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Es werden Posts vom Oktober, 2009 angezeigt.

So gesehen: Läuten statt twittern und der Geschmack des Glaubens - Gedanken zum neuen Ruhrbischof und zum Reformationstag

Als Horst Köhler wieder zum Bundespräsidenten gewählt wurde, wurde das Abstimmungsergebnis direkt aus der Bundesversammlung an die weltweite Internet- und Mobifunkgemeinde getwittert. Als Franz-Josef Overbeck gestern vom Papst zum neuen Ruhrbischof ernannt wurde, ließ die katholische Kirche die Glocken läuten. Das eine rauscht durchs World Wide Web, das andere klingt uns in den Ohren. Die Kirche weiß schon seit hunderten von Jahren und damit länger als jede Partei und jedes Medium: Wer auf sich aufmerksam machen will, muss die Glocken läuten lassen. Das hat die Kirche auch nötig. Denn ihre Schäfchen werden weniger. Und deshalb kann sie weniger denn je glauben, ihre Schäfchen im Trockenen zu haben. Wer in dieser Situation die Glocken läuten lässt, pfeift nicht nur im Dunkeln, sondern lässt aufhorchen, wenn er, wie der neue Ruhrbischof, sagt, die Kirche müsse den Menschen zeigen, wo es zu Gott geht. Das klingt himmlisch, wie das Glockengeläut und lässt glauben,dass das einer weiß, wo es…

Warum man bei den Caritas Sozialdiensten die höchstrichterliche Überprüfung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder begrüßt

Reicht der Hartz-IV-Regelsatz für Kinder aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich jetzt das Bundesverfassungsgericht. Gleich zu Beginn des Prozesses äußerten die Verfassungsrichter deutliche Zweifel an der Methode, mit der die Hartz-IV-Regelsätze errechnet werden. Eine genaue Prüfung soll nun folgen.
Experten gehen davon aus, dass das Gericht die Ermittlung des Regelsatzes beanstanden wird. 4644 Mülheimer Kinder und Jugendliche, die derzeit nach Angaben der Stadtverwaltung vom Arbeitslosengeld-II-Bezug ihrer Eltern abhängig sind, könnten nach einem höchstrichterlichen Urteil, das im kommenden Jahr erwartet wird, damit rechnen, dass ihr Regelsatz angehoben wird. Derzeit steht Kinder unter 14 Jahren ein monatlicher Regelsatz von 215 Euro und Jugendlichen über 14 Jahren ein Regelsatz von monatlich 287 Euro zu.
Martina Pattberg, die die Familien- Kinder- und Jugendhilfe der Caritas Sozialdienste leitet, begrüßt die juristische Überprüfung. Auch wenn sie sich nicht auf einen bestimmten Betrag …

Die Soroptimistinnen - Der Club der starken Frauen feiert seinen 50. Geburtstag

Die in Mülheim und Duisburg derzeit von der Augenärztin Nicola von der Ohe geführten Soroptimistinnen engagieren sich für eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf sowie für internationale Projekte. Jetzt feiert ihr Regional-Club seinen 50. Geburtstag.

Was um Himmels Willen sind Soroptimistinnen? Die Vizepräsidentin ihres für Mülheim und Duisburg zuständigen Clubs, Vera Grunow-Lutter, erklärt es so: „Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet soviel, wie: Die Schwestern, die das Beste suchen.”
Das Vereinsleben der derzeit 27 Soroptimistinnen aus Mülheim und Duisburg funktioniert wie bei den Rotariern. Frauen aus verschiedenen Berufen treffen sich regelmäßig zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch und unterstützen soziale Projekte. Die Idee eines freundschaftlich verbundenen und sozial aktiven Frauennetzwerkes entstand 1921 in den USA, als sich das Leitbild der beruflich und politisch engagierten Frau noch nicht durchgesetzt hatte.
Auch als die Soroptimistinnen in Mü…

Was sagt die Spitze der Stadtkirche zum neuen Ruhrbischof? Hoffnung auf geistliche Akzente und einen Pragmatiker mit Zukunft

