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Es werden Posts vom Februar, 2020 angezeigt.

Ganz schön erbaulich

"Wir möchten die Familien hier in Styrum mit der Liebe Gottes in Berührung bringen", sagt Jugendpastor Holger Sielemann mit Blick auf die Arbeit der an der Mittelstraße 14 ansässigen evangelischen Andreas-Gemeinde. Das klingt fromm und hat an diesem Wochenende ganz konkrete Folgen. Denn die Gemeinde verwandelt ihren Kirchenraum, in dem sonntags um 10.30 Uhr Gottesdienste gefeiert werden, in eine Holzbauwelt, um Eltern und ihren Kindern eine gemeinsame und schöne Zeit zu schenken. 50 Eltern und ihre Kinder gehen gemeinsam ans Werk. Sie nehmen sich Zeit fürs kreative Werkeln und sie nehmen sich vor allem Zeit für einander. Smartphones und Tablets haben Pause. Stattdessen verbauen kleine und große Holzhandwerker insgesamt 45.000 Kappler-Steine. Gebaut wird ganz ohne Werkzeuge. Die flachen Holzbausteine lassen sich einfach zusammenlegen und entwickeln im fertigen Bauwerk eine erstaunliche  Stabilität.  Gemeindepraktikant Jannik Goseberg, Pastor Nepomuk Planitzer und Jugendpastor…

Nicht so hastig

Die aktuelle Berichterstattung über die Sechsjährigen, die jetzt schon als Fünfjährige die Schulbank drücken müssen, weil sie zu früh sechs Jahre alt werden, hat mich daran erinnert, dass ich selbst erst mit sechs Jahren eingeschult wurde und ein Jahr länger, als vorgesehen die Schulbank gedrückt habe. Irgendwie war ich immer schon spät dran. Und dennoch habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Überfüllte Klassen, überforderte Lehrer, überfüllte Arbeitsmärkte, überzogene Leistungsanforderungen, unterirdische Arbeitsbedingungen, hochfliegende Pläne und brutale Bruchlandungen. All das und das Gegenteil davon habe ich, nach meinem Gefühl, noch früh genug erlebt. Auch wenn wir heute in der digital beschleunigten Welt mit dem permanent schlechten Gewissen leben, nicht früh und schnell genug auf der Höhe der Zeit zu sein und deshalb zu spät zu kommen, lehrt mich meine Lebenserfahrung, dass jeder, jede und alles seine Zeit hat und wir gerade dann gut daran tun, uns Zeit zu nehmen,…

Aus der Traum?

„Siehe da. Auch ein Flugkapitän fährt mit der Deutschen Bahn.“ So dachte ich gestern, als mir am Hauptbahnhof, ein entsprechend uniformierter Vertreter dieser hochfliegenden Berufsgruppe an diesem profanen und in Teilen daniederliegenden Ort entgegenkam. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass der vermeintliche Flugkapitän eine kleine Prinzessin an seiner Hand führte und gar kein Flugkapitän, sondern ein später Karnevalsjeck war, der mit seinem Nachwuchs am Veilchendienstag einem närrischen Last-Minute-Spaß entgegenging. Und was ist heute? Aschermittwoch! Aus der Traum? Alles vorbei? Muss das sein? Müssen wir jetzt in Sack und Asche gehen? Besser nicht. Mir klingt noch der Satz der Gast-Prinzessin aus Frechen-Bachem, Katja I. (Wallraf) im Ohr: „Glaubt an eure Träume und arbeitet an ihnen“, hatte sie die Jecken beim inklusiven Karnevalsfest in der Stadthalle aufgefordert. Gut gesagt und noch besser getan, auch nach Aschermittwoch, wenn noch lange nicht alles vorbei ist und der Er…

Unterwegs mit en närrische Nachwuchsregenten

Ohne Prinzessin Sarah-Katharina müssen die Kindertollitäten am Samstag das Finale des Saalkarnevals bestreiten. Denn die närrische Nachwuchsregentin liegt erkältet und fiebrig im Bett. Bei jedem ihrer sechs Auftritte nehmen Prinz Simon I., Pagin Celina und Page Serafino die besten Genesungswünsche mit. Alle Karnevalisten und Jecken drücken Sarah-Katharina die Daumen, dass sie beim Rosenmontagszug wieder mit von der närrischen Partie sein kann.


