Dienstag, 29. Januar 2019

Eine besondere Beziehungsarbeit


Vor 45 Jahren gründete sich in den Städten Duisburg, Mülheim und Oberhausen eine Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Im Gespräch erläutert ihr Vorsitzender Markus Püll Arbeitsschwerpunkte und Selbstverständnis der regionalen DIG.

Warum brauchen wir eine Deutsch-Israelische Gesellschaft, wenn es auch schon eine Gesellschaft für den christlich-jüdischen Dialog gibt?

Püll: Wir möchten allen Menschen Israel und Deutschland näherbringen, auch jenen, die sich nicht religiös gebunden fühlen. Wir verstehen unsere Arbeit als Versöhnungsarbeit und wollen damit gerade auch junge Menschen erreichen, um den leider immer noch aktuellen antisemitischen Strömungen in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken.



Was macht Ihre Gesellschaft für Jugendliche?

Püll: Wir gehen in Schulen und berichten über unsere Erfahrungen in und mit Israel. Die Schüler hören sehr interessiert zu, vor allem wenn unser Vorstandsmitglied Günter Reichwein über seine Erfahrungen berichtet, die bis in die 60er Jahre zurückreichen, als er als Student erstmals Israel besuchen konnte. Da er das Land seitdem immer wieder bereist, kann er auch über die Entwicklung der israelischen Gesellschaft und der deutsch-israelischen Beziehungen authentisch berichten. Hinzu kommt unsere Israel-Reise, bei der 18 Schüler aus Duisburg, Essen und Mülheim 2017 die israelische Gesellschaft erleben konnten. Nicht nur der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, das Gespräch mit UN-Blauhelm-Soldaten auf den Golan-Höhen hat die Schüler beeindruckt, Im Gespräch mit gleichaltrigen Israelis staunten sie darüber, dass ihre Altersgenossen ganz selbstverständlich und ohne Murren einen dreijährige Wehrpflicht in der israelischen Armee leisten.



Verstehen Sie sich auch als politische Lobby für die israelische Regierung und ihre umstrittene Politik?

Püll: Es gibt 56 deutsche Arbeitsgemeinschaften der DIG, von denen wir eine sind. Da gibt es ein ganz breites Meinungsspektrum. Grundsätzlich sagen wir als DIG, dass man sich unter Freunden auch die Wahrheit sagen kann. Und dazu gehört, dass wir nicht mit allem einverstanden sind, was die israelische Regierung tut. Das gilt natürlich auch für die Israelis selbst. Ich bin überzeugt, dass es im Nahen Osten nur mit einer Zweitstaatenlösung und einer gerechten Wasserversorgung Frieden geben wird.


Welchen Zugang haben Sie als DIG zu israelischen Persönlichkeiten?

Püll: Einen sehr guten. Da stehen uns alle Wege offen. Der israelische Botschafter in Deutschland lädt uns jedes Jahr zum israelischen Unabhängigkeitstag ein. Und am 25. Februar werden wir um 18 Uhr im Jüdischen Gemeindeszentrum im Innenhafen eine israelische Journalistin Jenny Havemann zu Gast haben, die uns mit Blick auf die israelische Parlamentswahl am 29. April über die gesellschaftspolitische Lage in Israel berichten wird.



Wie groß ist das Interesse für Ihre Kultur- und Informationsveranstaltungen?

Püll: Es gibt einen harten Kern von rund 100 Mitgliedern und Sympathisaneten der DIG, die in einem regen Austausch miteinander stehen. Ansonsten ist das Interesse immer vor der jeweils aktuellen politischen Lage und Medienberichterstattung abhängig.



Wie gut ist Ihr Kontakt zur Jüdischen Gemeinde?

Püll: Sehr gut. Wir kooperieren eng miteinander. Das war auch bei unserer Jubiläumsfeier im Duisburger Ratssaal so. Wir halten unsere Mitgliedsversammlungen im Jüdischen Gemeindezentrum ab und pflegen bei dieser Gelegenheit einen regen Informations- und Meinungsaustausch.



Weshalb engagieren Sie sich in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft?

Püll: Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr politisch interessiert und engagiert. Mein Vater war Landtagsabgeordneter und mein Großvater gehörte zu den Kriegsgefangenen, die durch Konrad Adenauers Einsatz 1955 aus der Sowjetunion nach Deutschland zurückkehren konnten. „Du musst dich engagieren, damit so etwas wie Diktatur und Krieg nie wieder möglich werden, hat mir mein Großvater mit auf den Weg gegeben. Und mein 1927 geborener Vater hatte in seiner Kindheit einen jüdischen Freund, der mit seinen Eltern ein Opfer des Holocaust geworden ist. Vor diesem Hintergrund habe ich mich 1993 auch für das Zustandekommen der deutsch-israelischen Städtepartnerschaft Mülheim/Kfar Saba eingesetzt und kam so zur Deutsch-Israelischen Gesellschaft, deren Vorsitzender ich seit 15 Jahren sein darf.


Welche Zukunftsprojekte bewegen Sie und ihre Mitstreiter in der DIG?

Püll: Das wichtigste Ziel ist es, dass wir als Deutsch-Israelische Gesellschaft weiterhin einen guten Kontakt zu allen gesellschaftlichen Gruppen und vor allem zu den Schulen behalten und diese Kontakte ausbauen können. Außerdem würden wir die Regionalgruppe gerne um Essen erweitern. Denn Essen hat nicht nur das Kulturzentrum der Alten Synagoge, sondern auch die sehr attraktive Partnerstadt Tel Aviv. Und wenn wir Geldgeber finden, werden wir auch wieder eine Schülerreise nach Israel anbieten.

Müller Menden: Ein Zeitsprung


Müller Menden. Der Name steht in Mülheim für gute bürgerliche Küche im Grünen. Wir schauen auf die Gaststätte, die seit 2008 von Nicola Riese betrieben wird. Den Namen ihres Restaurants hat sie vom Viehhändler Friedrich Müller übernommen. Als Friedrich Müller die Gaststätte betrieb, wie sie sich dem Betrachter im Jahre 1925 darstellte, hieß sie noch “Zur Grünen Esche“. Dieser Name lässt sich urkundlich bis 1772 zurückverfolgen. Die historische Fotografie stammt aus der Fotosammlung des Mülheimers Udo Burkhard Richter. Diese Fotografie hat Richter für das Juni-Blatt seines für 2019 herausgegebenen Kalenders „Mülheim in alten Ansichten“ ausgewählt.

Die Fotografie entstand in dem Jahr, als Mülheims Stadthalle gebaut und der Flughafen Essen/Mülheim eröffnet wurde. Im Jahr 1925 verließen auch jene französischen Soldaten Mülheim, die die Stadt an der Ruhr 1923 im Auftrag ihrer Regierung besetzt hatten, um die Reparationslieferungen der Mülheimer Kohlezechen zu überwachen.

Auch der damalige Oberbürgermeister Paul Lembke wird sicher mit seinem Automobil an der Mendener Straße vorgefahren sein, um bei Müller Menden einzukehren. Vielleicht hat er aber auch wie seine Mitbürger gerne den einen oder anderen Spaziergang an der Ruhr unternommen und sich anschließend mit der Einkehr bei Müller Menden belohnt. Damals konnte man bei Friedrich Müller an der Mendener Straße übrigens nicht nur gut essen und trinken, sondern auch in einem 1974 abgebrannten Saal tanzen.

