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Es werden Posts vom September, 2009 angezeigt.

Wie war das, als der Krieg begann? Zwei Zeutzeugen erinnern sich

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Mit dem deutschen Überfall auf Polen, begann vor 70 Jahren am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Ich hatte die Gelegenheit, mich im Haus Auf dem Bruch, einem Altenheim der Mülheimer Sozialholding, mit zwei Zeitzeugen über ihre Erinnerungen an den Kriegsausbruch zu sprechen. Für Ilse Glowczewski und Heinz Oosterbroek ist der 1. September 1939 ein Teil ihrer Lebensgeschichte. Ihr Lebensweg, der sie ins Haus Auf dem Bruch geführt hat, war sehr unterschiedlich.

Ilse Glowczewski wurde als Ilse Trepzik 1931 in Danzig geboren, wo sie im Hause ihrer Großeltern aufwuchs. Auf dessen Dach beobachtete sie am 1. September 1939 das Geschützfeuer der Schleswig Holstein und die Luftangriffe, mit denen die deutsche Wehrmacht an der Danziger Westerplatte den Krieg begann. Von den fingierten Überfällen auf deutsche Grenzstationen und den Sender Gleiwitz, die Hitler als Vorwand für den Kriegsbeginn dienten, ahnte sie als Neunjährige nichts. Über Politik wurde im Hause ihrer Großeltern nicht gesproch…

So gesehen: Ein vitaminreicher Nachschlag zur Bundestagswahl

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Mit Speck fängt man Mäuse. Aber wie fängt man Wähler? Die Frage bleibt auch nach der Wahl aktuell, weil ja nach der Wahl auch immer vor der Wahl ist. Von der Antwort lebt eine ganze Industrie. Wenn es nach so mancher Druckerei oder Herstellern von Gummibärchen und Kugelschreibern ginge, dürfte der Wahlkampf eigentlich nie enden. Schließlich ist er doch mit seinem diversen Druckerzeugnissen vom Plakat bis zur Broschüre und seinen zahlreichen politischen Marketingartikeln vom Luftballon bis zum Plastikkugelschreiber die reinste Konjunkturlokomotive. Sage noch einer, die Politik täte nichts, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Dass wollte wohl auch die SPD im Bundestagswahlkampf 1980. Damals warf sie, laut Lokalpresse "42 Zentner Obst in den Wahlkampf." Von Äpfeln und Birnen war die Rede. Vielleicht hätten Steinmeier und Ca auch wesentlich besser abgeschnitten, wenn sie wie Schmidt, Schröer und Co anno 1980 den Bürgern nicht nur sozialdemokratische Hausmannskost, sondern auch Vitamin…

Gewonnen und doch verloren: Eine Nachbetrachtung zur Mülheimer Bundestagswahl

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Auch den Bundestagswahlabend verbrachte ich bei den Verlierern. Bei den Sozialdemokraten, die sich im VHS-Raum C12 versammelt hatten, herrschte eine Stimmung, wie bei einer Familie, die gerade von einer Todesnachricht ereilt worden ist. Der Bundestagsabgeordnete Anton Schaaf ahnte schon vor der ersten Prognose, "dass wir nicht als Gewinner aus dieser Großen Koalition herausgehen werden."

Nachdem die erste Hochrechnung seine Partei bei nur noch 22 Prozent sah, sprach er von einem "Drama". Auch SPD-Chef Frank Esser machte aus seiner Enttäuschung, die ihm ohnehin ins Gesicht geschrieben stand, keinen Hehl: "Ich hatte schon mit einem Ergebnis um die 29/30 Prozent gerechnet", gab er zu. Und Fraktionschef Dieter Wiechering brachte das schlechteste Nachkriegsergebnis der SPD schlicht auf den Nenner: "Das ist ein schwarzer Tag für die SPD." Da half es auch nicht mehr viel, dass Vize-Partei-Chef Matthias Kocks darauf hinwies, "das wir in Mülheim imme…

Mülheim, wie es wählte: Eine kleine Bundestagswahlgeschichte

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Wenn die Bundestagswahl allein in Mülheim entschieden würde, könnte die SPD und ihr Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier heute wohl mit einer deutlichen Mehrheit rechnen. Seit 1961 ist der Wahlkreis Mülheim immer wieder von Sozialdemokraten gewonnen worden und das mit deutlichem Abstand zur CDU. Die 2002 vollzogene Wahlkreis-Erweiterung um Borbeck hat die Dominanz der SPD sicher noch verstärkt.

