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Mittwoch, 9. September 2026

Jung und stark

Sie sind jung und stark. Sie sind echte Hoffnungsträgerinnen, die uns Mut machen und jedem Pisa-Schock trotzen. Die Rede ist von den Schülerinnen, die die Mülheimer Bürgerstiftung aus gutem Grund mit ihrem Förderpreis ausgezeichnet hat. Dank der finanziellen Unterstützung aus der Mülheimer Wirtschaft dürfen sich die Preisträgerinnen auch über ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro freuen.

Die 15-jährige Karl-Ziegler-Schülerin Lea Marie Röhrig hat sich nicht nur im Unterricht mit dem Thema Armut beschäftigt. Sie hat als Ergebnis ihrer Recherchen für ein entsprechendes Referat zusammen mit dem Diakoniewerk Arbeit und Kultur an ihrer Schule ein sogenanntes Zieglerfrühstück organisiert, das Schülerinnen kostenlos Brötchen, Obst und Joghurt anbietet. Röhrig orientiert sich am Beispiel des Diakoniewerks: "Bedürftig ist, wer sich für bedürftig hält." Die ehemalige Schülersprecherin weiß: "Auch an unserer Schule gibt es Schülerinnen und Schülern, die ohne Frühstück zur Schule kommen, weil ihren arbeitslosen oder alleinerziehenden Eltern das Geld dafür fehlt." Mit ihrem Förderpreis für soziales Engagement zeichnete die Mülheimer Bürgerstiftung Lea Marie Röhrig auch deshalb aus, weil die 15-Jährige unter dem Eindruck eines Besuches im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz eine Ausstellung zum Thema Holocaust erstellt hat, die unter anderem an ihrer Schule und bei Instagram zu sehen war bzw. zu sehen ist. "Das Wissen darüber, was in Auschwitz und anderswo passiert ist, darf auch in den  kommenden Generationen nicht verloren gehen. Und wir dürfen als Gesellschaft nicht in Handlungsmuster von Ausgrenzung und Diskriminierung zurückfallen, aus denen wir uns als Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg herausgekämpft haben", sagt die ausgezeichnete Schülerin.
Ihr 16-jährige Preisträger-Kollegin Rania Ahmad vom Gymnasium Broich wurde in der Kategorie Geisteswissenschaften für ihre literarische Arbeit ausgezeichnet, die ihr auch schon den Europäischen Literaturpreis des Literaturhauses Graz eingebracht hat. Die junge Autorin liebt Fantasy-Literatur, schreibt aber auch Kurzgeschichten aus dem Alltag und philosophische Essays. Literatur und Sprache sieht die junge Autorin als ein gesellschaftlich relevantes Medium, „um in andere Welten und Leben einzutauchen und damit auch andere Menschen kennenzulernen und zu verstehen, ohne dass man ihre Weltsicht akzeptieren muss.“ Ein so in Gang gesetzter Dialog, davon ist Rania Ahmad überzeugt, „kann Gewalt verhindern und Kriege beenden“.

Chemie-Olympiaden, Mathematik-Wettbewerben und MINT-EC-Camps. Das ist die Welt der 18-jährigen Mila Talisa Drießen, die im MINT-Bereich ausgezeichnet worden ist. MINT steht für Mathemathik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Warum es ihr die Naturwissenschaften angetan haben, erklärt sie so: „Hier geht es um logisches und strukturiertes Denken, das zu klaren Ergebnissen führt und einem damit auch eindeutige Erfolgserlebnisse verschafft.“ Das MINT-Know-How zieht Drießen als Fundament unseres gesellschaftlichen Wohlstandes. Engagierte Fachlehrer, die ihre Schülerinnen und Schüler fördern und ihnen auch die berufspraktischen Perspektiven der Naturwissenschaften aufzeigen können, sind für Mila Drießen die Voraussetzung dafür, Jugendliche für die MINT-Fächer zu begeistern.

Mit den Otto-Pankok-Schülerinnen Valentina Krebs und Paula Schulz genannt Menningmann wurden in der Kategorie Zivilcourage gleich zwei Preisträgerinnen ausgezeichnet. Denn die beiden Schulsanitäterinnen, die sich auch ein medizinisches Berufsleben vorstellen können, standen einer Mitschülerin bei, die einen allergischen Schock erlitten hatte. Mit ihrer menschlichen Umsicht und ihrem gerade erst erworbenen Erste-Hilfe-Wissen taten sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort genau das, was zu tun war, um größeren Schaden von ihrer Mitschülerin abzuwenden. 

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“, sind sich die beiden ausgezeichneten Schülerinnen einig, die sich ihr Preisgeld geteilt haben. Und sie finden: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“!


Donnerstag, 25. April 2024

Junge Schule

 Schülerinnen und Schüler machen Schule. Das nahm die Schülervertretung an der Willy-Brandt-Schule in Styrum an einem von ihr organisierten Projekttag zum Thema Diskriminierung, sexualisierte Gewalt und Stress beim Wort.

Nachdem sie sich selbst mit einer Schulung darauf vorbereitet hatten, boten die Mitglieder der Schülervertretung ihren Mitschülern Workshops zu den genannten Themen an und präsentierten deren Ergebnisse am Abend des Projekttages der über die Schulgemeinde hinausgehenden interessierten Öffentlichkeit im Rahmen eines Marktes der Möglichkeiten.

"Was ihr heute hier gemeinsam erarbeitet habt zeigt uns, dass Rassismus und Diskriminierung an unseren Schulen keinen Platz habt. Deshalb: Macht weiter so!" lobte Bildungsdezernent David Lüngen das Enagagement der Schülerinnen und Lehrer, das durch die Assistenz der Lehrkräfte und externer Fachleute der Mülheimer Stadtverwaltung und der Mülheimer Sozialverbände unterstützt worden war.

Im Mittelpunkt der abschließenden Präsentation standen ein Schüler-Theaterstück, dass Mülheimer Opfer des Holocaust in Erinnerung rief und das Einreißen einer aus Pappkartons gebauten Mauer, hinter der eine vom Essener Bildhauer Roger Löcherbach geschaffene Holzskulptur Willy Brandt freigab. Zweifellos wäre Willy Brandt stolz auf das Engagement der Jugendlichen an der 1986 gegründeten und seit 1992 nach ihm benannten Schule gewesen. 

„Wir haben uns besser kennengelernt und Mauern in unseren Köpfen abgebaut und wir haben gezeigt, dass Diskriminierung, Rassismus und sexualisierte Gewalt viele Gesichter haben können“, bilanzierte Schülersprecherin Farida Kepekpassi.

Zur Willy-Brandt-Schule

Donnerstag, 28. März 2024

Augen auf bei der Berufswahl

 Was soll ich werden? Bei dieser lebensentscheidenden Frage, die man sie sich vor dem Schulabschluss zwangsläufig stellen muss, bekamen etwa 500 Mülheimer Oberstufenschüler und jetzt eine Entscheidungshilfe. Eine Berufsmesse in der Hochschule Ruhr West, zu der die drei Mülheimer Rotarier Clubs eingeladen hatten, machte es möglich. 

Die Bandbreite in der potentiellen Arbeitgeber, die sich im Foyer mit der Hochschule präsentierten, um potenziellen Berwerberinnen und Bewerbern Rede und Antwort zu stehen, reichte von der Bundeswehr über die Sparkasse und die Hochschule Ruhr West bis hin zum IT-Unternehmen Turck und der im Pflegebereich aktiven Contilia Gruppe. Der eine oder andere junge Messebesucher vermissten allerdings Informationsangebote aus dem Handwerk. Insgesamt stieß die Berufsbörse auf dem Hochschulparkett bei allen Beteiligten auf Gegenliebe. 

