Politische Parteien genießen den zweifelhaften Ruf, zu viele Wasserköpfe zu produzieren, die Geld und Zeit kosten, ohne das Alltagsleben der Menschen spürbar zu verbessern.
Wenn man mal nicht weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis, ernennt einen Beauftragten oder gibt ein Gutachten in Auftrag. So was nennt man Symbolpolitik. „Schaut her, liebe Bürger und Wähler: Wir kümmern uns!“
Und jetzt kümmert sich die CDU um die Bäume, die uns lebensnotwendigen Schatten und Sauerstoff geben. Denn die Bäume leiden genauso, wie wir menschlichen Pflänzchen unter der extremen Sommerhitze.
Da greift man als Bürger doch gerne zu den Gießkannen, die die Christdemokraten unter das Mülheimer Volk bringen, um unseren Freund, den Baum zu bewässern.
Eigentlich hätte man so eine Aktion ja eher von den Grünen, als von den Schwarzen erwartet. Und es sollte mich deshalb gar nicht wundern, wenn sich jetzt so mancher Grüne in seinem Biogarten heimlich schwarz ärgert, dass die schwarzen Bahnstraßen-Nachbarn und nicht die eigene Partei auf so eine grüne Sommerloch-Idee gekommen ist, die bei dieser Affenhitze auf der Straße lag und nur aufgehoben werden musste.
Aber nur kein Neid, liebe Parteifreunde aller Farben. Es gibt keinen Grund, wie ein begossener Pudel auf die Blüten der politischen Konkurrenz zu schauen. So einem Baum ist es sicher egal, ob er aus einer schwarzen, grünen, gelben, blauen oder roten Gießkanne bewässert wird.
Also ran an die Gießkannen und Wasser marsch. Jeder Tropfen auf den heißen Stein, pardon auf den heißen Baum zählt. Das wäre doch mal eine ganz große Koalition wert in einer Stadt, der bekanntlich an vielen Stellen das Wasser, trotz Sommerhitze, bis zum Hals steht.
Das wäre doch zu schön, wenn wir uns in Mülheim alle mal das Wasser reichen könnten.
Dieser Text erschien am 28. Juli 2018 in der NRZ
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Samstag, 28. Juli 2018
Donnerstag, 19. April 2018
Ein Herz für Bienen
Auf diese Nachricht habe ich schon lange gewartet. Im Rathaus bildet sich eine Große Koalition zur Rettung der Bienen.
Haben wir in unserer Stadt keine größeren Probleme, als uns um die Bienen zu kümmern?
Doch bitte, kein vorschnelles Kopfschütteln. Die Bienen sind klein. Aber ihr ökologischer Wert ist groß. Denn sie produzieren nicht nur Honig, sondern erhalten mit ihrer regen Bestäubungsaktivität auch die Pflanzenvielfalt. Schon die Generalversammlung der Uno hat sich mit den ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des weltweiten Bienensterbens beschäftigt. Da wurde es wirklich Zeit, dass sich der Rat der Stadt dieses existenziellen Themas annimmt.
Bei der Pflege ihrer Grünflächen, so die Idee eines Aktionsplanes, soll die Stadt keine Pestizide mehr einsetzen. Außerdem soll sie darauf achten, künftig mehr insektenfreundliche Pflanzen zu setzen und bienenfreundlichen Gärten mit Nisthilfen für Wildvögel anzulegen. Mir ist nur noch nicht ganz klar, ob auch die flotten Bienen in den städtischen Aktionsplan einbezogen werden sollen. Denn wenn sie aussterben würden, wäre das Leben auf diesem Planeten wirklich nicht mehr lebenswert.
Dieser Text erschien am 19. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung
Haben wir in unserer Stadt keine größeren Probleme, als uns um die Bienen zu kümmern?
Doch bitte, kein vorschnelles Kopfschütteln. Die Bienen sind klein. Aber ihr ökologischer Wert ist groß. Denn sie produzieren nicht nur Honig, sondern erhalten mit ihrer regen Bestäubungsaktivität auch die Pflanzenvielfalt. Schon die Generalversammlung der Uno hat sich mit den ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des weltweiten Bienensterbens beschäftigt. Da wurde es wirklich Zeit, dass sich der Rat der Stadt dieses existenziellen Themas annimmt.
Bei der Pflege ihrer Grünflächen, so die Idee eines Aktionsplanes, soll die Stadt keine Pestizide mehr einsetzen. Außerdem soll sie darauf achten, künftig mehr insektenfreundliche Pflanzen zu setzen und bienenfreundlichen Gärten mit Nisthilfen für Wildvögel anzulegen. Mir ist nur noch nicht ganz klar, ob auch die flotten Bienen in den städtischen Aktionsplan einbezogen werden sollen. Denn wenn sie aussterben würden, wäre das Leben auf diesem Planeten wirklich nicht mehr lebenswert.
Dieser Text erschien am 19. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung
Samstag, 9. Juli 2016
Leckeres vom Land: Ein Ernte-Besuch beim Landwirt Jochen Unterhandsberg vom Buchholzhof
Wo, bitte, ist der Spargel? Statt weißer Stangen sieht man an diesem Nachmittag
auf den Feldern von Birgit und Jochen Unterhansberg nur 180 bis 200 Meter lange
Erdhügel, die mit Folien überdeckt sind.
„Wir haben heute schon einiges an Spargel gestochen. Aber wir haben frühen, mittleren und späten Spargel, der in unterschiedlichen Intervallen wächst und deshalb mit zwei Folien warmgehalten werden muss“, erklärt der 54-jährige Landwirt.
Wenn Jochen Unterhansberg „wir“ sagt, meint er seine Frau Birgit, seine beiden landwirtschaftlich ausgebildeten Töchter Anne (25) und Lea (23), die Mitarbeiter seines Hofladens und seine zehn bis zwölf Erntehelfer. Deutsche Erntehelfer, die zwischen sechs Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags Spargel stechen oder auch Erdbeeren pflücken, sucht man nicht nur auf den Feldern der seit 1848 in Raadt und Kettwig ansässigen Familie Unterhansberg vergeblich.
„Für Deutsche ist die körperlich anstrengende und zeitlich auf drei Monate befristete Arbeit nicht attraktiv, weil ihnen von ihrem Bruttolohn noch Sozialabgaben abgezogen werden und sie so am Ende bei einem Netto-Stundenlohn von 5,90 Euro landen. Aber die polnischen Erntehelfer, die meisten von ihnen sind Hausfrauen oder Rentner, verdienen hier etwa doppelt so viel wie in ihrer Heimat“, weiß Jochen Unterhansberg. Auch wenn der Stundenlohn seiner Erntehelfer 2017 auf 8,50 Euro steigen wird, sieht er schon jetzt die Tendenz, dass sich die polnischen und deutschen Löhne immer mehr angleichen, so dass künftig auch weniger Helfer aus Polen zur Ernte nach Deutschland kommen. „Vielleicht werden wir dann langfristig Erntehelfer aus Rumänien bekommen, die hier ein Vielfaches von dem verdienen können, was sie in ihrer Heimat erhalten würden“, vermutet der Familienunternehmer.
An einer etwas krummen Spargelstange, die aus einem der 50 Zentimeter hohen Erdwälle schaut, führt Unterhansberg vor, wie gezielt und mit wie viel Fingerspitzengefühl man den Spargel stechen muss, um nicht die in etwa 35 Zentimeter Tiefe sitzende Wurzel oder die noch nicht reifen Nachbar-Spargel-Stangen zu verletzen.
„Unser Spargel wächst in einem Lehm-Ton-Boden. Dieser Boden hat den Vorteil, dass er Feuchtigkeit gut speichern kann. Das hat aber auch den Nachteil, dass die im Erdreich wachsenden Stangen nicht so schnell die Wärme bekommen, die sie für ein optimales Wachstum eigentlich brauchen“, erklärt Unterhansberg die Ausgangslage bei der Spargelernte.
Vor allem, wenn die Nachttemperaturen noch an die Frostgrenze heranreichen, sind die doppelten Folien, die wie ein Treibhaus wirken, für den Spargel überlebenswichtig. Auf der anderen Seite müssen die Erntehelfer mit einer sogenannten Spargelspinne dafür sorgen, dass die Folien rechtzeitig angehoben werden, um den reifen Spargel aus der Erde zu holen. „Denn wenn dem Spargel unter der Folie zu heiß wird, verfärbt er sich violett und hat nicht mehr die strahlend weiße Farbe, die die Kunden haben wollen, auch wenn der violette Spargel nicht schlechter schmeckt als der weiße“, betont Unterhansberg.
Spargel, Erdbeeren, Kürbisse und Getreide baut Unterhansberg auf insgesamt 70 Hektar an. Außerdem legen rund 8000 Hühner für ihn Eier. Seine Produkte und die befreundeter Partnerbetriebe aus der Region vermarktet der Landwirt nicht im Supermarkt, sondern im eigenen Hofladen, der wie ein zu groß geratendes Blockhaus wirkt und ein ganz eigenes Flair hat. Mitten zwischen den Holzregalen lädt eine Sitzgruppe zum Verweilen ein. Kaffee und Kuchen sind nicht weit. „Für den Großhandel sind wir Ruhrstadtbauern zu klein, denn für ihn zählen nur Masse und ein möglichst niedriger Preis, von dem wir nicht leben könnten. Wir sind auf Kunden angewiesen, für die nicht der Preis, sondern die Qualität und der Geschmack des Produktes wichtig sind“, erklärt Jochen Unterhansberg. Daher setzt er wie fast alle Kollegen aus der Region auf Direktvermarktung. Dass aus dem kleinen Verkaufsstand, mit dem seine Eltern in den frühen 1960er-Jahren an der Meisenburgstraße begannen, inzwischen ein großer und gut frequentierter Hofladen geworden ist, beweist den Erfolg seines Konzeptes. Und wer den weiten Weg zur Raadter Stadtgrenze scheut, dem kommt Unterhansberg mit einem Verkaufsstand im Forum entgegen.
