Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom September, 2013 angezeigt.

Botschaften statt Köpfe: Ein Gespräch über die Wirkung von Wahlplakaten

Man sieht sie an jeder zweiten Straßenecke, die Wahlplakate. Wie aussagekräftig sind sie und braucht man sie heute überhaupt noch als politische Werbeträger? Darüber sprach ich für die NRZ mit Silke Lahnstein (48), die mit ihrer Firma Kommunalplakat seit fünf Jahren unter anderem auch Wahlplakate herstellt.

Frage: Arbeiten Sie für alle Parteien?

Antwort: Wir haben schon Plakate für SPD, CDU und Piraten hergestellt und arbeiten für alle demokratischen Parteien, aber nicht für rechtsextreme Parteien. Die bekommen von uns nur die kalte Schulter gezeigt.

Frage: Wie sieht für Sie ein gutes Wahlplakat aus?

Antwort: Die Aussage eines Wahlplakates muss schnell greifbar sein. Weil die meisten Plakate ja nicht in den Fußgängerzonen hängen, sondern vor allem für Autofahrer gemacht sind, die schnell daran vorbeifahren. Unabhängig vom Inhalt gefallen mir die Plakate der Linken zurzeit am besten, weil sie eine große, schwarze Schrift auf weißem Grund nutzen, auf denen man die Botschaften …

Licht und Schatten der Energiewende: Wie die Friedrich-Wilhelms-Hütte von der Energiewende profitiert und gleichzeitig von ihrer belastet wird

Sie ist Mülheims ältester noch existierender Industriebetrieb, die 1811 von Johann Dinnendahl gegründete Friedrich-Wilhelms-Hütte. Hier arbeiten heute 700 Menschen. Die Produktpalette, die dort aus Eisen und Stahl gegossen wird, reicht vom Zylinderblock für Schiffsmotoren bis zu Gussteilen für den Stahl- und Bergwerksbedarf. Auch bei Abrissbirnen und auf Bohrplattformen kommen Gussteile der FWH zum Einsatz.

Die wenigsten Mülheimer dürften allerdings wissen, dass die gute alte Friedrich-Wilhelms-Hütte, die aktuell einen Jahresumsatz von rund 90 Millionen Euro erwirtschaftet, auch dickwandige und deshalb besonders robuste Eisengussteile herstellt, die als Rotornaben und Maschinenträger in sogenannten Offshore-Windkraftanlagen zum Einsatz kommen. Die stehen in der Nord- und Ostsee und sind zu einem Symbol der Energiewende geworden.

„Wir profitieren von der Energiewende und werden zugleich auch von ihr belastet“, sagt der kaufmännische FWH-Geschäftsführer Georg Stierle mit Bl…

Gemeinschaft, Bildung und gelebter Glaube: Soziale Gerechtigkeit bleibt das zeitlos aktuelle Thema der KAB St. Barbara, die jetzt ihr 110-jähriges Bestehen feierte

„In den Fünfzigerjahren hatten wir rund 200 Mitglieder. Damals hatte die Gute-Hoffnungs-Hütte in Oberhausen hier über 1000 neue Werkswohnungen gebaut“, erinnert sich der Ehrenvorsitzende Ewald Blasius, als die heute rund 60?Mitglieder der Gemeinde-KAB von St. Barbara und ihre Gäste im Pfarrsaal am Schildberg deren 110.?Geburtstag feiern. Als sich die Katholische Arbeitnehmerbewegung 1903 unter dem Vorsitz des Lehrers Dick im Haus Dümpten am Schildberg gründete, waren es vor allem Bergarbeiter und ihre Familien, die in der KAB Gemeinschaft, Glauben und Bildung suchten.

Diese Beweggründe rund um das Thema sozialeGerechtigkeit stehen auch heute im Mittelpunkt, wenn sich die KAB-Mitglieder an jedem zweiten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr zu ihren Vortragsabenden im Pfarrheim am Schildberg treffen oder im April zu einem Bildungswochenende nach Rietberg einladen. Auch wenn sozialeGerechtigkeit, Stichworte Lohndumping und Mindestlohn, heute so aktuell ist wie damals, lässt der …

So gesehen: Aufbruch im Umbruch

Am 7. und 8. September hat meine Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt auf dem Kirchenhügel an der Althofstraße ihren 250. Geburtstag gefeiert. Als Christenmensch kann man sich ja heute manchmal fragen, ob man überhaupt noch etwas zu feiern hat. Die Gemeinden schrumpfen. Gotteshäuser müssen aufgegeben werden. Und die Kirchen machen nicht immer nur positive Schlagzeilen, obwohl sie ja von Amts wegen die Frohe Botschaft vertreten. Sind wir am Ende, Gott bewahre, von allen guten Geistern verlassen? Doch wenn man sieht, dass heute katholische und evangelische Christen ganz selbstverständlich auf dem Kirchenhügel zusammen arbeiten und feiern, dann darf man daraus wohl Hoffnung schöpfen und sich daran erinnern, dass eben diese christliche Gemeinschaft in den vermeintlich guten alten Zeiten der Volkskirche und der kirchlich geprägten Milieus alles andere als selbstverständlich war.

Über Vorbehalte gegen konfessionsübergreifende Ehen und konfessionsübergreifenden Schulunterricht oder T…

Ein Pladoyer für die Ökumene: Eindrücke aus dem Festhochamt, mit dem die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt ihren 250. Geburtstag feierte

Das Festhochamt, mit dem die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt am Sonntag ihren 250. Geburtstag feiert, wurde zu einem deutlichen Plädoyer für die Ökumene. Der emeritierte Weihbischof Franz Grave, der seit 2008 zum Seelsorgeteam der katholischen Gemeinde gehört, sagte in seiner Predigt: „Petrikirche und Marienkirche sind gerade mal 140 Meter voneinander entfernt. Das steht für Nähe und heute verbindet uns mehr als uns trennt.“

Der evangelische Superintendent, Helmut Hitzbleck, betonte in seinem Grußwort: „Konfessionalismus ist ein Schlag in das Gesicht Gottes und seines Heilsplanes für die Menschen. Gerade in einer Zeit, in der die Kirchen nicht unumstritten sind, müssen wir gemeinsam im christlichen Geist Menschen stärken und stützen.“ Beide Ansprachen wurden von den Gläubigen in der vollbesetzten Marienkirche mit Applaus bedacht.

Dur Ökumene passte auch, dass der Markt der Möglichkeiten, der sich dem Hochamt anschloss, nicht nur katholische, sondern auch evangelische Einrichtungen, Gr…

Mülheim ist eine von landesweit sieben Modellkommunen, wenn es um die möglichst frühe Berufswahlorientierung in den Schulen geht

Kein Abschluss ohne Anschluss“ fordert NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. Deshalb will das Land die Zahl der Achtklässler, die bereits ein erstes Betriebspraktikum absolvieren bis 2018 von 70.000 auf 170.000 steigern.

Die Rektorin der Max-Kölges-Schule, Gabriele Klar, gibt Schneider Recht. „Man kann in der Schule nicht früh genug mit der Berufswahlorientierung beginnen, weil Schüler bei einem Betriebspraktikum lernen, worauf sie sich bei der Berufswahl einlassen, wie man sich in Betriebsabläufe einfügen und auch generationsübergreifend mit Kollegen zusammenarbeiten muss.“

Heike Gnilka, die als Bereichsleiterin für das Casemanagement der Sozialagentur und damit auch für die Ausbildungsplatzvermittlung im U-25-Haus zuständig ist, pflichtet Klar bei. Sie meint: „Ein möglichst früher Blick in die Arbeitswelt, die sich in den letzten Jahr stark verändert hat, hilft nicht nur Schülern, sondern auch ihren Eltern bei der Berufsorientierung. Schüler können sich angucken, was ihnen liegt, i…

So gesehen: Hausfrauen in den Bundestag

Sage noch einer, Unternehmer hätten nur Zahlen im Kopf. Einzelhändler Heinz-Wilhelm Paschmann. zitiert auf die Frage, was er nach der Bundestagswahl vom 22. September von unseren Abgeordneten erwarte, den römischen Politiker, Schriftsteller und Philosophen Marcus Tullius Cicero. Man hört und staunt, dass der Mann schon vor über 2000 Jahren Staatsverschuldung und ausufernde Bürokratie beklagte und eine sparsame Finanzpolitik forderte, die nicht mehr Steuergeld ausgibt, als sie einnimmt.

So handelt ja eigentlich auch jede vernünftige Hausfrau. Doch die wird ja nicht gefragt, wenn es um den Staatshaushalt geht. Vielleicht ist das ja der Fehler. Vielleicht brauchen wir ja mehr Hausfrauen und nicht mehr Manager, Funktionäre, Juristen und Parteisoldaten in unserem Berliner Bundesparlament, damit der gesunde Menschenverstand über Lobbybegehrlichkeiten siegt. Denn die kommen uns als Steuerzahler noch über Generationen teuer zu stehen und werden noch unseren Enkeln schwerer im Magen liegen, al…

Was sich Wähler von ihren künftigen Bundestagsabgeordneten wünschen? Eine Umfrage

Am 22. September haben 126.000 Mülheimer die Wahl. Für die NRZ fragte ich jetzt Mülheimer, die sich in ganz unterschiedlichen Bereichen und Berufen haupt- oder ehrenamtlich engagieren, was für sie politisch Priorität hat und wofür sich der oder die nächste Bundestagsabgeordnete mit den Parlamentskollegen nach der Wahl einsetzen sollte.


Polizeihauptkommissar Thomas Weise (49) wünscht sich von unserem künftigen Bundestagsabgeordneten, „dass er oder sie mit dafür sorgt, dass die polizeiliche Arbeit eine höhere gesellschaftliche Anerkennung erfährt und Gewalt mehr als bisher öffentlich geächtet wird.“ Außerdem hofft der Polizeihauptkommissar, dass sich der Abgeordnete für mehr Geld zugunsten des Denkmalschutzes einsetzt, „damit wir Baudenkmäler, wie Schloss Broich, auch für unsere Enkel erhalten können.“ Ferner erwartet er, dass die Bundestagsabgeordneten dafür sorgen, dass Schulabgänger des doppelten Abiturjahrganges nicht ein oder zwei Jahre auf der Straße herumlaufen, „weil sie keinen …

Zum Schuljahresbeginn plädiert der Schulpsychologe Günter Waberg für eine Erziehung ohne Brechstange und Bremsklötze, die Kinder ihre eigenen Wege gehen und ihre eigenen Ziele finden lässt

Am 4.September beginnt für die I-Dötzchen der Ernst des Lebens. Dabei freuen sich die meisten Kinder auf ihren ersten Schultag. Das bestätigt auch Schulpsychologe Günter Waberg. 99 Prozent seiner Klienten verbinden, von ihm darauf angesprochen, mit ihrem ersten Schultag positive Emotionen. Doch was sorgt danach für Schullust und Schulfrust? Darüber sprach ich jetzt mit ihm im Auftrag der  NRZ.

Frage: Hatten Sie Angst vor ihrem ersten Schultag oder haben Sie sich gefreut?

Antwort: Ich habe diesen Tag herbeigesehnt, weil ich den anderen Kindern zeigen wollte, was ich schon kann. Ich hatte meiner ein Jahr älteren Schwester Gisela nämlich schon in ihrem ersten Schuljahr immer über die Schulter geschaut und unter anderem mit Hilfe von Autokennzeichen Buchstaben lesen gelernt. Aber schon bei der ersten Hausaufgabe habe ich auch Schulfrust erlebt. Ich bin nämlich noch zu Ostern eingeschult worden. Damals sollten wir zu Hause auf unsere Schiefertafel ein Osterei malen. Als ich damit fertig wa…

Medien machen noch keine Demokratie: Wie sich der ehemalige Stadtrat und Landtagsabgeordnete Erich Kröhan an den ersten Bundestagswahlkampf erinnert

Der 88-jährige Erich Kröhan gehört zu den Menschen, die sich noch an die erste Bundestagswahl im August 1949 erinnern. Als Stadtrat und Landtagsabgeordneter hat er in den Jahren 1956 bis 1990 nicht nur Politik erlebt, sondern auch selbst mitgestaltet.


Politikverdrossenheit gab es damals nicht. Man hat mehr über Politik und darüber gesprochen, wie es weitergehen könnte, als heute. Es war selbstverständlicher, dass man auch am Arbeitsplatz oder abends beim Bier in der Kneipe Kollegen, Freunde oder Nachbarn von seinem politischen Standpunkt überzeugen wollte, erinnert sich Kröhan an den ersten Bundestagswahlkampf 1949.

Es gab so etwas, wie eine Aufbruchstimmung. Man spürte, dass es aufwärts ging. Und vor allem in der Arbeitnehmerschaft war der Wille groß, den neuen Staat politisch mitzugestalten, denn die Arbeitnehmer sollten nie wieder unter den Stiefel geraten, beschreibt er den damaligen Zeitgeist.

In seiner Rückschau war es die Spannung zwischen dem bereits Erreichten, neue Wohnungen…

Reif für die Insel? Warum brauchen wir Urlaub, finden aber in unseren Ferien oft doch keine Erholung Ein Gespräch mit der Reisekauffrau Marion Spree und mit der Psychologin Brigitte Vahsen

Der Volksmund spricht von den schönsten Wochen des Jahres. Die einen haben ihn schon hinter sich. Die anderen freuen sich noch darauf. Und wieder andere können sich ihn finanziell gar nicht leisten. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) hat sich ein Sechstel der Deutschen im Urlaub gar nicht oder nur schlecht erholt. Und nach Angaben des statistischen Bundesamtes können sich 25 Prozent der Deutschen und 47 Prozent der Alleinerziehenden aus finanziellen Gründen gar keinen Urlaub leisten.


Worin liegt eigentlich der Wert des Urlaubs und warum hält er für viele nicht, was er verspricht und was kann man als urlaubsreifer Mensch mit kleinem Geldbeutel tun? Darüber sprach ich im Auftrag der NRZ mit der Dümptener Reisekauffrau Marion Spree und mit der Psychologin Brigitte Vahsen (siehe unten).

Frage: Warum sind wir Deutschen statistisch gesehen Reiseweltmeister?

Antwort: Das hat wohl unterschiedliche Gründe. Die meisten Menschen wollen mal ausspanne…