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Es werden Posts vom Mai, 2015 angezeigt.

Erst in den Tunnel, dann aufs Feld: Erdbeerernte in Dümpten

Andreas Bolten reicht seiner Frau Christiane Bolten-In der Beeck eine frisch gepflückte Erdbeere. Sie schmeckt süß. Bisher kamen die Erbeeren noch nicht vom freien Feld, sondern aus zwei sogenannten Erdbeertunneln. Die gut 100 Meter langen und zehn Meter breiten Tunnel, die in 1000 Arbeitsstunden mit einem Stahlgerüst und durchsichtigen Plastikfolien errichtet worden sind, erinnern an riesige Gewächshäuser. Sie beschirmen lange und wiederum in Folien warm gehaltene und mit kilometerlangen Schläuchen bewässerte Erddämme, in denen auf jedem laufenden Meter acht Erdbeerpflanzen sprießen. „So können wir schon seit gut 14 Tagen Erdbeeren verkaufen, obwohl man die Erdbeeren auf dem freien Feld erst ab heute ernten kann“, erklärt Bolten.

Ob aus dem „Tunnel“ oder auf dem freien Feld: Gepflückt werden die Erdbeeren von Justina und ihren derzeit fünf Kolleginnen. Sie alle sind Hausfrauen oder Schülerinnen und kommen aus Ostrów Mazowiecka im Osten Polens, 90 Kilometer östlich von Warschau entfern…

Immer auf Empfang: Gerd Wollenweber

„Hallo, können Sie mal eben.“ Diesen Satz hört Gerd Wollenweber öfter. Der 54-jährige Vater und Großvater sitzt regelmäßig, wie auf einem Präsentierteller, mitten im Foyer des Evangelischen Krankenhauses. Er leitet ein Team von 20 Kollegen, die dafür sorgen, dass die zentrale Information der Klinik an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr besetzt ist. „Bei uns läuft irgendwie alles zusammen. Und wir sind das erste Gesicht, dass die Menschen sehen, die ins Krankenhaus kommen“, beschreibt Wollenweber seinen Arbeitsplatz, an dem seine Kollegen und er gleich mehrere Bildschirme und Telefone im Blick haben müssen. Der wichtigste Blick ist der ins Foyer und in das Gesicht des jeweils nächsten Besuchers.

Jährlich werden im Evangelischen Krankenhaus allein 21.000 stationäre und 62 000 ambulante Patienten behandelt. „Wenn die Ärzte ihre Sprechstunden abhalten, ist besonders viel zu tun. Dann kann es durchaus schon mal vorkommen, dass man im Laufe einer Schicht mit bis zu 300 Menschen spricht“, erzä…

So gesehen: Nur nicht gleich in die Luft gehen

Beim Thema Flughafen gehen viele Mülheimer in die Luft. Den einen geht der Ausstieg aus dem Flugbetrieb nicht schnell genug. Die anderen sehen das Kapitel Flughafen als ein Trauerspiel für den Wirtschaftsstandort Mülheim, der einen neuen Höhenflug gut gebrauchen könnte.

Doch jetzt wird es am Flughafen feierlich. Das haben wir nun schriftlich. Denn die Bezirksregierung hat das dort geplante Oktoberfest genehmigt. Wenn die Aussichten in der Ruhrstadt schon nicht rosig sind, darf die Stimmung am Flughafen zumindest schon mal Blau-Weiß sein. Und wenn die Musi, mit Brezeln, Bier und Hendl dafür sorgt, dass sich die Ruhris wie im Wirtschaftswunderland Bayern fühlen und dafür mit ihrem Kleingeld die lokale Konjunktur ankurbeln, ist das ja auch eine Wirtschaftsförderung im besten Sinne des Wortes.

Doch während sich so mancher Bayern-Fan schon aufs „Angezapft ist“ freut, fragt sich so mancher Fluglärm-Gegner, was denn da beim Oktoberfest am Flughafen verzapft wird.

