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Es werden Posts vom Juni, 2013 angezeigt.

Wenn Schulunterricht sozial genial wird: Ein bemerkkenswertes pädagogisches Praxisbeispiel aus der Schule am Hexbachtal zeigt, was passieren kann, wenn Schüler fürs Leben lernen

Wenn Jugendliche in ihrer Schule ausgezeichnet werden, dann meistens für gute Leistungen im Sport oder in Deutsch, Englisch und Mathe. Ganz anders in der Hauptschule am Hexbachtal. Hier wurden gestern feierlich die „sozial genialen“ Neuntklässler Burak Samli, Mariam Chahrour, Ivana Fleming, Leandra Eichholz, Dilara Mollahasan, Julia Hartmann, Vivian Debosz, Eginc Kaya und Rhea Lürmann unter anderem mit einem Zertifikat belohnt, das ihnen bescheinigt ein ganzes Jahr ehrenamtlich gearbeitet zu haben.


Immer wieder dienstags oder mittwochnachmittags gingen sie in Seniorenheime, Ganztagsschulen oder in den Seniorenclub Dümpten, um mit und für junge oder alte Menschen zu arbeiten. Da wurde gespielt, Hausaufgaben gemacht, miteinander gesprochen, vorgelesen, eine Bücherei inventarisiert, Essen gereicht, kleine Ausflüge unternommen oder, wo nötig, ein Rollstuhl geschoben. „Einige Schüler tun sich schwer, ein Referat zu halten und jetzt hält hier jeder von ihnen eine Rede“, staunt Lehrerin Sabi…

So gesehen: Kinder, kommt zur Saarner Kirmes oder: Habe Mut, dich zu gruseln

Der Jahrmarkt der Eitelkeiten hat bekanntlich das ganze Jahr über geöffnet. Doch auf der Saarner Kirmes geht nur von heute bis zum 7. Juli rund um den Spaß an der Freude. Dazu gehört für viele Kirmesbesucher offensichtlich auch der gepflegte Grusel auf der Geisterbahn von Rudolf Schütze. Schon seine Großeltern waren vor 90 Jahren mit ihrer Geisterbahn auf der Kirmes. die damals noch in Speldorf und nicht an der Mintarder Straße in Saarn ihre Zelte aufschlug.


Obwohl die Mölmschen im Inflationsjahr 1923 auch außerhalb der Geisterbahn genug Gruseleffekte erlebten, suchten sie wie ihre Enkel in Zeiten der Eurokrise den Grusel mit garantiert gutem Ende auf der Geisterbahn. „Unsere Geister tun ja keinem was, was man nicht von allen Zeitgenossen sagen kann. Schon an der Biertheke gibt es meistens mehr Ärger“, weiß der 71-jährige Geisterbahnbetreiber, der in seinem Leben nur einen wirklichen Grusel kennt, „nämlich, wenn es regnet oder zu heiß wird und die Leute erst gar nicht zur Kirmes komme…

Wilhelm Hasenclever war der erste Mülheimer Sozialdemokrat, der in unserer Stadt zum Abgeordneten gewählt wurde

Wer war eigentlich Wilhelm Hasenclever? Diese Frage tauchte bei einigen historisch interessierten Lesern der Neuen Ruhr Zeitung  nach meiner Berichterstattung zum 150. Geburtstag der SPD auf.


Wie berichtet, war Hasenclever, der erste Sozialdemokrat, der in Mülheim ein Abgeordnetenmandat errang. Das war am 22. Februar 1869. Damals trat der gelernte Gerber als Kandidat des reichsweit am 23. Mai 1863 in Leipzig und am 12. Juni 1864 in Mülheim gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) an.

Seine Siegchancen waren zunächst gering. Denn bei der ersten Wahl zum Norddeutschen Reichstag (1867) hatte der Bewerber des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins im Wahlkreis Duisburg-Mülheim gerade mal 440 Stimmen bekommen. Doch Hasenclever war ein brillanter Rhetoriker, der sein Rednertalent bereits bei den Turnern entwickelt hatte. Er sprach weniger von den Revolutionstheorien des Karl Marx als von Ferdinand Lasalles Ideen eines genossenschaftlichen und demokratischen Sozialismus. Auch …

Auch Mülheims spätere Partnerstadt Darlington wurde im Zweiten Weltkrieg von Luftangriffen getroffen

Am Sopnntag gedachte Mülheim des Luftangriffs, bei dem 557 britische Bomber in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 rund 1600 Tonnen Sprengstoff über der Stadt entluden und ihr Gesicht damit für immer veränderten. 530 Mülheimer und 198 britische Soldaten wurden in dieser Nacht getötet, 889 Zivilisten verletzt.


Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass das nordenglische Darlington, mit dem Mülheim seit 60 Jahren eine Städtepartnerschaft unterhält, auch Ziel der deutschen Luftwaffe war. Tom Nutt, Stadtrat und Vorsitzender des Städtepartnerschaftvereins von Darlington, hat sich im Archiv der örtlichen Zeitung Northern Echo schlau gemacht. Danach wurde Darlington zwischen August 1940 und März 1945 neun mal von deutschen Bomben getroffen. Allerdings ist in den Zeitungs- und Zeitzeugenberichten über Angriffe der deutschen Luftwaffe offensichtlich nur von Gebäudeschäden, aber nicht von Toten und Verletzen die Rede.

Darlington scheint also bei den deutschen Luftangriffen, die vor allem im Spät…

Der britische Luftangriff, der Mülheim vor 70 Jahren traf, veränderte das Gesicht der Stadt für immer

Wer nach Mülheims schwärzester Stunde sucht, wird am 23. Juni 1943 fündig. Kurz nach Mitternacht beginnt die britische Luftwaffe einen Großangriff, nach dem die Stadt nicht mehr wiederzuerkennen sein wird. In einer ersten Angriffswelle wird die Feuerwache bombardiert. Im Bereich Aktienstraße, Sandstraße und Falkstraße sterben 90 Menschen.


Doch das ist nur der Anfang. Um 0.45 Uhr heulen die Sirenen. Um 1.10 Uhr beginnt der Hauptangriff. Mehr als 500 britische Bomber laden ihre tödliche Fracht ab. Luftminen, Sprengbomben, Phosphor- und Stabbrandbomben legen vor allem die Innenstadt in Schutt und Asche, töten über 500 Menschen und verletzen über 1000. Die Flugabwehr hat den britischen Angreifern, die in rund 70 Minuten eine Bombenlast von rund 1600 Tonnen abwerfen, nicht viel entgegenzusetzen. 35 Maschinen werden abgeschossen. Eine von ihnen stürzt auf den Hauptfriedhof. Insgesamt 198 Besatzungsmitglieder der Royal Air Force verlieren ihr Leben.

Das Werk der Vernichtung, das die Bomber…

50 Jahre danach: Ein Besuch bei Freunden: Barack Obama wandelt auf den Spuren John F. Kennedys

„Wenn ich einmal das Weiße Haus verlasse, dann wird mein Nachfolger einen Brief in meinem Schreibtisch finden mit der Aufschrift Nur in Augenblicken tiefster Depression zu öffnen! In diesem Brief stehen nur drei Worte: Besuchen Sie Deutschland!“ Das sagte John F. Kennedy bei seinem Deutschland-Besuch im Juni 1963. Damals erlebte er die triumphalsten Tage seiner 1000-tägigen Amtszeit.
Ob US-Präsident Barack Obama, der zurzeit mächtig unter Druck steht, den Brief seines Vorgängers und Vorbildes gelesen hat. Wenn er jetzt nach Deutschland kommt, wandelt er auf Kennedys Spuren und wird sich vielleicht an seinen eigenen Berlin-Besuch im Juli 2008 erinnern. Damals sagte der Präsidentschaftskandidat vor 200.000 begeisterten Menschen in der Hauptstadt "Wenn Sie, das Berliner Volk, die Mauer einreißen konnten, eine Mauer zwischen Ost und West, eine Mauer zwischen Angst und Hoffnung, dann können Mauern auf der ganze Welt eingerissen werden."
Wie Kennedy startete auch Obama als politisch…