Zitat: Wir leben von Kunden, denen es vor allem um Qualität und Geschmack geht. Jochen Unterhansberg, Landwirt
Dieser Text erschien am 3. Mai 2016 in der NRZ/WAZ-Sonderbeilage
„Wir haben heute schon einiges an Spargel gestochen. Aber wir haben frühen, mittleren und späten Spargel, der in unterschiedlichen Intervallen wächst und deshalb mit zwei Folien warmgehalten werden muss“, erklärt der 54-jährige Landwirt.
Wenn Jochen Unterhansberg „wir“ sagt, meint er seine Frau Birgit, seine beiden landwirtschaftlich ausgebildeten Töchter Anne (25) und Lea (23), die Mitarbeiter seines Hofladens und seine zehn bis zwölf Erntehelfer. Deutsche Erntehelfer, die zwischen sechs Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags Spargel stechen oder auch Erdbeeren pflücken, sucht man nicht nur auf den Feldern der seit 1848 in Raadt und Kettwig ansässigen Familie Unterhansberg vergeblich.
„Für Deutsche ist die körperlich anstrengende und zeitlich auf drei Monate befristete Arbeit nicht attraktiv, weil ihnen von ihrem Bruttolohn noch Sozialabgaben abgezogen werden und sie so am Ende bei einem Netto-Stundenlohn von 5,90 Euro landen. Aber die polnischen Erntehelfer, die meisten von ihnen sind Hausfrauen oder Rentner, verdienen hier etwa doppelt so viel wie in ihrer Heimat“, weiß Jochen Unterhansberg. Auch wenn der Stundenlohn seiner Erntehelfer 2017 auf 8,50 Euro steigen wird, sieht er schon jetzt die Tendenz, dass sich die polnischen und deutschen Löhne immer mehr angleichen, so dass künftig auch weniger Helfer aus Polen zur Ernte nach Deutschland kommen. „Vielleicht werden wir dann langfristig Erntehelfer aus Rumänien bekommen, die hier ein Vielfaches von dem verdienen können, was sie in ihrer Heimat erhalten würden“, vermutet der Familienunternehmer.
An einer etwas krummen Spargelstange, die aus einem der 50 Zentimeter hohen Erdwälle schaut, führt Unterhansberg vor, wie gezielt und mit wie viel Fingerspitzengefühl man den Spargel stechen muss, um nicht die in etwa 35 Zentimeter Tiefe sitzende Wurzel oder die noch nicht reifen Nachbar-Spargel-Stangen zu verletzen.
„Unser Spargel wächst in einem Lehm-Ton-Boden. Dieser Boden hat den Vorteil, dass er Feuchtigkeit gut speichern kann. Das hat aber auch den Nachteil, dass die im Erdreich wachsenden Stangen nicht so schnell die Wärme bekommen, die sie für ein optimales Wachstum eigentlich brauchen“, erklärt Unterhansberg die Ausgangslage bei der Spargelernte.
Vor allem, wenn die Nachttemperaturen noch an die Frostgrenze heranreichen, sind die doppelten Folien, die wie ein Treibhaus wirken, für den Spargel überlebenswichtig. Auf der anderen Seite müssen die Erntehelfer mit einer sogenannten Spargelspinne dafür sorgen, dass die Folien rechtzeitig angehoben werden, um den reifen Spargel aus der Erde zu holen. „Denn wenn dem Spargel unter der Folie zu heiß wird, verfärbt er sich violett und hat nicht mehr die strahlend weiße Farbe, die die Kunden haben wollen, auch wenn der violette Spargel nicht schlechter schmeckt als der weiße“, betont Unterhansberg.
Spargel, Erdbeeren, Kürbisse und Getreide baut Unterhansberg auf insgesamt 70 Hektar an. Außerdem legen rund 8000 Hühner für ihn Eier. Seine Produkte und die befreundeter Partnerbetriebe aus der Region vermarktet der Landwirt nicht im Supermarkt, sondern im eigenen Hofladen, der wie ein zu groß geratendes Blockhaus wirkt und ein ganz eigenes Flair hat. Mitten zwischen den Holzregalen lädt eine Sitzgruppe zum Verweilen ein. Kaffee und Kuchen sind nicht weit. „Für den Großhandel sind wir Ruhrstadtbauern zu klein, denn für ihn zählen nur Masse und ein möglichst niedriger Preis, von dem wir nicht leben könnten. Wir sind auf Kunden angewiesen, für die nicht der Preis, sondern die Qualität und der Geschmack des Produktes wichtig sind“, erklärt Jochen Unterhansberg. Daher setzt er wie fast alle Kollegen aus der Region auf Direktvermarktung. Dass aus dem kleinen Verkaufsstand, mit dem seine Eltern in den frühen 1960er-Jahren an der Meisenburgstraße begannen, inzwischen ein großer und gut frequentierter Hofladen geworden ist, beweist den Erfolg seines Konzeptes. Und wer den weiten Weg zur Raadter Stadtgrenze scheut, dem kommt Unterhansberg mit einem Verkaufsstand im Forum entgegen.
Zitat: Wir leben von Kunden, denen es vor allem um Qualität und Geschmack geht. Jochen Unterhansberg, Landwirt
Dieser Text erschien am 3. Mai 2016 in der NRZ/WAZ-Sonderbeilage
Donnerstag, 2. Juni 2016
Grün, frei oder versiegelt und verbaut? Zahlen und Fakten rund um die Grünanteile der Mülheimer Stastfläche
Folgt man den Angaben der Stadtverwaltung, ergibt sich aktuell folgendes Bild: Grünanlagen und Parks machen mit 2329 Hektar rund 25 Prozent der Stadtfläche (9129 Hektar) aus.
5659 Hektar (62 Prozent) der Stadtfläche sind Freiflächen und 38 Prozent (4369 Hektar) sind durch Bebauung versiegelt.
Bei ihrer aktuellen Satellitenbild -Auswertung bescheinigt die Berliner Morgenpost Mülheim einen Grünflächenanteil von 73 Prozent. Dieser Wert ist aber ungenau, da er auch private Grundstücke mit einbezieht, die aufgrund ihres Baumbewuchses von oben oft als eine durchgängige Grünfläche erscheinen, tatsächlich aber zum Teil bebaut sind.
Aktuell investiert die Stadt pro Jahr 2,466 Millionen Euro in die Pflege ihrer öffentlichen Grünflächen. Je nach Pflegeklasse kostet die öffentliche Grünpflege zwischen 83 Cent und 1,33 Euro pro Quadratmeter und Jahr.
Grünflächenpflege wird in Mülheim von privaten Dienstleistern im Auftrag des Amtes für Grünflächenmanagement, des städtischen Immobilienservice, des Landesbetriebes Straßen NRW und der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft ausgeführt.
Dieser Text erschien am 24. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
5659 Hektar (62 Prozent) der Stadtfläche sind Freiflächen und 38 Prozent (4369 Hektar) sind durch Bebauung versiegelt.
Bei ihrer aktuellen Satellitenbild -Auswertung bescheinigt die Berliner Morgenpost Mülheim einen Grünflächenanteil von 73 Prozent. Dieser Wert ist aber ungenau, da er auch private Grundstücke mit einbezieht, die aufgrund ihres Baumbewuchses von oben oft als eine durchgängige Grünfläche erscheinen, tatsächlich aber zum Teil bebaut sind.
Aktuell investiert die Stadt pro Jahr 2,466 Millionen Euro in die Pflege ihrer öffentlichen Grünflächen. Je nach Pflegeklasse kostet die öffentliche Grünpflege zwischen 83 Cent und 1,33 Euro pro Quadratmeter und Jahr.
Grünflächenpflege wird in Mülheim von privaten Dienstleistern im Auftrag des Amtes für Grünflächenmanagement, des städtischen Immobilienservice, des Landesbetriebes Straßen NRW und der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft ausgeführt.
Dieser Text erschien am 24. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Mittwoch, 1. Juni 2016
Grün- und Freiflächen sind lebensnotwendig Naturschützer fordern ein Grünflächenordnungskonzept, um den schleichenden Naturverlust langfristig zu verhindern
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| Elke Brandt vom Naturschutzbund Nabu |
Wenn man sich mit ihnen über die Natur im Mülheim 2025 unterhält, wird deutlich, dass sie einen Grünflächenverlust zu Gunsten neuer Wohnbebauung befürchten.
