Mittwoch, 18. Juli 2018

Seit 65 Jahren ein Traumpaar

Waltraud und Friedhelm Lohmeier sind ein Traumpaar. Und das schon seit 65 Jahren. Ihre Mütter kannten sich und meinten: „Die Beiden sind etwas für einander!“ Sie hatten Recht. Am 18. Juli 1953 gaben sich der damals 24-jährige Friedhelm und die damals 18-jährige Waltraud im Mülheimer Standesamt und in der Stryumer Immanuel-Kirche das Jawort fürs Leben. Und sie haben es gehalten. Dass ist in Zeiten, in denen jede dritte Ehe geschieden wird, eine Erfolgsgeschichte.

Wie wird man als Ehepaar glücklich und bleibt es auch? „Man darf nicht nur an sich denken. Man muss Verständnis füreinander haben“, sagen Friedhelm und Waltraud Lohmeier. Ihre Eiserne Hochzeit werden sie mit ihren vier Kindern und ihren zwei Enkelkindern feiern. „Bei uns werden Liebe und Zusammenhalt großgeschrieben“, betont Waltraud Lohmeier.

Dass sich die Lohmeiers auch noch nach 65 Ehejahren liebevoll anschauen und sich gerne in den Arm nehmen, hat damit zu tun, dass sie sich stets aufeinander verlassen konnten und sich gegenseitig getragen haben, wenn es notwendig wurde. Als Er nach einem schweren Arbeitsunfall als Schlosser bei Thyssen-Mannesmann ein halbes Jahr im Krankenhaus lag, wusste er Sie an seiner Seite und in seinem Rücken. Und jetzt, da ihre Gesundheit nicht mehr so mitspielt, wie sie sollte, ist Er für Sie eine unverzichtbare Stütze. Gerne erinnern sich die Lohmeiers heute an die schönen Tage, die sie erleben durften und an die schweren Tage, die sie gemeinsam überlebt haben.

Die gemeinsamen Familienferien in Österreich und die Freunde, die sie zum Beispiel im Mannesmannchor, in der Turngemeinde 1856 und in ihrem inzwischen zum Stammtisch umfunktionierten Kegelclub gefunden haben, verbuchen sie ebenso auf ihrer Haben-Seite, wie die Tatsache, dass alle Kinder und Enkel mit Hilfe der Eltern und Großeltern ihren Weg ins Leben gemeistert haben. „Manchmal wissen wir gar nicht, wie wir das alles geschafft haben“, sagen sie, wenn Sie daran denken, dass sie die ersten sechs Ehejahre mit ihren beiden ältesten Kindern auf einem Zimmer im Haus der Eltern und Schwiegereltern lebten, ehe sie endlich eine eigene Wohnung bekamen.


Er arbeitete bei Thyssen-Mannesmann, Sie mal als Haushaltshilfe, mal als Angestellte in einer Gastwirtschaft, mal in einer Gummifabrik oder in einem Tapetengeschäft. Die Familie wurde glücklich, obwohl die Haushaltskasse nie üppig gefüllt war. „Wir haben unseren Kindern immer gesagt: ‚Ihr bekommt alle das Gleiche, aber nicht gleichzeitig, sondern nacheinander“, erinnert sich Waltraud Lohmeier an die elterlichen Finanzpolitik. Dass die Erziehungs- und Beziehungsarbeit der Lohmeiers sich ausgezahlt hat, sehen die Eheleute, Eltern und Großeltern daran, dass ihre Kinder und Enkel sie auch heute regelmäßig besuchen und ihnen immer mal wieder sagen: „Ich habe dich lieb.“ Das finden die Lohmeiers genauso großartig, wie die Tatsache, dass ihre Kinder und Enkel heute als Handwerker, Facharbeiter, Wissenschaftler und Kaufleute auch beruflich auf eigenen Füßen und mit beiden Beinen im Leben stehen.

Dieser Text erschien am 18. Juli 2018 in NRZ & WAZ

Dienstag, 17. Juli 2018

Die Wissenschaft: Ein weites Feld: Ein Zeitsprung am Kahlenberg

Das damals noch neue Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohleforschung
mit dem Wohnhaus des ersten Institutsdirektors Franz Fischer
Postkarte aus dem Jahr 1917 (Privatarchiv Gerd Wilhelm Scholl)
Gerd Wilhelm Scholl lässt uns mit einer seiner Postkarten ins Kriegsjahr 1917 zurückspringen. Wir sehen am Kahlenberg das drei Jahre zuvor eröffnete Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohleforschung, das wir heute als Max-Planck-Institut für Kohleforschung kennen. Im Haus auf der rechten Bildseite wohnte damals der erste Institutsdirektor Franz Fischer. Sein Nachfolger, Karl Ziegler, sollte 1963 mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet und postum 1974 zum Namenspatron des städtischen Gymnasiums an der Schulstraße werden.

Lange bevor sich Mülheim 1972 um den Standort der später in Essen gegründeten Gesamthochschule bewarb und mit der Hochschule Ruhr West und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung ab 2009 und 2016 Hochschulen auf seinem Stadtgebiet einrichten konnte, wurde es am Vorabend des Ersten Weltkrieges zum Wissenschaftsstandort.
Der damalige Oberbürgermeister Paul Lembke und der Unternehmer Carl Roesch machten es möglich. Die Stadt übernahm die Bau- und Ausstattungskosten des Institutes. Roesch stellte sein Grundstück am Kahlenberg zur Verfügung. Da konnte und wollte die damalige Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die wir heute als Max-Planck-Gesellschaft kennen, nicht „Nein“ sagen. Zur Feier des Eröffnungstages wurde der Platz vor dem neuen Institut am 27. Juli 1914 als Kaiser-Wilhelm-Platz benannt und in den Stadtplan eingetragen. 1981 bekam das Max-Planck-Institut für Kohleforschung mit dem Institut für Strahlenchemie, dem heutigen Institut für Energiekonversion, am Kahlenberg einen wissenschaftlich ebenso hochkarätigen Nachbarn.

Nomen est omen, findet man den Kahlenberg bereits im Urkataster von 1821/22 als Schlagholzwald der 1808 zur Stadt erhobenen Gemeinde Mülheim, die 100 Jahre später mit der Geburt ihres 100.000 Bürger zur Großstadt werden sollte.

Dieser Text erschien am 16. Juli 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung


Montag, 16. Juli 2018

Frühe Reiselust

Ein kleiner Mann läuft seiner Mutter auf der Schloßstraße davon. Der Knirps scheint reisefreudig zu sein. Denn sein Weg führt ihn schnurstracks in ein Reisebüro. Wahrscheinlich hat der kleine Mann von seiner großen Schwester gehört, dass jetzt die Sommerferien beginnen. Höchste Zeit, den Urlaub zu buchen. In die Globalisierung hineingeboren, weiß der kleine Mann schon instinktiv, was mein rheinischer Großvater mit seinem Lieblingslied besang: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.“

Doch während die weite Welt für meinen kölschen Großvater bereits in der Eifel begann, werden der kleine Mann und seine Altersgenossen wohl so selbstverständlich durch die ganz große und weite Welt fahren, wie es ihre Urgroßeltern in ihrer kleinen Welt getan haben. Man kann ihnen dabei nur Glück, Gottes Segen, gute Reise und gescheite Eltern und Großeltern wünschen. Denn letztere müssen schon heute die Weichen dafür stellen, dass die Welt auch morgen und übermorgen noch ein globales Dorf ist, in dem es sich lohnt umher zu reisen, weil es dort zumindest weitgehend friedlich zugeht und man auch als Gast willkommen ist.

Dieser Text erschien am 16. Juli 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 15. Juli 2018

25 Jahre Seelsorger in St. Engelbert: Pastor Michael Clemens zieht eine Zwischenbilanz

Pastor Michael Clemens vor seinem Pfarrhaus
Einen ganzen Tag lang feierte die 5000 Seelen zählende Gemeinde St. Engelbert mit ihrem Pastor Michael Clemens jetzt dessen silbernes Orts-Jubiläum als Pfarrer und Pastor in Eppinghofen. Die Gemeinde, die er seit 1993 leitet, gehört seit 2006 zur Pfarrgemeinde St. Barbara. Im Gespräch mit der Mülheimer Woche zieht der 1981 zum Priester geweihte Michael Clemens eine Zwischenbilanz.

Mit welchem Gefühl kamen Sie 1993 nach Eppinghofen?
Clemens: Mit dem Gefühl: Das kannst du und das machst du. Ich hatte ja vorher schon etliche Jahre als Kaplan Seelsorge-Erfahrung in Gelsenkirchen-Schalke und in Duisburg-Meiderich sammeln können.

Auf was für einen Menschenschlag sind Sie hier getroffen?
Clemens: Auf bodenständige Menschen, die geradeaus sind und sagen, was ihnen gefällt und was nicht. Damit kann ich gut umgehen. Außerdem ist Eppinghofen heute mehr denn je ein multikultureller Stadtteil. Wir haben hier katholische Christen aus aller Welt.

Ist das ein Problem oder ein Vorteil?
Clemens: Überall, wo Menschen zusammen leben und zusammenarbeiten, knirscht es auch schon mal im Gebälk. Aber wir sind hier eine kreative Mischung aus Menschen, die mit ihren unterschiedlichen Talenten und Traditionen bereit sind mit anzufassen und Gemeinde zu leben. Ich bin wirklich froh, hier in St. Engelbert auf einen harten Kern von etwa 200 Menschen bauen zu können, die sich vielseitig und ehrenamtlich, etwa als Wortgottesdienstleiter, Begräbnisleiter, Kommunionhelfer oder Katecheten engagieren, damit Menschen gemeinsam Gemeinde und Glauben leben und aus der frohen Botschaft Hoffnung schöpfen können. Und deshalb traue ich unserer Kirche hier noch eine Menge zu.

Kann Kirche in einem multikulturellen Stadtteil integrationsfördernd wirken?
Clemens: Auf jeden Fall. Der christliche Glaube verbindet uns in unserem Stadtteil auch über konfessionelle Grenzen mit unseren evangelischen und freikirchlichen Geschwistern, mit denen wir heute selbstverständlich Gottesdienste feiern und zu gemeinsamen Veranstaltungen einladen. Gerade erst habe ich mit einem aus Italien stammenden Gemeindemitglied gesprochen, das hier bei uns seine Liebe fürs Leben gefunden hat und mir sagte: „Ich fühle mich hier angenommen.“ Besser geht es nicht. So sollte es sein. Katholisch bedeutet ja auch weltumfassend. Das kann man hier in Eppinghofen erleben.

Aber viele Menschen in ihrer Gemeinde habe Angst um die Zukunft der Gemeinde.
Clemens: Natürlich lassen der demografische Wandel und Kirchenaustritte auch unsere Gemeinde kleiner werden. Ich sage meinen Gemeindemitgliedern immer: Ob die Kirche bei euch im Dorf bleibt, hängt von euch selbst ab. Natürlich versuche ich als Priester mit einer lebensnahen Liturgie und Seelsorge und als Präses der Kolpingfamilie auch mit theologischer Bildungsarbeit meinen Teil dazu beizutragen. Aber letztlich kommt es auf den tatkräftigen Einsatz unserer Gemeindemitglieder an. Und da sind wir Gott sei Dank gut aufgestellt, einschließlich eines wieder leicht ansteigenden Gottesdienstbesuches.

Aber Ihre 1907 eingeweihte und mit Geldern der Familie Thyssen bezahlten Kirche steht auf der Kippe.
Clemens: Sie steht nicht auf der Kippe, sondern nur vor einer neuen Nutzung, die wir in drei bis fünf Jahren mit einem Investor realisieren wollen. Die Pläne der Gemeinde hat der Ruhrbischof bereits abgesegnet.

Und wie sehen diese Pläne aus?
Clemens: Der Kirchenturm soll als Landmarke und der Chorraum als Gottesdienstraum erhalten bleiben. Das übrige Kirchenschiff könnte dann als Gemeindezentrum und als Wohnraum genutzt bzw. vermietet werden.

Sie sind jetzt 69 und können bei guter Gesundheit noch sechs Jahre als Pastor St. Engelbert leiten. Und dann?
Clemens: So lange ich das kann, werde ich der Gemeinde als Priester vor- und beistehen. Doch der akute Priestermangel zwingt uns dazu, mehr Laien theologisch auszubilden und etwa als Wortgottesdienstleiter oder als Begräbnisleiter einzusetzen. Das kann der Gemeinde gut tun, weil es ihr mehr Lebenserfahrung verschafft. Aber für mich ist angesichts des Priestermangels auch klar, dass der Zölibat keine Erfolgsgeschichte ist und es keine theologischen Gründe gibt, die dagegen sprächen, Frauen und verheiratete Männer zum Priesteramt zuzulassen.

Dieser Text erschien am 13. Juli 2018 im Lokalkompaß & in der Mülheimer Woche

Samstag, 14. Juli 2018

Das Raphaelhaus ist heute genauso nötig, wie vor 100 Jahren: Ein Gespräch mit seinen Leitern Christian Weise & Andrea Hörning

 
Christian Weise leitet das Raphaelhaus seit 2002
Am 1. September feiert das Raphael-Haus an der Voßbeckstraße 47 von 14 bis 18 Uhr sein 100-jähriges Bestehen. Bei einer Tagung, zu der das
  Raphaelhaus jetzt in die katholische Akademie einlud, stellten sich seine beiden Einrichtungsleiter, Christian Weise und Andrea Hörning den Fragen der NRZ.

Warum wurde das Raphaelhaus vor 100 Jahren gegründet?

Andrea Hörning: Weil es damals mit August Thyssen noch einen katholischen Unternehmer gab, der etwas für die Kinder seiner Arbeiter und später auch für andere Kinder Mülheims tun wollte. Damals wurde die Vereinigte August-Thyssen-Stiftung gegründet, von der wir bis heute getragen werden. Der Vorläufer des Raphaelhauses wurde aber schon 1858 in der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt vom Pastor Kaspar Wolff und den Elisabeth-Schwestern gegründet. Sie sahen, dass immer mehr Kinder aus armen Familien im Zuge der Industrialisierung sozial und emotional zu verwahrlosen drohten.

Nehmen Sie heute Waisenkinder auf, deren Eltern gestorben sind?

Christian Weise: Nein, es handelt sich um Kinder, die aus sozial benachteiligten und emotional belasteten Elternhäusern kommen, in denen sie zum Beispiel Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung erfahren haben. In unseren Wohngruppen und Außenwohngruppen leben Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 19 Jahren. Wir betreiben aber auch eine Kindertagesstätte mit 40 Plätzen und bieten darüber hinaus ambulante Familienhilfe an.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie und Ihre 58 Kollegen im Raphaelhaus?

Andrea Hörning: Viele der Kinder und Jugendlichen, die bei uns sind, müssen sozial und emotional erst mal nachtanken, um sich als Persönlichkeit zu stabilisieren. Viele sind durch die Erfahrungen in ihrem Elternhaus traumatisiert und entwickeln deshalb oft eine Bindungsstörung, weil sie ihr Urvertrauen verloren haben. Hier versuchen wir als Pädagogen, Erzieher, Sozialarbeiter, Psychologen und Heilpädagogen mit einer persönlichkeitsstärkenden Erlebnis-Pädagogik gegenzusteuern und seelische Verletzungen durch positive Erfahrungen zu heilen.

Warum haben Sie zu ihrem 100. Geburtstag einen Fachtag rund um das Thema Digitatlisierung zwischen Kompetenz und Sucht veranstaltet?

Christian Weise: Weil wir zwar eine alte Institution sind, aber als Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe täglich an unserer Zukunft arbeiten und uns so von Berufs wegen eine jugendliche Frische bewahrt haben. Wir können in unserer Arbeit mit den Jugendlichen, in der auch der Umgang mit Cyber-Mobbing oder der exzessiven Nutzung von Internet, Computer und Smartphone eine Rolle spielt, an dem Thema Digitalisierung nicht vorbeikommen. Ich stelle immer wieder fest, dass Jugendliche heute ein hohes technisches Wissen haben und in der Theorie die Chancen und Risiken der Digitalisierung kennen, aber in der Praxis dann doch oft blauäugig agieren, weil sie einfach dazu gehören wollen.

Welche Erkenntnis hat Ihnen der Fachtag gebracht?

Andrea Hörning: Dass wir auch im Zeitalter der Digitalisierung mit unserer Erlebnispädagogik richtig liegen, indem wir Jugendlichen wichtige Frei,- Spiel- und Erfahrungsräume bietet, damit sie sich zu einer stabilen Persönlichkeit zu entwickeln. Unsere Arbeit basiert auf einem guten, persönlichkeitsstärkenden und vor allem verlässlichen  Beziehungsangebot. Durch dieses Beziehungsangebot erleben die jungen Menschen im Haus oft das erste Mal, dass sie sich auf Erwachsene verlassen können, dass Versprechen eingehalten werden, dass man keine Angst haben muss, wenn „Fehler“ passieren. Die Erlebnispädagogik ist ein tolles Konzept, um Erfahrungen zu machen und seine Erfahrungen ausweiten zu können, um Vertrauen wieder aufbauen zu können.

Christian Weise: Mir ist verstärkt bewusst geworden, dass die bei uns lebenden Kinder und Jugendlichen früher erwachsen werden müssen, als ihre Altersgenossen, die in der Regel immer länger im Elternhaus bleiben. Das ist für unsere Bewohner und Kollegen eine besondere Herausforderung, die sie gemeinsam meistern müssen.
 
Andreas Hörning ist seit 2002 stellv. Leiterin des
Raphaelhauses.
(Die Fragen stellte Thomas Emons)     


Zur Person

Christian Weise - Jahrgang 1961, leitet das Raphaelhaus seit 2002, Der Diplom-Sozialarbeiter
und Diplom-Pädagoge hat an der Universität Duisburg/Essen studiert und ist ausgebildeter , Familienberater.

Andrea Hörning, Jahrgang 1965, ist seit 2002 seine Stellvertreterin.
Die Diplom-Heilpädagogin, Familientherapeutin, Kinder- und
Jugendtherapeutin und  Traumatherapeutin hat an der Fachhochschule in Hannover studiert.

Dieser Text erschien am 12. Juli 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 13. Juli 2018

Die MST präsentiert mit ihrem neuen Internet-Portal Mülheims schönste Seiten



www.muelheim-tourismus.de. Diese Internetadresse der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismus-Gesellschaft (MST) muss man sich ab sofort merken, wenn man als Einheimischer oder als Auswärtiger etwas erleben will.
Das neue Internetportal begeistert mit aktuell 500 großen Bildern und kompakten Texten, die den Nutzer schnell zum Ziel führen. Die meisten Fotos stammen vom Fotografen-Ehepaar Meurer (meurers.net), das Mülheim bereist und mit "neuen Augen" gesehen hat. Veranstaltungshinweise, Hotelbuchungen, toruistische Erlebnispakete, Kunst und Kultur, Tagungs-, Veranstaltungs- und Festmöglichkeiten in der Stadthalle, Saalmieten, Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps der Mülheimer Gästeführer. Alles das und noch mehr finden interessierte Mülheimer und Gäste, die die Stadt besuchen, auf der neuen Internetseite der MST optisch ansprechend, inhaltlich informativ und zielführend.

Information trifft Emotion

"Wir verstehen unsere neue Internetpräsenz als ein Informationsportal und als ein Vermarktungsinstrument, ohne das wir als Stadt im digitalen Zeitalter auf dem Markt nicht mehr bestehen können", erklärt MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs. "Wir möchten die Nutzer unserer Internetseiten nicht nur informieren, sondern mit großen und attraktiven Fotos auch emotional ansprechen", ergänzt ihr für das Veranstaltungsmanagement zuständiger Abteilungsleiter Jens Weber. Und der für die MST-Abteilung Tourismus verantwortliche Marc Baloniak macht dem Hinweis auf 196.000 Touristen, die Mülheim 2017 besucht haben, deutlich, dass Tourismus ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor ist. Das gilt auch dann, wenn er, wie im Falle Mülheims, zu drei Vierteln von Tagestouristen getragen wird, die zu 80 Prozent aus geschäftlichen Gründen in Mülheim verweilen und in der Regel ein oder zwei Nächte in Hotels oder in privaten Gastzimmern und Ferienwohnungen übernachten.

Damit sich Nutzer möglichst leicht und schnell auf den Seiten von: www.muelheim-tourismus.de bewegen und zum Ziel kommen, können wurden sie in die Rubriken: Service, Ruhr und Aktiv, Erleben, Sehenswertes und Suchen und Buchen unterteilt. Eine Suchmaschine auf Daten- und Schlagwort-Basis, erleichtert die Orientierung im reichhaltigen Informationsangebot, das vom Online-Team der MST im Laufe der letzten 18 Monate zusammengestellt worden ist. 

Dieser Text erschien am 12. Juli 2018 im Lokalkompass und in der Mülheimer Woche

Donnerstag, 12. Juli 2018

Bilder, die berühren

Wer auf der ersten Rathaus-Etage zwischen dem Ratssaal und dem Sitzungssaal der Ratsausschüsse vorbeikommt, kann sie bis zum 29. September nicht übersehen, zehn großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien. Sie zeigen keine Stars, keine Politiker oder Künstler, sondern Kinder, die als Flüchtlinge in unsere Stadt gekommen sind.
"Diese Fotos berühren mich, weil sie mir zeigen, dass man mehr tun müsste, als man tut", sagt die Rektorin der Realschule an der Mellinghofer Straße, Judith Koch, mit Blick auf die Fotos des Werbefotografen Frank Plück. Die Fotoausstellung, die bewusst an einem öffentlichen Ort präsentiert wird, an dem viele Bürger täglich unterwegs sind und einige gewählte Bürger im Namen ihrer Mitbürger politische Entscheidungen treffen müssen, ist Ergebnis einer Foto AG, die Plück seit drei Jahren an der Realschule Mellinghofer Straße leitet.

Werbung für die Menschlichkeit

Denn Plück hat die Fotos mit seiner Leica M8 aufgenommen. Aber die Schüler seiner Arbeitsgemeinschaft und der angehende PR-Journalist Niclas Scheidt haben zehn Flüchtlingskinder aus der zur Realschule Mellinghofer Straße gehörenden Seiteneinsteieger-Schule an der Bruchstraße interviewt und ihre Geschichte anhand eines ihrer Lieblingsgegenstände" erzählt. "Man wird mit den persönlichen Schicksalen der Flüchtlinge konfrontiert und erfährt etwas von ihrer Dankbarkeit, dass sie hier sein dürfen und von den Schrecken, die sie in ihrer Heimat erlebt haben", erinnert sich Schüler Justin Kortheuer an die Interviews, die auch als Sprachtraining für die Flüchtlingskinder gedacht waren.

"Ein besonders ernst schauender Junge hat keinen Liebelingsgegenstand mitgebracht, weil er bei seiner überstürzten Flucht nichts mitnehmen konnte. Ein anderer hat eine Mütze mitgebracht, die ihm sein Cousin in einem jordanischen Flüchtlingslager geschenkt hat und ein optimistisch blickendes Mädchen hat die Überfahrt in einem Schlauchboot am Tag ihreres Geburtstages, wie ein Abenteuer und ein Geburtstagsgeschenk erlebt", gibt Niklas Scheidt einige Interview-Eindrücke wieder.

"Mich bewegt es, wenn ich sehe und erfahre, was diese Kinder in ihrem jungen Leben schon alles erleben mussten", sagt Bürgermeisterin Margarete Wietelmann, die die Ausstellung auf der ersten Rathausetage eröffnet hat. Und Werbe-Fotograf Fran Plück, der mit seinen Flüchtlingskinderportraits eine Werbung für die Menschlichkeit geschaffen hat, berührt die Tatsache, dass die von ihm fotografierten Kinder, durch ihre traumatischen Erlebnisse geprägt, "älter und erwachsener aussehen, als es ihrem Alter entspricht." 

Dieser Text erschien am 11. Juli 2018 im Lokalkompass und in der Mülheimer Woche