Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom Januar, 2018 angezeigt.

Wenn die Kanzel zur Bütt wird

Menschen, die zum Lachen in den Keller gehen, kennt man. Menschen, die zum Lachen in die Kirche gehen, kennt man nur, wenn man die närrischen Festmesse besucht, zu der Pastor Michael Clemens und die Karnevalisten gestern in die Sankt-Engelbert-Kirche einluden.  Da predigte  Pastor Clemens in bester Büttenrednermanier: „Ein besonders infames Stück, fies wie ein Abszess, heißt im Bistum Essen Pfarreientwicklungsprozess. (PEP) Bis 2030, das durften wir erfahren, müssen wir die Hälfte unserer Einkünfte einsparen. Knopf auf Spitz rechnen, alles zusammenraffen, am Ende ist es wohl Ziel, uns selbst abzuschaffen. Bei diesen Prozessen auch giftige Blüten sprießen. Es gibt Pfarrer, die sind Meister im Kirchen schließen.“  

Kein Wunder, dass der Pastor mit Pepp gegen den PEP predigte und dabei keinen Spaß versteht, wenn es auch um die Zukunft seiner Kirche geht. Doch er tat auch die Wahrheit kund, dass für die Zukunft der Kirche nicht die  Kirchenmauern, Kirchenräte und Prälaten entscheidend sind…

Zwischen Kirchenhügel und Ruhr: Ein Zeitsprung an der Delle

Wir schauen auf die Delle in Richtung Kirchenhügel und landen im Jahr 1932. Ein Foto aus dem Stadtarchiv macht es möglich. Im Hintergrund sehen wir noch die unzerstörte Marien- und die Petrikirche. Rechterhand, allerdings auf dem historischen Foto nicht mehr sichtbar steht damals auch noch die lutherische Paulikirche, die bei den alten Mülheimern auch eine beliebte Kirche für Hochzeits- und Werktagsgottesdienste war.
Die um 1880 errichtete (zweite)  Paulikriche überstand den Zweiten Weltkrieg, wurde aber 1971 gegen vehemente Bürgerproteste abgerissen. An ihrer Stelle sollten damals unter anderem Altenwohnungen errichtet werden. Doch dazu kam es nicht. Wo einst die Paulikirche stand, parken heute Autos. Bis zu seinem Abriss, in den frühen 1980er Jahren, stand hier noch ein windschiefes Fachwerkhaus, in dem die Grünen ihre erste Geschäftsstelle hatten. Die Häuser auf der linken Straßenseite fielen im Juni 1943 fast alle dem schwersten von 160 alliierten Luftangriffen auf Mülheim zum Opfe…

Man(n) folgt einer starken Frau

Manchmal streichelt einen   ein Sonnenschein, obwohl die Wetterlage trübe ist. Mir begegnete jetzt ein doppelter Sonnenschein, namens Paula und Max. Paula (5) und Max (3) kreuzten meine Wege, als sie zusammen mit ihren Eltern im Drogeriemarkt meines Vertrauens einkauften. Natürlich übernahm Charlotte mit ihrem weiblichen Einkaufswagen die Führung und nahm ihren kleinen Bruder resolut an die Hand, um ihn zielsicher von einem Regal zum nächsten zu führen und ihren kleinen Einkaufswagen mit Zahnbürsten, Zahnpaste, Lutschbonbons und Papiertaschentüchern zu füllen.

Nicht nur die Eltern hatten ihre Freude daran, als die beiden kleinen Einkäufer alle Zahnbürsten unter die Lupe nahmen, um herauszufinden, welche von ihnen „die coolste und bunteste“ sei. „Träumst, du Max?“ fragte Paula ihren Bruder, als er etwas unschlüssig zwischen den zahlreichen Regalen und Gängen stehen blieb, ehe er sich dann doch seiner Schwester anschloss, die zielsicher den Weg zur Kasse fand und sich dort die Waren von …

Sankt Mariae Geburt und Sankt Mariä Himmelfahrt stellen die Weichen für ihre Zukunft