Seit heute Mittag ist es offiziell. Papst Benedikt XVI. hat den aus Marl stammenden Münsteraner Weihbischof Franz-Josef Overbeck (45) zum neuen Ruhrbischof ernannt. Ich fragte beim Stadtdechanten Michael Janßen (links) und beim Vorsitzenden des Mülheimer Katholikenrates, Wolfgang Feldmann nach: Was erwarten, was erhoffen Sie sich vom neuen Bischof.
Stadtdechant Janßen begrüßt, dass der Essener Bischofsstuhl nach dem Weggang Felix Genns nicht zu lange unbesetzt geblieben ist. Was erwartet er vom neuen Ruhrbischof, wie auch immer er nun heißen wird? „Er sollte in die Fußstapfen von Felix Genn treten und die Umstrukturierung des Bistums mit geistlichem Leben füllen und geistliche Akzente setzen,” meint Janßen.
Der Vorsitzende des Katholikenrates, Wolfgang Feldmann, wird jedoch etwas konkreter. „Der Mann ist mit 45 Jahren relativ jung. Wenn er es wird, kommt da wieder mehr Kontinuität rein und wir bekommen einen Bischof, der über 20 oder 25 Jahre das Bistum auf Kurs und wieder in die Spur b…

Heike Rechlin-Wrede wird neue Bezirksbürgermeisterin im Mülheimer Norden

Anders, als am Montag, in der Bezirksvertretung 1, gab es gestern in der Bezirksvertretung 2 bei der Wahl des Bezirksbürgermeisters keine Kampfabstimmung. SPD und CDU einigten sich in dem für Styrum, Dümpten und Winkhausen zuständigen Stadtteilparlament auf eine gemeinsame Listennverbindung. Ihr Wahlvorschlag erhielt in geheimer Verhältniswahl 13 von 19 Stimmen. Danach konnte der Altersvorsitzende der Bezirksvertretung 2, Hermann Meßmann (CDU) die bisherige SPD-Fraktionschefin Heike Rechlin-Wrede als neue Bezirksbürgermeisterin auf ihr Amt verpflichten. Meßmann selbst (Mitte) und der SPD-Bezirksvertreter Ali Katircioglu wurden zu stellvertretenden Bezirksbürgermeistern gewählt.
Nach ihrer Wahl bedankte sich die neue Bezirksbürgermeisterin Rechlin-Wrede ausdrücklich bei ihrem aus dem Amt geschiedenen Amtsvorgänger und Parteifreund Knut Binnewerg: "Seine Verdienste um die Bezirksvertretung und den Stadtbezirk aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Sitzung sprengen", machte Rechlin…

Arnold Fessen bleibt Bezirksbürgermeister in Rechtsruhr-Süd

Der neue Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks 1 (Rechtsruhr-Süd) ist der Alte. Der Christdemokrat Arnold Fessen wurde gestern in der konstituierenden Sitzung der Bezirksvertretung 1 mit 10 von 19 Stimmen in seinem Amt bestätigt.
Zu seinen Stellvertretern wurden der Sozialdemokrat Constantin Körner und der Christdemokrat Rudolf Ehlert gewählt. Da keiner der Bezirksverteter Ehlerts Frage: „Ist jemand von Ihnen vor dem 9. Januar 1935 (20 Uhr) geboren” mit Ja beantworten konnte, hatte Ehlert die konstituierende Sitzung des Bezirksparlamentes als Altersvorsitzender eröffnet.
„Als Bezirksvertreter sind wir am nächsten an den Bürgern dran. Und ich hoffe, dass wir auch in der neuen Legislaturperiode hier kritisch und konstruktiv zusammenarbeiten werden”, appellierte Ehlert zum Beginn der Sitzung an seine Kollegen. Darüber hinaus erklärte er zum Selbstverständnis der für die Stadtteile Stadtmitte, Heißen, Holthausen, Menden und Raadt zuständigen Bezirksvertretung: „Unsere Aufgabe muss es sein, …

Künstler und Chronist der Stadt: Vor 100 Jahren wurde Daniel Traub geboren

Jungen Mülheimern wird der Dame Daniel Traub nichts mehr sagen. Doch sie können ihm begegnen, wenn sie mit der U-Bahn fahren. Denn der 1995 gestorbene Maler hat Mitte der 70er Jahre die Stadtmotive geschaffen, die jeder Fahrgast unweigerlich sieht, der zwischen Hauptbahnhof und Forum mit der Rolltreppe zu den Bahnsteigen der U18 hinabfährt. (Foto) Es handelt sich um bunte Keramikgemälde, die uns Mülheims klassische Motive vor Augen führen: Die Altstadt mit der Petrikirche, das Schloß Broich, den Wasserbahnhof und die Stadthalle. Die hat der am 25. Oktober 1909 in Breslau geborene Traub, der 1924 mit seinen Eltern nach Mülheim kam und später unter anderem an der Essener Folkwangschule studierte, in den 20er Jahren eigenhändig mit aufgebaut.

