Sonntag, 30. Dezember 2018

Romeros Erben

Im Rahmen einer Deutschlandreise zum Beginn der aktuellen Adveniat-Kampagne besuchte Kardinal Gregorio Rosa Chavez aus El Salvador im Advent die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt, um sich beim Weihbischof Franz Grave, der dort zum Patoralteam gehört, für seinen langjährigen Einsatz als Vorsitzender des bischöflichen Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat zu danken. In diesem Interview spiegeln sich die Fragen und Antworten eines Gesprächs, das der Kardinal vor Weihnachten mit interessierten Gemeindemitgliedern geführt hat.

??? Die aktuelle Diskussion über einen Mauerbau an der Südgrenze der USA zeigt legt die Probleme in Mittelamerika und seine angespannten Beziehungen zu den USA auf. Was sagen Sie dazu?

!!! Es gibt viele Interessen, aber keine Freunde. Es gilt: Heute bin ich Freund, morgen bin ich Feind. Es gibt keine echte Solidarität. Der Krieg in Zentralamerika war während des Kalten Krieges ein Krieg zwischen dem von Kuba und Russland angeführten Ostblock und dem nordamerikanischen Block. Wir sind ein Puzzlestück im Puzzle der geostrategischen Interessen. Es ist schlimm, das sagen zu müssen. Aber es ist die Wahrheit.

??? Wie kommen die Regierungen in El Salvador zustande? Haben Sie demokratische Wahlen?

!!! 50 Jahre lang gab es in El Salvador nur Militärdiktaturen. 1984 kam dann die erste demokratische Zivilregierung unter der Führung des Christ-sozialen Demokraten Napoleon Duarte an die Macht, die echte Werte vertreten und verfolgt hat. Doch dann kam die Arena-Partei an die Regierung, die das neoliberale Modell verfolgt hat. Es gibt freie und demokratische Wahlen, deren Ergebnisse akzeptiert werden. Und wir haben starke unabhängige Institutionen. Aber es gibt Krebs-Formen, von denen eine die Korruption ist. Ein Präsident ist zurzeit im Gefängnis. Er hat einfach zu viel geklaut. Und das ist ein sehr schwerwiegendes Problem. Wir erleben leider eine starke Polarisierung und nur unzureichende Versuche, das Beste für unser Land herauszuholen. Es ist nicht leicht, gute Wege zu finden. Aber es ist nicht unmöglich.

??? Wie frei ist die katholische Kirche in El Salvador und was kann sie für das Land und seine Menschen tun?

!!! Der 1980 ermordete und jetzt von Papst Franziskus heiliggesprochene Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, hat uns eine sehr freie Kirche hinterlassen. Denn er hat nie Allianzen mit der politischen, wirtschaftlichen oder militärischen Macht geschlossen und er hat immer die Wahrheit gesagt. Diese Lektion haben wir in El Salvador nicht vergessen. Wir sind eine freie Kirche und die Leute wissen, dass wir auf ihrer Seite stehen. Und das macht uns glaubwürdig. Das ist unser Kapital. Aber wir haben noch nicht Romeros Größe erreicht. Und die Leute reklamieren: Was würde Romero jetzt sagen und machen? Das ist gut so, dass uns die Leute anstoßen, so glaubwürdig zu sein, wie Oscar Romero. Romero sagte einmal: „Mit diesem Volk fällt es nicht schwer, ein guter Hirte zu sein, weil die Leute uns dazu anstoßen, dem Volk zu dienen. Und das stimmt auch heute noch. Die Menschen wollen auch heute Bischöfe, die an der Seite der Armen stehen. Und in diesem Sinne ist Oscar Romero auch heute noch sehr präsent in El Salvador.

??? Wie viel staatlichen Druck spüren die katholischen Schulen in El Salvador?

!!! Es gibt private und öffentliche Schulen für die man Gebühren zahlen muss. Aber ich betreibe eine Pfarreischule, die für die Armen da ist. Wir haben als Bischofskonferenz einen Erziehungsvorschlag gemacht. Erziehung darf kein Geschäft sein. Und deshalb stecken wir immer in den roten Zahlen. Wir werden niemanden ausschließen, nur weil das Schulgeld nicht bezahlt ist. Denn Erziehung und Bildung sind der Schlüssel zur Zukunft. Wir brauchen eine ganzheitliche Bildung, die nicht nur akademische, sondern auch menschliche und spirituelle Werte vermittelt. Wir sagen unseren Schülern: „Wir wollen euch nicht als Führungspersönlichkeiten, die korrupt sind. Und wenn ihr doch korrupt werden solltet, sagt nie, dass ihr bei uns studiert habt. Mit Ihrer Hilfe gibt uns Adveniat 90 Studienförderungen für junge Menschen aus armen Elternhäusern, die sich sonst keine Ausbildung leisten könnte. Und die Ergebnisse sprechen für sich. Man muss diese jungen Leute nur anstoßen und ihnen Chancen geben. Den Rest machen sie selbst. Sie werden selbst zu  Protagonisten, in dem wir ihnen helfen, sich selbst helfen zu können. Das ist unsere Philosophie. Die Leute wissen, dass wir kein Geld verdienen, sondern ihnen die besten Rahmenbedingungen geben wollen. Das ist pastorale Arbeit, die Vorsorge betreibt.

??? Warum ist Oscar Romero erst 38 Jahre nach seiner Ermordung heilig gesprochen worden?

!!! Viele hatten Angst, dass es eine gefährliche Heiligsprechung sein könnte. Es gab die Angst, das Bild eines Menschen heilig zu sprechen, dass mit der wirklichen Persönlichkeit Romeros gar nichts zu tun hätte. Romero war eben kein Mensch, der nur gebetet und sonst nichts getan hat. Und deshalb wollten wir abwarten bis der wahre Oscar Romero heiliggesprochen wird. Papst Franziskus hat das verstanden. Und er hat den Heiligen heiliggesprochen wie er wirklich war. Und er hat genau das auch bei den Bischöfen in El Salvador reklamiert. Der Papst hat uns gesagt: „Oscar Romero ist zweimal ermordet worden. Das erste Mal am 24. März 1980. Und das zweite Mal wurde er getötet, indem er nach seinem Tod verleumdet wurde. Doch jetzt reicht es. Er ist ein echter Märtyrer. Er ist ein echter Heiliger, der alle religiösen, politischen und ideologischen Grenzen überschreitet und wirklich alle Menschen inspiriert, die sich nach einer besseren Welt sehnen. Deshalb haben die Vereinten Nationen den Tag der Ermordung Romeros, den 24. März, zum Tag der Wahrheit erklärt. Auch Papst Franziskus evangelisiert die Menschen durch sein eigenes Lebenszeugnis. Auch in Deutschland gibt es viele weise Menschen, Akademien und Fakultäten. Und doch fehlt es oft nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt an Menschen, die durch ihr Leben Jesus bezeugen und es anderen Menschen durch ihr Zeugnis ermöglichen, ihm zu begegnen. Hier geht es um Worte und Taten, die zusammenpassen. Für was gibt es die Kirche und die Menschen, die in ihr arbeiten? Es gibt sie, damit Menschen in ihnen Jesus Christus begegnen können. Das ist die Botschaft der lateinamerikanischen Kirche. Die Kirche, von der Papst Franziskus träumt ist eine Kirche, die vor allem außerhalb der Kirche funktioniert. 

