Direkt zum Hauptbereich

Guter Rat für Eltern und Kinder Erziehungsberatung der Caritas setzt Schwerpunkte in den Bereichen Trennung, Scheidung, Zuwanderung und psychische Gesundheit: 250 Familien finden Rat

Gut Rat: Rita Rücker. Berna Abegg, Martina Pattberg und Nicole Meyer
„Ich finde es enorm, was meine Kolleginnen aus der Erziehungsberatung leisten“, sagt Martina Pattberg. Sie leitet bei der Caritas die Abteilung für soziale Dienste und ist damit auch für die Erziehungsberatungsstelle des katholischen Sozialverbandes zuständig. „Wir beraten nicht nur kostenfrei, sondern auch konfessionsübergreifend“, betont die Leiterin der Erziehungsberatungsstelle, Rita Rücker. Die Sozialarbeiterin, die auf eine 35-jährige Berufserfahrung in der Erziehungsberatung zurückschauen kann, ist die einzige Vollzeitkraft in der Beratungsstelle, die von Stadt, Land und Bistum finanziert wird.

Ihre beiden Kolleginnen, die Sozialpädagogin Nicole Meyer und die Psychologin Berna Abegg, können nur als Teilzeitkräfte beschäftigt werden. Umso beachtlicher ist es, dass sich die drei Fachfrauen jedes Jahr um rund 250 Familien mit insgesamt rund 600 Personen kümmern. 36 Prozent der Ratsuchenden sind katholisch, 25 Prozent evangelisch, neun Prozent muslimisch und 23 Prozent konfessionslos oder andersgläubig.

Der jüngste Neuzugang im Team ist die türkischstämmige Berna Abegg. Mit ihrer Hilfe kann die Caritas jetzt auch Erziehungsberatung in türkischer Sprache anbieten. Bei einem Klausurtag haben Pattberg und die drei Erziehungsberaterinnen jetzt die Arbeitsschwerpunkte der kommenden Wochen und Monaten abgesteckt.

Da 61 Prozent der Beratungsfälle vor dem Hintergrund von Trennung und Scheidung stattfinden, bietet die Caritas jetzt ein individuelles Step-Elterntraining und eine Gruppe für Scheidungskinder an.

„Auf der Elternseite geht es darum, klar zu bekommen, wie können wir gemeinsam als Eltern unsere Aufgaben erfüllen, obwohl wir als Paar nicht mehr funktionieren“, beschreibt Rücker die eine Seite der Trennungsmedaille. Mit Blick auf die Scheidungskinder weiß sie, „dass sich Kinder in einer Trennungssituation oft schuldig, allein und ohnmächtig fühlen, weil sie sich oft als mitverantwortlich für die Scheidung ihrer Eltern fühlen.“

Deshalb will das neue Gruppenangebot für Scheidungskinder dafür sorgen, dass Kinder im Erfahrungsaustausch mit Gleichaltrigen erleben, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind. Auch die Fähigkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und Selbstbewusstsein zu entwickeln, sollen in der Trennungs-Kinder-Gruppe gestärkt werden.

Da 35 Prozent der Ratsuchenden einen Zuwanderungshintergrund haben und 44 Prozent alleinerziehende Eltern sind, sehen die Erziehungsberaterinnen hier einen weiteren Beratungsschwerpunkt.

Deshalb haben sie sich gezielt Grundschulen und Kindertagesstätten als Kooperationspartner gesucht, auf deren Anforderung hin sie je nach Bedarf in Aktion treten, sei es in Form einer individuellen Beratung oder in Form allgemeiner Erziehungstipps, etwa im Rahmen der Mut-Cafés, zu denen etwa die Bildungsnetzwerke Eppinghofen und Styrum Eltern mit Migrationshintergrund einladen. „Oft geht es um ganz grundsätzliche Themen, wie: Was ist eigentliche Erziehung? Wie kann ich Kinder ermutigen? Aber auch: Wie und wo muss ich Kindern in angemessener Form Grenzen setzen. Mit einer Informationsveranstaltung (am 2. November um 18.30 Uhr) im Medienhaus sowie mit einer Unterrichtsreihe für Neuntklässler, will die Caritas über das Thema psychische Gesundheit von Kindern und Eltern aufklären.


Dieser Text erschien am 5. August 2016 in NRZ/WAZ 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…