Denn wer mit Musik und Bier fei…

Schöner wohnen im Hochhaus: Ein Erfahrungsbericht vom Hans-Böckler-Platz

„Du ziehst ins Hochhaus? Um Gottes Willen!“ Ingrid Bliß hat diesen Satz ihrer Schwägerin noch gut im Ohr. Vor zwei Jahren war das, als sie sich entschloss ihr großes Eigenheim am Uhlenhorst gegen eine 63-Quadratmeter- große Wohnung im 14. Stock des SWB-Hochhauses am Hans-Böckler-Platz 7 bis 9 einzutauschen.

„Das Haus war für mich einfach zu groß geworden. Und die Wege zum Einkauf oder zum Arzt waren plötzlich zu weit“, erinnert sich die 77-Jährige an die Zeit der Entscheidungsfindung. Es waren Schicksalsschläge, die Bliß und ihren inzwischen verstorbenen Lebensgefährten dazu bewogen aus dem grünen Stadtrand Mülheims ins City-Hochhaus zu ziehen. Sie war nach einem Unfall zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen und er war schwer krank. Beide nahmen sich eine gleich große Wohnung, die sie problemlos bewirtschaften, verlassen und wieder erreichen konnten, sie im 14. und er im 6. Stock.

Ingrid Bliß’ Sohn, der bei der Polizei arbeitet war zunächst skeptisch und überprüfte erst mal die Sich…

Hoch hinaus? Der Mülheimer Wohnungsmarkt im Wandel

Sie galten einst als Paradebeispiel für verdichteten Wohnungsbau und modernen Wohnkomfort: Als die Hochhäuser am Hans-Böckler-Platz Anfang der 70er Jahre gebaut wurden, ging man davon aus, dass Mülheim eines Tages mehr als 200 000 Einwohner haben werde. Doch in den 80er und 90er Jahren erlebten die Hochhäuser als sozialer Brennpunkt einen drastischen Imageverlust, der sich in Wohnungsleerständen von rund 50 Prozent niederschlug. Mit Investitionen von 8,8 Millionen Euro in Modernisierung und Mieterservice wendete die SWB das Blatt und gewann damit eine ganz neue Mieterklientel für ihre Hochhäuser. Zum Start unserer neuen Serie „Wohnen ist Leben“ haben wir mit Mietern über das neue Lebensgefühl in den Hochhäusern gesprochen.

Denn: In der Art und Weise, wie wir wohnen spiegeln sich auch unsere Lebensbedürfnisse und unser Lebensgefühl. Als Mülheim 1808 mit etwas mehr als 10 000 Einwohnern zur Stadt wurde, waren seine Wohnverhältnisse noch dörflich geprägt. Als 1898 der Vorläufer der heutig…

So gesehen: Journalisten leben gefährlich

Wenn ein Stadtmensch aufs Land geht, dann kann er was erleben. So erging es mir gestern, als ich einen Mülheimer Bauernhof besuchte. Kaum hatte ich das Willkommens-Schild an der Einfahrt erreicht, als zwei Wachhunde, die mir hungrig und angriffslustig erschienen, laut bellend auf mich zu stürmten und an mir hoch sprangen. Hatten die Jungs mich zum Fressen gern? Oder hatten sie schon mal schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht? Schließlich hat sich schon so mancher bissige Journalist im Eifer des Gefechtes den Vorwurf eingehandelt, ein Wadenbeißer oder gar ein Schweinehund zu sein.

Dieser Text erschien am 15. Mai 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kfar Saba im Aufbruch: Gerhard Bennertz berichtet aus der israelischen Partnerstadt

Es herrscht dort eine richtige Aufbruchstimmung“, berichtet Gerhard Bennertz aus Kfar Saba . Gerade ist Mülheims Mister Israel aus der Partnerstadt im Nahen Osten zurückgekehrt. Dort nahm er unter anderem an den Gedenkfeierlichkeiten zum israelischen Volkstrauer- und Unabhängigkeitstag teil und legte am Mahnmal auf dem Friedhof an der Weizmannstraße in Kfar Saba als Vertreter Mülheims einen Kranz nieder.
Besonders beeindruckte ihn der Besuch im grünen Nordostviertel von Kfar Saba, das unter anderem mit modernen Wohnungen, breiten Fußgänger- und Fahrradstraßen, Schulen, Kindertagesstätten und Kulturzentren glänzt. Das Geld privater Investoren ließ ein attraktives Wohnquartier für bis zu 15.000 Menschen entstehen.

Auch der große Stadtpark im Zentrum und der Gewerbepark im Süden sind erweitert und modernisiert worden. Der Stadtpark ist nicht nur eine grüne Oase, sondern zieht auch durch seine Spiel- und Sportplätze zahlreiche Menschen an. Im Gewerbegebiet des sogenannten Industrial Parks …

Lisa Wehling: Die Zuverlässige

Mittags bei Hemmerle an der Schloßstraße. Die Bäckerei gleicht einem Taubenschlag. Kunden komen und gehen. Die meisten haben es eilig. Viele kommen in ihrer Mittagspause, um sich mit belegten Brötchen, Kaffee und Kuchen zu stärken. Andere decken sich mit Brot, Stuten, Bienenstich oder Crossaints ein. „Wie hoch ist bei diesem Brot der Roggenanteil? Warum sind die Brötchen zwei Cent teurer geworden? Von diesem Kuchen möchte ich aber kein randstück haben. Und ist der auch frisch?“ Letztere Frage hört Lisa Wehling in schöner Regelmäßigkeit und lächelt milde. „Natürlich. Alle unsere Backwaren werden täglich frisch zubereitet.“ Und dann braucht eine ältere Dame mit Rollator ihre Hilfe. Erst muss sie über die kleine Eingangsrampe in die Bäckerei buggsiert werden. Und später bringt sie der Dame Kaffee und Kuchen an den Tisch. Denn die Bäckerei an der Schloßstraße ist auch ein Café.
Auch als sich die Bäckereiverkäuferin Zeit für den Mann von der Presse nimmt, wird sie regelmäßig von Kunden gegr…

Die Flüchtlinge kommen: Sind sie auch bei uns angekommen? Eindrücke und Einsichten einer Podiumsdiskussion im Mülheimer Altenhof

Auch die Heilige Familie, wir wissen es aus der Bibel, war eine Flüchtlingsfamilie. Musste sie doch vor dem kindermordenden Herodes nach Ägypten fliehen. Angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme, mehr als 50 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht, fragten der Bezirksverband Kolping und der Evangelische Kirchenkreis An der Ruhr bei einer Podiumsdiskussion im Altenhof: „Menschen auf der Flucht! Auch bei uns angekommen?“ 300 interessierte und mitdiskutierende Zuhörer zeigten, dass das Thema Flüchtlinge in der Ruhrstadt ein aufgeschlossenes Publikum findet.

„Auch wenn das mit Sicherheit nicht in jedem Kopf der Fall ist, haben wir in Mülheim in Sachen Willkommenskultur doch einen positiven Mainstream“, stellt Sozialdezernent Ulrich Ernst nicht ohne Stolz fest. Er konnte darauf verweisen, dass allein unter der städtischen Federführung durch Sonja Klausen rund 130 Bürger ehrenamtlich für Flüchtlinge aktiv sind. Es geht um Alltagsbegleitung, um Freizeitgestaltung oder auch u…

So gesehen: Die Jugend von heute

Ja, die Jugend von heute. So klagte schon früher mancher ältere Zeitgenosse und meinte damit, dass die Jugend auch nicht mehr das sei, was sie vermeintlich mal gewesen sei und wir uns deshalb auf eine düstere Zukunft einstellen müssten.

Dabei hat die Jugend von heute manchmal wirklich tolle Ideen. Das merkte ich am Samstag beim Wochenendeinkauf im Forum. Zwischen zwei Supermärkten hatte sich der Nachwuchs des Lionsclubs postiert.

Nicht vergebens animierten die jungen Leute die Kunden, bei ihrem Einkauf nicht nur an sich, sondern mit zumindest einem haltbaren Lebensmittel auch an die bedürftigen Gäste der Mülheimer Tafel zu denken.

Dem sympathischen Appell der Jugend konnten sich nur wenige Käufer entziehen, so dass am frühen Nachmittag schon sechs Einkaufswagen mehr als gut gefüllt waren. Mit ihrem Inhalt kann das Diakoniewerk an seiner Tafel nun so manchen Hunger stillen, auch den nach mehr Menschlichkeit, in einer Gesellschaft, in der es offensichtlich noch junge Menschen gibt, die daf…

Darlington setzt wieder auf Labour

Auch in den kommenden fünf Jahren wird die englische Partnerstadt Darlington von Jenny Chapman im Unterhaus vertreten. Die erstmals 2010 gewählte Kandidatin der Labour Party hatte bei den Wahlen am Donnerstag mit 42,9 Prozent der Stimmen die Nase vorn. Gegenüber ihrer ersten Wahl konnte sie einen Stimmenzuwachs von 3,5 Prozent verbuchen. Der Kandidat der Konservativen, Peter Cuthbertson, ging mit 35,2 Prozent der Stimmen als Zweiter durchs Ziel und konnte für seine Partei ein Stimmenplus von 3,7 Prozent erringen. Auf Platz 3 landete der Kandidat der nationalkonservativen United-Kingdom-Party (Ukip), Dave Hodgson, der 13,1 Prozent der Stimmen errang. Während Ukip seinen Stimmenanteil um 10,3 Prozent erhöhen konnte, verloren die Liberaldemokraten mit ihrer Kandidatin Ann Marie Curry 18,6 Prozent ihres 2010 erreichten Stimmenanteils und wurden mit 4,8 Prozent nur viertstärkste Kraft. Insgesamt gingen nur 62,5 Prozent der stimmberechtigten Darlingtoner am Donnerstag zur Wahl.

Dieser Text e…

Hat die Kirche noch eine Zukunft? Der evangelische Theologe Ulrich Kellermann, der vor 50 Jahren zum Pfarrer ordiniert wurde, meint Ja, wenn sie konsequent auf einen vernünftigen Glauben und menschliche Nähe setzt

Ich hatte das Pech, ein gutes Examen zu machen, scherzt Ulrich Kellermann, wenn man den 1936 Geborenen danach fragt, wie er dazu kam, sich nicht nur als Pfarrer in Holthausen, sondern auch als Theologie-Professor in Münster die Frohe Botschaft des christlichen Glaubens zur Lebensaufgabe zu machen. Der evangelische Theologe, der als Seelsorger die Menschen vor allem deshalb in die Gottesdienste holte, weil ich sie auch bei Hausbesuchen kennenlernen und ansprechen konnte, blickt am 16. Mai auf 50 Jahre als Pfarrer zurück. Auch im Ruhestand ist er ein kritischer Mitgestalter, Begleiter und Beobachter seiner Kirche geblieben.