Weniger katholische Christen, weniger Priester und weniger Kirchensteuereinnahmen. Von dieser Erwartung sind auch die Gemeindevoten der Pfarreien St. Mariae Geburt und St. Mariae Himmelfahrt geprägt, die jetzt öffentlich vorgestellt und an der Ruhrbischof weitergeleitet wurden. Mit der Entscheidung des Bischofs rechnen die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte bis Ostern. Während in St. Mariä Himmelfahrt Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat einstimmig das Gemeindevotum beschlossen, gab es in St. Mariae Geburt eine Gegenstimme und eine Enthaltung. In Mariae Geburt fürchtet man, dass die Pfarrei in acht Jahren insolvent sein könnte, wenn jetzt nicht kostensparend gegengesteuert wird. In beiden Pfarreien haben sich in den vergangenen zwei Jahren weit mehr als 200 Gemeindemitglieder aktiv in den Beratungsprozess eingebracht. Beide Gemeindevoten betonen das Primat der pastoralen Arbeit und die Absicht, diese an allen vorhandenen Gemeindestandorten zielgruppenorientiert fortsetzen zu wollen…

Wie die katholischen Sozial- und Wirtschaftsverbände den Standort Deutschland sehen

Menschen stehen auf der Straße, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben oder um seinen Verlust fürchten müssen. Laut Focus haben die großen deutschen Unternehmen im abgelaufenen Jahr mehr als 50.000 Stellen abgebaut. Gleichzeitig ergibt eine Umfrage der Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer von Ernst und Young, dass 76 Prozent der 100 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen ihre Gewinne 2017 steigern konnten und ihre Mitarbeiterzahl um 4,9 Millionen gesteigert haben. Dazu passt, dass das Bruttoinlandprodukt um 2,2 Prozent angestiegen ist und somit das größte Wirtschaftswachstum seit sechs Jahren und mit 2,5 Millionen Arbeitslosen die niedrigste Arbeitslosenzahl seit der Wiedervereinigung zu verzeichnen ist.  Dabei zeigt die Ernst-and-Young-Umfrage, dass die Industrieunternehmen und die Exporte in die Länder der Europäischen Union das Rückrat der deutschen Volkswirtschaft bilden, während Deutschland in den Bereichen Dienstleistung und Digitalisierung im Vergleich zu anderen …

Temperamente und Temperaturen

Im Winter wundere ich mich manchmal darüber, dass ich vorzugweise webliche Wesen sehe, die so leicht, etwa mit Jeans, T-Shirt,Windjacke, Kostüm und Rock bekleidet sind, als hätten wir Sommer oder Frühling. Haben diese Damen vielleicht die fliegende Hitze oder sind sie von ihrer Natur aus einfach heißblütiger, als ich? In ihrer Gegenwart fühle ich mich mit meiner vermeintlich jahreszeitgrechten Kombination aus Jacke, Mantel und Schal, wie eine Frostbeule oder wie ein Warmduscher. Doch einigen meiner Geschlechtsgenossen scheint es ähnlich, wie mir, zu ergehen. Denn neulich sah ich ein Ehepaar vor mir. Sie ging mit offener Jacke und T-Shirt, natürlich ohne Mütze. Ganz anders ihr Ehemann, der sich seine Winterjacke bis zum Hals zuknöpfte und sich seine Mütze tief ins Gesicht zog.

Sind Männer am Ende das schwächere Geschlecht, das sich vor allem nach Wärme sehnt. Oder sind Frauen einfach heißblütiger? Oder aber liegt es einfach daran, dass sich Männer mit einer Frau an ihrer Seite besser wa…

Saarner Gesamtschüler werden im "kleinen Horrorladen" zu Musical-Stars

Wenn Schüler Theater machen, macht das nicht immer allen Freude. Doch im Falle der Musical-Aufführung von "Der kleine Horrorladen", dürfte das Vergnügen des Publikums ungetrübt sein. Premiere ist am 2. Februar um 19.30 Uhr im Forum der Gesamtschule Saarn an der Ernst-Tommes-Straße. Die Vermutung einer tollen und unterhaltsamen Musical-Show liegt nahe, wenn man die 80 Jungen und Mädchen aus den Jahrgangsstufen 6 bis 12 bei der Generalprobe im Forum der Saarmer Gesamtschule 1 auf der Theaterbühne und auf den seitlichen Chorrängen beobachtet und hört.

