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Es werden Posts vom Oktober, 2010 angezeigt.

Eine literarische Betrachtung des Gewohnheitstieres Mensch: Wolfgang Rüb stellte bei den Herbstblättern seinen neuen Roman vor

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Passend zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung luden die Macher der Mülheimer Literaturreihe Herbstblätter mit Wolfgang Rüb einen ostdeutschen Autor ein, ein echter Gewinn. "Das ist von vorne bis hinten humorvoll“, verspricht Wolfgang Rüb seinen Zuhörern im Medienhaus, bevor der Musikpädagoge aus Sachsen-Anhalt aus seinem zweiten Roman „Wohnquartett mit Querflöte“ liest.Der Mann hat nicht zu viel versprochen.

Seine Zuhörer, leider viel zu wenige, haben an diesem Herbstblätter-Abend viel zu lachen. Sein Humor und seine Sprache kommen fast still und hintergründig herüber. Das Buch erzählt die Geschichte eines ostdeutschen Ehepaares, das die von den Eltern und Schwiegereltern ererbte Jugendstilvilla verkauft, um endlich Geld für die so lange erträumten Reisen zu haben. Doch dann kann es sich aber doch nicht von dem alten Haus trennen, und formiert sich mit dem neuen Besitzer-Ehepaar zu einem Quartett.

Dabei erzählt der Autor zwischen den Zeilen viel über das Leben.Obwohl „Wohnquartet…

Die Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft lud am Freitag zu einem Stadtrundgang durch das Mülheim unter dem Hakenkreuz

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Normalerweise präsentiert die Mülheimer Stadtmarketimg- und Tourismusgesellschaft MST mit ihren jährlich 200 Rundängen zu 42 verschiedenen Themen die schönsten Seiten der Stadt. Doch am Freitagnachmittag führte Anne Kebben im Auftrag der MST 25 interessierte Bürger zu einigen der insgesamt 95 Mülheimer Stolpersteinen, die an Mitbürger erinnern, die von den Nazis ermordet worden sind. Der Rundgang war bedrückend und beeindruckend zugleich. "Wir möchten gerne auch noch mehr Schulklassen für diesen historischen Rundgang gewinnen", betonte Kebben. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass es 2004 Schüler der Realschule Stadtmitte waren, die die Biografien der jüdischen Mitschüler erforschten, die in den 30er Jahren von den NS-Machthabern gezwungen wurden ihre Schule zu verlassen. Manche von ihnen konnten der Ermordung durch die Nationalsozialisten entfliehen. Andere wurden deportiert und kamen in Konzentrationslagern ums Leben. Heute geht man davon aus, dass rund 270 jüdi…

Ein Sonntagsimpuls aus der Marienkirche

"Wer sich an Gott hält, wird von Gott gehalten." Von diesem Gedanken ließ sich Alt-Weihbischof Franz Grave in seiner Predigt leiten, die er heute in St. Mariae Geburt hielt.

Mit Blick auf Rettung von 33 verschütteten Bergleuten im chilenischen San Jose machte er deutlich, dass dieses technische Wunder der Ingenieurskunst ohne die Glaubenskraft, die den Bergleuten die Zuversicht gab, fast 70 Tage in 600 Metern Tiefe auszuharren, obwohl es für sie keine Gewissheit auf Rettung gab, nicht möglich gewesen wäre.

Auch viele Ingenieure, Techniker oder Ärzte, so Grave, wüssten sich in ihrer persölnlichen Risikoabschätzung, etwa vor einer schweren Operation, im Bewusstsein ihrer eigenen Fehlbarkeit von Gott gehalten, weil sie Selbstvertrauen mit Demut zu verbinden wüssten.

Wie der ehemalige Stadtrat Paul Heidrich und seine Mitstreiter Behinderten in Bulgarien helfen

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Als Paul Heidrich vor zehn Jahren einen Bericht über die menschenunwürdigen Lebensverhältnisse behinderter Heimbewohner in Bulgarien sah, war der Vater eines behinderten Kindes entschlossen, zu helfen. So entstand der Verein zur Förderung von Einrichtungen für Behinderte im Ausland.
Mit Spenden und Zuschüssen der Aktion Mensch sowie mit fachlicher Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland hat der heute 65 Mitglieder zählende Verein vor allem im Osten Bulgariens durch Bau- und Fortbildungsmaßnahmen sowie durch Hilfsmitteltransporte die Lebensverhältnisse der Betroffenen nachhaltig verbessert.
So wurde in Malko Scharkovo ein aus zwölf Häusern bestehendes Betreuungszentrum, in dem heute 100 behinderte Frauen von 38 Pflegekräften betreut werden modernisiert. Im nahegelegenen Bolyarovo wurde eine zentrale Außenwohngruppe für acht Bewohner eingerichtet. Das nächste Ziel des Vereins ist ein Tageszentrum mit beschützender Werkstatt für Behinderte, das mit Zuschüssen des bulgarischen Staa…

Was sich Blinde und Sehbehinderte zum Tag des Weißen Stockes wünschen

Heute ist der Tag des Weißen Stockes. Vor 46 Jahren vom damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson ins Leben gerufen, will dieser von den Vereinten Nationen ausgerufene Tag weltweit auf die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Menschen aufmerksam machen.

Spricht man mit der selbst blinden Vorsitzenden des Blinden- und Sehbehindertenvereins (BSV), Christa Ufermann, so wird deutlich, dass es oft die kleinen Dinge und Fahrlässigkeiten des Alltags sind, die blinden und sehbehinderten Menschen das Leben unnötig schwer machen.

