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Es werden Posts vom August, 2016 angezeigt.

So gesehen: Kindermund tut Wahrheit kund

Was macht man mit seinem Geld, wenn man denn welches übrig hat? Sparen? Das hat sich mit der Kamikaze-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank erledigt. Also legt man sein Geld in nachhaltige Wertgegenstände an. Haus, Villa, ein Auto, zwei Autos oder Gold und Schmuck. Doch wenn man das alles zu Hause, in der Garage oder im  Tresor hat, hilft nur noch eines: Ein Kunstwerk muss her, möglichst eines von einem Künstler mit Zukunft. Es soll nicht unbezahlbar sein, sich irgendwann aber doch bezahlt machen, wenn man sich daran leid gesehen hat.

So ein Kunstwerk, großformatig und mit großen bunten Kreisen, wurde jetzt in einem großbürgerlichen Wohnzimmer stolz begutachtet. Man redete sich in Euphorie, ob des einzigartigen Kunstwerkes. Die Stimmung im Raum war prächtig, zumindest solange, bis die fünfjährige Tochter des Hauses sich das Ausnahmewerk genauer anschaute und zu dem Ergebnis kam: „So was kann ich auch malen!“ Die kunstsinnigen und um Fassung ringenden Eltern mussten einsehen. Kinder…

„Eine lohnende Investition“: In der Kranhalle des Diakoniewerkes diskutierte die NRZ mit Vertretern der Politik, der Wirtschaft und den Gewerkschaften über den sozialen Arbeitsmarkt

Es lässt die Zuhörer aufhorchen, wenn Inaya Chahrour, sagt: „Es ist super, hier ehrenamtlich in der Kantine arbeiten zu können, aber es wäre schön, wenn sich der Arbeitsmarkt mal wieder so verändern würde, dass ich mein eigenes Geld in der Gastronomie verdienen könnte.“ Nachdenklich macht es auch, wenn Vorarbeiter Roland Eifler feststellt: „Es gibt Arbeit genug. Das sieht man an den schmutzigen Straße. Die Regierung müsste dafür aber Geld in die Hand nehmen, aber sie würde dafür auch viel zurückbekommen.“ Beide haben den Satz: „Wir melden uns, wenn wir für Sie Arbeit haben“, im Ohr. Inaya Chahrour wartet seit einem Jahr auf einen Beratungstermin bei der Agentur. Und Eifler hat über zwei Jahre nichts vom Amt gehört.

Dass etwas schief läuft auf dem Arbeitsmarkt, macht der Geschäftsführer des Diakoniewerkes deutlich. Ulrich Schreyer sagt, dass der Bund seine Investitionen in den sozialen Arbeitsmarkt in den letzten 20 Jahren halbiert habe, während der Anteil der Beschäftigten,…

So gesehen: Sankt Martin lässt grüßen

Unsere Verwaltung ist ihrer Zeit voraus. Das merkte ich, als ich jetzt in unserer Lokalausgabe las, dass es höchste Zeit werde, die Martinszüge anzumelden. Meines Wissens kommt Sankt Martin doch erst im November. Mahlen die Mühlen der Verwaltung so langsam, dass die Veranstalter von Martinszügen schon jetzt ins Schwitzen kommen müssen, ohne, dass sie dafür am Ruhrstrand oder anderswo in der Sonne brutzeln müssten.

Aber nein. Heiliger Bürokratius hilf. In so unsicheren Zeiten, wie diesen kann man nicht nur im Rathaus nicht früh genug auf Nummer sicher gehen. Und so müssen jetzt auch Veranstalter von Martinszügen schon im Sommer über ihren Sicherheitskonzepten brüten. Sankt Martin könnte als Bote der Nächstenliebe bei seinem Lichterzug ja vom Pferd fallen, während er seinen Mantel teilt oder sich an einer Laterne die Finger verbrennen. „Denn das Leben ist“, wie schon Erich Kästner uns einst wissen ließ, „immer lebensgefährlich.“ Ich fürchte nur, dieses Restrisiko wird auch das beste Sich…

Ein grün-weißes Sommermärchen: 1956 schaffte es der VfB Speldorf bis ins Berliner Finale der deutschen Fußball-Amateure und euphorisierte damit die Mülheimer Fußballfans

