Freitag, 23. Juni 2017

Gemeinsam singen und Menschen Freude bringen

Der Frohsinn bei seinem Jubiläumsauftritt im Bürgergarten
"Unser Lied soll in den Tag hinein klingen und den Menschen Freude bringen" Das Lied, mit dem die aktuell 23 Herrn des Männergesangvereins Frohsinn die Jubiläumsmatinee im Bürgergarten eröffneten, ist das Programm des ältesten Mülheimer Chores.
Auch Solist Henry Görke besang in seinem Beitrag die Flügel, die der Gesang verleiht. Und Oberbürgermeister Ulrich Scholten gratulierte der Frohsinnfamilie mit dem Hinweis, "dass Sie alle wesentlichen Stationen der Mülheimer Stadtgeschichte musikalisch begleitet haben." Mit Blick in die ungewisse Zukunft des Chores stellte der OB fest; "Der Chorgesang bleibt aktuell, weil man Lieder nicht für sich selbst, sonder für alle singt!"

165 Jahre Frohsinn


Tatsächlich. Wer in die 165 Jahre Frohsinn schaut, wird den Namen des Männerchores immer wieder finden, wenn es in Mülheim etwas zu feiern gab. 1902 wurde zur Eröffnung des Amtsgerichtes, 1909 zur Eröffnung des Bismarckturms, 1911 zur Eröffnung der Schloßbrücke und 1926 zur Eröffnung der Stadthalle gesungen. Auch bei der Wiedereröffnung der Stadthalle (1957) und bei ihrem 90. Geburtstag traten die Herrn des Frohsinns in Aktion.

Der Chorvorsitzende des Frohsinns, Horst Stemmer, bekannte sich in seinem Grußwort "zur Pflege des klassischen Liedgutes" und "zum familiären und geselligen Charakter unserer Gemeinschaft."

Der älteste Mülheimer Chor wurde in der Silvesternacht 1851/52 aus der Taufe gehoben. Den Anfang machten 35 Sangesfreunde. Zum 100. Geburtstag zählte der Frohsinn 1952 180 Chorbrüder. Die erfolgreiche Teilnahme an Bundessängerfesten findet sich in seinen Analen ebenso, wie Konzerte mit Ivan Rebroff und Rene Kollo oder Gast-Auftritte bei den Bundespräsidenten Karl Carsten, Richard von Weizsäcker und Horst Köhler.

Der Frohsinn wird seit 32 Jahren von seinem Dirigenten Stephan Kassel musikalisch geleitet und begleitet. Geprobt wird montags um 19 Uhr im Bürgergarten an der Aktienstraße 80. Neue Chorbrüder sind immer herzlich willkommen.

Dieser Text erschien am 12. Juni 2017 in NRZ, WAZ und Mülheimer Woche

Donnerstag, 22. Juni 2017

Leute, lasst es euch schmecken

Ich habe einen an der Waffel. An heißen Sommertagen wie diesen soll das ja mal vorkommen. Doch es war nicht die Hitze, die meine Sinne betrübte, sondern die Tatsache, dass der Ofen aus ist.
Nicht für mich. Aber doch für eine Lokalität mit dem schönen Namen „Wunderwaffel“. Der Name war Programm. Denn die Waffeln dort schmeckten einfach wunderbar. Das sahen offensichtlich viele Mülheimer so, die dort ein- und ausgingen. Schon war ich geneigt, von einem Wirtschafts-Waffel-Wunder an der von Ladenleerständen gezeichneten Schloßstraße zu sprechen. Doch jetzt hat sich das Waffel-Wunderland an der Schloßstraße wieder in einen Ladenleerstand verwandelt.
An mir und anderen Innenstadtbewohnern kann es nicht gelegen haben. Doch am Ende haben wir mit Rücksicht auf unsere Waage vielleicht doch zu wenige Waffeln vernascht. Höchste Zeit, mal wieder ein Eis zu essen oder einen Kaffee zu trinken, damit sich die Eisdiele und die Cafés an der Schloßstraße nicht auch noch in einen Ladenleerstand verwandeln. Jeder muss seinen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leisten.
Dieser Text erschien am 20. Juni 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 21. Juni 2017