 Der 1942 geborene Gregorio Rosa Chavez wurde 1970 zum Priester geweiht. Er hat Theologie, Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Der Weihbischof und Kardinal arbeitet auch als Geistlicher und Theologe in der Gemeindeseelsorge. Darüber hinaus leitet er als Präsident die lateinamerikanische Caritas und als Generalvikar die Verwaltung des Erzbistums von San Salvador. Gregorio Rosa Chavez gilt als Erbe und Sachwalter seines Mentors Oscar Romero, der als Erzbischof von San Salvador bis zu seiner Ermordung 1980 als einer der prominentesten Befreiungstheologen galt.

Samstag, 29. Dezember 2018

Wünsche wagen

Investition und stellten die so eingesparten 2500 Euro dem Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) zur Verfügung.
Den Wünschewagen hatten Rummel-Kossow und Loef-Pawelczak durch ihren Saarner Nachbarn Peter Brill kennengelernt, der sich als ehrenamtlicher Betreuer und Begleiter im Wünschewagen-Team des ASBs engagiert. Der Name des spendenfinanzierten Projektes ist Programm. Mit Hilfe des Wünschewagens und seiner ehrenamtlichen Besatzung können schwerstkranke Menschen, die sich oft auf den letzten Metern ihres Lebensweges bewegen, noch einmal letzte Wünsche wagen. Noch einmal das Meer sehen. Noch einmal einen alten Freund besuchen. Noch einmal ein Musical erleben. Noch einmal mit dem Lieblingsverein im Fußballstadion mitfiebern. Noch einmal mit einem Luftschiff fahren. Noch einmal den Zoo besuchen und dort Tiere beobachten. Solche und ähnliche Wünsche, die ihre Passagiere aus eigener Kraft nicht mehr realisieren könnten, lassen der ASB und sein Wünschewagenteam wahr werden, ohne dass ihre Fahrgäste auch nur einen Cent dafür bezahlen müssten.
Möglich wird diese Erfolgsgeschichte der Menschlichkeit nicht nur zur Weihnachtszeit, weil sich viele Menschen, so wie zum Beispiel die Saarnerinnen Beate Rummel Kossow und Beate Loef-Pawelczak von dieser in den Niederlanden entstandenen Idee begeistern lassen. Der Funke dieser Begeisterung ist, so versichern die befreundeten Geschäftsfrauen auch "bei unseren Kunden gut rüber, die mit ihrem Verzicht auf Weihnachtspräsente unsere Spende erst ermöglicht haben."
Weil beide Geschäftsfrauen außerdem eine Spendendose für den Wünschewagen aufgestellt haben, die sich in den Vorweihnachtstagen füllt, gehen sie von einem weiteren Nachschlag für den Wünschewagen aus, der seit seiner Jungfernfahrt im Jahr 2014 350 Fahrgästen letzte Wünsche erfüllen konnte. "Solche Spenden sorgen dafür, dass wir unser Projekt fortsetzen können, bei der trotz des ehrenamtlichen Einsatzes der Wünschewagenbesatzung eine Reihe von Kosten zukommen", erklärt die bei ASB zuständige Projektleiterin Ammelie Hecke. Auch wenn viele Veranstalter bei Eintrittskosten dem ASB mit Blick auf die gute Sache entgegenkommen, fallen bei jeder Fahrt zum Beispiel Benzin- und Versicherungskosten an. Wer sich für den Wünschewagen interessiert, erreicht den ASB unter der Rufnummer 0201-870010, per E-Mail an: wuenschewagen@asb-ruhr.info oder über die Internetseite: www.wuenschewagen.de und: www.asb-ruhr.info
Dieser Text erschien am 19. Dezember 2018 in der Mülheimer Woche

Freitag, 28. Dezember 2018

Der Speldorfer Bahnhof: Ein Zeitsprung an der Duisburger Straße

Im Januar 1923 erreichen französische Soldaten im Januar 1923 den Bahnhof Speldorf, um im Auftrag ihrer Regierung auch die Ruhrstadt Mülheim zu besetzen und (bis zu ihrem Abzug im Jahr 1925) dafür zu sorgen, dass die 1919 im Versailler Friedensvertrag vereinbarten Reparations-Kohle-Lieferungen möglichst zügig in Frankreich ankamen. Vergangenheit. Gott sei Dank. Vergangenheit sind aber auch der Bahnhof Speldorf, der von 1874 bis 1977 an der Duisburger Straße stand und das Eisenbahnausbesserungswerk Speldorf, das zwischen 1874 und 1959 an der Duisburger Straße Arbeit und Lohn gab. 

Heute fährt hier nur noch die Linie 901 und hält regelmäßig an der Straßenbahnhaltestelle Bahnhof Speldorf. Dort, wo einst das Speldorfer Bahnhofsgebäude stand, eines von sechs in Mülheim, sehen wir heute ein Umspannwerk des Stromversorgers RWE-Innogy. Das Werk grenzt an einen Parkplatz, um den sich ein Futtermittelhandel, ein Sonnenstudio und eine Spielhalle gruppieren. Die Geschäftsräume einer Autovermietung stehen dort derzeit leer. 

Dieser Text erschien am 8. Dezember 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Eine Oase der Menschlichkeit

Beleuchtete Tannenbäume, duftende Leckereien, schöne Handarbeit. Dienstbare Geister mit Nikolausmützen unterhalten sich mit den Besuchern der ersten Waldweihnacht am Worringer Reitweg. Adventsidylle im Uhlenhorst. Doch wer mit den Nikolausmützenträgern ins Gespräch kommt, erfährt, dass dieser idyllische Ort auch schicksalsbeladen ist.

Denn Peter van Eyll und Natascha Wegener leiten hier in einem ehemaligen Landschulheim eine 1999 eröffnete Wohneinrichtung der gemeinnützigen Gesellschaft Regenbogen. Hier betreuen sie zusammen mit 18 Kollegen aus pädagogischen, sozialen und medizinischen Berufen 22 Menschen, die seelisch krank und drogenabhängig sind. "Diese Einrichtung ist ein Segen", sagt ein Vater, der hier regelmäßig seine 26-jährige Tochter besucht, die eine zehnjährige Leidensgeschichte hinter sich hat und in der vom Landschaftsverband Rheinland finanzierten Wohneinrichtung am Worringer Reitweg wieder neuen Halt gefunden hat.

"Wir kümmern uns hier um Menschen, die mit ihrer Doppel-Diagnose oft auf der Straße landen und dort schreckliche Dinge erleben müssen, weil sie mit ihrem doppelten Hilfebedarf oft durch alle therapeutischen Raster fallen", erklärt Einrichtungsleiter van Eyll das Profil seiner offenen Einrichtung, die ihre Bewohner auch dann nicht vor die Tür setzt, wenn sie mit ihrer Drogensucht rückfällig geworden sind. "Die sechs Frauen und 16 Männer zwischen 19 und 60, die bei uns leben, werden hier nicht auf ihre Doppel-Diagnose reduziert. Sie werden einfach als Menschen akzeptiert. Und das hilft ihnen, sich mit ihrer oft traumatischen Leidensgeschichte zu öffnen und sich zu stabilisieren", ergänzt seine Stellvertreterin Natascha Wegener.