Wie sieht er ihren Wandel und ihre Zukunft in einer Zeit, in der es mehr Sterbefälle als Taufen und mehr Kirchenaustritte als Kircheneintritte gibt? Die verfasste Kirche, wie wir sie heute kennen, wird noch kleiner werden, aber ich habe das Vertrauen, dass Gott immer die Form von Kirche suchen und finden wird, die er braucht, um seine Botschaft den Menschen nahezubrin…

"Wir haben gejubelt": Wie Mülheimer den 8. Mai 1945 erlebten

Wie erlebten Mülheimer den 8. Mai 1945? Viele dachten: "Hoffentlich kommen wir bald nach Hause. Der 8. Mai 1945 steht für das Ende von NS-Diktatur und Krieg. Im Gespräch machten Mülheimer Zeitzeugen vor allem eines deutlich: Am 8. Mai 1945 stand nicht Weltpolitik, sondern der Kampf ums Überleben auf der Tagesordnung. Dennoch wurde der Tag, trotz Ungewissheiten und Widrigkeiten, als Befreiung erlebt.

"Wir waren alle froh, dass es endgültig vorbei war", erinnert sich die 1920 geborene Elli Küppers an das Kriegsende im Mai 1945. Das erlebte sie nicht zu Hause in Styrum, sondern im Teutoburger Wald. Dorthin war die Familie bereits Ende März evakuiert worden. Die Mülheimerin, die heute in Heißen wohnt, erinnert sich noch genau daran, dass man in die gute Stube einer Familie in Pivitzheide bei Detmold einquartiert worden war. Weil die eigenen Lebensmittelkarten nicht anerkannt wurden, musste die Familie bei Bauern um Brot bitten. Dass der Krieg zu Ende war, merkte …

Eine Stadtrundfahrt auf den Spuren des Mülheimer NS-Terrors

Die Mendener Brücke an der Ruhr und das leerstehende Winkhaus an der Ecke Eppinghofer Bruch/Leybankstraße sind nur zwei auf den ersten Blick unscheinbare Orte, die Helmut Herrmann morgen auf seiner historischen Stadtrundfahrt ansteuern wird. Am 8. Mai, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes, will der Nestor der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes in drei Stunden interessierten Zeitreisenden Spuren der Mülheimer NS-Herrschaft aufzeigen. „Das ist weiter notwendig, solange es Politik und Justiz nicht schaffen, rechtsextreme Gruppen und Parteien zu verbieten und Flüchtlingsheime zum Teil von der Polizei bewacht werden müssen, weil sie von Rechtsradikalen angegangen werden“, findet der 1929 geborene Herrmann. Er selbst erlebte, wie seine Eltern von der SA misshandelt und inhaftiert wurden, weil sie aktive Kommunisten und Gewerkschafter waren.

Spuren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft findet man zum Beispiel am alten Winkhaus, das viele Mülheimer noch als Kneipe kenn…

So gesehen: Immer wieder neue Seiten

Wer schreibt, der bleibt! So heißt es unter Journalisten. Doch wer schreiben will, muss irgendwann mal etwas vorgelesen bekommen haben.

Hätte mir meine Mutter früher nicht so viele Geschichten vorgelesen, die ich dann gerne ausschmückte und aufschrieb, hätte ich vielleicht niemals die Freunde an der Sprache im Allgemeinen und an Geschichten, die das Leben schreibt, im Besonderen entdeckt. Bis heute gibt es für mich nichts spannenderes als Menschen und ihre Lebensgeschichte.

Manchmal erscheint sie mir so reich wie eine ganze Bibliothek und manchmal auch nur so fraglich wie ein Buch mit sieben Siegeln. Und wenn ich in meinem Sparbuch lese, weiß ich: Nicht jedes Buch hat ein Happy End oder ist ein Kassenschlager. Sei es drum. So lange wir in unserem Lebensbuch immer wieder eine neue Seite aufschlagen und ein neues Kapitel beginnen können, dürfen wir auch mitten im Drama oder im Krimi auf ein Happy End hoffen, egal, ob uns unser Sparbuch nun wie eine Tragödie oder wie eine Komöd…

Das Salz in der Suppe: Die Grünen Damen im Haus Ruhrgarten geben seit 40 Jahren ein Beispiel der Menschlichkeit

