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Sonntag, 31. August 2025

Mülheim inklusive

 Folgt man den Statistikern von IT NRW, dann leben in Mülheim an der Ruhr rund 18.000 Menschen mit einer Behinderung. Die Dunkelziffer dürfte höher sein, da nur die Menschen gezählt werden, die als Inhaberin und Inhaber eines Schwerbehindertenausweises registriert sind.

"Wir sind nicht behindert. Wir werden behindert", sagt die neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Behindertenselbsthilfe und Chronisch Kranker, Ursula Busch. Rechtzeitig vor der Kommunalwahl ließen sich die Kandidatinnen und Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt von der AGB im Rollstuhl durch die Innenstadt schieben und sich im Nachgang in einer Podiumsdiskussion zu ihren inklusionspolitischen Vorstellungen befragen. 

Ihr immer wieder zu hörender Erfahrungsbericht nach der Rollstuhlstadttour lautete: "Man sieht und erlebt die Stadt im Rollstuhl anders und man wird auch anders gesehen beziehungsweise schneller übersehen, weil man eben eine Etage tiefersitzt!"

Zu hohe oder zugeparkte Bordsteine und Bürgersteige, Einstiegs- und Ausstiegsprobleme beziehungsweise Unfallrisiken im öffentlichen Personennahverkehr, zu klein gedrucktes und zu umständlich formuliertes. All das und noch vielmehr kam bei der Diskussionsveranstaltung im Heißener Nachbarschaftshaus der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft zur Sprache. Allein die Tatsache, dass es die AGB als Behindertenbeirat der aktuell 175.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Stadt Mülheim an der Ruhr bereits seit 1979 gibt und dass die AGB schon 1992 eine bis heute gültige Checkliste für barrierefreies Bauen erstellt hat, zeigt, dass das Thema Inklusion ein gesellschaftspolitischer Dauerbrenner ist und bleibt. 

Die Diskussionsveranstaltung der AGB legte aus gutem Grund beim Thema Finanzen und Personal den Finger in die Wunde. Immerhin hat der Stadtrat der AGB erstmalig einen Einmalbetrag von 5000 Euro bewilligt. Doch zurzeit wird die ehrenamtlich arbeitende AGB vor allem durch die hauptamtlichen Personalprobleme im Gesundheitsamt der Stadt Mülheim an der Ruhr ausgebremst. Denn im Gesundheitsamt an der Heinrich-Melzer-Straße ist mit der Behindertenbeauftragten auch die Geschäftsstelle der AGB angesiedelt. Doch diese Geschäftsstelle ist aufgrund eines akuten Personalmangels nur zwei Stunden pro Woche besetzt. Ursprünglich wurden der hauptamtlichen Geschäftsführung der AGB acht Arbeitsstunden pro Woche zugestanden, was auch schon nicht gerade großzügig war.

Mittwoch, 5. März 2025

Eine Überlebensfrage

 Auch wenn der Klimaschutz, wie es Akademiedozent Mark Radtke, anmoderiert, "nicht unter den Top 5 der Themen im Bundestagswahlkampf" diskutiert, worden ist, macht Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bei der Jahresveranstaltung seines Rates für Ökologie und Nachhaltigkeit deutlich, dass der Klima- und Umweltschutz für die Menschheit eine existenzielle Zukunftsfrage darstellt. "Die drohenden Klimaverschiebungen werden zu neuen Migrationswellen führen", warnt Overbeck. Der Bischof räumt ein, "dass wir als Bistum Essen bei unserem energietechnischem Gebäudemanagement weniger tun, als wir tun müssten, weil uns dafür der ökonomische Reichtum fehlt." 

Dennoch sieht Overbeck die Kirche als Akteurin, wenn es um eine notwendige "Gewissenschulung" in Sachen Umwelt- und Klimaschutz für eine im besten Sinne des Wortes "wertkonservative Bewahrung der Schöpfung"! Für den Vorsitzenden des Bischöflichen Rates für Ökologie und Nachhaltigkeit, Lars Grotewold von der Mercator-Stiftung stellt die aktuelle Erderwärmung um 1,5 Grad Celsius + X "eine Bedrohung unseres Wohlstandes" dar, Was muss also getan werden? Linda Kastrup vom Aktionsbündnis Fridays for Future fordert die politisch und ökonomisch motivierte "Diffamierung des Klima- und Unweltschutzes" zu beenden und die bestehenden Klimaschutzgesetze "weiter zu verschärfen und den Gas-Ausstieg vorzubereiten."

Der Chefredakteur des Internetportals Klimafakten, Carel Mohn, fordert mit Blick auf die Notwendigkeiten des Klimas- und Umweltschutzes von der neuen Bundesregierung, "die Elektromobilität auszubauen, ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen einzuführen" und: "Inlandsflüge in Deutschland zu verbieten."


Zum Veranstaltungsbericht der Katholischen Akademie Die Wolfsburg


Montag, 21. August 2023

So bunt wie das Leben

 „Come together!/Kommt zusammen“ Unter diesem Motto schauten sich Mitglieder der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr in den neuen Räumen um, die der Sozialverein Schwuler und Lesben Mülheim an der Ruhr (SVLS e.V.) am Forum und im ehemaligen Pressehaus im Dreieck zwischen Kurt-Schumacher-Platz, Hans-Böckler-Platz und der unteren Eppinghofer Straße Anfang 2023 bezogen hat.

„Wir hoffen, dass die laufenden Umbauarbeiten, wie geplant im September oder im Oktober 2023 abgeschlossen sein werden und Sie dann ihr neues Zuhause mit einer Einweihungsparty feiern können“, wünschte die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Christiane Küsters dem Geschäftsführer des SVLS-e.V.--Geschäftsführer Torsten Schrodt.

Zweieinhalb Stunden nahmen sich die Fraktionsmitglieder, Schrodt, der Vereinsvorsitzende Patrick Huberty und ihre SVLS-Kolleginnen und Kollegen Zeit, um sich über die Sozial,- Jugend- und Beratungsarbeit des SVLS e.V. auszutauschen.

Während die Büroräume des SVLVs in der zweiten Etage des ehemaligen Pressehauses an der Eppinghofer Straße 1 fertiggestellt und in Benutzung sind, stellte sich das neue SVLS-Together-Zentrum am Forum den christdemokratischen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern noch als Baustelle dar.

„Wir sind dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Mülheim an der Ruhr dankbar, dass sie unsere Arbeit finanziell unterstützt“, betonte Torsten Schrodt. Der auch in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Schwul-Lesbischen-Sozialvereine aktive Schrodt weiß, „dass die öffentliche Unterstützung und damit auch die Angebotsdichte des SVLS-e.V. in Nordrhein-Westfalen deutlich besser ist als zum Beispiel in den ostdeutschen Ländern. Die aktuellen Umbaukosten beziffert Schrodt auf ca. 300.000 Euro, die jährlichen Betriebskosten auf rund ca. 230.000 Euro.

Positiv überrascht zeigten sich die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger der Mülheimer CDU vom Aktionsradius des SVLSs, der weit über die Stadtgrenzen hinaus reicht und neben der sozialen Beratungsarbeit auch kulturelle, gesellige und sportliche Aktivitäten umfasst. Neben einer Einladung zum Mülheimer Christopher-Street-Day am 19. August nahmen die CDU-Sommer- „Touristen“ auch den SVLSs-Wunsch mit, im Haushalt der Stadt jährlich ca. 40.000 Euro für eine schulische Präventionsarbeit des SVLS in Sachen AIDS und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten bereitzustellen. Aktuell stellt die Stadt Mülheim dem SVLS für seine Beratungsarbeit jährlich 26.000 Euro zur Verfügung.