In der Wohneinrichtung am Worringer Reitweg erhalten die vom Leben gezeichneten Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf und geregelte Mahlzeiten. Sie werden auch in die hauswirtschaftlichen Dienste der Wohneinrichtung einbezogen. So erhalten sie eine feste Tagesstruktur und werden wieder an selbstverantwortliches Arbeiten herangeführt. Mit ihrer Arbeit verdienen sie sich Pluspunkte, die sie dann in Wohltaten ihrer Wahl investieren können. Das kann ein Theaterbesuch, ein Restaurantbesuch, der Besuch eines Nagelstudios oder einer Cart-Bahn sein. Jeder Drogenkonsum auf dem Gelände wird zur Anzeige gebracht, die oft zu einer Geldstrafe führt. Diese wird dann  ratenweise vom monatlichen Taschengeld (100 Euro) abgezogen.

Dieser Text erschien am 18. Dezember 2018 in NRZ & WAZ



Stefans Erben

Am zweiten Weihnachtstag feiert die katholische Kirche den Namenstag ihres ersten Märtyrers. Stefanus war ein Zeitgenosse Jesu, der sich als Bußprediger und Diakon in der Jerusalemer Urgemeinde einen Namen, aber mit seinem eindeutigen Bekenntnis zu Jesus von Nazareth als dem Sohn Gottes viele Feinde machte. Der biblischen Überlieferung folgend sagte Stephanus in seiner Verteidigungsrede: Ich sehe den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.“ Und er soll noch während seiner anschließenden Steinigung im Angesicht seiner Peiniger und seines Todes gebetet haben: "Vater vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ 

Früher wie heute mussten Menschen ihr Leben lassen, weil sie ihren christlichen Glauben beharrlich und unbeugsam bezeugten und ihre Zeitgenossen mit unbequemen Wahrheiten konfrontierten. Einer von ihnen war der als Sohn eines Volksschullehrers in Mülheim aufgewachsene und zur Schule gegangene Präses der Katholischen Arbeiterbewegung Westdeutschlands Otto Müller (1870-1944). Zusammen mit Nikolaus Groß und Bernhard Letterhaus bildete er im Dritten Reich die Spitze der KAB-Zentrale im Kölner Ketteler-Haus. Mit ihrer christlich und sozial geprägten Ethik gerieten Müller, Groß und Letterhaus zwangsläufig in einen Gegensatz zur menschenverachtenden Ideologie des NS-Regimes. Deshalb schlossen sie sich als Kölner Kreis dem sogenannten Kreisauer Kreis um den Jeusiten-Pater Alfred Delp und den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler an Müller, der als junger Priester und Mitgründer des Volksvereins für das katholische Deutschland zu den sogenannten roten Ruhr-Kaplänen gehört und seit 1895 an der Spitze des Verbandes der katholischen Arbeitervereine gestanden hatte, wurde, ebenso wie seine Mitstreiter nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet. Während Letterhaus und Groß nach einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof hingerichtet wurden, starb Müller noch während der Haft in Berlin.


Heute erinnert ein Stahlkreuz vor der Dümptener Barbarakirche an die unerschrockenen Glaubenszeugen aus der Zeit der Hitler-Diktatur. Auch in einem Fenster der Heißener Josephskirche ist Otto Müller verewigt. 



Zurecht wies Mülheims Stadtdechant Michael Janßen in seiner heutigen Predigt darauf hin, dass die Christen inzwischen, die weltweit am häufigsten verfolgte Religionsgemeinschaft sind. Das Hilfswerk Open Doors spricht davon, dass weltweit 200 Millionen Christen in über 100 Ländern aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden.

Es stimmt nachdenklich und macht traurig, dass auch 300 Jahre nach der Aufklärung und 70 Jahre nach der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen das Menschenrecht der freien Religionsausübung immer noch nicht für alle Menschen selbstverständlich ist. Dabei hat uns Gotthold Ephraim Lessing mit seiner Ringparabel doch schon im 18. Jahrhundert den Weg zur religiösen und geistigen Toleranz gewiesen. 

Mehr zu Open Doors

Zur Ring-Parabel

Dienstag, 25. Dezember 2018

Abenteuer im Advent

Als Journalist kann man täglich seinen Horizont erweitern, zum Beispiel, wenn einen die Kollegen zum Worringer Reitweg schicken. Obwohl ich ein mittelalter Mülheimer bin, war diese Ecke der Stadt für mich Neuland, als ich mich dort jetzt in den frühen Abendstunden unter Einsatz aller meiner Sinne und meiner Taschenlampe, ohne die ich im Dunkeln gestanden und den Uhlenhorst-Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hätte. Bei meiner abenteuerlichen Wanderung in den Wald hinein und anschließend wieder hinaus, wurde mir klar, dass man als Fußgänger an bestimmten Stellen unserer Stadt, auch dort, wo sie besonders grün ist und der Fußgänger sich als umweltfreundlicher Verkehrsteilnehmer besonders gut in die Natur einfügt, gar nicht vorgesehen ist. Wo sich Autos auf einer ohnehin schmalen Fahrbahn begegnen und Fußgänger auf einem noch schmaleren oder gar zugewucherten und unpassierbaren Fußweg wie ein Freiwild fühlt, da wird der Mülheimer Wald zur Grünen Hölle und die natürlichste Art der Fortbewegung zum Überlebenstraining. Vielleicht sollte die Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus-Gesellschaft solche Abenteuertouren im Advent mal in ihr Programm aufnehmen. Der Adrenalin-Kick wie beim Bungee-Springen wäre allen Teilnehmern sicher.

Dieser Text erschien am 17. Dezember 2018 in der NRZ

Montag, 24. Dezember 2018

Frommer Wunsch zum Frohen Fest

Die Sparkasse schließt bis 2021 drei Filialen. An diese Nachricht aus der NRZ musste ich jetzt denken, als mir beim Weihnachtseinkauf im Forum das Kleingeld ausging. Wie gut, dass es da noch Geldautomaten gibt, die auch außerhalb der Öffnungszeiten Geld ausspucken, so lange noch etwas auf dem Konto ist. Doch was eine Sache von Sekunden hätte sein können, wurde zur Geduldsprobe. Denn einer von zwei möglichen Geldautomaten war "leider außer Betrieb". Das wäre ja nicht weiter schlimm gewesen, wenn es nicht so vielen anderen, genauso wie mir ergangen wäre, so dass wir uns treu und brav in einer Warteschlange vor dem verbliebenen Geldautomaten gedulden mussten. Wenn die tibetische Weisheit stimmt, dass Geduld der Weg zur Glückseligkeit ist, kann das heute beginnende Weihnachtsfest ja nur noch großartig werden. Ich würde mich sogar am Heiligen Abend gerne noch etwas gedulden und noch etwas länger gedulden, wenn ich wüsste, dass Christkind noch einige Umwege macht, um alle jene Menschenkinder, die qua Amt Entscheidungen für uns alle treffen müssen, mit so viel Weisheit zu beschenken, dass wir uns alle nicht nur zur Weihnachtszeit auf eine wirklich schöne Bescherung freuen können. Ich weiß: Das ist ein frommer Wunsch. Aber wann wäre er angebracht, wenn nicht hier und heute. 

Dieser Text erschien am 24. Dezember 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 23. Dezember 2018

Schlag nach bei Schmidt


So einen wie Helmut Schmidt, einen Krisenmanager, da sind sich Hans Meinolf (Jahrgang 1930) und Günter Weber (Jahrgang 1935) einig, könnte ihre Partei und ihr Land auch heute gut gebrauchen.