Zumindest mit ihrer Stimme auf dem Playback-Tonband ihrer Tanzshow mit den Liedern „Wir malen die Welt bunt an und lassen sie erstrahlen in Regenbogenfarben“ und: „Wir feiern das Leben“ ist Sarah-Katharina auch am Samstag mit dabei. Bevor am Nachmittag die erste Saalveranstaltung im Speldorfer Pflegeheim Marienhof auf dem Programm steht, chauffieren die beiden Adjutanten Christian Krebber und Sabine von Zitzewitz die kleinen Tollitäten zum Närrischen Biwak am Kurt-Schumacher-Platz. Beim regnerischen und fast vom Winde verwehten Auftritt vor dem F…

Grenzenloser Spaß an der Freude

Grenzenlose Lebensfreude im besten Sinne des Wortes konnte man am Freitagabend im Festsaal der Stadthalle erleben. Musik- und Tanz verbanden dort rund 420 Menschen mit und ohne Handicap. Nicht nur im grandios farbenfroh kostümierten Publikum, sondern auch bei den Akteuren auf der Bühne wurde deutlich, was möglich ist, wenn Menschen sich vor allem als Menschen sehen und sich deshalb vorbehaltlos aufeinander einlassen.


Bereits zum siebten Mal hatten sich der städtische Kulturbetrieb, der Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS) und die KG Mülheimer Stadtwache als Veranstalter aufeinander eingelassen und so den Inklusionskarneval in der Stadthalle möglich gemacht. Zwischen und Bühne und Parkett pendelten ein Show-Express und auch die eine oder andere Polonaise. Mal sorgten die Flotten Socken aus Essen, Cheerleader aus Duisburg und der Musikzug Oberhausen, mal die tanzenden Pottkids von der KG Mölm Boowenaan, die Stadtwächter-Showtanztruppen der Raudis und der New Generati…

Mülheimer Rosenmontag

Trotz Wind und Regen kamen mehrere 1000 Jecken zum Rosenmontagszug in die Innenstadt. Der Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval geht von rund 30.000 Zugbesuchern aus. Die Polizei spricht von rund 8000. Vor allem an der Kaiserstraße und an der Leineweberstraße standen die Jecken und Kamellejäger dicht beieinander. An den anderen  Abschnitten der Zugstrecke waren die Zuschauerreihen etwas lichter. Erstmals hatten sich auch im Tunnel an der Eppinghofer Straße schaulustige Jecken postiert. 


„Dass es an der Zugstrecke zu keinen besonderen Vorkommnissen kam“, nannte Chefkarnevalist Markus Uferkamp bei der Abschluss-Pressekonferenz in der Stadthalle „eine der erfreulichsten Nachrichten des Tages.“ Der stellvertretende Einsatzleiter des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Burger meldete sechs medizinische Hilfseinsätze, bei denen aber nur in einem Fall ein Notarzt einbezogen werden musste. Es handelte sich hierbei um Einsätze, die durch Alkoholeinfluss, Kreislaufstörungen und einen allergische…

Man(n) folgt dem weiblichen Vorbild

Petrus war am ersten der Tollen Tage gnädig mit den Jecken und Möhnen. Abgesehen von einigen Regentropfen am Mittag blieb es trocken und zwischendurch schien sogar die Sonne. Auf dem Rathausmarkt und auf dem Saarner Pastor-Luhr-Platz nutzten jeweils gut 200 närrische Frauen und Männer die Gunst der Stunde, um sich vom musikalischen und tänzerischen Bühnenprogramm in Karnevalslaune zu bringen. Auf beiden Plätzen beließen es die jecken Frauen und ihre männlichen Gesinnungsgenosssen nicht beim Zuhören, Klatschen und Mitschunkeln. Auf beiden Partymeilen starteten sie zwischenzeitlich zu einer Polonaise. Eine davon wurde in Saarn vom blau-weißen Schlagersänger Thomas Straßmann ("Ich bin kein Mann für eine Nacht!") angeführt. Er pendelte wie die Tollitäten zwischen der Stadtmitte und dem Saarner Dorf. "Die Gesangsshow der Tollitäten ist wirklich erfrischend und macht Lust auf den Sommer", fand die Saarnerin Tanja Brammer. Sie war mit ihren Freundinnen und Nachbarinnen Ni…

Fröhliche Frontfrau

Drei Fragen an die Mülheimer Stadtprinzessin Josephine Stchelhaus
Frage 1: Warum sollte man den Möhnensturm aufs Rathaus und die Altweiberparty auf dem Pastor-Luhr-Platz in Saarn auf keinen Fall verpassen?
!!! Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Mit diesen Veranstaltungen beginnt der Straßenkarneval – also der Höhepunkt in unserer Amtszeit. Ganz nach unserem Motto „Mülheim mit Jeck & Herz“ feiern die Mülheimer Karnevalisten gemeinsam die wohl schönste Zeit im Jahr. Diese Chance sollte sich kein Karnevalist entgehen lassen.
Frage 2: Was würden Sie als Regentin in unserer Stadt und in unserem Land gerne durchsetzen, wenn Sie die Macht dazu hätten?
!!! Wenn ich so drüber nachdenke, dann ist die Liste ganz schön lang. Das wichtigste Thema für mich ist allerdings die Gleichstellung aller Menschen. Jeder hat das Recht auf Gleichbehandlung und respektvollem Umgang. Natürlich würde ich als närrische Regentin dafür sorgen, dass der Karneval einen höheren Stellenwert bekommt. Ka…

Frohes Schaffen

Karneval macht Freude, aber auch viel Arbeit. Das sieht und begreift man sofort, wenn man die etwa 30 Frauen und Männer aus der Karnevalsgesellschaft Blau Weiß dabei beobachtet wie sie den Saal des Altenhofes in einen karnevalistischen Veranstaltungsort verwandeln. Manche arbeiten stundenweise mit. Andere sind ganztägig im Einsatz. Manche kommen vor oder nach der Arbeit vorbei. Andere nehmen sich Urlaub. 


Da wird die Bühne und der Elferratstisch aufgebaut. Da werden 19 Kilometer Kabel verlegt, die Mischpulte für die Ton- und Lichttechnik installiert und die Traverse-Gerüste aufgestellt und mit Bühnenscheinwerfern und Lautsprechern bestückt. Lampions und blau-weiße Fahnentücher müssen unter die Saaldecke gezogen werden.


Wenn hoch hinaus geht, kommt ein etwa fünf Meter hohes Rollgerüst zum Einsatz, das die 250 Mitglieder starke Karnevalsgesellschaft, die 1947 aus der Kolpingfamilie Broich-Speldorf hervorgegangen ist, eigens für diesen Zweck angeschafft hat. Und auch so scheinbar simple Di…

Als Bismarck zum Mülheimer ehrenhalber wurde

Den Bismarckturm auf der gleichnamigen Straße kennt in Mülheim jedes Kind. Doch dass der erste Reichskanzler Otto von Bismarck vor 125 Jahren zum Mülheimer Ehrenbürger ernannt wurde, wissen sicher nur wenige Mülheimer.
Abgesehen davon, dass Mülheim Teil des 1871 von Bismarck geeinten Deutschen Reiches war, hatte der sogenannte Eiserne Kanzler mit der Ruhrstadt nichts zu tun. Dass er dennoch am 19. Februar 1895 auf Vorschlag des damaligen Oberbürgermeisters Karl von Bock von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig zum Ehrenbürger Mülheims ernannt wurde, war eine politische Demonstration. Die bürgerlich-konservative Elite der Stadt wollte den Reichsgründer ehren, unter dem Deutschland einen wirtschaftlichen Aufstieg und die Einführung der Sozial- und Krankenversicherung erlebt hatte.

Viele, aber nicht alle Mülheimer feierten Bismarck, zum Beispiel mit Festbanketten. Denn Bismarck hatte als Kanzler zunächst die katholische Kirche und ihre Partei, das Zentrum und ab 1878 die 1863 aus der…

Lach mal wieder

In einer Seniorenresidenz kann man richtig Spaß bekommen. Die Schauspieler des Komödchen Sorglos treten mit ihrem neuen Stück "Resturlaub im Ladyhort" den Beweis dafür an. Am 29. Februar hat ihr 120-minütiger Dreiakter aus der Feder von Bernd Spehling um 15 Uhr im Theater der Alloheim-Seniorenresidenz im Wohnpark Dimbeck  an der Dimbeck 6 bis 12 Premiere.  "Das liegt uns und die Leute wollen mal lachen und abschalten", erklären die beiden Sprecher des Ensembles, Jürgen Loss und Dagmar Schauerte, warum das 1998 aus der Kolpingfamilie Broich-Speldorf hervorgegangene "Komödchen Sorglos" alle Jahre wieder seinem Namen Ehre und seinem Publikum Freude macht. Nach "Stress im Champus-Express" und: "Die Stepphühner" bringen die immer wieder mittwochs (von 20 bis 22 Uhr) im professionell ausgestatteten Theater an der Dimbeck probenden Komödianten bereits zum dritten Mal ein Stück des 1969 in Verden geborenen und heute bei Hannover lebenden Bernd…

