Samstag, 12. September 2026

Schwarzes Gold

 Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen. Anlass für diese Ausstellung ist das Ende des Mülheimer Bergbaus, das am 29. Juli 1966 mit der Stilllegung der letzten Zeche Rosenblumendelle kam.

Es war die letzte von sieben Zechen, in denen um 1900 insgesamt rund 3000 Kumpel das schwarze Gold zutage förderten. Damals waren sie Teil des Mülheimer Bergwerksvereines, den die Industriellen August Thyssen und Hugo Stinnes und der Bankier Leo Hanau 1898 mit dem Ziel der Rationalisierung gegründet hatten.

Anders, als ihr Förderturm, haben einige Werksgebäude der Rosenblumendelle ihr Ende überstanden. Doch weit anschaulicher erinnert uns die ab 1899 an der heutigen Mausegattstraße errichtete Colonie Wiesche mit ihren mehr als 100 Bergmannshäusern an die Geschichte des Mülheimer Bergbaus. In den Häusern an der Mausegatt- und an der Kreftenscheerstraße leben heute nur noch wenige ehemalige Bergleute leben. Inzwischen sind dort deren Erben oder auch Menschen zuhause, die die Häuser von diesen erworben haben. Eine Siedlervereinigung, die unter anderem ein jährliches Sommerfest organisiert, pflegt den solidarischen Geist der Kumpel.

Auch In Straßennamen, wie Sellerbeckstraße, Wiescher Weg, Humboldtring und Humboldthain leben die Namen der alten Zechen in Mülheimer Straßenbild weiterleben. Seit 1973 steht am Humboldtring, auf dem ehemaligen Zechengelände des 1929 stillgelegten Bergwerks Humboldt das Rhein-Ruhr-Zentrum. Mit dem Einkaufszentrum, das bei seiner Eröffnung von der Illustrierten BUNTE als "Superding des Reviers" gelobt wurde, beschritt man 1973 den Weg des wirtschaftlichen Strukturwandels.

Bergmann Willi Bruckhoff, der als 13-Jähriger 1948 erstmals auf Rosenblumendelle eingefahren war und bis 1984 Kohle zu Tage gefördert hat, bestätigt im Gespräch: "Unter Tage galt immer: Einer für alle und alle für einen."

In diese Solidarität wurden seit Anfang der 1960er auch die türkischen Kumpel einbezogen, um deren Integration sich Bruckhoff damals persönlich bemüht hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt auch für Mülheim, was Herbert Grönemeyer über seine Heimatstadt Bochum gesungen hat: "Dein Grubengold hat uns wiedergeholt." In den ersten Nachkriegsjahren mussten die Kumpel auch sonntags einfahren. Belohnt wurde ihre harte und gefährliche Arbeit unter Tage mit Sonderrationen und Care-Paketen, die in den Hungerjahren des frühen Wiederaufbaus Gold Wert waren.

Die vom Bergbau-Kenner und den Mitarbeitenden des Mülheimer Stadtarchivs kreierte Ausstellung führt ihren Besucherinnen und Besuchern auch die weniger bekannte Geschichte des Selbecker Erzbergbaus, die aus dem landwirtschaftlich geprägten Selbeck in den Jahren 1844 bis 1907 zu einem Bergmannsdorf machte. Der Erzweg und die nach dem Bergwerksdirektor Karl Forst erinnern im Ortsbild an dieses Kapitel Selbecks, das seit 1929 ein Stadtteil Mülheims ist. 

Donnerstag, 10. September 2026

Leder, made in Mülheim

 Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu Ende, die 1639 mit der Gründung der Broicher Geber- und Schuhmacherzunft begonnen hatte und mit mehr als 50 Lederfabriken vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichte. Damals verdienten mehr als 2000 Menschen in der Mülheimer Lederindustrie, die mit Namen wie Lindgens, Abel, Rühl, Feldmann, Coupienne, Möhlenbeck und Hammann verbunden war, den Lebensunterhalt. 

In seiner Denkschrift zum 100. Geburtstag der Stadt Mülheim an der Ruhr stellte der Geschichtsverein 1908 selbstbewusst fest, dass die in Mülheim hergestellten Lederwaren schon seit einem halben Jahrhundert von so konkurrenzlos hoher Qualität seien, dass die Kunden der Mülheimer Lederindustrie jeden geforderten Preis "anstandslos" zu zahlen bereit seien. 

Leder, made in Mülheim, wurde überall gebraucht, ob im Bergbau, bei der Armee, in der Mode-Branche und in der Automobilinsdustrie.

1921 war Mülheim, neben Offenbach, die Lederhauptstadt Deutschlands und deshalb auch als Standort für das Kaiser-Wilhelm-Institut, für Lederforschung im Gespräch. Dass am Ende Dresden statt Mülheim den Zuschlag bekam, hatte damit zu tun, dass die Sachsen bereit waren, kräftig in ihre Staatskasse zu greifen, um das Institut in ihre Landeshauptstadt zu holen.