Wenn man die beiden Sozialdemokraten danach fragt, warum die SPD unter ihrem Kanzler Helmut Schmidt bei den Bundestagswahlen 1976 und 1980 mehr als 40 Prozent der Stimmen gewinnen konnte, während bei der Bundestagswahl gerade noch auf etwas mehr als 20 Prozent kam und bei aktuellen Meinungsumfragen nur noch mit 15 Prozent gehandelt wird, müssen der ehemalige SPD-Fraktionschef Meinolf und der ehemalige Landtagsabgeordnete Weber nicht lange nach Antworten suchen. „Helmut Schmidt war ein kluger und welterfahrener Krisenmanager, dem es nicht um Gesetze, sondern um die Menschen ging“, erinnert sich Alt-Bürgermeister Weber, der Schmidt bei einer Tagung des Seeheimer Kreises in der Evangelischen Akademie Tutzing persönlich kennenlernte. „Helmut Schmidt hatte eine starke Präsenz“, sagt Weber. Mit einem Augenzwinkern erzählt er, davon, dass der Kanzler nach seiner Rede seine Zuhörer wissen ließ: „Ich wünsche keine dummen Fragen!“

Wie Schmidt tickte, macht Weber daran fest, wie er als Innensenator 1962 bei der Hamburger Sturmflut agierte. „Da überschritt er einfach seine Kompetenzen und nutzte seine Kontakte zur Bundewehr, um sich an Bord eines Huberschraubers erst mal einen Überblick der Situation zu verschaffen und anschließend die Rettungsaktionen von Bundeswehr, Feuerwehr und Polizei zu koordinieren.“ Beeindruckt hat Weber auch, dass Schmidt, der Journalisten gerne als „Wegelagerer“ bezeichnet habe, nach dem Ende seiner Kanzlerschaft als Mit-Herausgeber der Wochenzeitung Die Zeit selbst in den Journalismus wechselte „und auch als bereits war dazuzulernen, weil ihm die Redaktion seine Monologe und seine 12-Seiten-Manuskripte nicht durchgehen ließ.“

Der ehemalige Mannesmann-Betriebsratschef Hans Meinolf erinnert sich gerne an die Betriebsversammlungen, bei denen Schmidt als Minister wie als Kanzler in den 70er Jahren vor mehreren 1000 Mannesmännern sprach. „Wir mussten diese Versammlungen einmal in der Stadthalle und einmal in der Luftschiffhalle am Flughafen organisieren, weil die Unternehmensleitung den Sozialdemokraten Schmidt nicht im Betrieb sehen wollte, sich aber anschließend gerne mit ihm im Betriebskasino mit ihm traf“, berichtet Meinolf. Mit Wehmut erinnert sich Meinolf an den verregneten 30. September 1982, als er bei einer Solidaritätskundgebung für den vor Ablösung stehenden Kanzler vor Mitgliedern der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in Bonn sprach. „Auch als Kanzler hat Schmidt nie aus den Augen verloren, dass die SPD eine mit den Gewerkschaften verbundene Arbeitnehmerpartei war, die Politik für die hart arbeitenden Menschen in unserem Land machen wollte und machen musste. Schmidt hätte sich nie wie seine sozialdemokratischer Nachfolger Gerhard Schröder als Genosse der Bosse gesehen und dargestellt.“ 


Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 in Hamburg geboren. Sein Vater Gustav arbeitete sich vom Hafenarbeiter zum Volksschullehrer hoch. Schmidt besuchte die reformpädagogische Lichtwerkschule und studierte später Volkswirtschaft. Als Wehrmachtsoffizier nahm er am 2. Weltkrieg teil und heiratete seine Jugendliebe Hannelore (Loki) Glaser. Mit ihrem Lehrerinnen-Gehalt ermöglichte seine Frau Loki Helmut Schmidt nach dem Krieg sein Volkwirtschaftsstudium und damit den Beginn seiner beruflichen und politischen Karriere, die in der Hamburger Stadtverwaltung und als Vorsitzender des Sozialistischen Studentenbundes begann. 1953 zog Schmidt erstmals für die SPD in den Bundestag ein. 1961 wurde zum Hamburger Innensenator berufen. Während der Großen Koalition (1966-1969 führte er die SPD-Bundestagsfraktion. Nach der Bildung der sozialliberalen Koalition (1969) wechselte er als Minister für Verteidigung, Wirtschaft und Finanzen ins Bundeskabinett. Nach dem Rücktritt Willy Brandts trat er 1974 dessen Nachfolge als Bundeskanzler an. Seine Amtszeit wurde von der Öl- und Wirtschaftskrise, von der Nato-Nachrüstungsdebatte und vom Terror der RAF beherrscht. Nach dem Ende seiner Kanzlerschaft war Schmidt ab 1983 Mit-Herausgeber der Hamburger Wochenzeitung die Zeit. Fünf Jahre nach seiner Frau Loki starb Helmut Schmidt im Jahr 2015.

Samstag, 22. Dezember 2018

Kumpel-Qualitäten

Was sich jetzt auf der nationalen Ebene vollzogen hat, der Ausstieg aus der Steinkohle-Förderung, hat Mülheim längst hinter sich. 1966 war die Stadt, in der noch um 1900 3000 Kumpel den Lebensunterhalt für ihre Familien verdienten, als erste des Ruhrgebietes zechenfrei.

Als letzte Zeche der Stadt machte am 29. Juli 1966 die Heißener Zeche Rosenblumendelle dicht. Damals waren es keine ökologischen, sondern ausschließlich ökonomische Gründe, die zum Niedergang des Bergbaus geführt hatten. Dem Öl und der Atomkraft schien damals die energiepolitische Zukunft zu gehören.

Die Ölkrise der 1970er Jahre und AKW-Unglücke in Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) haben die Menschheit eines Besseren belehrt, auch wenn viele diese Lehren noch nicht beherzigen wollen.

Mülheim hat, anders als andere Ruhrgebietsstädte, keinen alten Förderturm mehr. Schade. Hier erinnern nur Straßennamen wie Sellerbeckstraße, Wiescher Weg, Rosendeller Straße oder Erbstollen und natürlich die alte Bergmannssiedlung an der Mausegatt- und an der Kreftenscheerstraße an die Mülheimer Bergbautradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Am Siedlungseingang erinnern unter anderem Bergmannswerkzeuge, Kohlenloren und eine vom Mülheimer Künstler Jochen Leyendecker geschaffene Bergmanns-Statue an die Geschichte des Schwarzen Goldes. Auch der von Heinz Wilhelm Auberg geleitete Mülheimer Arbeitskreis für die bergbauhistorischen Gedenkstätten im Ruhrrevier hält die Erinnerung an Mülheims Zechen mit Gedenktafeln und zuletzt mit einer vom Stadtarchivar Dr. Kai Rawe konzipierten Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte lebendig.

Herbert Groenemeyer hat Recht, wenn er in seinem "Bochum"-Lied unter anderem singt: "Deine Kohle hat uns wieder hoch gebracht." Dennoch besteht, anders als in aktuellen Festreden zum Kohle-Aus kein Grund zur Romantisierung. Trotz einiger Leuchtturm-Projekte hat die ehemalige Kohle-Region Ruhrgebiet auch 60 Jahre, nachdem der Niedergang des heimischen Steinkohlenbergbaus begonnen hat, den wirtschaftlichen Strukturwandel immer noch nicht bewältigt.

Auch die, zugegeben gutbezahlte Arbeit der Bergleute, die im Steigerlied wunderbar besungen wird, war kein bisschen romantisch, sondern schwer, dreckig und gefährlich. Aber sie hat die Kumpel eine Solidarität gelehrt, von der auch unsere post-industrielle Gesellschaft nur lernen kann, wenn sie es denn wirklich will. Insofern kann man dem Vorsitzenden der Gewerkschaft für Bergbau, Energie und Chemie, Michael Vassliadis, nur zustimmen, der gestern anlässlich der letzten Schicht auf Proper Haniel in Bottrop gesagt hat: "Dieses Land braucht wieder mehr Kumpel-Kultur!" Ohne eine solche "Kumpel-Kultur" wird unsere Gesellschaft, in der schon jetzt so viele Menschen vereinsamen oder zu egoistischen Einzelkämpfern erzogen werden, ihre Menschlichkeit verlieren. Wünschen wir uns also allen auch für die Zukunft "Glück auf" und denken dabei an die Mahnung, die Papst Johannes Paul II. im Mai 1987 auf Prosper Haniel in Bottrop aussprach: 

"Unverschuldete Arbeitslosigkeit wird zum gesellschaftlichen Skandal, wenn die zur Verfügung stehende Arbeit nicht gerecht verteilt und der Ertrag der Arbeit nicht auch dazu verwandt wird, neue Arbeit für möglichst alle zu schaffen. Hier ist die Solidarität aller gefordert, derjenigen, die über Kapital und Produktionsmittel verfügen, wie auch aller, die bereits Arbeit haben."

Das Steigerlied

Freitag, 21. Dezember 2018

Auferstanden aus Ruinen


Heute warten die Mülheimer auf die Wiedereröffnung des Tersteegenhauses. Vor 60 Jahren freuen sie sich über die Wiedereinweihung der Petrikirche. „Dieser Tag ist nicht nur ein Festtag für die Mülheimer Gemeinde, sondern ein Festtag für alle Gemeinden des Landes. Denn die uralte Petrikirche ist ein Zeichen dafür, dass hier an diesem Ort Menschen schon vor über 1000 Jahren Gott angebetet und an ihn geglaubt haben“, sagt der damalige Präses der rheinischen Landeskirche, Joachim Beckmann, am 21. Dezember 1958.

Auch jenseits der evangelischen Konfession freuen sich an diesem 4. Adventssonntag alle Mülheimer darüber, dass die Petrikirche nach 15 Jahren wieder zu einem funktionstüchtigen Gotteshaus und zu einem Wahrzeichen für den Wiederaufbau der Stadt geworden ist. „Die Petrikirche ist ein Gemeinschaftswerk Mülheimer Bürger aller Konfessionen“, betont der Presbyteriumsvorsitzende der damaligen Evangelischen Altstadtgemeinde, Walter Sänger, als ihm Präses Beckmann an diesem denkwürdigen Tag symbolträchtig die Schlüssel der Petrikirche überreicht.

Rückblende: In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 geht die Petrikirche mit den Häusern der Altstadt im Bombenhagel der 500 britischen Kampfflugzeuge unter. Nach dem Luftangriff steht nur noch die Umfassungsmauer des Gotteshauses, einige Pfeiler und ein Stumpf des vormals windschiefen Kirchturms. Weil die Petrikirche nicht die einzige Luftkriegsruine ist und in der Stadt erst mal das Überleben organisiert werden muss, beginnt man mit dem Wiederaufbau der Petrikirche erst 1949. „Die Glocken rufen auch dich!“ appelliert die Evangelische Altstadtgemeinde 1950 an die Spendenbereitschaft der Mülheimer. Die Bitte bleibt nicht unerhört. Die Hälfte der Wiederaufbaukosten von 900.000 D-Mark werden durch Spenden aus der Bürgerschaft aufgebracht. Auch der Erlös einer Altstadt-Kirmes trägt zur Finanzierung des Wiederaufbaus bei. Als man im Januar 1957 das kupferne Spitzdach mit dem alten Wetterhahn aus dem Jahr 1581 wieder auf der Spitze des 70 Meter hohen Petrikirchenturms sieht, wissen die Mülheimer, dass ihr gemeinsamer Kraftakt eine Erfolgsgeschichte wird. Und als der damalige Oberbürgermeister Heinrich Thöne am drei Tage vor dem Weihnachtsfest 1958 sagt: „Die Petrikirche ist ein echtes Christgeschenk“, spricht er allen seinen Mitbürgern aus dem Herzen. (T.E.)    
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Die Ursprünge der Petrikirche, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts eine evangelische Kirche reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Vor ihrer Zerstörung im Kriegsjahr 1943 war der Turm der Petrikirche windschief. Daran erinnern die Mülheimer Karnevalisten bis heute mit ihrer 1974 gestifteten Auszeichnung „Ritter vom windschiefen Turm“. Im Zuge ihres Wiederaufbaus, der vom Architekten Professor Bonvier und vom damaligen Mülheimer Baudezernenten Paul Essers geleitet wurde, erhielt das Langhaus der Petrikirche eine hölzerne und kassettierte Flachdecke. In den Nachkriegsjahren, in denen die evangelische Petrikirche und die katholische Marienkirche wiederaufgebaut werden mussten, nutzten evangelische und katholische Christen den 1930 errichteten Altenhof für ihre Gottesdienste. Nach dem Fest-Gottesdienst vom 21. Dezember 1958 wurde die Wiedereinweihung der Petrikirche mit einem Fest in der Stadthalle gefeiert.

Dienstag, 18. Dezember 2018

Pädagogische Seelsorge

Die Seelische Gesundheit und Hilfe für psychisch kranke Menschen gehören zu den Kernaufgaben der Caritas. Teil der vor- und nachsorgenden Arbeit, die von Nicole Meyer und ihren Kollegen von der Psychologischen Beratungsstelle leisten, ist das Schulprojekt "Verrückt, na und!?" Hauptamtliche Experten der Caritas und persönliche Experten, die aus eigner Erfahrung wissen, welche Folgen zum Beispiel eine Depression für das Leben mit sich bringt, leisten in neunten Klassen Aufklärungsarbeit in Sachen seelischer Gesundheit.
Das Projekt, von dem bisher Neuntklässler der Mülheimer Realschulen und der Karl-Ziegler-Schule profitieren konnten, stand zum Jahresende finanziell auf der Kippe. Jetzt konnten Nicole Meyer und die für Kinder, Jugend und Familie zuständige Fachdienstleiterin, Katja Arens, allen Beteiligten die erfreuliche Botschaft überbringen, dass es weitergeht und demnächst auch die Neuntklässler der Hexbachtalschule einbezogen werden können.
Die Mülheimer Bürgerstiftung, der Lionsclub Mülheim an der Ruhr Hellweg und der Förderkreis für die ambulanten sozial-psychiatrischen Dienste der Caritas machen es möglich. Sie teilen sich eine Summe von 12.000 Euro, die das Projekt für drei weitere Jahre absichert. Darüber hinaus kommen noch mal 4000 Euro aus dem Caritas-Etat und 100 Euro pro Projekttag aus einem Förderprogramm der Barmer Ersatzkasse. Sie fördert das 2001 vom Leipziger Verein "Irrsinnig menschlich" entwickelte Projekt bundesweit.
"Ich habe mir einen solchen interaktiven Projekttag zum Thema seelische Gesundheit an der Realschule Stadtmitte angeschaut und war von seiner nachhaltigen Wirkung auf die Jugendlichen begeistert. Hier wird Jugendlichen ein schwieriges Thema auf eine sehr leichte und fast spielerische Weise nahegebracht", erzählt der Vorsitzende der Mülheimer Bürgerstiftung, Patrick Marx. "Wir unterstützen das Projekt gerne, weil es in der wichtigen Phase der Pubertät vorbeugende Aufklärungsarbeit leistet und dafür sorgt, dass Jugendliche erst gar nicht in einer Depression abrutschen oder unter den Folgen einer Depression im Elternhaus selbst seelisch krank werden", sagt der Präsident des Lionsclub Mülheim an der Ruhr Hellweg, Carsten Küpper. Und für Hans-Theo Horn vom Förderkreis für die ambulanten sozial-psychiatrischen Dienste der Caritas, ist eine Förderung des Aufklärungsprojektes ein wichtiger Beitrag dazu, "die Menschen in unserer Leistungsgesellschaft für eine Volkskrankheit zu sensibilisieren, die man anders, als bei einer geistigen oder körperlichen Behinderung eben nicht sofort sieht und einschätzen kann."
"Nach jedem Projekttag, an dem wir mit den Jugendlichen das Thema seelische Gesundheit und psychische Krankheit besprechen, kommen ein oder zwei Schüler, die persönlich oder durch ihre Eltern betroffen sind, zu uns, so dass wir ihnen weitergehende Hilfe und Unterstützung anbieten können", berichtet Nicole Meyer. Besonders beeindruckt sie, "wie wertschätzend und interessiert alle Schüler mit den persönlichen Experten umgehen, die sich öffnen und ihre eigene Geschichte erzählen, um ihnen zu zeigen, wie man Hilfe bekommen und eine seelische Erkrankung überwunden kann."

Dieser Text erschien am 14. Dezember 2018 im Lokalkompass & in der Mülheimer Woche

Sonntag, 16. Dezember 2018

Heino statt Heine

"Weißt du wer heute Geburtstag hat?" fragt mich meine Schwester? Ich schaue auf den Kalender. Donnerstag, der 13. Dezember. Bei uns in der Familie hat doch niemand im Dezember Geburtstag? "Ach, so! Heinrich Heine!" meldet sich mein germanistisches Unterbewusstsein. Doch das Schwesterherz schüttelt nur mitleidig den Kopf und klärt mich auf: "Heino!" Natürlich. Ich hätte es wissen müssen. Meine Schwester ist der größte Fan, den sich der Sänger Heino, Sie wissen schon: "Schwarz-braun ist die Haselnuss" oder "Ja, Ja die schwarze Barbara." Oder sollten Sie es etwa nicht wissen oder verdrängt haben, weil Sie zu den Zeitgenossen gehören, die Heino niemals hören oder dies zumindest nie zugeben würden. Ich muss zugeben. Auch in unserer Familie scheiden sich die Geister an dem vielseitigen und geschäftstüchtigen Sänger, der auf seine alten Tage auch schon mal die Genres gewechselt hat, wie andere Leute ihre Unterhosen. Wie dem auch sei. Meine Schwester hat inzwischen alle CDs und LPs, die dieser Mann jemals veröffentlicht hat. Was für uns langsam zum Problem wird. Denn was sollen wir ihr zu Weihnachten schenken. Heino ging immer. Aber langsam wird's eng. Denn sie hat ja schon alles von Heino. 

Falls Heinos Privatarchiv mal abbrennen sollte, könnte er problemlos auf die Bestände meiner Schwester zurückgreifen. Derweil haben wir schon versucht, das musikalische Interesse meiner Schwester auf andere Sänger zu lenken. Wie wäre es zum Beispiel mit Freddy Quinn? Alter und Stimmlage würden passen. Doch bei meinem Schwesterherz geht eben nichts über Heino, weil er mit seinen eingängigen deutschsprachigen Texten eben ihr Herz berührt, so wie andere die Verse von Heinrich Heine. Wir wünschen Heino in unserer Familie, unabhängig von unserem persönlichen Musikgeschmack, zu seinem 80. Geburtstag auf jeden Fall alles Gute und ein langes Leben. Für uns muss Heino einfach weitersingen, damit uns die Weihnachts- und Geburtstaggeschenke für meine Schwester nicht ausgehen. Also Heino. Halte durch!

Dieser Text erschien am 15. Dezember 2018 in der NRZ

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Das Kind im Manne

Der Adventsbesuch bei einem Freund ließ mich staunen. So romantisch hätte ich ihn gar nicht eingeschätzt. Aber der Mann, der in seinem Berufsleben als Jurist und Ökonom mit Zahlen und Paragrafen arbeitet, hat seine Wohnung schon 14 Tage vor dem Heiligen Fest weihnachtlich durchdekoriert. Sogar der elektrisch beleuchtete Weihnachtsbaum strahlt schon in seinem Wohnzimmer. Nur das Krippenteam der Heiligen Familie, nebst Ochse, Esel, Hirten und den Heiligen Drei Königen hat er sich, so viel biblische Authentizität muss auch im Zeitalter des pluralistischen und säkularen Relativismus sein, hat er sich für die Weihnachtstage aufgehoben. Doch schon jetzt wird der vorweihnachtliche Glanz in seiner ansonsten kleinen, modernen  und nüchternen Wohnung noch getoppt von seiner Modelleisenbahn, die am Fuß des Christbaums ihre Runden dreht. „Ein Weihnachtsgeschenk aus Kindertagen, als ich noch Lokomotivführer werden wollte“, verriet er mir.

Man(n) sieht. Auch gestandene Herrn im besten Alter sind und bleiben in ihrem Herzensgrund kleine Jungs. Denn sie wissen instinktiv, was die Schriftstellerin Mirjam Preissler einmal so beschrieben hat: "Nimm deine Kindheit und lauf. Eine andere kriegst du nicht!"

Dieser Text erschien am 12. Dezember 2018 in der NRZ

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Wohnung wechsel dich

"Ich habe es keine Sekunde lang bereut", sagt die 87-jährige Renate Sommer, wenn man sie nach ihrem Umzug von einem Einfamilienhaus im Rumbachtal in eine Wohnung im Ruhrquartier fragt. 2009 sah die Mutter, Pädagogin und Politikerin den Zeitpunkt für gekommen, sich altersgemäß kleiner zu setzen. Weil sie ihr Haus, in dem sie fast vier Jahrzehnte mit ihrer Familie gelebt hatte, "gut verkaufen konnte", konnte sie im Ruhrquartier Wohneigentum erwerben.

Dass sie ihre Wohnfläche damals auf 120 Quadratmeter verkleinerte, kam der inzwischen allein lebenden Seniorin gerade recht. Auch der Ortswechsel vom Rumbachtal in die Innenstadt war für sie eine gute Entscheidung. Die Wege zur Stadthalle, zum Museumsshop auf der Schloßstraße, in dem sie ehrenamtlich mitarbeitet, zum Einkaufen, zum Rathaus, zum nächsten Restaurant oder zum Arzt oder zur Apotheke sind für sie fußläufig geworden. 


Aus den Fenstern und vom Balkon ihrer Dachgeschosswohnung schaut sie einerseits auf die Ruhr, auf die Schloßbrücke und auf die Stadthalle und andererseits auf das neu entstehende Stadtquartier Schloßstraße. "Wenn das Quartier mit Einzelhandel, Hotel, betreuten Wohnungen, Gastronomie und Sportangeboten fertig sein wird, wird es zusammen mit dem O die gesamte Schloßstraße und mit ihr die Innenstadt wiederbeleben", ist sich Sommer sicher. Vor allem hofft sie auf einen Supermarkt im neuen Stadtquartier, damit die Wege zum täglichen Einkauf kürzer werden. Denn zurzeit finden Sommer und ihre Nachbarn den nächsten Supermarkt erst im Forum.



Auch wenn sich Sommer verkleinert hat, konnte sie aufgrund des günstigen Zuschnitts ihrer Wohnung die meisten Möbel aus ihrem Haus im Rumbachtal mitnehmen. Nur ihre alte Küche ließ sie zurück. Zwei Bücherregale und ihre Schreibtischecke ließ sie aufgrund der Dachschrägen in ihrer neuen Wohnung neu anfertigen. Ein Aufzug und ein ebenerdiger Hauszugang bescheren Sommer einen barrierefreien Zugang zu ihrer Wohnung. Dort hat sich die in Goslar geborene Wahl-Mülheimerin auch ein barrierefreies Bad einrichten lassen. Allerdings fallen im Flur ihrer Wohnung zwei Stufen auf, die der alten Architektur des ehemaligen städtischen Kunstmuseums geschuldet sind.

Ironie der Geschichte. Die ehemalige Vorsitzende des Kulturausschusses wohnt heute in den ehemaligen Magazinräumen des alten städtischen Kunstmuseums. Doch die beiden Stufen kann Sommer mit zwei Haltegriffen und bei Bedarf auch mit einer Rampe barrierefrei überwinden.

Tut es der Kulturliebhaberin nicht in der Seele weh, dass mit dem ehemaligen Stadtbad und dem ehemaligen Kunstmuseum öffentliche Räume in private Wohnräume umgewandelt worden sind. "Nein", betont die ehemalige Ratsfrau. Und begründet das so: "Das 1994 in die Alte Post umgezogene Kunstmuseum der Stadt und das 1998 aus technischen und finanziellen Gründen geschlossene Stadtbad hatten dafür gesorgt, dass sich das vor mehr als 100 Jahren mit Geldern der Familie Thyssen errichtete Ursprungsgebäude in seiner damaligen Funktion erübrigt hatte. Deshalb brauchte es eine neue sinnvolle Nutzung. Außerdem habe ich mich damals nicht umsonst für ein neues Kunstmuseum mit Klimaanlage eingesetzt."

Dieser Text erschien am 11. Dezember 2018 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Dienstag, 11. Dezember 2018

Wie im Wilden Westen

"Mama sagt: Nun wird es Zeit, du brauchst 'nen Mann. Und zwar noch heut. Nimm gleich den von nebenan, denn der ist bei der Bundesbahn." So sang Gitte Henning 1963, als die Deutsche Bahn noch ein Staatsbetrieb war. Damals war auf die Bundesbahn noch Verlass und die Pünktlichkeit ihrer Züge ein ehernes Gesetz. Mehr als ein halbes Jahrhundert und eine Privatisierung später, ist davon nichts mehr geblieben. Wer als Berufspendler mit der Deutschen Bahn unterwegs sein muss, weiß davon ein Klagelied zu singen. Sicher. Die Bahn kommt. Nur wann? Das ist die Frage, die man sich als Pendler immer wieder stellen muss, während man am Bahnsteig wartet und friert und sich die nächste Entschuldigung für seine Verspätung zurecht legt oder mit sich selbst  verhandelt, ob man im Interesse der Pünktlichkeit auf die teure Mobilitätsalternative Taxi umsteigen soll. Jeder Handwerker, der an seiner Baustelle fuscht, muss mit Lohnabzug oder Regressansprüchen rechnen. Nur die Vorstände der Deutschen Bahn bekommen weiter ihre unverdient hohen Bezüge und die Eisenbahner-Gewerkschaft fordert mit einem Streik auf Kosten ihrer Fahrgäste erst mal einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle, ehe sie auch nur ein Wort darüber verlieren, wie sie die Arbeitsbedingungen und die Dienstleistung der Deutschen Bahn verbessern wollen. Da versteht man, dass Gitte Henning keinen Mann von der Bundesbahn, sondern lieber einen Cowboy haben wollte, der im Zweifel auf sein schnelles Pferd zurückgreifen konnte, um sein Ziel pünktlich zu erreichen und zur Not seinen berechtigten Forderungen mit einem Colt Nachdruck verleihen und Wegelagerern einen Strich durch ihre Rechnung zu machen.
Dieser Text erschien am 11. Dezember 2018 in der NRZ

Montag, 10. Dezember 2018

Am Puls der Zeit

Jetzt weiß ich auch, warum die Grünen immer so tolle Umfrage- und Wahlergebnisse haben. Sie haben einfach den Finger am Puls der Zeit. Den jüngsten Beweis dafür lieferte jetzt die stellvertretende Vorsitzende der NRW-Landtagsfraktion, Josefine Paul. Die Politikerin, die sich als Historikerin mit historischen und legendären Gestalten auskennt, fordert die Abschaffung des Knecht Ruprecht. Der Mann, der ungezogenen Kindern mit Strafe drohe, sei einfach nicht mehr zeitgemäß. Just am Samstag durfte ich in Broich eine Nikolausfeier, ohne Knecht Ruprecht, erleben. Ob die Veranstalter sich den Rat der Grünen-Politikerin zu Herzen genommen haben, oder ob der ungeliebte strenge Mann einfach nur der Erkältungswelle zum Opfer gefallen war, ließ sich nicht herausfinden. Allerdings war der unbegleitete Nikolaus auch so Manns genug, um einem dann auch reumütigen Knirps klar zu machen, dass er ihm nur dann die gut gefüllte Nikolaustüte aushändigen werde, wenn er künftig seine Schwester nicht mehr hauen und an den Haaren ziehen werde. Da wurde dem reifen Knirps im Publikum klar, dass sich so manche kindliche Untugenden über die Generationen hinweg im Goldenen Buch des Nikolaus' zu halten scheinen, ob mit oder ohne Knecht Ruprecht. Dennoch würde man so manchem ungezogenen Menschenkind, das seinen Mitmenschen generationsübergreifend das Leben zur Hölle macht, den regelmäßigen Besuch von Knecht Ruprecht wünschen.

Dieser Text erschien am 10. Dezember 2018 in der NRZ

Samstag, 8. Dezember 2018

Lichtblicke im Advent

Es gibt sie noch, die Lichtblicke in der Innenstadt. Gerade dann, wenn alle Marktstände aufgehoben, alle Weihnachtreffhütten und Geschäfte geschlossen sind, macht sich in der Stadtmitte eine besonders besinnliche Stimmung bereit, die dem Advent angemessen ist. Denn die Beleuchtung, die Peter Stermann und seine Kollegen von der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft MST installiert haben, entfaltet als Licht in der Dunkelheit in den späten 
Abendstunden ihre erhellende Wirkung auf das Gemüt des Flaneurs, der wie der Weihnachtsengel auf Tante Millas Christbaumspitze in Heinrich Bölls Satire "Nicht nur zur Weihnachtszeit" ausrufen möchte: "Friede!" Eigentlich schade, dass es solche abendliche Lichtblicke in der Stadtmitte nur während der Adventszeit gibt. Aber danach müssen wir wohl wieder selbst verstärkt für die Erhellung, der Innenstadt sorgen, in dem wir zum Beispiel nicht im Netz oder im auswärtigen Einkaufszentrum auf der grünen Wiese, sondern bei den Einzelhändlern unser Geld ausgeben, die ihre Steuern in unserer Stadt bezahlen und damit nicht nur unsere Innenstadt am Laufen und am Leben halten.

Dieser Text erschien am 8. Dezember 2018 in der NRZ

Freitag, 7. Dezember 2018

Quo vadis Pflege?

Schon heute fehlen nach Angaben der Bundesregierung in Deutschland 25.000 Pflegefachkräfte. Gleichzeitig werden 68 Prozent der derzeit 3 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland in ihrer Familie von Angehörigen gepflegt. Der Pflegebedarf wächst mit der Alterung unserer Gesellschaft. In Mülheim an der Ruhr sind fast 30 % der Menschen älter als 60 Jahre. Dass viele Menschen bis ins hohe Alter aktiv und sehr oft bürgerschaftlich engagiert sind, ist für unsere Stadt ein Glücksfall. Gleichzeitig stellt die Versorgung hochaltriger Menschen durch eine gute Altenpflege alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Das Wort vom Pflegenotstand macht die Runde. Es fehlen überall im Land Fachkräfte, die diese Versorgung übernehmen. Die Aktiven der Dialog-Offensive Pflege, das Mülheimer Bündnis der Menschen, die sich für die Würde und Lebensqualität Pflegebedürftiger und der sie Pflegenden einsetzt, lädt am 12. Dezember in der Zeit von 10 bis 16 Uhr in den Altenhof an der Kaiserstraße ein, sich gemeinsam zu diesem Thema zu beraten. Was an diesem Tag stattfinden wird, erläutert Jörg Marx, Sozialplaner und Projektentwickler im Sozialamt der Stadt, der die Dialog-Offensive Pflege von Beginn an begleitet.
 
Herr Marx, wen wollen Sie mit Ihrem Fachtag zum Thema Fachkräftemangel in der Pflege ansprechen?
Eingeladen sind pflegebedürftige Menschen und Menschen die hauptberuflich oder als Angehörige pflegen, aber auch alle, die an dem Thema interessiert sind.
Warum sollte man zu Ihrem Fachtag kommen?
Wir möchten mit den Teilnehmenden Ideen sammeln und nach Lösungen suchen, was sich in Sachen Pflege verändern muss, damit es allen Beteiligten besser geht. Wir fragen uns: „Wie werden wir in Mülheim dem enormen Pflegebedarf gerecht?“ Das Ziel besteht darin, gemeinsam tragfähige Lösungen für unsere Stadt zu finden und noch mehr Menschen in unsere Dialog-Offensive Pflege einzuladen.
Wer steht hinter der Dialog-Offensive Pflege und was ist ihr Ziel?
Die 2010 gegründete Dialog-Offensive Pflege ist eine Initiative von Mülheimer Bürgerinnen und Bürgern sowie Pflege-Profis. Unser Ziel ist der menschenwürdige Umgang mit Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen, ehrenamtlich Tätigen und professionell Pflegenden. Die Dialog-Offensive Pflege ist aus der Kommunalen Konferenz für Alter und Pflege hervorgegangen und agiert eigenständig. Sie möchte dafür sorgen, dass die Menschenwürde und die Lebensqualität von Pflegenden und Pflegebedürftigen gewahrt bleibt.
Wer ist der Kooperationspartner und Ko-Gastgeber der Dialog-Offensive beim Pflegefachtag?
Der Verein Wir pflegen NRW e.V. ist eine Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für pflegende Angehörige in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam wollen die Mitglieder des Vereins die Anliegen der pflegenden Angehörigen in die Pflegegremien und an die Politik tragen, um ihre Rechte zur Unterstützung in der Familienpflege zu stärken. Der Verein sagt zurecht: Pflegende Angehörige haben ein Recht auf mehr Anerkennung ihrer Leistungen in allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen.
Was macht Sie und ihre Mitstreiter so sicher, dass man auf kommunaler Ebene dem Fachkräfteproblem begegnen kann?
Viele Menschen weichen aus verständlichen Gründen diesem schwierigen Thema aus oder haben Angst davor, sich damit zu befassen. Die Menschen, die sich mit uns für eine menschenwürdige Pflege einsetzen sind mutig und zuversichtlich und sehen die Chancen die wir haben, wenn wir uns gemeinsam für ein selbstbestimmtes Leben im Alter einsetzen. Sie verschließen nicht die Augen und ducken sich nicht weg. Das, was wir selbst tun können, um die Attraktivität und Anerkennung der Pflegeberufe zu stärken, wollen wir gemeinsam tun und nicht tatenlos darauf warten, bis sich diejenigen bewegen, die hierzu von Amts- oder Berufswegen verpflichtet sind. Unser Ziel ist es ja auch, dass wir uns an diesem Fachtag gegenseitig stärken und ermutigen, in dem wir uns persönlich kennenlernen und damit erfahren, wie es den jeweils anderen geht. Ich wünsche mir, dass am 12.12. viele kommen und wir lebhaft und voller Zuversicht ins Gespräch kommen. Frei nach dem Motto „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“.
Lokalkompass & Mülheimer Woche, 6. Dezember 2018

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Neue Stadtteilmanagerin für Eppinghofen

Die 26-jährige Geografin Lena Spörl ist neue Stadtteilmanagerin in Eppinghofen. Damit tritt die gebürtige Fränkin die Nachfolge Alexander Grüter. "Dass die vorhandenen Netzwerke und Projekte weiterhin so gut funktionieren und vielleicht auch noch ausgebaut werden können", hat sich die Neue im Stadtteilbüro an der Heißener Straße 16-18 vorgenommen.
So ganz neu ist Spörl in Eppinghofen gar nicht. Denn sie lebt mit ihrem Freund, den sie während des Studiums in Bayreuth kennen lernte, bereits seit 2015 in Mülheim. Außerdem hat sie sich im Rahmen eines Praktikums und im Rahmen ihrer Examensarbeit mit der multikulturellem Stadtteil Eppinghofen und dem Bild, dass sich die Mülheimer in und außerhalb des Nordstadtviertels von Eppinghofen machen, auseinandergesetzt.
"Eppinghofen hat ein Müllproblem, dass aber bereits entschärft werden konnte, wird aber auch mit seinem Einzelhandel und seiner Gastronomie als vielfältiger Stadtteil wahrgenommen", beschreibt Spoerl den Spannungsbogen im Bild von Eppinghofen. Der neuen Stadteilmanagerin, die zurzeit vor allem tingelt, klingelt und Klinken putzt, um an die guten Kontakte ihrer Vorgängerin anzuknüpfen, gefällt vor allem das Dichterviertel "mit seinen vielen Häusern aus der Gründerzeit." Doch noch besser als die Architektur, gefallen Spörl "die Menschen in Eppinghofen, die immer wieder gerne bereit sind sich für ihren Stadtteil einzusetzen und mit anzupacken.
In dieser Woche hat sie im Stadtteilbüro an der Heißener Straße bereits ein erstes Interessenten-Gespräch zum Thema Bürgergärten geführt. Und in der kommenden Woche stehen ein Eltern-Kind-Frühstück und ein erstes Vorbereitungsgespräch für die im kommenden Frühjahr geplante Epinghofer Werkstattwoche statt.
Immer wieder mittwochs nimmt sich Lena Spörl von 11 bis 13 Uhr Zeit, um die Anliegen der Menschen aufzunehmen und zu bearbeiten. Erreichbar ist Lena Spörl, die in ihrer Freizeit gerne Postkarten aus aller Herren Länder verschickt oder selbst bekommt, per Mail an: lena.spoerl@muelhim.ruhr.de oder unter ihrer Rufnummer: 0208-455-5192.
Dieser Text erschien am 6. Dezember 2018 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Mülheim zu Kaisers Zeiten

  Mit der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. im Schloss von Versailles wurde vor 150 Jahren der erste deutsche Nationalsta...