürger, wie der Vorsitzende des Eppinghofer Bürgervereins, Bernhard Köhler, führten während der gut zweistündigen Diskussion bemerkenswerte Lösungsvorschläge ins Feld.
Bernd Köhler sind einen Kern des Problems in der finanziellen Förderstruktur, die si…

Deutschlands erste Polizeibeamtin

Henriette Arendt wurde am 11. November 1874 als Tochter des jüdischen Kaufmanns Max Arendt und seiner Frau Johanna Wohlgemut im ostpreußischen Königsberg geboren. Sie wuchs in einer großbürgerlichen Unternehmerfamilie ohne materielle Sorgen auf, litt aber unter fehlender Elternliebe. Ihre leibliche Mutter starb bereits im Jahr nach Henriettes Geburt.
Die wichtigste Bezugsperson ihrer Kindheit und Jugend war ihre Großmutter, die sie regelmäßig besuchte und später auch pflegte. Diese prägenden Erfahrungen weckten in Henriette Arendt, der Tante der Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) den Wunsch, Krankenschwester zu werden. Unter dem Eindruck der ärmlichen Lebensverhältnisse, die sie unter anderem bei den Arbeitern ihres Vaters kennenlernte, entwickelte Henriette einen starken Gerechtigkeitssinn und wurde schon bald zu einer Sozialdemokratin, die unter anderem für die Einführung des Frauenwahlrechtes stritt.
Doch ihr Vater bestimmte sie als Mit-Inhaber einer Lampen-Export-Firma für eine A…

Supermann, bitte melden!

Schon als kleiner Junge konnte ich mit Supermann nichts anfangen. Der omnipotente und jeder Bedrohung durch das Böse gewachsene Comic- und Zeichentrick-Held erschien mir einfach zu toll und damit als unglaubwürdig. 
Jetzt sucht die Stadt Mülheim also einen Superdezernenten, der mindestens so super sein soll wie sein bald aus dem Amt scheidender Vorgänger, der für die Bereiche Kultur, Bildung und Soziales zuständig ist.
Obwohl die Lebenserfahrung immer wieder lehrt, dass Weniger oft Mehr ist, glaubt man in Politik und Wirtschaft immer noch, dass viel viel hilft, wenn man nur den einen omnipotenten Supermann oder die Superfrau schlechthin findet, die auf möglichst vielen fachpolitischen "Hochzeiten" tanzen und dabei eine gute Figur machen und dabei noch das Salär der mehrerer Verwaltungsvorstandskollegen einspart.
Auch ein Superdezernat, in dem noch mehr Fachbereiches von Wirtschaft über Soziales bis Stadtplanung und Digitalisierung umfassen soll, wabert im politischen Raum. Demn…

Jeder Jeck ist anders

Am Samstag waren jetzt gleich zwei Hubwagen auf der Schloßstraße im Einsatz. Endlich ging es in der Innnenstadt mal wieder hoch hinaus. Der Weihnachtsmarkt und die Fünfte Jahreszeit machten es möglich. Während die Mitarbeiter der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismus-Gesellschaft hoch hinaus wollten, um die Weihnachtsbeleuchtung anzubringen, ließen sich die schwindelfreien Karnevalisten Udo Bohnenkamp und Max-Martin Fischer hoch heben, um die Vereinswappen der mölmschen Karnevalsgesellschaften am Narrenbaum vor dem Forum anzubringen.
Narrenbaum und Christbaum Seit an Seit. Ist die Welt närrisch geworden? Wer regelmäßig das Weltgeschehen verfolgt, wird diese Frage bejahen müssen. Umso wichtiger ist es, dass uns der Advent und die Fünfte Jahreszeit in dunklen Tagen den einen oder anderen Lichtblick verschaffen, um uns zu zeigen, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt, wenn wir uns mal hier mal dort ein erhellendes Licht darüber aufsetzen lassen, dass wir ohne Frieden und Toleranz a…

Mensch, Malocher, Macher

Heinrich Thöne ist der erste sozialdemokratische Oberbürgermeister Mülheims. Am 18. November 1948 wird er vom Rat der Stadt ins Amt gewählt und tritt damit die Nachfolge des Christdemokraten Wilhelm Diederichs an.

Ein Sozialdemokrat an der Stadtspitze. Das wäre im Kaiserreich noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Denn bis 1918 gilt bei den Kommunalwahlen in Preußen ein Drei-Klassen-Wahlrecht, das die Spitzensteuerzahler bevorzugt und ihrer Stimme 17 Mal mehr Gewicht verleiht als der eines Arbeiters. Als der 1890 in Bocholt geborene Heinrich Thöne 1907 nach Mülheim kommt, um als in der Friedrich-Wilhelms-Hütte Arbeit zu finden, machen Liberale und Konservative als Vertreter des Bürgertums die Kommunalpolitik unter sich aus.

Erst als Deutschland 1918 eine Republik wird, gewinnen die Sozialdemokraten, zu denen jetzt auch der Metallarbeiter und Gewerkschafter Heinrich Thöne gehört, politisch an Gewicht. 1929 wird der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Heinrich Thöne erstmals für sei…

Mahnung für die Zukunft

Bei der Volkstrauertags-Kundgebung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge konnte des Vorsitzender Markus Püll heute deutlich mehr Teilnehmer als in den Vorjahren begrüßen. Püll, Superintendent Gerald Hillebrand und Bürgermeisterin Margarete Wietelmann machten in ihren Gedenkansprachen deutsch, dass der nach dem Ersten Weltkrieg eingeführte Volkstrauertag nichts an seiner Aktualität verloren habe. "Der Tag führt uns allen vor Augen, dass wir alle uns fragen müssen, was wir persönlich dafür tun können und tun müssen, um Frieden und Demokratie zu bewahren", sagte Wietelmann. Püll bedankte sich ausdrücklich bei den Mülheimer Schülern, die auf Initiative des Jugendstadtrates ein Zeichen für Frieden und Toleranz gesetzt hätten, in dem sie die Gräber von gefallenen Soldaten und Zwangsarbeitern gesäubert haben.

Der Superintendent erinnerte an das Leitwort des Volkstrauertages: "Den Toten zum Gedenken. Den Lebenden zur Mahnung!" Dieses Wort aufgreifend kritisierte e…