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Es werden Posts vom März, 2014 angezeigt.

So gesehen: Recycling von Grund auf

Sie werfen das Grundgesetz in den Müll? So fragt mich streng ein Stadtverordneter, den ich, Zufall der Geschichte, am Samstag beim Altpapiercontainer treffe, wo ich neben diversen Zeitungen auch eine Miniaturausgabe des Grundgesetzes als Altlast entsorge.
Nicht dass ich der Ansicht wäre, dass man das Grundgesetz auf den Müllhaufen der Geschichte werfen könnte oder sollte. Gott, bewahre. Doch alles hat einmal ein Ende, so auch diese extrem kleingedruckte Ausgabe unserer Verfassung, die für mich als Staatsbürger mit Lesebrille nicht nur zeitlich, sondern auch drucktechnisch überholt war und ihren Dienst mehr als getan hat.
Natürlich habe ich als treuer Staatsbürger noch die einen oder andere aktuellere und größer gedruckte Grundgesetzausgabe im Bücherregal.
Denn Demokratie braucht einen klaren Durchblick auf der Höhe der Zeit und verträgt kein Kleingedrucktes. Es geht schließlich um einen Gesellschaftsvertrag. Doch gerade deshalb wollen Grundgesetzartikel, wie zum Beispiel der erste: „…

Robin Hood, bitte melden? In Mülheim brauchen derzeit 2400 Menschen einen gesetzlichen Betreuer, weil sie ihre persönlichen Angelegenheiten nicht mehr alleine regeln können

Betreuung. Dabei denkt man an Kinder oder alte Menschen, denen man Zeit und Zuwendung schenkt. Doch wenn es um gesetzliche Betreuung von Menschen geht, die ihre persönlichen Angelegenheiten nicht mehr alleine regeln können, geht es um mehr. Es geht nicht nur um Beistand im Alltag, sondern auch um Beistand im Dickicht der Bürokratie. Als haupt- oder ehrenamtlicher Betreuer darf man keine Angst vor Ämtern und ungewöhnlichen Situationen haben, muss sozial, gesundheits- und vermögensrechtliche Fragen im Interesse seines Schutzbefohlenen regeln.

„Wir haben in Mülheim zurzeit 2400 Menschen, die gesetzlich betreut werden, weil sie, wie es im Paragrafen 1896 des Bürgerlichen Gesetzbuches beschrieben wird: auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen können“, erklärt Amtsgerichtsdirektorin Susanne Galonska-Bracum die rechtlichen Voraussetzungen für die Bestellung eines gesetzlichen B…

Eine Schatzsuche in der eigenen Biografie: Der Verlag an der Ruhr hat Bildbände, Kurzegschichten und Spiele entwickelt, die mit Erfolg in der Pflege von demenziell veränderten Menschen eingesetzt werden

„Das ist doch eine Säge“, ruft der Mittachtziger begeistert aus, der im Haus Ruhrgarten zu den Gästen der Tagespflege für demenziell veränderte Menschen gehört. Mit Pflegekraft Cornelia Wagner, die die Tagespflege leitet, setzt er ein vierteiliges Puzzle mit einem entsprechenden Bildmotiv zusammen. Auch das nächste Bildpuzzle, das einen Hobel zeigt, zaubert ihm ein Lächeln ins Gesicht. „Den kenn ich auch. Ich war ja Handwerker“, erzählt er stolz. Und Wagner setzt nach: „Wo gehobelt wird...“ „Da fallen Späne“, ergänzt der Tagespflegegast mit Handwerksbiografie. Er lacht, als habe er einen kleinen Schatz gefunden, einen Schatz aus seiner Vergangenheit. Auch als Wagner einen Bildband aufschlägt, in dem unter anderem ein Foto vom Königssee zu sehen ist, werden bei ihrem Gast angenehme Erinnerungen wach. „Da waren wir auch mal. Denn meine Frau war eine Reisetante“, sagt er und lacht. Wagner lacht auch in einem nicht immer leichten Pflegealltag.

„Solche Bücher und Spiele sind uns eine große…

Teilnehmer statt Zuschauer sein: Ein Appell des Rabbiners Paul Moses Strasko an die Kinder Abrahams: Ein interreligiöser Denkanstoß

"Wir müssen von Zuschauern und Objekt wieder zu Teilnehmern und Subjekt unserer Religion werden", sagte der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Mülheim-Duisburg-Oberhausen, Paul Moses Strasko beim Jahresempfang der katholischen Stadtkirche. Im Pfarrsaal von St. Barbra betonte er in seiner Rede die gemeinsame Basis der Zehn Gebote, die nicht nur verstanden, sondern auch gelebt werden müsse.

Juden, Christen und Muslims müssten sich als Kinder Abrahams fragen, "ob uns der Text der Zehn Gebote wirklich wichtig ist und ob wir auch eine Beziehung dazu haben." Auch wenn Gottesdienste helfen könnten, näher zu Gott zu kommen, sei die gelebte Menschenliebe des Alltages am Ende das Entscheidende. Die Zehn Gebote müssen aus Straskos Sicht im Leben der Gläubigen mehr als eine Erinnerung an religiöse Wurzeln sein. Sie zeigen uns, dass alle Menschen Teil des göttlichen Schöpfungsprozesses seien und deshalb auch als Kinder Gottes ein gleichberechtigtes Anrecht auf Glück und Gerechtigk…

Eine Stadt geht zu Fuß: Am 18. März legte ein Warnstreik im öffentlichen Dienst nicht nur Busse und Bahnen lahm: 3500 Beschäftigte waren zum Arbeitskampf aufgerufen

In der kommenden Woche müssen Bürger mit einer Einschränkung der öffentlichen Dienstleistungen rechnen. Die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) wies ihre Kunden bereits gestern via Internet darauf hin, dass sie voraussichtlich am Dienstag ganztägig bestreikt wird. MVG-Sprecher Nils Hoffmann empfiehlt betroffenen Fahrgästen, im Notfall Fahrgemeinschaften zu bilden oder auf die vom Streik nicht betroffenen S-Bahnen umzusteigen. „Streik ist höhere Gewalt. Da können wir nichts machen und wir wissen, dass die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gerne das Instrument der Überraschung einsetzt,“ erklärt Hoffmann. Er weiß, dass 65 Prozent der 470 MVG-Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert sind. Nicht nur Bus- und Bahnfahrer, sondern auch die Mitarbeiter der Kundencenter werden zum Streik aufgerufen. In Mülheim sind lediglich zehn Mitarbeiter in sicherheitsrelevanten Bereichen, etwa im Betrieb der Tunnelanlagen, bei der Stromversorgung oder in der Leitstelle auf jeden Fall dienstver…

Rückblick: Als die Kommunalpolitik weiblich wurde: Vor 95 Jahren zogen die ersten Frauen in das Mülheimer Stadtparlament ein

Heute, da Mülheim von einer Oberbürgermeisterin und Nordrhein-Westfalen von einer Ministerpräsidentin aus Mülheim regiert wird, kann man sich Politik ohne Frauen gar nicht mehr vorstellen.

Doch als mit Luise Blumberg, Katharina Havermann und Maria Büssemeyer vor 95 Jahren die ersten drei Frauen ins Mülheimer Stadtparlament einzogen, war das eine Revolution. Denn erst die November-Revolution des Jahres 1918, die Deutschland am Ende des Ersten Weltkrieges von der Monarchie zur Republik werden ließ, verschaffte den Frauen das Wahlrecht.

Nach der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung im Januar 1919 war die Kommunalwahl vom 2. März 1919 die zweite Wahl, bei der nicht nur Mülheimer, sondern auch Mülheimerinnen wählen und gewählt werden konnten. Nicht nur das war damals neu, sondern auch das Wahlrecht. Es war damals zum ersten mal ein demokratisches und allgemeines Verhältniswahlrecht. Denn im Kaiserreich waren zumindest die preußischen Kommunal- und Landtagswähler noch in drei Steuerklassen…

So gesehen: Die Last mit dem Laster

Gestern war es so weit. Ich habe ihn endlich vernascht, den letzten Nikolaus. Er war wirklich süß und lecker, der kleine Mann aus Schokolade, obwohl seine Zeit offensichtlich schon länger abgelaufen ist.
Und das ist auch gut so, für meine Figur, der ein bisschen Fastenzeit nicht schaden kann. Doch ich befürchte, ich werde schon bald rückfällig, spätestens beim nächsten Osterhasen, der in seinem früheren Leben vielleicht ja auch mal ein Nikolaus war. Er steht sicherlich schon in den Supermärkten im Regal und wartet auf die Kunden.