Macrons Kandidaten siegt auch in der französischen Partnerstadt Tours




Das Tourainer Stadtwappen
Die französische Partnerstadt Tours, mit der Mülheim seit 1962 verbunden ist, bekommt erstmals eine deutsch-französische Parlamentsabgeordnete.
Wie Eliane Lebret vom Vorstand der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Tours mitteilt, hat die deutsch-französische Unternehmerin Sabine Thillaye (58) mit 58:42 Prozent der Stimmen am vergangenen Sonntag die entscheidende Stichwahl gegen den konservativen Republikaner Fabrice Boigard gewonnen.
Thillaye, die bisher noch kein politisches Mandat inne hatte, wird damit als Abgeordnete der neuen Präsidentenpartei La République en Marche in die Pariser Nationalversammlung einziehen. Auch der zweite Tourainer Wahlkreis ging bei der Stichwahl an einen Kandidaten der neuen Präsidentenpartei von Emmanuel Macron. Hier siegte der 53-jährige Arzt und ehemalige sozialistische Gemeinderat Philippe Chalumeau mit einem Stimmenanteil von 54:46 Prozent der Stimmen über den Sozialisten Jean Patrick Gille. Mit 40 bis 43 Prozent bewegte sich die Wahlbeteiligung in den beiden Tourainer Wahlkreisen im niedrigen Landesdurchschnitt.
Wie erklärt sich der Wahlsieg von La République en Marche? Eliane Lebret formuliert es so: „Ich glaube, die meistens Wählerinnen und Wähler hatten eine Politik satt, die von lebenslang aktiven Berufspolitikern gemacht wurde und die von unaufhörlichen Konflikten und von Affären geprägt war. Die Franzosen sind bereit, so hoffe ich, Kompromisse zu machen, um ihr Land zu bewegen und die nötigen Reformen endlich in Gang zu setzen.“
In diesem Sinne beschreibt Lebret die Politik der siegreichen En-Marche-Kandidaten so: „Sie stehen für Respekt gegenüber ihren politischen Gegnern, für Europa und die internationalen Beziehungen, für eine bestimmte Freiheit in der Wirtschaft, aber auch für ein Minimum an ­staatlichem Schutz. Sie verstehen sich vor allem nicht als rechts oder links.“

Dieser Text erschien am 20. Juni 2017 in NRZ & WAZ

Dienstag, 20. Juni 2017

Ein flotter Dreier macht in Styrum Schule und sorgt für ganzheitliche Quartiersentwicklung

In der Mitte sehen wir von links nach rechts: Den Theaterpädagogen
Andreas Petri, Sven Schlötcke (Geschäftsführer des Theaters an der Ruhr)
Willy-Brandt-Schulleiterin Ingrid Lürig und den SWB-Geschäftsführer
Ulf Lennermann (Foto: @Grittner)
Ein Schüler lässt zum Auftakt des Theaterstücks „Götter. Wie die Welt entstand“ 13 Milliarden Jahre Universalgeschichte Revue passieren. Etwa 170 Sechst- und Siebtklässler der Styrumer Willy-Brandt-Schule schauen ihm dabei zu. Im Publikum sitzen auch Sven Schlötcke, der künstlerische Leiter und Geschäftsführer des Theaters an der Ruhr, SWB-Geschäftsführer Ulf Lennermann und Willy-Brandt-Schulleiterin Ingrid Lürig.
Abseits der Inszenierung macht diese Szene deutlich, welchen Lerneffekt aktives Theaterspielen haben kann. Da werden Inhalte erarbeitet und vor einem großen Publikum dargestellt. Das erfordert intellektuelle Disziplin, Konzentration und Rhetorik. Keine Frage. Wer eine solche Aufgabe bewältigt, gewinnt an Selbstbewusstsein und persönlicher Statur.

Poetry Slam in der Talentwerkstatt


Deshalb unterschreiben Theatermann Schlötcke, Schulfrau Lürig und SWB-Mann Lennemann an diesem Tag im Theater am Raffelberg einen zunächst auf drei Jahre angelegten Kooperationsvertrag, der das kreative und kommunikative Element des Theaterspiels ins Schulleben einbringen soll. Theaterpädagoge und Schauspieler Andreas Petri macht es möglich. „Das ist ein Teil unserer sozialen Verantwortung als großes Wohnungsbauunternehmen, dem es vor allem um eine gute Quartiersentwicklung geht. Und dazu gehört aus meiner Sicht auch eine gute Bildungslandschaft“, erklärt SWB-Chef Ulf Lennermann, warum sich sein Unternehmen als Geldgeber und Gastgeber in ungewöhlichen „Spielräumen“ für das Kooperationsprojekt engagiert, bei dem sich Theater und Schule verbinden, um im besten Sinne Synergie-Effekte zu erzielen. So ermöglich die SWB am 8. Juni (18 Uhr) einen Poetry-Slam-Abend in der gleich neben der Willy-Brandt-Schule gelegenen Talentwerkstatt.