Einhellig begrüßt wurde die Idee des SVLS e.V., mit einer Regenbogenfahne und regenbogenfarbigen Sitzbänken den unteren Vorplatz des Forums mit seiner modernen Brunnenplastik optisch aufzuwerten. „Die zentrale Lage unseres neuen Together-Zentrums ist für unsere Arbeit optimal“, freut sich SVLS-e.V.-Geschäftsführer Torsten Schrodt. 


SVLS Mülheim  



Samstag, 28. Januar 2023

Die Schöpfung bewahren! Aber wie?

Wir erleben es am eigenen Leib. Das Klima wandelt sich. Wir haben mehr Extremwetterlagen als in früheren Jahrzehnten. Dafür stehen nicht nur die 182 Menschen, die beim Sommerhochwasser 2021 in Nordrheinwestfalen und Rheinlandpfalz ums Leben gekommen sind. Die Bewahrung der Schöpfung hat mit dem Klimawandel, dessen Folgen seit 50 Jahren diskutiert werden, eine neue Dimension und Dringlichkeit. Darauf hat Ruhrbischof Franz Josef Overbeck 2021 mit der Einrichtung eines Bistumsrates für Ökologie und Nachhaltigkeit reagiert. Dieser Rat lud jetzt zu seiner ersten Jahrestagung in die Katholische Akademie ein.

Im Auditorium das Wolfsburg diskutierte Bischof Overbeck mit den Wissenschaftlern Harald Welzer und Beate Küpper darüber, wie wir die ökologische und soziale Transformation unserer Gesellschaft im Klimawandel so gestalten können, dass unsere freiheitliche Demokratie und der soziale Frieden keinen dauerhaften Schaden nehmen.

Coronabedingt fand auch diese Tagung, die vom Akademiedozenten Mark Radtke moderiert und von der Mercator Stiftung unterstützt wurde als hybride Veranstaltung statt. Neben den Gästen in dem Wolfsburg diskutierten auch via Livestream online zugeschaltete Teilnehmer mit.

Und damit war man auch schon im Thema: „Viele Menschen wissen nicht wie energieintensiv Livesstreaming ist. Es hat einen großen ökologischen Fußabdruck, weil es in letzter Konsequenz auch zu CO-2-Emissionen führt“, unterstrich Küpper. Bischof Overbeck wies darauf hin, „dass der Klimawandel nur dann sozial und demokratieverträglich gestaltet werden kann, wenn wir auch die sozialethischen Aspekte des Klimaschutzes und der Energiewende nicht aus dem Blick verlieren.“ Der Bischof bezog sich auf die Umweltenzyklika Laudato Si, die Papst Franziskus 2015 veröffentlicht hat. Overbeck erinnerte daran, „dass die Menschen vor dem Hintergrund der biblischen Schöpfungsgeschichte, die uns Menschen auffordert, uns die Welt untertan zu machen, sich nicht mehr als Teil der Natur, sondern als über der Natur stehend betrachten.“

Der Bischof machte klar: „Hier müssen wir umdenken und erkennen, dass wir als Menschen Teil der Natur sind und die Natur nichts ist, was ausschließlich den heut acht Milliarden Menschen zur Verfügung steht.“

Der Sozialpsychologe Harald Welzer schaute angesichts der aktuellen internationalen Konferenzen über Klimaschutz und Artenschutz kritisch auf die gesellschaftspolitische Wirklichkeit. Er stellte fest: „Die Leugner des menschengemachten Klimawandels spielen in unserer Diskussion heute keine Rolle mehr, auch wenn sie sich zum Beispiel auf den Schattenseiten der AFD zu Wort melden. Die Einsicht in die Notwendigkeit des Klimaschutzes ist in der politischen Diskussion vorhanden, nicht aber nein die Bereitschaft, aus dieser Einsicht Konsequenzen zu ziehen. Dabei jeder Mensch einsehen, dass wir den Klimawandel durch eine neue Lebensweise aktiv begegnen müssen. Nur die Ökonomen, die weiter an grenzenloses Wirtschaftswachstum glauben und davon ausgehen, dass wir die ökologischen Probleme ist 21. Jahrhunderts mit den sozialen und wirtschaftlichen Methoden des 20. Jahrhunderts lösen können, wollen diese Wahrheit nicht begreifen.“

