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Es werden Posts vom März, 2019 angezeigt.

Ein Mann sieht Rot

😒Gestern konnte ich Ihnen an dieser Stelle noch davon berichten wie ich in der olivgrün getarnten S-Bahn vorankam. Heute bin ich schon einen Schritt weiter und muss Ihnen berichten, dass ich regelmäßig Rot sehen, wenn ich an der Straßenbahnhaltestelle Marienplatz stehe und die Absicht habe dort die Oberhausener Straße zu überqueren. Dann sehe nicht nur ich dort rot und das länger als mir lieb ist. Selbst wenn die Fahrbahn frei und weit und breit kein Auto zu sehen ist, will die Fußgängerampel dort partout nicht auf Grün umspringen. Will hier ein fanatischer Autofahrer freie Fahrt für freie Bürger durchsetzen? Aber was ist mit der Freiheit der zu Fuß gehenden Bürger, deren Lebenszeit ja auch begrenzt ist. Ich habe den Verdacht, dass da das Team der Fernsehshow „Verstehen Sie Spaß im Spiel“ ist. Vielleicht warten die Kollegen von Guido Cantz auf den ersten gesetzestreuen Fußgänger, der an der dauerroten Ampel übernachtet und kurz nach Mitternacht mit der Frage aufgeweckt wird: „Versteh…

Worauf sich Theaterfreunde freuen können

Theaterfreunde dürfen sich freuen. Das Backsteintheater am Evangelischen Krankenhaus wartet am 30. und 31. März mit einer neuen Premiere auf. Die Kartenreservierung für die insgesamt 18 eintrittsfreien Aufführungen der Komödie „Eine himmlische Karriere“ startet am 18. März.
Da der Aufführungsort, das Kasino im Evangelischen Krankenhaus, nur 180 Plätze bietet, ist eine Kartenreservierung erforderlich. Beim 30. Programm des Backsteintheaters, das Regisseur Michael Bohn und seine Assistentin Anna Wolf mit 13 semiprofessionellen Schauspieler auf die Bühne bringen, handelt es sich um eine musikalische Theaterbühnenfassung des Film-Welterfolges von Sister Act. Weil Whoopi Goldberg anderweitig beschäftigt ist, wird Edda Willems unter anderem die junge Doloris von Cartier spielen, die als Mordzeugin vor ihrem mörderischen Ex-Geliebten Vince LaRocca im Kloster Zuflucht sucht und damit das dortige Leben kräftig aufmischt. Der Gangsterboss, der seiner Ex-Geliebten nach dem Leben trachtet, wird v…

Franz Grave: Ein Priester, der etwas zu sagen hat

Der katholische Priester Franz Grave (86) gehört seit seiner Emeritierung als Weihbischof des Bistums Essen (2007) zum Seelsorgeteam der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt. Wie sieht er seine Kirche und seinen geistlichen Beruf 60 Jahre nach seiner Priesterweihe. Ein Gespräch.
Warum sind Sie Priester geworden?
Grave: Ich habe gute Beispiele in der Familie und unter den Gemeindepfarrern und Religionslehrern erleben dürfen. Es waren diese Menschen, die mich mit ihrem überzeugenden und verbindlichen Vorbild auf diesen Weg gebracht haben, weil sie mich daran teilhaben ließen, was sie konnten und was sie waren. Und ich bereue auch heute nicht, diesen Weg gegangen zu sein.

In was für einer Zeit wurden Sie Priester?

Grave: Das war eine Aufbruchzeit. Wir haben schon im Theologiestudium so etwas wie ein geistliches Wetterleuchten gespürt. Aber wir erlebten die Kirche noch in ihrer Vergangenheitsform, in der die Heilige Messe vom Priester in lateinischer Sprache und mit dem Rücken zur Gemeinde zelebr…

Der Bund tarnt die Bahn

😏 Ich traute meinen Augen kaum, als meine S-Bahn in Olivgrün einfuhr. Da fühlte ich mich gleich wie in einem Truppentransporter. Die Tarnfarbe täuschte nicht. Und das Eiserne Kreuz der Bundeswehr beseitigte alle Unklarheiten. Hier machte die Bahn Werbung für den Bund. 

"Mach, was wirklich zählt. Bei uns kommt es nicht auf Stillstehen, sondern aufs Weiterkommen an!" Diese Aussage der Bundeswehr auf einer Schnellbahn der Deutschen Bahn lässt aufhorchen. Denn wir wissen. Nicht nur bei der Deutschen Bahn, sondern auch bei der Bundeswehr bringen deren Fortbewegungsmittel ihre Insassen nicht immer voran. Viel zu oft stehen sie still oder kommen zu spät. Als friedliebender Mensch könnte man den Stillstand der Bundeswehr-Fahr- und Flugzeuge noch als Zeichen des äußeren Friedens begrüßen. Es sei denn: Ein internationaler Spielverderber macht uns einen Strich durch unsere fromme Friedensrechnung.

Aber als Fahrgast der Deutschen Bahn würde man sich mit Verspätungen und Fahrpreiserhöhung…

Welcher Vogel darf es denn sein?

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die gerne früh aufstehen. Für mich haben die frühen Morgenstunden kein Gold im Mund, sondern Blei im Hintern. Ich hatte deshalb immer den Verdacht, dass ich vielleicht nicht dynamisch und diszipliniert genug sei. Doch jetzt weiß ich es besser. Denn rechtzeitig vor dem Beginn der Sommerzeit am 31. März, die uns erst mal wieder eine Stunde wegnehmen wird, um sie uns am 27. Oktober wiederzugeben, fiel mir jetzt ein Bericht über unsere innere biologische Uhr in die Hand. Dieser Bericht klärte mich darüber auf, dass jeder Mensch eben auch dann unterschiedlich tickt, wenn es um seinen Tagesablauf geht und dies auch beachten muss, um keinen „seelischen Jetlag zu erleiden, der uns auf Dauer gesundheitlich aus unserer persönlichen Flugbahn werfen kann.
Demnach gehöre ich zu den Eulen, die erst in der zweiten Tageshälfte langsam aber sicher zu ihrer Höchstform auflaufen. Auch wenn wir späten Eulen den frühen Lerchen als Spätzünder hinterherlaufen müssen, beschei…

Schlag nach bei Ludwig Erhard

Zeitunglesen bildet. Doch zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Hausarzt. Ich hatte die Berichte über die Respektrente noch im Kopf, als mir jetzt bei der Frühstückslektüre unserer Zeitung ein Bericht über die lebenslange Besoldung unserer Altbundespräsidenten und Altkanzler den Appetit verdarb. Von Ehrensold statt von Respektrente war bei Deutschlands prominentesten Rentnern die Rede. Von 236.000 € Jahresruhegehalt, Büro, Dienstwagen und eigenem Mitarbeiterstab war da die Rede und davon, dass die prominenten Staatsdiener außer Diensten künftig zusätzliche Einkünfte auf ihren Ehrensold angerechnet bekommen sollen. Wohlgemerkt, künftig. Respekt. Soviel Respektlosigkeit vor den Otto-Normal-Steuerzahlern und Respekt-Rentern, die unseren Staat am Laufen halten und sich angesichts des sinkenden Rentenniveaus fragen, ob sie auch morgen noch ihre Miete bezahlen können, muss man sich erst mal trauen, ohne als Volksvertreter, vor dem Volkssouverän vor Scham im Boden zu versinken. Zu…

Über den Tellerrand schauen

Wie ist es um Mülheims Städtepartnerschaften bestellt? Der am Montagabend von der Mitgliederversammlung im Bürgergarten einstimmig im Amt bestätigte Vorstand des Vereins zur Förderung der Mülheimer Städtepartnerschaften gab den 110 anwesenden Vereinsmitgliedern einen differenzierten Bericht.
Die seit 1953 bestehenden Beziehungen zum nordenglischen Darlington sind eng und stabil. Mit Tom Nutt und Nigel Davis, die mit englischen Spezialitäten am Adventsmarkt in der Altstadt teilnehmen, gibt es zuverlässige Ansprechpartner. Sie stehen an der Spitze der Twin Town Association in Darlington. In den Sommern 2017 und 2018 besuchten Mülheimer Bürgergruppen die englische Partnerstadt. Für den September 2020 ist eine weitere Bürgerfahrt nach Darlington geplant. Im August 2020 werden auch Gäste aus Darlington zum Silbernen Jubiläumsfest des Fördervereins erwartet. Der Brexit überschattet die Städtepartnerschaft, wird sie nach Einschätzung des Vorstands aber nicht nachhaltig beeinträchtigen. Mit …

Mit Toleranz kommt man weiter

"Wer kann schon im Exil sagen: Ich sehe meine Heimat", freut sich der Vorsitzende des Fördervereins für das zurzeit noch eingerüstete und  auf seine Restaurierung wartende Tersteegenhaus, Markus Püll. 70 interessierte Mülheimer sind jetzt der Einladung des Förderkreises ins benachbarte Petrikirchenhaus gefolgt, um mit dem in Mülheim aufgewachsenen Historiker Christoph Kampann in die Lebenszeit des vor 250 Jahren in seinem Haus an der Teinerstraße gestorbenen Menschenfreundes, Predigers und Poeten zurückzuschauen. Sie hören einen lebendigen und engagierten Vortrag, der ihnen zeigt wie aktuell Tersteegens auf religiöse Toleranz und christliche Nächstenliebe ausgerichtetes Denken auch zweieinhalb Jahrhunderte nach seinem Tod ist. Christoph Kampmann, der mit dem Geschäftsführer des Freundes- und Förderkreises Tersteegenhaus, Hansgeorg Schiemer Geschichte studiert hat und heute als Professor an der Marburger Philipps-Universität lehrt, zeigt: Tersteegens Wirken war im 18. Jahrhu…

Bitte, nicht nur freitags

Nun wird es sie auch in Mülheim geben, die Fridays for Future. Auch hier wollen Schüler während ihrer Unterrichtszeit für den Klima- und Umweltschutz auf die Straße gehen. Da passte es ins Bild, dass Stadt und Ruhrbahn am Mittwoch auf der Linie 133 einen emissionsfreien E-Bus testen ließen. Kaum machen die Kinder Krach in Sachen Klimaschutz, posieren die Steuerleute von Stadt und Ruhrbahn in der Presse plakativ mit dem umweltfreundlichen Nahverkehrsmittel von morgen. Vorauseilender Gehorsam? 
Leider nicht. Denn der abgasfreie E-Bus, den wir nicht nur auf der Linie 133 lieber gestern als heute gebrauchen könnten, wird uns als Vision für 2030 verkauft. Hätte Carl Benz seine Erfindung ebenso dynamisch vorangetrieben, wären wir heute noch mit der Postkutsche unterwegs. Das wäre zumindest für unsere Umwelt besser als der automobile Dauerstau, der unser Klima und uns selbst kaputt macht. Mülheims Kinder treibt es aus ihren Klassenzimmern, weil sie auch morgen und übermorgen noch in einer St…

Hand aufs Herz

Das sieht wirklich sportlich aus. 50 Viertklässler der Saarner Klostermarktschule holen den Torso Dummy Little Anna mit einer kräftigen Herz-Druck-Massage zurück ins Leben. Selbst die eher zierlichen Mädchen und Jungen, denen man das auf den ersten Blick nicht zutraut, drücken Little Annas Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter tief durch und das bis zu 120 mal pro Minute. Ein Amplitudenmesser zeigt via Smartphone oder IPad an, ob der lebensrettende Druck auf Herz- und Brustbein ausreicht. Die Jungen und Mädchen geben auf den Gymnastikmatten alles und werden dabei von ihren Trainern kräftig angespornt: "Das sieht gut aus. Mach weiter. Du schaffst das. Klasse, wir sind im grünen Bereich. Little Anna ist gerettet. Herzlichen Glückwusch. Du bist ein Held", hört man an den Matten. Die Trainer der kleinen Lebensretter und Helden in spe. Das sind zum Beispiel der Leiter der Leiter der Zentralambulanz des Evangelischen Krankenhauses, Dr. Ingmar Gröning, der ebenfalls am Evangelischen …