„Die Stadt frisst sich immer weiter ins Grüne“, klagt Elke Brandt und nennt beispielhaft Projekte an der Tilsiter und Kölner Straße. „Werden wir noch in einer grünen Stadt leben, wenn jeder ein Häuschen im Grünen haben will?“ fragte Bernd Landfermann. Für Peter Keil, der dem Mülheimer Landschaftsbeirat vorsitzt und die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet leitet, steht fest: „Wir brauchen ein Grünordnungskonzept, das festlegt, welche Flächen bebaut werden dürfen und welche Freiflächen auf jeden Fall erhalten bleiben sollen!“
Mit Sorge sieht er den Verlust von Ackerflächen und naturbelassenen Grünflächen, weil damit auch die Artenvielfalt schwinde. Kiebitze, Klatschmohn und Kornblumen sieht er auf der Kippe. „Wenn die Freiflächen und die Artenvielfalt verloren gehen, hat das auch eine Auswirkung auf die Lebensqualität der Menschen“, unterstreicht der Botanik-Geograf Keil.
Angesichts des Klimawandels warnt er vor einer unerträglichen Aufheizung der Stadt. Natürliche Frei- und Grünflächen seien als Sauerstofflieferanten und Frischluftschneisen für das Leben in der Stadt absolut notwendig. Außerdem helfe der Blick ins Grüne „auch dabei, Stress abzubauen und damit die seelische Gesundheit zu erhalten.“
Brandt und Keil hoffen, das Mülheim 2027 im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung ein Umweltbildungszentrum bekommen wird. Als Standort käme der Witthausbusch in Frage.
Und Landfermann würde sich darüber freuen, „wenn es bald in Mülheim eine öffentliche Grünpflege aus einer Hand geben würde.“
Ob Vogelzählung, Streuobstwiese oder Pflege von Grünflächen. Vor dem Hintergrund der Aktivitäten des Nabus weiß Brandt, dass die Natur in Mülheim vielen Bürgern so wichtig ist, dass sie auch bereit sind, sich dafür zu engagieren. Voraussetzung für dieses Engagement sei aber die durch Umweltbildung geschaffene Sensibilisierung für die Abhängigkeiten zwischen Flora, Fauna und Mensch.
„Auch wenn wir in Sachen Natur in Mülheim vergleichsweise gut aufgestellt sind, sollten wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen“, meint Peter Keil.
Dieser Text erschien am 24. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 31. Mai 2016
Substanzverluste verhindern Im Gespräch mit der NRZ erklärt der Referent des Umweltdezernenten, Klaus Beisiegel, wie Mülheim mit pflegeleichten Gründflächen und Flächenrecycling auch zukünftig grün bleiben kann
| Klaus Beisiegel |
Ist der Grünflächenanteil in den letzten Jahren zurückgegangen und wird er auch in den kommenden Jahren zurückgehen, weil Mülheim eine beliebte Wohnstadt ist?
Der Versiegelungsgrad steigt noch immer, aber deutlich langsamer als noch vor zehn Jahren. Dabei geht das fast nie zu ungunsten von Grünflächen, sondern eher zu Lasten von Landwirtschaftsflächen, Höfen und Gärten. Parks und Grünanlagen sind im Grundsatz tabu, Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowieso.
Setzt die Stadt auf Wohnraumverdichtung, um den Verbrauch von Grünflächen zu minimieren?
Ein Ansatz ist in der Tat, weniger „Frischflächenverbrauch“ zu planen und mehr Innenraumverdichtung vorzunehmen. Dies ist aber kleinklimatisch und sozial oft auch nicht sinnvoll. Ein immer wichtigerer Ansatz ist das Flächenrecycling, was an Bedeutung gewinnt und in den letzten Jahren häufiger als öffentlich wahrgenommen planerisch umgesetzt wurde, etwa an der Sellerbeckstraße oder an der Pilgerstraße in Dümpten, am Klöttschen in Eppinghofen oder beim Bau der Hochschule Ruhr-West und der Neuen Feuerwache auf dem ehemaligen Broicher Bahngelände. Hier wurden Neubauten ohne zusätzliche Flächenversiegelung realisiert.
Muss die Stadt aufgrund ihrer Finanzanlage künftig an der öffentlichen Grünpflege sparen?
Die Finanzlage erfordert einen restriktiven und verantwortlichen Umgang mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Deshalb schreibt das Grünflächenamt sämtliche Pflege – und Unterhaltungsarbeiten aus. Grundlage sind die von den politischen Gremien beschlossenen Pflegestandards für die Grünflächen. Hier befinden wir uns bereits auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Status Quo der Anlagen wird gehalten. Bisher ist es uns durch die langjährige Ausschreibung der Pflege und Unterhaltungsarbeiten gelungen, die Kosten stabil zu halten. Trotzdem muss weiter gespart werden. Oft werden nur noch Verkehrssicherungsarbeiten vorgenommen, auf Dauer führt dies zu weiteren Substanzverlusten.
Wären vor diesem Hintergrund künftig auch Bürgerpatenschaften im Bereich der öffentlichen Grünpflege denkbar und wünschenswert?
Pflegepatenschaften bestehen bereits. Dabei handelt es sich aber meist um kleine Flächen, wie Baumscheiben vor der Haustür des Pflegepaten. Umfangreichere Patenschaften wurden mit Unternehmern für größere Rasenflächen entlang von Hauptverkehrsstraßen geschlossen. Es geht hier aber nicht nur um die „eigentliche Pflege“, die findet statt. Wichtig sind Investitionen in die Substanz der Grünflächen. Und es muss im Anschluss sichergestellt werden, dass ausreichende finanzielle Mittel für eine sach- und fachgerechte Pflege und Unterhaltung zur Verfügung stehen.
Müssen öffentliche Gründflächen aus Kostengründen zurückgebaut oder sich selbst überlassen bleiben?
Seit mehreren Jahren wandeln wir nicht mehr pflegbare Gehölzflächen im Straßenraum in Rasenflächen um, oder legen bei Neuanlagen Flächen mit geringem Pflegeaufwand an, um mit den zur Verfügung stehenden Mitteln auszukommen. Grünflächen werden nicht sich selbst überlassen. Verkehrssicherungsarbeiten müssen und finden immer statt. Dies deckt sich natürlich nicht mit den Wünschen der Bürgerschaft.
Wie sieht Mülheims Natur 2030 aus, wenn es gut läuft?
Wenn es gut läuft, dann wird die Internationale Gartenbauausstellung IGA 2027 einen ähnlichen Effekt auf die Stadt ausüben, wie die Landesgartenschau von 1992. Und mit den Fördermitteln für die IGA wird es möglich sein, Park- und Grünflächen zu überarbeiten, zeitgemäß zu entwickeln und zu ergänzen. Grün- Spiel- und Naturflächen sind gut mit Fuß- und Radwegen vernetzt. Der Masterplan Spielen und Bewegen konnte zu 80 Prozent umgesetzt werden und im Witthausbusch hat das Umweltbildungszentrum den Betrieb aufgenommen.
Und wenn es schlecht läuft?
Wenn es schlecht läuft, werden die Grünflächen nicht an Fläche, aber an Substanz verlieren. Dies wird sich in einer steigenden Anzahl schlecht nutzbarer oder geschlossener Wegen, fehlender Bänke und Papierkörben, gesperrter oder fehlender Spielgeräte sowie einer zunehmenden Vermüllung äußern. Immer mehr nicht pflegbare Flächen werden dann umgewandelt werden müssen, gärtnerische Gestaltung, ursprüngliche Planungsinhalte, die Attraktivität von Grünflächen gehen verloren und damit auch die Wohnqualität der Stadt.
Dieser Text erschien am 24. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Montag, 18. April 2016
Warum in die Ferne schweifen: Das Ruhrtalhaus der Naturfreunde in Raadt hat als grüne Oase an der Ruhr viel zu bieten
| Weitere Informationen zum Ruhrtalhaus findet man auf der Internetseite www,ruhrtalhaus.de |
Im Ruhrtalhaus der Naturfreunde können Einzelpersonen und Gruppen bis zu 30 Personen für vergleichsweise kleines Geld mitten im Grünen wohnen. „Dieses Angebot wird derzeit vor allem von Kindergartengruppen und Schulklassen genutzt. Wir sind aber auch für Seminare, Geburtstagsgesellschaften oder Einzelübernachtungen von Wanderern und Radtouristen offen“, sagt der Vorsitzende der Naturfreunde, Jürgen Donner.
Je nach Wetterlage nutzen derzeit 2000 bis 3000 Gäste das Ruhrtalhaus, meistens im Rahmen von Klassenfahrten. Das 1932 erbaute und in den 70er und 80er Jahren ausgebaute Naturfreundehaus wird von Miroslaw Pergol und Friederike Gülck betreut.
Weil den Naturfreunden, die sich 1885 in Wien und 1915 in Essen und Mülheim gegründet haben, der Umweltschutz besonders am Herzen liegt, bieten sie bei Bedarf auch ein erlebnispädagogisches Programm mit einer Waldrallye und Gruppenspielen im Wald an.
Dabei können Kinder und Jugendliche unter der qualifizierten Anleitung von Stephanie Beseke, Christoph Bachhuber, Anja Greune und Patrick Meinhardt etwas über die heimische Tier- und Pflanzenwelt sowie über den besonderen ökologischen Wert des Waldes lernen. Das Naturspektrum, das man erleben kann, reicht vom Schlafplatz der Rehe bis zur Wildwiese. „Altersgerecht und spielerisch wollen wir Kindern und Jugendlichen so den Respekt vor der Natur vermitteln“, unterstreicht Beseke, die als Bildungsreferentin für die Naturfreunde-Jugend NRW arbeitet.