Was für Deutschland die Helden von Bern, das waren für Mülheim die Helden von Berlin. Die Rede ist von der Elf des VfB Speldorf, die vor 60 Jahren Vizemeister der deutschen Fußball-Amateure wurde.
Nur den „Roten“ aus Neu-Isenburg mussten sich die Grün-Weißen aus Speldorf im Berliner Finale geschlagen geben. Auch wenn es für die von Kurt Biesenkamp trainierte Mannschaft nach 90 Minuten 2:3 hieß, sahen viele der 75 000 Zuschauer die vom Verletzungspech und von umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen gebeutelten Speldorfer als „moralische Sieger.“ Auch Bundestrainer Sepp Herberger und Torwart-Legende Bernd Trautmann diktierten der Presse den Satz: „Die Speldorfer waren eine Klasse besser“ in den Block.
VfB-Leistungsträger und Nationalspieler Theo Klöckner, erlitt gleich zu Beginn des Spiels einen Wadenbeinbruch, machte aber unbeirrt weiter und schoss später sogar noch ein Tor. Helmut Hirnstein, Heinz Riepe, Ernst Stroß, Hans Otto Bösebeck, Georg Hanselmann, Horst Riemenschneider, Walte…

Vom Garnisonslazarett zur Seniorenresidenz: Ein Zeitsprung an der Dimbeck

Wo heute über 100 Senioren im Wohnpark Dimbeck leben, befand sich während des Ersten Weltkrieges ein Garnisonslazarett. Die historische Aufnahme aus dem Stadtarchiv entstand im September 1915 und zeigt die Einweihung einer Kaiser-Büste. Damals wurde Deutschland noch von Wilhelm II. regiert und in den Abgrund gerissen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, der 3500 Mülheimer Soldaten das Leben kostete, zog auf dem Grundstück an der Dimbeck 2 bis 6 der 1920 vom Ruhrpastor und Stadtdechanten Konrad Jakobs gegründete Caritas-Verband ein. Aus dem ehemaligen Lazarett wurde das Josefshaus, in dem uneheliche Mütter und ihre Kinder Zuflucht fanden.

1983 wurde das Josefshaus in ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen umgewandelt. Außerdem wurden dort eine Tagesstätte  sowie eine Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Erkrankte eingerichtet.

Nachdem die Caritas das Grundstück und die Gebäude ihres Zentrums im Zuge der katholischen Gemeindeumstrukturierung 2006 verkauft hatte und in das ehemalige Gemein…

Drei Fragen an: den Heimatforscher und Buchautor Bernd Brinkmann: Mölmsches Bier war einst ein Wirtschaftsfaktor

Die Ausstellung über das Mülheimer Brauereiwesen, die jetzt im Haus der Stadtgeschichte gezeigt wird, basiert unter anderem auf den Erkenntnissen von Bernd Brinkmann, der 2008 im Rahmen der Schriftenreihe des Mülheimer Geschichtsvereins ein Buch zu diesem Thema vorgelegt hat. Was sagt er zur Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges?

Warum hat Sie das Thema gereizt?

Antwort: Weil mich alles interessiert, was mit der Mülheimer Geschichte zu tun hat, sammle ich schon länger alte Biergläser, Flaschen und Krüge der Mülheimer Brauereien. Als ich mehr über diese Brauereien wissen wollte, merkte ich, dass es dazu keine Literatur gab. Deshalb forschte ich im Hauptstaatsarchiv und im Stadtarchiv, etwa in Verträgen, Steuerlisten und alten Zeitungen nach.

Welche Bedeutung hatten die Mülheimer Brauereien?

Antwort: Um 1800 gab es bereits viele Gaststätten in Mülheim, die für ihren eigenen Ausschank brauten. Schon für die 1770er und 1780er Jahre lässt sich ein jährliches Brauaufkommen von 12?00…

„Wir gehören hier dazu“: Wer mit den Mülheimer Tafel-Fahrern Bashan Chaban und Frandy Dams unterwegs ist, um Lebensmittelspenden einzusammeln merkt, dass Arbeit mehr ist, als Geld verdienen

Bevor sein Kollege Frandy Dams, kommt, sorgt Fahrer Bashan Chaban dafür, dass der Ford-Transit glänzt, mit dem sie gleich durch Mülheim und Kettwig kurven, um Lebensmittel für die Mülheimer Tafel des Diakoniewerkes Arbeit und Kultur Lebensmittel abzuholen.

Der 46-jährige Familienvater, der in den 90er Jahren vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat Libanon floh und in Mülheim Zuflucht fand, macht einen zufriedenen Eindruck. Seine freundlichen Augen lächeln den dritten Mitfahrer an, der ihn und seinen Co-Piloten bei ihrer handfesten Arbeit im Dienste der bedürftigen Tafelkunden begleitet.

Chaban und Dams sind zwei handfeste Typen, denen ihre Arbeit offensichtlich Freude macht. Mit ihrem Lieferwagen, der knapp drei Tonnen Lebensmittel laden kann, werden sie heute zwischen 7.30 Uhr und 13 Uhr zwei große Runden durch die Stadt machen und bei etwa 20 Geschäften, Supermärkten, Discountern und zwei Großmärkten Halt machen.

Immer wieder das selbe Spiel: Raus aus dem Wagen. Ran an die Ra…

Gemeinsam aktiv sein; Caritas und Diakonie laden zum Inklusionsfest auf den Kirchenhügel

„Wir zusammen. Gemeinsam aktiv sein.“ Unter diesem Motto laden die Caritas und das Diakonische Werk am Sonntag, 28. August, zu einem Inklusionsfest auf den Mülheimer Kirchenhügel.
Um 13 Uhr geht es los. „Die Besucher können eine Menge erleben und niemand braucht zu verhungern oder zu verdursten“, betont die stellvertretende Geschäftsführerin der Caritas, Margret Zerres. Über 100 Helfer sind im Einsatz und machen rund 60 Aktionen möglich. Die Bandbreite reicht vom Torwandschießen über den Rollstuhltanz bis hin zu einem Rollstuhlparcours oder einem Riech- und Tastaparcours. Mit den Spirit Steps und und der Koko-Band stehen auch Musikgruppen auf der Bühne, in denen Menschen mit Behinderung für einen flotten Sound sorgen.
Die ältere Generation nimmt das Altenheim Haus Ruhrgarten in den Blick. Ihr geschäftsführender Pflegedienstleiter, Oskar Dierbach, lässt Festbesucher in einen Gerontoanzug steigen. Mit seiner Hilfe können auch junge Leute erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man als alter M…

Zeitsprung an der Duisburger Straße: Umspannwerk statt Bahnhof

Wir stehen auf einem Parkplatz an der Duisburger Straße, gleich hinter der Straßenbahnunterführung und schauen auf das Gelände des RWE-Umspannwerkes West.

Seitlich und hinter uns ziehen dort heute ein Futterhaus, ein Sonnenstudio und eine Spielhalle Kunden an. Das an gleicher Stelle in den 30er Jahren entstandene Foto zeigt noch das 1874 errichtete und 1977 abgerissene Gebäude des Bahnhofes Speldorf.
Wo in den 20er Jahren rund 30 Bahnhofsmitarbeiter jährlich noch mehr als 10 000 Fahrgäste und 5000 Frachtlieferungen abgewickelten, ist heute, neben dem Umspannwerk des RWEs nur der Haltestellenname der Straßenbahnlinie 901 „Speldorf Bahnhof“ geblieben. Die historische Aufnahme aus den 30er Jahren lässt mit den Hakenkreuzfahnen am Bahnhofsgebäude erkennen, dass der politische Zug der Nazi-Zeit damals auch an der Reichsbahn nicht spurlos vorbei ging. Im 2. Weltkrieg wurde das Obergeschoss des Bahnhofsgebäude zerstört und nach dem Krieg abgetragen.
Ursprünglich wurde das Bahnhofsgebäude in Spe…

So gesehen: Schauen wir uns mal wieder in die Augen

Wer mit dem öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist, wird immer wieder überrascht, vor allem von den mitreisenden Fahrgästen.
Früher konnte man schon mal miteinander ins Gespräch kommen oder schauen, was der Sitz-Nachbar gerade  liest. Oder man döste gemeinsam still aus dem Fenster. Das war Entspannung pur. Doch das war einmal.

Heute fühlt man sich ja fast nackt, wenn man ohne Smartphone in Bus oder Bahn einsteigt.

Denn die meisten Sitznachbarn schauen nur noch auf ihr Display oder sie sind gut verstöpselt und für diese Welt und ihre Mitmenschen nicht mehr erreichbar. Da werden ganze Filme geschaut und ganze Hitparaden durchgehört, während draußen der Film des richtigen Lebens an ihnen vorbeirauscht.
Früher konnte man noch mit der Illusion einsteigen, bei der nächsten Bus- oder Bahnfahrt ja vielleicht der Frau oder dem Mann seines Lebens zu begegnen. Doch welcher Smartphone-Jünger lässt sich heute noch zwecks Blick- und Flirtkontakt in seine Augen schauen.

Doch die Kontaktaufnahme sc…

Mit einer Mauerparty fing alles an Es gibt sie, die freundlichen und hilfsbereiten Nachbarn, zum Beispiel an der Jägerhofstraße in Speldorf: Das CBE und das Mülheimer Bündnis für Familie suchen weitere Beispiele, die inspirieren und Mut machen

„Als wir vor zehn Jahren hier her zogen, fuhren unsere Kinder mit ihren Bobbycars immer auf dem Bürgersteig auf und ab. Nachbarkinder kamen dazu. Und plötzlich standen auch einige Eltern vor unserem Haus, die nach ihren Kindern schauten“, erinnert sich Susanne Prött. Irgendwann sagte einer der Nachbarn: „Schade, dass wir uns nirgendwo hinsetzen können! Susannes Mann Christian, ein Mann der Tat, ließ sich das nicht zweimal sagen. Mit seiner Flex-Säge entfernte er kurzerhand das Geländer auf seiner langen Vorgartenmauer und schwupp die wupp lagen dort einige Sitzkissen.

Es muss wohl ein Freitagabend gewesen sein. Denn seit dem steigt vor Prötts Haus jeden Freitag zwischen 18 und 21 Uhr eine Mauerparty. „Wer kann, der kommt und bringt ein Baguette, ein Flasche Wein oder etwas Käse mit und dann unterhalten wir uns über Gott und die Welt“, erzählt Bernhard Burichter. Themen finden sich immer. Was machen die Kinder? Was macht der Beruf? Ließe sich an der Jägerhofstraße eine Spielstraße einri…

Viele Wünsche: Saarner Schüler und UNICEF werben für Flüchtlinge

20 Oberstufenschüler der Gesamtschule Saarn und Mitglieder der örtlichen Unicef-Gruppe starteten aus Anlass des Welt-Flüchtlingstages in der Innenstadt eine Umfrage. Thema: "Was wünschen wir den Flüchtlingen?"

Die Elftklässler aus einem von Lore Martin geleiteten Religions-Kurs hatten sich bereits im Rahmen einer Projektwoche mit den weltweiten Flüchtlingsströmen und deren Ursachen beschäftigt. Die Vereinten Nationen gehen derzeit von weltweit 60 Millionen Flüchtlingen aus. Rund 2500 von ihnen haben inzwischen den Weg nach Mülheim gefunden. "Die Jugendlichen haben ein sehr gutes Gespür für die Not der Flüchtlinge. Viele wollen sich nach ihrem Abitur in einem Freiwilligen Sozialen Jahr engagieren", lobt Lehrerin Lore Martin den humanitären Einsatz ihrer Schüler.
Die Schüler machten schnell die Erfahrung, die jeder Journalist kennt. Es ist gar nicht so leicht, bei einer Straßenumfrage wildfremde Menschen anzusprechen und von ihnen eine aussagekräftige Antwort zu einem …

So gesehen; Ein Mann geht seinen Weg

Was kann man von Kellnern lernen? Nicht viel! Das dachte ich bisher. Doch seit ich jetzt bei schönstem Sonnenschein am Pflasterstrand Ruhrbanias ein leckeres Eis genießen und ganz nebenbei einem Kellner des dortigen Eiscafés bei der Arbeit zuschauen konnte, habe ich meinen grundlegenden Irrtum eingesehen.

Wie der Mann unter selbstlosem Einsatz seiner körperlichen Unversehrtheit sowie mit Augenmaß und eiserner  Nervenstärke Eis, Kaffee, Kuchen und andere Leckerbissen an ihr Ziel brachte, ließ mich staunen und nötigte mir den größten Respekt ab.
Eigentlich musste der Mann ja nur wenige Meter Ruhrpromenade mit seinen  Tabletts überqueren. Das hört sich leichter an, als es ist. Denn die weniger Meter seines Arbeitsweges hatten es in sich, weil sie im Sekundentakt von Fahrradfahren, Roller-Piloten und Inlineskatern passiert wurden.

Sie zwangen den Kellner immer wieder zu schon fast olympiareifen Pirouetten  und Wendemanövern. Obwohl der tapfere Mann, den einen oder anderen Promenaden-Passante…

Das Handwerk als Sprungbrett in den Beruf Ein Informationsbesuch beim Dachdeckerbetrieb Richard zeigte die Potenziale einer dualen Berufsausbildung auf

„Wir haben bereits im zweiten Jahr in Folge mehr Schulabgänger, die ein Studium beginnen, statt in eine Berufsausbildung zu starten“, stellt der für Ausbildung zuständige Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Franz Roggemann, fest. Das hält er für volkswirtschaftlich bedenklich, „weil die duale und arbeitsmarktorientierte Berufsausbildung ein wesentlicher Pfeiler unseres Wohlstandes ist.“

Deshalb haben die operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit, Christiane Artz, und Barbara Yeboah, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, zwei Botschaften, eine für die Betriebe: „Bilden Sie aus!“ und eine für die Lehrstellensuchenden: „Informieren Sie sich auch abseits der klassischen Ausbildungsberufe im großen Feld der über 300 Ausbildungsberufe.“

Als beste Gelegenheit dafür empfiehlt der Leiter der Mülheimer Sozialagentur, Klaus Konietzka, die Ausbildungsmesse, die am 21. September in der Stadthalle alle Akteure des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes unter einem…

Guter Rat für Eltern und Kinder Erziehungsberatung der Caritas setzt Schwerpunkte in den Bereichen Trennung, Scheidung, Zuwanderung und psychische Gesundheit: 250 Familien finden Rat

„Ich finde es enorm, was meine Kolleginnen aus der Erziehungsberatung leisten“, sagt Martina Pattberg. Sie leitet bei der Caritas die Abteilung für soziale Dienste und ist damit auch für die Erziehungsberatungsstelle des katholischen Sozialverbandes zuständig. „Wir beraten nicht nur kostenfrei, sondern auch konfessionsübergreifend“, betont die Leiterin der Erziehungsberatungsstelle, Rita Rücker. Die Sozialarbeiterin, die auf eine 35-jährige Berufserfahrung in der Erziehungsberatung zurückschauen kann, ist die einzige Vollzeitkraft in der Beratungsstelle, die von Stadt, Land und Bistum finanziert wird.

Ihre beiden Kolleginnen, die Sozialpädagogin Nicole Meyer und die Psychologin Berna Abegg, können nur als Teilzeitkräfte beschäftigt werden. Umso beachtlicher ist es, dass sich die drei Fachfrauen jedes Jahr um rund 250 Familien mit insgesamt rund 600 Personen kümmern. 36 Prozent der Ratsuchenden sind katholisch, 25 Prozent evangelisch, neun Prozent muslimisch und 23 Prozent ko…

Von den Wraxham Barracks zum Wohnpark Witthausbusch: Ein Zeitsprung in Holthausen

Oxforder Straße heißt die Straße, die von der Zeppelinstraße abzweigt und in den Wohnpark Witthausbusch führt.

Am Ende der Oxforder Straße sehen wir ein markantes Gebäude, in dem heute Arztpraxen ihren Sitz haben. Hier beginnt der William-Shakespeare-Ring. Auch eine Liverpoolstraße gibt es hier, wo heute etwas mehr als 1000 Menschen in Miet,- Eigentums,- Gemeinschafts- und Einfamilienhäuser daheim sind. Wer Passanten und Anwohner fragt, hört nur Gutes über die Wohnqualität in der grünen Wohnoase, von der es nicht weit zur Zeppelinstraße, zum Rumbachtal oder auch zur A40 ist.

Als Stadtfotograf Walter Schernstein 1984 an gleicher Stelle das historische Foto schoss, waren hier noch englische Soldaten stationiert. Ihre Wohnquartier zwischen Zeppelinstraße und Steinknappen, die Wraxham Barracks, waren streng bewacht. Denn die dort stationierte Transporteinheit und Sprachenschule der britischen Rheinarmee musste damals Anschläge der Irisch-Republikanuschen-Armee fürchten. Wo heute Mediziner p…

Ein Engel für Alexander Für gestresste junge Mütter vermittelt die Familienbildungsstätte erfahrene Ehrenamtler zur Unterstützung: die Wellcome-Engel. Interessierte, die diesen Service unterstützen wollen, sind auch willkommen

Der neun Monate alte Alexander ist ein echter Wonneproppen und Strahlemann. Er macht seiner Mutter Elke Himmighofen viel Freude, aber auch viel Arbeit.

Alexander ist ein Turbo-Krabbler, der in seinem Entdeckungsdrang alles in die Hand oder in den Mund nimmt, was ihm in die Quere kommt. „Ich muss meine Augen immer überall haben und wenn ich zum Beispiel wasche oder koche, kann ich das nur mit einem Arm machen, weil ich mit dem anderen Alexander im Griff haben muss. Da geht alles nur sehr langsam“, erzählt die 41-jährige Massage-Therapeutin aus ihrem Alltag als Mutter. Auch nachts lässt Alexander seine Mutter nicht immer durchschlafen.

Als Himmighofen in einem Babykurs der Evangelischen Familienbildungsstätte von solchen und ähnlichen Stresssituationen berichtete, schickte ihr Fachbereichsleiterin Karen Brinker mit UrsulaWeinbrenner einen Wellcome-Engel ins Haus. Sie schenkt der gestressten Mutter ein Stunden Zeit.

Die 62-jährige Mutter einer erwachsenen Tochter kommt jetzt ei…

Vom Schreibtisch auf die Baustelle: RWW-Mitarbeiter legten für die OGS-Kinder der Caritas Hand an. damit der Nachwuchs eine schöne Spielfläche bekommt

Sie arbeiten normalerweise im Vertrieb, im Kundenservice oder in der Unternehmenskommunikation der zum RWE-Konzern gehörenden Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft RWW. Doch an diesem Tag haben sich RWW-Sprecher Ramon Steggink und elf seiner Kollegen sechs Stunden Zeit genommen, um vor dem Pfarr- und Jugendheim von St. Mariae Geburt eine kleine Spielfläche herzurichten. Auf einer Rasenfläche, die man getrost als unbespielbar bezeichnen darf, legen die Männer und Frauen, die sonst nur am Schreibtisch sitzen, Hand an. Da wird mit Hammer und Schippe hantiert. Da wird eine Kiesfläche als Untergrund gelegt. Und dann legen die Wasserwerker die Hartgummiplatten aus, die in einem dübel-ähnlichen Stecksystem zu einer wunderbar geraden und stabilen Fläche zusammengelegt werden. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie hier schon bald Grundschulkinder aus der offenen Ganztagsbetreuung der Caritas Basketball, Fußball oder Hockey spielen werden. „Zurzeit betreuen meine …

So gesehen: Die Kunst des Brückenbaus

Es gibt Dinge, an die hat man sich über die Jahre so gewöhnt, dass man sie kaum noch wahrnimmt. So ging es mir bis jetzt mit der Mintarder Ruhrtalbrücke.

Für einen Mülheimer, der zwei Jahre nach ihrer Fertigstellung geboren wurde, war sie eben schon immer da, wenn er mit dem Auto auf ihr oder mit einem Schiff der Weißen Flotte unter ihr fuhr, wenn er sie als Spaziergänger auf dem Mintarder Ruhrdeich betrachtete oder bei der Busfahrt nach Mintard an sich vorbeirauschen ließ.

Erst die Auseinandersetzung mit ihrer Entstehungsgeschichte, die in dieser Lokalausgabe nachzulesen ist,  lässt sie für mich in einem neuen Licht erscheinen.

Sie ist ein technisches Baukunstwerk, aber auch ein Mahnmal für unsere immer schneller werdende Zeit, die so manchen Zeitgenossen auf der Strecke zurücklässt und uns jeden Tag neu zeigt, dass das wichtigste Werk, das wir als Menschen in unserem Leben vollbringen müssen, der Brückenschlag ist.
Er verlangt immer wieder harte Arbeit und Selbstüberwindung, auch wenn m…

Meisterwerk der Baukunst und Tribut an die Motorisierungswelle: Vor 50 Jahren wurde die Mintarder Ruhrtalbrücke feriggestellt

Wer heute mit dem Auto zwischen Essen und Düsseldorf pendeln will oder muss, der fährt über die A52 und damit auch über 28 Meter breite und 65 Meter hohe Ruhrtalbrücke. Laut Straßen NRW nutzen heute täglich rund 80 000 Kraftfahrer die 1830 Meter lange und auf 18 Pfeilern ruhende Brücke über dem Mülheimer Ruhrtal zwischen Ickten und dem Saarner Auberg.

Als die Brücke vor 50 Jahren für den Verkehr freigegeben wurde, waren es gerade mal 20 000 Fahrzeuge pro Tag.  Doch schon diese Auto-Zahl war für die damals vom Durchgangsverkehr belastete Mendener Brücke und die ebenfalls stark belastete Kölner Straße viel zu viel. Deshalb berichtete die NRZ bereits 1959 erstmals über Pläne einer Autobahnbrücke über das Mintarder Ruhrtal. Von „einem Tribut an die Motorisierungswelle.“ Erste Spekulationen, ob die vom Landschaftsverband Rheinland in Auftrag gegebene Brücke auch für Fahrradfahrer und Fußgänger passierbar sein werde, wurden schon bald von der automobilisierten Wirklichkeit im damals noch fas…