Auch Mülheims ersten Bundestagsabgeordneter, Otto Striebeck, war Sozialdemokrat. Erst Bergmann, dann Journalist und erster Redaktionsleiter der Neuen Ruhr Zeitung, wurde er bei der ersten Bundestagswahl mit 34 Prozent der Stimmen in das Bonner Bundesparlament gewählt. Allerdings lagen SPD unnd CDU bei der ersten Bundestagswahl noch sehr nahe beieinander. So landete der CDU-Kandidat Heinz Langner, damals Geschäftsführer der Inneren Mission, mit 28 Prozent auf Platz 2. Auch der Freidemokrat Wilhelm Dörnhaus (13 Prozent) und der Kommunist Friedrich Müllerstein (10 Prozent) errangen damals achtba…

Ein Stück gelebte Demokratie: Warum Ernst Henrich auch mit 80 Jahren noch als Wahlhelfer aktiv ist und keine Wahl verpasst

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Wählen gehen oder nicht? Das ist für Ernst Henrich keine Frage. Er wird am morgigen Wahlsonntag in der Gustav-Heinemann-Schule nicht nur seine eigene Stimme abgeben, sondern auch die Stimmen der Mitbürger seines Wahlbezirks als Wahlvorsteher mit auszählen. Auch mit 80 Jahren lässt sich der ehemalige Polizeidirektor keine Wahl entgehen. Seit 1976 hat er jede Wahl in Mülheim als Wahlhelfer begleitet.

Ernst Henrich liebt die Natur. Das merkt der Besucher sofort, wenn der 80-Jährige ihm seinen wunderschönen Garten zeigt. In dieser grünen Oase, die man unweit der Aktienstraße gar nicht vermutet, genießen Henrich und seine Frau Renate so manchen schönen Sonnentag. Doch am am morgigen Sonntag kann das Wetter so schön werden wie es will. Dann wird Henrich seinen idyllischen Garten mit einem eher nüchternen Wahllokal in der Gustav-Heinemann-Schule an der Boverstraße eintauschen.
Denn Henrich wird dort bei der Kommunalwahl und später bei der Bundestagswahl nicht nur seine eigene Stimme abgeben, s…

Ein Who is Who der Mülheimer Kandidaten

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Otto Normalwähler hat zwischen Kommunalwahl und Bundestagswahl schon alle Hände voll zu tun, die aktuell zur Wahl stehenden Kandidaten zu sortieren und im Blick zu behalten. Martin Müller reicht das nicht. Der gelernte Steinmetz ist schon seit Schülertagen historisch interessiert und als sachkundiger Bürger für die Mülheimer Bürgerinitiativen auch politisch engagiert.
Für den Geschichtsverein hat er schon vor fünf Jahren begonnen alte Zeitungen und Parteidokumente auszuwerten. Dabei entstand die Idee, ein Who is Who aller Kandidaten zu erstellen, die seit 1847 für den Mülheimer Stadtrat kandidiert haben. Für die Zeit nach 1945 will Müller auch alle Kandidaten für Land- und Bundestag hinzunehmen.
Bei seiner politischen Spurensuche ist der 33-Jährige zum Teil auf prominente Namen gestoßen. So kandidierte zum Beispiel 1847 der Textilfabrikant Johann Caspar Troost II., der im Luisenthal eine Baumwollspinnerei betrieb, für das Stadtparlament. 1905 zog der "Fabrikbesitzer" August Th…

Mülheimer Wahlgeschichten

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Mit welchen Mehrheiten wird die wiedergewählte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld ab dem 29. Oktober, wenn sich der neue Rat konstituiert, im Rathaus weiter regieren (können)? Das ist die Frage, um die sich im Rathaus derzeit alles dreht.
Das Wort historisch wurde noch am Wahlabend gleich mehrfach in den Mund genommen. Denn sowohl CDU (25 Prozent) als auch SPD (34 Prozent) haben am 30. August ihr schlechtestes Ergebnis seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg eingefahren. Hinzu kommt: Noch nie waren im Rat der Stadt so viele Parteien vertreten, nämlich sieben auf einen Streich.
Von 1956 bis 1989 waren im Stadtparlament immer nur drei Parteien vertreten. Die Fünf-Prozent-Hürde machte es möglich. Bis 1984 wurde die Stadtpolitik von SPD, CDU und FDP bestimmt. 1984 zogen dann erstmals die Grünen in den Rat der Stadt ein, während die FDP erstmals an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Mit dem Einzug der Mülheimer Bürgerinitiativen MBI bekamen die Grünen dann erstmals kommunalpolitische Konkurre…

Eine Wahlnachlese

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Mülheims Stadtrat ist nach der Kommunalwahl bunter denn je. Die 58 Mitglieder des Stadtparlaments verteilen sich auf sieben Parteien. Damit wird die Mehrheitsbildung für den Rat, der sich am 29. Oktober konstituieren wird, schwieriger denn je. Es stellt sich die Frage, ob die Abschaffung der Fünf-Prozent-Hürde auf kommunaler Ebene am Ende nicht ein Fehler war, weil sie aus Sicht der politischen Stabilität und Entscheidungsfindung kontraproduktiv wirkt. Noch bedenklicher ist aus Demokratie-Gesichtspunkten allerdings die Tatsache der inzwischen von 52 auf 51 Prozent gesunkenen Wahlbeteiligung. Eine Wahlbeteiligung von nur gut 50 Prozent lässt sicher die Frage nach der politischen Legitimation aufkommen.

Den Wahlabend in der Volkshochschule erlebte ich am Sonntag bei den Wahlverlierern von der CDU, die mit rund 25 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte einfuhr. Noch am Wahlabend wurden bei er Union stimmen laut, das die Zusammenarbeit mit der SPD in einer Großen Ko…