Wenn es funkt

Am Samstagabend funkte es im Altenhof. 300 Jecken hatten bei der Funkensitzung ihren Spaß. „Ihr wart einfach ein geiles Publikum“, lobte Präsident Heino Passmann die farbenfroh kostümierten Jecken am Ende eines viereinhalbstündigen Marathons der guten Laune.
Waldgeist Andrea Jatzkowski, Micky-Maus Thomas Straßmann und Chiristian Becker, alias Lucky Luke, verdienten sich ein kleines mölmsches Flachgebinde, weil ihre Kostüme in den Augen der Elferräte die Originellsten waren. „Heute können wir hier noch mal ganz entspannt feiern, bevor wir in der kommenden Woche mit unserer eigenen Prunksitzung ranmüssen“, sagte Jörg Heise von der KG Blau Weiß. Er hatte mit einigen seiner Vereinskameraden als Krümmelmonster-Gruppe den Weg zur befreundeten Prinzengarde gefunden. Und Ex-Prinz Marc Waldschmidt, der sich mit seinen Freunde als clownesker Baskenmützenträger al a francaise unter den amüsierwilligen Narren war, meinte: „Die Stimmung und die Atmosphäre sind hier einfach toll. Deshalb kommen wir …

25 Jahre für die Städtepartnerschaften

Obwohl Mülheim 1993 für seine internationalen Kontakte und Städtepartnerschaften von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates mit dem Europapreis zur Europastadt gekürt wurde, tat man sich schon damals schwer, die Städtepartnerschaften finanziell ausreichend zu fördern. Deshalb gründete sich am 21. Februar 1995 der Förderverein Mülheimer Städtepartnerschaften. Mit gut 400 Mitgliedern hat der Verein heute viermal so viele Mitglieder wie vor 25 Jahren. Dennoch ist seine Arbeit seitdem nicht leichter, aber auch nicht weniger wichtig geworden.


Seit 2015 ist der Verein finanziell auf sich allein gestellt. Denn vor fünf Jahren stellte die Stadt ihre Förderung der bürgerschaftlichen Begegnungen mit den Partnerstädten von zuletzt 7400 Euro jährlich ein. „Dadurch ist uns der Jugendbereich weitegehend weggebrochen, weil wir keinen Austausch mit Schulen und Vereinen mehr fördern können“, bedauert der heutige Vereinsvorsitzende Gerhard Ribbrock. Mit Hans-Dieter Flohr, Joachim Schiwy und M…

Fromme Floristen?

Eigentlich ist Mutter einem Blümchen nicht abgeneigt. Auch ich hätte ihr gestern gerne eines geschenkt. Doch als Mutter bei unseren Innenstadtrundgang sah, welche preistechnischen Blüten der Valentinstag getrieben hatte, verging ihr die Lust auf ein Sträußchen. Obwohl ich mich ihr spontan als Rosenkavalier anbot und gerne auch einen Euro mehr ausgegeben hätte, ließ sich Mutter in ihrer Contra-Kommerz-Haltung nicht erweichen. Denn auch wenn Mutter Sympathien für geschäftstüchtige Menschen hat, ging ihre Liebe am gestrigen Valentinstag dann doch nicht so weit, dem allzu geschäftstüchtigen Blumenhandel einen Bonus auf Kosten des heiligen Valentin zu gewähren. Es wollte ihre partout nicht in den Kopf, warum das Gewerbe der Floristen ausgerechnet am Todestag des heiligen Valentin florieren soll. Der Schutzheilige der Liebenden verlor am 14. Februar 269 nur deshalb den Kopf verlor, weil er als Priester entgegen dem Gebot des römischen Kaisers Claudius II. Liebende nach dem christlichem Ritu…

Wohin führt der synodale Weg?

Der in Frankfurt am Main begonnene Synodale Weg bewegt auch die Katholiken im Ruhrgebiet. Bei einer Abendveranstaltung in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg diskutierten Generalvikar Klaus Pfeffer, Deutschlandfunk-Journalistin Christiane Florin und der Münsteraner Theologie-Professor Michael Seewald mit rund 200 Katholiken darüber wie der Synodale Weg zu einem kirchlichen Aufbruch führen könne.


Skepsis und Hoffnung hielten sich sowohl auf dem von Akademiedozent Jens Oboth moderierten Podium als auch im Auditorium die Waage. Aus dem engagiert mitredenden Publikum waren kritische Stimmen zu hören: „Die Kleriker haben uns Laien in unserer eigenen Kirche entmachtet und enteignet!“ und: „Wollen wir wirklich so werden wie die Evangelische Kirche?“ oder: „Wir brauchen keine Strukturdiskussion, sondern mehr gelebte Liebe und Umkehr im Geiste Jesu!“, hieß es da zum Beispiel.


Applaus und Zustimmung erfuhr Christiane Florin für ihre Forderung nach einer echten Gleichberechtigung der Frauen…