So nutzten einige Oberstufenschü ler zum Beispiel die Gelegenheit, um sich im Rahmen einer Medizinpräsentation über die Möglichkeiten zu informieren, wie man auch mit einem Numerus Clausus jenseits der 1,0 den Weg ins gewünschte Medizinstudium finden kann. Wer mit den angehenden Abiturienten ins Gespräch kam, konnte feststellen, dass es ihnen bei der Berufswahl weniger um eine möglichst hohen Verdienst, sondern vor allem um soziale Anerkennung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ging. Während einige der jungen Berufstätigen von morgen nach einem krisensicheren Arbeitsplatz Ausschau hielten, liebäugelten andere mit einer beruflichen Selbstständigkeit oder mit einem ortsunabhängigen Online-Arbeitsplatz, der sie in die Lage versetzen würde, wie es ein Schüler sagte, "möglichst viel zu erleben und von der Welt zu sehen, weil mein Horizont nicht auf seinem heutigen Status begrenzt bleiben sollte, ehe ich mich vielleicht mit dem Thema Familiengründung auseinandersetze."

Dass die HRW bereits zum zweiten Mal als Gastgeber ihre großzügigen Räumlichkeiten für die früher vor Ort in den Gymnasien organisierte Berufsorientierungsmesse der Mülheimer Rotarier zur Verfügung gestellt hatte, kam bei Schülern, Lehrern und Arbeitgebern gleichermaßen gut an, werden doch viele der jungen Messebesucher nach ihrem Abitur studieren, ob an der HRW oder an einer anderen Hochschule. Da konnte es ihnen nicht schaden, vorsorglich schon mal etwas Uni-Luft zu schnuppern.

Freitag, 22. Dezember 2023

Ehrenamt bildet

 „Man merkt, was im Leben wirklich wichtig ist.“ So  beschreiben die Schülerinnen Paula Bakum und Alma Weddiege  die wichtigste Erfahrung ihres ehrenamtlichen Engagements in dem vom Deutschen Roten Kreuz betreuten Flüchtlingsdorf an der Mintarder Straße in Saarn. Immer wieder mittwochs gehen die beiden Oberstufenschülerinnen ins Saarner Flüchtlingsdorf, um dort vor allem mit Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine zu malen und zu basteln. „Es macht Freude zu sehen,“ dass die Kinder und Jugendlichen für eine kurze Zeit ihren schwierigen Alltag ausblenden können und uns auch aus ihrem Familienleben erzählen“, erklärt Paula Bakum. Sie möchte nach ihrem Abitur Architektur studieren.

„Wir haben die Kinder und Jugendlichen, mit denen wir im Gemeinschaftsraum des DRK-Dorfes malen und basteln gebeten etwas zu malen, was sie glücklich macht“, schildert ihre Mitschülerin Alma Weddiege, wie es zum Kinderkunst-Adventskalender kam, der jetzt die Wand vor dem Schulsekretariat schmückt. Die letzten beiden Bilder des gemalten und in Herzform aufgehängten Kalenders packten am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien Schulleiterin Angela Huestegge und ihre Stellvertreterin Tanja Weymann aus. Auch Paulas Bruder, der SPD- Landtagsabgeordnete Rodion Bakum machte sich auf Einladung seiner Schwester vor Ort ein Bild.

„Wir sind nicht allein mit unserem ehrenamtlichen Engagement. Auch andere Mitschülerinnen und Mitschülern aus der 12. Jahrgangsstufe machen vergleichbare Angebote zum Beispiel im Raphaelhaus oder in der Grundschule Krähenbüschken. Sie geben Kindern und Jugendlichen zum Beispiel Nachhilfe, zeigen ihnen, wie man sich mithilfe von Yoga entspannt oder spielen mit Ihnen Hockey und Fußball“, erklärt Alma Weddiege,  die nach ihrem Abitur erst mal ins Ausland gehen und dann wahrscheinlich Meeresbiologie studieren möchte.

 Die beiden Schülerinnen haben ihren Adventskalender auch Mitschülern und Mitschülerinnen aus den jüngeren Jahrgängen präsentiert und ihnen dabei auch kleine Texte vorgelesen, in denen Kinder und Jugendliche aus der Ukraine beschreiben, was sie glücklich macht. „Mich hat das Bild eines Jungen besonders betroffen gemacht, das einen großen schwarzen Fleck zeigt, wozu der Junge geschrieben hat: Mich macht nichts mehr glücklich, wodurch er die Traumatisierung durch den Krieg in seiner Heimat zum Ausdruck bringt, sagt Schulleiterin Angela Huestegge, deren Schule zurzeit von 1100 Kindern und Jugendlichen besucht wird.

Paula Bakum und Alma Weddiege sind ihrem Sport- und Spanischlehrer Jörn Schulz dankbar dafür, dass er als Mitglied des Vereins Be strong for Kids das Ehrenamtsprojekt für die Oberstufe am Gymnasium Broich zusammen mit dem Verein ins Leben gerufen hat und koordiniert. „Für uns war es wichtig, dass wir in einem Workshop auf unsere Kurse vorbereitet wurden und pädagogisches Handwerkszeug mitbekam um zu wissen wie wir in bestimmten Situationen mit den Kindern und Jugendlichen, die uns für eineinhalb Stunden pro Woche anvertraut werden, umgehen müssen und können, sagt Paula Bakum im Rückblick auf ihre Ehrenamtsprojekt. Ihr war es auch wichtig, bei den Präsentationen des Adventskalenders mit den jüngeren Mitschülerinnen und Mitschüler darüber ins Gespräch zu kommen, was für sie im Leben wirklich wichtig ist. Besonders oft bekamen sie und ihre Mitschülerin den Wunsch nach Frieden, Freundschaft und Liebe in der Welt und in der eigenen Familie zu hören. 

Weitere Informationen über den Verein Be strong for Kids findet man im Internet unter: www.bestrongforkids.de  Weitere Informationen über Schulprojekte am Gymnasium Broich findet man ebenfalls im Internet unter: www.gymnasium-broich.de 


Gymnasium Broich & Be strong for kids & Über mich



Freitag, 13. Oktober 2023

Weil der Mensch was lernen muss

 ehrer haben morgens Recht und nachmittags frei“, lautet ein Witz, den Lehrerinnen und Lehrer gelegentlich von Menschen zu hören bekommen, deren Schulzeit spätestens mit dem Abitur zu Ende gegangen ist. Der stellvertretende Otto-Pankok-Schulleiter, Ulrich Bender, geht sein 35 Jahren als Lehrer für Englisch, Musik und Darstellendes Spiel in die Schule. Im Gespräch mit der Lokalredaktion reflektiert er am UN-Welttag der Lehrkräfte (5. Oktober) Realität und Wandel seines Berufes.

Warum sind Sie Lehrer geworden?


Ulrich Bender: Weil ich mit und für Menschen arbeiten wollte. Ich darf junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung begleiten, fördern und unterstützen. Das ist ein sehr lebendiger und erfüllender Beruf, der aber von den Lehrenden auch viel Energie fordert.


Wie sieht es in Ihrem Beruf mit der sogenannten Work-Life-Balance aus?


Ulrich Bender: Die hat es im Lehrberuf so nie gegeben. Hier haben wir es mit einem Work-Life-Blending zu tun, in dem sich die Grenzen zwischen beruflichen und privatem leben nicht immer klar ziehen lassen. Schule ist heute ein Ganztagsbetrieb. Und auch wenn ich die Schule verlasse, verlässt mich mein Beruf nicht. Ich muss Unterrichtsstunden vor- und nachbereiten, Klausuren und Klassenarbeiten korrigieren oder mit Schülern, Eltern und Kollegen kommunizieren.


Brennt man da schnell aus?


Ulrich Bender: Die Gefahr besteht. Im Lehrberuf kann man nur gemeinsam überleben. Man braucht eine gute Teamarbeit im Kollegium und pädagogische Inseln, wie Arbeitsgemeinschaften oder Lehr- und Lernprojekte, die man individueller und kreativer gestalten kann.


Was macht einen guten Lehrer aus?