Zwei Jahre nach dieser Aufnahme legte unweit von Müller Menden an der Haltestelle Hahnenfähre erstmals ein Schiff der damals gegründeten Weißen Flotte an. Damals wie heute zeigt sich Mülheim im 811 erstmals urkundlich erwähnten Menden von seiner grünen und ländlichen Seite. Fußläufig erreichbare Ausflugsziele wie Müller Menden waren für die 127.000 Menschen, die vor 94 Jahren in Mülheim lebten noch wichtiger als heute. Von einer Spritztour mit dem eigenen Auto oder gar von einer Urlaubsreise konnten die meisten Mülheimer 1925 nur träumen. Sie waren deshalb darauf angewiesen, sich am arbeitsfreien Sonntag oder nach Feierabend in ihrer eigenen Stadt vom anstrengenden Arbeitsalltag, zu erholen. Wer unterwegs sein wollte musste zu Fuß gehen oder mit der 1897 eingerichteten Straßenbahn fahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man Müller Menden auch mit dem Bus erreichen. 

Dieser Text erschien am 28. Januar 2019 in der NRZ

Sonntag, 27. Januar 2019

Mahnende Erinnerung

270 jüdische Mülheim wurden während der nationalsozialistischen Diktatur ermordet, 270 von insgesamt sechs Millionen Holocaust-Opfern. Ihrer gedachten gestern rund 70 Bürger aus allen Bereichen der Stadtgesellschaft auf dem Jüdischen Friedhof an der Gracht.
Auch die 18-jährige Oberstufenschülerin Samantha Klein und die im Jugendzentrum Stadtmitte arbeitende Pädagogin Isabelle Wojcicki fanden nahmen mit einigen Jugendlichen an der Gedenkstunde teil. Sie hatten auf Einladung des Bundesprogramms Demokratie Leben im Dezember 2018 das ehemalige Konzentrationslage Auschwitz besucht. „Wenn man an diesem Ort gewesen ist, weiß man warum man sich an den Holocaust erinnern und für Toleranz eintreten sollte,“ sind sich Klein und Wojcicki einig.
Sie hören in der Kapelle des um 1700 angelegten Jüdischen Friedhofes an der Gracht die Ansprache des SPD-Fraktionsvorsitzenden Dieter Spliethoff. Er vertritt an diesem 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog initiierten Gedenktag die Stadt, da Oberbürgermeister Ulrich Scholten im Urlaub weilt, Bürgermeisterin Ursula Schröder erkrankt ist und Bürgermeisterin Margarete Wietelmann ihren 68. Geburtstag feiert.
Spliethoff nutzt die Gelegenheit, um zur politischen Wachsamkeit gegen jede Form von Extremismus aufzurufen. Der Sozialdemokrat nennt es „nicht hinnehmbar“, dass der Parteivorsitzende der AFD, Alexander Gauland, die NS-Diktatur und den Holocaust als „einen Fliegenschiss der deutschen Geschichte“ verharmlost hat. Spliethoff weist auf eine aktuelle Umfrage der Europäischen Union hin, in der 61 Prozent der Befragten einen wieder zunehmenden Antisemitismus beklagen.
Der Mülheimer Religionspädagoge Gerhard Bennertz, der seit den 1970er Jahren die Lebensgeschichten jüdischer Mülheimern erforscht und dokumentiert hat, die Opfer des Holocaust geworden sind oder den im deutschen Namen begangenen Völkermord überlebt haben, schildert eindringlich und anschaulich wie die jüdischen Mülheimer Alfred Cohn und Arthur Meyer den Holocaust überlebt und danach in Israel ein neues Leben angefangen haben.
Die berührende und bewegen Gedenkstunde klingt mit einem hebräischen Totengebet aus, dass der Rabbiner Geballe der 2500 Mitglieder zählenden Jüdischen Gemeinde Mülheim-Duisburg-Oberhausen spricht.
 INFO Dieter Spliethoff lobte in seiner Ansprache zum Holocaust-Gedenktag die 2004 von Schülern der Realschule Stadtmitte initiierte und später von einem gleichnamigen Arbeitskreis Stolpersteine fortgeführte Dokumentation von Mülheimer Opfer-Biografien aus der NS-Zeit. Diese Biografien sind auf der Internetseite der Stadt Mülheim www.muelheim-ruhr.de. Gerhard Bennertz empfahl Interessierten die Lektüre der Biografien jüdischer Mülheimer, die im Stadtarchiv an der Von-Graefe-Straße 37 hinterlegt sind. Internet-Infos dazu findet man auch auf der Seite des Stadtarchivs www.stadtarchiv-mh.de


Samstag, 26. Januar 2019

Von wegen: Liebe deinen Nächsten

Man soll es nicht glauben. Aber wer in die Kirche geht, kann etwas fürs Leben lernen, zum Beispiel in der Petrikirche. Dort konnte man bei der musikalischen Tersteegen-Lesung erfahren, dass die Anhänger des vor 250 Jahren verstorbenen Dichters, Predigers und Menschenfreundes Gerhard Tersteegen ihm 1903 an der Stelle im Witthausbusch einen Gedenkstein setzten, an der sich Tersteegen liebend gern zur Meditation und zu Erholung zurückzog. Da lag es nahe diesen Gedenkstein mit Tersteegens berühmtester Gedichtzeile: "Ich bete an die Macht der Liebe" zu zieren. Doch, und auch das erfuhren die aufmerksamen Zuhörer in der Petrikirche, nach dem die postumen Tersteegen-Jünger feststellen mussten, dass etliche Liebespaare Tersteegen beim Wort nahmen und sich an seinem Gedenkstein zum Stell-dich-ein trafen, war das den frommen Christenmenschen nicht recht. Deshalb ergänzten sie Tersteegens Vers um dessen Folgezeile,...die sich in Jesus offenbart. Doch das wird die Liebespaare, die sich dort zum Kuscheln und Knutschen trafen wohl ebenso wenig gestört haben wie den lieben Gott selbst, dem jede Form der Nächstenliebe recht sein dürfte.

Dieser Text erschien am 23. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 24. Januar 2019

Begegnung mit Tersteegen


Wie aktuell Gerhard Tersteegen doch ist. Die Tersteegens Texte und Ulrich Kellermanns Erläuterungen lesende Schauspielerin Maria Neumann, die Sopranistinnen Gela Brinckenstedt und Clementine Jedinsky und die Instrumentalisten Gijs Burger (Orgel) und Katja Dolainsky (Viola da Gamba) zeigten es ihren Zuhörern am Montagabend in der leider nur mäßig besuchten Petrikirche.

Der Abend, der den am 3. April 1769 in Mülheim verstorbenen Dichter, Seelsorger und Naturheilpraktiker Tersteegen lebendig werden ließ, war ein geistliches und sinnliches Erlebnis. Natürlich fehlten Tersteegens vertonte und weltberühmten Gedichtzeilen: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart“ und: „Gott ist gegenwärtig“ nicht. Doch nicht nur die musikalischen Darbietungen waren hörenswert, auch die Musikalität, mit der die Schauspielerin aus dem Ensemble des Theaters an der Ruhr Tersteegens Zeilen vortrug, zog ihre Zuhörer ins Tersteegens Denkens und Leben hinein.

Wer den poetischen Zeilen des 1697 in Moers geborenen Gerhard Tersteegen folgte, in denen er über die Scheinheiligkeit seiner sich christlich nennenden Mitmenschen, über die unendliche Liebe und Vergebungsbereitschaft Gottes und über die Kraftquelle der Stille in einer lärmenden Welt nachdachte, der musste dem Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Gerald Hillebrand zustimmen. Hillebrand sagte mit Blick auf die nun begonnene Veranstaltungsreihe zu Tersteegens 250. Todestag: „Es ist gut, wenn wir jetzt Tersteegen neu entdecken, den wir viel zu lange haben links liegen lassen. Denn er hat uns mit seiner Spiritualität auch heute noch viel zu sagen.“ 

Dieser Text erschien am 23. Januar 2019 in NRZ/WAZ

Mittwoch, 23. Januar 2019

Mülheimer Zeitungsgeschichte

Der gestrige Montag war für Zeitungshändlerin Dorothea Schaaf ein besonderer Tag. Denn auf den Tag genau vor 70 Jahren eröffneten ihre Eltern Gerhard und Agnes in Broich einen Zeitungskiosk. Mit dem zogen sie in den 1950er Jahren in die Stadtmitte, wo der Kiosk zunächst auf dem Berliner Platz und später im heutigen Gebäude der Nationalbank an der Friedrich-Ebert-Straße zu finden war. Als die Schloßstraße Mitte der 1970er Jahr zu einer Fußgängerzone mit Tiefgarage wurde, wanderten die Scholls mit ihrem Kiosk zu dessen heutigem Standort an der unteren Schloßstraße. Mit dem Hotel Noy im Rücken schaut die heute 61-jährige Dorothea Schaaf auf das neu entstehende Stadtquartier Schloßstraße.

Sie hat in den 1970er Jahren zunächst zusammen mit ihren Eltern den Zeitungskiosk betrieben, der auch Fahrkarten, Tabak, Erfrischungsgetränke und Süßigkeiten anbietet. Seit mehr als 30 Jahren steht Schaaf im Kiosk ihrer inzwischen verstorbenen Eltern nun ganz allein ihre Frau. Als selbstständige Kauffrau arbeitet sie selbst und ständig. Ihren von der Ruhrbahn gemieteten Kiosk öffnet sie morgens um 5.45 Uhr und schließt ihn abends um 18 Uhr. "Das reicht dann auch", sagt sie in der ihr eigenen lakonischen Art. Auch wenn sie ihren letzten Urlaub in dem Jahr gemacht hat "Prinz Charles und Prinzessin Diana geheiratet haben", bereut sie ihre Berufswahl bis heute nicht. Die Presse-Frau, die an der unteren Schloßstraße schon diverse Großbaustellen und Ladenschließungswellen überstanden hat. genießt es sichtlich ihre eigene Chefin zu sein. Wenn man sie beobachtet, wie sie mit ihren Stammkunden zwischen Zeitungs,- Zeitschriften, Zigaretten,- Fahrkarten- und Bonbon-Verkauf ein offenes Ohr und ein offenes Wort pflegt, versteht man, warum sie hier mit ihrem Kiosk genau am richtigen Platz ist. Und wenn es so etwas wie einen Himmel gibt, dann werden ihre Eltern, die mit ihrem Kiosk den Lebensunterhalt für neun Kinder verdient haben sicher stolz auf ihre Tochter herabschauen. Wie hat sich ihr Ein-Frauen-Pressegeschäft im Laufe der Jahrzehnte verändert. "Es gibt heute deutlich weniger Zeitungs- und Zeitschriftentitel. Viele Menschen, die das Geld nicht so locker sitzen haben, kaufen sich heute nur noch ein- oder zweimal in der Woche eine Zeitung oder eine Zeitschrift, wo sie früher fast täglich kamen," berichtet Schaaf über die Zeitläufte des Zeitungsgeschäftes am der unteren Schloßstraße. Schaaf, der Kiosk auch schon mal als Drehort für einen Helge-Schneider-Film herhalten musste, ist aber davon überzeugt, "dass gut gemachte Zeitungen und Zeitschriften auch im digitalen Zeitalter überleben werden, weil die Menschen Papier und gute Informationen in der Hand haben wollen."

Dieser Text erschien am 22. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 22. Januar 2019

Positive Überraschung


Ich mag keine Überraschungen. Denn meistens sind es schlechte. Die Rechnungen, die man bezahlen muss sind meistens überraschend hoch und die, deren Betrag man vereinnahmen darf, überraschend niedrig. Manager und Politiker, die zuweilen überraschend viel verdienen, haben oft überraschend wenig Ideen, wenn es in einer Krise darauf ankommt. Genau diesen Eindruck habe ich auch beim öffentlichen Nah- und Fernverkehr, der viel zu oft überraschend teuer und überraschend schlecht ist. So überraschte es mich gestern nicht, als mir an einer Haltestelle die zehnminütige Verspätung meiner Straßenbahn angekündigt wurde. Dafür überraschte mich die Ruhrbahn damit, dass die angesagte Verspätung ausfiel. Sonst fallen höchsten Busse und Bahnen aus. Stattdessen kam die vermeintlich verspätete Bahn pünktlich auf die Minute. Da war das Hallo an der Haltestelle groß. Die missmutig Wartenden, die sich innerlich bereits auf eine längere Wartezeit in der winterlichen Kälte eingestellt hatten, strahlten plötzlich über das ganze Gesicht, ob der positive Überraschung. Hatten sie doch die schon auf der Strecke des öffentlichen Personennahverkehrs gebliebene Lebenszeit plötzlich wiedergewonnen. Doch pünktlich. Kein Anschiss vom Chef und keine peinlichen Ausreden und Entschuldigungen. Wer sagt denn, dass nur Maurer und Könige pünktlich sein können. Die Ruhrbahn kann es auch, sogar wenn es draußen kalt ist. Toll. Bleibt nur die Frage: Warum die Stimme aus dem Haltestellen-Lautsprecher nicht wusste, dass die angesagte Bahn nicht zu spät, sondern pünktlich sein würde. Weiß bei der Ruhrbahn eine Hand nicht, was die andere macht?

Aber wer will sich schon über eine überraschend pünktliche Bahn beschweren. Das wäre wirklich ungerecht. Vielleicht wollte ein cleverer Ruhrbahn-Mitarbeiter seinem Arbeitgeber und dessen Kunden auch nur ein überraschendes Erfolgserlebnis verschaffen. Denn eine bessere Werbung kann sich die Ruhrbahn ja nicht wünschen, als wenn man Freunden und Familie berichten kann: „Stell dir vor: Mein Bahn war pünktlich, obwohl sie eigentlich zu spät kommen sollte.“ 


Dieser Text erschien am 22. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 21. Januar 2019

Mutters neue Helden


Mutter schaut Sport. Eigentlich tendiert sie fernsehtechnisch eher zu politischen Nachrichten oder zum Kabarett, was immer öfter auf das Gleiche hinausläuft. Nur das die realexistierende Politik-Satire, siehe Brexit- und Grundsteuer-Theater Mutter bei weitem nicht so gut unterhält und zum Lachen bringt. Deshalb ist sie derzeit umso dankbarer für die sehenswerten WM-Spiele der deutschen Handballer. Soviel Dynamik, Leidenschaft und ergebnisorientiertes Teamwork wie jetzt bei der Handball-Weltmeisterschaft hat sie schon lange nicht mehr gesehen. Und deshalb studiert sie jetzt täglich die Sportseiten der NRZ und weiß genau, gegen wenn die deutschen Handballer als nächstes treffen müssen. Und ihre Handball-Helden enttäuschen Mutter bislang nicht, sondern geben alles und wachsen immer wieder über sich hinaus. So viel Elan und Einsatz würde sich Mutter auch von so mancher Sportskanone wünschen, die auf so manchem anderen Spielfeld unserer Gesellschaft als Spielmacher auftritt, sich aber leider viel zu oft als Fehlbesetzung erweist oder schlicht unmotiviert bei der Sache ist. 

