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Es werden Posts vom 2019 angezeigt.

Knalleffekte, nein danke!

Samstagnacht. Ich schrecke aus dem Schlaf. Kanonenschläge dringen an mein Ohr. Bin ich in einem Horrorfilm aufgewacht? Nein! Es ist die Wirklichkeit, die mich geweckt hat. Vor unserem Haus auf der Schloßstraße wird ein Silvesterfeuerwerk gezündet. Sollte ich den Jahreswechsel verschlafen haben? Doch ein spontaner Blick auf die Uhrzeit- und Datumsanzeige meines Weckers beruhigt mich. Ich bin doch noch auf der Höhe der Zeit, auch wenn ich manchmal daran zweifle. Denn mir will so gar nicht einleuchten, dass man schon vor dem 31. Dezember, 0.00 Uhr, Silvesterraketen in den Himmel jagen muss, um zu zeigen, dass man sich auf das neue Jahr freut und nicht nur auf der Höhe der Zeit, sondern ihr voraus ist. Unabhängig davon, ob man Silvesterfeuerwerke als kulturelle Tradition und als Schub für den Handel begrüßt oder als Umweltverschmutzung ablehnt, freue ich mich, wenn uns zwischen den Jahren mal etwas Ruhe vergönnt ist und uns, ich weiß, das ist ein frommer Wunsch, 2020 Knalleffekte jeder Ar…

Närrische Weisheit

Nach dem Fest ist vor dem Fest. Nach Weihnachten steht uns der Jahreswechsel ins Haus und dann? Dann legen die Karnevalisten los. Wie, bitte? Karneval ist doch erst im Februar. Denkst du. Einen Tag nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag stellten die Jecken gestern ihre Kindertollitäten vor, die am 5. Januar im Dümptener Autohaus Extra proklamiert werden. „Wenn du am Rosenmontag Kamelle wirfst, kannst du mir ja eine Extraportion zuwerfen“, berichtete die designierte Kinderprinzessin Sarah-Katharina Wolff gestern von der Reaktion einer Freundin auf ihren Karrieresprung zur Kinderkarnevalsprinzessin. Doch die kleine närrische Regentin reagierte sehr weise auf das freundschaftliche, und eigennützige Ansinnen. „Das geht doch nicht. Ich muss meine Bonbons und meine Schokolade, die ich ober auf dem Kinderprinzenwagen habe, gerecht aufteilen, damit alle Kinder beim Rosenmontag etwas mitbekommen.“ 
Würden mehr erwachsene und weltliche Regenten dieser weisen Einsicht der kleinen Karnevalsprinzessin…

Jung und jeck

Kinder, aufgepasst. Was die Erwachsenen können, könnt ihr schon lange, zum Beispiel Karneval feiern. Wie es geht, zeigen euch Simon Jäger (12) und Sarah-Katharina Wolff (10). Die beiden werden als Kinderprinzenpaar Simon I. und Sarah-Katharina I. am 5. Januar mit einer Karnevalsparty im Dümptener Autohaus Extra an der Fritz-Thyssen-Straße 6 als Mülheimer Kinderprinzenpaar inthronisiert. Los geht es um 14.11 Uhr. Für Kinder heißt es: „Eintritt frei und Spaß dabei!“ Erwachsene sind für fünf Euro mit von der närrischen Partie.

Simon und Sarah-Katharina werden bei ihrer Proklamation und den etwa 120 Auftritten, die sie bis Aschermittwoch (26. Februar) im Dienste des Frohsinns absolvieren, nicht alleine auf der Bühne stehen. Ihnen zur Seite stehen Page Serafino Gehlhaus (11) und Pagin Celina Lintl (8).

Seit den Herbstferien trainieren sie im MCC-Vereinsheim am Wenderfeld für ihre Bühnenshow. Immer mit dabei sind ihre Adjutanten Gaby und Hermann-Josef Hüßelbeck. „Es ist einfach toll, wie sich…

In Memoriam Franz Püll

Auf die Frage: „Was würden Sie aus Ihrer langen Lebenserfahrung heraus heutigen Wählern und Gewählten raten?“, antwortete der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Franz Püll im August in einem Interview mit dieser Zeitung: „Wir müssen erkennen, dass uns nur das Prinzip der christlichen Nächstenliebe als Gesellschaft weiterbringt. Der pure Egoismus führt in die Sackgasse. Ich glaube auch weiterhin, dass wir Volksparteien brauchen, die einen gesellschaftlichen Interessenausgleich herstellen.“
70 Jahre nach der ersten Bundestagswahl, erinnerte sich der 92-jährige Schornsteinfegermeister im an die Geburtsstunde der deutschen Nachkriegsdemokratie, die er ab 1969 als Christdemokrat, Landesinnungsmeister, Ratsherr, Landtagsabgeordneter und Vizepräsident der Handwerkskammer Düsseldorf aktiv mitgestaltet hat. Am Heiligen Abend ist Franz Püll gestorben. Er wird nicht nur seinen drei Kindern fehlen. Nicht nur als Mitglied im Petitionsausschuss des Landtages, dem Püll von 1980 bis…

Erinnerung an die letzte Kriegsweihnacht

Zu Weihnachten hat der 1939 geborene Mülheimer Klaus Kocks, den viele seiner älteren Mitbürger noch aus seiner Zeit als Mitarbeiter des Jugendamtes kennen, die Feldpostbriefe hervorgeholt, die sein Vater Willi vor 75 Jahren von der Ostfront an seine Familie schrieb. Sie sind ein bewegendes und berührendes Zeitzeugnis, das uns zum Frieden und zur Liebe mahnt.

Vor 75 Jahren ist der 43-jährige Mülheimer Postbeamte Willi Kocks als Feldpostoffizier Soldat der deutschen Wehrmacht, die 1944 an allen Fronten auf dem Rückzug ist. Er kämpft in Russland und dann in Ostpreußen. Dort schreibt er bis zum 14. Januar 1945 40 Briefe an seine Frau Else, mit der er seit 1933 verheiratet ist und zwei gemeinsame Kinder (Elsie und Klaus, damals 9 und 5 Jahre jung) hat. Seine Familie lebt seit 1943 nicht mehr in Mülheim, sondern in Württemberg, wohin sie evakuiert worden ist, nachdem der Luftkrieg ihre Heimatstadt in eine Trümmerlandschaft verwandelt hat und 1100 Mülheimer das Leben kosten wird. Obwohl Willi…

100 Jahre St. Michael in Speldof

Heute denken die christlichen Kirchen angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen über die Aufgabe oder Umwidmung ihrer Gotteshäuser nach. Vor über 100 Jahren dagegen planten die evangelische und die katholische Kirchengemeinde Mülheims neue Gemeinden in Broich und Speldorf. Denn hier war die Bevölkerung infolge der Industrialisierung enorm gewachsen.

Am 23.Dezember wurde in St.Michael an der Schumannstraße der erste Gottesdienst gefeiert. Die Kirche war noch nicht ausgemalt. Einen Altar aus Holz hatte die Nachbargemeinde Herz Jesu zur Verfügung gestellt.
Zur Geschichte und zum Leben der Gemeinde hat Gerd Fölting eine Ausstellung initiiert. Deren historischer Teil kann schon besichtigt werden. Das Mosaik der vielen Gruppen, die zusammen die Gemeinde bilden, wächst im Jubiläumsjahr zum 2.Teil der Ausstellung.

Die Menschen, die hier eine Gemeinde gründen wollten, haben von Anfang an finanzielle und personelle Probleme bewältigen müssen. Sie haben sich immer wieder auf neue Rahmenbedingungen …

Festlicher Denkanstoß

Bei meinem Gespräch, dass ich jetzt für diese Zeitung mit dem Stadtdechanten Michael Janßen und dem Superintendenten Gerald Hillebrand über die ökumenischen Perspektiven in Mülheim führen durfte, musste ich unwillkürlich daran denken, dass einem evangelischen Freund unserer Familie verweigert wurde, mein Taufpate zu werden. Auch meine katholische Großmutter durfte ihren evangelischen Jugendfreund nicht heiraten. Ob sie mit dem jungen Protestanten glücklicher geworden wäre als mit einem katholischen Großvater, der eine Seele von Mensch war, sich aber auch schon mal vom heiligen Zorn hinreißen ließ? Gott allein weiß es. Ich weiß nur, dass uns unser evangelischer Familienfreund länger erhalten geblieben ist, als mein katholischer Taufpate, der sich, ob eines Streites mit meinem Vater sehr unchristlich auf Nimmerwiedersehen verabschiedete. Meinerseits ist ihm, ob seines Totalausfalls als Taufpate, verziehen. Nicht nur diese Enttäuschung meines Lebens habe ich Gott sei Dank mit evangelisch…

Mehr Ökumene wagen

Weihnachten verbindet Christen über alle Konfessionen hinweg als das Fest der Geburt Jesu, das im christlichen Glauben für den Beginn der Frohen Botschaft von einem neuen heilsgeschichtlichen Bund zwischen Gott und den Menschen steht. Stadtdechant Michael Janßen und Superintendent Gerald Hillebrand äußern sich am Vorabend des christlichen Hochfestes über die Perspektiven für die Ökumene in Mülheim.
Warum haben die beiden christlichen Stadtkirchen am 2. Dezember erstmals zum Ökumenischen Neujahrsempfang in den Altenhof eingeladen?
Hillebrand: Weil der Advent, mit dem das neue Kirchenjahr beginnt, uns als Festzeit des kommenden Gottes uns als evangelische und katholische Christen in gleichweise betrifft und bewegt. Deshalb machte ein ökumenischer Neujahrsempfang auch Sinn.
Janßen: Und er ist als ein starkes Zeichen der Ökumene in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen und begrüßt worden. Ein solcher Empfang und die Tatsache, dass eine Oberkirchenrätin und ein Generalvikar eine Dialog-Predigt…

Zur Nachahmung empfohlen

„Wir brauchen wieder mehr Bauchgefühl und Intuition in der Politik“, sagt mir Alt-Bürgermeister Günter Weber, als wir uns jetzt im Haus der Stadtgeschichte treffen und über seinen politischen Nachlass sprechen, den er dem Stadtarchiv übergeben hat. Gerne erinnert sich der Sozialdemokrat alter Schule daran, dass die Stadtverordneten früher nach Ausschusssitzungen mit einem Schnäpschen auf Geburtstagskinder in ihren Reihen anstießen und sich dabei auch abseits der politischen Tagesordnung privat etwas zu sagen hatten. Als einen seiner politischen Lehrmeister, die ihm gezeigt hätten, was Menschlichkeit mit offenen Ohren, offenen Türen und gutem Willen segensreich bewirken kann, nennt er Mülheims Oberbürgermeister Heinirch Thöne, der sich 1933 der Ehrenbürgerschaft Hitlers verweigert und nach dem Krieg als Oberbürgermeister den Wiederaufbau der Stadt mitgestaltet habe. Wenn man dem politischen Zeitzeugen Weber zuhört, begreift man auch als Nachgeborener, warum es ihn schmerzt, dass der Na…

Erinnernswert

Die Geschichte geht weiter, auch im Stadtarchiv. Dort wird das Gedächtnis Mülheims fortgeschrieben, zum Beispiel mit den Nachlässen von Menschen, die unsere Stadt mitgestaltet und geprägt haben. Der ehemalige Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Günter Weber (SPD) ist einer von ihnen. Kurz nach seinem 84. Geburtstag hat Weber seinen Nachlass dem kommissarischen Leiter des Stadtarchivs, Jens Roepstorff, übergeben und dabei ein Gespräch mit dieser Zeitung geführt.
Was findet sich in Ihrem Nachlass und warum haben Sie ihn jetzt dem Stadtarchiv übergeben?
Weber: Mein Nachlass, der ein Vorlass ist, weil ich ihn noch zu Lebzeiten dem Stadtarchiv übergebe, umfasst zum Beispiel Fotos, Briefe und Zeitungsartikel, aber auch eine Zeitschrift der Dümptener SPD, die wir zwischen 1977 und 1985 herausgegeben haben. Die Dokumente, die sechs Archivkartons und 35 Aktenordner füllen, dokumentieren meine politische Arbeit. Mit ihnen kann meine Familie nichts anfangen, aber ich möchte sie für die Nachwelt …

Ökumenischer Brückenschlag

Die beiden christlichen Stadtkirchen sind ihrer Zeit voraus. Sie laden bereits zum Beginn des Advents zu ihrem Neujahrsempfang, weil mit dem Advent das neue Kirchenjahr beginnt. Mit einem ökumenischen Neujahrsempfang haben das Stadtdekanat und der Kirchenkreis an der Ruhr jetzt Neuland betreten. Die Idee eines gemeinsamen Jahresempfangs hatte der Vorsitzende des Stadtkatholikenrates, Rolf Völker, bereits vor zwei Jahren ins Gespräch gebracht. Mit dieser ökumenischen Neuerung geht auch eine Verschmelzung des Evangelischen Hoffnungspreises und der katholischen Nikolaus-Groß-Medaille einher. „Im kommenden Jahr wollen wir einen gemeinsamen Preis vergeben, der Menschen auszeichnet, die sich als Christen für Menschen einsetzen und uns mit ihrem Engagement Mut machen“, sagten Stadtdechant Michael Janßen und Superintendent Gerald Hillebrand beim Empfang im Altenhof, dem Haus der Evangelischen Kirche. 
Beim ersten ökumenischen Neujahrsempfang wurden beide Auszeichnungen mit einer Gesamtdotierung…