Da kommt viel Energie und Spielfreude rüber. Von einem Laienspiel kann man nicht sprechen, wenn überhaupt, dann zumindest von einer semi-professionellen Musical-Show, die zwei Stunden wie im Flug vergehen lassen. Joshua Kastner (aus der Jahrgangsstufe 9) und Xenia Hildebrand (aus der Jahrgangsstufe 8) spielen wie Nachwuchsschauspieler, obwohl sie doch noch Schüler sind und diese Theateraufführung ihr Hobby ist.
Viel Arbeit und viel…

Von der Gnade der späten Geburt

Manchmal merkt man, dass man älter wird. Gestern erwischte mich diese Erkenntnis bei einer Straßenbahnfahrt.

Vor mir sah ich drei Schüler, die sich über ihre Lehrer, über ihre Eltern, über ihren Unterricht und über ihre aktuelle Freizeitplanung unterhielten.

Diese Schulweggespräche kannte ich natürlich auch aus meiner Schulzeit. Doch, was mir neu war, war die Tatsache, dass man solche Gespräche auch führen kann, wenn man Kopfhörer auf und in den Ohren und ein Smartphone-Display vor Augen hat.

Während allein die Anschauung dieser multimedialen Kommunikation in mir eine gewisse Anspannung aufsteigen ließ, war diese Form der Unterhaltung im Mehrkanalton für die Jugendlichen das Selbstverständlichste von der Welt. Diese Fähigkeit nennt man heute neudeutsch wohl Multitasking. Jetzt hat der von Altkanzler Helmut Kohl geprägte Begriff von der Gnade der späten Geburt für mich einen ganz neuen Klang. Wie dankbar darf ich doch dafür sein, noch ohne Smartphone, I-Pad, Podcast und mobiles Internet a…

Ganz langsam schneller ans Ziel kommen

Ich musste jetzt feststellen, dass ich nicht der Typ für eine schnelle Nummer bin. Dabei meine ich jetzt nicht das, was Sie vielleicht denken.

Ich meine die mir sehr gut bekannte und oft gewählte Handynummer, die ich kürzlich als Infonummer mal eben schnell in einen Bericht eingefügt habe. Obwohl ich diese Nummer im Schlaf vor mich hersagen kann,  baute ich ausgerechnet hier im hellwachen Zustand einen Zahlendreher ein. 

Ich musste einsehen: Man darf sich nie zu sehr auf sein Bewusstsein verlassen, weil man immer damit rechnen muss. dass einem das eigene Unterbewusstsein einen Streich spielt.
Ich hätte es besser wissen müssen, riet mir mein alter Volontärsvater schon vor erschreckend vielen Jahren: „Wenn Sie es eilig haben, nehmen Sie sich Zeit!“ Der Mann wusste nach einem Herzinfarkt, wo von er sprach.

Und sicher gilt seine Weisheit für alle Lebenslagen und nicht nur für die korrekte Wiedergabe von Rufnummern im Lokalteil dieser Zeitung. Also wünsche ich uns allen zusammen heute einen ru…

Vom Dorf zur Stadt: Ein Zeitsprung an der Oberheidstraße

Heute stellen wir eine Postkartenansicht aus dem Jahr 1900 einer Fotografie aus dem August 2017 gegenüber. Wir befinden uns auf der Oberheidstraße, benannt nach einem bereits 1720 urkundlich erwähnten Bauernhof in Dümpten.

Auf der Postkartenansicht sehen wir rechts die Evangelische Kirche, die 1892 errichtet wurde. Die heutige evangelische Kirche an der Oberheidstraße, die zur Lukaskirchengemeinde gehört, sehen wir heute weiterhin auf der rechten Straßenseite, auch wenn sie in dieser Perspektive, außerhalb des Bildes steht.
Stattdessen richtet sich unser Blick auf das neue Dümptener Karree, das die SWB dort errichten lässt. Der Bildvergleich zeigt, wie sich Dümpten verändert hat. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten die Menschen in Dümpten vor allem von der Landwirtschaft und vom Bergbau. Von Straßenbahn und Autos war damals in Oberdümpten noch keine Rede. Man ging zu Fuß oder bewegte sich mit Pferd und Wagen weiter.

Das 20. Jahrhundert brachte für Dümpten einen Umschwung. 1904 wurde es un…

Nichts für Leichtgewichte

Ich habe es immer schon geahnt. Das Leben ist eine windige Angelegenheit. Seit gestern weiß ich es. Das Leben ist nichts für Leichtgewichte.