Dabei würde sich Mutter wünschen, dass die Spielmacher unseres Landes, das sie mit anderen aus ihrer Generation nach dem Krieg wieder aufgebaut hat, bald mal wieder aus ihrem Formtief herauskommen und Team Deutschland zum Weltmeister machen. Denn Mutter weiß, dass sich das Leben nicht um einen auch noch so gut geworfenen Ball dreht, sondern unsere politischen und wirtschaftlichen Spielführer auch auf den Feldern der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens punkten müssen, wenn wir als Team Deutschland nicht in Abstiegsgefahr geraten wollen.

Dieser Text erschien am 21. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung


Sonntag, 20. Januar 2019

Was wird aus dem Ruhrgebiet?


„Wer Vielfalt als Bedrohung ansieht und nur die Eindeutigkeit gelten lässt, begibt sich in die Gefahr zum Fundamentalisten zu werden“, sagt der Direktor der Katholischen Akademie in seinem Grußwort an die zahlreichen Gäste, die an diesem Montagabend den Weg zum Jahresempfang des Ruhrbistums gefunden haben. Der Zustrom der Gäste, die aus allen Bereichen der Bürgerschaft gekommen sind, sprengt das Auditorium. Deshalb muss die Wolfsburg ihr gesamtes Obergeschoss bestuhlen.
Die Resonanz war auch deshalb so groß, weil sich Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck keinen Hauptredner, sondern mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der Dortmunder Hochschulrektorin und Kuratoriumsvorsitzende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Professor Dr. Ursula Gather, zwei prominenten Sparringspartner für eine von Michael Schlagheck moderierte Podiumsdiskussion über die Zukunft des Ruhrgebietes eingeladen hatte.

Dichteste Hochschullandschaft Europa

Im Kern ging es um die Frage, ob das Ruhrgebiet im Strukturwandel zwischen Industrialisierung und Digitalisierung auf einem guten Weg ist. Laschet und Gather führten die breitgefächerte Hochschullandschaft des Ruhrgebietes und deren technologisches und wirtschaftliches Umfeld als ein Paradebeispiel dafür an, dass das Ruhrgebiet mit seinem Mix aus Industrie und Wissenschaft besser aufgestellt sei, als es das verstaubte Image der alten Industrieregion glauben mache. Gather wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man das neue Max-Planck-Institut für Cyber-Sicherheit nach Bochum habe holen können und das der Dortmunder Technologiepark inzwischen der drittgrößte in Europa geworden sei.

Demografischer Wandel als Chance

Auch bei dem im demografischen Wandel immer wichtiger werdenden Thema Pflege und Gesundheit sieht Ministerpräsident Laschet „das Ruhrgebiet mit einer guten Expertise“ ausgestattet. In diesem Zusammenhang nannte er die vom NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann und dem Ökonomen Professor Dr. Christoph Schmidt vom in Essen ansässigen Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaft geleitete Arbeitsgruppe, die im Rahmen der von ihm 2018 einberufenen Ruhrgebietskonferenz, wirtschaftliche Zukunftschancen für die Region auslotet. Laschet rechnet noch im Laufe dieses Jahres mit ersten konkreten Ergebnissen der Revierkonferenz. Nachholbedarf räumte Laschet angesichts „digitaler Schlaglöcher“ und einer aus seiner Sicht noch ausbaufähigen Existenzgründerkultur, die wirtschaftlich nicht mehr nur auf große Industrieunternehmen setze.
„Dennoch wird auch die Zukunft des Ruhrgebietes industriell geprägt sein. Und die Maschinenbauer der Region bringen wichtige Kompetenz für die neue Industrie 4.0 mit. Außerdem kommt der Region die Mentalität ihrer Menschen zugute. Die reden nicht viel, sondern krempeln die Ärmel hoch und packen an“, betonte die Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp-Stiftung. In diesem Zusammenhang verteidigte sie auch die umstrittene Fusion von Thyssen-Krupp und Tatan-Stahl. „In dem so Europas zweitgrößter Stahlhersteller entsteht, werden auch im Ruhrgebiet Arbeitsplätze in der Stahlindustrie gesichert“, unterstrich Gather.
Und was sagte der Ruhrbischof? „Als christliche Kirchen müssen wir das Ganze und alle Themen im Blick behalten, bei denen sich die Lebensqualität der Menschen in unserer Region entscheidet“, formulierte Overbeck auch im Namen seines ebenfalls anwesenden evangelischen Amtsbruder Manfred Rekowski, eine ökumenische Selbstverpflichtung für die Zukunftsgestaltung an der Ruhr. Dem konnte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland wohl ebenso folgen wie Overbecks Forderung, beim Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung auch die Ökologie „und damit die Bewahrung der Schöpfung nicht zu vernachlässigen.“ Neben dem allgemeinen Appell, sich „beim Strukturwandel nicht zurückzulehnen“, nannte der Ruhrbischof die unterschiedliche medizinische Versorgungsdichte in armen und wohlhabenden Stadtbezirken als eine besorgniserregende Entwicklung innerhalb des Ruhrgebietes, die im Interesse einer dauerhaften gesellschaftlichen Stabilität der Region politisch bearbeitet werden müsse. 

Anleihe bei Wolf Biermann

Der 2019 nach 27 Jahren aus dem Amt scheidende Direktor der Katholischen Akademie, Dr. Michael Schlagheck, griff in seinem Grußwort die Neujahrsbotschaft des Ruhrbischofs Dr. Franz-Josef Overbeck auf, in dem er versprach, dass sein Haus auch im neuen Jahr „ein Ort der Begegnung sein wird, an dem die Menschen eine freie und offene Gesprächskultur pflegen, die sich darum bemüht, das rechte Wort zu finden und so behutsam miteinander umzugehen.“ Der Ruhrbischof bediente sich im Schlusswort des Jahresempfangs eines Zitates des Lyrikers und Liedermachers Wolf Biermann: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu!“ Overbeck drehte Biermanns Satz mit Blick auf ein „waches und gut fundiertes Christentum in einer sich immer wieder wandelnden Welt“ umdrehte und feststellte: „Nur wer sich treu bleibt, ändert sich!“ 

Samstag, 19. Januar 2019

100 Jahre Frauenwahlrecht


Eine Stadt, die mit Eleonore Güllenstern und Dagmar Mühlenfeld inzwischen zwei Oberbürgermeisterinnen. Mit Gisela Prätorius, Helga Wex, Ulrike Flach und Astrid Timmermann-Fechter vier Bundestagsabgeordnete und mit Hannelore Kraft und Barbara Steffens eine NRW-Ministerpräsidentin und eine Landesgesundheitsministerin hervorgebracht hat, kennt Politikerinnen heute als die bessere Hälfte unserer Demokratie.

