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Werden, wer man ist


Sich selbst finden und werden, wer man ist. Wer wollte das nicht. Und doch ist genau das wohl unsere wichtigste und zugleich schwierigste Lebensaufgabe. Das zeigt das Gespräch, das sich am Freitagabend in der Buchhandlung Fehst zwischen der Autorin Ingrid Bartels und ihren Zuhörern über das entspinnt, was uns im Leben wirklich glücklich, stark und authentisch macht. Bertels, die in ihrem Buch: „Aller Anfang liegt bei dir“ ihren eigenen Lebensweg von der Apothekerin in der Pfalz zur auf ihrer Trauminsel Sylt praktizierenden Homöopathin beschreibt, will ihr Publikum anregen, „sich zu bewegen und sich da, wo es notwendig ist, auf Veränderungen einzulassen und auch gegen Widerstände seine Talente zu entdecken und seinen Weg zu gehen, der uns in unserer eigenen Wahrheit gesund leben lässt.“

Schnell ist im überschaubaren, aber achtsam und angeregt einander zuhörenden und miteinander sprechenden Kreis von den faulen Kompromissen die Rede, die man allzu eilfertig macht, um im Beruf oder im Privatleben anderen Menschen zu gefallen und sein durch soziale, erzieherische und religiöse Konditionierung geprägtes Selbstbild auch dann noch aufrechtzuerhalten, wenn man innerlich spürt, dass einem das nicht gut tut. Das Spektrum der Sünden gegen die eigene Intuition reicht von der vermeintlich vernünftigen Berufs- und Partnerwahl bis zu Hobbys oder zu der Gesellschaft, die man nur dem Partner zuliebe pflegt. Und wenn die Seele weint, meldet sich oft auch der Körper zum Beispiel mit Bauch- Kopf- oder Gelenkschmerzen.

„Die Einsicht in die Notwendigkeit ist das eine. Aber die notwendige Veränderung herbeizuführen, ist das andere. Oft bleiben Veränderungsversuche im Alltag in einer Spirale aus Arbeit und Stress stecken. Und von irgendetwas muss man ja auch existieren“, sagt eine Frau. „Das Erwachen aus einem falschen Leben, das einem nicht guttut, ist schwierig und schmerzhaft. Man eckt an, wenn man aus seiner Rolle fällt und bekommt zu hören: „Ich verstehe dich nicht mehr. Warum bist du auf einmal so komisch?“

Bartels räumt ein, dass die Veränderung auf dem Weg „zur eigenen Wahrheit oft schmerzhaft ist.“ Für sie steht aber auch fest: „Nichts sagen und weiter mitmachen, was einem nicht gut tut, ist keine Option. Deshalb rät sie dazu, „für Veränderungen offen zu sein, auch wenn man sie nicht sofort herbeiführen kann.“ Bartels macht Mut: „ehrlich zu sich selbst zu sein und auf unser Bauchgefühl und unsere Intuition und darauf zu vertrauen, dass es genug Menschen gibt, die uns so lieben wie wir sind.“ Eine Frau, die gerade einen ungeliebten Job gekündigt hat und inzwischen eine neue Arbeit gefunden hat, mit der sie sich gut fühlt, gibt Ingrid Bartels Recht. Und ein junger Mann, der sich noch mit einem Veränderungsprozess herumschlägt, verabschiedet sich später von Bartels mit dem Satz: „Es tut gut, jemanden kennengelernt haben, der nicht nur von Veränderung redet, sondern genug Hintern in der Hose, um sie herbeizuführen.“ 

Dieser Text erschien am 4. Februar 2020 in NRZ & WAZ



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