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Mölmsche Herberge

Bisher kannte ich nur Designer-Uhren und Mode-Designer. Doch jetzt erweiterte unsere Zeitung meinen Horizont, indem sie über ein geplantes Designerhotel an der unteren Schloßstraße berichtete. Das soll sich, wie man lesen konnte, an das Ortsbild anpassen. So mancher Mülheimer fragt sich angesichts von Leerständen und marodem Straßenpflaster, ob das eine Verheißung oder eine Drohung ist.
Das neue im alten Hotel erinnert uns daran, dass das schönste Hotel nur dann zur gastlichen Herberge werden kann, wenn das Umfeld und der Ausblick aus dem Fenster stimmen. Bevor die ersten Gäste im neuen Designerhotel an der Schloßstraße einchecken, muss sich erstmal das Design der Innenstadt ändern, damit die Gäste nicht nur ins Hotel kommen, sondern gerne auch auf die Straße gehen, um dort den ein oder anderen Euro in den Mülheimer Wirtschaftskreislauf einzuspeisen. Denn nur eine einladende Innenstadt bringt auch zahlende Gäste und Besucher auf den Geschmack und damit in die Hotels, Gaststätten und …
Letzte Posts

Pflegefall Mülheim

„Ich dachte ich sei systemrelevant“, klagt mir ein Mülheimer Krankenpfleger sein Leid als Parksünder. Weil er sein Auto länger als die Polizei, pardon das Ordnungsamt erlaubt, auf dem Parkplatz an der Stadthalle abgestellt hatte, muss er jetzt ein Bußgeld von 20€ bezahlen. Trotz seiner in diesen Coronatagen viel und zu Recht gelobten systemrelevanten Arbeit, gab ihm die ihm in diesem Fall alles andere als sympathische Stadt an der Ruhr keinen Bonus auf sein Bußgeld. Denn weil die an vielen Stellen kränkelnde der Stadt am Fluss finanziell am Stock geht und deshalb viel zu viel den Bach runtergeht, müssen auch systemrelevante Stützen der Stadtgesellschaft ganz systemrelevanter als ihnen lieb ist, nicht nur mit ihrer Arbeitstugenden sondern auch als Parksünder gebührenpflichtig die leeren Kassen Stadt pflegen und auffüllen. Man sieht: Die pflegebedürftige Stadt lebt nicht nur von den Tugenden , sondern auch von den kleinen und großen Lastern ihrer Bürger. Die würden den ein oder anderen…

Spielend gelernt

Als ich jetzt die aussagekräftige Themenseite über den Mülheimer Kaufhof las, erinnerte ich mich an meinen Großvater. Er kaufte seinem kleinen Enkel im Kaufhof der siebziger Jahre ein schickes Kettcar mit Gangschaltung. Was mich als Junge beeindruckte, war das Selbstbewusstsein, mit dem mein Großvater gegenüber den Verkäufern in der üppigen Spielzeugabteilung auftrat, in der für mich viele unbezahlbare und deshalb unerreichbare Kinderträume lockten. „Machen Sie mal den Weg frei, damit mein Enkel mal eine Proberunde fahren kann, ehe wir das Kettcar kaufen“, ließ mein Großvater die etwas indignierten und unwilligen Verkäufer wissen. Auch wenn sich mein Großvater bei den Kaufhof-Mitarbeitern mit seinem forschen Appell nicht beliebt machte, konnten sie sich angesichts ihrer Umsatzaussichten, eben diesem doch nicht entziehen. So kamen die Dinge in Bewegung und der Weg für die Erfüllung meines Kindertraums auf vier Rädern wurde frei gemacht. Damals wurde mir klar, dass man im Leben nur mit…

Als die Spanische Grippe Mülheim lähmte

Was für uns heute das Corona-Virus, war für die Mülheimer im Herbst 1918 die Spanische Grippe, die bis 1920 weltweit 50 Millionen und in Deutschland etwa 500.000 Menschen zum Opfer fielen. Schaut man, wie jetzt Stadtarchivar Jens Roepstorff, in die Mülheimer Lokalpresse der letzten Tage des Ersten Weltkrieges, so stößt man auf den Hinweis, „dass sich das Gespenst Spanischen Grippe auch in Mülheim breit macht.“ Nicht nur mit Blick auf das Ruhrgebiet attestiert der Generalanzeiger, dass sich die Menschen „in einer schwer zu beschreibenden Seelenverfassung sind.“ Das Ausmaß, das die Spanische Grippe auch in unserer Stadt im Herbst 1918 angenommen hatte, machte der Generalanzeiger unter anderem an den überfüllten Wartezimmern der örtlichen Ärzte fest.

