Dienstag, 16. Januar 2018

Seelsorger an vorderster Front

Gestern feierte Manfred von Schwartzenberg mit seiner Gemeinde Sankt Barbara sein 25-jähriges Dienstjubiläum als ihr Pfarrer. Dabei verriet er, dass er sein Amt als Militärseelsorger der Bundeswehr anfangs nur widerwillig gegen das Pfarramt von Sankt Barbara eintauschte. Doch inzwischen, so von Schwartzenberg, habe er schon oft „Gott dafür gedankt, dass ich Pfarrer von Sankt Barbara geworden bin.“ Wer den lebensfrohen Pfarrer  kennt, die seine Gemeinde nicht nur zu frommen Musicals zu inspirieren weiß, der konnte gestern aus den vielen Dankesworten an die Adresse des militärisch vorgebildeten Seelsorgers, heraushören, dass der Pfarrer mit seinen Dankgebeten in seiner Gemeinde Gott sei Dank nicht allein ist.

Denn wer als katholischer Priester zölibatär leben muss, ist umso mehr auf die Gegenliebe seiner Gemeinde angewiesen. Das ist wie bei der Bundeswehr. Der General muss zwar nicht zölibatär leben, Frau von der Leyen sei Dank, ist aber immer nur so gut, wie seine Truppe, auf die er sich verlassen kann. Und mal ehrlich. Auch an der Heimatfront kann ein ehemaliger Militärseelsorger mit Generalsqualitäten im Kampf für die Frohe Botschaft und gegen die mutlose Verzagtheit nur gut tun.

Dieser Text erschien am 15. Januar 2018 in der NRZ und in der WAZ

Montag, 15. Januar 2018

Warum braucht Man(n) eine Herrensitzung? - Drei Fragen an den Präsidenten der Roten Funken Heino Passmann

Heino Passmann bei seiner Kür zum Ritter vom Schiefen Turm
im November 2017 (Foto: Sven Sauereßig)
Männer aufgepasst. Jetzt laden die Roten Funken zur Herrensitzung. Los geht es um 11 Uhr im Autohaus Extra an der Fritz-Thyssen-Straße.

 1 Warum ist ein blondes und leicht bekleidetes Nummerngirl in der Herrensitzung so sicher wie das Amen in der Kirche?

Weil der Präsident Durst hat und der Präsident ja schließlich standesgemäß bedient werden muss. Und wie heißt es in einem alten Willy-Millowitsch-Karnevalsschlager: „Wir dreh’n uns nach hübschen Mädeln um, es war immer so, es war immer so.“

2 Was erlebt Mann bei der Herrensitzung, was er nicht bei einer „normalen“ Karnevalssitzung erleben könnte? 

Hier wird die Tradition des gemütlichen Sonntagvormittagsfrühschoppens fortgeführt. Ein gepflegter Frühschoppen unter Gleichgesinnten mit einem heiter-frivolen Programm lässt uns Kräfte sammeln für den Alltag. 

3 Warum müssen die Frauen bei der Herrensitzung ihr Fett weg bekommen?

Wir Männer haben ja mittlerweile verstanden, dass wir vielleicht nicht die Krone der Schöpfung sind. Mein Onkel hat das immer so formuliert: „Das tät schön was geben, wenn der Mann zuhause was zu sagen hätte.“ Wenn nun die Frau ihr Fett abbekommt, stärkt das das Selbstbewusstsein der anwesenden Männer und lässt uns zumindest bis zur Heimkehr im Glauben, das starke Geschlecht zu sein. 

Dieser Text erschien am 13. Januar 2018 in der NRZ/WAZ

Sonntag, 14. Januar 2018

Warum braucht Frau eine Mädchensitzung: Drei Fragen an deren Sitzungspräsidentin Jasmin Kirstein

Jasmin Kirstein leitet die
 Mädchensitzung der Roten Funken
Frauen aufgepasst. Am kommenden Samstag, 20. Januar (19 Uhr) geht im Autohaus Extra die Mädchensitzung über die Bühne. Wie bei den Jungs seid ihr für 20 Euro dabei.