Gestern riss mir der Sturm die Kappe vom Kopf und ließ meine leeren PET-Flaschen aus meinem Hackenporsche fliegen. Gott sei Dank flogen Kappe und Flaschen genau in Richtung einer hilfsbereiten Dame, die  meine abgängigen Einkaufsutensilien  einsammelte.

Wie schön,  dass es das noch gibt. Menschen, die einem spontan zur Seite springen, wenn einem der Wind ins Gesicht blässt. Danke vielmals, Frau Nachbarin. Vielleicht käme unser Land ja auch in stürmischen Zeiten besser voran, wenn sich die politischen Staatslenker auf solche Zusammenarbeit besinnen würden, statt ihre Profilneurosen zu züchten und zu pflegen und dem Vordermann, dem gerade der Wind ins Gesicht blässt, in die Haken zu treten.

Wenn es, wie gestern richtig, stürmisch wird, merkt man plötzlich, wie gut es ist, wenn noch keine Diät gegriffen hat und man nicht so schnell vom nächsten Windsto…

Die Pallottiner verabschieden sich aus Christ König

„Das Zeichen.“ Diesen Titel trägt die Zeitschrift der Pallottiner. Deren aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit dem Sonntag. Am kommenden Sonntag setzen die Pallottiner ein Zeichen. Nach fast 63 Jahren der Seelsorge vor Ort, verabschieden sich die letzten Patres der Ordensgemeinschaft von der 3000 Mitglieder zählenden Gemeinde im Norden der Stadt.
„Die Gemeindemitglieder haben beängstigt auf unsere Entscheidung reagiert“, sagt Pater Bernhard Küpper, der noch bis Ende Januar Pastor in Christ-König sein wird, ehe er als Stadtseelsorger nach Limburg an der Lahn gehen wird. Sein Mitbruder Pater Franz Nguyen wird als Seelsorger künftig in St. Bonifatius (Herne) arbeiten und weiterhin für die vietnamesische Gemeinde im Ruhrbistum zuständig sein.
Wehmütig zeigt Pater Bernhard (62) seinem Besucher im Gemeindebüro am Steigerweg die Galerie seiner Vorgänger. 1955 war es Pater Franz-Josef Bezler, der als erster Pallottiner die Leitung der Gemeinde Christ-König übernahm. Ihm folgten im Laufe der Jah…

Unterwegs mit dem Dekra-Prüfingenieur Martin Mons

"Ich habe gerne mit Menschen Kontakt. Ich bin ein Dienstleistungsmensch“, sagt Martin Mons über sich selbst. Schon als Schüler hat er sich als Zeitungszusteller und als Servicekraft in der Gastronomie sein Taschengeld aufgebessert. Heute wissen die Kunden der Dekra das Fachwissen des Prüfingenieurs und Kraftfahrzeug-Sachverständigen zu schätzen, wenn er ihren PKw, ihren Lkw oder ihr Wohnmobil auf dem Prüfstand unter die Lupe nimmt. Eine besonders hell leuchtende LED-Taschen-Lampe und sein geschultes Auge sind seine wichtigsten Werkzeuge, wenn er Bremsen, Reifen, Scheinwerfer, Abgaswerte, Achsen, Lenkung und Karosserie überprüft.

Hinzu kommt ein gut sieben Kilo schwerer Koffer, der es in sich hat. Dessen Innenleben besteht aus einem Notebook mit integriertem Drucker. Außerdem hat der an der Fachhochschule Wilhelmshaven und bei der Dekra ausgebildete Ingenieur immer sein Smartphone zur Hand.

Sein tragbares Büro braucht Mons vor allem dann, wenn er in der ersten Tageshälfte nicht an …

Mülheim, ein Abenteuer

Eins, zwei, drei läuft die Zeit im Sauseschritt. Wir laufen mit. So dichtete es bereits Wilhelm Busch. Der Mann kannte die Mülheimer Straßen nicht. Lose liegende Pflastersteine, hochstehende Bodenplatten, Schlaglöcher.

