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Es werden Posts vom Februar, 2016 angezeigt.

Das Rhein-Ruhr-Zentrum ist sein Revier: Unterwegs mit dem Haustechniker Christian Wolff

Noch bevor die Geschäfte im Rhein-Ruhr-Zentrum öffnen, ist Haustechniker Christian Wolff dort schon unterwegs. Sein Arbeitstag beginnt um 7 Uhr.

Er läuft und läuft und läuft. Zunächst geht es von einem Aufzug zum nächsten. Ist jeder Lift fahrtüchtig? Funktioniert der Notruf? Die 70.000 Quadratmeter des Einkaufszentrums und die 200.000 Quadratmeter des Grundstücks kennt der gelernte Energieanlagenelektroniker nach über 25 Jahren, wie seine Westentasche. Bevor der gebürtige Mülheimer 1990 in seine Heimat zurückkam, arbeitete er als Haustechniker für eine deutsche Hotelkette in Kassel.

Was beim Rundgang durchs Einkaufszentrum überrascht, sind die kilomterlangen Wirtschafts- und Versorgungsgänge, die der normale Besucher des 1973 eröffneten Rhein-Ruhr-Zentrums nie zu sehen bekommt. Sie wirken, wie eine Mall hinter der Mall.

Manche Türen kann Wolff mit seinem Schlüssel öffnen. Andere öffnen sich nur, nachdem er einen bestimmt Tastencode eingegeben hat. Hinter den Türen im Backst…

Unterwegs im Namen des Herrn: Ein Tag mit Pfarrerin Katrin Schirmer ist so bunt wie das Leben: Bürokratie am Morgen. Beisetzung am Mittag. Konfirmanden am Nachmittag und ein Taufgespräch am Abend

Beten, segnen, predigen – und noch viel mehr. Pfarrerin Katrin Schirmer ist seit 15 Jahren als Pfarrerin für den evangelischen Gemeindebezirk Speldorf Mitte und seine 2400 Kirchenmitglieder zuständig. Doch das beschreibt ihre Verantwortung nur zum Teil. Denn mit ihren Kollegen Matthias Göttert und Alexandra Cordes, teilt sich die 48-Jährige die Gesamtleitung der 5700 Mitglieder zählenden Gesamtgemeinde Speldorf. Wir haben sie eine Arbeitstag begleitet.
Um 10.30 Uhr beginnt er mit einer Besprechung in der evangelischen Kirchenverwaltung an der Althofstraße. Denn als dessen Vorsitzende muss Schirmer die konstituierende Sitzung des neuen Presbyteriums vorbereiten. Bevor es so weit ist, reicht ihr die zuständige Verwaltungsmitarbeiterin des Kirchenkreises, Corinna Seven, einen Aktenordner voller Schriftstücke, die sie als Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzende zu unterschreiben hat. Das Spektrum reicht von einer Urlaubsgenehmigung bis zur Handwerkerrechnung für die Erneuerung einer Schrank…

Menschen an ihr Ziel bringen: Unterwegs mit dem Texifahrer Axel Dupont

6 Uhr in Mülheim. Axel Dupont ist schon eine Stunde auf den Beinen und wartet mit seinem Taxi am Hinterausgang des Forums und des Hotels Best Western. „An einem Morgen wollte mein erster Fahrgast gleich zum Flughafen Düsseldorf gebracht werden. Kaum war ich aus Düsseldorf zurück, stieg auch schon der nächste Hotel-Gast ein und wollte auch zum Flughafen nach Düsseldorf gebracht werden. Da hatte ich mit zwei Fahrten schon fast meinen Tagesumsatz geschafft“, erzählt der 53- Jährige von einem seiner erfolgreichsten Arbeitstage. Wie ein Sechser im Lotto Gerne erinnert er sich auch an einen Patienten aus Sachsen-Anhalt, der sich nach einer Behandlung im Evangelischen Krankenhaus von dem zweifachen Familienvater nach Hause bringen ließ. „Solche Fahrten sind wie ein Sechser im Lotto. So was erlebt man leider nicht jeden Tag“, sagt Dupont.