1 Was erlebt Frau bei der Mädchensitzung, was sie nicht auch bei einer „normalen“ Karnevalssitzung nicht erleben könnte?

Da kann Frau die Männer mal so richtig auf’s Korn nehmen, die sich im Alltag oft als das starke Geschlecht gebärden, das den Frauen die Welt erklären muss. Bei der Mädchensitzung dürfen die Frauen humoristisch mal in die Vollen gehen und brauchen

2 Warum müssen Männer bei einer Mädchensitzung ihr komödiantisches Fett weg bekommen?

Dem Mann selbst fehlt es ja leider allzu oft an Selbstironie... Da helfen wir Mädels natürlich gerne aus. Denn ohne Selbstironie und Humor geht es nicht, wenn uns nicht der Kragen platzen soll. Hier können die Männer von den Frauen etwas lernen.

3 Was sieht Frau gerne, wenn sie ihren Mann zuhause gelassen hat, um zur Mädchensitzung zu kommen?

Gerne sieht Frau natürlich einen gedeckten Frühstückstisch und ein zubereitetes Mittagessen. Bei der Mädchensitzung sieht sie natürlich auch einen attraktiven muskulösen Mann, der einen Waschbrettbauch statt einen Waschbärbauch zu bieten hat. Sie grinst dabei und ist ganz entspannt und ausgelassen unter ihres gleichen.


Dieser Text erschien am 13. Januar 2018 in NRZ und WAZ

Samstag, 13. Januar 2018

Was einen Mann so alles reizt

Als Christenmensch könnte ich morgen in die Heilige Messe gehen. Als Mann komme ich aber in einen Gewissenskonflikt. Denn die Roten Funken laden morgen zur Herrensitzung ins Autohaus.
Was könnte besser passen, wenn Man(n) Spaß haben und Gas geben will. Denn das Auto soll ja des deutschen Mannes liebstes Kind sein. 

Mich reizen die Pferdestärken auf vier Rädern als Fußgänger und als Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs aber nicht wirklich. Was mich als Mann natürlich reizen könnte, wäre das blonde Nummerngirl, das bei der Herrensitzung der Roten Funken, leicht bekleidet und ohne rot zu werden dem Herrn Präsidenten das Bier serviert und dabei mit seinen Reizen nicht geizt. Was wohl der Pfarrer meines Vertrauens dazu sagt, wenn ich morgen nicht im Gottesdienst, sondern in der Herrensitzung sitze. Sollte ich vorher oder nachher bei ihm beichten? Oder werde ich ihn morgen vielleicht gar nicht in der Kirche, sondern im Autohaus bei der Herrensitzung treffen? 

Man(n) weiß es nicht. Doch eines scheint mir als Mann sicher. Blonde und leicht bekleidete Nummerngirls sind noch das harmloseste männliche Vergnügen, in einer Welt, in der Man(n) und Frau mit ganz anderen digitalen und medialen Ansichten überreizt werden. Da lobe ich mir dann doch die weiblichen Reize.

Dieser Text erschien am 13. Januar 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 12. Januar 2018

18 Schüler besuchten Israel: Die jungen Leute aus Mülheim, Essen und Duisburg waren eine Woche lang mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Heiligen Land unterwegs.

Nicht nur Jerusalem war und ist eine Reise wert
Foto: Günter Reichwein (DIG)
18 Mülheimer, Essener und Duisburger Schüler konnten jetzt zusammen mit Markus Püll und Günter Reichwein von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Israel besuchen. Beim Nachtreffen im Petrikirchenhaus ließen sie ihre Erinnerungen an die einwöchige Reise Revue passieren. Die drei angehenden Erzieherinnen Bianca Deuse, Meike Linscheidt und Paulina Wodetzky, die zurzeit das Berufskolleg Stadtmitte besuchen, stellten sich am Rande des Treffens den Fragen der Lokalredaktion.

Warum wollten Sie nach Israel reisen?

Meike Linscheidt: Was ich von Israel weiß, weiß ich aus den Medien. Von Bekannten habe ich schon viel Positives über Israel gehört und wollte mir jetzt ein eigenes Bild machen.

Was hat Sie überrascht?

Paulina Wodetzky: Das wir uns in Israel absolut sicher gefühlt haben und auch abends als Frauen problemlos allein unterwegs sein konnten. Auch an die im Straßenbild  überall zu sehenden Soldaten haben wir uns schnell gewöhnt.

Sie haben in Jerusalem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Mit welchem Gefühl?