Vor allem wer in der Stadt zu Fuß unterwegs ist, kann schnell straucheln oder sogar stürzen, wenn er Wilhelm Buschs Lebensweisheit beherzigt.  Erst kürzlich sah ich auf der  Leineweberstraße einen älteren Mann, der  nach einem Sturz von einem Rettungswagenteam vor Ort erst-behandelt und dann  ins Krankenhaus gebracht werden musste. Für den armen Mann war nicht nur der Tag gelaufen. Da können Senioren, die aus der Not eine Tugend machen und am Rollator durch die Stadt gehen müssen schon fast froh sein, dass sie einen gewissen Halt an der Hand haben, der zumindest kleinere Stolperer auffängt.
Sollte der Straßen- und Gehwegverfall in unserer Stadt kontinuierlich voranschreiten, sollte die Stadtspitze aus der Not eine Tugend machen und die Straßen und Wege der Stadt zu Rennst…

Aus Trümmern wieder auferstanden: Ein Zeitsprung an der Schloßbrücke

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ist Mülheim noch eine Trümmerstadt. Das Foto aus dem Stadtarchiv zeigt es. Aus Richtung Broich schaut man damals über die Schloßbrücke in Richtung Innenstadt. Nur wenig Autos sind unterwegs. Deshalb nutzen die Fußgänger auch die Fahrbahn. In der Bildmitte sieht man am Horizont die Petrikirche ohne Turmspitze. Ihr Wiederaufbau wird sich bis 1958 hinziehen.

Zwischen 1945 und 1953 müssen auf Mülheims Straßen fast 900 000 Kubikmeter Trümmerschutt beseitigt sehen. Über die Straßenbahnschienen, die man in der Mitte der Schloßbrücke sieht, fährt in den ersten Nachkriegsjahren nicht nur die Straßenbahn nach Duisburg, sondern auch der feurige Elias, eine Lokomotive, die mit ihrem Waggon Trümmerteile abtransportiert. „Auf der linken Straßenseite der Schloßbrücke stand damals nicht nur die 1943 von Bomben getroffene Stadthalle, sondern auch eine Konditorei, ein Gemüse- und ein Kolonialwarenladen“, erinnert sich der 81-jährige Mülheimer Walter Neuhof…

Seelsorger an vorderster Front

Gestern feierte Manfred von Schwartzenberg mit seiner Gemeinde Sankt Barbara sein 25-jähriges Dienstjubiläum als ihr Pfarrer. Dabei verriet er, dass er sein Amt als Militärseelsorger der Bundeswehr anfangs nur widerwillig gegen das Pfarramt von Sankt Barbara eintauschte. Doch inzwischen, so von Schwartzenberg, habe er schon oft „Gott dafür gedankt, dass ich Pfarrer von Sankt Barbara geworden bin.“ Wer den lebensfrohen Pfarrer  kennt, die seine Gemeinde nicht nur zu frommen Musicals zu inspirieren weiß, der konnte gestern aus den vielen Dankesworten an die Adresse des militärisch vorgebildeten Seelsorgers, heraushören, dass der Pfarrer mit seinen Dankgebeten in seiner Gemeinde Gott sei Dank nicht allein ist.

Denn wer als katholischer Priester zölibatär leben muss, ist umso mehr auf die Gegenliebe seiner Gemeinde angewiesen. Das ist wie bei der Bundeswehr. Der General muss zwar nicht zölibatär leben, Frau von der Leyen sei Dank, ist aber immer nur so gut, wie seine Truppe, auf die er sic…

Warum braucht Man(n) eine Herrensitzung? - Drei Fragen an den Präsidenten der Roten Funken Heino Passmann

Männer aufgepasst. Jetzt laden die Roten Funken zur Herrensitzung. Los geht es um 11 Uhr im Autohaus Extra an der Fritz-Thyssen-Straße.
1 Warum ist ein blondes und leicht bekleidetes Nummerngirl in der Herrensitzung so sicher wie das Amen in der Kirche?
Weil der Präsident Durst hat und der Präsident ja schließlich standesgemäß bedient werden muss. Und wie heißt es in einem alten Willy-Millowitsch-Karnevalsschlager: „Wir dreh’n uns nach hübschen Mädeln um, es war immer so, es war immer so.“
2 Was erlebt Mann bei der Herrensitzung, was er nicht bei einer „normalen“ Karnevalssitzung erleben könnte? 
Hier wird die Tradition des gemütlichen Sonntagvormittagsfrühschoppens fortgeführt. Ein gepflegter Frühschoppen unter Gleichgesinnten mit einem heiter-frivolen Programm lässt uns Kräfte sammeln für den Alltag. 
3 Warum müssen die Frauen bei der Herrensitzung ihr Fett weg bekommen?
Wir Männer haben ja mittlerweile verstanden, dass wir vielleicht nicht die Krone der Schöpfung sind. Mein Onkel hat das…

Warum braucht Frau eine Mädchensitzung: Drei Fragen an deren Sitzungspräsidentin Jasmin Kirstein

Frauen aufgepasst. Am kommenden Samstag, 20. Januar (19 Uhr) geht im Autohaus Extra die Mädchensitzung über die Bühne. Wie bei den Jungs seid ihr für 20 Euro dabei.

