Mittwoch, 9. September 2026

Jung und stark

Sie sind jung und stark. Sie sind echte Hoffnungsträgerinnen, die uns Mut machen und jedem Pisa-Schock trotzen. Die Rede ist von den Schülerinnen, die die Mülheimer Bürgerstiftung aus gutem Grund mit ihrem Förderpreis ausgezeichnet hat. Dank der finanziellen Unterstützung aus der Mülheimer Wirtschaft dürfen sich die Preisträgerinnen auch über ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro freuen.

Die 15-jährige Karl-Ziegler-Schülerin Lea Marie Röhrig hat sich nicht nur im Unterricht mit dem Thema Armut beschäftigt. Sie hat als Ergebnis ihrer Recherchen für ein entsprechendes Referat zusammen mit dem Diakoniewerk Arbeit und Kultur an ihrer Schule ein sogenanntes Zieglerfrühstück organisiert, das Schülerinnen kostenlos Brötchen, Obst und Joghurt anbietet. Röhrig orientiert sich am Beispiel des Diakoniewerks: "Bedürftig ist, wer sich für bedürftig hält." Die ehemalige Schülersprecherin weiß: "Auch an unserer Schule gibt es Schülerinnen und Schülern, die ohne Frühstück zur Schule kommen, weil ihren arbeitslosen oder alleinerziehenden Eltern das Geld dafür fehlt." Mit ihrem Förderpreis für soziales Engagement zeichnete die Mülheimer Bürgerstiftung Lea Marie Röhrig auch deshalb aus, weil die 15-Jährige unter dem Eindruck eines Besuches im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz eine Ausstellung zum Thema Holocaust erstellt hat, die unter anderem an ihrer Schule und bei Instagram zu sehen war bzw. zu sehen ist. "Das Wissen darüber, was in Auschwitz und anderswo passiert ist, darf auch in den  kommenden Generationen nicht verloren gehen. Und wir dürfen als Gesellschaft nicht in Handlungsmuster von Ausgrenzung und Diskriminierung zurückfallen, aus denen wir uns als Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg herausgekämpft haben", sagt die ausgezeichnete Schülerin.
Ihr 16-jährige Preisträger-Kollegin Rania Ahmad vom Gymnasium Broich wurde in der Kategorie Geisteswissenschaften für ihre literarische Arbeit ausgezeichnet, die ihr auch schon den Europäischen Literaturpreis des Literaturhauses Graz eingebracht hat. Die junge Autorin liebt Fantasy-Literatur, schreibt aber auch Kurzgeschichten aus dem Alltag und philosophische Essays. Literatur und Sprache sieht die junge Autorin als ein gesellschaftlich relevantes Medium, „um in andere Welten und Leben einzutauchen und damit auch andere Menschen kennenzulernen und zu verstehen, ohne dass man ihre Weltsicht akzeptieren muss.“ Ein so in Gang gesetzter Dialog, davon ist Rania Ahmad überzeugt, „kann Gewalt verhindern und Kriege beenden“.

Chemie-Olympiaden, Mathematik-Wettbewerben und MINT-EC-Camps. Das ist die Welt der 18-jährigen Mila Talisa Drießen, die im MINT-Bereich ausgezeichnet worden ist. MINT steht für Mathemathik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Warum es ihr die Naturwissenschaften angetan haben, erklärt sie so: „Hier geht es um logisches und strukturiertes Denken, das zu klaren Ergebnissen führt und einem damit auch eindeutige Erfolgserlebnisse verschafft.“ Das MINT-Know-How zieht Drießen als Fundament unseres gesellschaftlichen Wohlstandes. Engagierte Fachlehrer, die ihre Schülerinnen und Schüler fördern und ihnen auch die berufspraktischen Perspektiven der Naturwissenschaften aufzeigen können, sind für Mila Drießen die Voraussetzung dafür, Jugendliche für die MINT-Fächer zu begeistern.

Mit den Otto-Pankok-Schülerinnen Valentina Krebs und Paula Schulz genannt Menningmann wurden in der Kategorie Zivilcourage gleich zwei Preisträgerinnen ausgezeichnet. Denn die beiden Schulsanitäterinnen, die sich auch ein medizinisches Berufsleben vorstellen können, standen einer Mitschülerin bei, die einen allergischen Schock erlitten hatte. Mit ihrer menschlichen Umsicht und ihrem gerade erst erworbenen Erste-Hilfe-Wissen taten sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort genau das, was zu tun war, um größeren Schaden von ihrer Mitschülerin abzuwenden. 

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“, sind sich die beiden ausgezeichneten Schülerinnen einig, die sich ihr Preisgeld geteilt haben. Und sie finden: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“!


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Sie sind jung und stark. Sie sind echte Hoffnungsträgerinnen, die uns Mut machen und jedem Pisa-Schock trotzen. Die Rede ist von den Schüler...