Dieser Arbeitstag lässt sich eher ruhig an. Zeit für einen Blick in die Tagezeitung und einen Schluck Kaffee aus der Thermoskanne. Doch dann piept es bei Dup…

So gesehen: Lotto, Liebe und andere Leckerbissen

Sie haben gewonnen“, teilt mir der Inhaber der Lottoannahmestelle mit. Mir stockt der Atem.

Der letzte Gewinn, an den ich mich erinnern kann, ist ein grinsender Gartenzwerg, den ich einer Rosenmontagstombola zu verdanken habe. Er grinst mich bis heute aus meine Wohnzimmerschrank unverschämt gleichmütig an, während ich mich mit meinem Tagwerk herumschlage.

Und jetzt ein Lottogewinn am Aschermittwoch? Das ist ja, wie ein Wunder aus heiterem Himmel. Doch meine Euphorie wird vom Mann hinter der Lottoannahmetheke brutal ausgebremst. „15 Euro“, haut er mir meine Gewinnsumme um die Ohren und grinst dabei so gleichmütig wie mein Gartenzwerg. Bei meinem Pech im Lotto-Spiel muss ich ja demnächst eine unwahrscheinliches Glück in der Liebe haben. Bis es so weit ist, habe ich einen Teil meines Lottogewinns in wunderbare Waffeln investiert, die ich zusammen mit meiner lieben Mutter zum Kaffee verspeist habe. Dabei schmunzeln wir genüsslich vor uns hin und waren uns einig: Liebe geht eben …

So gesehen: Nur nichts überstürzen

Im Wort Zeitung steckt nicht von ungefähr das Wort Zeit. Denn während wir Zeitungsleute über die Zeitläufe berichten, läuft uns zuweilen zwischen den Terminen auch schon mal die Zeit davon.

Wehe dem, der wie ich, in solch einer Situation vom gewohnten Pfad abkommt, weil er glaubt, eine Abkürzung entdeckt zu haben, die ihm am Ende so viel Zeit kostet, das aus dem „zu spät“ ein „viel zu spät“ wird.

Hätte ich doch die Weisheit meines alten Volontärsvaters beherzigt: „Hast du es eilig? Dann nimm dir Zeit!“ Denn auch diesmal bewahrheitete sich: „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben.“ Gott sei Dank war mein Gesprächspartner ein Gemütsmensch, der viel Zeit hatte, um die Zeitung zu lesen. Außerdem hat er schon so viel(e) Zeit(en) miterlebt, dass es ihm auf eine Viertelstunde auch nicht mehr ankommt. Dem Glücklichen schlägt eben keine Stunde.

Dieser Text erschien am 17. Februar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

So gesehen: Die Narren sind unter uns

In Mülheim gibt es, anders, als in der Karnevalshochburg Düsseldorf, keine zweite Chance für den vom Winde verwehten Rosenmontagszug. Das regt einige Mölmsche närrisch auf, wie ihre Kommentare via Facebook zeigen. Andere stellen mit närrischer Gelassenheit fest: „Am Aschermittwoch ist eben alles vorbei!“

Ich mache mir weder vor noch nach Aschermittwoch Sorgen um die Narren, die kostümiert durch die Straße ziehen, um Helau zu rufen und Kamelle zu werfen.

Sorgen machen mir vor und nach Aschermittwoch nur jene Menschen, die zum Beispiel mit Nadelstreifenanzug und Krawatte verkleidet und im eleganten Business-Kostüm ihre Mitmenschen zum Narren halten, indem sie ihre eignen Interessen als alternatives Allgemeinwohl verkaufen. Diesen Herrschaften würde ich gerne ein ganzjähriges Auftrittsverbot verordnen. Doch leider sind diese Narren vom Stamme Nimm nicht so offen und ehrlich, wie die fröhlichen und freigiebigen Narren, die sich mit einem deutlichen Schlachtruf, wie dem Helau z…

"Diese Jugendlichen stehen mitten im Leben und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen!"

Lehrer Wolfgang Bramorski schaut nachdenklich und zufrieden in die sich langsam leerende Aula der Karl-Ziegler-Schule. "Jetzt habe ich keine Angst mehr vor der Zukunft. Diese Schüler stehen mitten im Leben und sind bereit auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen", sagt der Pädagoge, der in der Oberstufe Sozialwissenschaften unterrichtet.
Gerade haben das Moderatoren-Trio Dana Dost, Lena Weber und Justus Gosten zusammen mit 200 Mitschülern aus der Oberstufe des Karl-Ziegler-Gymnasiums Oberbürgermeister Ulrich Scholten und den Geschäftsführer des Diakoniewerkes Arbeit und Kultur, Ulrich Schreyer, zu allen gesellschaftspolitischen Fragen interviewt, die Jugendlichen auf den Nägeln brennen.
Nach einer 90-minütigen Diskussion zeigen sich Schreyer und Scholten beeindruckt. Besonders überrascht hat sie die Bandbreite der Schülerfragen. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Schüler auch zu meiner Position beim Thema Sterbehilfe befragen", staunt Scholten. Schreye…

Impuls: Träume als Energiequelle oder: Seinem Lebenstraum treu bleiben: Rückblick auf einen Vortrag von Pater Anselm Grün

Träum nicht!“ So haben uns Eltern und Lehrer immer wieder gemahnt. Ein Fehler, wenn man viel gelesenen Buchautor und Benediktinerpater Anselm Grün glauben darf. Der katholische Ordensmann füllte am vergangenen Donnerstag die evangelische Friedenskirche am Heißener Humboldthain bis auf den letzten Platz. Nicht nur Pfarrer Michael Manz war begeistert. So schön kann Ökumene sein.

Rund 330 Zuhörer ließen sich von dem inspirieren, was ihnen Pater Anselm über Lebensträume zu sagen hatte. „Unsere Lebensträume sind eine Energiequelle“, machte Grün Mut zum Entwurf eines eigenen Lebensbildes, das sich aus innerer Begeisterung schaffen und nicht von außen beeinflussen lässt.

Natürlich ist der Gottesmann, der ganz bodenständig den Wirtschaftsbetrieb seiner Abtei leitet, kein Träumer. „Lebensträume können platzen, aber nicht ihre Essenz“, sagte er vor dem Hintergrund seiner seelsorgerischen Praxis.

Was er damit meint, machte Pater Anselm an seinem eigenen Lebensbeispiel deutlich: „Als Kin…

Mölmscher „Gemischtwarenladen“ statt Leerstand In einer alten Bäckerei an der Oberstraße sind jetzt Kunst und Geschichte im Angebot

Dirk von Eicken, Bernd Simmerock und Gerd Kampf sind drei kreative Köpfe. Sie interessieren sich als gebürtige und bekennende Mülheimer für alles, was mit der Geschichte ihrer Heimatstadt zu tun hat.

Deshalb haben sie ein leerstehende Ladenlokal an der Oberstraße 27 zunächst für drei Jahre angemietet, um anderen interessierten Mitbürgern zu zeigen, was sie für sehenswert halten. Derzeit präsentieren sie noch bis zum Ende der Woche eine Postkartenausstellung, die uns das Mülheim um 1900 vor Augen führt. Das Hotel Victoria am späteren Kaisereck oder der Kirchholtesche Saal, Mülheims Sinfoniescheune, an der Charlottenstraße sind ebenso zu betrachten wie die 1943 durch Bomben zerstörten Gaststätten Mausefalle und Ührchen an der Bogenstraße.

Vor den Postkarten konnte man in dem ehemaligen Bäcker-, Crêpe- und Schneiderladen Fundstücke aus der Firmengesichte Wissolls in Augenschein nehmen. Ein altes Telefon aus der Tengelmann-Zentrale und ein Adressbuch aus dem Jahr 1941 zeugen…

Bürgertreff will sich breiter aufstellen Das neue Leitungsteam berichtet im Gespräch mit Thomas Emons über seine ersten Erfahrungen und seine Ideen für die Zukunft.

Aus dem DRK-Seniorentreff ist im November 2015 der DRK-Bürgertreff geworden. Der Name ist Programm. „Das, was die Stammgäste der ehemaligen Altentagesstätte schätzen, bleibt. Aber wir wollen auch neue Angebote schaffen“, sagt Britta Ketzer. Sie gehört zusammen mit Kerstin Schier, Claudia Wilbert, deren Nichte Aylina, und den Eheleuten Inge und Jürgen Maischack zum neuen Lenkungsteam des Bürgertreffs an der Prinzeß-Luise-Straße 115. „Anfangs waren einige der alten Stammgäste irritiert“, gibt die hauptamtliche Betriebsleiterin Claudia Wilbert zu. Kein Wunder. Über viereinhalb Jahrzehnte standen Hilde Schmidt und ihr 2013 verstorbener Mann Heinz für den Seniorentreff des Roten Kreuzes. Jetzt kommt Hilde Schmidt nur noch als Besucherin in das Haus, dessen Charakter sie geprägt hat. „Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, aber wir wollen uns mit zusätzlichen Angeboten breiter aufstellen und so neue Zielgruppen ansprechen. Vor alle die Leute aus dem Umfeld sollen wissen: Da kannst du einfac…

Wandel in der ambulanten Schmerzversorgung: Ambulante Diakonie wird zur Pflege Palliativ Ruhr und schließt damit eine Versorgungslücke für schwerstkranke Menschen, die daheim sterben wollen

„Viele Menschen, die sterbenskrank sind, erleben in der letzten Phase ihres Lebens oft ein unwürdiges Ping-Pong-Spiel: Sie müssen ständig zwischen ihrer Wohnung, in der sie medizinisch nicht ausreichend versorgt werden können, und dem Krankenhaus pendeln, in dem sie dann zwischenzeitlich aufgepäppelt werden, um wieder nach Hause zu können und am Ende doch im Krankenhaus sterben zu müssen.“ So beschreibt der Chef des Evangelischen Krankenhauses, Nils Krog, die Ist-Situation der Palliativversorgung in Mülheim. Das wollen die Stiftung des Evangelischen Kranken- und Versorgungshauses und ihr ambulanter Pflegedienst ändern.

Deshalb haben fünf seiner aktuell acht Mitarbeiter eine Zusatzausbildung für Palliativ-Pflege absolviert. Jetzt sind sie in der Lage, immer abgestimmt mit dem jeweils behandelnden Arzt, schmerzlindernde Mittel, wie Morphin, richtig zu verabreichen und zu dosieren, entsprechende Spritzen und Infusionen zu legen und zu geben.

„Das ist die Voraussetzung dafür…

Mülheimer Katholiken luden zum Neujahrsempfang ein und zeichneten die ehrenamtlichen Integrationslotsen der Caritas aus

Der Neujahrsempfang der katholischen Stadtkirche stand diesmal ganz im Zeichen der Flüchtlingskrise. Einerseits wurden die ehrenamtlichen Integrationslotsen des Caritas-Projektes Vis-a-Vis mit der Nikolaus-Groß-Medaille ausgezeichnet. Anderseits warnte Bundestagspräsident Norbert Lammert als Gastredner davor, angesichts der Herausforderungen durch den massenhaften Flüchtlingszustrom in Panik, Kulturpessimismus und Untergangsstimmung zu verfallen. „Auch damals standen wir vor einer großen Herausforderung, von der wir nicht wussten, wie lange sie uns in Anspruch nehmen wird, ob wir sie bewältigen können und ob wir uns das finanziell leisten können. Und doch waren wir als Land danach stärker als vorher und froh darüber, gemeinsam in einem Land leben zu können“, ermutigte Lammert seine 170 Zuhörer im Pfarrsaal von St. Barbara mit einem Rückblick auf den Prozess der deutschen Wiedervereinigung in den Jahren 1989 und 1990. Angesichts von Flüchtlingen und Zuwanderern könnte sich Lammert langf…

Wenn die Frohe Botschaft fröhlich rüber kommt: Eine Närrische Nachlese des Styrumer Pfarrkarneval "Firlefanz im Engelkranz"

Kirche kann Spaß machen. Das erlebten 200 kostümierte Jecken am Karnevalssamstag im Styrumer Unionsaal beim Pfarrkarneval „Firlefanz im Engelkranz“! Unterstützt von den Karnevalsgesellschaften Düse und MüKaGe brachten närrisch begabte Gemeindemitglieder aus St. Engelbert und St. Mariae Rosenkranz ein buntes Programm der Extra-Klasse auf die Bühne.
Kein Künstler kam ohne Zugabe und Saal-Rakete von der Bühne. „Bisher hatte ich gar keine Vorstellung vom Pfarrkarneval. Aber das ist ja eine super-geile Veranstaltung!“ schwärmte Stadtprinz Markus II. (Steck).
Neben einem Männerballett, den Dancing Roses und den Chorsängerinnen von Sankt Engelbert, die mit einer Pantomime-Performance die durch-rationalisierte Pflege in Altenheimen aufs Korn nahmen, glänzten Pastor Michael Clemens (als Engel Bert), Gregor Grün (als Rosenkränzchen), Gemeinderätin Annegret Meiselbach (als Geist der Zukunft), Dieter Sobania und Küsterin Gaby Schmöckel (als Lotte und Jupp) mit ihren Büttenreden.
Da wurden weder kirc…

So gesehen: Gemeinsam feiert und lacht sich gut

Mein Gott! So schön kann Kirche sein, zumindest, wenn sie, wie am Samstagabend zum Pfarrkarneval „Firlefanz im Engelkranz“ einlädt.

Kein Firlefanz, sondern Tanz, Musik und gut gewürzter Wortwitz, der auch vor kirchlichen Autoritäten keinen Halt machte, machten den frommen Karneval nicht nur fröhlich, sondern auch ein bisschen frech. So müssen Kirche und Karneval sein, wenn sie nicht nur von Frohsinn und Froher Botschaft reden, sondern sie auch leben wollen. Was uns der Pfarrkarneval von St. Engelbert und St. Mariae Rosenkranz auch für die Zeit nach Aschermittwoch lehrt, ist die Tatsache, dass man nur gemeinsam stark ist und am weitesten kommt, wenn jede(r), begreift, dass niemand eine Insel ist, sondern nur als Teil einer Gemeinschaft gut leben kann, in die sich jede(r) mit seinen Talenten einbringen kann, darf und muss, wenn wir auch morgen und übermorgen noch etwas zu lachen haben wollen.

Dieser Text erschien am 8. Februar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

"Liebe ist nicht nur ein Wort": Gedanken zum Valentinstag

Am 14. Februar ist Valentinstag, der Tag der Liebenden. Der römische Priester Valentin wurde im 3. Jahrhundert zum Märtyrer, weil er Paare nach christlichem Ritus traute. Pfarrer Michael Manz widmet(e) der Liebe deshalb einen ganzen Gottesdienst, der in der Styrumer Immanuelkirche an der Kaiser-Wilhelm-Straße von Steffi Klapper und Volker Hoffmann mit Liebesliedern bereichert wurde. Was fällt dem ev. Theologen und wiederverheirateten Familienvater zum Thema Liebe ein?

Frage: Viele Menschen träumen von der Liebe fürs Leben, aber immer mehr Ehen scheitern. Warum ist das so?

Antwort: Dass Ehen scheitern hat viele Gründe: Es können die immer stressiger werdenden Zeiten sein, die einem das Gefühl der Liebe erschweren. Menschen entwickeln sich weiter, manchmal eben anders, als man sie kennen gelernt hat.

Frage: Was kann, muss, sollte man tun, um eine Liebe lebendig zu erhalten oder vielleicht auch wiederzubeleben?

Antwort: Liebe will erhalten bleiben, will gepflegt werden. Man…

Brücken nach Qalqilia bauen

Sagt Ihnen der Name Qalqilia noch etwas? Vor 17 Jahren war die palästinensische Nachbargemeinde unserer israelischen Partnerstadt Kfar Saba auf dem besten Weg, Mülheims zweite Partnerstadt im Nahen Osten zu werden. Noch im Frühjahr 2000 nahmen Jugendliche aus Qalqilia und Kfar Saba an einer internationalen Jugendbegegnung des Fördervereins Mülheimer Städtepartnerschaften teil. Doch im selben Jahr brach die zweite Intifada aus, und das Thema Partnerschaft war vom Tisch.

„Zu Unrecht“, findet der Fotograf und Ruhrpreisträger Heiner Schmitz. Er hat das heute rund 100.000 Einwohner zählende Kfar Saba und das rund 49.000 Einwohner zählende Qalqilia seit den neunziger Jahren regelmäßig besucht. Auf israelischer wie auf palästinensischer Seite fand er Gesprächspartner, die nicht nur den Dialog mit Mülheim, sondern auch den Dialog mit der jeweiligen Nachbarstadt begrüßen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn infolge der Intifada sind beide Städte durch eine acht Meter hohe Mauer voneinande…

So gesehen: Weibliche Führung beim Einkauf

Höre ich jetzt schon Stimmen. Diesen Eindruck hatte ich beim letzten Einkauf im Supermarkt. „Der milde Gouda oder lieber Emmentaler? Welche Apfelsorte soll es den sein? Dann nehme ich also lieber die Schinkenwurst und nicht die Salami.“ So drang es aus der Tiefes des Raumes an mein Ohr. Nein. Es war keine Durchsage des supermarktinternen Werbefunks, die da zu hören war. Auch gehörte die Stimme keinem hilfreichen Verkäufer oder einem aus der Zoohandlung entflogenen Papagei. Es war ein Mann, der sich mit seinem Handy von seiner Frau durch die Regalgänge fernsteuern ließ.

So viel zum Thema Emanzipation beim Einkaufen. Welcher Mann möchte sich nach dem Besuch des Supermarktes von seiner besseren Hälfte fragen lassen: „Was hast du denn da schon wieder eingekauft?“ Um dieses Nachspiel zu vermeiden, greift Mann zwischen den Supermarktregalen zum Handy. Wie konnten wir Männer früher ohne Handy einkaufen, wahrscheinlich nur mit einem Einkaufszettel, den uns unsere Mutter oder unsere…

Die Gartenstadt: Im Uhlenhorst sind die Wege ins Grüne kurz und die Wege zum Einkauf weit

„Hier ist man schnell im Grünen. Das lohnt sich auch für Familien, die mit ihren Kindern durch eine garantiert autofreie Zone spazieren können“, schwärmt der mehrfache Vater und Großvater Gerhard Bennertz. Seit 27 Jahren leben seine Frau Ingrid und er an der Großenbaumer Straße und damit direkt am Uhlehorst.

Bis zur Straßenbahnhaltestelle Waldschlößchen sind es nur wenige Geh-Minuten weit. „90 Prozent meiner Erledigungen, die ich in der Stadt zu machen habe, kann ich mit der Straßenbahn erledigen“, erklärt der 75-jährige Religionspädagoge. Während des Berufsverkehrs und am Wochenende werde die Linie 102 sehr stark genutzt, während tagsüber nur wenige Fahrgäste in den Uhlenhorst kämen, berichtet er.

Das Wohnen im Grünen hat aber auch seine Nachteile. „Die nächste Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel und täglichen Bedarf ist etwa eineinhalb Kilometer entfernt“, erzählt er. Natürlich verbinden nicht nur Mülheimer den Uhlenhorst mit dem gleichnamigen Hockey- und Tennis-Club. Für den deutsch…

Ein Zug durch die Gemeinde: Bei ihrem etwas anderen Rosenmontagszug von einer Karnevalsparty zur anderen erlebten die Tollitäten den emotionalen Höhepunkt ihrer Session

Was machen Prinzenpaare, wenn der Rosenmontagszug ausfällt? Julia & Markus und Chiara & Luka ziehen durch die Säle, eskortiert von ihrem närrischen Hofstaat.

Beim Rosenmontagsball der KG Blau Weiß werden sie um 14 Uhr im Altenhof von rund 200 Jecken empfangen und gefeiert. Das tut den Tollitäten gut, schließlich mussten sie am Morgen die Absage des Karnevalszugs verkraften. Und sie haben immer noch daran zu knabbern, Prinzessin Julia kämpft zeitweise mit den Tränen.