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„Willst du nicht zu früh ins Grab, lehne jedes Ehrenamt gleich ab“, spottete einst Wilhelm Busch. Doch wenn man sich mit Annette Rex (56), Ingeborg Hufschmidt (75) und Renate Münker (80) (Foto: Peters) über ihr Ehrenamt im Haus Ruhrgarten unterhält, ist nicht von Zeitaufwand, Arbeit und Anstrengung, sondern immer wieder von Glück und Dankbarkeit die Rede. Als Grüne Damen schenken sie Bewohnern im Altenheim an der Mendener Straße wöchentlich vier bis fünf Stunden ihrer Zeit, um mit ihnen zu sprechen, ihnen zuzuhören oder vielleicht auch gemeinsam zu singen, zu basteln oder (wenn möglich) einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Sie sind mit ihrem Einsatz nicht allein, sondern Teil einer Gruppe von 30 Grünen Damen und zwei Grünen Herren,

„Anders, als die hauptamtlichen Mitarbeiter müssen wir nichts und dürfen fast alles. Wir bringen Zeit und Muße mit. Es geht uns nicht um Bespaßung, sondern um aufrichtige Zuwendung“, beschreibt die vierfache Mutter Annette Rex den Reiz ihres Ehrenamtes,…

Heike Wagener: Die Frau vom Büdchen an der Ruhr

„Sie kenne ich doch. Ihre Würstchen sollen ja so gut sein“, erinnert sich Heike Wagener an die Gesprächseröffnung eines Radtouristen, der sich jüngst bei seiner Tour de Ruhr an ihren Büdchen stärkte. „Hier wird man immer wieder nett bedient. Und wenn es das Büdchen am Leinpfad nicht gäbe müsste man ja verhungern oder verdursten.“ Das hört man immer wieder von Spaziergängern, Radfahrern und Paddlern, die an diesem frühen Nachmittag eines sonnigen Werktages bei Heike Wagner vorbeischauen, um sich mit Kaffee, Bier, Würstchen oder Süßigkeiten einzudecken.

Heute strahlt die 59-Jährige mit der Sonne um die Wette. Denn an schönen Tagen, wie diesem, läuft ihr gerade mal zwölf Quadratmeter großer Laden ganz gut. Da muss sie immer wieder ans Fenster oder aus dem Büdchen heraus, um ihre Kunden zu begrüßen und zu bedienen. „Aber an Tagen mit schlechtem Wetter kann man hier auch schon mal acht oder neun Stunden sitzen und mit einem Umsatz von 30 Euro nach Hause gehen“, weiß Wagener. Auch große Spor…

Eine Stütze der Freiheit: Vor 70 Jahren wagten die Mülheimer Gewerkschaften den demokratischen Neuanfang

Hunger, Not und das schwere Erbe von Diktatur und Krieg standen vor 70 Jahren Pate, als Gewerkschafter den demokratischen Neuanfang wagten.

„Als 1890 in Mülheim zum ersten Mal der Tag der Arbeit gefeiert wurde, mussten Arbeiter, die an der Maikundgebung teilnahmen, damit rechnen, auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden und ihre Arbeit zu verlieren“, erinnert DGB-Geschäftsführer Dieter Hillebrand an die Anfänge der Arbeiterbewegung. Als Gewerkschafter, wie Heinrich Melzer, Friedrich Müllerstein, Heinrich Pütz oder Johann Doetsch nur wenige Tage nach dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 Kontakt zur Mülheimer Militärregierung aufnehmen, um mit ihren Vertretern über den Aufbau einer freien Gewerkschaftsbewegung und deren Ziele zu sprechen, wissen sie, was Verfolgung bedeutet.

Hinter ihnen lagen zwölf Jahre Nazi-Diktatur, in denen es keine freien Gewerkschaften, sondern nur eine staatlich gelenkte Deutsche Arbeitsfront gab. Heinrich Melzer, der zum ersten DGB-Vorsitzenden in Mülheim …