Das der allgemeinen Einsicht in die Notwendigkeit des Klimaschutzes in der sozialen Wirklichkeit nur wenige Taten folgen, führt Welzer darauf zurück, „dass die Horrorbotschaften über die Folgen des Klimawandels in der politischen Diskussion das Gegenteil ihres Zieles erreichen. Wenn zum Beispiel der UNO-Generalsekretär Antonio Guterres angesichts des Klimawandels vor einer Klimahölle und kollektivem Selbstmord warnt, führt das in der Gesellschaft zu einer angstgetriebenen Schockstarre und nicht zur Bereitschaft und zur Einsicht, das wird den Klimawandel als Gesellschaft annehmen und gestalten müssen und können, so dass wir eben nicht die letzte Generation auf diesem Planeten sein werden.“

Dass ich junge Klimaschutzaktivisten aus der letzten Generation genötigt sehen, Flughäfen und Straßen zu blockieren, um auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes hinzuweisen, sieht Welzer als kontraproduktive Folge „einer mißlungenen politischen Kommunikation.“

Mit Beate Küpper war sich Welzer einig, „dass wir mit dem Tun beginnen müssen.“ Mit Blick auf Ihre Studienergebnisse machte Küpper deutlich, „dass etwa 80% unserer Bevölkerung, unabhängig von ihrem sozialen Status und ihrem Alter konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz begrüßen und unterstützen.“ Küpper: „Wichtig ist, dass wir in der öffentlichen Diskussion deutlich machen, dass es auch Spaß machen kann und zu mehr Lebensqualität führt, wenn wir gemeinsam etwas für den Schutz des Klimas tuen. Unsere Befragungen zeigen, dass die Menschen in unserem Lande viel progressiver sind, als sie von der Politik eingeschätzt werden. Die Menschen sehnen sich nach Sinn und Gemeinschaft. Sie wollen nicht isoliert vor sich hinleben, sondern sind gerne bereit in der Gemeinschaft zusammen mit anderen etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu leisten und sich damit als Teil eines Ganzen zu erleben, das größer ist, als sie selbst. Anders würden die vielen Ehrenämter in unserer Gesellschaft nicht funktionieren.“ Küpper wies darauf hin, „dass die aktuelle Energiekrise, die aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den daraus resultierenden EU- Sanktionen gegen den Energierohstofflieferanten Russland entstanden ist, dazu geführt hat, dass Privathaushalte und Wirtschaft in Deutschland innerhalb weniger Monate ihren Energieverbrauch um 20 Prozent gesenkt haben.

Als nachahmenswertes Beispiel führte sie eine Sendung des französischen Fernsehens an, „in der täglich vor den abendlichen Hauptnachrichten über den tagesaktuellen Energieverbrauch das Landes informiert wird und den Zuschauern konkrete Energie Spartipps gegeben werden.“

Anders, als Welzer, glaubt Küpper mit Blick auf Rechtsextremisten nicht, dass diese sich aus der Klimaschutzdiskussion verabschiedet haben. Vielmehr geht soe davon aus, dass die extreme Rechte in Deutschland „die sozialen Folgen der aus dem Klimaschutz resultierenden und notwendigen Maßnahmen zu delegitimieren und damit eine antidemokratische Protestbewegung anzuheizen.“ Deshalb muss der Klimaschutz nach Küppers Ansicht sozialpolitisch flankiert werden.

Overbeck Küpper und Welzer waren sich auch einig, das vor allem die sozial und wirtschaftlich privilegierten Menschen in unserer Gesellschaft sowie die hochindustrialisierten Gesellschaften des globalen Nordens in besonderer Weise den Klimawandel durch ihren wachsenden Co-2-Ausstoß verursacht haben und deshalb auch eine besondere Verantwortung übernehmen müssen, um dessen Folgen für die Menschheit zumindest einzugrenzen. „Wenn sie zum Beispiel in einem großen Haus leben, können Sie schon viel damit erreichen, dass Sie nicht alle Zimmer gleichzeitig beheizen. Das ist aktiver Klimaschutz, den sie noch nicht einmal negativ spüren. Das gilt auch dann, wenn wir uns im Winter einen dicken Pullover anziehen und gleichzeitig unsere Heizung herunterdrehen.“

Wie weit wir in unserer Wohlstandsgesellschaft noch von der Einsicht entfernt sind, dass unserem Bekenntnis zum aktiven Klimaschutz Taten folgen lässt, machte Harald Welzer an einer Anekdote deutlich: „Nach einer Klimaschutzdiskussion stand ich mit dem Veranstalter an der Theke. Und plötzlich erzählte er mir, dass er sich gerade einen neuen PS-starken Geländewagen gekauft habe. Als er meine Irritation darüber bemerkte, sagte er mir: ‚Wenn Sie und Ihre Kollegen mit ihren Vorhersagen Recht haben, kann man solche Wagen nicht mehr lange fahren. Deshalb wurde es für mich höchste Zeit, mir das Fahrzeug anzuschaffen.“

In der Diskussion Werte Andreas-Andrea Doaro , Autor des Buches „Nach mir die Energiewende“, dafür, „Prominente für eine landesweite und damit publikumswirksamer Werbekampagne zugunsten des aktiven Klimaschutzes zu gewinnen, um das Bewusstsein für die Dringlichkeit das Klimaschutzes in die Köpfe der Bevölkerung hineinzutragen.“ Doaro betonte; „Wir halten uns als Menschen für besonders intelligente Wesen und vergessen, dass wir instinktgesteuert sind, wenn wir zum Beispiel als Autofahrer, Fluggäste, Fleischesser, Industrieproduzenten und Industriefacharbeiter, Teil eines umweltzerstörenden Wirtschaftssystems sind, die mehr Angst vor dem greifbaren Wohlstandsverlust als vor der unfassbaren Bedrohung unserer menschlichen Existenz durch den Klimawandel.“

Ein Vertreter der in der Diskussion gescholtenen Wirtschaft plädierte dafür, auf die wirtschaftliche Wiederaufbaustrategie des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard zurückzugreifen. „Er hat damals begriffen, dass wir als Gesellschaft, alle technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten ausnutzen müssen, um unsere gesellschaftlichen Herausforderungen mit den Instrumenten einer marktwirtschaftlichen, liberalen und sozialpolitisch abgepufferten Ordnungspolitik zu bewältigen. Deshalb müssen wir auch heute mit dem Instrument der Abschreibungen Investitionen in wirtschaftliche und technische Innovation zugunsten des Klimaschutz fördern, indem wir als Staat deutlich machen: ‚Investiere oder zahle Steuern!‘“

Bischof Overbeck unterstrich, „dass schon viel gewonnen wäre, wenn der Bund und die Länder die Kommunen aktiver bei der Finanzierung von praktischen Klimaschutzprojekte vor Ort unterstützen würden.“ Solche Projekte wurden auch in der Diskussion angesprochen. „Die Menschen müssen vor Ort in den Städten erleben, so Politikstudent Florian Pannen von Fridays for Future, „dass aktiver Klimaschutz für sie auch ein Gewinn sein kann, indem sie auch an den wirtschaftlichen Gewinnen der Energiewende beteiligt werden. Wenn zum Beispiel durch Energieeinsparungen Gelder für andere kommunale Projekte, wie den Bau einer Turnhalle frei werden, sind Menschen auch bereit, Maßnahmen zum Klimaschutz mitzutragen. Doaro, der hauptberuflich Windkraftanlagen verwaltet, plädierte dafür, „alle bürokratischen Hemmnisse abzuschaffen, die zurzeit noch den Ausbau der erneuerbaren Energie Infrastruktur hemmen.“ Mit dem Hinweis auf vorhandene technische Möglichkeiten wie etwa Kraftwärmekopplung, Geothermie, grüner Wasserstoff, Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen, wurde deutlich, dass wir als hochtechnisierte Gesellschaft dem Klimawandel und seinen verheerenden Folgen für unsere Lebensqualität nicht wehrlos und tatenlos zuschauen müssen.