„Die Naturfreunde, die in Essen und Mülheim insgesamt rund 370 Mitglieder haben, kommen ursprünglich aus der Arbeiterbewegung. Ihr Ziel war es, vor allem Arbeitern für kleines Geld die Erholung in der Natur zu ermöglichen. Doch auch heute ist unser Angebot unter anderen gesellschaftlichen Vorzeichen wichtig. Gerade in einer multimedial geprägten Gesellschaft nehmen viele Kinder und Jugendliche das Leben und Lernen in der Natur als Kontrastprogramm zu ihrem Alltag immer wieder gerne an“, berichtet Jürgen Donner.
Er weiß aber auch, dass das aufzuglose und nicht gerade barrierefreie Ruhrtalhaus für ältere und unbewegliche Gäste nicht gerade ideal ist. „Aber auch Schulkinder, die im Rollstuhl sitzen, können zu uns kommen. Wir finden für alle eine Lösung und im Notfall wird einfach mit angefasst“, betont der Vorsitzende der Naturfreunde.
Dieser Text erschien am 5. April 2016 in der NRZ und in der WAZ
Mittwoch, 6. April 2016
80 Jahre Freilichtbühne: Ein Blick auf die grüne Kulturoase im Herzen der Stadt
1936 ging mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ erstmals ein Theaterstück über die damals mit 3000 Zuschauern ausverkaufte Freilichtbühne. Die Mülheimer Lokalpresse feierte die neue Freilichtbühne als „einen Mülheimer Sommernachtstraum“ und als „ein Volkstheater an der Ruhr“. Doch die schönen Tage in der Freilichtbühne waren gezählt. Die dortigen Aufmärsche der NSDAP und ihrer Organisationen gaben einen Vorgeschmack auf den Krieg, der kommen sollte. Während des Zweiten Weltkrieges diente der Felsenstollen der Freilichtbühne als Operationssaal für Verwundete und als Luftschutzraum für die Anwohner.
Nach dem Krieg war die Freilichtbühne 1947 Aufführungsort von Passionsspielen. Bei einer dieser Aufführungen soll das Brot für die Abendmahl-Szene abhanden gekommen sein. Darauf hin entfuhr dem damaligen Jesus-Darsteller der zornige Ausruf: „Wer hat das Brot geklaut!“
1953 führte die Lehrerspielgemeinschaft im Rahmen der Jugendfestspiele Goethes „Götz von Berlichingen“ auf und 1954 erlebte die Freilichtbühne mit einer ausverkauften Aufführung der Oper Carmen ihre Wiederauferstehung. Zwischen 15 000 und 30 000 Zuschauer sahen in den 50er Jahren pro Saison Opern, Operetten, Konzerte und Theateraufführungen an der Dimbeck. Später lockten auch Boxkämpfe und Kinovorführungen Menschen in die Freilichtbühne. Und ab 1967 feierte die katholische Stadtgemeinde St. Mariae Geburt dort ihre Fronleichnams-Gottesdienste. Ein absolutes Glanzlicht waren die Karl-May-Festspiele, die 1971 an der Dimbeck vor insgesamt 40 000 Besuchern über die Bühne gingen.
2001 gründete sich unter der Führung von Horst van Emmerich der Verein der Freunde der Freilichtbühne, der 2009 eine Bürgeraktie zum Erhalt der 34 500 Quadratmeter großen Park- und Bühnenlandschaft auflegte. Ab 2004 stieg die gemeinnützige Regler Produktion in den Bühnenbetrieb ein. Seit 2014 führt sie allein verantwortlich Regie und zieht mit ihrer eintrittsfreien Mittwochsreihe, mit Sonntagskonzerten, Theateraufführungen, dem Mölmsch Open Air oder auch mit Familien- und Kinderfesten pro Saison 30 000 bis 40 000 Zuschauer und Besucher an.
„Die Freilichtbühne ist für viele Mülheimer ein Stück Heimat. Sie wissen, dass man hier Menschen treffen, miteinander ins Gespräch kommen und etwas erleben kann“, sagt der Vorsitzende der Regler, Hans Uwe Koch. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass die Freilichtbühne mit ihren Tribünen, Bühnen, ihrem Geschäftsgebäude und ihrer Gastronomie nicht nur eine grüne Oase, sondern auch eine Dauerbaustelle in der Stadt ist. Koch glaubt, dass eine lange diskutierte Überdachung der Freilichtbühne nicht nur zu teuer wäre, sondern auch ihren Charakter nachteilig verändern würde.
Zahlen und Fakten
Seit 2014 führt die gemeinnützige Regler-Produktion den Betrieb der städtischen Freilichtbühne. Ihre Arbeit finanziert sie mit Hilfe von Spenden, Sponsoren und Mitgliedsbeiträgen. Derzeit gehen pro Saison im Frühjahr und Sommer rund 50 Veranstaltungen über die Bühne.
Die Regler-Produktion e.V. (www.regler-produktion.de) hat derzeit 140 Mitglieder, die jährlich je 35 Euro zahlen.
Schlaglichter aus acht Jahrzehnten
Nach Krieg und Wiederaufbau kam das Wirtschaftswunder. Man war wieder wer und wollte sich vergnügen und gut unterhalten sein. Im Juni 1954 erlebte die ausverkaufte die Freilichtbühne mit George Biszets Oper „Carmen“ so etwas, wie ihre Wiederauferstehung. Opern und Operetten genossen die Gunst des Publikums. Und die Musik kam live aus dem Orchestergraben. Bis zur Wiedereröffnung der Stadthalle im Oktober 1957 war die Naturbühne an der Dimbeck eine Freiluft-Alternative zur Stadthalle, die seit dem Luftangriff vom 23. Juni 1943 nicht mehr bespielbar war. Hier fanden bis zu 3000 Menschen Platz.
Volles Haus: Bis zur Wiedereröffnung der Stadthalle 1957 war die Spielstätte im Grünen eine Alternative. 1955 errichtete die Stadt für 80 000 Mark ein neues Bühnenhaus und stellte 20 000 Mark für den Betrieb der Freilichtbühne zur Verfügung. Das Geld hatte sie aus ihrem Schuletat abgezweigt. Neben George Bizets Oper „Carmen“ wurden Mitte der 50er Jahre auch Shakespears „Wie es euch gefällt“, Verdis Opern-Klassiker „Aidia“, die von Nico Dostal komponierte Operette „Clivia“ oder Friedrich Smetana „Die verkaufte Braut“ vor einem begeisterten Publikum aufgeführt.
Nach dem Boom der Opern und der Operetten, wurde die Freilichtbühne in den 60er Jahren unter anderem auch zum Austragungsort von Boxkämpfen. Der Boxclub Rin Ringfrei Mülheim lockte damals seine Fans ins Grüne. Im Sommer 1971 wurde das Freilufttheater an der Dimbeck zu einem Teil des Wilden Westens, in dem sich Winetou, Old Shatterhand und ihre Gegner bei den Karl-May-Festspielen so manchen Kampf lieferten. Doch dieses außergewöhnliche Spektakel blieb nur ein Intermezzo. Nach Winetou und Co kamen unter anderem Chöre, Musikzüge, Nachwuchsbands und School’s-out-Partys ins grüne Volkstheater.
2007 gastierten Paul Kuhn, Max Greger und Hugo Strasser als „Swing-Legenden“ gemeinsam mit der Big Band des Südwest-Rundfunks in der Freilichtbühne. Die damalige Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld das Mülheimer Gastspiel für einen Eintrag der Swing-Legenden in das Goldene Buch der Stadt. Man sieht: Jazz geht in Mülheim immer. Das Jazz-Open-Air-Konzert war ein Ohrenschmaus der Extraklasse
Alte Bekannte und deshalb immer wieder gerne in der Freilichtbühne gesehen: Peter Bursch und seine Band „Bröselmaschine“ begeisterte schon in den 70er Jahren das Publikum in der Freilichtbühne. In den 70er Jahren war auch Helge Schneider als Mann an der Orgel mit von der Partie. Bursch und seine Bröselmaschinen-Rocker treten bis heute mindestens einmal jährlich an der Dimbeck auf.
Der Park als Kunstwerk. Das Festival Freilicht macht’s seit 2013 möglich
Schon in den 1930er Jahren war der 1986 wiederaufgebaute Rosengarten in der Freilichtbühne ein postkartenreifer Hingucker.
Ein Chemiker mit Showtalent: Ferdi Schüth, hier unterstützt von seinen Kollegen, begeisterte im Jubiläumsjahr des Max-Planck-Institutes für Kohlenforschung (2014) in der voll besetzten Freilichtbühne rund 3000 Zuschauer mit seiner effektvollen Experimentiershow.
In 14 Tagen ist es wieder so weit: Dann beginnen die Regler in der Freilichtbühne mit ihrem Frühjahrsputz in der Freilichtbühne. Sicher wird auch wieder VHS-Mitarbeiter und Regler-Mitglied Peter Michael Schüttler mit Hand anlegen. Er hat eine besondere Beziehung zur Freilichtbühne. Denn schon 1971 wirkte er als junger Statist bei den Karl-May-Festspielen mit. Damals ritten die Hauptdarsteller zu Werbezwecken auch durch die Innenstadt.
Komik, Kleinkunst und Satire im Grünen: Das „Theater am Donnertsag“ und das von Gert Rudolph veranstaltete Kleinkunstfestival Stage 1 machen es möglich. Zur Premiere am 24. Juli 2014 kamen 500 Zuschauer in den Freilichtbühnen-Park an der Dimbeck. Nicht nur diese drei Herrn im Anzug, das international renommierte Straßen-Künstler-Trio „Three of one Kind“, hatten mit ihrem spontanen Komikprogramm die Lacher des Publikums auf ihrer Seite.
