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Es werden Posts vom September, 2019 angezeigt.

Eine Erinnerung an Gerhard Tersteegen

Mit einem gutbesuchten Vortrag in der Buchhandlung am Löhberg  hat der evangelische Theologe Ulrich Kellermann an den pietistischen Prediger, Schriftsteller, Naturheilkundler und Menschenfreund Gerhard Tersteegen erinnert. Kellermanns Vortrag machte deutlich, dass die christlichen Kirchen auch zu Tersteegens aufklärerischen Lebzeiten (1697-1769) im kritischen Fokus der Öffentlichkeit standen und der religiöse Autodidakt Tersteegen mit seinen mehr als eineinhalbstündigen Predigten mehrere 100 Zuhörer, abseits der Gottesdienste in der benachbarten Petrikirche anzog. "Tersteegen war der erste, der auch Waldgottesdienste abhielt", sagte Kellermann mit Blick auf die theologischen Teegespräche und Andachten, die Tersteegen im Witthausbusch abhielt. Dort erinnert seit 1903 ein Gedenkstein an den pietistischen Kirchenkritiker, dessen 1729 gedichtetes Lied: "Ich bete an die Macht der Liebe", seit 1838 Bestandteil des militärischen Zapfenstreichs ist. Kellermanns anschaulich…

Der Klebstoff der Demokratie

Demokratie braucht eine ganze Menge. Das stellte jetzt eine Mülheimerin fest als sie ihre Stimme für den Bürgerentscheid zum Standort der Heinrich Töne Volkshochschule im Briefwahllokal des Rathauses abgab. Sie wusste wofür sie stimmte und sie hatte auch einen Stift dabei um, um ihr Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen. Was ihr allerdings in ihrer Wahlkabine fehlte, waren ein Klebestift oder ein feuchtes Schwämmchen mit dessen Hilfe sie ihren Wahlbrief hätte verschließen können. Natürlich hätte sie als Staatsbürgerin der Tat nach guter alter Väter und Mütter Sitte die Sache auch mit ein bisschen Spucke regeln können. Aber das war ihr dann doch etwas zu viel des Körpereinsatzes. Schon befürchtete sie, dass ihre Stimme ungültig werden könne, wenn sie den Briefumschlag mit ihrem Stimmzettel unverschlossen in die Wahlurne werfen würde. Die Mitarbeiterin des Wahlamtes erkannte ihr Unbehagen und half ihr mit einem Klebstreifen aus.
Die besorgte Bürgerin darf unbesorgt sein. Wie eine Anfrage i…

Über den Tellerrand geschaut

Manchmal tut der Blick über den lokalen Tellerrand gut. So ging es mir, als ich im WDR-Fernsehen eine von Bettina Böttinger moderierte Sendung über unsere Straßenzustände anschaute. Die vorgeführten Beispiele aus dem rheinischen Monheim und dem niederländischen Groningen zeigten mir, dass Klimaschutz und Verkehrswende kein Hexenwerk sind, wenn der politische Wille vorhanden ist. 
„Das könnte doch auch etwas für Mülheim sein“, dachte ich mir, als ich die Menschen aus Groningen und Monheim über ihre Erfahrungen mit einer weitgehend autofreien Innenstadt und einem kostenfreien und kostengünstigen öffentlichen Personennahverkehr schwärmen hörte. Monheim und Groningen sind doch auch nicht auf einem anderen Stern. Warum sollte Mülheim nicht auch einmal die Lebensqualität seiner Bürger und die Aufenthaltsqualität in seiner Innenstadt nachhaltig verbessern, indem man von positiven Beispielen lernt. Autoverstopfte Straßen sind nun wahrlich kein Anziehungspunkt, mit dem Mülheim punkten und Leute…

Politische Geografie

Erinnern Sie sich noch? Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren wurde Mülheim zum „Schilda an der Ruhr“. Wie das? Bis dahin hatte Mülheim ob seiner im italienischen Palazzo-Stil errichteten Stadthalle, als Ruhrvenedig gegolten. Doch nach der ersten OB-Direktwahl im September 1999 fühlten sich nicht nur die grüne Ratsfrau Annette Lostermann-DeNil ins legendäre Schilda versetzt. Sie prägte damals den Begriff „Schilda an der Ruhr“! Denn für einen Tag war der Sozialdemokrat Thomas Schröer Mülheims ersten direkt gewählter Oberbürgermeister, der die Wahl mit 33 Stimmen Vorsprung gewonnen hatte. Dachte er. Doch am Tag nach der Wahl hatte man im Rathaus noch einmal die Stimmen gezählt und den Christdemokraten Jens Baganz mit 64 Stimmen Vorsprung als neuen OB gesehen. Eine weitere Stimmenzählung brachte dann tatsächlich Jens Baganz mit einem Vorsprung von 58 Stimmen ins Amt. Was den Mülheimern 1999 recht war, war den Wahlbehörden im US-Bundesstaat Florida bei der Präsidentschaftswahl 2000 billig.…

Reife Leistung

Der alte Mann in der U 18 fällt mir auf. Er geht am Stock, aber er tut dies in einem Trainingsanzug und in stabilen Wanderschuhen. Er setzt sich vor mir hin, während die Stadtbahn bereits anfährt und ihn mit seiner Einkaufstasche in die Polster der U-Bahn gedrückt. Das Bild lässt mich schmunzeln. Doch dann erfasst mich ein tieferer Respekt vor der reifen sportlichen Leistung des alten Herrn , dem offensichtlich jeder Schritt schwerfällt und der sich dennoch täglich dem Hürdenlauf des Lebens stellt, um sein Etappenziel zu erreichen. Das ist wirklich eine sportliche Höchstleistung, die mehr als eine olympische Goldmedaille verdient hätte. Angesichts dieser Höchstleistung beim Langstreckenlauf des Lebens sieht so mancher junge Sportsfreund ganz schön alt aus, wenn er zum Beispiel auf seinem Skateboard, auf seinem Rennrad oder auf seinem E-Roller durch die Fußgängerzone brettert, komme was und Wer da wolle. 

Dieser Text erschien am 24. September  2019 in der NRZ

Bleibt die Kirche im Dorf?

„Wir werden in Zukunft sehr alt aussehen“, sagt Dr. Herbert Fendrich. Er sagt es ohne Rechthaberei und mit dem Unterton des Bedauerns. An seiner ehemaligen Wirkungsstätte fordert er seine Mitdiskutanten in der katholischen Akademie Die Wolfsburg zum Widerspruch auf: „Bitte, widersprechen Sie mir und sagen sie mir, dass das doch nicht wahr sein kann.“
Der bischöfliche Beauftragte für Kirche und Kunst, der seinen Dienst 1981 in der Bauabteilung des Bistums begann, wurde jetzt bei einem Symposium in der katholischen Akademie in den Ruhestand verabschiedet. Thema: „In welchen Räumen feiern wir künftig Gottesdienst?“ Der Leiter des Seelsorgeamtes, Dr. Michael Dörnemann erinnerte an den 2014 verstorbenen Ruhrbischof Hubert Luthe, der Fendrichs Engagement für einen zeitgemäßen und ausdrucksstarken Kirchenbau als Kulturmensch stets unterstützt habe. Dörnemann setzte einen optimistischen Kontrapunkt zu Fendrichs pessimistischer Prognose: „Es werden immer wieder in den Gemeinden Initiativen vor…

Lies nach bei Lembke

Stellen Sie sich das mal vor: Mülheim ohne Rathaus, ohne Stadthalle, ohne Wasserbahnhof und Weiße Flotte, ohne Max-Planck-Institut, ohne Rennbahn und Raffelbergpark und ohne den Speldorfer Hafen. Das möchten Sie sich nicht vorstellen. Und jetzt stellen Sie sich vor: Die Mülheimer leiden unter den Folgen eines Krieges, einer Revolution und einer eine Hyperinflation und Sie sind Oberbürgermeister und müssen die Stadt durch diese Krisen steuern. „Das ist ja der absolute Horror!“, sagen Sie und schütteln den Kopf ob einer solchen Fantasiegeschichte. Geschichte ja. Fantasie nein. Denn genau das hat Paul Lembke als Mülheims Oberbürgermeister in den Jahren 1904 bis 1928 erlebt, erlitten, gestaltet und geschaffen. Kein Wunder, dass ihn seine Mitbürger nach dem Ende seiner Amtszeit zu ihrem Ehren-Mitbürger machten und ihn aus tiefstem Herzen betrauerten, als er heute vor 80 Jahren starb, früh genug, um nicht miterleben zu müssen, wie die Folgen einer wahnsinnigen Politik einen Teil seines poli…