Ulrich Bender: Man muss junge Menschen mögen und sie ernst nehmen. Man darf sie mit seinem Fachwissen nicht überfrachten, sondern muss sie dort abholen, wo sie in ihrem Leben stehen. Das eigene Wissen ist wie ein Steinbruch, aus dem ich mir jeweils die Steine herausholen und auf das Maß bringen muss, dass ich in einer bestimmten Lerngruppe benötige, um mein Wissen auf die Lebenswirklichkeit der Schüler herunterbrechen zu können. Schüler müssen verstehen, was das erlernte Wissen mit ihrem Leben und mit der Gesellschaft, in der sie leben, zu tun hat.


Wie hat sich Ihr Beruf verändert?


Ulrich Bender: Wir leben heute in hektischen und aufgeregten Zeiten. Das wirkt sich auch auf den Schulalltag aus. Als Lehrer muss ich nicht nur Wissen vermitteln, sondern mich auch als persönlicher Coach, als Kommunikator, als Organisator und manchmal auch als Sozialpädagoge und Sozialarbeiter bewähren. Der Grund dafür ist die zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft, in der wir als Lehrende weniger Gemeinsamkeiten voraussetzen können und erst einmal eine Lerngemeinschaft bilden müssen.


Das klingt nach einer strukturellen Überforderung?


Ulrich Bender: Das kann es werden, wenn wir als Schule von unserer Gesellschaft nicht die personellen, technischen und räumlichen Möglichkeiten bekommen, die wir benötigen, um über die Wissensvermittlung hinaus grundsätzlich sinnvolle Bildungsziele wie etwa Inklusion, Integration, individuelle Förderung, digitale Medienkompetenz und kommunikative und soziale Kompetenz erreichen wollen und sollen.


Was würde Lehrenden und Lernenden das Leben leichter machen?


Ulrich Bender: Wir leben in der digitalen Informationsüberflutung, in der Wissen komplexer wird, aber auch schneller veraltet. Lehrende und Lernende müssen sich von der Illusion befreien, alles wissen zu können und alles wissen zu müssen. Deshalb müssen wir unsere Lehrpläne entschlacken und nicht mit immer mehr Inhalten überfrachten. Als Lehrende müssen wir den Lernenden ein solides Grundwissen vermitteln, dass ihnen in ihrem Leben helfen kann, ihr Wissen praktisch anzuwenden, aber auch kontinuierlich zu erweitern und zu aktualisieren. Wir brauchen heute vor allem die Fähigkeit, Informationen zu bewerten, auszuwählen und mit anderen Informationen so zu vernetzen, dass wir sie in unserem Alltag ganz praktisch anwenden können.


Was wünschen Sie sich für Lehrende und Lernende?


Ulrich Bender: Ich wünsche mir eine Schule, in der wir mit dem wohl kalkulierten Mut zur Lücke mehr Lerninseln haben, auf denen Lehrende und Lernende gemeinsam und kreativ Wissen entdecken und auf ihre Lebenswirklichkeit anwenden, so dass sie gemeinsam fürs Leben lernen und arbeiten und sich mit der so gewonnenen Zufriedenheit öfter als heute im Unterrichtsalltag ein Lächeln schenken können.


Mülheimer Presse & Otto-Pankok-Schule & Über mich



Dienstag, 1. August 2023

Baustelle Schule

„Wir haben heute mehr als nur einen Überblick erhalten, warum und wie 27,1 Millionen Euro hier im Schulzentrum Broich und damit in unsere Zukunft des Bildungsstandortes Mülheim investiert worden sind“, resümierte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Heiko Hendriks, nachdem sich seine Fraktionskollegen und er bei einer 90-minütigen Führung ein Bild von der Schulbaustelle zwischen Ritter- und Holzstraße gemacht hatten.

Die zuständige Projektleiterin beim Immobilienservice, Carolina Ramos und ihr Kollege Udo Kraft übernahmen die Präsentation der bautechnischen Details. Mit von der Partie waren bei der Sommerferientour der CDU-Fraktion auch Schuldezernent David Lüngen und die Leiterin des städtischen Immobilienservice, Susanne Ehmanns.


Die Chefin des Immobilienservice, Susanne Ehmanns, geht davon aus, „dass alle Bauarbeiten im und am Schulzentrum Broich in den Sommerferien 2024 abgeschlossen sein werden.“


Projektleiterin Ramos teilte den christdemokratischen Kommunalpolitikern mit, „dass wir im Gymnasium Broich jetzt mit unseren Bauarbeiten durch sind und nur noch an der Realschule Broich arbeiten müssen.“ Nach ihren Angaben werden beide Schulen zurzeit von insgesamt 2000 Mädchen und Jungen besucht und nutzen dabei eine Grundfläche von insgesamt rund 12.000 Quadratmetern.


 „Das Gymnasium Broich war Mitte der 1960er Jahre das erste koedukative Gymnasium Mülheims“, erinnerte sich die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Heidelore Paschmann an ihre Schulzeit, die sie 1968 mit dem Abitur am Gymnasium Broich abgeschlossen hatte. Auch Heiko Hendriks und sein Fraktionskollege Patrick Helmchen outeten sich beim Baustellenrundgang als ehemalige Schüler des Gymnasiums Broich. „Die Bedeutung des Schulstandortes zeigt sich auch darin, dass wir hier das einzige Gymnasium und die einzige Realschule links der Ruhr haben“, unterstrich Heiko Hendriks. 


Nicht nur er bedauerte es angesichts wieder steigender Schülerzahlen, „dass wir uns als CDU-Fraktion nicht mit dem Vorschlag durchsetzen konnten, an den dafür geeigneten Stellen noch eine Etage draufzusetzen und damit einer suboptimalen Nutzung von Schulcontainern vorzubeugen.“ Beeindruckt zeigten sich die Baustellenbesucher aus der CDU-Fraktion von der gelungenen Gestaltung des Schulinnenhofes, von der modernen technischen Ausstattung der naturwissenschaftlichen Fachräume und von einer Photovoltaikfassade, die IS-Mitarbeiter Udo Kraft vorstellte, nicht ohne den wichtigen Hinweis auf das dankenswerte Sponsoring der Westenergie AG. Mit Blick auf die voranschreitende Digitalisierung des Schulalltags stellte Bildungsdezernent David Lüngen fest: „Wir können inzwischen immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Tablet-PCs ausstatten, haben aber aufgrund der kommunalen Finanzsituation noch keine flächendeckende Bereitstellung von Schüler-Ipads realisieren können.“