Eine Zeichentrickfigur wurde lebendig: In der Saison 2005 enterten „Wickie und die starken Männer“ das Flaggschiff Freilichtbühne und begeisterten mit ihrer Aufführung nicht nur die kleinen Zuschauer auf den Tribünen. Immer wieder hat die Freilichtbühne auch mit Kindertheater gepunktet.
Dieser Text erschien als Doppelseite am 30. März 2016 in der NRZ und in der WAZ
Montag, 21. März 2016
"Die Politik darf die Natur nicht ausblenden: Drei Fragen an den Nabu-Vorstand Elke Brandt
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| Elke Brandt ist Vize-Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes |
Dank umfangreichen Aktivitäten hält sich unser Mitgliederbestand und ist sogar geringfügig auf rund 1600 angestiegen.
Was sind Ihre aktuellen Projekte?
Beim Nabu Ruhr liegt ein Schwerpunkt bei Arbeiten im praktischen Naturschutz. Wir pflegen in Mülheim-Menden zwei eigene Flächen und eine gepachtete Fläche, eine Obstwiese und eine Ackerfläche, die von einer Vogelschutzhecke umgeben ist und die wir in eine Wildwiese verwandeln. Hinzu kommen eine Heuwiese und eine Obstwiese auf der Saarner Kuppe. Deren Erlöse kommen dem Naturschutz zugute.
Was ist aus Ihrer Sicht in Mülheim politisch in Sachen Naturschutz angezeigt?
Antwort: Viele Politiker blenden die Natur aus und engagieren sich lieber für soziale Projekte. Der Landschaftsbeirat erarbeitet Stellungnahmen, die die Belange des Natur- und Umweltschutzes bei vorgesehenen Planungen berücksichtigen. Leider muss er häufig erfahren, dass vorgeschlagene Lösungen nicht umgesetzt werden. Die Politik sollte bedenken, dass der Naturschutz auch Kindern und Jugendlichen vermittelt werden muss. Denn nur was man selbst kennt, wird man auch schützen.
Dieser Text erschien am 18. März 2016 in der NRZ und in der WAZ
Freitag, 11. Oktober 2013
Natürlich leben und arbeiten: Ein Gespräch mit den beiden Dümptener Landwirten Christiane in der Beeck-Bolten und Andreas Bolten über ein Landleben, das mit einem Landidyll nichts zu tun hat
Erntedank hat für uns eine besondere Bedeutung. Denn
wir leben von und mit der Natur, sind sich Christiane in der Beeck-Bolten und
ihr Mann Andreas Bolten einig. Seit ihrer Hochzeit 2009 bewirtschaften die
32-jährige Agrarwissenschaftlerin und der Agrarbetriebswirt (36) den Dümptener
Bauernhof im Dreistädteeck zwischen Mülheim, Oberhausen und Essen.
Sie führen damit eine jahrhundertealte Familientradition fort. 2006 übergaben Heinz und Edith in der Beeck die Leitung des Hofes in die Hände ihrer Tochter Christiane. Das bedeutet aber nicht, dass sich die beiden 71-Jährigen ganz aus dem Familienbetrieb zurückgezogen hätten. Während wir uns hier über die Lebensform Landwirtschaft unterhalten, fährt mein Schwiegervater für mich mit der Sämaschine über den Acker. Denn wir müssen die Getreidesaat in das Saatbett bekommen, ehe der angesagte Regen kommt, erzählt Andreas Bolten. Und seine Frau, die gerade mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Marlene Eier ihrer Freilandhühner aufgesammelt hat, fügt hinzu: Meine Mutter ist die gute Seele des Hofladens und kümmert sich um den Blumenacker. Hier hat jeder sein Steckenpferd und sein Spezialgebiet.
Für die junge Landwirtin, die auch schon mal mit einem Leben als Tierärztin geliebäugelt hatte, steht fest: Weil wir ein Familienbetrieb sind, funktioniert das nur, wenn alle Hand in Hand arbeiten und an einem Strang ziehen. Mit an diesem Strang ziehen auch Christianes Schwester Michaela, die ihren Lebensunterhalt als Informatikerin verdient und Christianes Nichte Kim, die regelmäßig im Hofladen mithilft. Dann stehen wir da mit drei Generationen, freut sich Christiane in der Beeck-Bolten.
Auch ihr Mann Andreas möchte die hilfreiche Hand seiner Schwägerin ebenso wenig missen wie den Erfahrungsschatz seiner Schwiegereltern. Das kann man nicht auf der Schulbank lernen. Das ist ein Wissen, das über Jahrzehnte gewachsen ist, staunt Andreas Bolten immer wieder über die Detailkenntnisse seines Schwiegervaters, wenn es um die Bodenbeschaffenheit von Äckern und Feldern geht.
Nur weil die Generationen auf dem Hof zwar nicht unter einem Dach, aber doch Tür an Tür leben, können sich Christiane In der Beck-Bolten und ihr Mann in der dritten Augustwoche, zwischen Getreide- und Kartoffelernte, einen Urlaub an der Küste erlauben. Die Freizeit kommt bei uns zu kurz. Irgendwie hängt man mit seinen Gedanken ja immer im Betrieb, geben die beiden zu. Wenn wir hier auf dem Hof sind, können wir die Tür nicht einfach zumachen. Unser Zuhause ist auch unser Arbeitsplatz, berichtet sie. Auch wenn wir die Kinder ins Bett gebracht haben, sitzen wir oft zusammen und besprechen betriebliche Dinge.
Was soll wo und wie angebaut werden? Welche Geräte müssen angeschafft werden? Stimmt die Buchführung? Sind alle Umweltauflagen erfüllt? Wie könnte man das Angebot erweitern und den Hof noch wirtschaftlicher machen? Heute funktioniert ein Bauernhof nicht nur, wenn man einen guten Boden hat und die Kultur- und Pflanzenführung beherrscht. Mindestens 30 Prozent unseres Arbeitsalltages bestehen aus Bürokratie und Betriebswirtschaft, schildert Bolten das Arbeiten zwischen Ökonomie und Ökologie.
Als reiner Ackerbaubetrieb wären wir nicht überlebensfähig. Der Hof funktioniert nur, weil wir mit unseren Produkten (Kartoffeln, Eiern, Backwaren, Erdbeeren, Spargel, Kürbisse, Weißkohl, Blumen) auf vielen Seilen tanzen und sie über unseren Hofladen direkt vermarkten, beschreibt der Agrarbetriebswirt das wirtschaftliche Erfolgsgeheimnis des Hofes, zu dem neben der Dümptener Landwirtschaft auch ein kleiner Hof in Willich gehört, den er von seinem verstorbenen Vater übernommen hat.
Obwohl Bolten auf Anraten seines Vaters als Kommunikationselektroniker und Patentingenieur ein Berufsleben neben der Landwirtschaft führte, stand für ihn immer fest: Ich will Landwirt werden. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man naturverbunden für sich selbst arbeitet, findet auch seine Frau. Irgendwie wird man da reingeboren, aber Ja sagen zum Leben in der Landwirtschaft muss man schon selbst, meint die Bauerntochter.
Sie und ihr Mann freuen sich zurzeit über ein auskömmliches Einkommen und würden dieses Lebensmodell immer wieder wählen. Dennoch schmunzeln sie über Besucher, die ihnen vorschwärmen: Das sieht ja hier so schön aus. Ich würde auch mal gerne einen Bauernhof betreiben. Arbeiten Sie doch mal ein paar Wochen mit, bietet Christiane dann scherzhaft an. Und ihr Mann Andreas stellt klar: Das ist ein Landleben, aber keine Landidylle. Da steckt viel Arbeit drin, die man auch beim Urlaub auf dem Bauerhof nicht sehen kann. Wenn der Hühnerstall gereinigt oder im Januar zum x-tenmal die Folien für die Erdbeeren gezogen werden müssen, ist das keine reine Freude.
Die körperlich anstrengende und witterungsabhängige Arbeit kennt trotz eines Angestellten, einer Praktikantin und eines Auszubildenden keine Pause - und führt zu einem anderen Blickwinkel. Wenn man in der Produktion drinsteckt, weiß man den Wert der Lebensmittel ganz anders zu schätzen. Man weiß, dass ein gut gefülltes Supermarktregal nicht selbstverständlich ist, weil man täglich erlebt, dass wir nicht die letzten Entscheider sind, wenn das Wetter nicht auf unserer Seite ist, sagt das Landwirtspaar: Wir wissen, dass wir unseren Boden und die Natur pflegen müssen, wenn er die Früchte tragen soll, von denen unsere Existenz abhängt.
Und sie sehen durchaus sorgenvoll in die Zukunft. Wenn man weiß, dass immer mehr Böden versiegelt werden, aber die Erdbevölkerung wächst, fragt man sich schon, wie lange das mit der Lebensmittelproduktion gut gehen kann, sagt Bolten nachdenklich. Wenn die Erde sich erwärmt und die Trockenheit zunimmt, wird die Landwirtschaft nicht leichter, glaubt Christiane in der Beeck.
Ob ihre noch kleinen Kinder Marlene und Clemens später einmal den Hof und ihre Lebensweise übernehmen? Die Eltern würden sich darüber freuen. Aber wenn sie es nur aus Tradition täten, wäre es sicher ein Fehler, sagt Andreas Bolten.
Sie führen damit eine jahrhundertealte Familientradition fort. 2006 übergaben Heinz und Edith in der Beeck die Leitung des Hofes in die Hände ihrer Tochter Christiane. Das bedeutet aber nicht, dass sich die beiden 71-Jährigen ganz aus dem Familienbetrieb zurückgezogen hätten. Während wir uns hier über die Lebensform Landwirtschaft unterhalten, fährt mein Schwiegervater für mich mit der Sämaschine über den Acker. Denn wir müssen die Getreidesaat in das Saatbett bekommen, ehe der angesagte Regen kommt, erzählt Andreas Bolten. Und seine Frau, die gerade mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Marlene Eier ihrer Freilandhühner aufgesammelt hat, fügt hinzu: Meine Mutter ist die gute Seele des Hofladens und kümmert sich um den Blumenacker. Hier hat jeder sein Steckenpferd und sein Spezialgebiet.
Für die junge Landwirtin, die auch schon mal mit einem Leben als Tierärztin geliebäugelt hatte, steht fest: Weil wir ein Familienbetrieb sind, funktioniert das nur, wenn alle Hand in Hand arbeiten und an einem Strang ziehen. Mit an diesem Strang ziehen auch Christianes Schwester Michaela, die ihren Lebensunterhalt als Informatikerin verdient und Christianes Nichte Kim, die regelmäßig im Hofladen mithilft. Dann stehen wir da mit drei Generationen, freut sich Christiane in der Beeck-Bolten.
Auch ihr Mann Andreas möchte die hilfreiche Hand seiner Schwägerin ebenso wenig missen wie den Erfahrungsschatz seiner Schwiegereltern. Das kann man nicht auf der Schulbank lernen. Das ist ein Wissen, das über Jahrzehnte gewachsen ist, staunt Andreas Bolten immer wieder über die Detailkenntnisse seines Schwiegervaters, wenn es um die Bodenbeschaffenheit von Äckern und Feldern geht.
Nur weil die Generationen auf dem Hof zwar nicht unter einem Dach, aber doch Tür an Tür leben, können sich Christiane In der Beck-Bolten und ihr Mann in der dritten Augustwoche, zwischen Getreide- und Kartoffelernte, einen Urlaub an der Küste erlauben. Die Freizeit kommt bei uns zu kurz. Irgendwie hängt man mit seinen Gedanken ja immer im Betrieb, geben die beiden zu. Wenn wir hier auf dem Hof sind, können wir die Tür nicht einfach zumachen. Unser Zuhause ist auch unser Arbeitsplatz, berichtet sie. Auch wenn wir die Kinder ins Bett gebracht haben, sitzen wir oft zusammen und besprechen betriebliche Dinge.
Was soll wo und wie angebaut werden? Welche Geräte müssen angeschafft werden? Stimmt die Buchführung? Sind alle Umweltauflagen erfüllt? Wie könnte man das Angebot erweitern und den Hof noch wirtschaftlicher machen? Heute funktioniert ein Bauernhof nicht nur, wenn man einen guten Boden hat und die Kultur- und Pflanzenführung beherrscht. Mindestens 30 Prozent unseres Arbeitsalltages bestehen aus Bürokratie und Betriebswirtschaft, schildert Bolten das Arbeiten zwischen Ökonomie und Ökologie.
Als reiner Ackerbaubetrieb wären wir nicht überlebensfähig. Der Hof funktioniert nur, weil wir mit unseren Produkten (Kartoffeln, Eiern, Backwaren, Erdbeeren, Spargel, Kürbisse, Weißkohl, Blumen) auf vielen Seilen tanzen und sie über unseren Hofladen direkt vermarkten, beschreibt der Agrarbetriebswirt das wirtschaftliche Erfolgsgeheimnis des Hofes, zu dem neben der Dümptener Landwirtschaft auch ein kleiner Hof in Willich gehört, den er von seinem verstorbenen Vater übernommen hat.
Obwohl Bolten auf Anraten seines Vaters als Kommunikationselektroniker und Patentingenieur ein Berufsleben neben der Landwirtschaft führte, stand für ihn immer fest: Ich will Landwirt werden. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man naturverbunden für sich selbst arbeitet, findet auch seine Frau. Irgendwie wird man da reingeboren, aber Ja sagen zum Leben in der Landwirtschaft muss man schon selbst, meint die Bauerntochter.
Sie und ihr Mann freuen sich zurzeit über ein auskömmliches Einkommen und würden dieses Lebensmodell immer wieder wählen. Dennoch schmunzeln sie über Besucher, die ihnen vorschwärmen: Das sieht ja hier so schön aus. Ich würde auch mal gerne einen Bauernhof betreiben. Arbeiten Sie doch mal ein paar Wochen mit, bietet Christiane dann scherzhaft an. Und ihr Mann Andreas stellt klar: Das ist ein Landleben, aber keine Landidylle. Da steckt viel Arbeit drin, die man auch beim Urlaub auf dem Bauerhof nicht sehen kann. Wenn der Hühnerstall gereinigt oder im Januar zum x-tenmal die Folien für die Erdbeeren gezogen werden müssen, ist das keine reine Freude.
Die körperlich anstrengende und witterungsabhängige Arbeit kennt trotz eines Angestellten, einer Praktikantin und eines Auszubildenden keine Pause - und führt zu einem anderen Blickwinkel. Wenn man in der Produktion drinsteckt, weiß man den Wert der Lebensmittel ganz anders zu schätzen. Man weiß, dass ein gut gefülltes Supermarktregal nicht selbstverständlich ist, weil man täglich erlebt, dass wir nicht die letzten Entscheider sind, wenn das Wetter nicht auf unserer Seite ist, sagt das Landwirtspaar: Wir wissen, dass wir unseren Boden und die Natur pflegen müssen, wenn er die Früchte tragen soll, von denen unsere Existenz abhängt.
Und sie sehen durchaus sorgenvoll in die Zukunft. Wenn man weiß, dass immer mehr Böden versiegelt werden, aber die Erdbevölkerung wächst, fragt man sich schon, wie lange das mit der Lebensmittelproduktion gut gehen kann, sagt Bolten nachdenklich. Wenn die Erde sich erwärmt und die Trockenheit zunimmt, wird die Landwirtschaft nicht leichter, glaubt Christiane in der Beeck.
Ob ihre noch kleinen Kinder Marlene und Clemens später einmal den Hof und ihre Lebensweise übernehmen? Die Eltern würden sich darüber freuen. Aber wenn sie es nur aus Tradition täten, wäre es sicher ein Fehler, sagt Andreas Bolten.
Dieser Text erschien am 5. Oktober 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 16. Juli 2013
Warum Anwohner des Saarner Aubergs um das dortige Naturschutzgebiet fürchten
„Hände weg vom Auberg.“ Mit diesem Slogan kämpften Bürger in den 70er Jahren gegen die Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen im Saarner Naturschutzgebiet. Jetzt ist dieser Slogan wieder plakatiert worden. Denn die Bauvoranfrage für einen Reiterhof mit neuem Wohnhaus, Reithalle und Stallungen auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes an der Voßbeckstraße, versetzt Anwohner rund um die Voßbeckstraße, den Aubergweg und den Buteweg in Unruhe.
Ein Reiterhof auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes, das der Thyssen-Stiftung gehört? Das hört sich eigentlich nicht schlecht an. Doch rund 40 Anwohner, die sich als Bürgerinitiative auch schon mit ihren Anfragen an die Ratsfraktionen und die zuständige Bezirksvertretung 3 gewandt haben, fürchten vor allem zwei Dinge:
Der Reiterhof mit seinen bis zu 48 Pferden könnte zu einem Gewerbebetrieb werden, der mit seinem Zulieferverkehr die sehr enge Voßbeckstraße und einen kleinen Feldweg, der von der Solinger Straße zur Voßbeckstraße führt, überlasten und das Naturschutzgebiet am Auberg nachhaltig beeinträchtigen könnte. Noch schwerer wiegt die Befürchtung, der Reiterhof könne nur ein Anfang für die Ausweisung neuer Bauflächen darstellen.
Bernd Heimbach, Anwohner der Voßbeckstraße, und seine Nachbarn wollen sich auf jeden Fall dafür stark machen, „dass der Auberg als Perle der Naherholung erhalten bleibt“ und dass sich im Rathaus die Einsicht durchsetzen möge, „dass Landschaftsschutz und Gewerbe in dieser vorgefundenen Form nicht zusammengehen, nicht genehmigt werden sollten und uns allen nicht durchgehen kann.“
Unterstützt wird die neue Bürgerinitiative am Auberg, die ausdrücklich das Gespräch mit allen Fraktionen sucht, von den Grünen und von der MBI. „Nicht der Pferdehof an sich ist das Problem, sondern die geplante Größenordnung“, betont der grüne Ratsherr Hubert Niehoff. Sein Ratskollege Lothar Reinhard warnt mit Blick auf das Landschaftsschutzgebiet davor, „dass da was Überdimensioniertes hingesetzt werden könnte.“
Jürgen Liebich von der Bauaufsicht und der Chef des Umweltamtes Jürgen Zentgraf halten den Reiterhof am Auberg für „grundsätzlich genehmigungsfähig.“ Sie weisen darauf hin, dass die Umbaumaßnahmen nur das Grundstück des ehemaligen Fichtenhofes und nicht das Naturschutzgebiet betreffen. Die Ausweisung weiterer Bauflächen am Auberg schließt Liebich aus. Auch die Signale, die er bisher von der Landwirtschaftskammer bekommen hat, die das Projekt Reiterhof am Auberg derzeit auf seine wirtschaftliche und ökologische Verträglichkeit prüft, wertet Liebich als positiv. Denn für seinen Kollegen Zentgraf steht fest, „dass im Naturschutzgebiet nur eine landwirtschaftliche Nutzung genehmigt werden kann.“ Dazu könnte, wenn die Landwirtschaftskammer grünes Licht gäbe, auch ein Reiterhof gehören, auf dem das Futter für die Pferde selbst produziert würde und nicht angeliefert werden müsste.