Mülheim braucht ganz viele Marshalls

„Zu viele Waffen am Hauptbahnhof“ Die Samstagsschlagzeile auf der Lokalseite 1 und der darunter stehende Bericht ließ sicher nicht nur mir das Frühstücksbrötchen im Halse stecken. Das Mülheim eine Stadt im Westen ist, weiß ich. Das wir jetzt aber schon im wilden Westen angekommen sind, war mir neu. Da lebt und arbeitet man seit Jahrzehnten in seiner Stadt, von der man glaubt, dass man sie kennt. Und plötzlich wird man durchgeschüttelt, weil man erkennt, dass man sie doch nicht so gut kennt. Der Lagebericht vom Hauptbahnhof zeigt, dass sich nicht nur in unserer Stadt etwas zum Schlechteren verschoben hat und der Zug der Zeit in einer Sackgasse zum Stehen gekommen ist. „Zwölf Uhr mittags“ in Mülheim. Wer wird jetzt unser Town-Marshall Will Kane? Gary Cooper ist mit dem Zug der Zeit schon lange abgereist. Es ist Zeit einzusehen, dass es die einsamen und unerschrockenen Helden, die das Böse allein und im Handstreich besiegen, nur auf der Leinwand gibt. Die Filme, die das wirkliche Lebens …

Ein altes Haus kann viel erzählen

Mit einem Foto aus der Sammlung des Mülheimers Burkhard Otto Richter schauen wir heute zurück ins Jahr 1930 und vom 27,5 Meter hohen Bismarckturm aus auf das 1913 errichtete Haus Urge, das seit 1988 unter Denkmalschutz steht. Es war die Lederfabrikantenfamilie Coupienne, die sich die Villa an der Bismarckstraße vom Architekten Franz Hagen als „Unseren Rittergutsersatz“ errichten ließ. Jean Baptiste Coupienne (1877-1922) und seine 1882 auf Haus Blegge in Paffrath bei Bergisch Gladbach geborene Frau Martha Schmidt-Leverkus baten den von ihnen beauftragten Architekten Franz Hagen (1871-1953), sich von der barocken Architektur von Marthas Elternhaus, inspirieren zu lassen. Zum Zeitpunkt der historischen Aufnahme war der 21 Jahre zuvor errichtete Bismarckturm für die Bürger der Stadt geschlossen. Bis 1929 hatten Ausflügler dort die besten Aussichten auf ihre Stadt genossen. Kinder hatten dafür 5- und Erwachsene 10 Pfennige bezahlt. Doch das Geld fehlte jetzt. Die Folgen der Weltwirtschafts…

Immer schon eine Baustelle: 100 Jahre Volkshochschule in Mülheim

Gerne hätte VHS-Leiterin Annette Sommerhoff den 100. Geburtstag der Volkshochschule im großen Rahmen gefeiert. Doch die ungeklärten Raum- und Standortfragen zwingen auch im Jubiläumsjahr zur Improvisation. Mit einem Doppelvortrag zum Start der Mülheimer Geschichtsreihe machten Sommerhoff und der Leiter des Stadtarchivs, Kai Rawe, am Donnerstagabend aus der Not eine Tugend. Im Rückblick auf die Geschichte und im Ausblick auf Gegenwart und Zukunft der kommunalen Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtung, lieferten sie ihren gut 100 Zuhörern im Haus der Stadtgeschichte eine bemerkenswerte Standort- und Aufgabenbeschreibung, was Volkshochschule leisten will und soll. Dabei zeigte schon der Blick in die Geschichte. VHS in Mülheim: Das war von Anfang an eine Baustelle. Die Initiative zur Gründung der VHS ging vom damaligen Leiter der städtischen Oberrealschule aus, deren Nachfolgerin wir heute als Karl-Ziegler-Schule kennen. Das städtische Gymnasium an der Schulstraße sollte für Jahrzehnt…