Gymnasium Broich & Realschule Broich & CDU-Fraktion



Freitag, 7. April 2023

Akademische Osterferien

 Mit einer Experimentalshow ist am Mittwochnachmittag die Osterakademie an der Luisenschule zu Ende gegangen. An drei Tagen haben 50 Luisenschülerinnen und Luisenschüler aus den Jahrgangsstufen 7 bis 10 70 Grundschülern aus den Klassen 3 und 4 naturwissenschaftliches und technisches Basiswissen vermittelt. "Die Osterakademie hat sich seit 2017 großartig entwickelt. Hier bringen sich Schülerinnen und Schüler mit Leidenschaft und kreativen Ideen ein. Viele Kinder, die an den ersten Osterakademien teilgenommen haben, gehören heute zu den lehrenden MINT-Helfern oder studieren nach ihrem Abitur an der Hochschule Ruhr-West oder arbeiten beim Max-Planck -Institut für Kohleforschung. Finanziert wird die Osterakademie in den MINT-Fächern durch das ZDI-Netzwerk der Stadt Mülheim an der Ruhr, das mir zu Beginn auch die Kontakte zu den anderen Kooperationspartnern wie dem Max-Planck-Institut für Kohle Forschung der Camera Obscura, dem Haus Ruhr Natur, der Rheinisch Westfälischen Wasserwerksgesellschaft RWW und der Hochschule Ruhr West vermittelt hat, erklärt Chemielehrerin Dr. Beate Schulte. Sie hat die Osterakademie initiiert und hält als Koordinatorin die organisatorischen Fäden in der Hand. Nach der abschließenden Experimentalshow beantwortete der am Max-Planck-Institut für Kohleforschung arbeitende Chemie-Nobelpreistraeger Professor Dr Benjamin List Fragen der MINT-Schüler und Schülerinnen. Sein wichtigster Rat an den Nachwuchs lautet: "Sucht euch beruflich etwas, was euch begeistert. Dann habt ihr ein schönes und erfülltes Leben. Und dann ist es auch egal, ob ihr einen Nobelpreis oder einen Oscar gewinnt. Chemie hat mich schon als Kind begeistert, ehe ich Chemie als Fach in der Schule hatte. Damals habe ich geglaubt, dass Chemiker alles wissen, weil sie sich mit Molekülen und Atomen beschäftigen und deshalb wissen, was die Welt zusammenhält, woher wir kommen und wohin wir gehen. Auch wenn ich diese Einstellung im Laufe meines Lebens relativieren musste, begeistert mich die Chemie bis heute Punkt und ich gehe jeden Tag gerne ins Institut, um mich dort mit meinen Doktoranden auszutauschen. Aktuell arbeite ich an der Frage, wie man klimaschädliches CO2 in Kohle zurückverwandeln könnte, gab List Einblick in die Motivation seiner Forschungsarbeit. Mit Blick auf in seine organische Katalysator Forschung, die z.B in der Herstellung von Kunststoffen und Medikamenten zum Einsatz kommt und die ihm 2021 den Chemie-Nobelpreis eingebracht hat, betont List: die Chemie kann das Leben der Menschen besser machen und das ist eine sehr erfüllende und glücklich machende Arbeit. Im Gespräch mit der Lokalredaktion lobt der Nobelpreisträger aus dem MPI am Kahlenberg: "Die Ostetakademie begeistert mich, weil sie einen ganz praktischen Beitrag dazu leistet, dass bei vielen Kindern und Jugendlichen vorhandene Interesse an den Naturwissenschaften auch zu aktivieren."


Mülheimer Presse & Luisenschule



Samstag, 5. Juni 2021

Früh studiert sich

 Die gerade erst mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnete Grundschule am Dichterviertel und die im ehemaligen HausJugendgroschen an der Hahnenfähre ansässige Junior-Uni-Ruhr haben am 1. Juni eine Zusammenarbeit vereinbart. Rektorin Nicola Küppers und die ehrenamtliche Geschäftsführerin der Junior-Uni, Dagmar Mühlenfeld unterzeichneten an der Bruchstraße einen entsprechenden Kooperationsvertrag. Als erstes Gemeinschaftsprojekt wird es in den Sommerferien einen einwöchigen Junior-Uni-Kurs für 15 Mädchen und Jungen geben, die das Thema ihrer Sommerakademie selbst bestimmen können.

Mühlenfeld, die als ehemalige Leiterin der Luisenschule und als ehemalige Oberbürgermeisterin eine ausgewiesene Bildungspolitikerin ist, sagte bei der Vertragsunterzeichnung: „Wir freuen uns mit der gemeinschaftsgrundschule am dichterviertel eine mehrfach ausgezeichnete und gerade mit dem deutschen schulpreis Spezial in der Kategorie Bildungsgerechtigkeit fördern geehrte Grundschule für das Kooperationsnetzwerk gewonnen zu haben. Denn zum einen gehört auch für die junioruni Ruhe ein mehr an Bildungsgerechtigkeit zu unserem Leitzielen zum anderen ist es uns somit möglich einer großen Zahl von Schülerinnen und Schülern die Angebote der Junior Uni näherzubringen so können Sie herausfinden welche Talente in ihrem in ihnen schlummern außerdem werden sowohl die Ideen und Anregungen der Kinder als auch ihre formulierten Forschung Interessen und Fragen dazu beitragen das Kursangebot entsprechend ausrichten und weiterentwickeln zu können.“


Gemeinsame Ziele

Als gemeinsame Ziele werden in den Kooperationsvertrag unter anderem definiert: "Talente zu erkennen zu gewinnen und zu fördern neugierigen und wissensdurstigen jungen Menschen durch erproben experimentieren und forschen zu selbstwirksamkeit Erfahrung zu verhelfen und in jungen Menschen einen wissenschaftlich forschenden Habitus zu entwickeln und sie dabei zu unterstützen Wissenschaft Forschung und Technik als Instrumente zu erkennen mit deren Hilfe es gelingen kann positive Bilder und Vorstellungen von einer lebenswerten Zukunft zu entwerfen."

Für Nicola Küppers geht es vor allem darum, "unseren Kindern neue Möglichkeiten zu erschließen, um ihre persönlichen Stärken zu stärken und ihren Wissensdurst zu löschen." Auch wenn sich Küppers und Mühlenfeld keinen Illusionen über die materiellen Grenzen der Kooperation zwischen der in den Lehrplan des Landes eingebundenen Gemeinschaftsgrundschule im Stadtteil Eppinghofen und der allein spendenfinanzierten Junior-Uni-Ruhr hingeben, sind sie sich doch einig: "Unsere Kooperation hat Signalwirkung und kann sich im gemeinsamen praktischen tun Schritt für Schritt weiterentwickeln." 

Digitalisierung nutzen

Mit Blick auf die Erfahrungen des digitalen Homeschoolings übt sich Küppers in Visionen: "Warum sollte es nicht möglich sein, dass sich Kinder aus verschiedenen Ländern in einer Livestream-Videokonferenz über ein gemeinsames Lernprojekt oder auch über den Alltag in ihrem Land und in ihrer Stadt austauschen, ohne das man einen aufwendigen internationalen Schüleraustausch finanzieren müsste."

Personifizierter Verknüpfungspunkt zwischen der Gemeinschaftsgrundschule am Dichterviertel und der Junior-Uni an der Ruhr in Menden-Holthausen ist Dr. Elisabeth Kühnel-Terjung. Die aus der wissenschaftlichen Forschung kommende Medizin-Biologin unterrichtet an der Schule im Dichterviertel das in den Lehrplan integrierte Fache Forschen. Ihr aktuelles Thema ist der menschliche Körper. Dabei legt Nicola Küppers Wert darauf, dass alle 194 Schülerinnen und Schüler im Laufe eines Schuljahres in den Genuss des praxisbezogenen Forschen-Unterrichts kommen. "Es ist einfach großartig, die Begeisterung und Neugier der Kinder zu erleben und sich mit ihren immer neuen Fragen zu konfrontieren", betont die Medizin-Biologin, die neben ihrer Lehrtätigkeit an der Bruchstraße die wissenschaftlich-pädagogische Leitung des Studienbetriebs an der Junior-Uni-Ruhr verantwortet. Aktuell sind dort 400 Kinder eingeschrieben. 

Finanzielle Förderung

Obwohl die Junior-Uni rein spendenfinanziert ist und ihre ehrenamtliche Geschäftsführerin Dagmar Mühlenfeld schon jetzt Geld für das Studienjahr 2022 einwirbt, hat die Junior-Uni-Ruhr mit ihrer wissenschaftlichen Leiterin Dr. Elisabeth Kühnel und ihrer kaufmännisch-organisatorischen Leiterin Anke Hötzel bereits zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen verpflichten können. Von zentraler Bedeutung ist für die Junior-Uni die Zusammenarbeit mit der Hochschule Ruhr-West und die finanzielle Unterstützung durch einen Förderverein, dessen aktuell 35 Mitglieder sich über jede Verstärkung freuen. Der Jahresbeitrag des Fördervereins liegt bei 50 Euro. Unternehmen zahlen als juristische Personen einen Jahresbeitrag von 100 Euro, dürfen aber gerne auch mehr spenden. Natürlich wäre auch ein breiter angelegtes Sponsorenmodell denkbar, wie es zum Teil private von Unternehmen geförderte Hochschulen in Anspruch nehmen können. Denn klar ist: Bildungskooperationen, wie die zwischen der Junior-Uni-Ruhr und der Gemeinschaftsgrundschule Am Dichterviertel können die dringend benötigten Fach- und Führungskräfte von Übermorgen hervorbringen. Weil das natürlich auch für die technisch und intellektuell immer anspruchsvolleren Handwerksberufe, wird am 2. Juni ein Kooperationsvertrag zwischen der Junior-Uni an der Hahnenfähre und der an der Zunftsmeisterstraße ansässigen Kreishandwerkerschaft geschlossen.

Weitere Informationen 

Weitere Informationen zu den beiden Kooperationspartnern finden Sie im Internet unter: www.junioruni.ruhr und: www.ggschule-am-dichterviertel.de


Mülheimer Woche, 01.06.2021

Sonntag, 19. Juli 2020

Verbündete gesucht

Der Polizei-Mord an dem 46-jährigen Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis hat auch hierzulande die Diskussion darüber befördert, wie rassistisch unsere Gesellschaft ist und was man gegen Rassismus tun kann und muss. Dass in Mülheim Menschen aus 140 Nationen zusammenleben, unterstreicht die lokale Relevanz und die strategische Bedeutung des Themas, zu dem die im Senegal geborene Mülheimerin Gilberte Raymonde Driesen uns viel zu sagen hat.

Wie und wo erleben Sie im Alltag Rassismus?
Gilberte Raymonde Driesen: Überall. Zum Beispiel, wenn mir jemand sagt: ‚Sie sprechen aber gut Deutsch, dafür, dass Sie eine Schwarze sind‘ oder darüber staunt, dass ich als schwarze Frau eine akademische Ausbildung absolviert habe. Nicht nur ich erlebe Rassismus, wenn ich als Schwarze bei Bewerbungen, trotz gleicher Qualifikation, schneller aussortiert werde als weiße Bewerber. Ich erlebe Rassismus, wenn meine Kinder in der Schule als Neger bezeichnet werden und Lehrer das als harmlose Kinderspielerei abtun, wenn mich der Fahrkartenkontrolleur in der Straßenbahn als erstes anspricht und die Kellnerin im Bordrestaurant der Deutschen Bahn, alle fragt, was sie essen oder trinken möchten und mich nicht. Rassismus erlebte ich auch, als neue Nachbarn nur mit Herrn Driesen sprechen wollten, weil sie mich in meinem eigenen Haus für die Putzfrau hielten.

Kennen Sie durch Ihre Beratungsarbeit für Zuwandererfamilien auch einen amtlichen Rassismus, zum Beispiel bei der Polizei oder in Schulen?
Ja. Auch das gibt es: Ich denke an einen schwarzen Schüler, der von einem Lehrer zu hören bekam: „Für dich ist eine Drei gut genug, weil du Ausländer bist!“ oder: „Du kannst ja beim Kistenschleppen helfen. Das können Neger gut, weil sie kräftig sind!“ Auch eine schwarze Mutter und ihr Sohn suchten meinen Rat, nachdem sie auf einer Polizeiwache vergeblich versucht hatten, einen Diebstahl anzuzeigen. Statt angehört zu werden und Hilfe zu bekommen, wurden Sie von den Beamten handgreiflich hinauskomplimentiert.

Das hört sich schlimm an.
Ja. Aber man darf angesichts dieser Negativbeispiele auch nicht die vielen sensiblen und engagierten Lehrer, Polizisten, Sozialarbeiter, Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Nachbarn vergessen, die unter anderem meinen Rat suchen, weil sie den alltäglichen Rassismus den sie mit ansehen und mit anhören müssen, nicht einfach tatenlos hinnehmen, sondern etwas dagegen unternehmen wollen.

Was kann man gegen Alltagsrassismus unternehmen?
Die Betroffenen müssen sich Verbündete unter den Bio-Deutschen suchen, die bereit und in der Lage sind, sie zu unterstützen und Partei für sie zu ergreifen. Wir brauchen auf allen Ebenen eine intensive Bildungsarbeit, die nicht nur Rassismus aufdeckt und seine Ursachen beleuchtet, sondern eine antirassistische Haltung und die Menschenrechte fördert. Diese Bildungsarbeit muss den eurozentristischen Blickwinkel durch eine globale Multiperspektivität ersetzen. Nur so kann sich die faktische Vielfalt der Weltgesellschaft auch in den Schulbüchern, Klassenzimmern, Hörsälen, Behörden, Parlamenten und Ministerien, kurzgesagt in unserer sozialen Wirklichkeit widerspiegeln.

Warum haben wir mit Rassismus zu kämpfen?
Die Sklaverei und das koloniale Erbe der Imperialistischen Epoche, das von einer Überlegenheit der weißen Europäer ausgeht, steckt immer noch in den Köpfen. In Deutschland kommt das rassistische Erbe des Nationalsozialismus hinzu. Und natürlich geht es beim Rassismus auch um eine Mehrheit, die ihre Privilegien nicht mit einer Minderheit teilen möchte. Auch wenn Medien hier nur sehr einseitig über Afrika, Lateinamerika und Asien berichten, wenn es um Exotik oder um Armut, Krankheit, Gewalt und Krieg geht, aber nur selten einen Blick für die kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen in diesen Regionen der Erde und für deren strukturelle wirtschaftliche Benachteiligung haben, begünstigt das Rassismus.

 Zur Person:
Gilberte Raymonde Driesen wurde 1973 in der Hauptstadt des Senegals, Dakar, geboren und lebt seit 2007 in Mülheim. Die Pädagogin und zweifache Mutter kandidiert am 13. September 2020 bei der Wahl zum Mülheimer Integrationsrat auf der Grün-Bunten Liste. Als Stipendiatin hat sie in Dakar und Graz Germanistik und Romanistik auf Lehramt studiert und anschließend sieben Jahre als Gymnasiallehrerin im Senegal unterrichtet. Als Pädagogin arbeitet sie heute mit den Themenschwerpunkten Vielfalt des Engagements ,Migration und Flucht für das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) und nebenberuflich ist sie als entwicklungspolitische Trainerin bei Engagement Global (für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) tätig und begleitet internationale Schulpartnerschaften .Seit 2015 führt sie als Gründungsvorsitzende den deutsch-senegalesischen Bildungsverein Axatin e.V.

Donnerstag, 19. März 2020

Schule in Zeiten von Corona

Auch wenn die Schulen vorerst bis zum 19. April geschlossen sind, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, muss der Schulunterricht irgendwie weitergehen. Das gilt auch für die 709 Schüler und 56 Lehrer der Realschule Stadtmitte. "Wir wollen Kontakt halten und unsere Schüler und ihre Eltern zuhause nicht alleine lassen", sind sich Rektorin Sabine Dilbat und der didaktische Leiter der Realschule, Jan Hansen, einig.
Mitte der vergangenen Woche wurden die beiden Pädagogen aktiv, als bereits öffentlich über mögliche Schulschließungen spekuliert wurde, ehe am Freitagnachmittag die Entscheidung der Landesregierung kam. Auf der Internet-Plattform des Messenger-Dienstes Schulmanager-Online.de richteten sie ein digitales Klassenzimmer für ihre vom Corona-Virus ausgebremste Schulgemeinschaft ein.
"Wir sind dem Betreiber des Dienstes dankbar dafür, dass wir diese Plattform, so wie insgesamt 300 Schulen in Deutschland, bis zum 19. April kostenlos nutzen können, da uns eine vergleichbare digitale Lernplattform, an der das Land arbeitet, noch nicht zur Verfügung steht",
erklärt Hansen.

Auch Binnendifferenzierung ist möglich

Via Smartphone, Computer, Smart-TV, Tablet-PC oder Notebook können die Schüler daheim mithilfe eines Login-Codes die digitale Lernplattform betreten, um dort mit ihren Lehrern zu kommunizieren, Nachfragen zu stellen, die von ihnen eingestellten Aufgaben zu bearbeiten und auch gleich eine Resonanz auf ihre Arbeitsergebnisse zu bekommen. Wie im analogen Schulleben, bilden die Klassengemeinschaften auf der digitalen Lernplattform Lerngruppen und auch pädagogisch binnendifferenzierte Untergruppen.

Online diskutieren möglich

Online-Diskussionen oder die Bearbeitung von Inhalten, die mithilfe einer Film- oder Audiodatei in den Unterricht einfließen, sind im digitalen Klassenzimmer ebenso möglich, wie das klassische Herunterladen von Arbeitsblättern und Tests. "Das wir den Übergang ins digitale Lernen ohne große Vorerfahrungen geschafft haben, ist der Tatsache zu verdanken, dass wir ein sehr aktives und engagiertes Kollegium haben", betont Schulleiterin Sabine Dilbat. Der didaktische Leiter Jan Hansen findet es bemerkenswert, "dass die Schüler zurzeit täglich mehr Aufgaben bearbeiten, als vorher im Präsenzunterricht." Dass die Schüler-Lehrer-Kommunikation und die Vermittlung von Lerninhalten auch online funktioniert, führt Hansen auch darauf zurück, "dass sich auch die Kollegen, die nur eine halbe Stelle haben, derzeit fast Vollzeit in das Projekt einbringen, um den Lernfluss aufrechtzuerhalten."
Doch der aus Nordfriesland stammende Pädagoge, der jetzt an der Ruhr unterrichtet, lässt keinen Zweifel daran, dass die Online-Schule mit all ihren Möglichkeiten mit dem 1:1-Unterricht in der analogen Schulwirklichkeit nicht zu vergleichen ist.
"Schule bedeutet im richtigen Leben nicht nur, Lernstoff zu vermitteln, abzufragen und zu vermitteln. Hier geht es immer auch um Kommunikation, soziale Beziehungen und Interaktion",
unterstreicht Hansen. Konkret bedeutet das für ihn, "dass wir zurzeit nur bestehende Unterrichtsinhalte vertiefen, aber keine neuen Unterrichtsinhalte einführen können."

Sehr hilfreich, aber keine Ideallösung

Auch Sabine Dilbat weiß:
"Wenn wir den regulären Schulbetrieb wieder aufnehmen können, müssen wir vor allem mit Blick auf die zentralen Abschlussprüfungen der Zehntklässler intensiv und gezielt nacharbeiten."
Eigentlich sollen die zentralen Abschlussprüfungen in der ersten Mai-Hälfte stattfinden. Doch die Pädagogen der Realschule Stadtmitte gehen derzeit davon aus, dass es wie bei den Abiturprüfungen zu einer Verschiebung kommen wird.
Auch wenn das digitale Klassenzimmer keine pädagogische Ideallösung sein kann, lässt der Schulpflegschaftsvorsitzende, Andreas Wildoer, dessen Tochter die siebte Klasse der Realschule Stadtmitte besucht, keinen Zweifel daran, "dass die Eltern sehr dankbar dafür sind, dass unsere Kinder auf diesem Weg weiter unterrichtet werden und so eine sinnvolle Tagesstruktur bekommen können." Befürchtungen  vieler Eltern, dass ihr Nachwuchs nach der Schließung des Schulbetriebs: "zuhause die Bude auf links drehen und vor allem mit der Playstation arbeiten" werde, haben sich schon nach den ersten Tagen des Online-Unterrichts zerschlagen. Überhaupt hat Wildoer mit Blick auf das Home-School-Office seiner Tochter das Gefühl, "dass sie keineswegs froh über den Schulausfall, sondern angesichts der Corona-Krise sehr nachdenklich und dankbar dafür ist, dass sie mithilfe des Online-Schulmanagers mit ihren Mitschülern und Lehrern chatten und Aufgaben herunterladen und bearbeiten kann."
Jan Hansen zitiert Rückmeldungen über die Erfahrungen, die Schüler, Lehrer und Eltern mit dem Online-Manager gemacht haben:
"Die Tools der digitalen Plattform sind einfach und intuitiv zu handhaben. Toll ist auch die Möglichkeit, dass die Arbeitsergebnisse der gestellten Aufgaben sofort zurückgespielt werden können."
Besonders verblüfft und gefreut hat den Pädagogen eine an einem der letzten Online-Schultage um 8.02 Uhr über Schulmanager Online eingegangene Klassen-Nachricht: "Können wir schon mal Aufgaben erledigen. Uns ist langweilig." Dafür, dass bei den daheim lernen Schülern keine Langeweile aufkommt, sorgen auch die Mitarbeiter des offenen Ganztagsschulbetriebs. Sie stellen täglich Tipps für eine sinnvolle Freizeitgestaltung auf die digitale Lernplattform.
Dieser Text erschien am 18. März 2020 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Samstag, 25. Januar 2020

Ein Hauch von Broadway

"Das lohnt sich", sagt Xenia Hildebrand. Die 15-Jährige ist eine der 100 Saarner Gesamtschüler, die im Februar und März in ihrem Schulforum an der Ernst-Tommes-Straße Andrew Lloyd Webbers und Tim Rice' Musical "Joseph" mit den deutschen Texten von Heinz Rudolf Kunze auf die Bühne bringen werden. Wer jetzt die Gelegenheit hatte eine der Generalproben zu sehen, kann Xenia Hildebrand nur zustimmen. Es lohnt sich, ein Ticket zu kaufen und sich einen der sieben Aufführungstermine vorzumerken.
"Ich bin wirklich stolz, wenn ich sehe wie professionell meine Kollegen Stephanie von der Marwitz und Sebastian Klein und die Schüler aus den Jahrgangsstufen 5 bis 11 an dieser Produktion arbeiten und ich bin dankbar dafür, dass ich Teil dieses Teams sein darf", sagt der stellvertretende Schulleiter Michael Rölver. Dem Religionslehrer, der den israelitischen Stammvater Jakob verkörpert, gefällt die alttestamentarische Geschichte um Jakobs begabten Lieblingssohn und seine missgünstigen Brüder, mit denen er sich am Ende versöhnt, sehr gut. "Das ist eine sehr alte Geschichte. Aber sie hat uns auch heute noch viel zu sagen. Denn es geht um Schuld, Vergebung, Versöhnung, aber auch um die Bereitschaft, Fehler einzusehen, sich immer wieder neu auf den Weg zu machen und die Hoffnung nie aufzugeben", sagt Rölver.
Wer miterlebt wie souverän alle Schüler aus der von Stephanie von der Marwitz und Sebastian Klein geleiteten Musical-Klasse über gut 90 kurzweilige Minuten auf der Bühne singen, sprechen und tanzen, könnte den Eindruck gewinnen, ein professionelles Musical-Ensemble vor sich zu haben. Doch das, was die Jugendlichen mitreißend auf die Bühne bringen, ist nur ein Teil ihrer Schullebens an der Gesamtschule Saarn. Nicht nur im Musikunterricht, und in der Mittwochnachmittags stattfindenden Musical AG, sondern auch bei mehrstündigen Wochenendproben arbeiten die beteiligten Schüler und Lehrer an der jeweils aktuellen Musical-Produktion.

Bühnenerfahrene Schüler

"Joseph" ist bereits die zwölfte Musical-Produktion, die unter der Regie von Kunstlehrerin Stefanie von der Marwitz und Musiklehrer Sebastian Klein an der 1982 gegründeten Gesamtschule Saarn auf die Bühne gebracht wird. "Das ist längst mehr als ein Schulprojekt. Das ist ein Hobby", sind sich die beiden federführenden Pädagogen einig. Von der Marwitz zeichnet für Darstellung und Kostüme verantwortlich. Ihr Kollege ist der musikalische Leiter und sitzt bei den Aufführungen mit dem Schüler Phil Hüttenrauch am Ton- und Lichtpult. Wer auf die Bühne schaut und über die fantastischen Ton- und Lichteffekte staunt, weiß, wie wichtig ihre Arbeit im Hintergrund ist.
Auch wenn neben Konrektor Rölver auch der Sozialpädagoge Andreas Leitmon als Pharao im King-Elvis-Look ein echte Hingucker- und Hinhörer-Rolle hat, wird die musikalisch vielseitige Produktion von bühnenerfahrenen Schülern wie dem 16-jährigen Joshua Kastner (als Joseph) und Xenia Hildebrand (als Erzählerin) getragen. Für Joshua ist "Joseph" bereits die siebte Musical-Produktion, in der er mitwirkt. Für seine Mitschülerin Xenia ist es die sechste Musical-Rolle. "Die Bühnenarbeit gibt einem Selbstvertrauen", betont Kastner. Und Hildebrand unterstreicht: "Das pusht einen schon enorm, wenn man merkt, dass das, was man auf er Bühne macht, beim Publikum gut ankommt und mit Applaus belohnt wird." Beide Schüler, die sich vorstellen können, auch nach dem Abitur dem Musical als Darsteller treu zu bleiben, haben die entspannende Erfahrung gemacht, dass ihre Bühnenerfahrung ihr Lampenfieber spürbar dämpft, aber vor allem vor der Premiere keinesfalls ausschaltet.
"Ich finde es toll. dass wir ein großes Team sind, in dem alle zusammenhalten und mitmachen", sagt die Fünftklässlerin Luise Uhlenbrock aus dem Kinderchor der Gesamtschule Saarn. Sie hat schon als Grundschülerin gerne gesungen und im vergangenen Jahr an ihrer heutigen Schule die Aufführung von "Aida" gesehen. Danach war ihr klar: "Da will ich auch mitmachen."

Tickets & Termine

Das Musical "Joseph and the amazing technicolor dreamcoat" wird am 14., 15., 27., 28. und 29. Februar (Beginn jeweils um 19.30 Uhr) sowie am 10. Februar und am 1. März (jeweils um 15 Uhr) im Forum der Gesamtschule Saarn aufgeführt. Die Schule ist mit der Buslinie 133 erreichbar. Erwachsene zahlen 10 Euro und Schüler 5 Euro Eintritt. Eintrittskarten sind im Vorverkauf über die Internetseite der Gesamtschule Saarn www.gssaarn.de sowie im telefonisch unter der Rufnummer: 0208/455-4710 erhältlich.

Freitag, 24. Januar 2020

"Wir sind Gustav!"


Sie ist mit 1600 Schülern und 150 Lehrern Mülheims größte Schule. 2020 feiert die Gustav-Heinemann-Schule ihr 50-jähriges Bestehen. Am 22. Januar beginnt das Jubiläumsjahr ab 14 Uhr mit einem Tag der Offenen Tür für Interessierte Schüler und Eltern. Außerdem werden Gustav-Heinemann-Schüler an diesem Tag auf dem Schulhof das neue Schulmotto: „Wir sind Gustav!“ mit riesigen Buchstaben nachstellen und diese Aktion mithilfe einer Foto-Drohne dokumentieren.

Zum Beginn des Jubiläumsjahres sprachen Thomas Ratz, der die Gustav-Heinemann-Schule seit 2018 leitet und sein Vor-Vorgänger Peter Virnich, der zwischen 1975 und 2001 an ihrer Spitze stand, darüber wie die Schule zu dem geworden ist, was sie heute ist und was sie im Kern ausmacht.

Warum haben Sie sich als Lehrer für diese Schule entschieden?

Virnich: Ich kam 1971 als Lehrer an die Schule, die damals noch Gesamtschule der Stadt Mülheim an der Ruhr hieß. Der damalige Schulleiter, Günter Wischmann, den ich bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kennengelernt hatte, hatte mich davon überzeugt, dass ich hier als Lehrer gut aufgehoben sein könnte. Davor hatte ich bereits sechs Jahre an einem Gymnasium unterrichtet. Dort herrschte noch ein sehr autoritärer Stil. Das gefiel mir nicht. Ich wollte mit den Schülern auf Augenhöhe arbeiten und das konnte ich hier. Deshalb habe ich meine Entscheidung zum Wechsel auch nie bereut, weil ich hier eine pädagogische Aufbruchstimmung erleben durfte, die mich begeisterte, auch wenn sie manchmal an Selbstausbeutung grenzte. Ich denke da an Lehrerkonferenzen der frühen Jahre, an denen wir manchmal vier bis fünf Stunden an pädagogischen Konzepten feilten.

Ratz: Ich habe selbst an einer Krefelder Gesamtschule mein Abitur gemacht, habe mich dann aber als Lehrer auch an anderen Schulenformen beworben. Doch hier an der Gustav-Heinemann-Schule gefiel mir einfach die Atmosphäre am besten. Als ich 1999 zum Vorstellungsgespräch kam, verlief ich mich zunächst in dem großen Gebäude. Eine Schülerin sah mich umherirren und sprach mich freundlich an, ob sie mir weiterhelfen könne.   Die positive Atmosphäre, mit der ich empfangen wurde, fand im Schulleiterbüro seine Fortsetzung. Mir war schnell klar: „Hier möchtest du unterrichten“, weil man hier in mir nicht nur den Fachlehrer, sondern auch den Menschen sieht. Und das hat sich dann auch bestätigt, in dem man mir schnell Verantwortung übertragen hat und ich etwa als Musiklehrer mithilfe des Fördervereins gleich mehrere Instrumente anschaffen konnte.

Wie kam es zur Gründung der Gesamtschule?

Virnich: Damals hatte man es mit einem Schülerberg zu tun und brauchte dringend eine große Schule für den Mülheimer Norden, da es hier für Dümpten und Winkhausen nur eine Hauptschule gab, die im Gebäude der heutigen Erich-Kästner-Grundschule untergebracht war. Mit den Stimmen der SPD, die damals eine absolute Mehrheit in Mülheim hatte, beschloss der Rat der Stadt im Dezember 1968 die Gründung einer integrierten und differenzierten Gesamtschule, in die nicht nur die Hauptschule an der Nordstraße, sondern eine damals ebenfalls neugegründete Realschule und ein Gymnasium integriert werden sollte. Im Juli 1970 hat die Gesamtschule der Stadt Mülheim dann mit insgesamt 22 Klassen und 792 Schülern an der Nordstraße ihren Unterrichtsbetrieb aufgenommen. Der Prozess der Schulgründung wurde damals von einem pädagogischen Planungsausschuss begleitet. Diesem Planungsausschuss, der vom damaligen Bürgermeister und Hauptschulrektor Dieter aus dem Siepen geleitet wurde, gehörten Mülheimer Pädagogen und Politiker an.

Wurde die Gesamtschule von den Mülheimern gut angenommen?

Virnich: Die Nachbarn an der Nordstraße taten sich anfangs schwer damit, dass vor ihrer Haustür ein großes Schulgebäude entstand und sie plötzlich nicht mehr auf ein freies Feld schauen konnten. Doch wir hatten schon in den ersten Jahren oft doppelt so viele Anmeldungen wie freie Plätze. Der Ganztagsschulbetrieb mit seiner Mensa, seinen Arbeitsgemeinschaften, seiner Hausaufgabenbetreuung uns seinen Förderkursen kam bei Eltern und Schülern gut an. Das galt auch für unsere Betriebs- und Berufsschulexkursionen, in denen wir herausfanden, was die Schüler in unserem Unterricht lernen mussten, um später auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen.

Ratz: Das ist auch heute noch ein wichtiges Argument für Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden. Sie sehen, dass ihre Kinder hier sehr individuell und lebensnah gefördert werden und dass wir als Schule schon aufgrund unserer Größe und unserer sehr heterogenen Schülerschaft ein vielseitiges und differenziertes Unterrichts- Förderkurs,- AG,- und Projektangebot machen können.

Wie kam die Gesamtschule zu ihrem Namenspatron Gustav-Heinemann?

Virnich: Als 1982 in Saarn eine zweite Gesamtschule gegründet wurde, wollte man unsere Schule in Gesamtschule Dümpten umbenennen. Doch das stimmte schon geografisch nicht, weil die Schule sowohl in Dümpten als auch in Winkhausen liegt. Deshalb kam in der Schulgemeinschaft schnell die Idee auf: „Wir brauchen einen Namenspatron, der zu unserer Schule passt. Obwohl es auch andere Vorschläge wie Rosa Luxemburg und Clara Zetkin gab, stellte sich der ehemalige Bundesjustizminister und Bundespräsident Gustav-Heinemann als mehrheits- und konsensfähig heraus. Für ihn sprachen, dass er während des Dritten Reiches zur regimekritischen Bekennenden Kirche gehört hatte und dass er als Bundesjustizminister gesellschaftlich wichtige Reformen durchgesetzt hatte. Ich denke da zum Beispiel an die Abschaffung des Paragrafen 175, der Homosexualität unter Strafe gestellt hatte und an die rechtliche Gleichstellung der Frauen in der Ehe. Mir gefällt der Satz Gustav Heinemanns, den er in der hitzigen Kontroverse um die 68er gesagt hat: „Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte bedenken, dass drei Finger seiner Hand auf ihn selbst zeigen.“ Wir haben den neuen Namen unserer Schule damals unter anderem mit einem Buch, einer Ausstellung und einer Veranstaltung gefeiert, bei der Heinemanns Kinder Peter Heinemann und Uta Ranke-Heinemann sowie Gustav Heinemanns letzter persönlicher Referent Martin Lotz unsere Ehrengäste waren. Martin Lotz hielt damals die Festrede.

Was macht heute das pädagogische Profil der Gustav-Heinemann-Schule aus?

Ratz: Die Themen Inklusion und Integration beschäftigen die meisten Schulen im Lande. Logisch, dass diese Themen auch auf unserer Agenda stehen. Und natürlich verwenden wir viel Energie darauf, um zu nachhaltigen und erfolgreichen Lösungen zu kommen. Darüberhinaus gibt es jedoch auch Schwerpunkte, die sich aus der Geschichte und dem Selbstverständnis der Gustav-Heinemann-Schule heraus entwickelt haben:

Zu nennen sind etwa unser Europaprofil, die vielfältigen Schulprogrammpunkte wie zum Beispiel Schulsanitätsdienst, Deeskalationstraining, Schülerpaten, Streitschlichter, Medienscouts, Schule in Bewegung, Kooperationen mit dem Theater an der Ruhr, der Hochschule Ruhr-West und so fort.      

Bei uns lernen Schüler Teamgeist. Und bei uns gilt: Wer Gustav-Heinemann-Schüler ist, bleibt es auch: An unserer Schule werden Kinder und Jugendliche nicht aussortiert, sondern individuell mit ihren Stärken und Schwächen gefördert. Dabei helfen uns unsere Lernen-Individuell-Förderkurse und die ab den Klassen 7 und 9 in den Fächern Englisch, Mathematik, Deutsch und Chemie greifende Fachleistungsdifferenzierung in Grund- und Erweiterungskurse. Kein Schüler ist nur hochbegabt oder nur lernschwach. Wo der eine Schüler seinem Klassenkameraden zeigt, wie man eine gute Powerpointpräsentation aufbaut und frei redet, zeigt dieser ihm als praktisch veranlagter Schüler dann im Technikunterricht wie man richtig sägt. (T.E.)

Gustav-Heinemann-Schule 2020

Die Schulleitung wurde zu Beginn des Schuljahres 2018/19 auf mehreren Positionen erneuert und erst vor wenigern Wochen mit einem neuen Stellvertretenden Schulleiter komplettiert. Insgesamt herrscht große Aufbruchstimmung und viele Dinge wurden bereits in kurzer Zeit neu auf den Weg gebracht wie etwa die Einrichtung neuer pädagogischer Räume.

Thomas Ratz sagt: „Im Sinne von ‚Mehr Demokratie wagen streben wir die Implementierung einer umfangreichen Feedback-Kultur an. Ferner streben wir für unsere Schule ein flächendeckendes Wlan-Netz, eine verstärkte Förderung der Medienkompetenz, eine bessere Computer-Hardware-Ausstattung und langfristig den Einsatz von digital vernetzten und interaktiven Whiteboards an, die die herkömmlichen Tafeln ersetzen sollen. Und zur Stärkung des digitalen Lernens wurde jetzt im Lehrerkollegium eine neue Koordinatorenstelle eingerichtet.“

Der Goldene Schulgeburtstag wird mit einer Festschrift, mit einem Festabend (28. April), einer Projektwoche (3. bis 5. Juni) und mit einem Schulfest am 6. Juni gefeiert. Mehr Informationen zur Schule findet man im Internet unter: www.gustav-schule.de

Dieser Text erschien am 20. Januar 2020 in NRZ und WAZ

Dienstag, 3. Dezember 2019

Gut investiertes Geld

Essen. Das Land fördert die 1250 kirchlichen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen auch in den kommenden beiden Jahren mit jeweils 500.000 Euro. Darauf hat NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen am Montag bei einem Besuch der Katholischen-Öffentlichen Bibliothek St. Mariä-Empfängnis in Essen-Holsterhausen hingewiesen. Zusammen mit Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck dankte die Ministerin der ehrenamtlichen Bibliotheksleiterin Monika Mock und deren 20 ehrenamtlichen Kolleginnen, stellvertretend für die 13.400 ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den kirchlichen Bibliotheken an Rhein und Ruhr.


„Die kirchlichen Bibliotheken sind eine wichtige, weil wohnortnahe Ergänzung der Stadtbibliotheken, in denen sich jährlich 25 Millionen Menschen begegnen. Wir wollen einen Schub in die Bestände bringen und den phantastischen Einsatz der in den kirchlichen Bibliotheken engagierten Frauen und Männer würdigen“, erklärte Pfeiffer-Poensgen, warum das Land zwischen 2018 und 2021 insgesamt zwei Millionen Euro für die Anschaffungsetats der kirchlichen Büchereien bereitstellt.


„Wir sind Möglichmacher. Aber sie sind Verwirklicher. Unsere ehrenamtlichen Bibliotheksmitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein großer Schatz, auf den wir bauen können und der Ausstrahlung entfaltet, wenn es zum Beispiel darum geht Schul- und Berufsbiografien zu fördern, in dem man die Wissensquelle der Bücher und anderer Medien bereitstellt. Und wir dürfen als Kirchen nicht vergessen, dass es uns ohne das Wort gar nicht gäbe“, sagte Ruhrbischof Overbeck.


Am Beispiel ihres eigenen vom Bistum und von der Pfarrgemeinde finanzierten Anschaffungsetats für Bücher und Medienboxen, die zum Beispiel im Rahmen der Leseförderung in Kindertagesstätten und Grundschulen zum Einsatz kommen, machte die ehrenamtliche KÖB-Leiterin Monika Mock deutlich wie wertvoll die Finanzspritze des Landes für die kirchliche Bibliotheksarbeit ist.


Die Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bisher 619 kirchliche Bibliotheken einen Förderantrag beim Land gestellt haben und im Durchschnitt jeweils 3000 Euro für die Anschaffung neuer Medien erhalten haben. Allein für 2020 liegen der Landesregierung 193 Förderanträge vor- Pfeiffer-Poensgen stellte die Investitionen des Landes in den größeren Zusammenhang der von der Landesregierung angestrebten Aufstockung des Kulturetats. Der soll nach Angaben der Ministerin bis zum Ende der Legislaturperiode von 200 auf 300 Millionen Euro steigen und damit auch der von ihr festgestellten „Renaissance der Bibliotheken als Ort des Lernens und der Begegnung“ Rechnung tragen.


Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck dankte der Ministerin insbesondere für die 142.000 Euro, mit denen das Land bisher 39 kirchliche Bibliotheken im Bistum Essen gefördert hat. Nach Angaben von Vera Steinkamp, die das Medienforum des Bistums Essen leitet, werden die kirchlichen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen jährlich von rund 3,6 Millionen Menschen besucht. „Sie haben da wirklich etwas richtig Gutes getan und ein Signal der Wertschätzung aussendet, dass bei den ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den kirchlichen Bibliotheken sehr wohlwollend wahrgenommen wird“, gab die Leiterin der Bibliotheksfachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland, Helga Schwarze,  der Ministerin mit auf den Weg in die nächste Kabinettssitzung. 

Ein Beitrag für die Katholische Nachrichtenagentur vom 2. Dezember 2019

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...