In Memoriam Elfriede Rosorius: Eine ganz persönliche Geschichte über die Anfänge der Neuen Ruhr Zeitung in Mülheim

Elfreide Rosorius war als Tochter des ersten NRZ-Lokalchefs und späteren SPD-Bundestagsabgeordneten Otto Striebeck eine Pionierin und jahrzehntelage Wegbegleiterin und Leserin der Mülheimer NRZ. Am 17. Juni 2013 ist sie im Alter von 92 Jahren gestorben. Der nachstehende Text gibt ein Gespräch mit ihr wieder, das ich zum 65. Geburtstag der NRZ am 13. Juli 2011 für die Mülheimer NRZ mit ihr geführt habe:

Auch mit 90 Jahren liest Elfriede Rosorius immer noch jeden Tag die NRZ. Politik, Sport und Lokales interessieren sie am meisten. Neben der aktuellen Ausgabe liegen auf ihrem Schreibtisch auch die Zeitungsseiten der vergangenen Tage, zu deren Lektüre sie noch nicht gekommen ist.


Für Rosorius ist die NRZ mehr als „ein unverzichtbares Medium“, um auf dem Laufenden zu bleiben. Für sie ist sie Teil ihrer Familiengeschichte. Denn ihr Vater Otto Striebeck war der ersten Redaktionsleiter der Mülheimer NRZ, deren erste Ausgabe am 13. Juli 1946 erschien.

„Ich bin damals von Haus zu Haus gelaufen…

Medikamente alleine reichen nicht aus: Wie gezielte Ergotherpie Kindern mit ADHS helfen kann: Ein Gespräch mit Petra Werchohlad

Dass die Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder und Jugendliche, laut des Arzneimittelreportes der Barmer Ersatzkasse zwischen 2005 und 2012 um 41 Prozent angestiegen ist, wie die NRZ berichtete, macht die Ergotherapeutin Petra Werchohlad betroffen. „Man kann nicht sagen, das Kind bekommt Medikamente und damit sind alle Probleme erledigt“, sagt seit 30 Jahren praktizierende und seit 15 Jahren in Heißen ansässige Ergotherapeutin.

Ihre Erfahrung zeigt ihr, dass viele der Kinder, die unter einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, mit Hilfe einer Ergotherapie eine Medikamentierung mit Methylphenhydat überwinden oder sogar von vorneherein vermeiden können. „Allerdings“, so betont Werchohlad auch, „darf man hier keinem Schwarz-Weiß-Denken folgen. Denn Kinder bei denen die Reizfilterstörung ADHS besonders stark ausgeprägt ist, weil ihr Dopaminstoffwechsel im Gehirn nicht richtig funktioniert, brauchen dieses Medikament erst einmal, um überhaupt therapierbar…

Was unsere Kinder brauchen und was sie (und uns alle) krank macht: Ein Gespräch mit den beiden Mülheimer Kinderärzten Ulrike Breckling und Jürgen Hower

Der Arzneimittelreport der Barmer Ersatzkasse schlägt Alarm. Er wirft Ärzten vor, Kindern und Jugendlichen zu schnell Psychopharmaka zu verschreiben, obwohl dies nicht immer medizinisch notwendig sei. Laut Barmer wurden 2012 41 Prozent mehr Neuroleptika für Kinder und Jugendliche verschrieben als noch 2005.


Die beiden Kinderärzte Jürgen Hower (69) und Ulrike Breckling (44) bestätigen, dass sie in ihrer Praxis immer öfter mit psychisch auffälligen Kindern zu tun haben. „Als ich 1976 meine Praxis eröffnet habe, kamen vielleicht fünf Prozent meiner Patienten mit psychischen und psychosomatischen Problemen zu mir. Heute sind es schon 30 Prozent“, beschreibt Hower die Entwicklung. Seine Kollegin will sich zwar auf keine Zahl festlegen, sieht aber auch eine Zunahme des Problems. Beide Ärzte räumen ein, dass sie es bei der geistigen und seelischen Gesundheit mit Symptomen zu tun haben, bei denen die Grenzen zwischen normaler Verstimmung oder Charaktereigenschaft und manifester psychischer Er…

Jung und ausgezeichnet: sind die Preisträger der Bürgerstiftung, so, wie zum Beispiel Felix Bruns

Es gibt Menschen, die uns mit ihrem Engagement Mut machen. Zu diesen Menschen gehören die vier jungen Preisträger, die die Bürgerstiftung ausgezeichnet hat. Einer von ihnen ist Felix Bruns und seine Kollegen aus der Bigband der Luisenschule.


Eigentlich ist Felix Bruns einer von 25 Preisträgern. Denn in der Kategorie Geisteswissenschaften haben die Bürgerstiftung und ihr Preisgeldsponsor RWE die Bigband der Luisenschule ausgezeichnet, in der 25 Mädchen und Jungen zusammen musizieren. „Das ist ein echter Erfolg. Denn wir haben 2009 mit fünf Leuten angefangen, aus denen dann wenig später zehn geworden sind“, erinnert sich der 17-Jährige.

Die Idee, an seiner Schule eine Bigband zu gründen, hatte der junge Schlagzeuger zusammen mit vier Mitschülern, die wie er in der Bigband der Mülheimer Musikschule Tonart musizieren. „Was wir hier machen, können wir eigentlich auch an unserer Schule machen“, sagte sich das Quintett und fand mit Musiklehrerin und Saxophonspielerin Regina Poupette die rich…

Jung und ausgezeichnet: Das sind die diesjährigen Preisträger der Bürgerstiftung, wie zum Beispiel Mara Büßemeyer

Es gibt Menschen, die uns mit ihrem Engagement Mut machen. Zu diesen Menschen gehören die vier jungen Preisträger, die die Bürgerstiftung ausgezeichnet hat. Die NRZ stellt sie vor. Heute zum Abschluss unserer kleinen Serie: Mara Büßemeyer.

„Es ist einfach cool, wenn man helfen kann und Menschen kennenlernt“, erklärt Mara Büßemeyer, wenn man sie nach der Motivation für ihr soziales Engagement fragt. Für das ist die 17-jährige jetzt von der Bürgerstiftung und ihrem Preisgeldgeber, der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB) ausgezeichnet worden.

„Es geschieht nichts Gutes, außer man tut es“, wissen wir seit Erich Kästner. Und wenn man sich mit der 17-jährigen Schülerin, die das Gymnasium Heißen besucht, darüber unterhält, was sie Gutes getan hat, kommt schon einiges zusammen.

Seit der siebten Klasse leistet sie im Sanitätsdienst ihrer Schule Erste Hilfe, immer dann, wenn Not am Mann oder an der Frau ist, egal ob in Schulpausen, bei Sportfesten oder an Tagen der offenen Tür. „Bisher is…

Jung und ausgezeichnet: Die Preisträger der Bürgerstiftung: Zum Beispiel Russlan Vibly

Es gibt Menschen, die uns mit ihrem Engagement Mut machen. Zu diesen Menschen gehören die vier jungen Preisträger, die die Bürgerstiftung ausgezeichnet hat. Einer von ihnen ist  Russlan Vibly.

„Es hat klick gemacht und ich habe einfach losgelegt“, schildert Russlan Vibly den Moment, als er einer Freundin spontan zur Hilfe kam und damit Schlimmeres verhütete. Es war in den Sommerferien 2012. Vibly und einige Freunde machten sich einen schönen Tag am Ruhrstrand und grillten. Doch plötzlich fing das 15-jährige Mädchen Feuer, weil Spiritus in die Grillflamme geraten war und eine Verpuffung ausgelöst hatte.

Russlan sah die gleichaltrige Freundin in Flammen und handelte sofort. Mit einer Decke erstickte er das Feuer und zerrte das vom Schmerz traumatisierte Mädchen in die Ruhr, um ihre Wunden im Wasser zu kühlen. Wenige Minuten später traf der Rettungswagen ein.