Das Geld, dass er damit verdiente sparte er nicht, sondern investierte es umgehend in seine erste Mal- und Studienreise nach Italien. Später sollten ihn auch Reisen nach Norwegen zu starken Landschaftsstudien inspirieren. "Hier habe ich die Bots…

Vor 40 Jahren begann mit dem Stadtbahnbau in Mülheim eine neue Nahverkehrsära

Wer von Essen nach Mülheim will, kann mit dem Auto über die A40 fahren und hoffen, dass er nicht im Stau stecken bleibt. Die schnellere und umweltfreundlichere Alternative ist aber wohl eine Stadtbahnfahrt mit der U18, die einen in 15 bis 20 Minuten von einem Stadtzentrum ins nächste bringt. Von einem exemplarischen Beispiel „für eine neue Ära des Nahverkehrs an Rhein und Ruhr", spricht der damalige Landesverkehrsminister Fritz Kaßmann, als er am 24. Oktober 1969 mit einem symbolischen Knopfdruck das Startsignal zu der Stadtbahnstrecke Essen-Mülheim gibt. Bürgermeister Fritz Denks spricht angesichts des geplanten Stadtbahnknotenpunktes „von der wichtigsten Drehscheibe des öffentlichen Personennahverkehrs."

Zur Feier des Tages intoniert eine Bergmannskapelle die Eurovisionshymne und das Lied „Modern Time". Am Tag darauf titelt die Lokalausgabe der NRZ: „Mülheimer sind die ersten Nutznießer der Stadtbahn." Die Vision ist ein Stadtbahnverkehr quer durchs Ruhrgebiet, de…

Kästner für Erwachsene - Ein Erlebnis: Die Herbstblätter und Hans Georgi machten es möglich

Erich Kästner. War das nicht der Autor der Kinderbuch-Klassiker Emil und die Detektive und des Fliegenden Klassenzimmers? Richtig. Aber das ist nur der halbe Kästner. Den Kästner für Erwachsene erlebten rund 60 Zuhörer am Donnerstagabend bei der Literaturreihe Herbstblätter.
Es war schwere Kost, die Hans Georgi und sein musikalischer Begleiter an der Gitarre, Meinolf Bauschulte ihrem Publikum zur vorgerückten Abendstunde servierten. Viele Kästner-Verse, die Georgi vortrug, hörten sich so an, als seien sie nicht vor 80 Jahren, sondern gestern geschrieben worden. Das galt für Kästners Patriotisches Nachgebet: „Wir sollen Kinder fabrizieren fürs Löhne senken und fürs Krieg verlieren" ebenso, wie seine Spitzen gegen die auch schon in den 20er Jahren aktuelle Massenarbeitslosigkeit: „Ob unsere Eltern auch schon wussten, was wir wissen: Wer nicht geboren wird, wird auch nicht arbeitslos" oder: „Ihr lehrtet uns Griechisch und Latein besten Falles. Und jetzt sind wir groß. Das ist ab…

Mehr als nur ein Sportverein: Der VBGS feiert heute sein 20-jähriges Bestehen

In der Speldorfer Geschäfts- Beratungsstelle des Vereins für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS) bewegt man sich ebenerdig. Das Gebäude an der Frühlingstraße 37, in dem früher die Mütter- und Schwangerenberatung des Gesundheitsamtes residierte, erinnert an einen Bungalow. Fast alle Türen, ob am Eingang oder die zum stillen Örtchen lassen sich per Knopfdruck öffnen. Alle Türen sind so breit, dass man sie problemlos mit einem Rollstuhl passieren kann. Die barrierefreie Architektur, zu der auch ein Internetcafe mit Spezialtastaturen für diverse körperliche Handicaps passt, kommt nicht von ungefähr. Der Verein, der heute in der Harbecke-Halle an der Mintarder Straße seinen 20. Geburtstag feiert hat sich vor allem eines auf seine Vereinsfahnen geschrieben: Er will Barrieren abbauen, die Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag belasten. „Das funktioniert am besten", ist sein Mitgründer und Vorsitzender Alfred Beyer überzeugt, „wenn man die Barrieren zwischen Behinderten und …

Mal eben mit dem Bus in die Stadt: Vor 60 Jahren wurde dieser Wunsch der Oemberger Wirklichkeit

Wie kann man Außenbezirke besser in den öffentlichen Nahverkehr einbinden? Die von der Seniorenzeitung Alt! Na und? angestoßene Disskussion über einen ehrenamtlich gesteuerten Bürgerbus, der Lücken im Nahverkehrsnetz schließen könnte, zeigt, wie zeitlos aktuell diese Frage ist, wenn man auf den 23. Oktober 1949 zurückblickt.