Bianca Deuse: Wir waren alle sehr berührt und nach dem Besuch sehr still. Es hat uns alle sehr aufgewühlt, dort mit den Biografien und Erlebnissen der Holocaust-Opfer und dem Leidensweg ihrer Deportation konfrontiert zu werden. Wir fühlen uns nicht schuldig für das, was Deutsche lange vor unserer Geburt verbrochen haben. Aber wir nehmen aus Yad Vashem die Erkenntnis mit, dass dieses Menschheitsverbrechen nicht vergessen werden darf und uns auch heute noch zu Frieden und Menschlichkeit mahnt.

Sie haben mit jungen israelischen Wehrpflichtigen gesprochen. Was nahmen Sie dabei mit?

Meike Linscheidt: Mir war vor der Reise völlig neu, dass alle jungen Israelis, Männer wie Frauen, einen zwei- bis dreijährigen Wehrdienst absolvieren müssen. Wir sprachen mit einer jungen Wehrpflichtigen, die aus Deutschland nach Israel ausgewandert ist und die den absoluten Wehrdienst in der israelischen Armee vor dem Hintergrund ihres  Wissens aus Deutschland um die Möglichkeit des Zivildienst kritisch sah. Doch für ihre in Israel aufgewachsenen Kameraden ist der Wehrdienst eine selbstverständliche Pflicht, die sie nicht angezweifelt oder beklagt haben.

Warum sollten Ihre deutschen Altersgenossen unbedingt mal Israel besuchen?

Bianca Deuse: Weil sie ein sehr vielseitiges und faszinierendes Land kennen lernen würden, in dem die Menschen sehr  aufgeschlossen sind. Bei unserem Gespräch mit zwei UNO-Blauhelm-Soldaten auf den Golan-Höhen im Länder-Dreieck Israel-Libanon-Syrien konnten wir uns ein eigenes Bild davon machen, dass das friedliche Zusammenleben von Nachbarländern, wie wir es heute in der Europäischen Union erleben, bei Weitem keine Selbstverständlichkeit, sondern ein sehr wertvoller Schatz ist.

Die nächste Reise wird schon geplant

Mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse und aus Rücklagen, die sich aus früheren Zuschüssen der Städte Mülheim, Oberhausen und Duisburg angesammelt hatten, konnte die Deutsch-Israelische Gesellschaft Mülheim-Duisburg-Oberhausen 20 000 Euro für die Israel-Reise der Schüler zur Verfügung stellen.


Den Rest des Reisebudgets trugen die Schüler mit einem Eigenbeitrag von 450 Euro pro Person. Die DIG sucht Sponsoren für die nächste Schülerreise nach Israel. Infos: dig-duisburg-muelheim-oberhausen.de

Dieser Text erschien am 11. Januar 2018 in NRZ/WAZ

Donnerstag, 11. Januar 2018

Sankt Barbara feiert seinen Hirten - Pfarrer Manfred von Schwartzenberg

Manfred von Schwartzenberg
Am 14. Januar 2018 feiert die Kirchengemeinde St. Barbara mit ihrem Pfarrer Manfred von Schwartzenberg (73) sein 25-jähriges Orts-Jubiläum. 

Sie leben als Priester zölibatär. Ist die Gemeinde für Sie zur Familie geworden?
Im übertragenen Sinne ist das so. Das Dümptener Milieu mit seinen Vereinen, wie DJK, KAB, Kolping und Frauengemeinschaft ist einfach grandios. Ich bin dankbar für die kreativen Menschen dieser Gemeinde, die sich ansprechen und begeistern lassen.

Was genau ist grandios?
Es gibt hier viele Menschen, die kreativ sind und gerne etwas mit ihren Nachbarn zusammen schaffen und sich deshalb für unterschiedliche Aktivitäten ansprechen und begeistern lassen.

Wie wirkt sich das aus?
Wir haben zwei erfolgreiche Musicals über Nikolaus Groß und die Mutter Gottes von Guadalupe auf die Bühne gebracht. Das hat nicht nur nach außen, sondern auch nach innen gewirkt und der Gemeinde eine gewisse Dynamik verliehen. Das gilt aber auch für das gemeinsame Engagement in der Flüchtlingsarbeit, wie in der Partnerschaft mit einer kroatischen Gemeinde oder für die Durchführung von Jugend- und Familienfreizeiten.

Ist St. Barbara eine Insel der Seligen?
Leider nein. Der Kirchenbesuch nimmt seit Jahren ab. Wir haben viele Beerdigungen, aber Gott sei Dank auch viele Taufen und Kommunionkinder. Um Menschen als Kirchengemeinde anzusprechen, muss man sich heute schon etwas besonderes einfallen lassen.

