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Es werden Posts vom August, 2020 angezeigt.

Themen liegen auf der Straße

Es ist Wahlkampf. Die Parteien und ihre Kandidaten versprechen: Es soll alles besser werden in Mülheim an der Ruhr. Von vielen großen Pläne und Ideen kann man hören und lesen. Dabei wären wir schon dankbar, wenn der eine oder andere Geh- und Fahrweg so geradlinig saniert werden könnte, dass er nicht zur Stolper- und Schlagloch Falle wird. Ein guter Anfang ist jetzt an der Leineweberstraße gemacht worden. Dort hat man nicht nur das Pflaster erneuert, sondern auch die eine oder andere Sitzbank aufgestellt. Als ich jetzt den noch stark reparaturbedürftigen Gehweg am Steinknappen hinunter stolperte, kam mir auf der vergleichsweisen glatten Fahrbahn des Steinknappens ein Motorradfahrer auf seinem Hinterrad entgegen gerast. Er fuhr im Stile eines Kick-Starters den Steinknappen hoch. Solche Stunts sieht man selbst im Kino nur selten. Da wurde mir schlagartig klar, dass das Steine Klopfen und das Verlegen neuer Asphaltdecken nicht ausreicht, damit die Mülheimer auf den Straßen ihrer Stadt sic…

Damit das Kind nicht in den Brunnen fällt

42 Anrufe haben das Sorgen-Telefon der Arbeiterwohlfahrt, das sogenannte Elephone, seit seinem Neustart Mitte März unter der kostenfreien Rufnummer 0 800 666 777 6 erreicht. Kinder und Jugendliche haben die kostenfreie Beratung und Hilfe Hotline der AWO ebenso angerufen wie Erwachsene, die sich Sorgen um Kinder und Jugendliche in ihrem Umfeld machen. Das Spektrum der Telefongespräche, die derzeit von 4 hauptamtlichen und neun ehrenamtlichen, aber auch qualifizierten Mitarbeitern der Awo geführt werden, reicht von Stress mit den Eltern oder mit Klassenkameraden über Mobbing und Beziehungsprobleme bis hin zum sexuellen Missbrauch.„Wir wollen Kinder und Jugendliche durch unsere Beratungsarbeit stark machen , damit sie verinnerlichen, dass sie in einem übergriffigen Moment, der sie in Bedrängnis bringt, Nein sagen können, Nein sagen dürfen und Nein sagen müssen, um ihre Grenzen aufzuzeigen,“ sagt die Diplom-Pädagogin und Awo-Beraterin Kirsten Schumacher. Die Awo-Vorstandsvorsitzende Elke …

Altes Eppinghofen

Eppinghofenmacht den Anfang. Im ersten Mülheimer Geschichtsheft , das der städtische Kulturbetrieb und das Stadtarchiv herausgeben, werden die Geschichten der alten Geschäftswelt an der Eppinghofer Straße erzählt und bebildert. Autorin Inge Merz und Layouterin Ulrike Nottebohm haben es möglich gemacht.
Eines Tages wurde Merz von ihrer Mutter beim Gang über den Eppinghofer Straße gefragt: „Wat war da früher noch mal?“ Früher war da in diesem Falle das Lebensmittelgeschäft der Familie Tittgen. Die Frage der Mutter, die jetzt zum Titel des ersten Mülheimer Geschichtsheftes geworden ist, regten Mutter und Tochter dazu an, die Familie Tittgen zu besuchen und über die alten Geschichten aus ihrer aktiven Zeit an der Eppinghofer Straße zu befragen. Dieser Initialzündung folgten weitere Interviews mit ehemals an der Eppinghofer Straße ansässigen Geschäftsleuten.
Diese Zeitzeugen-Interviews bildeten das Fundament für eine Artikelserie, die Inge März Im Jahr 2009 in der Mülheimer WAZ veröffentlich…

Hilfe fürs Frauenhaus

„Wir wollen als Bürgerstiftung da sein, wo man unsere Hilfe besonders dringend braucht. Und wir wissen, dass unser Geld im Frauenhaus gut investiert ist. Weil die Arbeit, die hier geleistet wird den von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern nachhaltig hilft, können wir uns auch vorstellen, weiterhin Geld in diesen Bereich nachzuschießen“, erklären die Stiftungsvorstände Bettina Gosten und Anke Dieberg-Hemmerle, warum die 2004 gegründete Bürgerstiftung in diesem Fall Geld für Schulmaterial, Lebensmittel und Hygieneartikel zur Verfügung gestellt hat. „Das entlastet uns finanziell und erweitert unseren Handlungsspielraum“, sind sich die Vorsitzende des Vereins Hilfe für Frauen, Annette Lostermann-DeNil und ihre Stellvertreterin Kim Ehring einig.Was bedeutet diese konkrete Hilfestellung für die betroffenen Frauen und ihre Kinder? Eine Mitdreißigerin, die mit ihren beiden schulpflichtigen Kindern Zuflucht in dem von derDiplom-Sozialwissenschaftlerin Gülsüm Erden geleiteten…