Weil die Mülheimer Lederindustrie, deren Geschichte seit 2003 in der ehemaligen Lederfabrik Abel an der Düsseldorfer Straße, im Rahmen eines Leder- und Gerbermuseums vor Augen geführt wird, viele ihrer Rohstoffe importieren und ihre Endprodukte exportieren musste, geriet sie seit den 1960er Jahren im internationalen Wettbewerb unter Druck.

1994 übernahm der US-Konkurrent die Lederfabrik deren Areal in Saarn jetzt zum Wohnquartier umgebaut wird. Und die 2008 stillgelegte Lederfabrik Hammann dient seit 2013 an der Hansastraße in Speldorf als Seniorenresidenz.  

Mittwoch, 9. September 2026

Jung und stark

Sie sind jung und stark. Sie sind echte Hoffnungsträgerinnen, die uns Mut machen und jedem Pisa-Schock trotzen. Die Rede ist von den Schülerinnen, die die Mülheimer Bürgerstiftung aus gutem Grund mit ihrem Förderpreis ausgezeichnet hat. Dank der finanziellen Unterstützung aus der Mülheimer Wirtschaft dürfen sich die Preisträgerinnen auch über ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro freuen.

Die 15-jährige Karl-Ziegler-Schülerin Lea Marie Röhrig hat sich nicht nur im Unterricht mit dem Thema Armut beschäftigt. Sie hat als Ergebnis ihrer Recherchen für ein entsprechendes Referat zusammen mit dem Diakoniewerk Arbeit und Kultur an ihrer Schule ein sogenanntes Zieglerfrühstück organisiert, das Schülerinnen kostenlos Brötchen, Obst und Joghurt anbietet. Röhrig orientiert sich am Beispiel des Diakoniewerks: "Bedürftig ist, wer sich für bedürftig hält." Die ehemalige Schülersprecherin weiß: "Auch an unserer Schule gibt es Schülerinnen und Schülern, die ohne Frühstück zur Schule kommen, weil ihren arbeitslosen oder alleinerziehenden Eltern das Geld dafür fehlt." Mit ihrem Förderpreis für soziales Engagement zeichnete die Mülheimer Bürgerstiftung Lea Marie Röhrig auch deshalb aus, weil die 15-Jährige unter dem Eindruck eines Besuches im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz eine Ausstellung zum Thema Holocaust erstellt hat, die unter anderem an ihrer Schule und bei Instagram zu sehen war bzw. zu sehen ist. "Das Wissen darüber, was in Auschwitz und anderswo passiert ist, darf auch in den  kommenden Generationen nicht verloren gehen. Und wir dürfen als Gesellschaft nicht in Handlungsmuster von Ausgrenzung und Diskriminierung zurückfallen, aus denen wir uns als Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg herausgekämpft haben", sagt die ausgezeichnete Schülerin.
Ihr 16-jährige Preisträger-Kollegin Rania Ahmad vom Gymnasium Broich wurde in der Kategorie Geisteswissenschaften für ihre literarische Arbeit ausgezeichnet, die ihr auch schon den Europäischen Literaturpreis des Literaturhauses Graz eingebracht hat. Die junge Autorin liebt Fantasy-Literatur, schreibt aber auch Kurzgeschichten aus dem Alltag und philosophische Essays. Literatur und Sprache sieht die junge Autorin als ein gesellschaftlich relevantes Medium, „um in andere Welten und Leben einzutauchen und damit auch andere Menschen kennenzulernen und zu verstehen, ohne dass man ihre Weltsicht akzeptieren muss.“ Ein so in Gang gesetzter Dialog, davon ist Rania Ahmad überzeugt, „kann Gewalt verhindern und Kriege beenden“.

Chemie-Olympiaden, Mathematik-Wettbewerben und MINT-EC-Camps. Das ist die Welt der 18-jährigen Mila Talisa Drießen, die im MINT-Bereich ausgezeichnet worden ist. MINT steht für Mathemathik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Warum es ihr die Naturwissenschaften angetan haben, erklärt sie so: „Hier geht es um logisches und strukturiertes Denken, das zu klaren Ergebnissen führt und einem damit auch eindeutige Erfolgserlebnisse verschafft.“ Das MINT-Know-How zieht Drießen als Fundament unseres gesellschaftlichen Wohlstandes. Engagierte Fachlehrer, die ihre Schülerinnen und Schüler fördern und ihnen auch die berufspraktischen Perspektiven der Naturwissenschaften aufzeigen können, sind für Mila Drießen die Voraussetzung dafür, Jugendliche für die MINT-Fächer zu begeistern.

Mit den Otto-Pankok-Schülerinnen Valentina Krebs und Paula Schulz genannt Menningmann wurden in der Kategorie Zivilcourage gleich zwei Preisträgerinnen ausgezeichnet. Denn die beiden Schulsanitäterinnen, die sich auch ein medizinisches Berufsleben vorstellen können, standen einer Mitschülerin bei, die einen allergischen Schock erlitten hatte. Mit ihrer menschlichen Umsicht und ihrem gerade erst erworbenen Erste-Hilfe-Wissen taten sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort genau das, was zu tun war, um größeren Schaden von ihrer Mitschülerin abzuwenden. 

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“, sind sich die beiden ausgezeichneten Schülerinnen einig, die sich ihr Preisgeld geteilt haben. Und sie finden: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“!


Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...