Guter Rat für Verbraucher

Zum Weltverbrauchertag haben Christiane Lersch und Gudrun Schäfer von der Verbraucherzentrale an der Leineweberstraße 54 Kunden vor uninformierten Lust- und Spontaneinkäufen in den Shops der Telekommunikations- und Internetanbieter gewarnt. Bevor man Internet- und Telefonieverträge abschließe, so die beiden Verbraucherberaterinnen, sollten sich interessierte Kunden zunächst darüber Klarheit verschaffen, welches Datenvolumen sie für ihre eigene Nutzung von Internet und Telekommunikation brauche. Auch ein Preis-Leistungs-Vergleich unterschiedlicher Anbieter lohne sich.
Grund für die Warnung sind die negativen Kundenerfahrungen, die sich in der  Rechtsberatung widerspiegeln, die die örtliche Verbraucherzentrale mit Hilfe ortsansässiger Rechtsanwälte anbietet. Oft gesuchter Rat 42 Prozent aller Fälle kommen aus dem Bereich Telekommunikation und Internet. Im Kern geht es immer wieder darum: Unerfahrene und uninformierte Kunden kommen mit Fragen zu ihrem bestehenden Vertrag oder mit Frage…

Einblicke ins Jüdische Alltagsleben

Christian Kamann unterrichtet unter anderem Politik an der Realschule Mellinghofer Straße. Der Lehrer hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wenn es um die Themen Judentum und Antisemitismus geht. Einerseits engagieren sich viele seiner Schüler in der Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine. Hier recherchieren und dokumentieren sie Opfer-Biografien aus der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Ergebnis ihrer Arbeit ist eine Wanderausstellung, die auch Jugendlichen an anderen Schulen den Holocaust näherbringt.
Andererseits ist Kamann darüber erschrocken, wenn er in dem einen oder anderen Schülerstreit schon mal den als Beschimpfung gedachten Ausdruck „du Jude“ hört. Auch wenn der Politiklehrer darin keinen fundierten Antisemitismus, sondern gedankenlose Unwissenheit sieht, haben ihn seine zwiespältigen Erfahrungen dazu motiviert, sich an Rent a Jew zu wenden. Das ist ein ehrenamtlicher Referentenpool von deutschen Juden, die zum Beispiel wie jetzt in der Realschule an der Mellinghofer Straße, …

Wenn eine Familie Theater macht

Wenn eine Familie Theater macht, kann das heiter werden. Das Ensemble Komödchen Sorglos zeigte es am Wochenende mit dem Dreiakter „Krimi für ein Schlossgespenst.“ Die Zuschauer im Theater an der Dimbeck hatten zurecht ihren Spaß an dem Familiendrama der besonderen Art. Ab dem zweiten Akt nahmen die Schauspieler um Regisseur Andreas Pawlowski richtig Fahrt auf. Jetzt konnten alle Darsteller die pointenreiche Situationskomik ausspielen, die sich daraus ergab, dass unwillige Familienmitglieder auf Teufel komm heraus für ein Theaterstück proben mussten, das ihnen die reiche Erbtante und Schlossbesitzerin für das nächste Familientreffen ins Drehbuch diktiert hatte.
Was tut man nicht alles für die Aussicht auf das große Geld. Was die 120 Spielminuten kurzweilig machte, war, dass jeder Darsteller in seiner Rolle mit Wortwitz glänzen konnte. Jürgen Loss begeisterte zum Beispiel als entnervter Regisseur Ulrich Sperling, Jürgen Tobergte als sein stoischer und begriffsstuziger Assistent Bruno N…

Blumen statt Beton

Ein Häuschen im Grünen. Davon haben ganze Generationen geträumt. Dieses Ensemble war das Symbol dafür, dass man es geschafft hatte.
Doch als ich gestern in meiner Zeitung mit dem grünen Titelkopf lesen musste, dass viele Hausbesitzer, die das Privileg haben, im Grünen wohnen zu können das Grün vor ihrer Haustür gar nicht mehr zu schätzen wissen und stattdessen pflegeleicht zubetonieren, machte mich das schon nachdenklich. Sind das die Auswirkungen des demografischen Wandels? Sicher. Wer sich heute einen Steingarten anlegt spart sich morgen übermorgen das Rasenmähen.
Ob wir mit diesem Rationalismus Marke Betonkopf aber steinalt, geschweige den glücklich werden, wage ich als Innenstadtbewohner mit Aussicht auf jede Menge Stein und Beton zu bezweifeln. Denn nicht nur der Blick ins Grüne tut den Augen und der Seele gut. Jedes noch so kleine Pflänzchen im urbanen Steinmeer mit hoher Auto- und Abgas dichte leistet mit der Photosynthese Kohlenstoffdioxid-Abgase in Sauerstoff verwandeln, der un…