Zur Person:

Der 1964 in Marl geborene Franz Josef Overbeck ist seit 2009 Bischof von Essen und war bis 2021 Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz. Im September 2021 hat er mit Blick auf die dringliche Klimaschutzdiskussion einen neuen Rat für Ökologie und Nachhaltigkeit ins Leben gerufen, um sich Umwelt und sozial ethisch besser beraten zu lassen. Diesem Rat gehören an: Ex-NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, Tobias Clermont (LEG Immobilien SE), Nina Frense (RVR-Regionalverband), Bernhard Osburg (Thyssenkrupp Steel Europe AG), Dr. Lars Grotewold (Stiftung Mercator GmbH), Friedrich Steinmann (Landwirtschaftlicher Kreisverband Recklinghausen), Dr. Carsten Gerhardt (A.T. Kearney GmbH), Prof. Dr. Uli Paetzel (Emschergenossenschaft Lippeverband), Prof. Dr. Susanne Moebus (Institut für Urban Public Health), Prof. Dr.-Ing. Ruben-Laurids Lange (Westfälische Hochschule), Dr. Christiane Schell (Bundesamt für Naturschutz), Stefan Schulte (Verwaltungsgericht Arnsberg), Prof. Dr. Thomas Happe (Ruhr-Universität Bochum), Julian Pannen (Fridays for Future), und die Leiterin der Wolfsburg Dr. Judith Wolf. In der von Overbeck zitierten Umwelt Enzyklika des Papstes komm mal stellt Franziskus unter anderem fest, dass die natürlichen Ressourcen der der Erde zunehmend erschöpft und sozial ungerecht verteilt sind, was ein globales Umdenken und Handeln erfordern, um durch konkreten Klima- und Umweltschutz die Schöpfung und damit die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit zu bewahren.

Der Soziologe und Sozialpsychologe Prof. Dr. Harald Welzer (Jahrgang 1958) setzt sich auch publizistisch und in Vorträgen seit Jahrzehnten mit dem Klimawandel, seinen Folgen und unserem Verhalten auseinander. 2008 veröffentlichte er sein Buch: „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“ 2022 gewann er als Koautor der Bücher: „Die vierte Gewalt – Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“ und: „Zu spät für Pessimismus: Das FUTURZWEI-Anti-Frust-Buch für alle, die etwas bewegen wollen“ eine starke öffentliche Resonanz. Welzer ist Mitbegründer und Direktor der gemeinnützigen Stiftung Futur Zwei die im Sinne gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit alternative Lebensstile und Wirtschaftsformen aufzeigt und fördert.

 

Prof. Dr. Beate Küpper hat im Rahmen des vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung geleiteten Projekts DemoKon zu einer demokratischen Konfliktkultur in der Energiewende geforscht. Sie lehrt und forscht im Bereich Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein mit Sitz in Krefeld. 2017 war sie Fellow der Mercartorstiftung, die auch die erste Jahresveranstaltung des Bistumsrates für Ökologie und Nachhaltigkeit unterstützt hat.


Neues Ruhrwort und: Die Wolfsburg

Samstag, 17. September 2022

Heimathelden

 Zum Beginn der Ratssitzung sind am Donnerstagnachmittag zum vierten Mal die Mülheimer Heimatpreise verliehen worden. Mit 6000 Euro wurden die zehn Zeitschenkerinnen um Christine Stehle ausgezeichnet, die seit einem Jahr an Demenz erkrankte Bewohner in Mülheimer Pflegeheimen und Demenz-Wohngemeinschaften besuchen, die sonst keinen Besuch bekommen. Inzwischen gehören auch zwei Hunde, zwecks Streicheleinheiten, zum Team.

Stellvertretend für den Verein Naturgarten nahm dessen Sprecherin Sabine Arzberger einen Heimatpreis-Scheck in Höhe von 5000 Euro entgegen. Die Naturgärtner bepflanzen und pflegen die seit 2014 von der Regler Produktion betriebene Freilichtbühne an der Dimbeck und werten sie ökologisch auf, indem sie für mehr Artenvielfalt in Flora und Fauna sorgen.

Über einen Heimatpreis in Höhe von 4000 Euro konnte sich der Vorsitzende des seit 1989 inklusiv arbeitenden Vereins für Bewegungsförderung und Gesundheitssport, Alfred Beyer, freuen.

Die Preisgelder, mit denen ehrenamtliches Engagement für die Heimatgemeinde gefördert wird, wird seit 2019 aus dem Etat des NRW-Ministeriums für Kommunales, Heimat, Bauen und Digitalisierung finanziert.

Wofür wollen die ausgezeichneten Vereine und Initiativen ihr Preisgeld ausgeben? Alfred Bayer vom VBGS kündigt an, das Fördergeld des Landes in einen zweitens Kleinbus für den Fahrdienst des Vereins zu investieren. Zeitschenkerin Christine Stehle freut sich darüber, dass ihr beim von Reiner Krafft geleiteten Verein Eltern werden Eltern sein angesiedeltes Projekt jetzt Geld hat, um zum Beispiel Flyer zu drucken, eine eigene Internetseite aufzubauen und Referenten für eine qualifizierte Fortbildung der Zeitschenkerinnen zu finanzieren. Und die Mülheimer Naturgärtner um Sabine Arzberger freuen sich, ihr Preisgeld in grünes Gold für die Flora und Fauna in der Freilichtbühne verwandeln zu können.

Stehle, Beyer und Arzberger betonten nach der Preisverleihung, dass der Heimatpreis ihren Vereine und Initiativen helfe, für ihre Anliegen ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen und ehrenamtliche Mitstreiter zu gewinnen.

Bürgermeister Markus Püll übernahm die Laudatio und die Auszeichnung der Preisträger. Neben ihm gehörten Stadtdechant Michael Janßen, der Geschäftsführer des Centrums für Bürgerschaftliches Engagement, Michael Schüring, und Superintendent Gerald Hillebrand zur Heimatpreis-Jury. Die Juroren konnten zwischen neun Projekten auswählen, die sich um den Heimatpreis beworben hatten. „Alle Projekte sind für Mülheim wertvoll, weil Sie einen Beitrag zur Lebensfreude und zur Lebensqualität in unserer Stadt leisten. Aber es konnten nur drei Preisträger geben“, sagte Püll im Ratssaal. Er bescheinigte Preisbewerbern und Preisträgern, eine tatkräftige Heimatliebe zu praktizieren, „aus der Mitverantwortung für die Orte und Menschen übernimmt, die das ausmachen, was für uns Heimat ist, und für andere Heimat werden kann.“


Zu meinen Beiträgen in NRZ und WAZ

Samstag, 25. September 2021

"Soziale Inklusion ist keine Einbahnstraße. Sie tut uns allen gut."

 Der Integrationsrat und seine Kooperationspartner laden vom 27. bis 3. Oktober zu einer Interkulturellen Woche, die mit Gesprächen, Vorträgen, Kulturveranstaltungen oder mit kulinarischen und sportlichen Begegnungen Lust auf die Entdeckung des bunten Mülheims macht, in dem heute Menschen aus mehr als 140 Nationen, mal besser, mal schlechter zusammenleben. Im Vorfeld der Interkulturellen Wochen, deren Programm sich auf der städtischen Internetseite: www.muelheim-ruhr.de findet, sprach die stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates und CBE-Mitarbeiterin, Gilberte Raymonde Driesen über, dass, was die Macher der Interkulturellen Woche an- und umtreibt. Die Pädagogin ist außerdem Vorsitzende des interkulturellen Bildungsverein Axatin, mit dem sie eine Brücke zwischen ihrem Geburtsland Senegal und ihrer Wahlheimat Deutschland schlägt.

Was will die Interkulturelle Woche?
Driesen: Sie will, dass wir uns begegnen und uns kennen lernen, Deshalb ist diese Veranstaltungsreihe etwas für uns alle und nicht nur etwas für die Zuwanderer. Wichtig ist, dass wir alle ermutigt werden, uns zu begegnen und uns auszutauschen und so ein Miteinander erleben. Das ist wichtig für unsere Stadtgesellschaft. Das tut uns allen gut. 

Was sind diesmal die Veranstaltungsschwerpunkte?
Driesen: Es gibt eigentlich ganz viele unterschiedliche Veranstaltungen, von denen ich keine hervorheben möchte. Wir stellen mit den Veranstaltungen eine Plattform zur Verfügung, auf der wir den  jeweils anderen  und dessen Hintergrund entdecken und verstehen können. Da gibt es Tanz, Musik, Film und Kinderprogramme, aber auch ein gemeinsames Kochen und Frauenfrühstück. Es gibt aber auch Diskussionsveranstaltungen, bei denen es um Bildung, Inklusion, Politik und um die Überwindung von Rassismus und Diskriminierung gehen wird. Wichtig ist: Alle Interessierten sind eingeladen, sowohl Mülheimer ohne als auch mit einer Zuwanderungsgeschichte.

Wo und wie erleben Sie im Alltag Rassismus und Diskriminierung?
Driesen: Rassismus und Diskriminierung gibt es überall, wo Menschen bei der Arbeits- und Wohnungssuche oder auch in der Schule aussortiert werden, weil sie anders aussehen, wo anders geboren sind  und keinen deutschen Namen haben. Wir bieten Familien mit Zuwanderungsgeschichte ehrenamtliche Beratung an und hören jeden Tag Erfahrungsberichte von erlebtem Rassismus.

Wie kann die Interkulturelle Woche helfen?
Driesen: Wir begegnen und tauschen uns aus und so überwinden wir Vorurteile und Stereotype. Wir machen uns gegenseitig Mut, keine Parallelgesellschaften zu bilden, sondern aufeinander zuzugehen. Das ist ein Prozess, der mit Arbeit verbunden ist und Zeit braucht. Aber wir haben in Mülheim auch gute Ansätze, wenn ich zum Beispiel an den Integrationsrat, das Centrum für bürgerschaftliches Engagement, an die lokalen Bildungsnetzwerke, an die Sozialverbände und an die Talentwerkstätten denke, in denen Begegnung und gemeinsame Arbeit an der Zukunft unserer multikulturellen Stadtgesellschaft geleistet wird.

Vielen Menschen macht Zuwanderung Angst. Wie kann da soziale Inklusion gelingen?
Driesen: Wir brauchen in der Diskussion einen Perspektivwechsel. Das Mülheim von heute ist nicht mehr das Mülheim von vor zehn Jahren. Angesichts einer alten deutschen Gesellschaft ist die Zuwanderung junger Menschen und Familien auch eine Chance für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme. Auch dafür will die Interkulturelle Woche das Bewusstsein schaffen. Wir wollen deutlich machen: Inklusion betrifft alle Menschen in unserer Gesellschaft. Sie ist keine Einbahnstraße Und wir haben deshalb ein gemeinsames Interesse daran, dass sich diese gesellschaftliche Vielfalt auch in Parlamenten, Verwaltungen, Bildungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen  widerspiegelt.


Mülheimer Woche, 25.09.2021

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...