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Es werden Posts vom Januar, 2016 angezeigt.

Halleluja und Helau oder Fromm trifft Fröhlich: Die Karnevalsfestmesse in Ankt Engelbert

Halleluja und Helau sind zwei Seiten der selben frohen Botschaft. Das konnten jetzt 150 Gottesdienstbesucher in St. Engelbert erleben. Pastor Michael Clemens und die 13 Gesellschaften des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval hatten dort zur achten Karnevalsfestmesse eingeladen. In einer brillanten Predigt mit Herz und Verstand schlug Clemens den Bogen von der wunderbaren Wein-Vermehrung bei der Hochzeit von Kana hin zu den alltäglichen Wundern der Mitmenschlichkeit, etwa wenn sich Bürger ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren und dabei über alle Parteigrenzen hinweg auch von den Kommunalpolitikern unterstützt werden.

Clemens Predigt-Motto lautete den auch: "Manches läuft einfach. Manches läuft runder. Schon wieder ein Wunder!" Nach seiner Predigt hatte sich der Pastor aus dem multikulturellen Stadtteil Eppinghofen den Applaus der Gottesdienstbesucher und die Orden des kleinen und des großen Stadtprinzenpaares redlich verdient. Das große Stadtprinzenpaar (Markus u…

Eine Rolle, die niemanden kalt lässt: Ein Gespräch mit den Hauptdarstellern des Nikolaus-Groß-Musicals

„Wenn man so einen starken Glauben hat, wie Nikolaus und Elisabeth Groß ihn hatten, dann braucht man eigentlich nichts anderes mehr. Dann hat man gewonnen“, sagt Tim Timmer. Der Rechtsanwalt aus der Gemeinde St. Barbara spielt seit 18 Jahren den katholischen Arbeiterführer, Widerstandskämpfer und Familienvater Nikolaus Groß.
„Wer diese Rolle spielt und sich mit der Persönlichkeit von Nikolaus Groß auseinandersetzt, der wird ein anderer, als er vorher war“, sagt der Unternehmensberater Jürgen Wrobbel. Er teilt sich die Rolle des 2001 selig gesprochenen Nikolaus Groß mit Timmer.

Auch für die Lehrerin Verena Rützel und die in der Offenen Ganztagsschule tätige Pädagogin Dorothee Schäfer, die sich die Rolle der Elisabeth Groß teilen, haben die Eheleute Groß „mit ihrer bewussten Entscheidung für den Widerstand gegen Hitler im Angesicht aller damit verbundenen Konsequenzen“ ein bis heute nachwirkendes Beispiel für Mut und Verantwortung gegeben. Dabei sehen Rützel und Schäfer sehr wohl die „zwe…

Den Rhytmus im Blut: Steffi Wolter

„Wenn ich tanze, fühle ich mich frei. Dann kann ich alle meine Alltagssorgen vergessen“, sagt Steffi Wolter. Die Augen der 44-jährigen Mutter und Arzthelferin leuchten dabei so, dass man selbst als Tanzmuffel mit ihr eine Runde über das Parkett drehen möchte.

Schon als Teenager hat Wolter selbst in der Garde des Mülheimer Carenvalsclubs getanzt, trainiert von der legendären Margot Rudolph. „Von ihr habe ich viel gelernt“, sagt Wolter. Mit Blick auf ihre eigene Erfahrung als Tänzerin und Trainerin, ist sie davon überzeugt, „dass das gemeinsame Tanzen in der Garde ein gutes Training fürs Leben ist.“ Warum? „Die Auftritte stärken das Selbstbewusstsein. Und schon beim Training lernt man ganz selbstverständlich, dass man sich aufeinander verlassen können muss und nur gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann.“

Als Wolter Ende der 90er Jahre mit dem aktiven Tanzen aufhörte und dann beim Training ihrer heute 20-jährigen Tochter Sandy zuschaute, kam schnell der Moment, in dem sie …

Die Spätberufene: Marita Kocks

Die Floristin Marita Kocks ist mit ihren 40 Lenzen eine spätberufene, aber dafür auch besonders aktive Karnevalistin. „Ich kam vor vier Jahren eher zufällig in die Gesellschaft“, erzählt die zweifache Mutter.