Doch die Stimmung steigt von Saal zu Saal, gemäß des Prinzenliedes „Es gibt nur Dur in Mülheim-Ruhr“! Offiziell gibt es an diesem Rosenmontag nur die beiden Rosenmontagsbälle der KG Blau Weiß und des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval. Aber die Tollitäten werden zu spontanen Jecken-Partys eingeladen.

Eine steigt vor dem Laden der Flüchtlingsinitiative Willkommen in Mülheim. Der Name ist Programm. Die Tollitäten werden von den Flüchtlingen herzlich willkommen geheißen und sofort in einen spontanen T…

Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran: Die KG Knattsch Gek hält es mit Udo Jürgens

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran!" So sang einst Udo Jürgens. Wenn das stimmt, dann hat die vor 6 mal 11 Jahren gegründete Karnevalsgesellschaft Knattsch Gek noch einiges vor sich. "Wir gehörten immer schon zu den kleinsten, aber auch zu den familiärsten Karnevalsgesellschaften Mülheims", sagt Ex-Prinzessin Annette Stachelhaus, die heute an der Spitze der 1950 gegründeten Karnevalsgesellschaft steht.

Ironie der Geschichte. Die Gesellschaft, die heute von einer Frau geführt und von vielen Frauen und Männern getragen wird, ließ erst 1973 Frauen als Mitglieder zu. Erika Rautenstrauch war die erste Närrin in den Reihen dritt-ältesten Karnevalsgesellschaft Mülheims. Die KG Knattsch Gek ging ursprünglich aus der Heißener Kolpingsfamilie hervor und stellte im Laufe von 66 Jahren zwei Stadtprinzenpaare und ein Kinderprinzenpaar. Von 1951 bis 1996 feierte sie, jeweils am Karnevalssonntag, ihre Prunksitzung.

Ab 1997 wurde diese Verans…

Die treue Seele: Inge Kurtz

In diesen Tagen sieht man Inge Kurtz immer wieder im Forum. Etliche Stunden verbringt sie im Einkaufszentrum. Nicht das sie an akutem Kaufzwang leiden würde. Sie kauft nicht. Die 72-Jährige verkauft. Lose für die Rosenmontagstombola. Für einen Euro ist man dabei. Und der Hauptpreis, ein Fahrrad, ist noch im Rennen. „Was soll ich denn zu Hause auf dem Sofa sitzen. Da tue ich doch lieber etwas sinnvolles und unterstütze den Rosenmontagszug“, sagt die Witwe und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen.

Ihr älterer Sohn Guido ist Schuld daran, dass sie vor 40 Jahren beim Mülheimer Karnevalsverein MKV landete. „Wir sind zwar nur ein kleiner Verein mit etwa 45 Mitgliedern. Aber gerade diese Überschaubarkeit unserer Gesellschaft macht ihren familiären Charakter aus“, betont Kurtz.

Eberhard Geiger, Vater des heutigen MKV-Präsidenten Michael Geiger, holte die Familie Kurtz 1976 in den gerade erst vier Jahre zuvor aus der Taufe gehobenen Karnevalsverein mit den Signalfarben Orange und Blau…

So gesehen: Bange machen gilt nicht

Der Kartoffelhändler meines Vertrauens weiß fast alles von mir. Schließlich gehe ich öfter zu ihm, als zum Friseur.

Und deshalb weiß er natürlich auch, dass ich in diesen Tagen als Karnevalsreporter unterwegs bin. Gestern standen mir beim Kartoffelkauf allerdings die Haare zu Berge, als er mir riet: „Passen Sie nur auf, dass sie am Rosenmontag keinen Sonnenbrand bekommen.“

Ist der Mann närrisch? Wahrscheinlich. Und das im besten Sinne. Denn Narren beherrschen die Kunst der Ironie, frei nach dem Motto: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Denn die Markthändler bekommen angesichts von Sturm- und Regenprognosen genauso Hitzewallungen, wie die Karnevalisten, die sich über Monate auf den Rosenmontagszug vorbereitet haben und jetzt, nicht, wie schon anno 1990 vom Winde verweht werden wollen. Da hilft wohl nur beten. Und dabei haben die Jecken gute Karten. Denn mit dem Beten werden sich auch Stadtdechant Michael Janßen und Pfarrer Michael Manz reinhängen. Denn sie wollen ja am Ro…

Die Narren sind zurück im Rathaus: Eindrücke vom Mülheimer Möhnensturm

11.11. Uhr. Weiberfastnacht und es regnet. Wie schön das der Rathaussturm, der in den letzten Jahren auf dem Synagogenplatz gefeiert wurde, an seinen angestammten Platz zurückgekehrt ist. Ein erstes Signal des neuen Oberbürgermeister Ulrich Scholten, dass bei den Närrinnen und Narren gut ankommt.

Draußen schießt die Karnevalsgesellschaft Wagaschei mit ihrer Konfettikanone, während das närrische Weibsvolk und seine männliche Begleitung, das Rathausfoyer stürmen. Während die Stadtprinzessinnen Julia und Chiara mit musikalischer Verstärkung durch die KG Düse ins Amtszimmer des Oberbürgermeisters stürmen, schunkeln und singen sich im Foyer des Standesamtes gut 100 Jecken warm. Stimmungskanone Thomas Straßmann gibt den Ton an: „So ein Tag, so wunderschön wie heute!“ Prinz Markus (mit Zöpfen) und Hofmarschall Hermann-Josef Hüßelbeck (mit wilder Perücke) haben nicht viel zu sagen. Sie dienen als Staffage für die Damen. „Ihr könnt euren Männern sagen, dass sie schon mal zuhause p…

Der Karneval kann den Menschen Gemeinschaft vorleben

Wenn wir schon keine Oberbürgermeisterin mehr haben, so doch eine Stadtprinzessin. Und heute will die närrische Regentin mit der Rückendeckung ihrer Tollitäten und Möhnen um 11.11 Uhr das Rathaus stürmen und im Foyer am Rathausmarkt Oberbürgermeister Ulrich Scholten die Stadtschlüssel abnehmen. Ob er wirklich die Macht im Rathaus verlieren wird, ist eher fraglich. Doch fest steht. Seine Krawatte muss daran glauben.

Es sei denn, er wäre ein Spielverderber und würde heute im Rollkragenpullover erscheinen. Keine Frage: Auch wenn sie nicht gewählt ist, repräsentiert Julia Steck als Stadtprinzessin die karnevalistische und die demografische Mehrheit in Mülheim. Denn 51,4 Prozent der rund 170?000 Mülheimer und rund 60 Prozent der 1500 aktiven Karnevalisten sind weiblich.

„Wenn Frauen und Männer gemeinsam Karneval feiern, können sie vor allem lernen, dass Leben nicht zu ernst zu nehmen. Sie können aber auch lernen, dass es einfach gut tut, miteinander zu reden und einander zuzu…

Er schöpfte aus der Kraftquelle seines christlichen Glaubens: Der katholische Staatsmann Konrad Adenauer

Konrad Adenauer. Das war der Mann, der seiner Heimatstadt Köln als Oberbürgermeister eine neue Universität, international beachtete Messehallen und die Ansiedlung der Ford-Werke bescherte. Er war der Mann, der mit Hilfe seiner eigenen Stimme 1949 im Alter von 73 Jahren zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde. Er war der Bundeskanzler, der in seinen 14 Amtsjahren die Bundesrepublik Deutschland in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und in die Nato führte, der zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten Charles De Gaulle aus einer alten Feindschaft eine Freundschaft machte. Er war der Kanzler, der die diplomatische Annäherung an Israel einleitete und er war vor allem der Kanzler, den die Wähler 1957 mit der absoluten Mehrheit belohnten, weil er 1955 die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion heim holte. So ist der vor 140 Jahren – am 5. Januar 1876 – geborene Konrad Adenauer in das kollektive Gedächtnis seiner Landsleute eingegangen. Was weniger in Erinnerung blie…