Wie heute das Corona-Virus führte damals die Spanische Grippe auch in Mülheim zu Schulschließungen, aber auch zur Ausdünnung von Zugfahrplänen, weil immer mehr Schüler, Lehrer und Eisenbahnbedienstete an der Spanischen Grippe erkrankt waren. …

Der Mensch hinter der Maske

Seit Gottfried Keller anno 1874 seine gleichnamige Novelle niederschrieb, wissen wir: „Kleider machen Leute.“ So wie Gottfried Kellers Schneidergesellen Wenzel Strapinski, der aufgrund seiner vornehmen Erscheinung für einen polnischen Grafen gehalten wurde, führte auch der straffällige Schuster Wilhelm Voigt dank einer Uniform seine militär- und autoritätsgläubigen Landsleute anno 1906 als Hauptmann von Köpenick an der Nase herum.


Immer noch gibt es Menschen, die Krawatten- und Anzugträgern auf den ersten Blick mehr Seriosität und Kompetenz zutrauen als jenen Mitmenschen, die in Jeans, T-Shirt oder Blaumann daherkommen. Doch auch hier hat das Corona-Virusdie allgemeine Kleiderordnung radikal auf links gedreht. Wurden Masken bisher nur als Kostüm im Karneval, als Vermummung bei einer Demonstration oder auch als Sccutzverband im Sport genutzt, ist sie heute ein allgegenwärtiges Accessoire. Heute, da das Corona-Virus das Maskentragen zur ersten Bürgerpflicht in Sachen Gesundheitsschutz ge…

In Memoriam Norbert Blüm

Einsichten eines politischen Christenmenschen


Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm gab auf Einladung des Medienforums und der Pax-Bank seine reichen Lebenserfahrungen weiter


Essen. Es lohnt sich Rentnern zuzuhören. Vor allem dann, wenn Sie ihre Lebenserfahrungen, so wie der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (82) so geistreich und pointiert vortragen können, dass es für die Zuhörer erbaulich und unterhaltsam zugleich sein kann.


Mit einer Mischung aus Lesung und Gespräch fesselten Norbert Blüm und Moderatorin Vera Steinkamp die vom Medienforum des Bistums und von der Pax-Bank eingeladenen Zuhörer in der fast vollbesetzen Aula des Generalvikariates.


Da erfuhr man nicht nur, dass Norbert Blüm seit 30 Jahren Mitglied von Borussia Dortmund ist und sich auch eine Berufskarriere als Kapitän hätte vorstellen können. Man spürte in seinen spontanen Erzählungen und in den Lektionen aus seinem Vermächtnis-Buch: „Verändert die Welt, aber zerstört sie nicht“, dass da nicht nur …

Als die Stadt in Trümmern lag

Als die Amerikaner am 11. April 1945 mit ihrem Einmarsch den Zweiten Weltkrieg beendeten, lag der damals 17-jährige Mülheimer Horst Heckmann, weit ab seiner Heimat, in einem mecklenburgischen Lazarett und kurierte dort Fußverletzungen aus, die er sich durch das Marschieren in seinen viel zu kleinen Wehrmachtsstiefeln zugezogen hatte. „Das war mein großes Glück. Denn wäre ich bei meiner Einheit geblieben, die an der Oder von der Roten Armee vollständig vernichtet worden ist, hätte ich den Krieg nicht überlebt“, erinnert sich Heckmann. Nach seiner Entlassung aus dem Lazarett meldete er sich nicht, wie befohlen, bei der nächsten Wehrmachtsdienststelle, sondern beging mit zwei Kameraden Fahnenflucht und schlug sich zu Fuß und im Gefolge von ostpreußischen Flüchtlingstrecks gen Westen durch.
Südlich von Schwerin gingen Heckmann und seine Kameraden in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurden später von den Briten übernommen. Nach einer Zwischenstation in Schleswig-Holstein und im ber…