Berührungsängste abbauen


„Schüler nehmen Eltern mit ins Theater, die sonst vielleicht nie ein Theater besuchen würden und bauen so Berührungsängste gegenüber der Kultur ab. Schüler und Lehrer können nicht nur im Deutsch-Unterricht, sondern auch in unserem Fach Darstellen und Gestalten von der Zusammenarbeit mit dem Theater an der Ruhr profitieren“, beschreibt Schulleiterin Ingrid Lürig den pädagogischen Mehrwert des Projektes. Theatermann Sven Schötcke sieht die Zusammenarbeit als einen Beitrag zur sozialen und kulturellen Netzwerkbildung vor Ort. Er unterstreicht: „Wenn Jugendliche durch das Theaterspielen in eine andere Rolle schlüpfen und die Welt damit durch andere Augen sehen, erfahren sie ästhetische und kulturelle Bildung, die eine Anstiftung zur Freigeisterei darstellt.“ 

Dieser Text erschien am 17. Juni 2017 in der Mülheimer Woche

Montag, 19. Juni 2017

Der Dümptener Hof im Wandel der Zeit: Ein Zeitsprung an der Mellinghofer Straße

Das Gasthaus Wilhelm Kneisel um 1900
Archivfoto Sammlung Udo Richter
Mit einem Foto aus dem historischen Mülheim-Kalender von Udo Richter springen wir  heute zurück ins Jahr 1901. Wir landen an der Ecke Mellinghofer Straße/Grüner Weg und stehen vor der Gaststätte und dem Hotel des Viehhändlers und Gastwirts Heinrich Kneisel. Später wird dieses gastliche Haus auch unter dem Namen Zur guten Quelle firmieren.

Heute speisen und logieren Gäste hier, an der Mellinghofer Straße 319, im Dümptener Hof. Das Hotel und Gasthaus wurde zwischen 1934 und 2016 von der Familie Bleckmann geführt. Sie ersetzte den Altbau Mitte der 70er Jahre durch den heutigen Neubau. 
Seit dem vergangenen Jahr ist Nader Movasaghi Inhaber des traditionsreichen Hauses. Sein Hotel bietet unter anderem 18 Gästezimmer.

Als die historische Aufnahme aus der Sammlung Udo Richters entstand, bestimmten noch Landwirtschaft und Bergbau das Bild im damals eher ländlich geprägten Dümpten.

Dass die Dümptener ihren Stadtteil bis heute als Königreich bezeichnen, hat mit den Jahren 1904 bis 1910 zu tun, als Dümpten eine von Paul Beuther geführte eigenständige Bürgermeisterei war.  Das Alte Bürgermeisteramt an der Mellinghofer Straße 275 und das ehemalige Kaiserliche Postamt an der Mellinghofer Straße 261 sind Zeitzeugen dieser Epoche.

Heute sind es ein knapp 400 Mitglieder zählender Bürgerverein, der 1960 gegründet wurde und Bürgerverein und die über 100 Mitglieder zählende, 1996 gegründete, Werbegemeinschaft Wir im Königreich, die das Wir-Gefühl im Stadtteil pflegen.


Dieser Text erschien am 19. Juni 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 18. Juni 2017

"Meine Pflegerin und ich haben bald Silberhochzeit: Ein Firmenjubiläum im Zeichen des demografischen Wandels

"Familienfoto" zum Firmengeburtstag: Andrea und Martin Behmenburg (rechts
Felicitas und Justus Behmenburg mit Autorin Gudrun Heyder  (Mitte)
und Peter Behmenburgmit Kathrin Zimmermann (links)
Pflege Zuhause. Der Firmenname ist seit 25 Jahren Programm. Martin und Andrea Behmenburg staunen selbst, wie sich ihr ambulanter Pflegedienst im letzten Vierteljahrhundert entwickelt hat. „Wir haben zu zweit in unserer Wohnung an der Wallstraße begonnen und heute beschäftigen wir mit unserem Dienst 80 Mitarbeiter und pflegen rund 270 Patienten“, beschreiben die beiden gelernten Krankenpflegekräfte den Wandel ihres Unternehmens.
Dieser Wandel ist Ausdruck des demografischen Wandels. Unsere Stadt wird immer älter. Schon heute ist jeder dritte Mülheimer über 60. Nur einer von stadtweit 30 ambulanten Pflegediensten, die es heute in Mülheim gibt, existiert noch länger als Pflege Zuhause. „Damals gingen die Leute noch viel früher ins Altenheim oder wurde von Gemeindeschwestern und Sozialstationen der Wohlfahrtsverbände betreut. Heute wollen die meisten Menschen so lange, wie möglich zuhause leben und das ermöglichen wir ihnen mit unseren Dienstleistungen“, beschreibt Martin Behmenburg das veränderte Anforderungsprofil für einen ambulanten Pflegedienst. „Neben Medikamentengabe, Behandlungspflege, Wundversorgung und sozialer Betreuung gehören auch Angebote der hauswirtschaftlichen Assistenz dazu“, ergänzt seine Frau Andrea.