Als sie an der Ella-Montan-Tankstelle an der Sandstraße ihren Wagen auftankte, kam sie mit Annette Stachelhaus ins Gespräch. Kocks erzählte ihr von ihrer Tochter Kiara, die für ihr Leben gerne tanze, sobald sie flotte Musik zu hören bekomme. „Da sind Sie bei mir genau an der richtigen Adresse“, sagte ihr Stachelhaus. Denn was Kocks nicht wusste: Die freundliche Frau von der Tankstelle war und ist Vorsitzende der drittältesten Karnevalsgesellschaft Mülheims.

„Ich bin dann mit Kiara mal zu einem Training der Tanzgarden gegangen und sie war von Anfang an begeistert“, erinnert sich Marita Kocks. Und weil sie eine Frau ist, die gerne hilft, wo Hilfe gebraucht wird und auch kein Problem damit hat, auf andere Menschen zuzugehen, ließ sie sich Ruckzuck vom Bazillus Karnevalensis…

Toll und voll! Ein Besuch der Mülheimer Seniorensitzung in der Stadthalle

Volles Haus, tolles Programm und beste Stimmung. Dieser närrische Dreisatz ging auch bei der gestrigen Seniorensitzung im Theatersaal der Stadthalle auf. Gut 1000 Senioren zeigten sich wieder mal als besonders karnevalstauglich und textsicher. „Da sind wir dabei. Das ist prima!“ Nicht nur Lokalmatadore, wie die Tollitäten und ihre Tanzshows wurden mit viel Applaus und Zugabe-Rufen gefeiert. Auch die komödiantischen Gastarbeiter aus dem rheinischen Karneval, à la Engel Hedwig (Sieberichs) und Et Zweijestirn konnten beim Publikum landen und kamen nicht ohne Nachspiel von der Bühne. Beide Auftritte zeigten: Es gibt auch Büttereden mit geistreichem Witz. Hedwig, die Sitzungspräsident Heino Passmann als „Brummer unter den Schutzengeln“ vorstellte, berichtete zum Beispiel: „Als ich bei Hager und Mager etwas schönes zum Anziehen suchte, war die Umkleidekabine das Einzige, was mir gepasst hätte.“ Auch der deftige politische Witz des Zweijestirns ließ den Funken auf das reife und närrische Pub…

Keine Angst vor neuen Berufen und dem Aufbau einer persönlichen Mitarbeiter-Bindung: Was die Leiterin des Arbeitgeberservice Chefs und ihren potenziellen Azubis rät

Sabine Knapstein leitet den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit. Hier beraten zehn Mitarbeiter 1000 Betriebe bei der Personalsuche und bei betrieblichen Problemen. Bei rund 360 Ausbildungsberufen und jeweils rund 390 Ausbildungssuchenden bzw. unbesetzten Lehrstellen versucht sie mit ihren Kollegen Arbeitgeber und Azubis zusammen zu bringen.

Frage: Wie können Sie helfen?

Antwort: Gemeinsam mit der Stadt organisieren wir eine Berufsmesse, bei der sich potentielle Azubis und Arbeitgeber kennenlernen können. Vorab treffen wir für die Arbeitgeber bereits eine Vorauswahl und vereinbaren mit den geeigneten Bewerbern einen Vorstellungstermin. Das spart Zeit und vermeidet Enttäuschungen auf beiden Seiten. Des Weiteren beraten wir die Jugendlichen intensiv bei der Ausbildungsplatzsuche und geben ihnen einen Überblick der aktuell ausgeschriebenen Berufe und ihren Zukunftsaussichten. Das können wir, weil wir die Betriebe gut kennen.

Frage: Was raten Sie Bewerbern?

Antwort: Jugendli…

Der umtriebige Stadtwächter: Norbert Hütte

„Ich bin kein Mensch, der sich einfach hinsetzen kann, um sich berieseln zu lassen. Ich werde lieber aktiv und mach selbst was“, sagt Norbert Hütte.

Bis 1986 hatte der gelernte Installateur, der sich später kaufmännisch weiterbildete und heute vom kompletten Badezimmer über die Toilette bis zur Heizungsanlage alles verkauft, was Menschen brauchen, um warm und sauber durchs Leben zu kommen, nichts mit dem Karneval zu tun.

Doch dann ließ sich seine Tochter Mareike von einer Freundin aus der Nachbarschaft zum Tanztraining der Roten Funken mitnehmen. Und das hatte Folgen, auch für ihre Eltern Gabi und Norbert. Die ließen sich bei den Gardeauftritten ihrer Tochter nur zu gerne vom Bazillus Carnevalensis anstecken und von den Karnevalisten einspannen. „Bis 1992 war ich im Wagen- und Bühnenbau der Funken aktiv“, erinnert sich Hütte an seine närrische Feuertaufe. Doch dann kam die Zeit, in der sich Hütte mit einigen seiner Funken-Freunde einig war: „Wir wollen mal was anderes mache…

So gesehen: Immer gut informiert

Bis gestern dachte ich: Man muss Zeitung lesen, Radio hören oder Fernsehen schauen, um gut informiert zu sein. Seit gestern weiß ich es besser. Einkaufen gehen reicht. Das ist zumindest dann der Fall, wenn man auf einen Zeitgenossen trifft, der zwischen den Supermarkt-Regalen, zwischen Joghurt, Senf und Schinkenwurst an seinem Handy mit seinem Gesprächspartner am anderen Ende des Funknetzes quatscht. Und so gut hörbar die gesamte Weltlage vom Islamisten-Terror über den extrem niedrigen Ölpreis bis zu den Kölner Silvesterscherereien erörtert, dass einem als unfreiwilligem Mithörer Hören und Sehen sowie die Erinnerung daran vergeht, was man eigentlich selbst in seinen Einkaufskorb legen wollte. Waren das noch herrliche Zeiten, als es noch regelmäßige Sendepausen gab, und das nicht nur im Fernsehen!

Dieser Text erschien am 20. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kommando Karneval: Oliver Thomas

Hätte Oliver Thomas schon zu Kaisers Zeiten gelebt, hätte er vielleicht Probleme bekommen. Denn der 52-jährige Groß- und Außenhandelskaufmann, der heute im Bereich der Immobilienverwaltung seine Brötchen verdient, ist Kommandeur der Hinkemann-Soldaten. „Wir sind eine achtköpfige Gruppe, die sich als Parodie der Soldaten des Infantrieregimentes 159 versteht. Das Regiment war ab 1899 für zwei Jahrzehnte in Mülheim stationiert“, erzählt Oliver.
Damals waren die Soldaten und ihre Garnisonskaserne an der Kaiserstraße heilig. Dass Männer und Frauen in eine Soldatenuniform schlüpfen, sich mit Holzgewehren bewaffnen und entwaffnend komisch in diverse Säle ein marschieren, um zum Beispiel ihre Hinterteile, passend zum Rhythmus der Musik aneinander zu reiben, wäre zu Kaisers Zeiten unvorstell- bar gewesen. Doch der Kaiser musste bekanntlich abdanken, während Prinz Karneval bis heute fröhlich weiterregieren darf. Humor ist eben unschlagbar. Das findet auch Oliver Thomas, der  vor 15 Jahren seine …

Eine Frau geht. Ihre Aufgabe bleibt. - Nina Gutmann verlässt die Evangelische Ladenkirche in Richtung Ruhestand

„Die evangelische Ladenkirche wird heute und in Zukunft mehr denn je gebraucht“, sagt Nina Gutmann. Sie selbst verlässt die Ladenkirche an der Kaiserstraße, die sie ein Jahrzehnt lang geleitet hat, jetzt in Richtung Ruhestand. „Es war eine sehr schöne und sehr aktive Zeit, in der mir die Kreissynoden allerdings immer wieder zugesetzt haben“, blickt die promovierte Literaturwissenschaftlerin auf ihre city-pastorale Arbeit für den evangelischen Kirchenkreis an der Ruhr zurück. 2011 halbierte die Kreissynode ihre bis dahin volle Stelle und machte ihre die Arbeit an der Basis damit nicht leichter. Nur mit einer Gruppe von rund 20 Ehrenamtlichen Mitarbeitern konnte sie die Ladenkirche werktags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr offen halten.
Bis zu 60 Besucher konnten Gutmann und ihren ehrenamtlichen Kollegen täglich an der Kaiserstraße begrüßen. Solange Gutmann eine volle Stelle hatte, wurde die Ladenkirche mehr als 60mal pro Jahr zum Veranstaltungsorten von Konzerten, Auss…

So gesehen: Halleluja und helau

In die Kirche gehen? Um Gottes Willen. So denken und sagen es viele. Warum eigentlich? Von vielen Gottesdienst-Muffeln hört man, dass sie keine Lust darauf hätten, sich Predigten anzuhören, die an ihrer Lebenswirklichkeit vorbeigehen und wenn es ganz schlecht läuft, eher als Droh- denn als Frohe Botschaft von der Kanzel auf sie hernieder kommen. Dass es anders geht, zeigten gestern die karnevalistischen Gottesdienste in der katholischen Sankt-Engelbert-Kirche und in der evangelische n Immanuelkirche. Da predigten Pastor Michael Clemens und Pfarrer Michael Manz als klug reimender Bütteneredner im Priestergewand und als Engel im Praktikum nicht nur mit Herz und Verstand, sondern auch mit Spaß an der Freude über das „Wunder der Mitmenschlichkeit“ und „über die allzu menschlichen Baustellen des Lebens.“ Da sprang denn auch der Funke auf jeweils rund 150 Gottesdienstbesucher über. Auch Tanz und Musik, die die Karnevalisten mit in die Kirche brachten, bereicherten die Liturgie.

D…

Jung und jeck: Christian Hövelmann

Wenn man so, wie Christian Hövelmann, Sohn eines Ex-Stadtprinzen ist, wird man entweder karnevalsresistent oder man wächst in den Karneval hinein und steigt voll ein. Der 26-jährige Elektriker hat sich für Letzteres entschieden. „Die meisten meiner Freunde habe ich im Karneval kennen gelernt“, sagtHövelmann. Die Karnevalsgesellschaft Blau Weiß, in der Vater Herbert mit von der Partie ist, ist für ihn zu einer zweiten Familie geworden.
Dort kann man ihn an vielen Stellen treffen. Am Schlagzeug der BMP-Brassband, am Reglerpult für die Licht und Tontechnik, beim Arrangieren oder Zusammenschneiden von Musikstücken und Soundtracks für die Tanzshows der blau-weißen Garden – oder auch ganz handfest beim Aufbau von Sitzgarnituren und Bühnendekoration.
„Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie viele Stunden ich in den Karneval investiere. Denn Karneval ist mein Hobby. Hier bin ich in einer starken Gemeinschaft, in die ich mich kreativ einbringen kann“, sagt Hövelmann und lächelt. D…

Eine vergleichsweise sichere Stadt: DREI FRAGEN AN: Stadtdirektor Frank Steinfort

Nach den Kölner Silvesterereignissen stellt sich die Frage nach der inneren und der persönlichen Sicherheit für viele Bürger ganz neu. Wie sehen Sie als der für Ordnung und Sicherheit zuständige Dezernent die Entwicklung?

Entscheidend ist für mich, dass das staatliche Gewaltmonopol erhalten und auch konsequent ausgeübt wird. Es fängt damit an, dass Gesetze eingehalten und ihre Einhaltung auch durchgesetzt wird. Und das fängt wiederum schon damit an, dass wir auf keiner Straße das Parken in der zweiten Reihe tolerieren.

Wie sicher ist unsere Stadt?

Im Landesvergleich gehört Mülheim zu den sichersten Städten in NRW. Allerdings haben wir auch in unserer Stadt einen Anstieg der Wohnungseinbrüche zu verzeichnen. Und ich kann jungen Leuten nicht dazu raten, zwischen 2 und 4 Uhr nachts alleine durch die Stadt zu gehen. Dann kann es zu ungeplanten und manchmal auch gefährlichen Begegnungen kommen. Es gibt in unserer Stadt aber keine Bereiche, in denen man sich grundsätzlich unsicher fühlen und s…

Ein Handwerker des Frohsinns: Alfred Nakelski

Wenn man ein Junggeselle ist, so wie Alfred Nakelsi, hat das Vorteile. Man braucht keiner besseren Hälfte Rechenschaft über seine Zeit abzulegen.
Und Nakelski verbringt viel Zeit in seinem Keller, in der Wagenbauhalle oder bei den Treffen und Veranstaltungen der Prinzengarde Rote Funken. Überall dort, wo ein tatkräftiger Mann mit zwei rechten Händen gesucht wird, ist der gelernte Schreiner und Tischler zur Stelle. In den 53 Jahren, die er nun schon zur 1958 gegründeten Prinzengarde der Roten Funken gehört, hat er mit Säge, Schleifmaschine, Hobel, Holz, Draht, Styropor, Span- und Hartfaserplatten schon so manches Wagen- und Bildmotiv auf in den Rosenmontagszug oder auf die Bühne der Roten Funken gezaubert. Das Spektrum reicht vom Ludwig-Erhard-Kopf über Kogge und Bus bis zu Windmühlen und einer Blumenwiese. Ludwig Erhards Credo: „Wohlstand für alle“ und „Maß halten“ sind Nakelskinoch im Ohr. Doch seit Erhards Zeiten hat er so viele Figuren und Bilder kreiert, dass ihm auf Anhieb gar n…

Knabe und die Kunst: Der Grüne Alt-Bürgermeister erinnert sich an die befreite Moderne

Manchmal sind Menschen gegenwärtig, obwohl sie nicht da sind. So war es jetzt auch, als die Heinrich-Böll-Stiftung zur Finissage der Ausstellung "Befreite Moderne" ins städtische Kunstmuseum Alte Post einlud. Der grüne Alt-Bürgermeister und ehemaliger Bundestagsabgeordnete Wilhelm Knabe, der die Stiftung auf die Werkschau aufmerksam gemacht und eine Führung durch Museums-Leiterin Beate Reese angeregt hatte, wollte und sollte als Zeitzeuge über die Befreiung der Moderne berichten.

Er tat es in einem anschaulichen und anrührenden Vortrag, obwohl ihn eine Grippe dazu zwang, das Bett zu hüten. An seiner Stelle trug Marlies Rustemeyer vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement seine Worte vor.

Der 1923 geborene Knabe erinnerte sich an einen Deutsch-Unterricht, der in den 30er Jahren ohne die Werke von Thomas Mann und Hermann Hesse stattfand. Sie sollte er erst in der amerikanischen Kriegsgefangenschaft kennen lernen. Auch die karrikaturartigen und zugleich provozierend realistis…

Erinnerung an zerbrochene Strukturen: Das Kunstmuseum Alte Post und die Heinrch-Böll-Stiftung luden in die Ausstellung "Befreite Moderne"

Zerbrochene Strukturen, das Spiel mit Hell und Dunkel, geöffnete Fenster, die frische Luft hereinlassen oder schwungvolle und farbenstarke Motive der neuen Freiheit und Lebensfreude. Diese Motive finden sich immer wieder in der Ausstellung „Befreite Moderne“, durch die sich am Freitag 30 Gäste der Heinrich-Böll-Stiftung fachkundig von Beate Reese führen ließen.

Kurzweilig und pädagogisch geschickt, bezog die Kunsthistorikerin und Leiterin des Kunstmuseums Alte Post die Betrachter in ihre Führung mit ein, ermutigte sie zum genaueren Anschauen und Interpretieren der Bilder. In der eineinhalbstündigen Werkschau wurde deutlich: Freiheit ist nicht selbstverständlich. Sie muss immer wieder gepflegt, verteidigt, erkämpft und erarbeitet werden. Alt-Bürgermeister Wilhelm Knabe weiß das aus seiner 92-jährigen Lebenserfahrung. Er hat als Zeitzeuge die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung auf die Mülheimer Ausstellung aufmerksam gemacht. Eigentlich wollte der Gründungsvater …

Eine Frau, die Farbe in die Politik brachte: Vor 30 Jahren starb Helga Wex

Als die CDU vor einigen Wochen ihren 70. Geburtstag feierte, fiel der Name Helga Wex öfter. Als „intellektuelle Mentorin“ und als „Vordenkerin einer modernen Frauen und Familienpolitik“, der „wir unendlich viel verdanken“ wurde die vor 30 Jahren gestorbene Christdemokratin gewürdigt. Erziehungsgeld und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, etwa durch Teilzeitarbeit. Was heute selbstverständlich klingt, war umstritten, als es von Helga Wex in den späten 60er und frühen 70er Jahren zum ersten Mal in die politische Debatte eingebracht wurde.

1967 rückte die damals 44-jährige Literaturwissenschaftlerin für den verstorbenen Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer in den Bundestag nach. Schon zwei Jahre später wählte sie ihre Partei zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende gehörte Wex in den 70er Jahren zu den Schattenkabinetten der damaligen Unions-Kanzlerkandidaten.

1971 war Wex Gründungsvorsitzende der CDU-Frauenvereinigung, aus der späte…

Drei Fragen an Was wird aus den ehemaligen Christbäumen?

„O, Tannenbaum. O, Tannenbaum. Du kannst mir gut gefallen.“ So heißt es in einem Weihnachtslied. Doch nach dem Fest kommt die Arbeit. Alle Jahre wieder, müssen die ehemaligen Schmuckstücke aus den Wohnzimmern an den Straßenrand gestellt werden. Doch was passiert dann mit ihnen? Tanja Schenk aus dem Geschäftsführungsteam der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG weiß es:

Frage: Wie viele Christbäume müssen nach dem Weihnachtsfest abtransportiert werden?

Antwort: In den letzten Jahren sind rund 140 Tonnen pro Saison angefallen. Das entspricht in etwa einer Anzahl von 15 000 bis 18 000 Weihnachtsbäumen. Diese Zahl ist gleichbleibend.

Frage: Was passiert mit den ausgemusterten Christbäumen, wenn sie bei der MEG angekommen sind?

Antwort: Von der MEG aus kommen die Christbäume in die Kompostierungsanlage Coesfeld und werden dort zu Kompost verarbeitet, der als Dünger in der Landwirtschaft oder im Gartenbau landet.

Frage: Was passiert, wenn man seinen Baum nicht rechtzeitig an den St…

Karneval als Bürgerpflicht: Die Regierungserklärung der Kindertollitäten

Kaum ist Silvester vorbei, geht es mit Karneval weiter. Gestern feierten 300 kleine und große Jecken im Autohaus Extra die Proklamation des Kinderprinzenpaares und seines Ministers Nick. Kinderprinz Luka und Kinderprinzessin Chiara machten in ihrer närrischen Regierungserklärung klar. „In der kommenden Session sollen die Kindertollitäten schon zum Beginn der Session und nicht erst im Januar proklamiert werden.“

Eine gute Idee, ebenso wie ihr Erlass, dass die Lehrer an allen Schulen Karnevalsfeste für die mölmschen Kinder organisieren sollen. Auch Oberbürgermeister Ulrich Scholten muss ran. Er soll sich, wenn es nach den Kindertollitäten geht, als Clown beim Kinderkarneval im Forum unter das närrische Volk mischen. „Ich bin damit gut weggekommen, besser jedenfalls als Senatspräsident Markus Uferkamp“, kommentiert der OB seine karnevalistische Verpflichtung. Ex-Prinz Markus Uferkamp soll nämlich beim Prinzenempfang als Mittänzer bei ihrer Tanzshow einsteigen. Wie flott es be…

So gesehen: Mächtig Spaß haben

Kinder an die Macht. So sang einst Herbert Grönemeyer. Ist der Mann närrisch? Wer schon mal erlebt hat, wie sich die lieben Kleinen zu wahren Monstern entwickeln können, wenn es nicht so läuft, wie sie sich das wünschen, kann daran zweifeln, ob Kinder in jedem Fall die besseren Regenten wären.

Apropos närrisch. Die närrischen Nachwuchsregenten Luka, Chiara und Nick haben gestern bewiesen, dass sie alles andere, als Monster sind, eher schon echte Feier-Biester, die bei ihrem flotten Showtanz keinen Narren ungerührt auf seinem Stuhl lassen.

Was besonders beeindruckte ist die Tatsache, dass sie ihren eleganten Prinzenstick, der jedes Revers schmückt, für je drei Euro zugunsten des Rafaelhauses unter das feierende Narrenvolk bringen wollen. Hoffentlich wird er ein Kassenschlager.

Im Rampenlicht des eigenen Erfolgs auch an die Altersgenossen zu denken, die nicht im Rampenlicht stehen, ziert die Nachwuchsregenten und macht sie zu Vorbildern für so manch tierisch ernsten Regenten a…

So gesehen: Denk ich an Adenauer

Heute hat nicht nur die Stadthalle Geburtstag, ihren 90. Auch Konrad Adenauer würde heute 140, wenn er denn noch lebte. Der erste CDU-Vorsitzende und Kanzler, der 1946 im Tengelmann-Saal sprach und 1961 wegen des Mauerbaus in Berlin einen Wahlkampfauftritt in Mülheim absagte, bleibt den Mülheimern ausgerechnet durch die nach ihm benannte Brücke in Erinnerung. Es gibt schönere Bauwerke in der Stadt. Aber irgendwie passt es auch, war der Alte, der immerhin 91 Jahre alt wurde, doch auch ein Brückenbauer, zumindest in Richtung Westen. Der Mann, der erst mit 73 Kanzler wurde, kann Mut machen, sich in jedem Jahr etwas zuzutrauen und Brücken zu bauen.

Dieser Text erschien am 5. Januar 2016 in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung

So gesehen: Denk ich an Adenauer

Gestern war ein harter Tag für mich. Ich bin wieder ein Jahr älter geworden. Ich bin jetzt sogar älter, als es meine Mutter war, als ich sie als kleiner Knirps fragte: „Mutti, warum bist du eigentlich so alt?“ Da war die gute Frau gerade Mitte 40. Und ich konnte partout nicht begreifen, dass alle Mütter meiner Freunde damals erheblich jünger waren, als meine Mutter. Erst als ich einen Freund kennenlernte, dessen Mutter noch älter war als meine Mutter, war ich beruhigt.

Ruhe und Mut gibt mir, dass auch mein Geburtstagskollege Konrad Adenauer, der 92 Jahre vor mir am 5. Januar 1876 geboren wurde. Der Mann startete bekanntlich mit 73 als Bundeskanzler noch mal so richtig durch. Und mit 90, als er immer noch CDU-Chef war, verblüffte er einen Journalisten, der ihm an seinem Geburtstag gönnerhaft sagte: „Ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr noch mal wiedersehen!“ mit der Gegenfrage: „Wieso? So schlecht sehen Sie doch gar nicht aus!“ Denk ich an Adenauer, weiß ich: Jedes Lebensja…

90 Jahren und kein bisschen greise: Die Stadthalle wurde gefeiert

Ein Extrablatt zum runden Geburtstag. Das bekommen nur ganz besondere Geburtstagskinder. Die Stadthalle ist so ein Geburtstagskind. Dafür gingen MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs und ihre für den Stadthallenbetrieb verantwortlichen Mitarbeiter sogar unter die Blattmacher und gaben zum Ehrentag ein aktuelles, aber vom alten Mülheimer Generalanzeiger anno 1926 inspiriertes Sonderblatt heraus, das unter den gut 750 Geburtstagsgästen reißenden Absatz fand. „Freiheit für die Menschen und Frieden auf der Welt.“ Dieser vom Männergesangverein Frohsinn vorgetragene Geburtstagswunsch war so aktuell, wie bei der Eröffnung am 5. Januar 1926. „Doch weil Männer ohne Frauen einfach nicht komplett sind“, wie Kammerichs zurecht bemerkte, hatten sich die Frohsinn-Herren von heute mit dem Damen-Quartett „Just4You“ weibliche Verstärkung für den Festakt geholt.

„Sie ist nicht nur eine elegante Dame mit Grandezza, deren Ausstrahlung weit über Mülheims Grenzen hinaus reicht. Sie ist nicht nu…

Rückblick: Vor 90 Jahren wurde Mülheims Stadthalle mit Wagners Meisteringern und Bruckners fünfter Sinfonie eröffnet

"Sinfoniescheune" nannten die alten Mülheimer den Kirchholteschen Saal in Eppinghofen. Bis zu 1300 Besucher fanden hier bei kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen Platz. Doch der aus Holz gebaute Versammlungsort war alles andere als repräsentativ und wetterunabhängig. Je nach Witterung kamen die Gäste ins Schwitzen oder sie mussten frieren.

Schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im immer größer und selbstbewusster werdenden Mülheim über den notwendigen Bau einer Stadthalle diskutiert und beraten. Und auch wenn im Kriegsjahr mit Hilfe von Bürgerspenden ein Baugrundstück am Broicher Ruhrufer gekauft werden konnte, sollten noch einmal zehn Jahre  vergehen, bis aus dem Wunsch der Stadthalle Wirklichlkeit werden sollte.

Ausgerechnet in den schweren Jahren der Inflation und der französischen Besetzung bewerkstelligte Mülheim den Bau seiner Stadthalle, die am 5. Januar 1926 feierlich eröffnet wurde. Ihre an einen italienischen Palazzo erinnernde Architektur brac…

Hier schaut man gerne hin: Allein 2015 haben 90.000 Menschen etwa 200 Veranstaltungen in der Stadthalle besucht, die vor 90 Jahren eröffnet wurde. Ihr Betrieb kostet jährlich über 1 Million Euro

Eine alte Dame wird heute 90, die Stadthalle. Wohl fast jeder Mülheimer wird mit dem Haus, in dem jährlich 200 bis 300 Veranstaltungen über die Bühne gehen, seine ganz persönlichen Erinnerungen und Erlebnisse verbinden.

Vielleicht hat man dort ein Konzert, ein Kabarett-Programm, einen Klavierabend oder ein Stück gesehen. Vielleicht hat man an einem Parteitag oder an einer Karnevalssitzung teilgenommen. Vielleicht hat man mit seinen Kollgen dort ein Betriebsfest gefeiert oder hatte eine Tagung.

An rund 260 von 365 Tagen im Jahr ist die Stadthalle ein Ort der Begegnung. Im Jahr 2015 besuchten rund 90?000 Menschen die Stadthalle. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 zählte man sogar 150.000 Gäste. Eine Anekdote am Rande: 1993 warteten die Besucher der Theatertage Stücke in der Aufführung von Peter Turrinis „Alpenglühen“ vergeblich auf Harald Juhnke. Der Entertainer sollte den Blinden spielen, war aber in einer Mülheimer Kneipe hängen geblieben und deshalb nicht bühnenreif.

Vor allem Kab…

Die Schatzmeisterin: Rosi Rövekamp

Rosi Rövekamp gehört nicht zu den Menschen, die sich in den Vordergrund drängen. Und doch ist sie ganz sicher eines der Gesichter des Mülheimer Karnevals, das viele Narren schon gesehen haben. Bei vielen Veranstaltungen, zu denen der Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval oder ihre Gesellschaft, die MüKaGe einladen, sitzt die 67-Jährige, die im Einzelhandel ihr Geld verdient, im Saal an der Kasse. „Die meisten Menschen wissen gar nicht, mit wie viel Geld- und Arbeitseinsatz die Durchführung einer Karnevalsveranstaltung verbunden ist“, sagt Rövekamp.

Wenn Saalmiete und Künstlergagen zusammenkommen, sind 2000 Euro und mehr schnell ausgegeben. Deshalb achtet Rövekamp als Schatzmeisterin der Ersten Großen Mülheimer Karnevalsgesellschaft von 1937 auch nicht nur auf die Kasse, sondern sorgt mit ihren Kolleginnen von der Müttergarde der MüKaGe mit echten Leckerbissen für die Verbesserung der Einnahmenseite. „Unsere Gesellschaft hat aktuell etwa 120 Mitglieder und einen Monatsbeit…

So gesehen: Der Rest vom Schützenfest

Nach dem turbulenten Jahr 2015, fragt man sich: Welche Knalleffekte erwarten uns wohl im Jahr 2016? Der erste, aber wahrscheinlich nicht letzte Knalleffekt im neuen Jahr erwartete mich schon gestern beim Gang über die Schloßstraße. Hier hatten offensichtlich einige Knallköpfe mehr als nur den Rest vom Schützenfest hinterlassen. Frei nach dem Motto: Nach mir die Müllabfuhr. Ob besagte Knallköpfe in ihren eigenen vier Wänden auch so verfahren. Der oder die Dumme, die nach mir kommt und meinen Dreck wegräumt, ist selber schuld? Aber nur kein Stress im neuen Jahr. Der kommt schon früh genug. Sehen wir es mal so. Die Arbeitsplätze bei der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG scheinen auch 2016 gesichert.

Dieser Text erschien am 2. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Die von der Bundesregierung geplante Reform der Pflegeausbildung scheidet die Geister: Bei einer Fachdiskussion im Haus Ruhrgarten warnten Pflege-Praktiker vor negativen Folgen

Drei Berufe in drei Jahren? Wie soll das gehen? Wen lassen die dann auf uns los?“, fragt sich Inge Stahl. Die Seniorin wohnt im Haus Ruhrblick und wird dort von ausgebildeten Altenpflegefachkräften und ausgebildeten Krankenpflegefachkräften betreut. Das soll sich ändern, wenn es nach dem Willen der für die Senioren zuständigen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) geht. Ihr Ziel: Künftig soll es eine einheitliche und als Fachhochschulstudium akademisierte Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau geben, die Module der Altenpflege, der Krankenpflege und der Kinderkrankenpflege kombiniert.

Mehr als 100 Pflegepraktiker diskutieren auf Einladung der Dialogoffensive Pflege im Haus Ruhrgarten über die Reform der Pflegeausbildung. Diese will das Bundeskabinett am 13. Januar auf den Gesetzgebungsweg bringen. Im Saal sind sich alle einig: Diese Reform würde keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung bringen. „Die Probleme, die wir in der Pflege haben, si…