Samstag, 16. Januar 2021

Mülheim zu Kaisers Zeiten

 Mit der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. im Schloss von Versailles wurde vor 150 Jahren der erste deutsche Nationalstaat aus der Taufe gehoben. Zwei Jahre später stellten die Mülheimer auf ihrem Rathausmarkt ein Denkmal auf, das den gefallenen Mülheimer Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) gewidmet war. Heute steht das alte Kriegerdenkmal am Wilhelmplatz zwischen Wilhelmstraße und Dohne. Etwa 30 Mülheimer mussten als Soldaten in diesem Krieg ihr Leben für die von Otto von Bismarck militärisch herbeigeführte Einigung mit ihrem Leben bezahlen. Doch auch dieser Blutzoll änderte nichts daran, dass auch die Mülheimer Lokalpresse den ersten Reichskanzler Otto von Bismarck bei jeder sich bietenden Gelegenheit als nationalen Heilsbringer feierte.

Die Mülheimer Bismarck-Begeisterung, die Teil eines übersteigerten deutschen Nationalismus war kam unter anderem darin zum Ausdruck, dass der Eiserne Kanzler 1895 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt und postum 1909 mit der Errichtung des Bismarckturms an der gleichnamigen Straße geehrt wurde. Mülheimer Straßennamen, wie Kaiser-Wilhelm-Straße, Kaiserstraße, Kaiser-Wilhelm-Platz Friedrichstraße, Goebenstraße, Zastrowstraße, Moltkestraße oder Sedanstraße erinnern bis heute im Vorbeigehen an die Zeit des Kaiserreichs und an dessen Monarchen und Generäle. Mit dem Sedanstag (2. September) feierten auch die Mülheimer den Tag der entscheidenden Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges als nationalen Feiertag. Ebenfalls als Nationalfeiertage wurden die Geburtstage der jeweils amtierenden Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. gefeiert.

Das vor 150 Jahren gegründete Kaiserreich war auch für Mülheim eine von der Industrialisierung geprägte dynamische Epoche. Ab 1871 wurde im Styrumer Thyssen-Werk Eisen verarbeitet. Mülheim bekam ab 1880 seine Ruhranlagen, in denen Statuen von General Moltke, Preußens Königin Luise und Reichskanzler Bismarck grüßten. 3000 Bergleute fanden auf den örtlichen Zechen Wiesche, Humboldt und Rosenblumendelle Arbeit und Lohn.

Mülheim bekam mit Hilfe des 1879 vom Bürgermeister Karl von Bock gegründeten Verschönerungsvereins ab 1880 seine schönen Ruhranlagen, eine Volksbücherei (1883), einen Straßenbahnanschluss (1897), ein Amtsgericht (1902), ein Solbad mit Park am Raffelberg (1909), eine ebenfalls am Raffelberg gebaute Trapprennbahn (1910), die erste Schloßbrücke (1911), ein Stadtbad (1912) und ein Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung (1914). Auch das heutige Rathaus wurde, trotz des bereits begonnen Ersten Weltkrieges noch während des Kaiserreiches (1916) fertiggestellt.
 

Mülheim wurde Großstadt

Der ab 1904 regierende nationalliberale Oberbürgermeister Paul Lembke machte Mülheim in seiner bis 1928 dauernden Amtszeit zur Großstadt und wurde als Dank dafür am Ende seiner Amtszeit zum Mülheimer Ehrenbürger ernannt. Heute erinnert auch eine Lembkestraße am Kahlenberg an das tatkräftige Stadtoberhaupt der Kaiserzeit. Aufgrund seiner geschickten Eingemeindungspolitik hatte Mülheim 1908 die 100.000-Einwohner-Grenze zur Großstadt überschritten. Industrielle wie August Thyssen und Hugo Stinnes waren im Mülheim der Kaiserzeit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch tonangebend. Denn das damals geltende preußische Drei-Klassen-Wahlrecht billigte ihnen als Spitzensteuerzahlern der Stadt in der ersten Steuer- und Wählerklasse ein Drittel der Stimmen zu, genauso viele wie den 75% der Mülheimer, die aufgrund ihrer geringen Steuerlast in der dritten Wähler- und Steuerzahler-Gruppe landeten. Kein Wunder, dass die Mülheimer Kommunalpolitik des Kaiserreiches vor allem von wirtschaftsfreundlichen Konservativen und Liberalen und nicht, wie später, von den Sozialdemokraten dominiert wurde. Hinzu kam. dass die Mülheimerinnen während des Kaiserreiches kein Wahlrecht hatten und auch Gewerkschaften und Streiks als illegal betrachtet wurden und deshalb von der Polizei, die sich als des Kaisers Stellvertreter auf der Straße sah, verfolgt und niedergeschlagen werden.

Ab 1899 Garnisonsstadt

Besonders stolz waren die Mülheimer der Kaiserzeit, dass ihre Stadt 1899 durch den Einzug des Infanterieregiments 159 eine florierende Garnisonsstadt wurde, So wie das Kaiserreich begonnen hatte, endete es auch im Herbst 1918, mit einem Krieg. "Gott segne die deutschen Waffen" hatte die Mülheimer Zeitung nach dem Kriegsbeginn im August 1914 getitelt. Vier Jahre später waren 3500 Mülheimer an den Fronten des Ersten Weltkrieges getötet. Mit dem Kriegsende wurde aus dem Kaiserreich eine Republik. Die Überlebenden des Infanterieregimentes 159 kehrten im Dezember 1918 in ihre Kaserne an der Kaiserstraße zurück und die Mülheimer Zeitung ersetzte den Kaiseradler in ihrem Titelkopf  durch das Mülheimer Stadtwappen. Die seit 1872 erscheinende Mülheimer Zeitung war während des Kaiserreiches ein Verlautbarungsblatt, ohne politische Kommentare. Denn die Presse des Kaiserreiches erschien unter der polizeilichen Nachzensur. Stufte sie einen Bericht als staatsgefährdend, als groben Unfug oder als majestätsbeleidigend ein, drohten dem verantwortlichen Redakteur Geldbußen oder sogar Gefängnis.

Ironie der Geschichte: Wenn heute rechtsextreme Staatsgegner die schwarz-rot-weiße Fahne des Kaiserreiches bei Demonstrationen mit sich führen, ignorieren sie dabei die Tatsache, dass die Verfassung des Kaiserreiches, anders als das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, keine bürgerlichen Grundrechte und deshalb auch keine Demonstrations- und Versammlungsfreiheit kannte.


Dieser Text erschien am 16.01.2020 im Mülheimer Lokalkompass

Freitag, 15. Januar 2021

Gemeinde ist Gemeinschaft

 Am 15. Januar 1971 wurde der Mülheimer Ehrenstadtdechant Manfred von Schwartzenberg in St. Engelbert zum Priester geweiht. Im Gespräch mit der Mülheimer Woche und dem Lokalkompass blickt der 76-Jährige dankbar, aber nicht unkritisch auf sein Leben als Priester und auf seine Kirche.

Was hat Sie bewegt, Priester zu werden?
SCHWARTZENBERG: Das waren Menschen, die mir in ihrer Lebensführung und in ihrer lebendigen Religiosität ein Vorbild waren und die ich deshalb hoch geschätzt habe. Neben meinen Eltern denke da vor allem an meinen Religionslehrer,-an meinen Deutschlehrer und an meinen Musiklehrer. Hinzu kamen großartige Gemeinschaftserlebnisse im katholischen Jugendbund Neudeutschland, in dem man mir Organisations- und Leitungsaufgaben zugetraut hat. Das alles zusammen hat mich dazu gebracht, mich genauer mit den Möglichkeiten eines Berufslebens in der Kirche zu beschäftigen. Auch die Nachwirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, das mit seinen Reformen dafür gesorgt hat, das wir in der katholischen Kirche erwachsen geworden sind, haben mich motiviert, Priester zu werden.

Gab es auch andere Berufswünsch?
SCHWARTZENBERG: In meiner Schule hatten wir eine große Aula, in der oft auch Künstler aufgetreten sind, denen wir dann den Vorhang auf- und zugezogen haben und die wir mit unseren Scheinwerfern ins richtige Licht gesetzt haben. Damals habe ich darüber nachgedacht, Theaterwissenschaft zu studieren. Aber auch die Theologie hat ja ihre theatralischen Momente. Liturgie feiern und Theaterspielen. Das passt gut zusammen.

Was hat Sie als Priester angetrieben?
SCHWARTZENBERG: Musik und Caritas waren immer meine Antriebsfedern. Soziales Engagement, Mitmenschlichkeit und die Gestaltung der Liturgie. Das war mir immer wichtig.

War die priesterliche Pflicht zur Ehelosigkeit für Sie kein Hindernis?
SCHWARTZENBERG: Nein. Ich habe als Priester immer in Gemeinschaft gelebt und mich niemals einsam gefühlt. Das fing schon während der Schul- und Studienzeit an, in der ich einen gemischten Chor geleitet habe. Als Kaplan habe ich dann eine Band gegründet und durch die Jugendarbeit das Skifahren und Segeln gelernt. Als Militärseelsorger habe ich Soldatenwallfahrten nach Lourdes organisiert und in St. Barbara habe ich als Pfarrer mit Leuten aus meiner Gemeinde unter anderem das Nikolaus-Groß-Musical auf die Bühne gebracht. Ich habe 50 glückliche Jahre erleben dürfen, weil ich immer tolle Menschen getroffen habe, mit denen ich zusammen produktiv etwas machen konnte. Das gilt auch für den Einsatz unserer Gemeinde in der Flüchtlingshilfe. Ich kann für all diese menschlich wertvollen Begegnungen und Erfahrungen nur dankbar sein.

Gab es nie einen Moment des Zweifels?
SCHWARTZENBERG : Ich fahre voll auf die Frohe Botschaft des Jesus von Nazareth ab und bin ein Mann der Kirchen, deren soziales Engagement ich sehr bewundere. Aber ich stehe dem kirchlichen Dogmatismus sehr kritisch gegenüber. Was da alles im Laufe der Zeit erfunden worden ist, ist zum Teil wirklich grauenhaft. Da fühle ich mich als vernunftbegabter Mensch nicht ernst genommen. Die wichtigste Erfahrung meines Priesterlebens ist: Das Schlimmste, was es gibt, sind Menschen, die die Wahrheit gepachtet haben und sie anderen aufzwingen wollen. Ich habe als Pfarrer viele gläubige Gemeindemitglieder getroffen, die sich von der Kirche distanziert hatten, weil sie als geschiedene und wiederverheiratete Eheleute nicht an der Heiligen Kommunion teilnehmen durften. Die habe ich zurück in die Kirche geholt, in dem ich ihnen gesagt habe: Schaut euch mal den Jesus von Nazareth an, wie menschlich er den Menschen seiner Zeit begegnet ist und wie er ihnen jenseits aller Gesetze geholfen hat. Denken wir nur an die biblischen Gleichnisse vom verlorenen Sohn oder von der Ehebrecherin. "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!"

Die Kirche ist in einem tiefgreifenden Strukturwandel, den Sie als Pfarrer und Stadtdechant mitgestalten mussten. Wie sehen Sie die Gegenwart und Zukunft Ihrer Kirche?
SCHWARTZENBERG: Ich leide sehr unter den Missbrauchsfällen im Priesteramt. Die haben die Kirche nach unten gezogen und ihre Glaubwürdigkeit beschädigt. Viele sind deshalb ausgetreten. Aber ich werbe dafür, die Kirche nicht aufzugeben, weil Sie für unsere Gesellschaft gut und wichtig ist. Denn sie tritt für soziale Gerechtigkeit ein und gibt den Menschen Gemeinschaft und Halt, ob im Gottesdienst, bei einer Fronleichnamsprozession, beim Gemeindefest oder bei einer Jugendfete. Deshalb hat uns die Coronavirus-Pandemie ins Mark getroffen, weil Gemeinde immer auch Gemeinschaft ist. Die Kirche hat sich immer wieder in kleinen Gemeinschaften erneuert. Und diese Gemeinschaft braucht Menschen, die sich in ihr und für sie engagieren. Das ist das A und O. Ich freue mich aber auch über kreative Menschen, die dieses Corona-bedingte Nicht-Begegnung überbrücken, sei es im Internet oder in dem die Mitarbeitenden der Pfarrbücherei Gemeindemitgliedern Bücher nach Hause bringen. Ich selbst feiere mein Priesterjubiläum am 15. Januar um 19 Uhr mit einem Hausgottesdienst, dem man über die Internetseite unserer Pfarrgemeinde www.barbarakirche.de beitreten kann.

Zur Pfarrgemeinde St. Barbara

Zur Person

Manfred von Schwartzenberg wird 1944 in Essen geboren. Nach dem Abitur am dortigen Burg-Gymnasium studiert er an der Ruhr-Universität Bochum katholische Theologie. Nach seiner Priesterweihe arbeitet er zunächst als Kaplan in Gelsenkirchen-Schalke. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre lernen ihn die Mülheimer als Kaplan von St. Mariae Rosenkranz und als Stadtjugendseelsorger kennen. 1982 beruft ihn der damalige Ruhrbischof Franz Hengsbach zum Militärseelsorger bei der Bundeswehr. 1992 kehrt er als Pfarrer von St. Barbara nach Mülheim zurück und wird ein Jahr später zum Mülheimer Stadtdechanten berufen. Bis 2007 steht er an der Spitze der katholischen Stadtkirche und bis 2019 an der Spitze seiner Pfarrgemeinde St. Barbara. 2018 wird er für sein vielseitiges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Freitag, 1. Januar 2021

100 Jahre Caritas

Seit 100 Jahren machen sich Mitarbeitende des katholischen Sozialverbandes Caritas in Mülheim für Menschen in Not stark. Wie hat sich die Sozialarbeit der Caritas seit 1920 verändert und welche Kontinuitäten gibt es? Ein Gespräch mit die beiden Caritas-Vorständen Regine Arntz und Martina Pattberg.

Was haben die Mitarbeitenden der Caritas im Jahr 2020 noch mit der Gründungsgeneration der Mülheimer Caritas gemein?

Regine Arntz: Heute wie damals gilt für uns das Motto: Der Mensch steht im Mittelpunkt und wir wollen nah bei den Menschen sein. Damals wie heute gibt es viel Not in unserer Stadtgesellschaft. Damals wie heute müssen wir erkennen, dass es administrativ und organisatorisch gut aufgestellte und in der Stadtgesellschaft verankerte Strukturen braucht, um Menschen in Not wirkungsvoll beistehen zu können.

Wie hat sich die Sozialarbeit der Caritas in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Martina Pattberg: Ging es früher vor allem um die Fürsorge, also darum, Menschen in Not Aufgaben aus der Hand zu nehmen und sie damit zu entlasten, geht es heute um aktivierende Sozialarbeit. Wir schauen heute ganz genau hin, welche Ressourcen unsere Klienten haben und wie wir sie zur Hilfe zur Selbsthilfe anleiten können. Die Hilfesuchenden sollen soweit verselbstständigt werden, dass wir als Sozialverband uns langfristig bei ihnen überflüssig machen. Wir haben im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer wieder neue Aufgaben übernommen, etwa die Betreuung der Kinder und Jugendlichen in der Offenen Ganztagsschule, die Sozialarbeit in Mülheimer Schulen, die Integrationsberatung von Zuwanderern sowie die ambulante und stationäre Betreuung von seelisch erkrankten Menschen.

Regine Arntz: Trotz des Lockdowns bleiben alle unsere Beratungsstellen am Start. Sie müssen zurzeit sogar einen steigenden Beratungsbedarf bewältigen. Das gelingt, weil unsere Mitarbeitenden sehr kreativ und motiviert sind. Wir haben unsere Präsenz-Beratung durch telefonische Beratung, Video-Beratung und Beratung to go ersetzt. Letzteres bedeutet, dass sich unsere Mitarbeitenden mit ihren Klienten unter Beachtung der geltenden Coronaschutz-Bestimmungen an der frischen Luft zu einem gemeinsamen Spaziergang verabreden, bei dem dann alle Probleme besprochen werden. Jeder weiß, dass ein Spaziergang an der frischen Luft den Kopf für neue Gedanken und Entscheidungen freimachen kann. Die Caritas-Zentrale an der Hingbergstraße ist zurzeit Corona-bedingt für den Publikumsverkehr geschlossen. Und wir haben inzwischen viele Mitarbeitende der Caritas mit einem Tablet ausgestattet, so dass sie auch Videoberatungen durchführen und Kontakt zu allen Klienten halten können.

"Wir spüren in den Gesprächen eine tiefsitzende Existenzangst"

Mit welchen Fragestellungen wird die Caritas zurzeit konfrontiert?

Martina Pattberg: Wir spüren in den Gesprächen eine tiefsitzende Existenzangst, etwa die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren und dann nicht mehr die laufenden Kosten des eigenen Haushaltes finanzieren zu können. Besonders hart trifft es alleinerziehende Eltern, wenn sie in Kurzarbeit gehen müssen oder ihre Arbeitsstelle ganz verlieren. Da bricht dann gleich alles zusammen, während es in Familien mit zwei Elternteilen vielleicht noch ein Elternteil gibt, der mit seinem Einkommen den Familienunterhalt sicherstellen kann. Besonders hilfsbedürftig sind auch Personen, die zu den sogenannten Risikogruppen gehören, also Menschen über 60, die zum Teil mit mehreren Erkrankungen zu kämpfen haben. Für sie haben wir zum Beispiel ehrenamtliche Helfer mobilisiert, die einen Einkaufsservice anbieten. Wir sind dankbar dafür, dass wir als Arbeitgeber bisher keine Kurzarbeit beantragen mussten. Dafür bekommen wir auch positive Rückmeldungen von den Mitarbeitenden, die erleben, wie durch die Kurzarbeit ihres Partners das Familieneinkommen geschmälert wird.

Wir wirken sich Kirchenaustritte auf die Finanzierung der Caritas aus?

Regine Arntz: Die Kirchenaustritte machen uns große Sorgen. Denn die meisten unserer Hilfsdienste werden durch eine Mischfinanzierung aus Fördermitteln der Stadt, des Landschaftsverbandes Rheinland, des Landes NRW und des Bistums Essen finanziert. Wenn die Austrittswelle anhält und die Kirchensteuereinnahmen des Bistums weiter sinken, kann das für uns bedeuten, dass wir Beratungszeiten einschränken und vielleicht auch ganze Abteilungen und Einrichtungen der Caritas schließen müssen.

Welche Rolle spielt die katholische Konfession heute noch in der Arbeit des katholischen Sozialverbandes Caritas?

Martina Pattberg: Schon vor neun Jahren haben wir mit der interkonfessionellen und interkulturellen Öffnung der Caritas begonnen. Wir haben heute nicht nur katholische und evangelische, sondern auch muslimische oder andersgläubige Mitarbeitende in unseren Reihen. Unsere kostenfreien Beratungen werden allen Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, Religion oder Nation angeboten. Wir erwarten aber von all unseren 240 Mitarbeitenden eine den Menschen wertschätzende Grundhaltung, die mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens vereinbar ist.

Was wünschen Sie der Caritas zu ihrem 100. Geburtstag?

Regine Arntz: Dass sie auch in den kommenden 100 Jahren für das Prinzip der Solidarität mit ihrer Sozialarbeit und mit ihrer Lobbyarbeit für benachteiligte Menschen vor Ort einstehen kann und diese Sozialarbeit immer wieder ausreichend von unseren Geldgebern finanziert werden kann.

STATIONEN DER CARITAS

Der damalige Pfarrer von Sankt Mariae Geburt, Stadtdechant Pastor Konrad Jacobs (1874 bis 1931), war nicht nur Seelsorger, sondern auch Sozialreformer. 1919 kam er als Pfarrer nach Mülheim und gründete im Folgejahr den hiesigen Caritasverband.

Das ehemalige Garnisonslazarett an der Dimbeck, das heute als Seniorenresidenz dient, war das erste Caritas-Zentrum. Es nannte sich Josefshaus und bot ab 1921 jungen unverheirateten Müttern und schwererziehbaren Jugendlichen Zuflucht und Betreuung. Auch die Gründung des Franziskus-Hauses, das zunächst als Waisenhaus und später als Pflegeheim betrieben wurde, geht auf Konrad Jacobs und die Caritas zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich der Caritasverband breiter auf

Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte haben die Mitarbeitenden der Caritas immer wieder neue soziale Arbeitsfelder entdeckt und aufgegriffen. Dazu gehören zum Beispiel Hilfe und Beratung für Suchtkranke und für psychisch erkrankte Menschen, Schwangeren- und Erziehungsberatung, Beratung von Zuwanderern, Familienhilfen und die sozialpädagogische Mitarbeit im Bereich der offenen Ganztagsschule.

Seit 2007 befindet sich das Caritas Zentrum in der ehemaligen Kirche Sankt Raphael an der Hingbergstraße 176. Seit 2007 wird der katholische Sozialverband von einer weiblichen Doppelspitze geführt.

Caritas betreut zurzeit 1872 Kinder und Jugendliche

Im Jubiläumsjahr tragen Regina Arntz und Martina Pattberg als Vorstände die Verantwortung für die vielseitige Sozialarbeit von insgesamt 230 hauptamtlichen und 220 ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Arntz und Padberg stehen in der Tradition von Maria Blasweiler, die 1957 als erste Geschäftsführerin des Caritasverbandes ihr Amt antrat.

Die Caritas betreut zurzeit 1872 Kinder und Jugendliche im Rahmen ihrer Schulsozialarbeit. Außerdem haben in diesem Jahr 225 Kinder und Jugendliche an ihrer Lernförderung teilgenommen.


Dieser Text erschien am 30.12.2020 in NRZ & WAZ


Mittwoch, 30. Dezember 2020

Zwischen Trümmern und Tannenbaum

Weihnachten 1945. 125.000 Mülheimer, unter ihnen 1000 Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands, feiern das Geburtsfest Jesu in einer vom Krieg gezeichneten Stadt. Fast 900.000 Kubikmeter Trümmerschutt sind nach dem Kriegsende im April liegen geblieben. Es wird bis 1953 dauern, ehe die Stadt an der Ruhr wieder trümmerfrei ist.

Weil 29 Prozent der Wohnungen vom Krieg zerstört und weitere beschädigt sind, müssen viele Mülheimer in Kellern, Ruinen, Baracken und in Gemeinschaftsquartieren feiern. „Wir mussten uns die vier Zimmer unserer Wohnung an der Tersteegenstraße mit sieben Leuten teilen“, erinnert sich der 1936 geborene Walter Neuhoff. „Die Weihnachtsgottesdienste auf dem Kirchenhügel konnten nicht in der Petri- und in der Marienkirche gefeiert werden, weil beide Gotteshäuser von Bomben zerstört oder zumindest stark beschädigt waren. Deshalb nutzten die Evangelische Altstadtgemeinde um Pastor Eduard Barnstein und die Pfarrei St. Mariae Geburt um Pfarrer Johannes Heinrichsbauer den Altenhof in ökumenischer Eintracht für ihre Gottesdienste am ersten Weihnachtstag. Um 9 Uhr begann dort der evangelische und um 11.30 Uhr der katholische Gottesdienst. In beiden Fällen waren die Gottesdienste brechend voll“, weiß Neuhoff zu berichten. Weil die Menschen in der Britischen Zone, zu denen auch die Mülheimer gehörten, aufgrund der Ausgangssperre keine Mitternachtsmesse besuchen konnten, hörten viele Mülheimer, wie die Familie Neuhoff, am Heiligen Abend 1945 eine ökumenische Christmette, die mit einer Sondererlaubnis der britischen Militärregierung vom Nordwestdeutschen Rundfunk aus dem vom Krieg gezeichneten Kölner Dom übertragen wurde.


Ökumene war auch bei der vorweihnachtlichen Zubereitung der vom Schwedischen Roten Kreuz und vom Hilfswerk der Quäker finanzierten Schulspeisung angesagt. In der Küche der katholischen Volksschule an der Eduard Straße wurde für die Kinder der benachbarten Evangelischen Volksschule am Muhrenkamp mitgekocht. Erbsensuppe und Biskuitsuppe standen auf dem Speiseplan der Volksschüler. Weil viele Klassenräume vom Krieg zerstört waren, wurden Mülheims Volksschüler ab dem 1. Dezember 1945 in Vor- und Nachmittagsschichten unterrichtet. „Eine Woche hatten wir Früh- und in der nächsten Woche dann Spätunterricht. Auch der Samstag war für uns Schultag“, berichtet Neuhoff, der damals die Evangelische Volksschule am Muhrenkamp besuchte. Ein Glanzlicht der ansonsten vom Hunger und der Lebensmittelrationierung überschatteten Weihnachtszeit 1945 war die Tafel Schokolade, die alle Mülheimer Schüler am Tag vor dem Heiligen Abend von der britischen Militärregierung geschenkt bekamen. Unvergessen bleibt für sein für Walter Neuhoff, dass sein Vater Wilhelm, der als Betriebsarzt bei der Reichsbahn arbeitete, am Heiligen Abend 1945 nicht nur einen Christbaum, sondern auch eine Weihnachtstüte mit Schokoladen und Keksen mitbrachte.


Die britische Armee, die seit Juni 1945 in Mülheim das Sagen hatte und deshalb auch das amtliche Mitteilungsblatt der Stadt herausgab, versuchte die hungernden und vom Krieg traumatisierten Mülheimer etwa mit Adventskonzerten auf dem Rathausmarkt und im Raffelberg-Saal oder mit Lebensmittel-Sonderrationen und einer nahrhaften Christmas-Party  für Kinder und Jugendliche in der weihnachtlich dekorierten Oberschule an der Schulstraße bei Laune zu halten.


Besonders gut hatten es die Berg- und Stahlarbeiter, die in der Friedrich-Wilhelms-Hütte, im Styrumer Röhrenwerk oder auf den Zechen Wiesche und Rosenblumendelle arbeiteten. Als „Schwerstarbeiter“ erhielten sie vom städtischen Wirtschafts- und Ernährungsamt erhöhte Lebensmittelzuweisungen. „Wir wohnten damals in der Mausegattsiedlung. Mein Vater war Bergmann auf Wiesche. Wir bekamen zu Weihnachten Ernährungskarten und zwei Flaschen Schnaps, die als Tauschobjekt begehrt waren. Außerdem ging ich als Junge mit unseren Henkelmännern fast täglich zur Zechen-Küche am Wiescher Weg, um sie mit Erbsen- und Nudelsuppe zu füllen“, berichtet der 1935 in Heißen geborene Alt-Bürgermeister und ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Günter Weber. Auch der landwirtschaftlich genutzte Garten und Ställe mit Schweinen und Hühnern sorgte bei den Bergmannsfamilien in der Colonie Wiesche für eine vergleichsweise privilegierte Ernährungslage. So erinnert sich Weber, dass Weihnachten 1945 in seinem Elternhaus neben Klößen mit Zwiebelsoße auch Rippchen und Speck aufgetischt werden konnten.


Schmalhans Küchenmeister herrschte dagegen im Styrumer Elternhaus des damals 15-jährigen Hans Meinolf. Er hatte gerade seine Berufsausbildung zum Maschinenbauer begonnen. „Ich habe damals bei meinen Hamsterfahrten halb Deutschland kennengelernt. Und damit ich etwas zu tauschen hatte, hat mir mein Vater, der Schlosser war, aus Altmetall Saatschüsseln gebaut, die ich dann bei meinen Hamsterfahrten über Land bei den Bauern zum Beispiel gegen Kartoffeln, Speck oder auch gegen Brotmarken eintauschen konnte. Manchmal luden mich die Bauernfamilien auch zum Mittagessen ein, so dass ich an guten Hamsterfahrttagen zwei oder dreimal zu Mittag essen konnte“, erinnert sich der ehemalige SPD-Stadtrat und Betriebsrat.

„Wir haben uns damals auch bei Nacht und Nebel Kohlen und Kartoffeln organisiert und alles mitgenommen, was wir kriegen konnten“, berichtet der Sozialdemokrat aus Eppinghofen. Der schnöde Kohlenklau wurde im ersten Nachkriegswinter 1945/46 zum „fringsen.“ Denn der damals auch für Mülheim zuständige Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings hatte dem aus der Not des Überlebenskampfes geborenen Kohlenklau und Mundraub in seiner Weihnachtspredigt 1945 die Absolution erteilt.


Die 1940 geborenen Mülheimer Heiner Schmitz und Hans-Georg Specht erlebten das Weihnachtsfest auf der Flucht in Thüringen und in Bayern. Der Fotograf und Ruhrpreisträger Schmitz verbindet mit Weihnachten 1945 „einen wunderschön und farbenfroh gestalteten Adventskalender, den ihm seine Mutter geschenkt hatte. Hinter dessen Türchen waren keine Süßigkeiten, sondern colorierte Bilder zu entdecken,“ berichtet Schmitz. Und Mülheims ehemaliger Oberbürgermeister Specht verbindet den Heiligen Abend 1945 mit seinem Vater, der just an diesem Tag wieder zu seiner Familie zurückkehren konnte, die im Januar 1945 vor der heranrückenden Roten Armee aus Schlesien gen Westen geflohen war und Weihnachten 1945 bei den Großeltern in Bayern untergekommen war. Die 1933 geborene und heute in Saarn wohnende  Josefa Virnich verlebte Weihnachten 1945 mit ihrer Mutter, ihrem jüngeren Bruder Hans und ihrer älteren Schwester daheim. Der Vater sollte erst 1946 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehren. „Meine Mutter hat mir Damals Kleider für meine Puppem und meinem kleinen Bruder einen grünen Hund genäht. Unser Wohnzimmer mussten wir damals an eine ausgebombte Mutter und ihren Sohn abgeben“, erzählt Josefa Virnich.


Der 1937 geborene Religionspädagoge Gerhard Bennertz weiß nur noch, „dass ich am Heiligen Abend 1945 meinem Vater und meinem älteren Bruder ganz fasziniert zugeschaut habe, wie sie gemeinsam mit 

selbstgebastelten Kleinigkeiten unseren Christbaum geschmückt hat. Und die 1933 geborene Margret Gall sagt über Weihnachten 1945: „Meine Eltern und ich haben den Heiligen Abend 1945 mit meinen Großeltern und einem befreundeten Ehepaar gefeiert. Wir haben damals alles zusammengeworfen. Meine Eltern brachten Kartoffelklöße und Rotkohl mit und die Nachbarn steuerten einen Kaninchenbraten bei. Meine Großmutter hatte 16 Kaffeebohnen, die wir mit einer Kaffeemühle gemahlen haben, so dass am Ende zwei Tassen Kaffee für meine Mutter und Großmutter dabei herauskamen. Der Winter 1945/46 war eine harte Zeit. Aber der Zusammenhalt zwischen den Menschen war damals größer als heute.“


Frühere Weihnachtserinnerungen:

In einem Weihnachtsgespräch erinnerten sich drei alte Mülheimer 2005 in der Lokalpresse an ihr Weihnachten 1945: Der damalige Vorsitzende des Geschichtsvereins, Dr. Hans Fischer (1931-2012) sagte damals: „Es war sehr armselig. Es gab nur ein Pfund Brot pro Woche. Das Weihnachtsfest verbrachte ich mit meiner Mutter und mit meinem Bruder im Haus der Großeltern. Der Vater kam erst später aus der Kriegsgefangenschaft Heim. Weil der Großvater Bergmann gewesen war bekam er Kohle und deshalb war seine Wohnung gut beheizt. Als 14-jähriger hatte ich damals eine Aversion gegen den viel zu großen Mantel meiner Mutter, indem ich zum Weihnachtsgottesdienst gehen musste. Ich erinnere mich daran, dass bei uns Weihnachtsstuten aufgetischt wurde. Ihn hatte meine Mutter aus Weizenkörnern und Beeren gebacken, die wir auf einem Feld eingesammelt hatten. Mein Weihnachtsgeschenk war ein gebrauchter Gummischlauch von Pumpen Wernert auf dem ich mit meinem Fahrrad mehr schlecht als recht fahren konnte. Glänzen konnte ich am Heiligen Abend 1945, weil ich am Klavier Weihnachtslieder vorspielte.“


Der Bergbau-Ingenieur Heinz Wilhelm Auberg (1931-2020) erinnerte sich: „Ich feierte damals mit meiner Mutter und mit meinem Bruder bei unseren Großeltern. Mein Vater war noch in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Ich habe Hunger gehabt. Wir waren aber froh, dass der Krieg vorbei war. Es gab keine Bomben Nächte mehr. Das wichtigste Grundnahrungsmittel für uns war damals das Maisbrot. Dafür musste ich immer wieder Stunden lang bei der Brotfabrik am Sültenfuß anstehen. Besonders stolz war ich auf die Kunstleder-Schreibmappe, die ich von meiner Mutter geschenkt bekam. In dieser Schreibmappe befanden sich alte Buchhaltungsbögen, die man auf der Rückseite beschriften konnte.“


August Weilandt (1917-2014), wie Fischer und Auberg, Mitgründer des Styrumer Geschichts-Gesprächskreises, erinnerte sich damals: „Wir hatten damals einen Tannenbaum. Und mit Hilfe eines Styrumer Geschäftsmannes habe ich mir elektrische Christbaumkerzen gebastelt. Denn unsere Bude sollte ja nicht in Flammen aufgehen. Ansonsten war alles sehr kärglich. Ich lebte damals mit meiner Frau Theresia und mit meiner kleinen Tochter Gisela in einem Zimmer meiner elterlichen Wohnung am Marienplatz in Styrum. Zu Weihnachten hatte meine Schwester mir meine Wehrmachtsuniform in einen Straßenanzug umgearbeitet. An Geschenke oder an einem Festbraten war Weihnachten 1945 nicht zu denken. Das größte Weihnachtsgeschenk war für mich, dass ich als Kriegsheimkehrer eine Anstellung beim Kirchensteueramt gefunden hatte. Meine Mutter und meine Schwester brachten Heiligabend Kartoffeln und Speck mit, die sie bei einem Verwandtenbesuch im Münsterland geschenkt bekommen hatten.“


Dieser Text erschien am 24.12.2020 in NRZ/WAZ

Sonntag, 27. Dezember 2020

Kein Platz für Drogenabhängige?

 Die Corona-Pandemie hat die Themen Hygiene und Infektionsschutz zum Allgemeingut und zum Politikum werden lassen. Da schockt der Anblick von benutzten Spritzen, die auf einer Grünfläche zwischen Georg- und Auerstraße herumliegen. Besonders pikant: Die Grünfläche, auf der sich regelmäßig Drogenabhängige treffen, um sich auszutauschen und gemeinsam ihre Sucht zu befriedigen, liegt in unmittelbarer Nähe eines Jugendzentrums und einer Kindertagesstätte. Auch das Amtsgericht ist nicht weit.

Eine anonyme E-Mail aus der Mülheimer Drogenszene, die der Mülheimer Woche vorliegt, zeigt: Dieser Zustand wird selbst innerhalb der Drogenszene als unhaltbar angesehen. Die Diplom-Pädagogin Jasmin Sprünken, die die Drogenhilfe der Arbeiterwohlfahrt leitet, kennt das Problem. Vor dem Hintergrund ihrer Beratungserfahrung schätzt sie die Größe der Mülheimer Drogenszene auf etwa 800 Personen. Sie geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Arbeiterwohlfahrt hilft

Sprünken und ihre Kollegen betreiben an der Gerichtsstraße 11 das Café Light der Arbeiterwohlfahrt. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie fanden hier täglich 80 Drogenabhängige Rat, Hilfe und eine Anlaufstelle. Hier bekommen sie nicht nur guten Rat und ein offenes Ohr. Hier können sie essen und trinken, natürlich keinen Alkohol. "Im Café Light haben Drogenabhängige auch die Möglichkeit, ihre gebrauchten Spritzen zu entsorgen zu lassen und von uns kostenlos eine neue Spritze zu bekommen", erklärt Jasmin Sprünken. Der Automat, aus dem man sich frische Spritzen ziehen kann, erinnert an einen Zigarettenautomaten.

Nicht alle halten sich an die Regeln

Sie weiß aus ihrer Praxis: "Leider gibt es auch in der Drogenszene Menschen, die sich an Regeln halten und solche, die das nicht tun." Daran können nach Sprünkens Erfahrung auch die Säuberungsaktionen, die das Café-Light-Team regelmäßig mit seinen Klienten durchführt, auf Dauer nichts ändern. "Wir kennen das Problem und suchen seit Jahren mit dem Ordnungsamt, dem Stadtplanungsamt und mit der Polizei und mit den in der Szene aktiven Streetworkern, einem alternativen Ort, an dem sich Drogenabahängige treffen können, ohne zu einem öffentlichen Ärgernis zu werden", betont die Leiterin der AWO-Drogenhilfe. Auch der Leiter des Stadtplanungsamtes, Felix Blasch, war schon im Café  Light, um mit den Drogenabhängigen über einen alternativen Treffpunkt für die Szene zu diskutieren. "Die Stadt ist aufgeschlossen und betreibt keine Vetreibungspolitik", stellt Sprünken anerkennend fest. Zuletzt war ein zügiger Parkplatz an der Friedrich-Wilhelms-Hütte als alternativer Treffpunkt der Szene im Gespräch. Hier wollte die Ruhrbahn Haltestellen-Häuschen als Windschutz und Sitzgelegenheit aufstellen. Letzteres scheiterte daran, dass die Ruhrbahn aufgrund der vielen Mülheimer Baustellen ihre Ersatz-Wartehäuschen selbst brauchte, um Ersatz-Haltestellen einrichten zu können. "Auch wenn Drogenabhängige nirgendwo gerne gesehen werden, so sind sie doch ein unbestreitbarer Teil unserer Gesellschaft, der, wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger das Recht hat, sich in der Öffentlichkeit zu treffen und soziale Kontakte zu pflegen, ohne dass sie dabei immer von hauptamtlichen Sozialmenschen beobachtet werden", macht die Leiterin der AWO-Drogenhilfe deutlich.

Alternative Treffpunkte gesucht

Sie weist darauf hin, dass auch frühere Treffpunkte der Drogenszene, wie etwa die 2008 zugunsten des neuen Ruhrquartiers beseitigten Ostruhranlagen oder die Fußgängerbrücke zwischen Kohlen- und Charlottenstraße zum öffentlichen Ärgernis geworden seien. Auch sogenannte Druckräume, die von medizinisch und sozialarbeiterisch qualifizierten Fachkräften betreut werden, sieht Sprünken angesichts der Lebenswirklichkeit der Szene nicht als Allheilmittel an. Sie lässt keinen Zweifel daran, "dass wir keine Räume betreiben können, an denen harte und illegale Drogen, wie zum Beispiel Heroin, gehandelt und gespritzt werden. Außerdem würden auch öffentlich betreute Druckräume nichts daran ändern, dass viele Drogenabhängige ihre Sucht lieber zuhause oder an anonymeren und weniger einsehbaren öffentlichen Plätzen befriedigen würden." Mit Blick auf das Café Light, das aufgrund der Corona-bedingten Abstandsregeln seine Innenraum-Plätze stark reduzieren und statt dessen mit Zelt-Pavillons auf seinen Hof ausweichen musste, macht sich die Leiterin der AWO-Drogenhilfe keine Illusionen: "Die  Suche nach einem weniger exponierten öffentlichen Treffpunkt der Drogen-Szene muss weitergehen, aber das Corona-Jahr 2020 ist für dieses schwierige Unterfangen leider ein verlorenes Jahr, weil wir im aktuellen Lockdown ohnehin keine größeren Menschenansammlungen auf Plätzen oder in Räumen zulassen können. Und die Drogenabhängigen haben besonders große Angst davor, mit dem Corona-Virus infiziert zu werden, weil sie wissen, dass sie zu einer Risikogruppe gehören."


Dieser Text erschien am 16. Dezember 2020 im Lokalkompass Mülheim

Samstag, 26. Dezember 2020

Er geht nicht so ganz

Eigentlich sollte der 61-jährige Ulrich Schreyer bereits Ende März aus seinem Amt als Geschäftsführer des Diakoniewerkes Arbeit und Kultur verabschiedet werden. Doch dann kam alles anders. Weil sich die ins Auge gefasste Nachfolgeregelung nicht bewährt hatte, musste Schreyer nach 25 Jahren im Amt seine eigene Nachfolge antreten. „Die Corona-Pandemie hat die Karten neu gemischt und uns allen gezeigt, dass wir als Menschen nicht alles in der Hand haben. Die letzten Monate wurden für mich eine harte und herausfordernde Zeit. Aber in solch einer Krise ist es gut, wenn Führungskräfte mit langer Erfahrung, die besonnen handeln können, an Bord bleiben“, sagt Ulrich Schreyer über seine berufliche Nachspielzeit. 1986 war er als Sozialsekretär beim Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr eingestiegen.

Gottesdienst in der Petrikirche

Doch am 27. Dezember ist es soweit. Dann wird er mit einem Gottesdienst, der um 11:15 Uhr in der Petrikirche beginnt, vom Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises An der Ruhr, Gerald Hillebrand, aus seinem Amt In den Ruhestand verabschiedet. Aufgrund der Corona-Pandemie kann der Präsenz-Gottesdienst nur im kleinen Kreis gefeiert werden. Aber wie die anderen Gottesdienste, so wird auch dieser Gottesdienst aus der Petrikirche via Live-Stream auf der Internetseite der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim (www.vek-muelheim.de) übertragen. „Ich schaue dankbar auf 35 Jahre Im Dienst der evangelischen Kirche und auf 25 Jahre als Geschäftsführer des Diakoniewerkes Arbeit und Kultur zurück“, sagt der auch als kirchlicher Predikant aktive Schreyer. Und er fügt hinzu: „Ich habe in dieser Zeit sehr viele beeindruckende und im besten Sinne bemühte Menschen kennenlernen dürfen.“

Dem Hospiz bleibt er erhalten

Schreyer ist zuversichtlich, dass das Diakoniewerk Arbeit und Kultur und seine zurzeit 280 Mitarbeitenden auch die Folgen des Corona-Lockdowns überstehen wird. „Ich kann meine Arbeitsstelle mit ruhigem und gutem Gewissen verlassen und meine Aufgabe loslassen. Wir haben alle nur ein zeitlich begrenztes Mandat, um zu tun, was wir tun können und tun wollen. Mein Mandat ist abgelaufen. Jetzt müssen meine drei Nachfolger sehen, welche Herausforderungen anstehen und wie und mit welchem Stil sie damit umgehen können“, betont Schreyer. Auch im Ruhestand wird er als Co-Geschäftsführer mit Mülheim und dem seit 2012 vom Diakoniewerk und dem Evangelischen Krankenhaus betriebenen Hospiz an der Friedrichstraße verbunden bleiben.

„Ich hoffe, dass die unsere Gesellschaft aus der Corona-Krise solidarischer hervorgeht und die jetzt erkannten und offengelegten Schwachstellen, etwa im Pflegebereich, nicht mehr aus dem Auge verliert und entsprechend umsteuert. Aber wenn ich die aktuelle Diskussion um den Umgang mit den Folgen der Corona-Pandemie, bin ich leider nicht so optimistisch wie manche anderen, dass dieser positive Solidaritätsschub, den wir teilweise in der der aktuellen Krise erlebt haben, anhalten wird. Insgesamt sehe ich in der Krise aber auch auf allen gesellschaftlichen Ebenen viel gemeinsames Bemühen darum, unser Land, so gut wie möglich, aus dieser Krise herauszuführen“, resümiert Ulrich Schreyer. Und auch wenn der scheidende Geschäftsführer des Mitte der 1980er Jahre gegründeten Diakoniewerkes an der Georgstraße von einem persönlichen Vermächtnis nichts wissen will, „weil ich dafür zu evangelisch bin“, lässt sich der Kern seines persönlichen und beruflichen Wirkens an der Spitze des Diakoniewerkes doch sehr gut in dem Satz zusammenfassen, den er am 4. Mai 2018 in einem Interview mit der Mülheimer Presse gesagt hat: „Die Wirtschaft ist für den Menschen da ist und nicht umgekehrt. Unsere freie Gesellschaft wird langfristig scheitern, wenn sie Menschen weiter in Gewinner und Verlierer einteilt.“


Dieser Text erschien am 18. Dezember 2020 im Mülheimer Lokalkompass

Freitag, 25. Dezember 2020

Kreative Kinder

 Diesmal musste Barbara Schmidt ihre Schreibwerkstatt für kreative Fünftklässler via Videokonferenz abhalten. Auch hier galt angesichts der Coronavirus-Pandemie digital vor analog. Doch das tat der Schreiblust der zehn- und elfjährigen Mülheimer keinen Abbruch. Diesmal spitzten Devin, Nele, Robin, Lilly, Rebecca, Isabella, Ella,  Marlene, Johanna und Vincent immer wieder montags die Feder, um alleine in ihrem Zimmer daheim und doch gemeinsam verbunden über das Internet, ein abenteuerliches und fantastisches Theaterstück zu schreiben, das in anderen Dimensionen, aber auch an so irdischen Orten, wie Berlin, London, im Pferdestall oder in der Küche spielt.

Die Internet-Lernplattform Padlet machte das literarische Gemeinschaftswerk möglich. Denn hier konnte das junge Autoren-Kollektiv Ideen, Formulierungen, Szenen, Begegnungen, Handlungsorte und Charaktere miteinander austauschen und für alle Teilnehmer der Schreibwerkstatt einsehbar hinterlegen.

Fantasie ohne Grenzen

Während die Montagsgruppe ein Theaterstück über den Sohn eines Dämonenkönigs geschrieben hat, der mit Hilfe von acht Verbündeten das Regime seines Vaters stürzt und ihn am Ende in ein Kaninchen verwandelt, verfassten die Freitagsschreiber Shiloh, Anni, Laura, Julie, Lisa, Lotta, Laura, Elisa, Paul, Sofia und Isabella ein Stück über Kinder, die von ganz unterschiedlichen Orten nach Mülheim kommen und sich dort begegnen. Der Held ihres Schauspiels ist ein Bruchpilot, der mithilfe der Menschen, die ihm begegnen, seine Flugangst überwindet und am Ende einen Impfstoff gegen Corona ins Krankenhaus bringt.

Von Profis inspiriert

Beide Gruppen, die sich an sieben Nachmittagen, jeweils zwischen 16 und 18 Uhr, via Internet und Computerbildschirm vernetzten, wurden von der Schauspielerin und Theaterpädagogin Barbara Schmidt und von der Autorin Sarah Meyer-Dietrich moderiert und inspiriert. (www.sarahmeyerdietrich.de) "Mir war schon im Sommer klar, dass wir die inzwischen zwölfte Kinderschreibwerkstatt des städtischen Kulturbetriebs, aufgrund der Coronavirus-Pandemie nur in digitaler Form würden durchführen können. Deshalb befürchtete ich, dass sich viele Kinder darauf nicht einlassen würden. Doch das Gegenteil war der Fall. Nach meinen Werbebesuchen in den fünften Klassen der Luisenschule und des Gymnasiums Broich, waren schon alle 20 Workshop-Plätze besetzt.

Kinder schreiben aus sich selbst heraus

"Kinder, die schreiben, tun dies immer spontan und aus ihrem eigenen Erleben heraus. Sie sind nachdenklich, unglaublich kreativ und authentisch, aber nicht so ambitioniert, perfektionistisch und reflektiert wie erwachsene Autoren"

, schildert Barbara Schmidt ihre Erfahrungen aus jetzt zwölf Schülerschreibwerkstätten. Wurden die literarische Ergebnisse der Schreibwerkstätten des städtischen Kulturbetriebs live in Form von Lesungen, Aufführungen und Hörspielen präsentiert, so arbeiten Barbara Schmidt und ihre Kollegin Selma Schele vom städtischen Bildungsnetzwerk an einer Internetplattform für kulturelle Bildung "Ins Netz gegangen", auf der nicht nur die Ergebnisse der jetzt beendeten Schreibwerkstätten des städtischen Kulturbetriebs veröffentlicht und unabhängig von Zeit und Raum von an der Jungen Kultur in unserer Stadt Interessierten nachgelesen, angeschaut und angehört werden können. Außerdem bietet die neue Plattform Anregungen und Material für die Kulturpädagogik und ein Forum, in dem sich Kultur schaffende Kinder und Jugendliche austauschen und ausprobieren können. 

Was sagen die jungen Autoren?

Nachwuchs-Autorin Nele beschreibt ihre Erfahrungen mit der Teilnahme an der digitalen Schreibwerkstatt, stellvertretend für ihre Kollegen so:

"Ich schreibe gerne, weil: es mir Spaß macht Geschichten zu erfinden, und neue Wesen zu erschaffen. Ich finde Fantasiethemen interessant, weilich gerne lese. Ich finde es toll, dass Lebewesen in Geschichten magische Kräfte besitzen!"

Die gemeinsame Herausforderungen in der Schreibwerkstatt war die, sich als aller erstes auf eine Grundlage des Stückes zu einigen. Das war etwas schwierig. Denn alle Kinder hatten super Ideen! Deshalb war es schwer, sich auf ein Thema zu einigen. In der Schule schreiben wir alleine Geschichten. In der Schreibwerkstadt haben wir ein Theaterstück geschrieben. Wir mussten also zusammenarbeiten. Aus der Schreibwerkstadt nehme ich mit, dass man zusammen manchmal viel mehr erreichen kann! Ich habe dort gelernt, mich mit anderen Kindern zusammensetzen und ein Theaterstück zu entwickeln. Was ich sonst lieber alleine gemacht hätte, mache ich jetzt lieber zusammen! Besonders Freude hat mir gemacht, mir die Ideen und Szenen anzuhören!"

Robin  schreibt:

"Ich schreibe gerne, weil ich gerne mir etwas ausdenke was ich selbst nicht erlebe.
Fantasie und Action finde ich besonders interessant. Gemeinsam ein Theaterstück schreiben, heißt, dass man viele Ideen zusammenbringen und umsetzen muss.

Jeder soll dabei zu seinem Recht kommen. In der Schreibwerkstatt kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen. In der Schule ist man auf etwas begrenzt, weil das Thema vorgegeben wird. In der Schreibwerkstatt habe ich gemerkt, dass es sehr viel Spaß macht Geschichten zu schreiben.Ich habe gelernt, Ideen zu entwickeln, in Worte zu fassen und gemeinsam mit anderen Geschichten zu schreiben. Mir hat besonders die Montags-runde Freude gemacht und die Anleitung durch Sarah und Barbara. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas Falsches gesagt hätte. Beide waren immer freundlich und hilfsbereit und haben uns gern weitergeholfen."

Seine Mitautorinnen Rebecca und Lilly meinen: "Es macht Spaß, andern seine Gedanken mitteilen zu können. Uns interessiert alles rund um Tiere. Schwierig war, dass alles zueinander passt. In der Schule haben wir viele Vorschriften. Hier in der Schreibwerkstatt hatten wir alle unsere Freiheiten.
Wir haben gelernt, dass man lieber mit Worten Konflikte schlichten sollte und wie man Theaterstücke schreibt. Besonders Freude hat uns dabei gemacht, dass man seinen eigenen Charakter entwickeln kann. "

Ihre Kollegin Lotta schreibt: "  Man konnte dabei seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich mag besonders spannende, aber auch witzige Geschichten. Beim gemeinsamen Schreiben mussten wir alles koordinieren, damit nichts doppelt vorkommt. Außerdem sollte auch niemand benachteiligt werden. In der Schreibwerkstatt hatte man mehr Zeit und alles war freiwillig. Dadurch hatte man keinen Druck und fühlte sich freier als bei den Hausaufgaben. So macht das Schreiben noch mehr Spaß. Ich nehme mit, dass man auch mit vielen Leuten alle Ideen unter einen Hut bringen kann. Außerdem möchte ich auf jeden Fall weiter schreiben. Ich habe gelernt, unterschiedliche Ideen und Themen zusammenzubringen und ein großes Ganzes daraus zu machen. Dass ich diesmal nicht alleine geschrieben habe, sondern eine Gemeinschaftsarbeit entstanden ist, macht mir Freude." 

 Jung-Autor Devin schreibt: "Ich schreibe gerne weil ich sehr fantasievoll bin und es mir Spaß macht. Ich fand alles interessant und würde es definitiv weiterempfehlen. Wenn man gemeinsam ein Theaterstück schreiben will, muss man gut zusammenarbeiten und die Texte sollten zueinander passen. In der Schreibwerkstatt kann man der Fantasie freien Lauf lassen. In der Schule hat man vorgegebene Aufgaben. Mir hat alles sehr viel Spaß gemacht."

Sophia: schreibt: "Ich schreibe gerne, weil ich es lustig und spannend finde. Dabei interessieren mich vor allem Umwelt-Abenteuer. Beim gemeinsamen Schreiben war es schwierig, dass alle einer Meinung waren. In der Schule macht das Schreiben nicht so viel Spaß. Ich nehme mit, dass es nicht unmöglich ist, etwas schönes zusammen zu machen. Ich habe gelernt, Geduld zu haben. Die größte Freude war, das Stück zu schreiben."

Vincent  schreibt: Wenn man schreibt, kann man seine Phantasie einsetzen. Man kann schreiben, was man möchte. In der Schule schreibt man das, was man muss. Ich habe gelernt, wie man eine Szene schreibt. Besonders schön war, dass wir viel gelacht haben und Emojis verschickt wurden.

Seine Kollegin Julie schreibt: Beim Schreiben kann man seiner Phantasie freuen Lauf lassen. Dabei finde ich Detektiv-Geschichten und Geschichten über Fabelwesen am spannendsten. Wir mussten erreichen, dass alle mit den Szenen einverstanden waren.In der Schule gibt es Vorgaben. in der Schreibwerkstatt haben wir zusam-men überlegt. Ich nehme mit, dass man ein Theaterstück mit Mehreren machen kann. Und ich habe gelernt, mehr wörtliche Rede zu benutzen, Adjektive gezielt einzusetzen. Mir Rollen auszudenken, war für mich die größte Freude. Ella

Ella: findet Schreiben toll, "Ich finde Schreiben toll, weil es mir Spaß macht, verschiedene Charaktere zu erfinden und zu bestimmen, wie verschieden diese sein können. Fantasy & Pferde-Geschichten gefallen mir am besten. Wir mussten uns auf alles einigen und die verschiedenen Teile des Theaterstücks abstimmen. Das dauerte ganz schön lange. Bei der Theaterwerkstatt machten alle freiwillig mit und wir konnten uns vieles aussuchen. Ich weiß jetzt, wie man ein Theaterstück richtig schreibt. Und ich habe gelernt, mich auch auf Charaktere einzulassen, die andere erfunden haben.
Ich finde es super, dass wir jetzt ein fertiges Stück haben, das wir vielleicht sogar aufführen können - nach Covid." 
 
Last, but not least schreibt Julie: "Man kann seiner Phantasie freien Lauf lassen. Detektiv- Geschichten und Geschichten über Fabelwesen finde ich besonders interessant. Es war nicht immer leicht, dass alle mit den Szenen einverstanden waren.In der Schule gibt es Vorgaben und in der Schreibwerkstatt haben wir zusammen überlegt. Ich habe erlebt, dass man ein Theaterstück mit Mehreren machen kann. Und ich habe dabei gelernt, mehr wörtliche Rede zu benutzen und mehr Adjektive gezielt einzusetzen. Besonders viel Spaß hatte ich daran, mir die Rollen auszudenken.


Dieser Text erschien am 22. Dezember im Mülheimer Lokalkompass

Mülheim zu Kaisers Zeiten

  Mit der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. im Schloss von Versailles wurde vor 150 Jahren der erste deutsche Nationalsta...