„Wenn du das, was du getan hast, nicht getan hättest, hätte sie vielleicht lebenslange Folgen davongetragen“, sagte ihm später ein…

Jung und ausgezeichnet: Das sind die Preisträger der Bürgerstiftung; Zum Beispiel der Otto-Pankok-Schüler Henrik Heelweg

Es gibt Menschen, die uns mit ihrem Engagement Mut machen. Zu diesen Menschen gehören die vier jungen Preisträger, die die Bürgerstiftung ausgezeichnet hat, zum Beispiel Heute: Henrik Heelweg.

„Ich bin ein ganz normaler 16-Jähriger“, versichert Henrik Heelweg und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Aber jeder hat ja so seine Macke.“ Was der Zehntklässler von der Otto-Pankok-Schule seine „Macke“ nennt, ist eine erstaunliche naturwissenschaftliche und mathematische Begabung, um die ihn manche seiner Mitschüler beneiden mögen.

Schon als Kind spielte der Sohn einer Biologielehrerin und eines kaufmännischen Angestellten mit einem Kosmosexperimentierkasten, nahm Marienkäfer unter die Lupe und las Bücher über das Schicksal der Dinosaurier. „Meine Eltern haben schon früh gemerkt, dass ich mich für Naturwissenschaften interessiere und mich immer gefördert“, erinnert sich Henrik. Und aus diesem Satz hört man ehrliche Dankbarkeit heraus.

Heelweg berichtet von naturwissenschaftlichen und mathematische…

Was Hans Meinolf und seinem Enkel Sven Deege zum 150. Geburtstag ihrer Partei, der SPD, einfällt

150 Jahre Mülheimer SPD. Das wurde am 9. Juni 2013 im Kino Rio gefeiert. Vor der Geburtstagsfeier ihrer Partei ließen der ehemalige Fraktionschef der Sozialdemokraten, Hans Meinolf, (82) und sein Enkel Sven Deege (27) in einem Gespräch, das ich für die NRZ mit ihnen führte ihren ganz persönlichen SPD-Geburtstagsfilm ablaufen.

Frage: Wann und wie haben Sie die SPD als ihre politische Heimat erlebt?

Antwort: Meinolf: Ich denke an geselligen Abende der Falkenjugend im Haus Freundschaft am Uhlenhorst, an denen wir gemeinsam sangen, an unsere Zeltlager im Sommer, an meine Fortbildung als Jugendvertreter der IG-Metall in der DGB-Bundesschule, an den Konsum an der Weseler Straße, in dem wir einkauften und an einen Streik, in dem wir 1951 für die betriebliche Mitbestimmung gekämpft haben. 1952 bin ich dann in die SPD eingetreten. Gerne erinnere mich auch an große Veranstaltungen der Mannesmann-Betriebsgruppe mit Willy Brand und Helmut Schmidt.

Antwort: Deege: Ich bin durch meine sozialdemokr…

Bürokratie von der Wiege bis zur Bahre: Wie die Caritas mit ihrem Projekt Papierstau Menschen hilft, ihren Papierkrieg zu gewinnen

Einen Papierstau gibt es nicht nur bei Druckern und Kopierern. Auf einen Papierstau der besondern Art treffen die haupt- und ehrenamtlichen Familienhelfer der Caritas auch in Familien, die sie eigentlich in ihrem Erziehungs- und Haushaltsalltag unterstützen wollen. Es heißt sinnigerweise: Papierstau.


Martina Lüdeke-Weiß, die sich als ehrenamtliche Patin beim Familienstart der Caritas engagiert, „weil meiner alleinerziehenden Mutter und mir früher auch geholfen worden ist“, erinnerte sich an die Papierberge, die sich bei einer chinesischen und einer afrikanischen Familie türmten. „Wenn Leute die Einladungen zum Gespräch bei der Sozialagentur nicht verstehen und deshalb Termine versäumen, kann es schnell zu Leistungskürzungen kommen“, berichtet Weiß. Auch unbezahlte Stromrechnungen oder Handyverträge lösen immer wieder einen Papierkrieg im besten Bürokratendeutsch aus, der nicht nur Zuwanderer mit unzureichenden Sprachkenntnissen überfordert. Ähnliche Erfahrungen hat ihr ehrenamtlicher …

Die Deutsche Steuergewerkschaft beklagt den Personalmangel in den Finanzämtern des Landes. Wie sieht es in Mülheim aus?