Frischzellenkur für städtische Pflegeheime

Man sieht es außen und innen auf den ersten Blick. Alles im 1980 eröffneten Haus Auf dem Bruch ist heller freundlicher und großzügiger geworden. Die 14,5 Millionen Euro, die seit 2016 in den Neu- und Ausbau des städtischen Pflegeheims investiert worden sind , haben sich gelohnt. „Als mir der Geschäftsführer der Mülheimer Seniorendienste (MSD), Alexander Keppers 2015 die ersten Baupläne zeigte, war ich skeptisch, ob sich diese Pläne realisieren ließen. Dass dies gelungen ist, macht mich stolz“, sagt der Vorsitzende des MSD-Aufsichtsrates, Sascha Jurczyk bei der Neu-Eröffnung des neu- und umgebauten Hauses, indem heute 130 alte Menschen zu Hause sind und 110 noch nicht ganz so alte Menschen ihren Arbeitsplatz haben. Eine Herausforderung Oberbürgermeister Ulrich Scholten erinnert daran, „dass der demografische Wandel unserer Stadtgesellschaft, in der schon heute 30 % der Menschen 60 Jahre und älter sind, eine Herausforderung darstellt, der wir uns stellen müssen und stellen wollen.“ De…

Kleine Weltgeschichte

Jetzt berichtete mir der Schatzmeister des Fördervereins Mülheimer Städtepartnerschaften, Joachim Schiwy begeistert von seiner seinen Reiseeindrücken aus dem früher deutschen und heute polnischen Oppeln. Der Förderverein, der 2020 sein 25-jähriges Bestehen feiert, fühlt die Mülheimer Städtepartnerschaften mit Darlington, Tours, Kouvola, Oppeln, Kfar Saba und Beykoz durch Bürgerfahrten und Bürgerbegegnungen mit Leben. „Wir richten den Blick nicht auf Völker, sondern auf Menschen, denen wir in unseren Partnerstädten begegnen. Damit tragen wir unser Scherflein zur Völkerverständigung bei“, sagt Joachim Schiwy. Wie wichtig das ist , sehe ich in unsererm Familienalbum. Dort schaut mich mein Großonkel Josef Overmeyer an. Ich sehe einen jungen, sportlichen und lebenslustigen jungen Mann mit seiner Frau. Die beiden strahlen Lebensfreude und Zuversicht aus. Was sie nicht wissen, ist dass ihr gemeinsames Leben nur kurz sein wird. Denn am 16. September 1944 stirbt mein Großonkel als Soldat der d…

Neue Ideen für den Flughafen

Wie geht es mit dem Flughafenareal in Raadt weiter? Die CDU Fraktionsvorsitzende Christina Küsters und weitere Mandatsträger der CDU jetzt bei einem zweistündigen Informationsgespräch mit den WDL-Geschäftsführern Barbara Majerus und Frank Peylo, dem Geschäftsführer der Fachschule für Flugzeugführer Ulrich Langenecker und dem Geschäftsführer der Agentur TAS Emotional Marketing Thomas Siepmann wichtige Denkanstöße für die kommunalpolitischer Entscheidungsfindung mit. „Ich verspreche Ihnen, dass wir die von ihnen dargestellten Fakten in der Fraktion eingehend diskutieren und gewissenhaft prüfen werden sagte Küsters nach dem zweistündigen Informationsgespräch in der WDL Luftschiffhalle auf dem vor 100 Jahren angelegten Flughafenareal. Hintergrund: 2024 läuft der Pachtvertrag für die WDL und 2034 der Erbbaupachtvertrag für den Aero-Club aus. Spätestens dann müssen Zukunftsoptionen für den 1925 eröffneten Flughafen Essen-Mülheim feststehen. Peylo und Langenecker betonten, dass ihre Unternehm…