Kaum zu glauben aber wahr, dass es gerade mal 100 Jahre her ist, dass Frauen in Deutschland und damit auch in Mülheim erstmals die Wahl hatten, zu wählen oder gewählt zu werden.

Am 19. Januar 1919 ist es so weit. Auch im damals 128.000 Einwohner zählenden Mülheim, in dem die meisten Bürger ihr Geld in der Stahlindustrie und im Handel verdienen, dürfen Frauen mit darüber abstimmen, welche Partei wie viele Sitze in der Nationalversammlung bekommen soll, die der am 9. November 1918 ausgerufenen Republik eine Verfassung geben soll. Erstmals werben die politischen Parteien mit Zeitungsanzeigen und Veranstaltungen auch um Wählerinnen. Beim Blick in die Vor-Wahl-Ausgaben der Mülheimer Zeitung und des Mülheimer Generalanzeigers fällt auf, das fast ausschließlich Anzeigen der liberalen und konservativen Parteien veröffentlicht werden. In einem Mülheimer Zeitungsaufruf der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei, zu der unter anderem auch der Mülheimer Industrielle Hugo Stinnes und der Geschäftsführer der späteren Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft, August Kirchberg gehörten, heißt es vor dem Wahltag: „Mütter und Frauen! Wollt ihr euren Kindern den Religionsunterricht, Rückgrat eines glücklichen Familienlebens, erhalten? Wollt ihr euren Gatten und Kindern eine wirtschaftliche Zukunft aufbauen und eure Stimme erheben gegen den sittlichen und wirtschaftlichen Verfall? Dann wählt die Deutsche Volkspartei!“

Von einer eigenen wirtschaftlichen Zukunft der Frauen war in der Zeitungsanzeige der Deutschen Volkspartei noch keine Rede. Denn Frauen durften noch bis in die 1970er Jahre hinein nur mit Zustimmung ihres Ehemannes einen Beruf ausüben oder ein eigenes Konto eröffnen.



Immerhin 20,8 Prozent der wahlberechtigten Mülheimerinnen und Mülheimer folgen am 19. Januar 1919 diesem Aufruf. Stärkste Partei wird damals in Mülheim erstmals die SPD mit 39,8 Prozent, gefolgt von der katholischen Zentrumspartei (21,3 Prozent). Für die linksliberalen Deutschen Demokraten entscheiden sich 9 Prozent der Mülheimerinnen und Mülheimer, während 8,8 Prozent für die Deutschnationale Volkspartei stimmen. Dass 26 Prozent der stimmberechtigten Frauen und Männer in der Ruhrstadt am 19. Januar von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht haben, führt die Mülheimer Zeitung nach der Wahl darauf zurück, dass Kommunisten und Unabhängige Sozialdemokraten zum Wahlboykott aufgerufen haben, weil sie keine parlamentarische  Demokratie, sondern eine sozialistische Räterepublik wollen. Am 11. Januar hatte ihre Mülheimer Zeitung, die Rote Fahne getitelt: „Fort mit Scheidemann und Ebert“ und sich damit gegen die Sozialdemokraten Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann gestellt, die politisch für den Übergang von der Monarchie zur Republik standen. Diesen politischen Kurs unterstützte auch die katholische Zentrumspartei, deren Kandidat Joseph Allekotte (1867-1944) am 19. Januar 1919 in die Nationalversammlung und 1920 auch in den Reichstag gewählt wurde. Der Saarner Postbeamte hatte sich bereits seit 1906 als Stadtverordneter und Kreisvorsitzender des Zentrums kommunalpolitisch engagiert. (T.E.)

Die ersten Frauen im Stadtrat


Eineinhalb Monate nach der Wahl zur Nationalversammlung wurden die Lehrerin Maria Büßemeyer und die Hausfrauen Katharina Havermann und Luise Blumberg als erste Frauen in ein Mülheimer Stadtparlament gewählt. Büßemeyer und Havermann zogen als Stadtverordnete der katholischen Zentrumspartei in den Stadtrat ein. Blumberg hatte ihre Mandat bei den Kommunalwahlen vom 2. März 1919 als Kandidatin der Deutschen Volkspartei errungen. Den drei Ratsfrauen saßen damals allerdings 69 Ratsherren gegenüber. Heute sitzen 44 Ratsherrn elf Ratsfrauen gegenüber. Bei der Amtseinführung der neuen Ratsmitglieder sagt der damalige Oberbürgermeister Paul Lembke:“ "Meine Damen und Herren! So begrüße ich Sie heute, die neue Stadtverordnetenversammlung. Neu, wie die Versammlung, ist auch die Art es Grußes. Zum ersten Male habe ich die Ehre, neben den Herrn auch Damen in unserer Mitte willkommen zu heißen. Ich freue mich dessen und hoffe, dass Sie uns eine wertvolle Hilfe bei unserer Art der Arbeit sein werden, die wir zu leisten haben, sein werden."



Dieser Text erschien am 19. Januar 2019 in der NRZ/WAZ

Freitag, 18. Januar 2019

Auf dem Boden der Tatsachen

Gestern wechselte ich, mein Ziel fest im Auge, die Straßenseite und stand plötzlich mit beiden Beinen in keinem kleinen Binnenmeer, weil ich das große Ganze, aber nicht die Details der Mülheimer Straßenzustände im Blick gehabt hatte. Dabei war es auch in diesem Fall so, dass der Teufel im Detail steckte und das Straßenpflaster zumindest auf den zweiten Blick abgetaucht war. Abgetaucht war dabei wortwörtlich zu verstehen, weil die Straßendelle mit Regen vollgelaufen war und so auf den ersten Blick mit der anschließenden Fahrbahndecke wieder eine Ebene bildete. Doch wie sooft, trog der erste Anschein über das traurige Sein der Mülheimer Straßenzustände hinweg. Nicht, dass ich etwas gegen die Vorzüge eines Fußbades oder eines Kneippganges einzuwenden hätte. Aber alles hat im Leben seine Zeit. Und dieses Fußbad ohne Ansage kam für mich, der ich auf dem Weg zu meinem nächsten Termin war, wirklich zur Unzeit. Aber wenn die Stadt jetzt noch mal einen kräftigen Schluck aus der Grundsteuer-Pulle nimmt, dann wird das wahrscheinlich alles schon in Kürze von Grund auf besser. Oder habe ich da vielleicht bei der NRZ-Lektüre etwas falsch verstanden und die geplante Grundsteuererhöhung ist gar nicht zum Stopfen der Straßenlöcher, sondern zum Stopfen der Löcher im Stadtsäckel gedacht. Jetzt warte ich nur noch auf die Einführung einer Mülheimer Kurtaxe für den Abenteuerurlaub auf Mülheims Straßen, inklusive Fußbad und Kneipp-Gang.

Dieser Text erschien am 18. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 17. Januar 2019

Mann, sei kein Narr

Karneval kann nicht nur lustig, sondern auch lehrreich sein. Das merkte ich jetzt, als ein Büttenredner sein Publikum bei der Herrensitzung der Roten Funken wissen ließ: "Ich habe bei uns zu Hause die Hosen an. Aber meine Frau bestimmt, wann ich welche anziehen soll." Der Mann hatte die Lacher seiner Geschlechtsgenossen auf seiner Seite. Es war ein wissendes Lachen, das dem Komödianten da entgegen schallte. Denn die Herren im Saal waren zwar alle jeck, aber keine Narren. Denn der kluge Mann weiß nicht nur zur Fünften Jahreszeit, dass er nur dann gut Lachen hat, wenn er dem klugen Rat seiner besseren Hälfte folgt, die hinter ihm steht und ihm den Rücken stärkt und so dafür sorgt, dass ihr Liebster seinen Humor behalten kann, den sie so sehr an ihm schätzt und der ihr gerade dann den Rücken stärken, wenn sie mal nichts zu lachen hat. 