Wie lange werden Sie noch Pfarrer von St. Barbara sein?
Im Mai 2019 werde ich 75 Jahre alt. Dann muss ich in den Ruhestand gehen. Das sieht das Kirchenrecht so vor. Aber ich werde im Rahmen meiner Möglichkeiten auch danach noch im Pastoralteam der Gemeinde mitarbeiten. Die Gemeinde wird keinen neuen Pfarrer, aber einen neuen Pastor bekommen. Stadtdechant Michael Janßen wird dann als Pfarradministrator in einem Verbund von St. Mariae Geburt und St. Barbara vorstehen. Die Pfarrei St. Barbara bleibt rechtlich, mit all ihrem Gremien, erhalten.

Gibt es im Rahmen des Pfarreientwicklungsprozesses schon ein Zukunftsszenario?
Auch wenn die Gemeindevoten erst im Laufe des Februars vorgelegt werden, haben wir in St. Barbara schon ausgefeilte Pläne entwickelt. Die laufen darauf hinaus, dass wir St. Engelbert in Eppinghofen und Albertus Magnus in Styrum aufgeben müssen, weil die notwendige Sanierung nicht zu bezahlen wäre. Für St. Engelbert hoffen wir auf einen Investor, der den Kirchenturm stehen lässt und die Kirche selbst für Büro- und Wohnraum umbaut. Mein ehemalige Pfarrhaus am Schildberg, aus dem ich bereits ausgezogen bin, wird vermietet. Das Pfarrbüro wird ins gegenüberliegende Pfarrheim verlagert. Die Urnenkirche Heilig Kreuz wird bis Ostern um 200 Grabstellen erweitert und  danach wieder für Gottesdienste genutzt. Die Winkhauser Christ-König-Kirche bleibt erhalten. Das dortige Gemeindehaus soll langfristig verkauft oder vermietet werden.

Manfred von Schwartzenberg wurde 1944 (kriegsbedingt) in Baumen bei Waldbröhl geboren. Er wuchs in Essen auf. Nach seinem Abitur am dortigen Burggymnasium studierte er katholische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum. 1971 wurde er in St. Engelbert in Eppinghofen zum Priester geweiht. Als Kaplan arbeitete er anschließend in Gelsenkirchen-Schalke und in St. Mariae Rosenkranz (Styrum). Gleichzeitig übernahm er die Aufgabe des Stadtjugendseelsorgers. Anschließend wechselte er als Militärselsorger zur Bundeswehr. 

Hier organisierte er unter anderem die Soldaten-Wallfahrten nach Lourdes. Neben seinem Pfarramt in St. Barbara, stand er von 1993 bis 2007 als Stadtdechant der katholischen Stadtkirche vor. Heute ist er ihr Ehren-Stadtdechant.

Dieses Interview erschien am 4. Januar 2018 in NRZ und WAZ





Mittwoch, 10. Januar 2018

Der Weg ist das Ziel

Kürzlich gab mir ein Freund die Lebensweisheit der heiligen Katharina von Siena mit auf meinen eigen Lebensweg: „Nicht das Beginnen, sondern das Durchhalten wird belohnt.“

Daran fühlte ich mich gestern erinnert. Es begann damit, dass ich von der Stadtmitte nach Winkhausen fahren wollte, um dort, welch ein Zufall, einen geistlichen 
Gesprächspartner zu treffen.

Bus oder Straßenbahn? Das war für mich, der entweder zu Fuß  oder mit dem öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist, die Frage.

Ich entschied mich für die vermeintlich schnellere Straßenbahn und setzte prompt auf das falsche Pferd. Denn ausgerechnet die Straßenbahn, mit der ich am Nachmittag über die Aktienstraße in den Norden der Stadt fuhr, stieß mit einem Auto zusammen.

Polizei und Ersatzbus brauchten ihre Zeit. Ein Rettungswagen brauchte Gott sei Dank nicht gerufen werden. Doch mein geistlicher Gesprächspartner musste länger auf mich warten, als ihm vielleicht lieb war. Doch er reagierte gelassen auf meinen Handyanruf und die Ankündigung meiner Verspätung. Kein Wunder. Der Mann glaubt an das ewige Leben. Er kennt Katharina von Siena und den Mülheimer Straßenverkehr. 


Dieser Text erschien am 10. Januar 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung