Donnerstag, 25. August 2016

Drei Fragen an: den Heimatforscher und Buchautor Bernd Brinkmann: Mölmsches Bier war einst ein Wirtschaftsfaktor

Die Ausstellung über das Mülheimer Brauereiwesen, die jetzt im Haus der Stadtgeschichte gezeigt wird, basiert unter anderem auf den Erkenntnissen von Bernd Brinkmann, der 2008 im Rahmen der Schriftenreihe des Mülheimer Geschichtsvereins ein Buch zu diesem Thema vorgelegt hat. Was sagt er zur Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges?

Warum hat Sie das Thema gereizt?

Antwort: Weil mich alles interessiert, was mit der Mülheimer Geschichte zu tun hat, sammle ich schon länger alte Biergläser, Flaschen und Krüge der Mülheimer Brauereien. Als ich mehr über diese Brauereien wissen wollte, merkte ich, dass es dazu keine Literatur gab. Deshalb forschte ich im Hauptstaatsarchiv und im Stadtarchiv, etwa in Verträgen, Steuerlisten und alten Zeitungen nach.

Welche Bedeutung hatten die Mülheimer Brauereien?

Antwort: Um 1800 gab es bereits viele Gaststätten in Mülheim, die für ihren eigenen Ausschank brauten. Schon für die 1770er und 1780er Jahre lässt sich ein jährliches Brauaufkommen von 12?000 bis 16?000 Hektolitern nachweisen. Um 1900 gab es in Mülheim dann zehn größere Brauereien, wie etwa Berg, Fugl­sang, Ibing, die Rheinische Zonenbrauerei oder die Teutonen-Brauerei, die jeweils zwischen 60 und 90 Mitarbeiter beschäftigten und in die gesamte Region lieferten. Allein Fuglsang braute gegen Ende des 19. Jahrhunderts rund 46?000 Hektoliter Bier.

Wie kam es zum Niedergang der mölmschen Brauereien?

Antwort: Der Erste Weltkrieg brachte für viele kleinere Brauereien das Ende, weil Malz rationiert wurde. Später haben die Mülheimer Brauereien nicht rechtzeitig ihre Vertriebsstrukturen ausgebaut und so den Anschluss an die großen Brauereien in Dortmund und Duisburg verloren, so dass sie wirtschaftlich nicht mehr wettbewerbsfähig waren. In einigen Fällen spielten auch Nachfolgeprobleme eine wichtige Rolle. Als letzte Traditionsbrauerei musste 1995 die Berg-Brauerei schließen.


Dieser Text erschien am 24. August 2016 in NRZ/WAZ 

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