Frau Saubermann Birgit Audersch und ihre 149 Kolleginnen aus dem Reinigungsdienst der Stadt sorgen dafür, dass Kindertagesstätten, Schulen und das Rathaus selbst nicht im Dreck versinken

Sauberkeit ist ihr Beruf. Birgit Audersch ist eine von 150 städtischen Reinigungskräften. Es waren schon mal mehr. Der Sparzwang der Stadt hat Spuren hinterlassen. 700 Quadratmeter in viereinhalb Stunden. Das ist das Arbeitsprogramm der 51-Jährigen. Wenn die Kinder und Erzieherinnen der städtischen Kindertagesstätte Zauberwald an der Aktienstraße 218 gehen, fängt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern mit ihrer Arbeit an.
16 Uhr. Audersch schließt die Tür eines kleinen Abstellraumes auf. Zum Vorschein kommen ein Waschbecken, Kanister mit Reinigungsmitteln, ein Rollwagen mit einer Feuchtwischpresse, Feuchtwischgestelle und ein Industriestaubsauger. Der sieht auf den ersten Blick sehr kompakt aus, wiegt aber auch seine gefühlten fünf Kilo.


Erst saugen, dann wischen
Vor dem großen Wischen von Fluren, Gruppen-, Besprechungs-, Büro- und Waschräumen kommt das große Staubsaugen. Sieht leicht aus, ist es aber nicht. Denn die wunderschön weichen und farbenfrohen Hochflorteppiche, auf denen die l…

Die katholische Konfession ist in den USA längst kein politischer Makel mehr

Sollte die ehemalige US-Senatorin- und Außenministerin Hillary Clinton im November als erste Frau ins Weiße Haus gewählt werden, würde mit dem Senator von Virginia, Tim Kaine, ein Katholik ihr Vizepräsident. Der 58-jährige Wirtschaftswissenschaftler und Jurist, der unter anderem auch Gouverneur seines Heimatstaates Virgina war, arbeitete als junger Mann zeitweise als Missionar in Honduras. Er gilt als politisch moderat und kommt aus einem Bundesstaat, der traditionell zwischen Demokraten und Republikanern hart umkämpft ist.
Die Zeiten, in denen die katholische Konfession im protestantisch geprägten Amerika als Makel galt, sind lange vorbei. Als mit Alfred Smith 1928 der erste Katholik für die amerikanische Präsidentenamt kandidierte, musste er sich noch den gleichen Vorwurf anhören, wie sein demokratischer Parteifreund John F. Kennedy, der 1960 als erster Katholik ins Weiße Haus gewählt wurde. „Ein Katholik im Weißen Haus bedeutet, dass der Papst in Washington mitregiert.“ In seiner b…

Neuer Hunde-Besuchsdienst der Malteser sorgt für Streicheleinheiten

Mülheim wird immer älter. Schon heute sind 30 Prozent seiner Bürger über 60. Und viele Senioren, ob sie nun in einem Altenheim oder noch zu Hause wohnen, sind oft einsam, weil ihre Kinder weit weg leben oder aus beruflichen Gründen nur bedingt selbst für ihre Eltern sorgen können. Deshalb hat die Mülheimer Juristin Gabriela Böhm jetzt im Auftrag des Malteser Hilfsdienstes einen Besuchsdienst ins Leben gerufen, den Senioren kostenfrei in Anspruch nehmen können. "Bisher haben wir zwölf ehrenamtliche Mitarbeiter, die stadtweit 24 Senioren besuchen. Wir sind sehr an zusätzlichen ehrenamtlichen Mitarbeitern und an Senioren interessiert, die sich besuchen lassen möchten", betont Böhm.
Die neueste Innovation des Malteser-Besuchdienstes sind Ehrenamtliche, wie Kirsten Johannsen-Loos, die zusammen mit ihrer zweijährigen Labrador-Hündin Mina Senioren zu Hause oder im Altenheim besuchen. Die ehrenamtlich engagierte Erzieherin Johannsen-Loos hat sich in vier 30-minütigen Trainingseinheite…

Gerd Kleemeyer: "Wir sind sehr dankbar, dass es die Fördermittel der EU gibt"

Gerd Kleemeyer ist ein Unternehmer aus der Chemie-Branche. Mit finanzieller Unterstützung der EU konnte er für seine Firma Klemafol eine Potenzialberatung in Anspruch nehmen. Was waren seine Erfahrungen?

Wie wurden Sie auf die EU-Förderung aufmerksam?
Wir wurden durch den externen Dienstleister für die erfolgte Potenzialberatung, die Firma Beck und Consorten GmbH auf die Fördermöglichkeit durch EU-Programme aufmerksam gemacht. Die Beratung hat uns gut getan. Mit Beck und Consorten, einem Spezialberater für Marketing und Vertriebsthemen, ist es gelungen, den Prozess der Ideen-Findung und Weiterentwicklung, sowie die Entscheidungsfindung zu ordnen und zu systematisieren, um für uns gangbare Wege und Lösungen zu entwickeln. Das war und bleibt noch ein Prozess, mit dem wir uns gut fühlen und langsam Erfolge einfahren. Insofern haben die Berater, Mülheim & Business und die EU als Mittelgeber bleibende Spuren hinterlassen.

War die Beantragung der Fördermittel schwierig?
Durch unsere gute Ve…

Drei Viertel der Exporte gehen nach Europa oder: Was Mülheim von der EU hat?

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer beschäftigten ihre 65 Mülheimer Mitgliedsunternehmen 2015 rund 12 000 Mitarbeiter. Mit einer Exportquote von 58 Prozent erwirtschafteten sie einen Auslandsumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.

Drei Viertel der Exporte gingen nach Europa, davon zwei Drittel in Länder der Europäischen Union. Nach Angaben des Mülheimer Zentrums für Innovation und Technik Zenit erhielten Mülheimer Unternehmen und ihre Partner aus der Wissenschaft, darunter das Max-Planck-Institut für anorganische Chemie und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasser (IWW) in der laufenden EU-Förderperiode Projektmittel in einer Gesamthöhe von rund 4,6 Millionen Euro. Knapp 270 000 Euro fließen der Hochschule Ruhr-West aus EU-Mitteln zu, die das dortige Forschungsprojekt EnhAnced Government LEarning (EAGLE) fördern. Ziel des von Professor Jan M. Pawlowski geleiteten Projektes ist die Entwicklung einer digitalen Lernplattform, die es Verwaltungsmitarbeitern erleichtert, neue V…

So gesehen: Leben wir doch mal ganz real

Wer mit dem öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist, wird immer wieder überrascht, vor allem von den mitreisenden Fahrgästen.

Früher konnte man schon mal miteinander ins Gespräch kommen oder schauen, was der Sitz-Nachbar gerade  liest. Oder man döste gemeinsam still aus dem Fenster. Das war Entspannung pur. Doch das war einmal.

Heute fühlt man sich ja fast nackt, wenn man ohne Smartphone in Bus oder Bahn einsteigt.

Denn die meisten Sitznachbarn schauen nur noch auf ihr Display oder sie sind gut verstöpselt und für diese Welt und ihre Mitmenschen nicht mehr erreichbar. Da werden ganze Filme geschaut und ganze Hitparaden durchgehört, während draußen der Film des richtigen Lebens an ihnen vorbeirauscht.

Früher konnte man noch mit der Illusion einsteigen, bei der nächsten Bus- oder Bahnfahrt ja vielleicht der Frau oder dem Mann seines Lebens zu begegnen. Doch welcher Smartphone-Jünger lässt sich heute noch, zwecks Blick- und Flirtkontakt, in seine Augen schauen.
Doch die Kontaktaufnahme …

Europa ist keine Einbahnstraße: Mülheim profitiert vor allem von den Regional- und Sozialfonds der Europäischen Union

Folgt man der Europäischen Kommission, so zahlt jeder Mülheimer jährlich 192 Euro für die Europäische Union. Und als deutsche Steuerzahler tragen wir aktuell 21 Prozent des 144 Milliarden Euro schweren EU-Haushaltes. Doch was bringt uns die EU, abseits von friedens- und geopolitischen Pluspunkten? Wer nach Antworten sucht, kommt zur städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Mülheim & Business (M&B). Hier werden Mülheims Europa-Aktivitäten koordiniert.

„Mülheim profitiert vor allem von Geldern aus dem Infrastruktur- und Regionalfonds  Efre sowie von Geldern aus dem EU-Sozialfonds ESF“, sagt der für Europaangelegenheiten zuständige M&B-Mitarbeiter, Jan-Alexander Scheideler.  Er beobachtet die Förderprogramme der EU und schaut, wo Kommune, Unternehmen, Schulen oder andere Institutionen einhaken könnten. „Derzeit fördert die EU vor allem Projekte, die Wettbewerbsfähigkeit, Innovationen und Nachhaltigkeit stärken“, sagt Scheideler.

Seine aktuelle Aufstellung zeigt: In ihrer l…