Dieser Text erschien am 17. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 16. Januar 2019

Poetischer Wandel

Wer hätte das gedacht. Ein Bischof bedient sich beim Jahresempfang seines Bistums des Zitates eines Ex-Kommunisten, der inzwischen sogar von der CSU zu ihrer Winterklausur in Wildbad Kreuth eingeladen worden ist. Hätte man das meiner katholischen Großmutter in den fünfziger Jahren erzählt, hätte sie es für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten.

Doch was zeigt den Wandel der Zeit besser, als der wunderbare Satz des Lyrikers und Liedermachers Wolf Biermann: "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu." Eben diesen Satz wandelte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck beim Jahresempfang in der Katholischen Akademie in sein Jahresmotto um, das er gleich dem ganzen Ruhrgebiet ans Herz legte. "Nur wer sich treu bleibt, ändert sich." Offensichtlich wollte der Bischof dann doch nicht ganz den Biermann machen. Aber wie man es auch dreht und wendet. Beide Sätze sagen doch das eine: Gerade dann, wenn man sich Werten, Menschen und Botschaften verpflichtet fühlt, tut man gut daran, sich selbstkritisch zu fragen, ob und wie man sich wandeln muss, um das im Heute zu leben und zu sein, was einem wichtig ist und was man sein will, ohne dabei zum Abziehbild der eigenen Illusionen zu werden.

Insofern sind Overbecks und Biermanns Credo zwei Seiten der selben Medaille, die uns nicht nur an der Ruhr zeigen, das man mit der Zeit gehen muss, wenn man nicht gehen will mit der Zeit. Und auch wenn wir alle wissen, dass wir irgendwann das Zeitliche segnen und von dieser Erde gehen müssen, wollen wir doch nicht vor der Zeit den Bach hinuntergehen, weil uns das Wasser bis zum Halse steht und wir den Kopf hängen lassen. Auch da hilft uns eine Lied- und Gedicht-Zeile Wolf Biermanns, die der Ruhrbischof bei seinem nächsten Jahresempfang in der Wolfsburg zitieren könnte, wenn er wollte:

 "Du, laß dich nicht verhärten in dieser harten Zeit. Die allzu hart sind, 
brechen, die allzu spitz sind, stechen und brechen ab sogleich".


Dieser Text erschien am 16. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 15. Januar 2019

Etwas für jede Tonart


Draußen war der Januar trist. Aber drinnen machte er am Wochenende Spaß, etwa bei der Röhrengarde, die am Samstag mit 250 Jecken in der Schulaula an der Oberstraße feierte. Spaß an der Freude hatten aber auch die 400 närrischen Männer, die sich bei der Herrensitzung der Roten Funken im Autohaus Extra an der Fritz-Thyssen-Straße einen karnevalistischen Frühshoppen mit einem durstigen Präsidenten Heino Passmann und einem sehenswerten Nummerngirl im sehr kleinen Schwarzen gönnten. Das die fröhlichen Mannsbilder nicht kostümiert waren, tat der Stimmung keinen Abbruch.


Familiär wurde am Samstagabend bei der Röhrengarde gefeiert. 40 Gäste aus dem Fliednerdorf sorgten mit ihren tollen Kostümen von der Prinzessin bis zum Musketier für einen echten Farbtupfer im närrischen Publikum. „Auch in diesem Jahr werden wir auf einem Wagen der Röhrengarde beim Rosenmontagszug mitfahren“, verriet Fliedner-Mitarbeiter Friedhelm Tissen. Während sich die Jecken im Saal nicht nur von den tanzenden und musizierenden Formationen der Röhrengarde begeistern ließen sorgten Vereinsmitglieder auch für das leibliche Wohl der Gäste. Ein echter Gewinn für das gelungene Karnevalsfest der Röhrengarde war der fabelhafte Mister Tomm, der erstaunlich echt den Eros Ramazotti, den Elvis Presley, den Louis Armstrong, den Joe Cocker, den Michael Jackson  oder die Tina Turner machte. Wiedersehen und Wiederhören machen Freude.


Wiedersehen und Wiederhören machte auch bei der Herrensitzung der Roten Funken Freude. Nicht nur beim „unglaublichen Heinz“, der mit Gitarre, Gesang und flotten Sprüchen zu begeistern wusste, erwiesen sich die Herrn der Schöpfung nicht nur als trinkfest, sondern auch als sangesfreudig. O-Ton: „Der Vati will zur Party!“

 „So was kann man nur im Karneval erleben“, freute sich Heinz über seine Mülheimer Fischer-Chöre mit Funken-Einschlag. Und weil das Feiern auch bei einer Herrensitzung ganz ohne Frauen keinen Spaß macht, ließen die fröhlichen Herrn nicht nur die Geburtstagskinder Alfred, Werner und Andreas, sondern auch die Tanzgardistinnen und die Ladykracher der Roten Funken hochleben und nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen.


Für Geburtstagskind Andreas und seine Karnevalskollegen Sven und Peter hat die Herrensitzung übrigens noch ein besonderes Nachspiel. Denn sie gewannen bei einer Schnäpschen-Staffel auf der Bühne eine Eintrittskarte zur Prinzenparty, die am 26. Januar um 19 Uhr im Franky‘s an der Sandstraße 158 über die Bühne gehen wird. Wer bei der Prinzenparty dabei sein will und bei der Schnäpschen-Staffel nicht dabei sein konnte, kann sich bei Kartentelefon der Funken unter 0208-4127979 den Eintritt ins närrische Vergnügen sichern. 

Dieser Text erschien am 14. Januar 2019 in NRZ und WAZ




Montag, 14. Januar 2019

Um Anruf wird gebeten

Vater hat ein Handy. Jetzt hat entdeckt, dass man mit diesem kleinen Mobilfunkteil nicht nur telefonieren kann, sondern auch Kurznachrichten verschicken kann. Allerdings musste der Mann, der weitaus länger mit einem Wahlscheibentelefon telefoniert hat als mit einem Handy schnell feststellen, dass das Eintippen einer SMS-Botschaft an seine Tochter erheblich länger dauerte, als hätte er ihre eingespeicherte Rufnummer aktiviert und mit ihr fernmündlich gesprochen. Doch das simple Anrufen von Menschen der digitalen und viel beschäftigten Generation ist so eine Sache. Immer wieder hat Vater die Erfahrung gemacht, dass er sehr zu seinem Unwillen auf ein Mailbox sprechen und dann lange auf einen Rückruf warten musste. Umso erstaunter war er jetzt, als seine SMS-Botschaft, deren Versand länger gedauert hatte, als ein Anruf, anders als dieser von seiner offensichtlich schon in der digitalen Welt angekommenen Tochter postwendend beantwortet wurde. Jetzt arbeitet Vater schon an der nächsten SMS-Botschaft für seine Tochter: "Um Anruf wird gebeten!" Mal sehen, ob es dann beim digitalisierten Nachwuchs klingelt. 