Die Summe aller Laster bleibt eben immer konstant und das wohl leider nicht nur, wenn sie aus Schokolade sind. Dieser Text erschien am 17. März in der Neuen Ruhr Zeitung

Ohne Spenden ginge an vielen Stellen nichts mehr: Schlaglichter der Mülheimer Spendenlandschaft

Heute denkt doch jeder nur noch an sich selbst. Wer so denkt, denkt falsch. Die Zahlen, die der Deutsche Spendenrat veröffentlicht hat, sprechen eine andere Sprache. Danach ist das deutsche Spendenvolumen im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 4,7 Milliarden angestiegen. 23,3 Millionen Deutsche, 3,5 Prozent mehr als im Jahr 2012 haben Geld für wohltätige Zwecke gespendet.
Wer sich bei gemeinnützigen Mülheimer Vereinigungen und Einrichtungen umhört, kann bei der lokalen Spendenentwicklung keine eindeutige Tendenz feststellen.
Sowohl von einer Spendenzunahme (Wir für die Mülheimer Kinder oder Tierschutzverein) wird berichtet, als auch von stabilen Spendenzahlen (Diakoniewerk, Hospiz und Vereinte Evangelische Kirchengemeinde) oder von starken Rückgängen der Spendenfreudigkeit, wie etwa bei der Deutschen Multiple Sklerosegesellschaft, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Kinderschutzbund und dem Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport. (VBGS)
„Viele Menschen sind heute eher bereit fü…

Papier ist geduldiger als die Wähler: Sie wollen lieber Taten als Worte sehen

Sie kosten viel Arbeit, Zeit, Papier und Druckerschwärze: die Wahlprogramme. Die SPD hat gerade erst ihren Mülheim-Plan vorgestellt, mit dem sie am 25. Mai in die Kommunalwahl und anschließend in die neue Ratsperiode gehen will. Doch lohnt sich die programmatische Mühe überhaupt? Ich habe nachgefragt, auf der Straße und am Telefon.

Gerade mal eine von 18 Befragten konnte mit dem Begriff Mülheim-Plan etwas anfangen. Ein Mülheimer Amtsleiter, immerhin Parteimitglied, der aber namentlich nicht zitiert werden möchte, kam erst im zweiten Anlauf darauf: „Ach ja, das ist doch das Wahlprogramm der SPD“ und zwei oder drei Befragte spekulierten, ob es sich beim Mülheim-Plan um einen Plan zur Belebung der Innenstadt oder um das Mülheimer Leitbild handele. Alles in allem drängt sich im Gespräch mit Bürgern der Eindruck auf, dass Wahlprogramme keine Bestseller sind, obwohl sie kostenlos unter die Wähler gebracht werden.

„Ich wähle lieber Menschen als Programme. Denn bei Menschen kann man sich auf …

Reden wir doch mal über die Wirtschaft: In einer BWL-AG lernen Zehntklässler der Realschule Broich das kleine Einmaleins der Betriebs- und Volkswirtschaft

Welche Unternehmen gibt es in Mülheim und wie verdienen sie ihr Geld? Was ist der Unterschied zwischen einer Aktiengesellschaft und einer GmbH? Wie arbeiten Banken und welche Geldanlagemöglichkeiten bringen welche Risiken und Renditen? Und was muss ein Selbstständiger bei einer Betriebskostenrechnung beachten?

Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich Miriam Kneffel, Regina Habig, Julia Elsner, Karolin Detmers, Pia Marie Helmberg, Kim Christin Frütel und Thomas Dlugosch immer dienstagsnachmittags. Dann treffen sie sich die Schüler mit ihren Lehrern Jochem Bonacker und Christian Kosmalla zur AG Betriebswirtschaftslehre. Das Engagement und der Wissensdurst, den die Zehntklässler der Realschule Broich an den Tag legen, ist umso beachtlicher, da es freiwillig und unzensiert ist und in eine arbeitsintensive Zeit fällt, in der sich die Jugendlichen auf ihr zentralen Abschlussprüfungen vorbereiten müssen.

Doch sie haben eine gemeinsame Motivation, die sie antreibt. Nach der Mittlere…

Brigitte Block: Nachruf auf eine starke Frau, die mit ihrem Lebensbeispiel Zeichen gesetzt hat

Sie selbst hat sich in einem Gespräch mit der NRZ einmal als optimistisch, lebhaft und neugierig beschrieben. Und so erinnern sich auch viele an Brigitte Block, die jetzt nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren gestorben ist.

„Sie war pure Lebensfreude und hatte auch für ihre Nachbarn immer ein offenes Ohr und eine hilfreiche Hand“, beschreibt Karin Medenblik-Bruck ihre ehrenamtlich und vielseitig engagierte Mitbürgerin, die sie unter anderem aus ihrer Mitarbeit im Dümptener Netzwerk der Generationen kannte.

„Sie ist eine Frau gewesen, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement und mit ihrer lebensbejahenden Menschlichkeit Zeichen gesetzt hat und die man deshalb auch im Gedächtnis behalten wird“, sind sich Marlies Rustemeier vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement und Jörg Marx vom Sozialamt einig.

Es waren ihre Lebensfreude, ihre positive Neugier auf Menschen, die die gebürtige Berlinerin und zweifache Mutter, die seit Mitte der 50er Jahre in Dümpten lebte, auch im A…

Wie viel Öffentlichkeit darf es sein? Rechstdezernent Frank Steinfort über die Gratwanderung zwischen Amtsgeheimnis und Transparenz

Demokratie lebt von Öffentlichkeit. Entscheidungen von Politik und Verwaltung sollen nachvollziehbar und diskutierbar sein. Dennoch ist jetzt im Fall Edathy mit Hans Peter Friedrich ein Minister gestürzt, weil er ein Amtsgeheimnis über Ermittlungen gegen einen SPD-Bundestagsabgeordneten nicht für sich behalten oder auf dem normalen Dienstweg an die Bundeskanzlerin weitergegeben, sondern dem SPD-Vorsitzenden Siegmar Gabriel mitgeteilt hat. Und in Moers hat der Bürgermeister Strafanzeige gegen unbekannt wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und Geheimnisverrat gestellt, weil Teile des Rechnungsprüfungsberichtes noch vor der Beratung durch das Stadtparlament in der Lokalpresse gelandet sind. Vor diesem Hintergrund sprach ich für die NRZ mit dem Rechtsdezernenten Frank Steinfort über die Gratwanderung zwischen Amtsgeheimnisse und Transparenzgebot.

Frage: Darf ein Dezernent alles sagen, was er weiß?

Antwort: Nein, denn als Beamter unterliegen alle Informationen, die er in Ausübung seiner…

Niemand darf behindert werden: Nicht nur beim Thema Bauen und Wohnen pldäiert die neue Behindertenkoordinatorin der Stadt, Inge Lantermann, für mehr Barrierefreiheit

Eine psychisch kranke Frau sucht eine neue Wohnung. Das St. Marien-Hospital und eine Kindertagesstätte am Kuhlendahl möchten wissen, ob ihre Baupläne die seit 2003 geltenden Vorschriften für Barrierefreiheit entsprechen. Ein Mann will wissen, wo und wie er zu einem Schwerbehindertenausweis kommt. Und eine Frau, die vor einem Bewerbungsgespräch steht, bittet um Rat, ob und wie sie im Gespräch mit ihrem künftigen Arbeitgeber ihre rheumatische Erkrankung thematisieren soll. Gehörlose Eltern brauchen einen Gebärdendolmetscher, um sich mit dem Arzt ihres Kindes verständigen zu können. Die Mülheimer Verkehrsgesellschaft fragt im Zusammenhang mit dem barrierefreien Umbau einer U-Bahn-Haltestelle nach geeigneten taktilen Leitsystemen für Blinde und Sehbehinderte.

Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Inge Lantermann als Behindertenkoordinatorin der Stadt. Obwohl sie ihre neue Stelle bereits im November angetreten hat, sieht sie sich selbst noch in der Einarbeitungsphase. „Dort, …

Der Spaß fährt immer mit: Auch eine Reifenpanne konnte die Roten Funken am Rosenmontag nicht aufhalten

Wenn einer Reise tut, dann kann er was erleben und sei es die Reise von der Kaiserstraße bis zur Schlossbrücke an Bord des Rosenmontagswagens der Roten Funken. „Es ist einfach ein tolles Gemeinschaftserlebnis, mitzufahren und so vielen Menschen eine Freude zu machen“, sind sich die Ehrensenatoren Egbert Rettinghaus, Peter Beitz und Johannes Terkatz einig, während sie die Tüten und Kartons öffnen und mit vollen Händen Popcorn, Bonbons, Lutscher, Bälle und kleine Tüten mit Salzgebäck unter das Helau schreiende und unentwegt nach Kamelle verlangenden Narrenvolk am Straßenrand bringen. „Ich werfe immer gezielt. Davon hat man am meisten“, sagt Rettinghaus. Doch manchmal macht einem der ruckelnde Wagen oder eine Windböe einen Strich durch die Rechnung und die fliegende Süßigkeit landet doch nicht bei dem kleinen Mädchen mit dem tollen Tigerkostüm oder bei der charmant lächelnden Dame mit den Hasenohren. Na ja. Der nächste kleine Kamellejäger wartet schon und freut sich ebenso.

Anfangs schei…

Mit den Kindertollitäten unterwegs auf der närrischen Zielgeraden

Fünf Auftritte in knapp drei Stunden. Der Karnevalssamstag verlangt Kondition. Kinderprinz Jason, Prinzessin Janina, Harlekin Melina und ihre Adjutanten Gabi und Hermann-Josef Hüßelbeck haben sie.

Die Begeisterung, mit der sie bei den Prunksitzungen der KG Blau Weiß, der Mölmschen Houltköpp und der KG Knattsch Gek sowie beim Pfarrkarneval in Christ König und St. Mariae Rosenkranz empfangen und nicht ohne Zugabe und kleine Präsente von der Bühne gelassen werden, feuert sie an.

Zwischen den Auftritten lassen sich Jason, Janina und Melina in ihrem Prinzenmobil von Karnevalsschlagern inspirieren. Ihre Favoriten sind die Lieder des Lokalmatadors Thomas Straßmann: „Da ist der Dieter da“ und: „Ich bin so stolz, der Prinz von Mülheim zu sein.“

Außerdem schauen sie noch mal kurz in ihre Textkarten. „Wir sind ja leider schon auf der Zielgeraden, aber daran wollen wir jetzt noch nicht denken, sondern einfach mit euch feiern“, verkündet Janina II. Jason I. und Janina II. laden die über 1000 Jecke…

Der Clown im Manne: Backsteintheaterleiter Michael Bohn über die Lust an der Kostümierung

Auf Straßen und in Sälen trifft man in diesen tollen Tagen Cowboys, Clowns, Piraten und Prinzessinnen. Kein Wunder. Denn wir haben ja Karneval. Aber weshalb kostümieren sich Menschen in der Fünften Jahreszeit.

Sie kostümieren sich nicht nur im Karneval, sondern jeden Tag, das ganz Jahr über, sagt Michael Bohn. Der 56-jährige Sozialpädagoge muss es wissen, ist er doch als ehrenamtlicher Schauspieler beim Backsteintheater des Evangelischen Krankenhauses über viele Jahre in verschiedene Rolle geschlüpft und hat sich dafür immer wieder verkleidet, so dass er dafür nicht auf die Tollen Tage warten musste. Inzwischen ist aus dem Hobby ein Beruf geworden, auch wenn Bohn als hauptamtlicher Intendant und Regisseur des Theaters gewissermaßen die Bühnenseiten gewechselt hat.

Wenn Bohn an die Alltagskostümierung jenseits der Rosenmontagszüge denkt, hat er zum Beispiel an den Klassiker, Anzug und Krawatte, vor Augen.

Auch das ist eine Verkleidung, mit der sein Träger Seriosität ausstrahlen und Res…

So gesehen: Wenn Beamte jeck werden

Dezernenten, also Chefbeamte, können auch anders daher kommen, als im Anzug mit Krawatte. Gestern erschien Baudezernent Peter Vermeulen als Scheich und Rechtsdezernent Frank Steinfort als schwarzer Prinz zum Dienst.

Das närrische Outfit der Herrn kann nicht wirklich verwundern. Denn sie kommen aus dem Rheinland und gestern stand der Möhnensturm auf ihrem Dienstplan. Da kann man sich das schon mal erlauben, auch als Amtsträger jeck zu werden. Und weil in jedem Kostüm ein wahrer Kern steckt, darf der Scheich Vermeulen auch mal von sprudelnden Geldquellen träumen, die das arg gebeutelte Stadtsäckel auffüllen. Und auch als schwarzer Prinz bräuchte sich Steinfort keine Gedanken über Geld und Gesetze machen, sondern könnte wahrscheinlich auf einen märchenhaften Schatz und magische Zauberkräfte zurückgreifen, wenn es mal eng wird. Wenn es mit bis Aschermittwoch mit der närrischen Geldvermehrung aber nicht klappt, sehen wir Vermeulen beim nächsten Möhnensturm wohl als Dukatenesel und Sterntal…

Respekt und Betroffenheit: Wie Kooperationspartner der Jüdischen Gemeinde den Wechsel an ihrer Spitze beurteilen

Wie beurteilen die lokalen Dialog- und Kooperationspartner der Jüdischen Gemeinde die Abwahl des in der Stadtgesellschaft bekannten und geschätzten Gemeindevorstandes, Patrick Marx, und den sich abzeichnenden Abschied des Rabbiners Paul Moses Strasko? Welche Auswirkungen könnte die Tatsache haben, dass der neu gewählte Gemeinderat ausschließlich aus russischstämmigen Mitgliedern bestehen wird. Überraschung, Betroffenheit, Verunsicherung aber auch Zweckoptimismus bestimmen die Reaktionen.

„Die jüdische Gemeinde hat in unserem Ausschuss eine beratende Stimme, die sie zumindest unregelmäßig wahrgenommen hat“, sagt der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Dieter Spliethoff. Dass der neue Gemeinderat jetzt nur noch aus russischstämmigen Mitgliedern bestehen und bewährte und der Stadtgesellschaft zugewandte Gemeinderäte nicht punkten konnten, macht ihn unter Integrationsgesichtspunkten nachdenklich. „Das Ergebnis ist ein schwieriges Signal“, betont der SPD-Ratsherr. Er hofft, dass auch d…

Warum die Jüdische Gemeinde nach ihren Gemeinderatswahlen vor einer historischen Zäsur steht

Die Jüdische Gemeinde Mülheim-Duisburg-Oberhausen steht vor einer historischen Zäsur. Denn bei der Gemeinderatswahl wurden am Sonntag ausschließlich aus der ehemaligen Sowjetunion stammende Gemeindemitglieder gewählt.

Die fünf deutschen Gemeinderatsmitglieder, unter ihnen auch der in Mülheim bekannte und geschätzte Apotheker Patrick Marx, wurden nicht wieder gewählt. „Ich hätte gerne weitergemacht. Aber ich bin Demokrat und akzeptiere das Ergebnis“, kommentierte Marx das Wahlresultat, das erst am Anfang der nächsten Woche im Detail veröffentlicht werden soll. Denn bis dahin können Wähler oder Gewählte die Wahl und ihr Ergebnis anfechten.

Gestern gab es aber noch keine Anzeichen dafür, dass es zu solchen formalrechtlich begründeten Einsprüchen und einer möglichen Neuwahl des neunköpfigen Gemeinderates kommen könnte.

Bei der Wahl am Sonntag waren 1600 der 2700 jüdischen Gemeindemitglieder zur Wahl aufgerufen. Rund 30 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre (jeweils neun) Stimmen ab, die…