Die nächste Generation arbeitet schon mit


Inzwischen arbeiten auch ihre Kinder Felicitas und Justus als Pflegedienstleiter mit im ambulanten Pflegedienst, der ab August auch eine ambulante Tagespflege anbieten wird. Seine großzügigen Räumlichkeiten, gleich gegenüber dem Flughafen, an der Brunshofstraße gelegen, machen diese Erweiterung möglich. Nach der Wallstraße, der Honigsbergerstraße und dem Sunderplatz ist das Haus an der Brunshofstraße 6 bis 8 inzwischen der vierte Firmensitz des Pflegedienstes. „Wir mussten 2013 umziehen, nach dem uns unser Mietvertrag am Sunderplatz gekündigt worden war. Aber inzwischen hat sich der Ortswechsel für uns als Glücksfall erwiesen“, sagt Andrea Behmenburg,
Neben ihr und ihrem Mann gehören auch Kathrin Zimmermann und Martins Bruder Peter Behmenburg als Sozialarbeiter zur Start- und Stammbesatzung des 1992 gegründeten Pflegedienstes. Sie stehen für den Sozialdienst, der niederschwellige Treffen für dementiell veränderte Patienten anbietet und Pflegebedürftige sowie ihre Angehörigen berät, wenn es um die Feststellung des Pflegebedarfs und den Erwerb eines Pflegegrades geht, von dem die finanzielle Unterstützung durch die Pflegeversicherung abhängig ist.

„Es geht für uns darum, die zu leistende Pflegearbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen und neben den Angehörigen auch Nachbarn ins das Netzwerk der Helfer einzubeziehen, damit niemand überfordert wird“, unterstreicht Peter Behmenburg. In diesem Zusammenhang weist sein Bruder Martin darauf hin, „dass etwa 80 Prozent der Menschen, die wir in der ambulanten Pflege betreuen, auch von pflegenden Angehörigen durch den Alltag begleitet werden und ihnen so ermöglichen, zuhause und nicht im Altenheim leben zu müssen.“

Starke Biografien


Die Journalistin Gudrun Heyder hat den Pflegedienst der Behmenburgs ein Jahr begleitet und dabei mit Mitarbeitern und Patienten gesprochen, um für die Jubiläums-Broschüre der Behmenburgs lesenswerte Portraits zu schreiben. Wer in ihrer rund 170 Seiten starken Broschüre, die von Walter Schernstein mit aussagekräftigen Fotografien und durch ein lesefreundliches, von Kathrin Zimmermann gestaltetes, Buch Sätze liest, wie: „Der Kontakt zu Menschen ist mein Ding!“ – „Am schönsten ist das freie und selbstverantwortliche Arbeiten!“ – 

Vertrauen, das Flügel verleiht"


„Unser gegenseitiges Vertrauen verleiht mir Flügel“ oder: „Meine Pflegerin und ich haben bald ‚Silberhochzeit‘“, begreift den Kern dessen, was ambulante Pflege in Zeiten des demografischen Wandels leisten kann und leisten muss. Zu eben diesem demografischen Wandel gehört es aber auch, wie Martin Behmenburg erzählt, „dass wir heute Mitarbeiter aus aller Herren Länder haben und immer mehr junge Zuwanderer die ambulante Pflege als Ausbildungsberuf für sich entdecken.“

Dieser Text erschien am 23. Mai 2017 in der Mülheimer Woche

Samstag, 17. Juni 2017

Der Tatkräftige: Als Platzwart beim HTC Uhlenhorst ist Peter Adamczyk als Techniker, Handwerker, Gärtner und Mensch gefordert

Peter Adamczyk

In seinem früheren Berufsleben war Peter Adamczyk Elektriker und Hochspannungstechniker. Der 56-jährige Familienvater hat bei Stadtwerken gearbeitet, im Bergbau und später für eine private Elektrofirma.

Die schickte ihn im Jahr 2000 zum HTC Uhlenhorst. „Hier war viel zu reparieren. Fast der gesamte Maschinenpark und einige Versorgungsleitungen waren defekt“, erinnert sich Adamczyk.