Dieser Text erschien am 14. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 13. Januar 2019

Digitales Andenken

Wenn es nach der SPD-Fraktion im Rat der Stadt geht, soll man künftig beim Spaziergang über den Friedhof mit seinem Smartphone mehr über die Menschen, die hier zur letzten Ruhe gebettet sind. Ein QR-Code auf Grabsteinen, Kantsteinen, kleinen Sockelsteinen oder auch auf kleinen Schildern, die mit einem Erd-Spieß einfach ins Erdreich der jeweiligen Grabstelle gesteckt werden kann, würde es möglich machen.
Zumindest Smartphone-Besitzer hätten dann die Möglichkeit den QR-Code mit ihrem Smartphone abzufotografieren und sich via Internetlink die vorhandenen Netz-Informationen über die vor Ort bestattete Person anzuschauen. "Solch ein niederschwelliges Angebot könnte einen wichtigen Beitrag zur kulturellen und historischen Bildung leisten", glaubt der Historiker und Heißener SPD-Stadtrat Daniel Mühlenfeld. Er ist Sprecher seiner Partei im Umweltausschuss, in dem das Thema am 22. Januar auf der Tagesordnung stehen wird. Dann will sich auch die das für die Friedhofsverwaltung zuständige Grünflächenmanagement zur Machbarkeit eines solchen Informationsangebotes äußern.
Dass ein solches Informationsangebot des digitalen Gedenkens an bekannte und unbekannte Verstorbene möglich ist, zeigt die Stadt Köln. Auf Antrag der dortigen FDP wurden 2014 in der Domstadt QR-Codes auf Friedhöfen zugelassen. Im Internet anzuschauende Fotos zeigen, dass die QR-Codes sehr einfach und zum Teil sogar elegant angebracht werden, so dass sie den Gesamteindruck einer Grabstätte nicht stören. In der 2007 eröffneten Urnenkirche Heilig Kreuz an der Tiegelstraße pflegt man das digitale Andenken der dort bestatteten Menschen schon jetzt mit einem elektronischen Gedenkbuch, dass dort über einen Monitor einsehbar ist. Auch Internetseiten, mit denen Hinterbliebene an ihre lieben Verstorbenen erinnern, sind heute keine Seltenheit mehr.
Was für Köln der 1810 eröffnete Melaten-Friedhof ist, ist für Mülheim der 1812 eröffnete Altstadtfriedhof zwischen Dimbeck und Tersteegenstraße. Dort wurden viele bekannte Persönlichkeiten wie etwa die Industriellenfamilien Stinnes und Thyssen beigesetzt. Die Mülheimer Heimat- und Familienforscherin Bärbel Essers hat 2014 ein Buch über den geschichtsträchtigen  Friedhof oberhalb der Altstadt herausgegeben. Sie weiß aus eigener Erfahrung "wie viel Zeit und Arbeit" die sorgfältige Erfassung und Dokumentation von Biografien der Verstorbenen braucht. Essers, die im Rahmen ihres Publikationsprojektes 7000 Namen bearbeitet hat, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich in Mülheim vor einigen Jahren eine entsprechende Arbeitsgemeinschaft für die Dokumentation der Mülheimer Ehrengräber gebildet und angesichts des Arbeitsaufwandes bald wieder aufgelöst habe.
Außerdem befürchtet Essers angesichts einer allgemein eher rückläufigen Rücksichtnahme bei einer massenhaften QR-Code-Schnitzeljagd auf Mülheims Friedhöfen arg in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Zweifel hat Essers auch an der Witterungsbeständigkeit der QR-Codes.
Positiv sieht der Geschäftsführer des Deutschen Kuratoriums Deutsche Begräbniskultur, Oliver Wirthmann, QR-Codes auf Friedhöfen. Dazu sagte er der Deutschen Presseagentur im November 2018: „Mit solchen QR-Codes können Inhalte und Informationen über den Verstorbenen hinterlegt werden, die auf dem Grabstein keinen Platz finden. Die Pixel-Quadrate sind eine  zunehmend gefragte Ergänzung. Ich sehe das sehr positiv, es ist eine neue Möglichkeit. Wohnt jemand weit entfernt oder im Ausland, konnte nicht an der Trauerfeier teilnehmen oder nicht zum Grab kommen, dann teilt er die Trauer im virtuellen Raum. Dazu reicht es, wenn ihm jemand ein Foto mit dem QR-Code schickt."
Dieser Text erschien am 12. Januar 2019 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Samstag, 12. Januar 2019

Drei Fragen an Markus Uferkamp

Der Unternehmer und Ex-Stadtprinz Markus Uferkamp ist seit zwei Jahren Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval. 

Eins Warum sollte man eine Karnevalssitzung besuchen?

Uferkamp: Weil man dort ein hochwertiges Musik- und Unterhaltungsprogramm erleben und gemeinsam mit anderen Menschen Spaß haben kann. Unsere Tanzgarden und Musikgruppen können sich wirklich sehen und hören lassen. Einfach mal hinkommen und hinschauen.

Zwei Ist es schwieriger geworden Menschen für den Sitzungskarneval zu gewinnen?

Uferkamp: Auf jeden Fall. Die Konkurrenz durch das Fernsehen ist groß. Und eingekaufte Künstler kosten viel Geld. Wir wollen und müssen unsere Eintrittspreise aber so halten, dass sie auch für Menschen kleinem Geldbeutel bezahlbar bleiben.

Drei Was müssen Karnevalsgesellschaften leisten, um eine gute Veranstaltung auf die Beine zu stellen?

Uferkamp: Sie brauchen nicht nur Geld und zahlende Gäste oder Tanzgarden und Musikzüge, die ohne Gage auftreten, sondern auch viele ehrenamtliche Helfer, die mit anpacken, um Tische und Stühle aufzustellen oder Bühnen auf- und abzubauen, die Tontechnik zu betreuen oder auch das Catering zu stemmen. Alles muss für Gäste und Veranstalter bezahlbar bleiben. Als Hauptausschuss haben für deshalb für die Vereine Tische und Stühle gekauft, die wir ihnen für kleines Geld zur Verfügung stellen können. Außerdem entlasten wir sie finanziell beim Rosenmontagszug, damit mehr Geld für ihre Veranstaltungen übrigbleibt.