1 Was erlebt Frau bei der Mädchensitzung, was sie nicht auch bei einer „normalen“ Karnevalssitzung nicht erleben könnte?

Da kann Frau die Männer mal so richtig auf’s Korn nehmen, die sich im Alltag oft als das starke Geschlecht gebärden, das den Frauen die Welt erklären muss. Bei der Mädchensitzung dürfen die Frauen humoristisch mal in die Vollen gehen und brauchen

2 Warum müssen Männer bei einer Mädchensitzung ihr komödiantisches Fett weg bekommen?

Dem Mann selbst fehlt es ja leider allzu oft an Selbstironie... Da helfen wir Mädels natürlich gerne aus. Denn ohne Selbstironie und Humor geht es nicht, wenn uns nicht der Kragen platzen soll. Hier können die Männer von den Frauen etwas lernen.

3 Was sieht Frau gerne, wenn sie ihren Mann zuhause gelassen hat, um zur Mädchensitzung zu kommen?

Gerne sieht Frau natürlich einen gedeckte…

Was einen Mann so alles reizt

Als Christenmensch könnte ich morgen in die Heilige Messe gehen. Als Mann komme ich aber in einen Gewissenskonflikt. Denn die Roten Funken laden morgen zur Herrensitzung ins Autohaus.
Was könnte besser passen, wenn Man(n) Spaß haben und Gas geben will. Denn das Auto soll ja des deutschen Mannes liebstes Kind sein. 

Mich reizen die Pferdestärken auf vier Rädern als Fußgänger und als Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs aber nicht wirklich. Was mich als Mann natürlich reizen könnte, wäre das blonde Nummerngirl, das bei der Herrensitzung der Roten Funken, leicht bekleidet und ohne rot zu werden dem Herrn Präsidenten das Bier serviert und dabei mit seinen Reizen nicht geizt. Was wohl der Pfarrer meines Vertrauens dazu sagt, wenn ich morgen nicht im Gottesdienst, sondern in der Herrensitzung sitze. Sollte ich vorher oder nachher bei ihm beichten? Oder werde ich ihn morgen vielleicht gar nicht in der Kirche, sondern im Autohaus bei der Herrensitzung treffen? 

Man(n) weiß es nicht. Doch …

18 Schüler besuchten Israel: Die jungen Leute aus Mülheim, Essen und Duisburg waren eine Woche lang mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Heiligen Land unterwegs.

18 Mülheimer, Essener und Duisburger Schüler konnten jetzt zusammen mit Markus Püll und Günter Reichwein von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Israel besuchen. Beim Nachtreffen im Petrikirchenhaus ließen sie ihre Erinnerungen an die einwöchige Reise Revue passieren. Die drei angehenden Erzieherinnen Bianca Deuse, Meike Linscheidt und Paulina Wodetzky, die zurzeit das Berufskolleg Stadtmitte besuchen, stellten sich am Rande des Treffens den Fragen der Lokalredaktion.

Warum wollten Sie nach Israel reisen?

Meike Linscheidt: Was ich von Israel weiß, weiß ich aus den Medien. Von Bekannten habe ich schon viel Positives über Israel gehört und wollte mir jetzt ein eigenes Bild machen.

Was hat Sie überrascht?

Paulina Wodetzky: Das wir uns in Israel absolut sicher gefühlt haben und auch abends als Frauen problemlos allein unterwegs sein konnten. Auch an die im Straßenbild  überall zu sehenden Soldaten haben wir uns schnell gewöhnt.

Sie haben in Jerusalem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bes…

Sankt Barbara feiert seinen Hirten - Pfarrer Manfred von Schwartzenberg

Am 14. Januar 2018 feiert die Kirchengemeinde St. Barbara mit ihrem Pfarrer Manfred von Schwartzenberg (73) sein 25-jähriges Orts-Jubiläum. 

Sie leben als Priester zölibatär. Ist die Gemeinde für Sie zur Familie geworden?
Im übertragenen Sinne ist das so. Das Dümptener Milieu mit seinen Vereinen, wie DJK, KAB, Kolping und Frauengemeinschaft ist einfach grandios. Ich bin dankbar für die kreativen Menschen dieser Gemeinde, die sich ansprechen und begeistern lassen.

Was genau ist grandios?
Es gibt hier viele Menschen, die kreativ sind und gerne etwas mit ihren Nachbarn zusammen schaffen und sich deshalb für unterschiedliche Aktivitäten ansprechen und begeistern lassen.

Wie wirkt sich das aus?
Wir haben zwei erfolgreiche Musicals über Nikolaus Groß und die Mutter Gottes von Guadalupe auf die Bühne gebracht. Das hat nicht nur nach außen, sondern auch nach innen gewirkt und der Gemeinde eine gewisse Dynamik verliehen. Das gilt aber auch für das gemeinsame Engagement in der Flüchtlingsarbeit, wie …

Der Weg ist das Ziel

Kürzlich gab mir ein Freund die Lebensweisheit der heiligen Katharina von Siena mit auf meinen eigen Lebensweg: „Nicht das Beginnen, sondern das Durchhalten wird belohnt.“

Daran fühlte ich mich gestern erinnert. Es begann damit, dass ich von der Stadtmitte nach Winkhausen fahren wollte, um dort, welch ein Zufall, einen geistlichen 
Gesprächspartner zu treffen.

Bus oder Straßenbahn? Das war für mich, der entweder zu Fuß  oder mit dem öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist, die Frage.

Ich entschied mich für die vermeintlich schnellere Straßenbahn und setzte prompt auf das falsche Pferd. Denn ausgerechnet die Straßenbahn, mit der ich am Nachmittag über die Aktienstraße in den Norden der Stadt fuhr, stieß mit einem Auto zusammen.

Polizei und Ersatzbus brauchten ihre Zeit. Ein Rettungswagen brauchte Gott sei Dank nicht gerufen werden. Doch mein geistlicher Gesprächspartner musste länger auf mich warten, als ihm vielleicht lieb war. Doch er reagierte gelassen auf meinen Handyanruf und die…

Lieber lebendig als legendär

Der Jahreswechsel wird gefeiert. Für mich bringt der Beginn des neuen Jahres ein zwiespältiges Gefühl mit sich. Mit dem Aufbruch ins neue Jahr verbinde ich die oft trügerische Hoffnung, dass das neue Jahre besser werden möge, als das alte.

Da ich als im Januar geborenes  Menschenkind aber mit dem neuen Jahr auch gleich in ein neues Lebensjahr starte, führt mir der Jahreswechsel immer auch meine Vergänglichkeit vor Augen. Ich tröste mich mit einem Satz meiner leider viel zu früh verstorbenen Großmutter hinweg: „Wer nicht alt werden will, muss jung sterben!“

Auch wenn die Geschichte voller legendärer Gestalten ist, die unter anderem deshalb zur Legende geworden sind, weil sie jung und unvollendet gestorben sind, ziehe ich es für meinen Teil doch vor, auf den historischen Status der Legende, á la Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert oder John und Robert Kennedy, James Dean oder Jimmy Hendriks  zu verzichten und stattdessen ganz profan aus meinem Leben das Beste zu machen und nicht auf m…

Ein Zeitsprung an der Hingbergstraße zwischen Stadtmitte und Heißen

Das historische Foto aus dem Jahr 1946 wurde von Walter Neuhoffs Vater Wilhelm aufgenommen und zeigt die um 1900 errichtete und 1943 vom Krieg zerstörte Zionskirche an der Hingbergstraße 6. 

Den Straßenzug, wie wir ihn auf dem Nachkriegsfoto sehen, ist heute nicht mehr existent. Stattdessen schauen wir aus Richtung der 1983 am Hauptbahnhof errichteten Post auf einen Gebäudekomplex des 1994 eröffneten Forums und auf die Ausläufer des in den frühen 1970er Jahren angelegten Hans-Böckler-Platzes. Dort wurde, als Vorläufer des heutigen Forums, 1977 das City Center eröffnet.

Bis 1963 musste die im Jahr 1875 gegründete methodistische Zionskirchengemeinde ihre Gottesdienste in Notkirchen in Speldorf und Heißen feiern. Erst dann konnte die freikirchliche Gemeinde mit Hilfe der Sparkasse auf einem ehemaligen Lagerplatz an der Ecke Klöttschen/Heißener Straße Grundstück für den Neubau eines Gemeindezentrums, das den Bedürfnissen der damals 500 Gemeindemitglieder entsprach. Beim Bau halfen auch Juge…

„Frauen können das!“: Alt-Oberbürgermeisterin Eleonore Güllenstern im Gespräch über Frauenquote, Betreuungsgeld, Ruhrbania und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

16. Juni 1982: An diesem Tag Eleonore Güllenstern zur damals einzigen Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt gewählt. Für die Neue Ruhr Zeitung sprach ich mit ihr zu diesem Stichtag über Politik von gestern und heute.

Ihre erste Wahl zur Oberbürgermeisterin am 16. Juni 1982 sorgte bundesweit für Schlagzeilen. War es auch für Sie ein besonderer Tag?

Das war schon ein besonderer Tag. Besonders habe ich mich damals darüber gefreut, dass ich bei der Wahl im Rat 46 von 50 Stimmen bekommen habe.

Warum fiel die Wahl damals auf Sie?
Ich wollte das damals eigentlich gar nicht und wurde von meiner Nominierung überrascht. Ich dachte, dass unser damaliger Fraktionsvorsitzer Friedrich Wennmann als Oberbürgermeister die Nachfolge des verstorbenen Oberbürgermeisters Dieter aus dem Siepen antreten würde. Doch Wennmann hat dann mich vorgeschlagen, wohl auch deshalb, weil ich damals ja schon als Bürgermeisterin den kranken OB oft vertreten habe. Die repräsentativen Verpflichtungen, die mi…

In Memoria Eleonore Güllenstern

Sie war die erste Frau an der Mülheimer Stadtspitze. Jetzt ist Alt-Oberbürgermeisterin Eleonore Güllenstern im Alter von 88 Jahren gestorben. Als die Sozialdemokratin Eleonore Güllenstern am 16. Juni 1982 zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde, war sie die damals einzige Oberbürgermeisterin der Bundesrepublik. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die am 1. Oktober 1929 in München geborene und seit 1961 in der SPD aktive  Kommunalpolitikerin bereits einen Namen als Anwältin und Lobbyistin der Kultur gemacht.

Vor ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin war Güllenstern seit 1964 Stadtverordnete, die später zur Bürgermeisterin und Vorsitzenden des Kulturausschusses gewählt wurde. Das Kunstmuseum Alte Post und das Theater an der Ruhr sowie die Mülheimer Theatertage, der Mülheimer Kunstverein, die Einrichtung einer städtischen Gleichstellungsstelle und eines Frauenhauses sind mit ihrem Namen verbunden.

Die Begründung der Städtepartnerschaften mit Opole/Oppeln (1988) und Kfar Saba (1993) fallen ebenso in i…

Der "wilde" Rumbach: Ein Zeitsprung an der Bachstraße

Die Bachstraße unter Wasser. Das Foto aus dem Stadtarchiv entstand  1954. Ein Unwetter ließ die Ruhr und den ab 1836 schrittweise überwölbten Rumbach Hochwasser führen. Das sorgte nicht nur an der Bachstraße für nasse Füße. Die Kanalisation des Rumbachs wurde erneuert und mit der Durchfahrt eines VW-Käfers auf ihre Tauglichkeit überprüft. 

Schon 1953 war der neue Rumbachtunnel unter der Schloßstraße fertiggestellt worden. 1980 bekam er ein Regenrückhaltebecken an der Walkmühle. Seit 2016 wird die Rumbachkanalisation auf einer Länge von 1,3 Millionen erneuert. 

Die zuständigen Ingenieure rechneten bei Beginn der Bauarbeiten mit Baukosten von bis zu 11 Millionen Euro und mit einer Bauzeit von fünf bis sieben Jahren. Zur Erneuerung des Rohrnetzes kommen Renaturierungsmaßnahmen am Rumbach. Das Land gibt 1,1 Millionen Euro dazu. Seit jeher hatten die Mülheimer ein zwiespältige Verhältnis zum Rumbach. Denn er sorgte nicht nur für nasse Füße, in Folge von Winterschmelze oder Unwettern, sondern…