Diesen Tag empfinden die damals 1800 Bewohner der Saarner Oemberg-Siedlung als einen Festtag. Denn an diesem Sonntag kommt zum ersten Mal ein Bus zu ihnen, der sie in gut 20 Minuten in die Innenstadt bringt. "Wie sehr wir uns nach diesem Verkehr mit der Innenstadt hier draußen gesehnt haben, lässt sich gar nicht sagen", lässt der Oemberger Siedlungs-Obmann Scholten den Reporter von der NRZ wissen. Scholten hat die Buslinie durch seine beharrlichen Eingaben bei der Stadt erst möglich gemacht.

Ehe vor 60 Jahren der erste Bus in die Oemberg-Siedlung kommt, müssen ihre Einwohner einen 15-minütigen Fußmarsch zur nächsten Straßenbahnhaltestelle Waldschlößchen am…

Damit wir uns noch besser verstehen: Britta Vincent warb in Mülheim für das Institut de Touraine

Kennen Sie das Institut de Touraine? Wenn nicht, dann dürfte es ihnen wie den meisten Mülheimern gehen. Dabei liegt die Sprachenschule, die von der Stadt, der Region und der Handelskammer von Tours finanziert wird und unter der Schirmherrschaft der Universität Tours steht, mitten im Zentrum der französischen Partnerstadt. "Wir haben bei uns rund 2500 Studenten aus 80 Nationen, aber keine Deutschen und keine Mülheimer", wundert sich Britta Vincent.

Die Krefelderin, die in Düsseldorf Sprachen studiert hat und der Liebe wegen seit zwölf Jahren in Tours lebt, ist seit vier Monaten beim Institut de Touraine für internationale Kontakte zuständig. In dieser Funktion besuchte jüngst das Saarner Berufskolleg an der Lehnerstraße , um für das französische Spracheninstitut in der Partnerstadt zu werben. "Wir haben seit 1962 eine gut funktionierende Städtepartnerschaft. Aber um wie vieles würde sie noch besser funktionieren, wenn noch mehr Menschen aus Mülheim die französische Sprach…

Ein Mülheimer in Hagen: Der ehemalige OB-Referent wird jetzt selbst Oberbürgermeister

Manchmal kann ein Rückschlag auf der Karriereleiter einen Karriereschub bringen. Der 46-jährige Diplom-Verwaltungswirt Jörg Dehm hat es erlebt. 1979 trat er als Anwärter für den Mittleren Dienst in die Mülheimer Stadtverwaltung ein. Dort war er lange im Personalamt tätig, ehe er Mitte der 90er zum persönlichen Referenten der Verwaltungschefs aufstieg. Erst diente der Christdemokrat unter Oberstadtdirektor Predeick, dann unter OB Baganz, beide Parteifreunde. Doch nach dem Baganz-Rücktritt im November 2002 und der Wahl der Sozialdemokratin Mühlenfeld "war ich irgendwie über", erinnert sich Dehm. Natürlich hätte er auf irgend einen Posten in der Verwaltung zurückkehren können. Doch Dehm wollte weiter an der Verwaltungspitze, an der Nahtstelle zwischen Politik und Verwaltung arbeiten.
Im Sommer 2003 bot sich die Chance. Die schwarz-grüne Ratsmehrheit in Dinslaken suchte einen neuen Stadtkämmerer und fand ihn in Dehm. "Immerhin habe ich einen strukturellen Haushaltsausgleich …

Adel schützt vor Mord und Totschlag nicht: Vor 350 Jahren erschütterte ein Grafenmord die Herrschaft Broich

Früher war alles besser. Und Adel verpflichtet. So denkt man landläufig und irrt. Das zeigt eine Mülheimer Kriminalgeschichte, die sich vor 350 Jahren auf der Lipper Heide abspielte. Bei den beteiligten Personen handelt es sich um zwei Mülheimer Grafen. Der eine, Moritz von Styrum, erschießt den anderen, Carl Alexander von Daun-Falkenstein und Broich. Ob die Tat, die den damaligen Broicher Grafen Wilhelm Wirich seines einzigen männlichen Erben beraubte, Mord oder Notwehr war, ist bis heute umstritten.
Folgt man der Broicher Sichtweise, so wurde der 17-jährige Jung-Graf Carl Alexander vom Styrumer Grafen Moritz heimtückisch erschossen. Die Kugel, die ihn traf, liegt heute im Museum von Schloss Broich (Foto). Aus Styrumer Sicht stellt sich der Tathergang so dar, dass Moritz von Styrum vom Broicher Junggrafen mit einem Degen bedroht worden sein soll und ihn in Notwehr erschossen hat. Fest steht, dass die beiden Adeligen keine Kinder von Traurigkeit waren und zum Zeitpunkt der Tat stark al…

Eine Lobby für die Opfer - Der Weiße Ring in Mülheim - Ein Gespräch mit seiner neuen Leiterin Jutta Michele

Als Lehrbeauftragte unterrichtet die Soziologin Jutta Michele an der Duisburger Fach hochschule angehende Polizeibeamte. In ihren Seminaren bearbeitet sie unter anderem die Frage: Wie entsteht Kriminalität?
Ihre Freizeit widmet die 60-jährige Speldorferin den Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind. Als sie vor fünf Jahren an einem Runden Tisch zum Thema Häusliche Gewalt teilnahm, lernte sie den Polizeibeamten Gerd König kennen, der sie für eine ehrenamtliche Mitarbeit im Weißen Ring gewann. Jetzt hat Jutta Michele von König die Leitung der Mülheimer Außenstelle des Weißen Rings übernommen. Dieser wurde 1983 gegründet, sieben Jahre, nachdem der "Aktenzeichen XY – ungelöst"-Erfinder Eduard Zimmermann die Opferschutzorganisation auf Bundesebene ins Leben gerufen hatte.
Warum engagiert sich Michele mit viel Zeit und Arbeit für den Weißen Ring? Sie erklärt es so: "Die meisten Menschen rechnen nicht damit, Opfer einer Straftat zu werden und geraten deshalb völlig unvo…

Ruhr trifft Waterkant - Eindrücke von einem Shanty-Konzert im Handelshof

Mit musikalischen Grüßen von der Waterkant, die mal schwungvoll, mal melancholisch von Gitarren und Akkordeonklängen untermalt wurden, begeisterten der Chor der Marinekameradschaft und seine Gäste vom Shanty-Chor Gelting am Samstagabend ihre Zuhörer im gut besuchten Festsaal des Handelshofes. Dabei zeigte sich schon auf den ersten Blick eine Gemeinsamkeit. Beide Männerchöre wurden von einer Steuerfrau musikalisch auf Kurs gehalten.
So besangen die blauen Jungs von der Marinekameradschaft unter der Stabführung von Stefanie Melisch zum Beispiel "die Windjammern, die kommen und das Fernweh zurückbringen" oder den "Rum von Jamaika", den die "Matrosen von allen Spirituosen" vermeintlich am liebsten trinken. Mal auf Plattdeutsch, mal auf Englisch erzählte der von Maianne Lüschbrink dirigierte Shanty-Chor aus Gelting an der Ostsee nicht nur von der Romantik, sondern auch vom harten Arbeitsleben an Bord.

Kein Wunder, dass die Matrosen den Frust über ihr schikanenre…

Herzlichen Glückwunsch, Maria Jantke: Die älteste Mülheimerin feiert heute ihren 107. Geburtstag

Maria Jantke hat viel erlebt. Kein Wunder. Morgen feiert sie ihren 107. Geburtstag und ist damit Mülheims älteste Bürgerin. Wie hat sie es geschafft, so alt zu werden? "Ich bin ein sehr gottgläubiger und zufriedener Mensch, der nie viel gegrübelt hat", sagt sie.
Bis ins letzte Jahr hinein hat sie noch in ihrer eigenen Wohnung an der Kreuzstraße gelebt und ihren Alltag mit Hilfe ihres Sohnes Rudi und ihrer Tochter Hildegard selbstständig bewältigt. Erst ein Sturz, bei dem sie sich den Oberschenkelhals brach, zwang sie zum Umzug in den Engelbertusstift an der Seiler Straße.