Er ging ans Werk und begeisterte seine Auftraggeber mit seinem Elan so sehr, dass sie ihm ein Angebot machten. Er sollte Platzwart werden und damit zuständig für alle technischen, handwerklichen und gärtnerischen Arbeiten auf einer 35 000 Quadratmeter großen Anlage.

„Erst hatte ich Angst und habe mir gedacht, dass wird zu viel Arbeit für mich. Doch dann hat mich die Aufgabe gereizt, zumal ich mich damals neu orientieren wollte“, erzählt Adamcyk.
Unterwegs zu sein und zu neuen Ufern aufzubrechen, war für ihn nichts neues. Der 1961 als Sohn einer deutschstämmigen Familie im oberschlesischen Kattowitz geborene Adamczyk, kam in den 80er Jahren aus Oberschlesien ins Ruhrgebiet. „Hier lebten bereits einige meiner Verwandten und ich sah mehr Lebensperspektiven, als in meiner polnischen Heimat“, erinnert sich der Platzwart des HTCs. Mit seinem  dicken Schlüsselbund und wachen Augen, streift der Mann in festem Schuhwerk und grauer Latzhose, fast, wie ein Hausmeister über das Vereinsgelände.

Bäume, Wiesen und Sträucher, zwei Kunstrasenplätze für die Hockey-Damen und Herrn, zwölf Ascheplätze, eine Tennis- und eine Hockey-Halle und ein Clubhaus mit Außengastronomie lassen den Uhlen-Park wie ein Paradies für sportive Naturliebhaber erscheinen. Darauf angesprochen, lacht Adamczyk und meint: „Die Idylle und das Vergnügen der anderen ist meine Arbeit.“

Die Plätze müssen regelmäßig gewässert und gereinigt werden, damit sich keiner der Sportler aus den 40 HTC-Teams beim Training oder beim Spiel verletzt. Große Flächen kann er mit einer speziellen Kehrmaschine bearbeiten, die wie ein klobiger Golfcaddy anmutet. Doch wenn es um Sauberkeit und den Grünschnitt am Rade der Gehwege, Sportplätze und Zuschauertribünen geht, greift der Platzwart auch zur Heckenschere, zum Kehrblech und zum Besen.

Wer den HTC-Platzwart während seines Arbeitstages, der um 7.30 Uhr beginnt und um 16 Uhr endet, begleitet, erlebt keinen Leerlauf. Die Arbeit eines Platzwartes erinnert zuweilen an König Sisyphos. Die Arbeit endet nie. Hier müssen Baumäste beschnitten werden, die  auf den Hockey-Platz hinüberragen. Dort muss die Tür in einem Umkleideraum repariert und an anderer Stelle eine LED-Leuchte ausgewechselt und eine Abwasserleitung wieder instandgesetzt werden.

Die Tribüne braucht einen neuen Anstrich. Die Wasserdüsen und Pumpwerke, die die Tennis- und Hockey-Plätze mit jährlich 7000 Kubikliter Wasser  anfeuchten und so bespielbar halten müssen gesteuert und gewartet werden. Mit Schrecken erinnert sich  Adamczyk an eine Europa-Cup-Woche mit Dauerregen, „als wir uns von der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft entsprechende Spezialmaschinen ausleihen mussten um 7000 Quadratmeter Kunstrasenplatz wieder trocken zu bekommen.“

Wenn Adamczyk von „Wir“ spricht, dann meint er seinen Kollegen Achim Siedler, der den Mann für alle Fälle unterstützt und in Urlaubszeiten vertritt. Denn im Sommer gönnt sich der Platzwart mit Ehefrau Margarete eine dreiwöchige Auszeit, um Verwandte in Polen zu besuchen oder auf Mallorca am Strand die Seele baumeln zu lassen. Und nach Feierabend sind Margarete und Peter Adamczyk am liebsten als Spaziergänger oder als Radfahrer unterwegs.

„Das ist schon viel Arbeit“, sagt Platzwart Adamcyk mit Blick auf seinen vielseitigen und verantwortungsvollen Beruf, der den ganzen Mann fordert. Doch den Wechsel vom Elektriker zum technischen, gärtnerischen und handwerklichen Allrounder des HTC Uhlenhorst“, hat der 56-Jährige nie bereut. „Früher hatte ich nur mit Maschinen zu tun, heute habe ich auch viel mit Menschen zu tun und wenn ich die Begeisterung sehe, mit der vor allem Kinder und Jugendliche hier ihren Sport betreiben, weiß ich, dass sich mein Einsatz lohnt“, sagt Adamczyk.

Dieser Text erschien am 17. Juni 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung