Freitag, 30. Juli 2021

Der Lotse

Damit Integration gelingt: der Diplom Pädagoge Andreas Herget berät im Auftrag des DRK-Kreisverbandes Zuwanderer und Flüchtlinge

Eineinhalb Jahre, nachdem sich Matthias Langer In den Ruhestand verabschiedet hat, ist der Kreisverband nun wieder mit einem Migrationsberater am Start. Langers Aufgabe übernimmt der 59-jährige Diplom Pädagoge Andreas Herget. Der Mann, der eine langjährige Beratererfahrung in den Bereichen Jugendhelfer, Behindertenarbeit und Sozialrechtes mitbringt, kommt ursprünglich aus Essen, lebt heute aber mit Frau & Kindern? in Dinslaken.

„Das Einpendeln nach Mühlheim klappt problemlos. In einer halben Stunde bin ich an meinem Schreibtisch im Hilfezentrum an der Aktienstraße“ betont Herget. Bevor er zum Roten Kreuz kam, die Stelle fand er im Internet, waren die Caritas, die Evangelische Kirche und die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung seine langjährigen Arbeitgeber. „In die Migrationsberatung und deren rechtlichen Hintergründe arbeite ich mich zurzeit noch ein. Aber vieles, was ich hier zu leisten habe, hat mit dem Sozialrecht zu tun. Und damit kenne ich mich aus meinen früheren Berufsleben gut aus“, erklärt Herget.

Seit Mitte April gehört der begeisterte Wandersmann und Vater einer erwachsenen Tochter zum hauptamtlichen Mitarbeiterteam des Mülheimer DRKs. Seitdem hat er 49 erwachsene Zuwanderer beraten. Corona-bedingt lief das bisher etwas ungewöhnlich ab. Seine Klienten kamen in den Hof das Hilfezentrums und führten ihre Beratungsgespräche durchs Fenster des Beratungsbüros, das sich im Erdgeschoss gleich neben der Anmeldung befindet.

Doch aufgrund der sinkenden Infektionszahlen kann Andreas Herget seit dem 7. Juni wieder Präsenz-Beratungen in seinem Büro anbieten. Allerdings kann er dort maximal einen Klienten beraten. Außerdem steht bei Beratungsgesprächen eine durchsichtige Plexiglasscheibe zwischen ihm und seinen Klienten. „Ich bin froh, dass ich jetzt nicht mehr nur telefonischen Beratungsgespräche führen muss. Denn die Inhalte, um die es geht, sind meistens komplex und drehen sich um Fragen der sozialen Existenzsicherung. Auch Namen der Zuwanderer, die zum Beispiel als Flüchtlinge aus Syrien, aus dem Irak oder aus Nigeria nach Mülheim gekommen sind, kann man am Telefon schnell falsch verstehen.“, erzählt der Berater.  Menschen in einer schwierigen Lebenssituation mit seinen detaillierten Kenntnissen der Sozialgesetzbücher existenzsichernde Leistungen und damit die Chance auf eine gesellschaftliche Integration und einer Zukunftsperspektive zu vermitteln, befriedigt Andreas Herget sehr. Vor allem, wenn es um Familien geht, weist er auch gezielt auf die Bildungs- und Freizeit-bezogenen Unterstützungsleistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes hin. Zuletzt konnte der neue Migrationsberater des Kreisverbandes auch dabei helfen, Angehörige einer Flüchtlingsfamilie, die in unterschiedlichen westdeutschen Städten leben, durch die Planung und Durchführung eines behördlich genehmigten Umzugs zusammenzuführen.

Es waren weniger seine Klienten als einige Mitarbeiter der Mülheimer Sozialverwaltung, die bisher seine Frustrationstoleranz herausgefordert haben. „Leider gibt es immer noch Kollegen, die Flüchtlingen falsche Informationen weitergeben und ihnen vermitteln, dass sie keine Ansprüche auf Sozialleistungen haben“, erzählt Herget. Er  erinnert sich an einen syrischen Altenpfleger, der infolge seiner Berufstätigkeit in Deutschland ein Rückenleiden entwickelt hat und zurzeit arbeitsunfähig ist. Weil er deshalb seine Stelle verloren hat, hat er Anrecht auf Arbeitslosengeld 1 und ergänzendes Arbeitslosengeld 2. Doch erst nach einer massiven Intervention beim Leiter des Sozialamtes, Thomas Konietzka und beim Oberbürgermeister Marc Buchholz konnte Herget erreichen, dass dem syrischen Endzwanziger die ihm zustehenden Sozialleistungen bekommen hat. „Die Menschen die zum Teil aus Bürgerkriegsländern zu uns kommen, stehen unter einem hohen sozialen Druck. In diesem Fall half ein Freund, bei dem der zurzeit arbeitsunfähige Altenpfleger aus Syrien runterkommen konnte. Aber das kann für ihn natürlich keine Dauerlösung sein. Jetzt wird medizinisch abgeklärt, ob er rehabilitiert und in seinem bisherigen Beruf wieder arbeitsfähig werden kann. Falls er aufgrund seiner gesundheitlichen Situation seinen in Deutschland ausgeübten Beruf nicht mehr ausführen kann, müssen wir eine berufliche Umschulung in Angriff nehmen“, schildert Herget den Fortgang der Beratung.

Der Migrationsberater das Kreisverbandes Erwachsene Flüchtlinge. Das sind alle Flüchtlinge und Zuwanderer, die 27 Jahre und älter sind, über einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren. Allerdings gibt es für ihn auch darüber hinaus die Möglichkeit punktuell immer wieder Hilfestellungen anzubieten. Je schneller die zugewanderten Menschen bei uns eine selbständige Lebensperspektive bekommen, an deren Anfang meistens die Teilnahme an einem Sprach- und Integrationskurs steht, desto eher können Sie sich sozial integrieren und einen Beitrag zu unserem Gemeinwesen leisten“, sagt Herget.

Dass sich viele seiner Klienten, mit denen er meistens auf Englisch manchmal auf Deutsch und oft auch mithilfe eines Dolmetschers oder mithilfe einer Übersetzungs-App auf Arabisch und in anderen Sprachen kommunizieren muss, mit den amtlichen Formularen und ihrem Juristen-Deutsch schwertun, wundert ihn nicht. „Damit tun sich auch viele Deutsche schwer. Oft ist die Amtssprache nur schwer zu verstehen und Menschen, die nicht in unserer Sprache und in unserem Sozialsystem aufgewachsen sind, können die Komplexität des Sozialrechts und seine Dokumentation kaum nachvollziehen“, sagt Herget. Er versucht seinen Klienten deutlich zu machen, „dass es Sinn macht, sich Aktenordner anzuschaffen und eine Akte mit ihren persönlichen Papieren anzulegen, da die Formulare und das Papier im Laufe ihres Aufenthaltes immer mehr wird.“ Bei vielen Klienten muss er erst einmal eine lose Blattsammlung sortieren und in die Reihe bringen, um den roten Faden das jeweiligen Falls aufgreifen und weiterführen zu können.

Auch wenn Herget und einige seiner Klienten bereits schlechte Erfahrungen mit der Mülheimer Sozialverwaltung gemacht haben, räumt der Diplom-Pädagoge, dessen Wiege in der Nachbarstadt Essen stand, ein dass man mit der hiesigen Bürokratie auch gute Erfahrungen machen kann. Einige Sachbearbeiter haben ihm auch schon Tipps und Hinweise oder wichtige Kontaktdaten vermittelt, die ihm seine Arbeit erleichtert haben. „Oft habe ich auch nur eine Lotsenfunktion, wenn es zum Beispiel um eine Überschuldung oder ausbleibende Unterhaltszahlungen geht. Dann vermittle ich die Klienten weiter zum Beispiel an die Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt. Wenn es sich um Zuwanderer der Generation U27 handelt, verweise ich sie an die Kolleginnen und Kollegen der anderen Sozialverbände Caritas, Diakonie und Arbeiterwohlfahrt, die für sie zuständig sind. Die Migrationsberatung des 1907 gegründeten Kreisverbandes reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Damals waren es vor allem Spätaussiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die heute zu Polen und Russland gehören, die beim Roten Kreuz, das damals noch im Haus an der Löhstraße saß, Rat und Hilfe für den Neustart in Westdeutschland fanden.

Heute ist die Migrationsberatungsstelle des Kreisverbandes eine von bundesweit 500 Beratungsstellen für erwachsene Migranten. „Inzwischen“ so Herget, „gibt es sogar eine App (MEBON), über die erwachsene Zuwanderer, via Smartphone, Kontakt zu uns und unseren Kollegen aufnehmen können.“ Das von Herget betreute Beratungsbüro für Zuwanderer im Erdgeschoss des Service- und Hilfezentrums an der Aktienstraße, ist montags und dienstags von 9 - 12 Uhr sowie von 13 - 16 Uhr geöffnet. Freitags berät Herget dort zwischen 9 und 12 Uhr. Mittwochs und donnerstags ist er in seinem Büro zwischen 13 und 16 Uhr zu erreichen. Wer sich für eine Beratung anmelden möchte, erreicht ihn über die zentrale Rufnummer das Kreisverbandes unter: 0208-450060 oder unter Hergeht Durchwahl 0208-45006-15 sowie per E-Mail an a.herget@drk-muelheim.de. Man kann sich auch persönlich am zentralen Empfang des Kreisverbandes im Erdgeschoss des Hilfezentrums anmelden.

 

Hintergrund:

In Mülheim leben heute 172.000 Menschen aus 140 Nationen. Weltweit sind zurzeit, nach Angaben der Vereinten Nationen, 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus der DDR und den ehemaligen deutschen Ostgebieten, jenseits von Oder und Neiße, in Westdeutschland aufgenommen und integriert, auch mit maßgeblicher Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten die Ostflüchtlinge etwa 1/5 der Mülheimer Neubevölkerung. Lebten bei Kriegsende 1945 in Mülheim 88.000 Menschen, so waren es schon 1950 schon 150.000. 1973 erreichte die Stadt, auch durch die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte ihren bisherigen Bevölkerungshöchststand von 193.000 Einwohnern. Heute liegt der Anteil ausländischer Einwohner bei 16 Prozent.


DRK-Magazin Mülheim, Juni 2021

Mittwoch, 28. Juli 2021

Singen macht Freu(n)de

 Ein Konzertmotto des Männergesangvereins Heißen lautete: „Lieder sind die besten Freunde“. Tatsächlich ziehen sich Freundschaften und Geselligkeit wie ein roter Faden durch die 100-jährige Geschichte des Heißener Männergesangvereins.

Dafür, dass sich zunächst 13 Chorbrüder fanden, die einen Männergesangverein gründeten, sorgte 1921 die Gastwirtin Maria Heckmann, genannt Mariechen. Sie brachte die männlichen Stammgäste ihrer Gaststätte „Hingberg Höhe“ an der Ecke Hingbergstraße/Ottostraße zum Singen. Auch vor 100 Jahren war „Mann“ gut beraten dem Rat einer klugen Frau zu folgen. Das taten die Sänger des zunächst von Friedrich Volkenborn geleiteten MGV Heißen auch 2017, als sie sich von ihren Frauen, die sich regelmäßig zum Stammtisch treffen, dazu bringen ließen, eine Chorfassung von Helene Fischers Schlager: „Atemlos durch die Nacht“ auf die Bühne zu bringen. Nicht nur das weibliche Publikum war begeistert.

Mehrsprachig und vielseitig

Obwohl der inzwischen von Klauspeter Rechenbach geleitete Chor ein modernes, mehrsprachiges und vielseitiges Repertoire singt, zu dem Shantys, Gospels, Schlager und Operetten-Ohrwürmer gehören, macht das mit 74 Jahren, 5. jüngste Chormitglied Jochen Jeske, keinen Hehl daraus, dass er den klassischen Männerchor als ein Auslaufmodell betrachtet. „Wir bekommen einfach keinen Nachwuchs, weil sich die Interessen der jüngeren Generation verändert haben. Heute beschäftigen sich die jungen Leute lieber mit ihrem Smartphone als mit gemeinsamen Gesang“, bedauert Jeske.


Er selbst entdeckte bereits in den 1960er Jahren als Mitglied des Essen Mülheimer Jugendchores die Freude am gemeinsamen Gesang. Unsere Konzertreise in die USA, die mir meine Eltern 1963 ermöglichten, bleibt mir ein prägendes Erlebnis“, sagt Jeske. Deshalb ließ er sich vor 50 Jahren auch gerne für den Männergesangverein Heißen gewinnen. „Damals probten wir noch in der Gaststätte Ternieden an der Ecke Hingbergstraße/Wiescher Weg. Und jeder Mann, der neu nach Heißen kam und bei Ternieden einkehrte, bekam mit der Speisekarte ein Aufnahmeformular für den MGV Heißen“, erinnert sich Jeske.

Gemeinsamkeit ist schön

Wie seine Sangesbrüder, die dem Chor über Jahrzehnte treu geblieben sind, hat er den Beitritt nie bereut. 2021 werden es 50 Jahre. Die gemeinsamen Proben, die gemeinsamen Konzerte, die gemeinsamen Sängerreisen und die Chorfeste gehören zu den schönsten Erlebnissen und Erinnerungen seines Lebens. Im MGV Heißen fand Jeske Freunde fürs Leben. „Wir haben Glück, dass uns unser Vorsitzender Gerd Hermann Mombour auf seinem Grundstück an der Heinrichstraße 14 Räumlichkeiten für unsere Proben zur Verfügung stellen kann. Denn Chöre, die darauf angewiesen sind, in einer Gaststätte zu proben, haben oft Schwierigkeiten ein Probenlokal zu finden und bezahlen zu können“, beschreibt der Chorbruder die Lage der Liederfreunde. Corona hat auch das Jubiläum des MGV Heißen durcheinandergebracht. Jubiläumskonzert, Sängerfest Sängerfahrt und die Vereinsfahrt nach Hamburg mussten auf 2022 verschoben werden.

Ab 10. August wird wieder geprobt

Immerhin können sich die 24 aktiven Sänger des MGV Heißen, denen eine sangesfreudige Verstärkung immer willkommen ist, am Dienstag, den 10. August um 18:30 Uhr zu ihrer ersten Probe nach den Sommerferien auf dem Grundstück ihres Vorsitzenden an der Heinrichstraße 14 treffen.
Nach dem Konzert im Theatersaal der Freien Waldorfschule an der Blumendeller Straße traten der MGV 1921 in den folgen Jahren mit dem Chorfreunden vom Oberhausener Chor MGV Cäcilia 1885 dann im Caritas-Zentrum St Raphael am Hingberg, in der evangelischen Gnadenkirche am Heißener Markt, , auf dem Heißener Bauernhof der Familie Steineshoff und beim Sängerfrühschoppen im Kloster Saarn auf und sind dankbar dafür, dass sie den 100. Geburtstag ihres Gesangvereins noch feiern können. Viele Traditionschöre, zuletzt der 1878 als Thyssen-Chor gegründete Mannesmannchor haben sich in den letzten Jahren, mangels Masse und Klang, auflösen müssen. Den demografischen Wandel sorgt für einen anhaltenden Mitgliederschwund der Männerchöre.
Schaut man auf die Internetseite des Chorverbandes Nordrhein-Westfalen, entdeckt man heute dort noch die Mülheimer Chöre der Friedrich-Wilhelms- Hütte von 1929, den Mülheimer Frauenchor 1995, die 1860 gegründeten Männergesangvereine Saarn und Broich, die Liederfreunde von 1921, den Ruhrschrei, den jungen Chor Charisma und den Mülheimer Jazz- und Popchor.

Ein Stück Stadtgeschichte

Vor 100 Jahren, als es in Mülheim noch mehr als 250 Gaststätten gab, waren Chöre als Orte der kreativen Freizeitgestaltung, der sozialen Geselligkeit und der Nachbarschaftshilfe angesagt. Wie der Vater, so ging auch der Sohn in den Männerchor, der in der Eckkneipe ein nahes, schönes und preiswertes Freizeitvergnügen war. Die meisten Menschen arbeiteten 48 Stunden pro Woche. Die knappe Freizeit verbrachte man am besten vor der Haustür. Radio, Fernsehen und Internet gab es nicht. Die meisten Menschen fuhren weder in Urlaub noch mit dem Auto, sondern bestenfalls mit der Straßenbahn. In der Regel gingen sie aber zu Fuß und investierten das gesparte Geld in das Bierchen nach der Chorprobe.

In den bis 1945 reichlich vorhandenen Krisen- und Kriegszeiten, aber auch im Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg waren Chöre und andere Vereine soziale Netzwerke nachbarschaftlicher Lebenshilfe und gelebter Lebensfreude. Diese chorale Lebensfreude wollen sich die insgesamt rund 100 aktiven und passiven Mitglieder des Männergesangvereins Heißen so lange erhalten wie möglich.


MW/LK, 27.07.2021

Dienstag, 27. Juli 2021

Harte Fahrschule

 An dieser Stelle werbe ich aus eigener Erfahrung und aus eigenem Miterleben oft und zurecht um mehr Rücksichtnahme auf Fußgänger. Rasender Radfahrer und zugeparkte Gehwege machen dies immer wieder nötig. Aber leider sind auch Fußgänger keine grundsätzlich besseren Verkehrsteilnehmer. Dies musste ich jetzt miterleben, als ein älterer Mann am Gehstock unmittelbar vor einer einfahrenden Straßenbahn glaubte, die Straßenseiten an der zentralen Haltestelle in der Friedrich-Ebert-Straße mit dem Ziel der Wegverkürzung und der Zeitersparnis wechseln zu müssen. Und dies tat er nicht regelkonform an dem nur wenige Schritte entfernten beampelten Übergang, sondern auf dem kürzesten Weg unmittelbar vor der einfahrenden Straßenbahn. Besagter Fußgänger machte sich nicht mal die Mühe, mit dem Blick nach links die Geschwindigkeit der ankommenden Straßenbahn einzuschätzen. Sonst hätte er gemerkt, dass sein Vorgehen im Zweifel der kürzeste Weg zum Friedhof hätte werden können. Doch der waghalsige Fußgänger, der offensichtlich ein Rad abhatte, hatte Gott sei Dank einen Schutzengel und das Glück des Unvernünftigen auf seiner Seite. Denn die einfahrende Tram wurde, siehe Anzeige, von einem  umsichtigen Straßenbahnfahrschüler der Ruhrbahn gesteuert. Er konnte das tonnenschwere öffentliche Personennahverkehrsmittel  gerade noch rechtzeitig abbremsen. So musste der junge Tram-Fahrschüler gleich bei einer der ersten Dienstfahrten für sein Berufsleben lernen, was ihm im öffentlichen Personennahverkehr so alles und jederzeit in die Quere kommen kann. Möge er durch diese harte Schule der alten Schule, die offensichtlich nicht vor Dummheit schützt, in seiner umsichtigen Fahr- und Führungsweise gestärkt worden sein. Und dem rücksichtslosen Fußgänger möchte ich mit auf den Weg geben. „Augen auf, bei jedem Tageslauf. Denn nicht jeder Tag ist ein Glückstag, in dem andere Menschen als Verkehrsteilnehmer und auf anderen Lebenswegen für einen mitdenken!“ 

NRZMH, 26.07.2021

Montag, 26. Juli 2021

Nur Bares ist Wahres

Die Europäische Zentralbank denkt über die Einführung einer digitalen Währung nach. Das macht mich angesichts der Negativzinsen, die die EZB bereits eingeführt hat, skeptisch. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die örtliche Bank Ihres Vertrauens. Zugegeben. Das bargeldlose Bezahlen hat seine Vorteile. Doch ich frage mich, ob die Banker und die hinter ihnen stehenden Finanzminister unser Bestes oder doch nur unser Geld wollen, wenn sie uns zu einem Volk der bequemen Kartenschieber, Display-Gucker und Tastendrücker machen und uns damit digital dermaßen einlullen und degenerieren, dass wir am Ende den Überblick über unsere hart verdienten Münzen und Scheine angesichts der digitalen Zahlenkolonnen verlieren und deshalb desorientiert mit unserer gegenstandslos gewordenen Barschaft ausgerechnet die Kassen jener Nullen klingeln lassen, die es am wenigsten verdient haben, weil sie sich auf Kosten der Allgemeinheit als finanzpolitisch große Nummern gerieren, tatsächlich aber nur nach möglichst vielen Dummen suchen, die die Fehlkalkulationen ihrer Milchmädchenrechnungen bezahlen. 


Dieser Text erschien am 21. Juli 2021 in der NRZ


Sonntag, 25. Juli 2021

Ruhr-Hochwasser 2021

 Das Ruhr-Hochwasser, dass Mülheim am 14. und 15. Juli 2021 mit einer Fließgeschwindigkeit von 1410 Kubikmetern Wasser pro Sekunde heimsuchte, wird als eines der schwersten in die Stadtgeschichte eingehen. Der Ruhrpegel lag nach Angaben des Ruhrverbandes bei bis zu 7 Metern, Bei einem mittleren Hochwasser liegt der Ruhrpegel bei 5,20 Metern. Bei normaler Wasserlage schwankt der Ruhrpegel zwischen 1 Meter und 1,95 Metern. 

Bei dem aktuellen Hochwasser handelte es sich um das schwerste Hochwasser, das der Ruhrverband seit dem Beginn seiner Aufzeichnungen im Jahr 1968 registriert hat. Stadtweit mussten rund 40 Straßen und Plätze ganz oder teilweise wegen des Hochwassers gesperrt werden. Die normale Fließgeschwindigkeit der Ruhr liegt bei 10 Kubikmetern pro Sekunde. 

Der Mintarder Ruhrdeich weichte auf, konnte aber mithilfe einer Stabilisierung standhalten. Auch Teil der Altstadt und die Schleuseninsel standen unter Wasser. Dort fiel zwischenzeitlich der Strom aus. Allein am 16. Juli wurden mehr als 90 Hochwasser- und Starkregenbedingte Hilfseinsätze und 162 Rettungseinsätze. In Mintard mussten 15 Menschen mit ihren Haustieren per Schlauchboot aus ihren Häusern gerettet werden. Auf dem Campingplatz am Mintarder Ruhrufer hieß es: "Land unter!"

Die Bewohner des ruhrnahen Franziskushauses mussten zwischenzeitlich in Krankenhäuser und in andere Pflegeheime evakuiert werden. Den Bewohnern des ebenfalls am Ruhrufer gelegenen Ruhrgartens blieb eine Evakuierung erspart. Die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk hatten alle Hände voll zu tun. Die zwischenzeitlich vollgelaufenen Tiefgaragen unter der Schloßstraße und unter dem Rathausmarkt mussten leergepumpt werden. Die 300 haupt- und ehrenamtlichen Helfer, bei denen sich Oberbürgermeister Marc Buchholz für ihren Einsatz bedankten, wurden von ihren Arbeitgebern freigestellt. 

Mietarbeiter des Siemens-Werks sammelten binnen 72 Stunden 275.000 Euro für die Opfer der Hochwasser-Katastrophe. Ein Spendenaufruf der Funke Medien Gruppe und der Caritas für alle Opfer der Hochwasser-Katastrophe hat bisher 4,2 Millionen Euro eingebracht. 

Mitglieder des Mülheimer Kanuvereins halfen in Marienthal an der Ahr bei den Aufräumarbeiten nach der Hochwasser-Katastrophe. Am 31. Juli unterstützte die Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG mit 14 Mitarbeitern und 7 Fahrzeugen die Aufräumarbeiten in dem vom Hochwasser besonders stark betroffenen Erfststadt.

Die Agentur für Arbeit, die Bürgeragentur und die SWB boten Hochwassergeschädigten Soforthilfe und Notunterkünfte an. Bis Ende Juli hat die Stadt Soforthilfen in einer Gesamthöhe von 40.500 Euro an vier Gewerbetreibende und 8 Privathaushalte ausgezahlt. Die Antragsfrist für Soforthilfe läuft noch bis zum 30. August. Die Freilichtbühne und der Jazzclub initiieren ein Benefizkonzert für die Opfer der Hochwasserkatastrophe. Die Ruhrbahn stellt Hochwassergeschädigten bis Ende August Gratis-Fahrkarten für Busse und Bahnen zur Verfügung. 

Anders, als in anderen Flutgebieten, hatte Mülheim keine Toten zu beklagen. Insgesamt sind 182 Menschen in den westdeutschen Flutgebieten ums Leben gekommen.

 Im Internet kursierte das Video der "Moornixe", eines Privatschiffs, das sich aufgrund des Hochwassers aus seiner Verankerung gerissen und steuerlos auf der Ruhr manövrierend, mit dem Kahlenbergwehr kollidierte. Die im Stadthafen vor Anker liegenden Boote schwammen zweitweise auf einer Ebene mit den angrenzenden Gehwegen der Ruhrpromenade. 

Auf der  Schleuseninsel fiel hochwasserbedingt zwischenzeitlich der Strom aus. Helfer bauten einen 1 Meter hohen Schutzwall aus Sandsäcken, um die Hochwasserschäden zu begrenzen.

Nach dem jüngsten Ruhrhochwasser wird jetzt auch im Mülheimer Stadtrat und in der Öffentlichkeit verschärft darüber diskutiert, ob man Neubauten an den Ruhrufern verbieten soll. Naturschützer stellen verschärft die Frage nach einer klimaangepassten Stadtplanung mit mehr renaturierten Freiflächen, auf denen Hochwasser auslaufen könnte, ohne Gebäude und ihre Bewohner und Nutzer zu schädigen. 

Weil das Hochwasser mit einer starken Verunreinigung der Ruhr einherging, haben Gesundheitsamt und Wasserwerk (RWW), die Bürger dazu aufgerufen, ihr Trinkwasser vom 16. bis zum 21. Juli vor dem Genuss abzukochen. Noch bis zum 4. August wird der Wasserversorger RWW das Trinkwasser infolge des Hochwassers hygienebedingt weiter chloren. 

Der Verein 4330 hilft und die Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG haben am ersten August-Wochenende mit einer freiwilligen Aufräumaktion an den Ruhrufern insgesamt 20 Tonnen Flut-Müll entsorgt. 120 freiwillige Helfer waren im Einsatz. Die MEG hat nach eigenen Angaben unmittelbar nach dem Hochwasser mit 12 Sonderfahrten 57 Tonnen Flutbedingten Sondermüll entsorgt. 

Besonders hart traf es am linken Ruhrufer die DJK Mintard, deren Vereinsgelände überschwemmt und deren Kanusportanlage zerstört wurde. Auch eine Kleingartenanlage an der Mintarder Straße war vom Hochwasser stark betroffen.

Samstag, 24. Juli 2021

Mülheims Hochwasser-Historie

 Auch in früheren Jahrzehnten hat es in der Stadt am Fluss extreme Hochwasser gegeben. Das zeigt ein Blick in die Mülheimer Lokalpresse.

Im Februar 1926 lässt die Mülheimer Zeitung „den denkwürdigen Jahreswechsel“ Revue passieren, als die Ruhr auch die gerade erst am Broicher neuerrichtete Stadthalle geflutet hat. Die Zeitung erinnert daran, dass an die Ruhr bereits nach dem-November-Hochwasser des Jahres 1890 vertieft und erweitert worden sei, um die Wassermassen besser abfließen zu lassen. Dennoch sieht man auf den Bildern der damaligen Zeit vom Wasser geflutete Ruheanlagen und Straßen in der Mülheimer Innenstadt, auf denen Menschen versuchen, in Booten voranzukommen.


13 Jahre später titelt die Mülheimer Zeitung am 31. August 1938: „Wolkenbruch über Mülheim: Überschwemmungen wie sie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr da gewesen sind: Unermessliche Schäden angerichtet. Dass Rumbachtal verwandelt sich in eine in einen See und der Dickswall in einem großen Bach.“

Doch noch katastrophaler wirkt sich ein von Menschenhand gemachtes Hochwasser aus, das am 17. Mai 1943 um 0.30 Uhr durch britische Bomben auf die Möhne-Talsperre ausgelöst wird.


Die Folgen der Flutwelle, die sich durch das 75 Meter breite Loch der Sperrmauer auf einer Länge von 150 Kilometern bis zu 12 Meter hoch und 100 Meter breit ins Ruhrtal ergießt, kostet mehr als 1000 Menschenleben, zerstört mehr als 100 Häuser und beschädigt fast 1000 Gebäude. 7 Eisenbahnstrecken werden unpassierbar 40 Quadratkilometer Ackerfläche werden zerstört. In Mülheim wurde erstmals seit 1890 der Rekord-Ruhrpegel von 6,69 Meter überschritten. Der normale Ruhrpegel liegt damals bei 1 Meter. Die verheerenden Schäden sind von den Alliierten gewollt. Sie sollen die Bevölkerung an der Ruhr demoralisieren, die industrielle Infrastruktur und die Energie- und Wasserversorgung zerstören.


Am Tag nach dem britischen Luftangriff schreibt die gleichgeschaltete Mülheimer Zeitung im Sinne der NS-Ideologie: „In der Nacht zum 18. Mai wurden durch britischen Bombenabwurf 2 Talsperren beschädigt, wobei durch den eintretenden Wassersturz schwere Verluste unter der Zivilbevölkerung hervorgerufen worden sind. Auf diesen verbrecherischen Terroranschlag fällt ein außerordentlich bezeichnendes Licht durch eine Meldung des britischen Reuterdienstes, dessen früherer Berliner Korrespondent darüber zu melden weiß: Ein bekannter jüdischer Spezialist aus Berlin hat jetzt in London seine Praxis ausgeübt. Er stellte vor einiger Zeit an mich die Frage: warum die Royal Air Force die Talsperren in Deutschland noch nicht bombardiert habe. Sein Bericht veranlasste mich, einen Brief an das Luftwaffenministerium so richten, indem ich seine Information weitergab. Ich erhielt später eine Antwort, dass man für diesen Vorschlag des jüdischen Spezialisten danke und mir versicherte, man würde ihn auf das sorgfältigste überprüfen. Diese Meldung lässt keinen Zweifel darüber, dass es sich bei diesem Anschlag auch die Talsperren um eine von Juden inspiriertes Verbrechen handelt.“


Der propagandistische Wahnsinn hat wenige Monate nach der Kriegswende in Stalingrad und dem von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels ausgerufenen „totalen Krieg“ Methode, um die Verantwortung für die drohende Kriegsniederlage vom NS-Regime abzuwälzen.

Nach dem die Nachricht vom Luftangriff auf die Möhne-Talsperre bekannt wird, will man sie in vielen Dienststellen erst gar nicht glauben. Doch dann gehen Feuerwehrleute durch die Straßen der Stadt und warnen die verwirrten und verängstigten Menschen vor der bevorstehenden Flutwelle. Die Kirchenglocken läuten Sturm. Viele Menschen laufen auf die Straße oder flüchten sich auf die Dächer ihrer Häuser. Doch manche Menschen werden auch in ihren Betten von der Flut überrascht. 15 Jahre später wird Lokalreporter Hans-Joachim Langner den 17. Mai 1943 rückblickend „als den Tag“ bezeichnen, „an dem der Krieg aufgehört hat, eine Sache der Soldaten zu sein.“ Das der von Hitler-Deutschland begonnene Krieg wie ein Bumerang auf sie zurückkommen, müssen die Mülheimer auch am 23. Juni 1943 erfahren, als ein alliierter Luftangriff weite Teile der Innenstadt dem Erdboden gleich macht und 500 Menschenleben fordert. 


Immer wieder ist die Ruhr, die auf 14 Kilometern Länge durch Mülheim fließt und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein starkbefahrener Transportfluss war, auch in extremer Form über ihre Ufer getreten. So stieg zum Beispiel beim Ruhr-Hochwasser am 25. November 1890 der Ruhrpegel fast um das Siebenfache. Der Rathausmarkt wurde vollständig überschwemmt. Die Bewohner an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße und im Bereich der heutigen Schleuseninsel, wo damals ein Schlachthof stand, flüchteten sich in die oberen Stockwerke und auf die Dächer ihrer Häuser. Es wird berichtet, dass die herbeieilenden Retter Mühe hatten, die Hochwasser-Geschädigten davon zu überzeugen, in ihre schwankenden Kähne einzusteigen.


NRZ/WAZ, 18.07.2021

Freitag, 23. Juli 2021

Die Zeitung der frühen Jahre

13. Juli 1946: In Mülheim erscheint die erste Lokalausgabe der NRZ. Ihre Lizenzierung durch die britische Militärregierung ist Teil der von den Alliierten angestrebten Demokratisierung der über zwölf Jahre vom Nationalsozialismus geprägten deutschen Gesellschaft. Es gehe darum, wie es ein britischer Offizier in der NRZ vom 13. Juli 1946 schreibt, „das Vertrauen in die Menschlichkeit zu stärken“. 

Die erste Lokalausgabe der Mülheimer NRZ besteht aus einer Seite. Berichtet wird unter anderem über die Lebensmittelhilfen des Schwedischen Roten Kreuzes, über den Rehabilitationssport für Kriegsbeschädigte in der heutigen Martin-von-Tours-Grundschule, über den Diebstahl von Lebensmittelkarten, über den Mangel an politisch unbelasteten Lehrern und intakten Schulen und über verschlepptes Schulmobiliar.

Im Kleinanzeigenteil finden sich Tauschangebote, wie: „Biete gut erhaltenen Damenmantel (Größe 42). Suche Herrenanzug.“ Gut ein Jahr nach Kriegsende herrschen in der Trümmerstadt an der Ruhr Hunger und Not. Lebensmittel sind rationiert. Die Kinder sind auf Schulspeisungen des Schwedischen Roten Kreuzes angewiesen. Viele Menschen leben damals notdürftig in Baracken, Häuserruinen, Kellerräumen oder müssen sich noch intakte Wohnungen mit Fremden teilen.

Gleichzeitig lassen Kriegsheimkehrer und Vertriebene aus dem deutschen Osten die Stadtbevölkerung in den ersten fünf Nachkriegsjahren von 88.000 auf 150.000 Einwohner ansteigen. Papier ist knapp In dieser extremen Situation gehen der erste Redaktionsleiter der NRZ, Otto Striebeck, und seine fünf freien Mitarbeiter ans Werk. Das Papier ist knapp und wird von der britischen Militärregierung zugeteilt. Deshalb erscheint die NRZ anfangs nicht täglich, sondern nur zweimal pro Woche. Striebecks Wohnung an der Friedrichstraße, die bis 1945 Adolf-Hitler-Straße geheißen hat, ist die erste Lokalredaktion. Erst später bezieht er ein Redaktionsbüro an der Schloßstraße. Das Monats-Abo der NRZ kostet 1946 1,50 Reichsmark. Die D-Mark wird erst 1948 eingeführt. Otto Striebeck ist damals 51 Jahre alt. Der gelernte Bergmann hat sich zum Redakteur weitergebildet und schon vor 1933 für sozialdemokratische Zeitungen geschrieben. Wie der Herausgeber der NRZ, Dietrich Oppenberg, ist Striebeck Sozialdemokrat.

Deshalb sind beide nach 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Doch sie haben die Hitler-Herrschaft überlebt und wollen jetzt am Aufbau einer neuen deutschen Demokratie mitarbeiten. Die britische Militärregierung hat die NRZ als SPD-nahe Zeitung lizenziert. Deshalb konkurriert das Blatt zunächst mit der CDU-nahen Rheinischen Post und später mit der unabhängigen Westdeutschen Allgemeinen, mit der FDP-nahen Morgenpost und mit den CDU-nahen Ruhrnachrichten. 

Erst 1949 fällt der alliierte Lizenzierungszwang und damit auch die unmittelbare Parteibindung der Presse. Einzug in den Bundestag So wie der Lokalchef der Ruhrnachrichten, Franz Matuszczyk, für die CDU im Stadtrat sitzt, so vertritt Otto Striebeck die SPD im Stadtparlament. 1949 wird der Sozialdemokrat Striebeck dann sogar als erster Mülheimer Abgeordneter in den Deutschen Bundestag einziehen, dem er mit einer Unterbrechung, bis 1965 angehören wird, bevor er 1972 stirbt. 

2011 erinnert sich seine Tochter Elfriede Rosorius (1921-2013) in einem Interview mit der NRZ an ihren Vater: „Er war ein Mann, der Tag und Nacht arbeitete und er konnte Dinge sehr gut erklären, sich mit Meschen auseinandersetzen und ihnen Wege aufzeigen, wie man Dinge regeln kann.“ Die NRZ löst als von den Alliierten lizenzierte Zeitung die alten Lokalblätter Mülheimer Zeitung und Generalanzeiger ab, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 gleichgeschaltet und durch die Pressezensur zu Propaganda-Instrumenten der NSDAP gemacht worden waren.

Mit dem Hinweis: „Jetzt dürfen wir wieder schreiben und sagen, was wahr ist“, wirbt Otto Striebecks Tochter Elfriede 1946 die ersten 500 Abonnenten der Mülheimer NRZ, indem sie von Haus zu Haus geht. Fast auf den Tag genau, 75 Jahre nach dem ersten Erscheinen der Mülheimer Lokalausgabe bilden die heute beide zur Funke Mediengruppe gehörenden NRZ und WAZ in Mülheim eine Redaktionsgemeinschaft. 


NRZ, 13.07.2021



Der Lotse

Damit Integration gelingt: der Diplom Pädagoge Andreas Herget berät im Auftrag des DRK-Kreisverbandes Zuwanderer und Flüchtlinge Eineinhalb ...