Kulturschock im Supermarkt

Beim Wochenendeinkauf im Supermarkt meines Vertrauens erlebte ich jetzt einen Kulturschock. Die Kassen waren unbesetzt. War etwa An diesem Tag alles gratis zu haben? Mitnichten! Ich sah nur eine der vertrauten Mitarbeiterinnen, die zwischen 4 digitalen Selbstbedienungskassen den Zahlungsverkehr der zum Teil sichtlich irritierten Kunden regelte.
Selbstbedienungskasse!? Durfte man hier als zum Kassierer degradierter König Kunde etwa selbst bestimmen, wieviel man für seinen Einkauf zahlen wollte, frei nach dem Motto: „Was ist ihnen unsere Ware wert?“
Doch meine kühne Hoffnung offenbarte sich schnell als Illusion. Denn auch die digitale Selbstbedienungskasse, an der die Kunden zum unentgeltlichen Mitarbeiter des Supermarktes werden, indem sie ihre Waren über den Scanner ziehen und Ihr Geld in die dafür vorgesehenen Trichter werfen, kannte beim Preis keine Gnade oder einen Mitarbeiter-Rabatt. Soweit wollte der technik- und Fortschritts-affine Einzelhändler das Prinzip der Selbstbedienung dan…

Filmreifes unter freiem Himmel

"Film ab!"  in der heißt es ab dem 5. September in der Freilichtbühne. Eine Kooperation der Regler-Produktion und des städtischen Kulturbetriebs machen den Kino-Spaß unter freiem Himmel möglich.Wer dabei sein möchte, sollte sich schnell bei den Reglern anmelden. Denn corona-bedingt sind aufgrund der Abstandsregeln maximal 150 Zuschauer erlaubt, wo in normalen Zeiten bis zu 2000 Zuschauer Platz finden könnten. Bis einschließlich 26. September wird die Freilichtbühne, immer wieder samstags um 20 Uhr, zum Freiluftkino.Den Anfang macht am 5. September "Junges Licht", ein kritischer und poetischer Heimatfilm aus dem Ruhrgebiet der 1960er Jahre, mit dem Regisseur Adolf Winkelmann eine Romanvorlage des im Ruhrgebiet aufgewachsenen Schriftstellers Ralf Rothmann verfilmt hat.Am 12. September lädt der 128-minütige Musikfilm "Leto" zu einer Zeitreise in die Sowjetunion der Perestroika in den 1980er Jahren, als Michail Gorbatschow Weltgeschichte schrieb und seine Ref…

Wir hören uns

„Wir sehen uns!“ Das ist in Corona-Zeiten leichter gesagt als getan. Was uns gestern noch selbstverständlich erschien: In die Schule oder zur Uni gehen, Verwandte besuchen, sich mit Freunden in der Kneipe auf ein Bier treffen, ist in Zeiten des Virus zu einem Unding geworden. Der tägliche Einkauf wird zum Spießrutenlauf. Einlassschlangen vor Geschäften und Abstandsmarkierungen im Supermarkt zeigen uns, was die Stunde geschlagen hat. Und wir selbst sind geschlagen, weil wir zu Hause bleiben und uns vor dem Lagerkoller bewahren müssen. Von der Schlagerparty des vormaligen Stadtprinzen Dennis Weiler über den Online-Unterricht an Mülheims Schulen bis zum sonntäglichen Online-Gottesdienst in der Petrikirche. Immer öfter sehen wir uns in diesen Zeiten der sozialen Distanzierung nur noch im Netz. In der aktuellen Ausnahmesituation tut aber auch jenseits jeder virtuellen Ansicht jeder Anklangvon Alltag gut und wirkt wie ein Balsam für die Seele. Das Klingeln des Telefons und die vertrauten St…

Rosenkavalier statt Miesepeter

Im Vorbeigehen sehe ich einen grimmig dreinblickenden Mann in einem Straßencafé vor seinem Cappuccino sitzen. Er schaut wie 7 Tage Regenwetter auf sein Heißgetränk, obwohl gerade die Sonne scheint und er im Außenbereich des Straßencafés tatsächlich auf der Sonnenseite des des Lebens Platz nehmen darf. Mit hörbarem Missvergnügen fagt er sich: : „Wo bleibt denn meine Frau? Wir wollten doch noch einkaufen gehen.“ Mich würde es angesichts seiner missmutigen Erscheinung nicht wundern, wenn sich seine Frau kurzfristig aus dem Staub gemacht haben sollte, frei nach dem Motto : „Ich geh nur mal eben Zigaretten holen? Wieso? Du rauchst doch gar nicht.“ Oder sie hat sich frei nach Udo Jürgens gesagt: „Ich war noch niemals in New York!“ Mir fehlt die Zeit, das Schicksal des Miesepeters weiter zu verfolgen. Doch Ich wünsche ihm, dass seine Frau bald wiederkommt und ihm beim Einkauf eine zweite Chance gibt, sich von seiner besser gelaunt Seite zu zeigen, etwa, indem er ihr ganz überraschend und auß…

Perspektiven einer Partnerschaft

Die Corona-Krise überschattet auch das silberne Vereinsjubiläum des Städtepartnerschaftsvereins. Der Vorstand des 1995 gegründeten Vereins musste die geplante Jubiläumsfeier mit Gästen aus den Partnerstädten absagen und weitere Bürgerbegegnungen absagen. Stattdessen plant der Vorstand um Gerhard Ribbrock und Hans-Dieter Flohr jetzt für den 22. August 2021 ein Sommerfest mit Gästen aus den Partnerstädten, das zusammen mit der Regler-Produktion in der Freilichtbühne an der Dimbeck gefeiert werden soll .Außerdem gewährt der 400 Mitglieder zählende Verein mit einer Präsentation Einblick in seine Geschichte sowie in die Geschichte der 6 Mülheimer Partnerstädte und ihrer Regionen. Die Präsentation, die Corona-bedingt ausdrücklich keine Ausstellung sein darf, ist bis zum 9. Oktober, montags bis freitags,jeweils von 9 bis 18 Uhr im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße 37 zu sehen. Die Fototafeln wurden vom Vereinsvorsitzenden Gerhard Ribbrock zusammen mit dem Mülheimer Designer J…

Reif für die Insel

Die Corona-Infektionen nehmen wieder zu . Das Mülheimer Diagnosezentrum an der Mintarder Straße bietet jetzt auch Corona-Tests nach dem Drive-in-Prinzip an. So etwas gab es vorher nur beim Schnellimbiss. Dass der Bund jetzt Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten bezahlt, ist einer Mülheimer Altenpflegerin zu Recht auf den Magen geschlagen . Von kostenlosen und regelmäßigen Corona-Tests können die Mitarbeiter in der Alten-, und Krankenpflege nur träumen. Dabei wäre Letzteres mindestens genauso wichtig wie Ersteres. Hier geht aber wohl Masse vor Klasse. Denn unser zusehends alterndes Land hat mehr Urlauber als Pflegekräfte. Letztere sind deshalb oft am Rande ihrer Arbeitskraft und reif für die Insel. Vielleicht müssen wir über einen Gratis-Urlaub für Pflegekräfte, statt über Gehaltszuschläge nachdenken, damit die Pflegekräfte die Chance bekommen, als Urlaubsheimkehrer In den Genuss eines staatlich finanzierten Corona-Tests zu kommen.Vielleicht könnten sie ja dann an ihren…

Wirklich wünschenswert

„Wenn wir eines aus dieser Krise lernen können, dann, dass wir besser aufeinander aufpassen müssen“, sagte mir gestern in einem Telefongespräch die stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, Birgit Hirsch-Palepu. „Ein frommer Wunsch“, dachte ich bei mir. Aber als ich dann kurz darauf in der Stadt meine Einkäufe erledigte, konnte ich in einer Bäckerei erleben, wie die Verkäuferin, die das Herz offensichtlich auf dem rechten Fleck hat, einem offensichtlich hilfsbedürftigen Mitmenschen, der sich ihr mit dem Satz: „Ich habe Hunger!“ vorstellte, ein Brötchen schenkte. „Das ist nett“, dachte ich. „Das ist wirklich sehr nett“, sagte ich nur wenig später zurecht, als mir die Inhaberin eines Mülheimer Stadtcafés zwei Stücke Kuchen über die Theke anreichte, aber nur eines davon berechnete. „Das Zweite nehmen Sie heute mal gratis für Ihre Mutter mit“, begründete sie ihre großzügige Überraschung zur besten Kaffeeklatschzeit. So auf den Geschmack gekommen, gönnte ich wenige Meter …

Schutzengel der Zivilisation

In diesen Tagen, in denen das Corona-Virus unsere Welt aus den Angeln hebt, hat man manchmal das Gefühl, sein blaues Wunder zu erleben. Da sieht, hört und liest man von Menschen, die mit medizinischem Hilfsmaterial zu Wucherpreisen einen Riesenreibach machen. Da erlebt man Zeitgenossen, die offensichtlich ein Eichhörnchen in der Verwandtschaft haben müssen. Denn sie kaufen ohne Rücksicht auf ihre Nachbarn den halben Supermarkt leer, um Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs zuhause zu horten. Und da gibt es auch unverschämt geschäftstüchtige Vermieter, die ihre Mieter in diesen Zeiten von corona-bedingtem Lagerkoller und wirtschaftlicher Existenzangst mit Modernisierungsankündigungen und Mieterhöhungen drangsalieren. Da könnte man schon an der Spezies Mensch verzweifeln, wenn man nicht auch von jenen Mitmenschen lesen, hören und sehen würde, die gerade jetzt ihrem Namen alle Ehre machen, indem sie für alte Nachbarn einkaufen, einsame Mitmenschen anrufen oder Lebensmittel …