Die Frage des Zugangsverkehrs müsste dann aber noch einmal im Rahmen der Bauplanung geprüft werden. Sollte die Bauvoranfrage positiv beschieden werden, könnte der Investor innerhalb von zwei Jahren einen Bauantrag stellen.
Mit Blick auf den Zugangsverkehr könnte sich Liebich vorstellen, dass die Besucher den Pferdehof über die Voßbeckstraße und die Pferdetransporter über den dann noch zu asphaltierenden Feldweg von der Solinger Straße aus erreichen könnten. Der über den Auberg und damit direkt durch das Naturschutzgebiet führende Feldweg könnte dann auch durch eine Schranke und entsprechende Beschilderung vor ungewünschtem Zugangsverkehr geschützt werden.
Dieser Text erschien am 5. Juli 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Ein Reiterhof auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes, das der Thyssen-Stiftung gehört? Das hört sich eigentlich nicht schlecht an. Doch rund 40 Anwohner, die sich als Bürgerinitiative auch schon mit ihren Anfragen an die Ratsfraktionen und die zuständige Bezirksvertretung 3 gewandt haben, fürchten vor allem zwei Dinge:
Der Reiterhof mit seinen bis zu 48 Pferden könnte zu einem Gewerbebetrieb werden, der mit seinem Zulieferverkehr die sehr enge Voßbeckstraße und einen kleinen Feldweg, der von der Solinger Straße zur Voßbeckstraße führt, überlasten und das Naturschutzgebiet am Auberg nachhaltig beeinträchtigen könnte. Noch schwerer wiegt die Befürchtung, der Reiterhof könne nur ein Anfang für die Ausweisung neuer Bauflächen darstellen.
Bernd Heimbach, Anwohner der Voßbeckstraße, und seine Nachbarn wollen sich auf jeden Fall dafür stark machen, „dass der Auberg als Perle der Naherholung erhalten bleibt“ und dass sich im Rathaus die Einsicht durchsetzen möge, „dass Landschaftsschutz und Gewerbe in dieser vorgefundenen Form nicht zusammengehen, nicht genehmigt werden sollten und uns allen nicht durchgehen kann.“
Unterstützt wird die neue Bürgerinitiative am Auberg, die ausdrücklich das Gespräch mit allen Fraktionen sucht, von den Grünen und von der MBI. „Nicht der Pferdehof an sich ist das Problem, sondern die geplante Größenordnung“, betont der grüne Ratsherr Hubert Niehoff. Sein Ratskollege Lothar Reinhard warnt mit Blick auf das Landschaftsschutzgebiet davor, „dass da was Überdimensioniertes hingesetzt werden könnte.“
Jürgen Liebich von der Bauaufsicht und der Chef des Umweltamtes Jürgen Zentgraf halten den Reiterhof am Auberg für „grundsätzlich genehmigungsfähig.“ Sie weisen darauf hin, dass die Umbaumaßnahmen nur das Grundstück des ehemaligen Fichtenhofes und nicht das Naturschutzgebiet betreffen. Die Ausweisung weiterer Bauflächen am Auberg schließt Liebich aus. Auch die Signale, die er bisher von der Landwirtschaftskammer bekommen hat, die das Projekt Reiterhof am Auberg derzeit auf seine wirtschaftliche und ökologische Verträglichkeit prüft, wertet Liebich als positiv. Denn für seinen Kollegen Zentgraf steht fest, „dass im Naturschutzgebiet nur eine landwirtschaftliche Nutzung genehmigt werden kann.“ Dazu könnte, wenn die Landwirtschaftskammer grünes Licht gäbe, auch ein Reiterhof gehören, auf dem das Futter für die Pferde selbst produziert würde und nicht angeliefert werden müsste.
Die Frage des Zugangsverkehrs müsste dann aber noch einmal im Rahmen der Bauplanung geprüft werden. Sollte die Bauvoranfrage positiv beschieden werden, könnte der Investor innerhalb von zwei Jahren einen Bauantrag stellen.
Mit Blick auf den Zugangsverkehr könnte sich Liebich vorstellen, dass die Besucher den Pferdehof über die Voßbeckstraße und die Pferdetransporter über den dann noch zu asphaltierenden Feldweg von der Solinger Straße aus erreichen könnten. Der über den Auberg und damit direkt durch das Naturschutzgebiet führende Feldweg könnte dann auch durch eine Schranke und entsprechende Beschilderung vor ungewünschtem Zugangsverkehr geschützt werden.
Dieser Text erschien am 5. Juli 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 26. April 2011
Vor 25 Jahren Tschernobyl: Heute Fukushima: Ein Gespräch mit Dagmar van Emmerich vom Verein Tschernobyl-Kinder
Die Bilder des berstenden Atomkraftwerkes in Fukushima weckten Erinnerungen an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Wie sieht Dagmar van Emmerich das Unglück in Japan und seine Folgen? Für die NRZ sprach mit der Frau, die zusammen mit ihren Mitstreitern im Verein Tschernobyl-Kinder seit 1992 den jungen Menschen hilft, die bis heute unter den Folgen der Reaktorkatastrophe vom April 1986 leiden.
Welche Erinnerungen an 1986 wurden bei Ihnen wach, als Sie die Bilder aus Japan gesehen haben?
Vor 25 Jahren waren meine Kinder klein. Und ich erinnere mich das man panisch war und sich unmittelbar betroffen fühlte. Wir wollten unsere Kinder schützen und mussten plötzlich sehen, dass sie nicht mehr im Sandkasten spielen durften und das man zum Beispiel bestimmte Milchsorten nicht mehr trinken durfte.
Wie wurde aus der Betroffenheit das Engagement für die Kinder der Tschernobyl-Region?
Das hat einige Jahre gedauert. Ich war damals noch Schulleiterin in Neuss. Und als die Stadt Neuss Gastfamilien für Kinder aus der Tschernobyl-Region suchte, haben wir einen Jungen aufgenommen. Es hat mich fasziniert, wie gut dieser Erholungsurlaub Kindern getan hat und wie so ihr angeschlagenes Immunsystem wieder gestärkt werden konnte. Deshalb habe ich mich über die Presse an die Mülheimer Öffentlichkeit gewandt. Und schon im Sommer 1992 konnten wir mit 50 Gasteltern die ersten Kinder aus Weißrussland willkommen heißen. Das war der Anfang der Tschernobyl-Initiative.
Wie hat sich die Arbeit der Initiative, die heute ein eingetragener Verein ist, seitdem entwickelt?
Wir haben inzwischen 1500 Kindern aus Weißrussland einen Erholungsaufenthalt in Mülheim ermöglichen und einen Tschernobyl-Laden an der Bachstraße eröffnen können, dessen Erlöse unsere Arbeit finanziell unterstützt. Es ist aber schwieriger geworden, Gasteltern zu finden, so dass wir im letzten Jahr 35 Kinder in der Jugendherberge untergebracht haben. Die zunehmende Schwierigkeit, Gasteltern zu finden, hat damit zu tun, dass sich die soziale Situation vieler Menschen bei uns eher verschlechtert als verbessert hat. Natürlich können auch viele Menschen nicht nachvollziehen, dass die Hilfe für die Kinder aus der Tschernobyl-Region auch heute noch notwendig ist. Wir haben aber dennoch eine gute Unterstützung und konnten unsere Aktivitäten deshalb sogar ausbauen.
Zeigt uns Fukushima, dass Tschernobyl und die Folgen kein Thema von gestern sind?
Tschernobyl ist kein Thema der Vergangenheit. Das wird weiter eine Herausforderung sein. Wenn ich mich mit Ärzten über die Krankheitsbilder der Kinder aus Weißrussland unterhalte, dann sagen sie mir, dass man mindestens 30 Jahre braucht, um die Folgen der Reaktorkatastrophe wissenschaftlich exakt analysieren zu können.
Könnte die Reaktorkatastrophe in Japan die Sensibilität für Ihr Anliegen wieder erhöhen?
Ich denke schon. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass ich noch am Samstag in Weißrussland war. Und ich hätte in diesem Land nichts über die Ereignisse in Japan erfahren, wenn mich mein Sohn nicht angerufen hätte. Das war ja auch vor 25 Jahren das Bittere, dass die Menschen einem so großen Leidensdruck ausgesetzt waren, weil sie nicht rechtzeitig informiert wurden.Frage: Wie sehen Sie heute die Informationspolitik der japanischen Regierung und der AKW-Betreiber?Antwort: Ich habe da ein sehr durchmischtes Gefühl. Ich habe aber auch den Eindruck, dass die Verantwortlichen selbst sehr verunsichert sind. Ich glaube nicht, dass uns die japanische Regierung etwas vormacht. Ich sehe aber eine gewisse Überforderung. Das so ein Unglück in so einem hochindustrialisierten Land wie Japan passiert ist, muss uns alle noch mal besonders aufrütteln. Das hätte ich vorher eher nicht für möglich gehalten.
Würden Sie persönlich für einen Ausstieg aus der Atomenergie plädieren?
Ich sehe, dass die Politik bemüht ist, diesen Ausstieg aus der Atomenergie zu schaffen. Ob wir uns es erlauben können, dass das so lange dauert, ist eine andere Frage. Aber dafür fühle ich mich nicht kompetent genug, um das beurteilen zu können. Aber je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr muss ich mich davon überzeugen lassen, dass ein Atomkraftwerk nicht sicher ist. Da müssen wir als Gesellschaft nachdenklich und aktiv werden.
Könnten Sie sich vorstellen, dass künftig auch japanische Kinder zu einem Erholungsurlaub nach Mülheim kommen?
Dazu wären wir immer bereit, auch wenn es dafür jetzt noch etwas zu früh ist. Aber wenn unsere Hilfe benötigt würde, wären wir sofort bereit, etwas zu tun. Auch wenn ich jetzt noch keine Idee dafür hätte.
Dieser Text erschien am 15. März 2011 in der NRZ
Donnerstag, 17. Februar 2011
Warum der örtliche Wasserversorger RWW mit Blick auf den Valentinstag zum Wassersparen rät
Viele Menschen fragen sich, wie sie Wasser sparen können. "Das ist bei uns eigentlich überflüssig, denn wir sind ein mit Wasser gesegnetes Land", sagt der Pressesprecher der RWW, Ulrich Schallwig. Allerdings findet er ,dass man sich Gedanken über das Einsparen von Wasser machen sollte, wenn man seiner Liebsten zum Valentinstag Blumen schenkt.Er weist darauf hin, dass rund 80 Millionen Rosen aus wasserarmen Entwicklungsländern wie Kenia, Äthiopien, Kolumbien oder Ecuador stammen.
"In jedem Rosenstrauß zum Valentinstag", so Schallwig, "stecken nahezu 120 Liter virtuelles Wasser aus Regionen mit dramatischer Wasserknappheit und einem täglichen Kampf um Trinkwasser. Das sind fast genauso viel, wie für den täglichen Bedarf im Haushalt eingesetzt werden, nämlich 122 Liter."Schallwig selbst zieht für sich die Konsequenz, dass er seiner Frau zum Valentinstag keine Blumen schenkt, sondern lieber mit ihr essen geht. Doch der Mann vom RWW will es sich auf keinen Fall mit der Floristik verderben und rät deshalb nicht zur Blumenabstinenz, sondern zum Kauf regionaler und saisonaler Blumen, für deren Herstellung und Transport nicht so viel Wasser und Energie aufgewendet werden muss, wie für Blumen aus Übersee.
Hans-Hermann Nagel, der mit seiner Frau Angelika auf dem Wochenmarkt an der Schloßstraße Blumen verkauft, sagt: "Wir ziehen unsere Blumen nicht selbst, sondern beziehen sie über den Großhandel. Im Moment verkaufen wir sehr viele saisonale Blumen, wie Tulpen, Zwiebelgewächse, Anemonen und Freesien. Aber Rosen sind natürlich das ganze Jahr über gefragt."Die meisten Blumen, so Nagel, die er und seine Frau verkaufen, kommen ohnehin aus der Region, vom Niederrhein und aus Holland. Allerdings hat er auch Rosen aus Ecuador im Sortiment, die besonders haltbar sind. Hans-Hermann Nagel und seine Frau bieten auch Rosen aus dem sogenannten Fairen Handel an, die aus Kundensicht aber den Nachteil haben, im Schnitt einen Euro teurer zu sein als die konventionell hergestellten Übersee-Blumen.
Claudia Brück von Transfair schätzt den Marktanteil der Rosen in der Republik auf etwa ein Drittel und den Anteil der Blumen aus fairem Handel und fairer Produktion auf etwa 2,4 Prozent. Damit Rosen und andere Blumen aus Übersee das grün-schwarz-türkis-farbene Fair-Trade-Zeichen bekommen, müssen sie ohne Kinderarbeit, zu fairen Löhnen, sowie umweltschonend hergestellt worden sein.
"Für Kunden müssen Blumen vor allem günstig sein", weiß die Styrumer Blumenhändlerin Edith Freitag. Auch ihre Kollegin Heike Simons aus Stadtmitte wird von ihren Kunden nie danach gefragt, woher ihre Blumen kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden. Dennoch bieten beiden Blumenhändlerinnen Fair-Trade-Blumen an. "Ich kalkuliere halt etwas anders", sagt Freitag, der es wichtig ist, fair hergestellte Blumen zu verkaufen und die geschätzte 95 Prozent ihrer Blumen aus der Region und den benachbarten Niederlanden bezieht.
Heike Simons Kundin Julia Roloff, die sich gestern bei ihr einen Strauß violetter Tulpen kaufte, gibt zu, dass sie bisher gar nicht wusste, dass unsere Blumen nicht nur aus Deutschland und Holland, sondern zum Teil auch aus Übersee zu uns kommen. Sie bevorzugte aber auch jetzt schon Blumen aus der jeweiligen Jahreszeit und Region. Jetzt gönnt sie sich Tulpen und etwas später im Jahr kommen dann die Pfingstrosen an die Reihe. Und wie sieht es mit den Blumenpreisen zum Valentinstag aus: "Das ist, wie immer auf dem Markt. Die Nachfrage bestimmt den Preis", sagt Blumenhändlerin Edith Freitag und rechnet im Großhandel mit Valentinstagsaufschlag von etwa fünf Cent pro Blume.
Dieser Text erschien am 11. Februar 2011 in der NRZ
"In jedem Rosenstrauß zum Valentinstag", so Schallwig, "stecken nahezu 120 Liter virtuelles Wasser aus Regionen mit dramatischer Wasserknappheit und einem täglichen Kampf um Trinkwasser. Das sind fast genauso viel, wie für den täglichen Bedarf im Haushalt eingesetzt werden, nämlich 122 Liter."Schallwig selbst zieht für sich die Konsequenz, dass er seiner Frau zum Valentinstag keine Blumen schenkt, sondern lieber mit ihr essen geht. Doch der Mann vom RWW will es sich auf keinen Fall mit der Floristik verderben und rät deshalb nicht zur Blumenabstinenz, sondern zum Kauf regionaler und saisonaler Blumen, für deren Herstellung und Transport nicht so viel Wasser und Energie aufgewendet werden muss, wie für Blumen aus Übersee.
Hans-Hermann Nagel, der mit seiner Frau Angelika auf dem Wochenmarkt an der Schloßstraße Blumen verkauft, sagt: "Wir ziehen unsere Blumen nicht selbst, sondern beziehen sie über den Großhandel. Im Moment verkaufen wir sehr viele saisonale Blumen, wie Tulpen, Zwiebelgewächse, Anemonen und Freesien. Aber Rosen sind natürlich das ganze Jahr über gefragt."Die meisten Blumen, so Nagel, die er und seine Frau verkaufen, kommen ohnehin aus der Region, vom Niederrhein und aus Holland. Allerdings hat er auch Rosen aus Ecuador im Sortiment, die besonders haltbar sind. Hans-Hermann Nagel und seine Frau bieten auch Rosen aus dem sogenannten Fairen Handel an, die aus Kundensicht aber den Nachteil haben, im Schnitt einen Euro teurer zu sein als die konventionell hergestellten Übersee-Blumen.
Claudia Brück von Transfair schätzt den Marktanteil der Rosen in der Republik auf etwa ein Drittel und den Anteil der Blumen aus fairem Handel und fairer Produktion auf etwa 2,4 Prozent. Damit Rosen und andere Blumen aus Übersee das grün-schwarz-türkis-farbene Fair-Trade-Zeichen bekommen, müssen sie ohne Kinderarbeit, zu fairen Löhnen, sowie umweltschonend hergestellt worden sein.
"Für Kunden müssen Blumen vor allem günstig sein", weiß die Styrumer Blumenhändlerin Edith Freitag. Auch ihre Kollegin Heike Simons aus Stadtmitte wird von ihren Kunden nie danach gefragt, woher ihre Blumen kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden. Dennoch bieten beiden Blumenhändlerinnen Fair-Trade-Blumen an. "Ich kalkuliere halt etwas anders", sagt Freitag, der es wichtig ist, fair hergestellte Blumen zu verkaufen und die geschätzte 95 Prozent ihrer Blumen aus der Region und den benachbarten Niederlanden bezieht.
Heike Simons Kundin Julia Roloff, die sich gestern bei ihr einen Strauß violetter Tulpen kaufte, gibt zu, dass sie bisher gar nicht wusste, dass unsere Blumen nicht nur aus Deutschland und Holland, sondern zum Teil auch aus Übersee zu uns kommen. Sie bevorzugte aber auch jetzt schon Blumen aus der jeweiligen Jahreszeit und Region. Jetzt gönnt sie sich Tulpen und etwas später im Jahr kommen dann die Pfingstrosen an die Reihe. Und wie sieht es mit den Blumenpreisen zum Valentinstag aus: "Das ist, wie immer auf dem Markt. Die Nachfrage bestimmt den Preis", sagt Blumenhändlerin Edith Freitag und rechnet im Großhandel mit Valentinstagsaufschlag von etwa fünf Cent pro Blume.
Dieser Text erschien am 11. Februar 2011 in der NRZ
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Schwarzes Gold
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