Jetzt sitzt sie dort in ihrem Zimmer und erinnert sich an ihr Leben. Angefangen hat alles am 18. Oktober 1902, als Maria als Tochter eines Landarbeiters im westpreußischen Kreis Marienburg zur Welt kam. Sie erinnert sich daran, dass sie als Kind barfuß über die Felder ihres Heimatdorfes Stadtfelde und in Holzschuhen zur Schule gegangen ist. Der Weg in die Kreisstadt Marienburg war weit, eine Stunde hin und ei…

Der Integrationsrat hat Ingrid Kohlnrei mit seinem Förderpreis für ein gedeihliches Miteinander und gegenseitige Integration ausgezeichnet

Warum hat Ingrid Kohlbrei den Förderpreis verdient, den der Integrationsrat für ein "gedeihliches Miteinander und gegenseitige Integration" zum elften Mal verliehen hat?

Der Vorsitzender des Integrationsrates, Enver Sen unter, begründet das bei der Preisverleihung im Schloss Broich so: "Für die Migrantinnen und Migranten waren Sie in all den Jahren immer ansprechbar und haben sich für deren Belange eingesetzt." Auch der Kinderschutzbund profitiert in diesem Jahr von der Auszeichnung. Denn die 400 Euro Preisgeld stiftet Ingrid Kohlbrei den Mülheimer Kinderschützern.
Eingesetzt hat sich die ehemalige CDU-Ratsfrau, die dem heutigen Integrationsrat seit 19 Jahren angehört zum Beispiel dafür, dass Asylbewerber in Mülheim menschenwürdig untergebracht wurden, dass Frauen aus Zuwandererfamilien besonders gefördert werden, wenn es zum Beispiel um den Erwerb der deutschen Sprache und darüber hinaus gehende Bildungschancen oder islamischen Religionsunterricht in deutscher Spra…

Für den sehbehinderten Paul Krämer ist jeder Tag ein Tag des Weißen Stocks, aber er meistert sein Leben mit Handicap

Heute ist der Tag des "Weißen Stocks". Ins Leben gerufen wurde er vor 45 Jahren vom damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson. Er wollte auf die Belange blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam machen. Für den 70-jährigen Paul Krämer aus Broich ist jeder Tag ein Tag des "Weißen Stocks".

Mit Anfang 50 machte sich bei dem Ingenieur eine Makuladegeneration bemerkbar. "Wenn ich nachts mit dem Auto fuhr, was ich früher eigentlich immer gerne gemacht habe, sah ich plötzlich Blitze", erinnerte er sich an die ersten Symptome der Erkramkung. Bis dahin war er nie regelmäßig zum Augenarzt gegangen. Das war ein Fehler, wie er heute weiß.
Auch Medikamente und regelmäßige Operationen konnten den kontinuierlichen Verlust seiner Sehkraft nur verzögern, aber nicht stoppen. 20 Jahre nach dem Ausbruch der Krankheit, bei der Sehnerven absterben, ist ihm noch eine Sehkraft von zwei bis vier Prozent geblieben. "Das hängt auch von meiner Tagesform ab", sagt Kräme…

Was man über das Thema Augengesundheit wissen sollte: Ein Beitrag zur Woche des Sehens

Dr. Cay Christian Lösche leitet seit 1995 die Augenklinik des Evangelischen Krankenhauses, in der jährlich 20.000 Patienten behandelt werden. Deshalb war er für mich der richtige Ansprechpartner, um in der bundesweiten Aktions-Woche des Sehens das Thema Augengesundheit zu beleuchten. Lösche bestätigte aus seiner Praxis meine Vermutung, dass wir aufgrund des demografischen Wandels mit einer steigenden Zahl von Augenerkrankungen rechnen müssen. Laut Lösche benötigen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung aufgrund einer altersbedingten Fehlsichtigkeit die Korrektur durch eine Brille. Die altersbedingte Fehlsichtigkeit, die bereits ab dem 45. Lebensjahr eintritt, wird dadurch erzeugt, dass das Licht auf der Netzhaut nicht mehr ausreichend gebrochen werden kann. Diese schwindende Brechkraft, die dazu führt, dass man Dinge im Nahbereich nicht mehr fokusieren kann, muss dann durch eine dem Auge vorgeschobene Brillen-Linse ausgeglichen werden.
Entkräften konnte Lösche das weitverbreitete Vorurteil…

Was wollen Männer lesen? Eindrücke vom Diözesantag der Katholischen Öffentlichen Bibliotheken

Speldorf. Der Blick ins Auditorium der Katholischen Akademie Die Wolfsburg spricht Bände. Dort sitzen fast ausschließlich Frauen. Wir sind beim 47. Diözesantag der Katholischen Öffentlichen Büchereien (KÖB). Dessen gut 80 Teilnehmerinnen fragen sich an diesem Tag mit Rolf Pitsch vom Borromäusverein: "Was wollen Männer?" Es geht ums Lesen. Und die Zahlen der Stiftung Lesen, die Pitsch parat hat, sprechen für sich. Danach lesen nur 15 Prozent aller Männer regelmäßig Sach- und Fachliteratur. Für nur 7 Prozent gehört die Lektüre von schöner Literatur zum Alltag.

Folgt man Pitsch und der Leseforschung, dann lesen Männer vor allem nutzenorientiert, etwa für den Beruf, während sich Frauen auch schon mal ein gutes Buch zur Unterhaltung und Entspannung gönnen. So lesen, laut Stiftung Lesen, 25 Prozent aller Frauen regelmäßig schöne Literatur, aber nur 17 Prozent nutzen ebenso regelmäßig Fach- und Sachliteratur.
Der Tenor der Diskussion ist eindeutig. Jungs und Männer kommen nur selten …

Kunst trifft Kübel oder: Mehr Grün in die City, aber wie?

Obwohl die Idee, etwas mehr Grün in die Innenstadt zu bringen, von den meisten Bürgern begrüßt wird, scheiden sich an den 33 Baumkübeln, die bis Ende des Jahres auf der Schloßstraße aufgestellt werden sollen, die Geister. Allein schon die Kosten sprechen für sich. Jeder der aufgestellten Metallkübel kostet die Stadt 7500 Euro. Die Gesamtkosten der Bepflanzugsaktion wurden mit rund 555.000 Euro angegeben.

Straßenumfragen zeigten bisher eher eine Mehrheit gegen die Baumkübel, die von vielen Bürgern als überdimensioniert, unansehnlich und platzraubend empfunden werden. Die Platzfrage ist insofern von besonderer Brisanz, da die Schloßstraße durch die Ruhrbania-Bauarbeiten am Rathausmarkt jetzt auch zum Marktplatz geworden ist. Die Kontroverse darüber, ob die Markthändler während des Weihnachtsmarktes von der Schloßstraße auf den Berliner Platz wechseln sollen oder nicht, spricht für sich.

Wozu dieser Platzmangel führt, zeigte sich auch am Rasche-Brunnen. Sein Schöpfer, der Bildhauer Ernst R…

Ritterschlag für närrischen Wagenbauer

Der Geschäftsführer des Hauptausschusses, Hans Klingels, nennt ihn einen "Altmeister des Wagenbaus." Und das ist der 71-jährige Karosseriebaumeister Teobert Kuhs wohl auch. Seit 20 Jahren sorgt er mit etwa 24 Kollegen in der Wagenbauhalle dafür, dass der Rosenmontagszug ins Rollen kommt.
"Wir sind eine kleine, aber eingeschworene Gemeinschaft. Und das muss auch so sein", sagt er über die Zunft der jecken Wagenbauer, die jetzt mit neuer Planungssicherheit in einer vom Hauptausschuss auf 20 Jahre angemieteten Halle an der Ruhrorter Straße an den Motiv- und Gesellschaftswagen werkeln können. "Das Spannendste ist immer wieder zu sehen, wie die Leute auf das reagieren, was man in die Welt gesetzt hat", beschreibt Kuhs seine Vorfreunde auf den Rosenmontag.
Am 25. November wird der Wagenbauer von der Gesellschaft Mölm Boowenaan für seine Verdienste um den mölmschen Karneval in der Stadthalle zum Ritter des Schiefen Turms geschlagen und damit in den närrischen Adel…

Von Thüringen an die Ruhr oder: Wenn die Einheit durch den Magen geht

Wenn man nach Erfolgsgeschichten der deutschen Einheit sucht, kann man im Ratskeller und im Bürgergarten fündig werden. Beide Traditiongaststätten werden heute von Jörg und Janet Thon geführt. Der Fall der Mauer machte es möglich, dass die Beiden 1990 aus Gera nach Mülheim kamen.

Als die Mauer am 9. November 1989 fiel, reparierte der angehende Koch Jörg Thom im Keller seines Elternhauses gerade sein Motorrad. "Ich konnte erst gar nicht glauben, was ich da hörte", erinnert er sich an seine erste Reaktion auf die Nachrichten von der neuen Reisefreiheit. Jetzt konnte er ganz selbstverständlich Tante und Onkel in Speldorf besuchen, die dort einen Friseursalon betrieben.

Diese Familienbande nutzte er, als er im Januar 1990 erfuhr, dass seine Meisterausbildung, die er als Koch in Jena und Gera absolvierte, im neuen Deutschland wohl nicht anerkannt würde. In Speldorf fragte er nach Arbeit und Wohnung und wurde schnell fündig. Nicht nur er selbst, sondern auch seine spätere Frau fande…

Merz aus Mülheim: Da ist Musik drin

Wie der Vater, so der Sohn. Diese Gleichung geht beruflich meistens nicht auf. Nicht selten wollen Söhne alles, nur nicht in die Fußstapfen ihres Vaters treten. Bei David Merz war das "aber wohl unvermeidlich." Da sind sich David und sein Vater Kim einig.

Das musikalische Vorbild des Vaters, der mit seiner Band FKK in den letzten 16 Jahren nicht nur in Mülheim viele Fans gewonnen hat, prägte den Sohn und ließ in ihm den Wusch reifen, selbst Musiker zu werden und mit einer Band auf der Bühne erfolgreich zu sein.

Seinem Ziel ist der inzwischen 22-jährige David Merz bereits näher gekommen. Am morgigen Sonntag (4. Oktober) wird der junge Gitarrist um 18 Uhr im Gemeindezentrum der Markuskirchengemeinde am Knappenweg in Winkhausen mit seiner Band Pink Mercury zu hören sein. Zuhörer dürfen sich auf Rockmusik mit Folk- und Klassik-Elementen freuen. Außerdem steht die Band kurz vor einem Plattenvertrag, so dass ihr Sound bald auch schon auf CD zu hören sein wird. "Musik ist einfac…

So gesehen: Nach der Wahl ist vor der Wahl oder: Politik an der Ampel

Als Fußgänger und Autofahrer kann man in der Innenstadt manchmal rot sehen. das ist nicht politisch, sondern ampeltechnisch gemeint. Eine grüne Welle ist bei der Ampelschaltung in der City nicht vorgesehen. Da kann man manchmal warten, bis man schwarz wird. Und wenn es stimmt, das Zeit Geld ist, dann haben die Erfinder der Ampelschaltung schon jede Menge Schulden gemacht.

Doch am Bundestagswahl-Sonntag war ich der Ampelschaltung vor meinem Wahllokal am Rathausmarkt dankbar, dass sie mir noch etwas Zeit gab, ehe ich meine beiden Stimmkreuze machen musste. Denn beim Farbenspiel der rot-gelb-grünen Ampel vor mir oder beim Blick auf den schwarzen Straßenasphalt unter mir und in den blauen Himmel über mir, konnte ich noch mal in aller Ruhe darüber nachdenken, welche politische Farbmischung für die Reise in die Zukunft aus meiner Sicht die Richtige sein könnte.

Als ich dann nach dem Verlassen des Wahllokals wieder vor der Ampelstand und mir noch einmal überlegen konnte, ob meine Wahl unser La…

Sie war die erste Frau an der Spitze der Stadt

Heute feiert Eleonore Güllenstern ihren 80. Geburtstag. Sie war die erste Oberbürgermeisterin der Stadt. Als die damals 52-jährige Sozialdemokratin 1982 in ihr Amt gewählt wurde, war sie die einzige Frau an der Spitze einer deutschen Großstadt. Zuvor war sie als Bürgermeisterin bereits drei Jahre lang Stellvertreterin des 1982 verstorbenen Oberbürgermeisters Dieter aus dem Siepen gewesen. Obwohl sie als OB nach der damaligen Gemeindeordnung nicht Verwaltungschefin, sondern nur Repräsentantin der Stadt und Vorsitzende des Rates war, setzte sie vor allem in den Bereichen Bildung, Kultur, Jugend und Frauen politische Akzente.

In ihre zwölfjährige Amtszeit fallen zum Beispiel die Einweihung des Kurt-Schumacher-Platzes (1986) und die Landesgartenschau Müga (1992) sowie die Gründung der Mülheimer Initiative für Toleranz (1993) und die Begründung neue Städtepartnerschaften mit Oppeln (1989) und Kfar Saba (1993).

Unter ihrer politischen Federführung bekam Mülheim erstmals eine Gleichstellungsbe…