Die Finanzämter im Land sind unterbesetzt. Nur 86 Prozent der in der Finanzverwaltung benötigten Stellen sind in Nordrhein-Westfalen derzeit auch besetzt. Darauf hat der aus Mülheim kommende Bezirksvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Marc Kleischmann, gestern auf der Landesseite der NRZ hingewiesen.


Das liegt wohl daran, dass das Land angesichts der begrenzten Haushaltsmittel andere finanzpolitische Schwerpunkte setzt. Auf meine Anfrage im Auftrag der NRZ teilte der stellvertretende Vorsteher des Finanzamtes Mülheim, Gerald Gruse, gestern mit, dass hier zurzeit nur 88 Prozent der Stellen besetzt sind, die die Oberfinanzdirektion, angesichts von 64.000 Steuerpflichtigen als Personalbedarf errechnet hat.

Zurzeit arbeiten 230 Steuerinspektoren und zehn Anwärter (Auszubildende) beim Finanzamt. Tatsächlich bräuchte das Finanzamt aber 261 Finanzbeamte, um seinen Personalbedarf zu decken.

Aktuell kommen in Mülheim 1600 Steuererklärungen auf einen Finanzbeamten. Allerdings weist de…

Auch ohne Abutur kann man heute studieren, wie das bemerkenswerte Beispiel eines Maschinenbaustudenten an der Hochschule Ruhr-West beweist

Studieren kann man nur mit dem Abitur, das seit 180 Jahren die allgemeine Hochschulreife verleiht. So denken viele und wissen gar nicht, das man seit 2010 auch ohne Abitur studieren kann. Auch wenn in Nordrhein-Westfalen 4100 der bundesweit 9200 Studenten ohne Abitur auf ihr Examen hinarbeiten, räumt man im NRW-Wissenschaftsministerium angesichts von landesweit insgesamt 600 000 Studenten ein, dass diese Möglichkeit noch weitgehend unbekannt ist.


Auch Studienberaterin Anita Lensing spricht mit Blick auf die Studenten, die an der Hochschule Ruhr-West ohne Abitur studieren von „einer sehr kleinen Zahl.“ Gerade mal 14 von 1700 Studenten der HRW haben kein Abitur, haben sich dafür aber durch ihr bisheriges Berufsleben für das Hochschulstudium qualifiziert.

Warum wagen nur wenige Menschen ohne Abitur den möglichen Sprung an die Hochschule? „Viele kommen nicht aus einem Akademikerhaushalt und haben die Perspektive des Studiums erst mal gar nicht im Blick. Außerdem fragen sie sich immer wied…

Der Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann zeigte in der Heißener Friedenskirche, dass die Bibel kein Buch von gestern ist

Die Bibel ist kein Buch von gestern. Das zeigt Eugen Drewermann am 29. Mai bei seinem Besuch in der Friedenskirche. In freier und kurzweiliger Rede führt er seine 150 Zuhörer durch das Lukas-Evangelium, in dem er „Wege zur Menschlichkeit“ sucht und findet.

Dass der Theologe und Psychotherapeut nicht nur über Menschlichkeit spricht, sondern sie auch praktiziert, zeigt er mit der Spende seines Vortragshonorars an die Aktion Mensch Friedenskirche gleich zu Beginn.

„Ich gehe eigentlich nicht zur Kirche, aber Eugen Drewermann berührt mich tief“, sagt eine Frau. An diesem Abend sagt Drewermann zum Beispiel, dass man sich Gott nicht als strafenden Gesetzgeber, sondern als liebenden und zuhörenden Vater vorstellen könne. Das erkennt er zum Beispiel am Gleichnis der Ehebrecherin, in dem Jesus ihren Anklägern sagt: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ oder in dem biblischen Bild vom Hirten, der dem verlorenen Schaf nachgeht.

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“…

Was uns die Zensus-Zahlen 2011 über unsere Stadt zu sagen haben

Mülheim ist kleiner, älter und bunter. Das zeigen die gestern vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Zensus-Zahlen. Danach ist die Einwohnerzahl von 168.120 auf jetzt 166?865 gesunken. Die meisten sind allerdings Mülheimerinnen, nämlich 87.650. Betrachtet man die Mülheimer nach ihrem Lebensalter, so stellen die 50- bis 64-Jährigen mit einem Anteil 21,2 Prozent die stärkste Bevölkerungsgruppe, während die Altersgruppen der Unter-Drei-Jährigen und der Drei- bis Fünfjährigen mit jeweils 2,3 Prozent den kleinsten Anteil an der Bevölkerung haben. Insgesamt 15,3 Prozent der Mülheimer sind unter 18, aber 23,8 Prozent älter als 65.


17.270 (10,3 Prozent) der Mülheimer haben keinen deutschen Pass. Ihr Bevölkerungsanteil wird auf der Internetseite der Stadt noch im März 2013 mit 11,14 Prozent angegeben. Allerdings haben 38?810 Mülheimer (23,3 Prozent) einen Migrationshintergrund, stammen also aus einer Einwandererfamilie. 20.370 (52,5 Prozent) davon leben bereits seit mehr als 20 Jahren in…

So gesehen: Humor hift zu jeder Jahreszeit

Haben Sie schon Ihre Weihnachtsgeschenke zusammen?“, fragte mich jetzt eine Markthändlerin, als ich auf der Schloßstraße meine Einkäufe erledigte. War ich oder sie etwa im falschen Film? Sollte die Zeit jetzt schon so rasend vergangen sein, dass mir entgangen wäre, dass wir nicht Ende Mai, sondern schon Ende November haben?


Doch dann fiel auch bei mir der Groschen. Die Frau war nicht aus der Zeit gefallen, sondern hatte Humor, genau wie der Mann, der sich wenig später beim Bäcker mit Blick auf das Einheitsgrau im vermeintlichen Wonnemonat Mai über den „schönsten November aller Zeiten“ freute. Man sieht: Auch beim Wetter ist am Ende nichts so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut wäre, und sei es auch nur dafür, mit etwas Galgenhumor unserem sonnigen Gemüt auf die Sprünge zu helfen. Den kann man wirklich zu jeder Jahreszeit gebrauchen und Sommer ist, wie es einst die Wise Guys besungen haben, immer „das, was in deinem Kopf passiert.“ Na, dann kann es ja auch heute nur heiter werde…

Kann Mülheim von Meerbusch lernen und mit der Parkscheibe den Einzelhandel in der Innenstadt fördern?

Im Rhein-Ruhr-Zentrum oder im Centro kann ich kostenlos parken. Dieses Argument hört man von autofahrenden Kunden immer wieder, wenn man sie fragt, warum sie nicht in der Innenstadt einkaufen. Manche Kommune tut was dagegen. Als „Stadt ohne Parkgebühren“ bewirbt sich das 55.000 Einwohner zählende Meerbusch. „Wir stehen im Wettbewerb mit Düsseldorf, Krefeld und Neuss. Da brauchen wir solche Marketinginstrumente, um unseren Einzelhändlern zumindest einen kleinen Vorteil zu verschaffen“, begründet Stadtsprecher Michael Gorgs den Verzicht auf Parkgebühren für 2000 Parkplätze in Meerbusch.

Könnte Mülheim von Meerbusch lernen und in der Innenstadt auf Parkgebühren verzichten, um wieder mehr Kunden aus den Einkaufszentren in Heißen, Oberhausen und Dümpten zurückzuholen?

Stadtkämmerer Uwe Bonan sagt: Nein. Seine Argumente wiegen schwer: „Wir nehmen als Stadt pro Jahr rund 1,6 Millionen Euro Parkgebühren ein. Woher soll ich das Geld nehmen?“ fragt er. Allein 500.000 Euro, so Bonan, flössen jäh…