Dieser Text erschien am 12. Januar 2019 in NRZ und WAZ

Freitag, 11. Januar 2019

Ein Sprungbrett für Langzeitarbeitslose

Der Name auf der Fensterfront am Löhberg 72 ist Programm: "Arbeitsmarktplatz." Hier ist der Ort, an dem Menschen der Generation 25 plus einen neuen Platz auf dem Arbeitsmarkt finden können. Voraussetzung dafür ist, dass sie sechs Jahre und länger arbeitslos sind und älter als 25 Jahre. So gibt es neue Chancen, aus der Langzeitsarbeitslosigkeit und damit aus dem Arbeitslosengeld-2-Bezug zu  kommen.  
Im Frühjahr soll ein zweiter Standort in der Sozialagentur an der Eppinghofer Straße 50 eingerichtet werden. Die Fördermittel des Bundes über 4 Milliarden Euro für das neue Chancen-Teilhabe-Gesetz  machen es möglich. 3,2 Millionen Euro für die Arbeitsmarktförderung fließen nach Mülheim.
"Wir kämpfen um jeden, der eine zweite Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt braucht", versprechen die Chefin des kommunalen Job-Centers, Anke Schürmann-Rupp, und ihre Kollege Jörn Wahnsiedler aus dem Leitungsstab der Sozialagentur. Wie nötig dieser Kampf ist, zeigen die Mülheimer Zahlen. Mehr als 20.000 Bürger der Stadt sind auf Arbeitslosengeld 2 angewiesen. Davon sind 10.200 länger als zwei Jahre und 2.700 länger als sechs Jahre arbeitslos. Der kommissarische Sozialamtsleiter Thomas Konietzka geht davon aus, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 2010 von rund 8.000 auf 10.200 angestiegen ist.
Ein Grund dafür war der ab 2015 einsetzende Zustrom von Flüchtlingen. Ein Arbeitslosengeld-2-Empfänger kostet den Steuerzahler jährlich rund 10.000 Euro. Für 40 Prozent dieser Kosten muss die hoch verschuldete Stadt aufkommen. Den Löwenanteil trägt der Bund. Die städtische Sozialagentur beschäftigt derzeit rund 240 Mitarbeiter, davon 90 im individuellen Fallmanagement. 
Wiedereinstiegshilfe für Langzeitarbeitslose leisten Mitarbeiter der Sozialagentur und der städtischen Job-Service GmbH am Löhberg 72 bereits seit 2010. Da werden Klienten begleitet, Stellen gesucht, Bewerbungen erstellt, Vorstellungsgespräche trainiert und Einstellungshemmnisse wie Schulden, Sucht, Krankheit oder fehlende Qualifikation aus dem Weg geräumt. Das jetzige Förderprogramm und sein Geld ist bereits das Dritte seiner Art, das Mülheimer Langzeitarbeitslosen einen Job verschaffen soll. Seit 2016 haben insgesamt 440 Rat und Arbeit suchende Menschen den Weg zum Löhberg 72 gefunden. Gut 170 von ihnen konnten in eine feste Arbeitsstelle vermittelt werden. Die Bandbreite reichte vom landwirtschaftlichen Hilfsarbeiter bis zur Rechtsanwaltsgehilfin.
Mit dem neuen Geld aus Berlin kann das von Andrea Fassbender geleitete Beratungsteam Löhberg um fünf Stellen aufgestockt werden. Sie begleiten und beraten Arbeitsplatzsuchende  und Arbeitgeber, auch nach der Arbeitsaufnahme und besorgen Stellen. Wohlfahrtverbände, freie Träger, Einzelhandels- und Handwerksunternehmen haben bereits ihr Interesse an einer geförderten Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen signalisiert. Ein neu geschaffener Arbeitsplatz für einen ehemaligen Langzeitarbeitslosen wird in den ersten zwei Jahren zu 100 Prozent aus Bundesmitteln finanziert. Danach sinkt der Bundeszuschuss in den drei folgenden Jahren um jährlich 10 Prozent, ehe er nach fünf Jahren ganz wegfällt. "Zurzeit reichen die Fördermittel, um auf diesem Weg 134 Arbeitsplätze zu finanzieren", erklärt die Leiterin des Job-Centers und macht damit die engen Grenzen der auf fünf Jahre limitierten steuerfinanzierten Arbeitsmarktförderung deutlich.
Die Leiterin des Arbeitsmarktplatzes am Löhberg 72, Andrea Fassbender ist unter: 455-5950 oder per Mail an: Andrea.Fassbender@muelheim.de erreichbar. Für Arbeitgeber ist der Kontakt mit den Betriebs-Akquisiteurinnen Claudia Kaiser und Aida Ramic interessant. Sie sind erreichbar unter: 455-2889 und: 455-2890 oder per E-Mail an: Claudia.Kaiser@muelheim-ruhr.de oder an Aida.Ramic@muelheim-ruhr.de.


Donnerstag, 10. Januar 2019

Kulinarisch begünstigt

An manchen Tagen ist man vom Schicksal kulinarisch begünstigt, Gestern war für mich so ein Tag. Im Kühlschrank lachten mich mittags Nudeln und Pasta vom Tag zuvor an. Und in der Vorratskammer entdeckte ich einen Stollenrest vom Frohen Fest. So gestärkt ging ich zu einem Pressegespräch der Sozialagentur. Die zeigte sich sehr sozial, da sie nicht nur Informationen, sondern auch belegte Brötchen anbot. Der Journalist, der nicht nur den Nachrichtenhunger kennt, sagte nicht Nein, sondern freute sich über den nahrhaften Pressetermin, der ihm das Abendessen ersparte. Denn der nächste Schmalhans-Küchenmeister-Tag kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein Narr, der nicht bei Zeiten die kulinarische Gunst der Stunde nutzt. 

Dieser Text erschien am 10. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 9. Januar 2019

Ein Blick aufs Kloster


Heute betrachten wir vom alten Saarner Bahndamm und über den alten Klosterteich hinweg das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Maria Saal in Saarn. Als diese Aufnahme vor etwa 40 Jahren entstand, war aus dem Kloster noch keine Bürgerbegegnungsstätte geworden. Der mit dem Wieder- und Neuaufbau der 1214 eröffneten Klosteranlage verbundene Verein der Freunde und Förderer von Kloster Saarn gründete sich in dem Jahr (1983), als diese Fotografie in dem vom Mülheimer Journalisten Franz Rolf Krapp herausgegeben Band „Mülheim nach 1945“ erschien. Durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bürgern, Stadtverwaltung, Land und Bistum konnte das 1808 säkularisierte und danach unter anderem als Waffen- und Tapetenfabrik  genutzte Kloster zu dem vielseitigen Begegnungs,- Wohn.- Kultur- und Lernort werden, als den wir ihn heute kennen und schätzen. Wie erst kürzlich an dieser Stelle berichtet, haben die Saarner Klosterfreunde mit ihrem 2008 eröffneten Klostermuseum bisher 23.000 Besuchern die wechselvolle Klostergeschichte nahegebracht. Und die Öffentliche Katholische Bücherei im Kloster darf 2019 auf 170 Jahre zurückschauen. Die Pfarrkirche St. Mariae Himmelfahrt, die wir mit ihrem Turm im Bildmittelpunkt sehen, entstand erst gegen Ende des 19. Jahrhundert. Sie knüpft heute als geistliches Zentrum für rund 17.000 katholische Christen in den Linksruhr-Stadtteilen an die klösterliche Tradition an. „Das alte Pfarrhaus an der Klosterstraße wurde zwischenzeitlich als geistliches Zentrum genutzt und dient heute als Gemeinschaftswohnquartier der Gruppe Lina. Lina steht hier für Leben in Nachbarschaft Alternativ“, weiß der Saarner Peter Brill zu berichten. Und sein Saarner Nachbar Hans-Theo Horn, zwischen 1992 und 2006 Kulturdezernent der Stadt Mülheim, erinnert sich daran, dass in dem privaten Wohnhaus, das wir auf der linken Bildseite sehen, früher der Mülheimer Organist, Pianist, Cembalist und Hochschullehrer Franzpeter Goebels (1920-1988) gewohnt hat. Goebels, der 1964 mit dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft, ausgezeichnet wurde, lehrte ab 1958 an der Musikhochschule Detmold. 

Dieser Text erschien am 5. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mülheim zu Kaisers Zeiten

  Mit der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. im Schloss von Versailles wurde vor 150 Jahren der erste deutsche Nationalsta...