Da werden in Bussen und Bahnen die Haltestellen nicht angesagt oder Gehwege von Autofahrern zugeparkt oder von Geschäftsleuten mit Auslagen zugestellt. Da werden taktile Leitstreeifen irreführend verlegt und Akustikampeln geben keinen Ton von sich. Ufermann macht auch keinen Hehl daraus, dass sie die Blumenkübel und Wasserläufe auf der Schloßsstraße unnötig in ihrer Bewegung und räumlichen Orientierung einschränken.

Wer als blinder und sehbehinderter Bürger Rat, Hi…

Auf ein Wort zum 10.10.10 mit dem Standesbeamten Hans-Michael Scharf

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10.10.10. Warum heiraten Menschen an einem solchen Tag mit einem flotten Dreier-Datum? "So einen Hochzeitstag vergisst man natürlich nicht", weiß Standesbeamter Hans-Michael Scharf. Obwohl heute eigentlich Sonntag und damit dienst- und heiratsfrei ist, legen Scharf und seine sieben Kollegen vom Standesamt eine Sonderschicht ein. Denn 21 Paare wollen heute Ja zueinander sagen.


Dabei sagt die Statistik, dass das Scheidungsrisiko bei Ehen, die an einem Tag mit dem flotten Dreier im Datum, häufiger geschieden werden als andere. Aber schon Churchill glaubte bekanntlich nur die Statistiken, "die ich selbst manipuliert habe." Und in dieser besonderen Herzenssache handelt es sich außerdem um eine bundesweite Erhebung ohne Mülheimer Zahlenmaterial.

Doch es bleibt eine statistische Tatsache, dass heute jede dritte- und in manchen Ballungsräumen sogar jede zweite Ehe scheitert. Der 53-jährige Standbeamter, der selbst erst vor acht Jahren in den heiligen Stand der Ehe trat, sieh…

Vor 100 Jahren wurde der Mülheimer Politiker und Unternehmer Max Vehar geboren

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Vehar. Den Namen kennen die meisten Mülheimer heute vom gleichnamigen Reisebüro an der Leineweberstraße. Gegründet wurde dieses Reisbüro 1951 von den Brüdern Heinrich und Max Vehar. Das Reisebüro, das seine Kunden im beginnenden Wirtschaftswunder vor allem Urlaubsbusreisen gewann, war Teil einer Spedition, die die Brüder Vehar bereits auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932 aus der Taufe gehoben hatten.

Doch der Name Max Vehar, der am 1. Oktober 1910 in Wien geboren wurde, ist nicht mit der Mülheimer Wirtschafts- sondern auch mit der Mülheimer Politikgeschichte verbunden. Der Mitbegründer der Mülheimer CDU war der bisher letzte Christdenokrat, der das Mülheimer Bundestagsmandat direkt gewinnen konnte. Das war bei der Bundestagswahl 1957, als die CDU mit ihrem Kanzler Konrad Adeneauer zum ersten und einzigen Mal die absolute Mehrheit gewinnen konnte.

In Mülheim reichte es dafür nicht, aber der CDU-Kandidat errang immerhin 45,5 Prozent der Stimmen und lag mit 844 Stimmen Vorsprung…

Wie eine Mülheimerin in Frankfurt/Oder an einer Baustelle der Wiedervereinigung mitarbeitete

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Am Vorabend des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung hatte ich Gelegenheit, mit Elisabeth Condipodaro Marchetta, die heute das Standesamt leitet, über ihren Einsatz in Frankfurt an der Oder zu sprechen.

Dort half sie von 1991 bis 1994 beim Aufbau des Jugendamtes. Den Hintergrund ihres ungewöhnlichen Dienstes bildet das Kooperationsabkommen zwischen NRW und Brandenburg, in dessen Folge Mülheim an der Ruhr und Frankfurt an der Oder Partner auf Zeit wurden. Denn mit dem Beitritt zur Bundesrepublik übernahmen die Länder der ehemaligen DDR auf das westdeutsche Verwaltungssystem.

Condipodaro half ihren ostdeutschen Kollegen vor allem beim Aufbau einer wirtschaftlichen Jugendhilfe. Wie berechnet man Unterhalt und Pflegesätze für die Unterbringung in einem Heim? Wie ermittelt man einen einkommensbezogenen Elternbeitrag für Kindertagesstätten? Wie baut man eine Akte auf ? Wie kann man Aufgaben innerhalb der Verwaltungshierarchie sinnvoll delegieren und wie eigenverantwortlich kann ein Verwaltun…

Wie Mülheim vor 20 Jahren die Deutsche Einheit feierte

Daran merkt man, dassman älter geworden ist. Plötzlich kann man sich an Ereignisse erinnern, die inzwischen zur Zeitgeschichte geworden sind. So ist das auch mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.

Ich meine, es wäre erst vorgestern gewesen, dass ich zu den Mülheimern gehörte, die sich am 3. Oktober 1990 in der Kundenhalle der Sparkasse einfanden, um mit einem Festakt und einem anschließenden Volksfest auf dem Berliner Platz die neue Deutsche Einheit zu feiern. Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule spielte das Deutschlandlied, bei dem alle mitsagen, und die Ode an die Freude aus Beethovens neunter Sinfonie.

Die musikalische Brücke zwischen der deutschen und der europäischen Hymne passte zu der internationalen Verantwortung des wiedervereinigten Deutschlands, die Oberbürgermeisterin Eleonore Güllenstern und NRW-Staatssekretär Hartmut Krebs an diesem Festtag in ihren Reden beschworen. "Wie viel weniger kostet die friedliche Widervereinigung Deutschlands als acht…