Bleiben wir heiter

Ist heute alles vorbei wie es uns ein Karnevalsschlager nahelegt? Oder müssen wir ab heute, wo die Narretei zu Ende ist, wieder mit dem ganz normalen Wahnsinn rechnen? Ein Narr wäre, wer sich darüber hinwegtäuschen würde, dass auch der größte Spaß an der Freude den Ernst des Lebens nicht weglachen kann. Daran erinnert uns der heutige Aschermittwoch. Müssen wir deshalb alle in Sack und Asche gehen? Lieber nicht. Dafür ist das Leben viel zu ernst als dass wir es uns erlauben könnten, die närrische und heitere Gelassenheit des Karnevals zwischen Aschermittwoch und dem Elften im Elften zu vergessen. Denn wie uns der Dichter Joachim Ringelnatz wissen lässt, ist der Humor (nicht nur zur Fünften Jahreszeit) der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. Und dieser Humor – die Zeitungslektüre zeigt es uns täglich - ist heute überlebenswichtiger denn je. Bleiben Sie deshalb heiter.

 Dieser Text erschien am 6. März 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Das vorerst letzte Helau

Auch die längste und schönste Session hat einmal ein Ende. Am Dienstagabend war es soweit. Die kleinen und großen Tollitäten mussten die an Altweiber eroberten Stadtschlüssel an Oberbürgermeister Ulrich Scholten zurückgeben. "Die Stadtkasse ist leer. Es lohnt sich nicht, sie zuzuschließen. Deshalb haben wir ihnen noch etwas Geld mitgebracht", zeigte sich Kinderprinz Marcel I. dabei großzügig.
"Wir haben es geschafft, Leben in die Stadt zu bringen", zog Stadtprinz Johannes II. eine positive Bilanz seiner Regentschaft. Auch Oberbürgermeister Scholten, der als "Rathausclown" in der karnevalistisch geschmückten Rathausbibliothek, erschien bescheinigte den Tollitäten und den in 13 Gesellschaften aktiven 1.350 Karnevalisten: "Ihr wart die Garanten dafür, dass wir auf eine tolle Zeit zurückschauen können."

Der Präsident des Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval, Markus Uferkamp, dankte nicht nur den Karnevalisten und Tollitäten, sondern auch den viel…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

30.000 Menschen kamen zum Mülheimer Rosenmontagszug

„Kamelle und Helau“, hieß es auch beim Rosenmontagszug 2019, der unter glimpflichen Wetterbedingungen durch die Innenstadt rollte. Doch was am Straßenrand auffiel. Die klassischen Kamelle werden meistens liegen gelassen, während Bälle, Schokoriegel, Plüschtiere, kleine Kartoffelchipstüten und Popkornbeutel bei den kleinen und großen Rosenmontagszugfängern heiß begehrt waren. So mancher machte an der Zugstrecke aus der Not eine Tugend und nutzte seinen Regenschirm mal so und mal so. Nach Angaben des Hauptausschusses Groß Mülheimer Karneval kamen in diesem Jahr rund 30.000 Menschen zum Rosenmontagszug. Das Deutsche Rote Kreuz musste an der Zugstrecke drei Verletzte behandeln. Deren Schnitt- und Kopfverletzungen bezeichnete DRK-Einsatzleiter Martin Meier als „nicht dramatisch.“ Ein gutes Ende nahm der Rosenmontagszug auch für drei kleine Kinder, die im Zuggetümmel ihre Eltern verloren hatten und deshalb nach dem Zug von der Polizei nach Hause gebracht werden mussten.
„Dank der Aktiven a…