Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom August, 2013 angezeigt.

Die Zukunft ist ökumenisch: Die katholische Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt feiert ihren 250. Geburtstag zusammen mit ihren evangelischen Nachbarn auf dem Kirchenhügel

„Das habe ich mir von Papst Franziskus abgeschaut. Auf Menschen zugehen und in einfachen Worten authentisch mit ihnen sprechen“, beschreibt Pfarrer Michael Janßen seine Strategie als Seelsorger. Er ist davon überzeugt, dass seine Gemeinde St. Mariae Geburt, die jetzt ihren 250. Geburtstag feiert, und im Laufe dieser Zeit (1786, 1856-72 und 1928/29) drei Kirchen errichtet hat, nicht nur eine große Vergangenheit, sondern auch eine gute Zukunft haben wird.


„Es gibt eine große Sehnsucht nach Religion. Das spüre ich nicht nur in meinen Gesprächen mit jungen Leuten immer wieder“, betont Janßen. Am Anfang ist das Wort, nicht nur in der Bibel, sondern auch in der alltäglichen Begegnung von Mensch zu Mensch. „Wie gut das tut und wie die gemeinsame Arbeit Freude macht“, erlebt auch die ehrenamtliche Gemeindemitarbeiterin Elke Titze beim Mittagstisch für Bedürftige. Donnerstags um 12 Uhr wird im Jugendheim an der Althofstraße aufgetischt und im besten Sinne des Wortes über Gott und die Welt gesp…

Auch im kommenden Schuljahr ist die Styrumer Willy-Brandt-Schule ein Ort, an dem man fürs Leben lernen kann

An der Styrumer Willy-Brandt-Schule werden im kommenden Schuljahr 80 Lehrer 956 Schüler unterrichten. Die Schule, die inzwischen als „Schule ohne Rassismus“ ausgezeichnet wurde und zum Netzwerk der MINT-Schulen gehört, die mit besonderen Projekten das mathematische, technische und naturwissenschaftliche Lernen fördern, wurde 1986 als dritte Mülheimer Gesamtschule eingerichtet und 1993 nach Willy Brandt benannt.


Projekte rund um den 100. Geburtstag des ehemaligen SPD-Vorsitzenden, Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers (am 18. Dezember 2013) werden nur ein Glanzlicht des kommenden Schuljahres sein.

Ganz im Sinne der auf Frieden, Völkerverständigung und soziale Gerechtigkeit ausgerichteten Politik Willy Brandts werden rund 30 Schüler und Lehrer aus den Klassen 9 bis 13 bei sozialen Hilfsprojekten im westrumänischen Ciakova Hand anlegen. Diesmal geht es um Umbauarbeiten in einem Seniorenheim und um die Einrichtung eines Computerraumes in einem Jugendgefängnis. In früheren Jahren l…

Nicht alle haben in den Sommerferien schulfrei, wie ein Besuch in der Styrumer Willy-Brandt-Schule und ein Gespräch mit der dortigen Schulleitung zeigt

In einem Sweatshirt und halblanger Hose würde der stellvertretende Schulleiter der Willy-Brandt-Schule, Mathias Kocks, normalerweise nicht zur Arbeit erscheinen. Doch eigentlich hat er ja auch noch Ferien, ebenso wie Schulleiterin Ingrid Lürig, die ihm im Schulleitungstrakt der Styrumer Gesamtschule Gesellschaft leistet.


Die beiden Pädagogen haben keine Langeweile, sondern bereiten die morgige Sitzung des Schulleitungsteams vor. Dort gibt es einiges zu besprechen. Das Schulleitungsteam besteht zurzeit nur aus vier statt aus sechs Lehrern. Die didaktische Leitung und die Abteilungsleitung für die Unterstufe müssen neu besetzt werden, nur ein Thema für das kommende Schuljahr, das Mitte nächster Woche beginnt. Außerdem möchte die Bezirksregierung von der Schulleitung wissen, welche Fortbildungen sie plant und wie sie die Ergebnisse der letzten Lernstandserhebungen bewertet. Das Schulministerium hat seinerseits Beispielaufgaben für die Abiturprüfungen der kommenden Jahre angefordert und a…

Als die Bilder laufen lernten: Ein Besuch in der Camera Obscura

Wie war das, als Bilder laufen lernten, aber die Menschen noch nicht ins Kino gingen oder vorm Fernseher saßen? In einem alten Wasserturm in Mülheim kann man es erleben. Zwischen Laterna Magica, Schattenspiel, Guckkästen, Kaleidoskop und Wunschtrommel können Besucher Bilder in Bewegung bringen und an 16 Nachspielstationen alles anschauen, (fast) alles anfassen oder per Kurbel und Knopfdruck in Gang setzen – ohne Angst zu haben, etwas kaputtzumachen. Doch wirklich spitze ist der 30 Meter hohe Turm, weil er unter seinem Dach die größte Camera obscura der Welt beherbergt.


Camera obscura – was, bitte schön, ist das denn? Es ist der Urahn von Fotoapparat, Videokamera und Fernsehschirm von heute. Durch ein kleines Loch fällt Tageslicht von außen in einen dunklen Raum und projiziert Bilder auf die gegenüberliegende Wand – die Mattscheibe. Im 19. Jahrhundert, lange vor Pocketkamera und Digicam, war die Camera obscura ein Jahrmarktknüller, es gab sie aber auch in Parks und auf Aussichtspunkten…

Als die D-Mark noch geholfen hat - Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland wurden die Zukunftsängste der bürgerlichen Mitte an- und ausgesprochen

Donnerstagabend im Dümptener Treff. Etwa 40 Bürger sitzen bei Bier, Wasser und Apfelschorle und diskutieren über die Zukunft von Euro und Europa und darüber, warum sich Deutschland bei der Zuwanderungspolitik ein Beispiel an Kanada nehmen sollte.


Dass dort Zuwanderer mit einem Punktesystem bewertet werden und nur dann ins Land dürfen, wenn sie die Sprache beherrschen, ihren Integrationswillen nachweisen können und mit ihre berufliche Qualifikation eine Lücke schließen, empfindet man als Vorbild.

Wir sind bei einer Versammlung der Alternative für Deutschland. Das Publikum ist gut bürgerlich. Viele Ärzte, Ingenieure, Unternehmensberater oder Beamte sind im Raum, meistens Männer aus den reiferen Jahrgängen, eine Hand voll Frauen und nur ein Teilnehmer scheint unter 30 zu sein. Einige Gesichter hat man auch schon bei der CDU, bei der FDP oder im Dümptener Bürgerverein gesehen. Ein Mann bezeichnet sich als Ex-SPD-Wähler.

Es wird engagiert diskutiert und zugehört. Jeder darf ausreden, auch…

Kein Platz in der Herberge? Fragen und Antworten zur Lebenssituation der Flüchtlinge in unserer Stadt

Politisch Verfolgte genießen Asyl.“ So steht es im Artikel 16a des Grundgesetzes. Das Asylrecht wurde 1949 auch deshalb in unsere Verfassung geschrieben, weil viele Deutsche während der Nazi-Zeit in anderen Ländern Asyl suchten und finden mussten.


Heute protestieren Menschen in unserem Land vor Flüchtlingsunterkünften, weil sie Angst haben, dass wir von einer Flüchtlingswelle überschwemmt werden die unser Land wirrschaftlich überfordern könnte. Wer sich mit dem Leiter der Mülheimer Ausländerbehörde, Udo Brost, und mit der Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, Martina Kleinewegen, über die lokale Flüchtlingssituation unterhält, bekommt ein sehr viel differenzierteres Bild. Fragen und Antworten zu einem Thema, das bewegt und polarisiert.

Frage: Wie viele Flüchtlinge leben in Mülheim?

Antwort: Zurzeit leben in Mülheim 326 Flüchtlinge und 450 bereits anerkannte Asylbewerber. Bis Ende des Jahres könnten noch einmal 150 bis 200 Flüchtlinge dazu kommen. Anfang der 90er Jahre waren es…

Wie kann man den Kampf gegen multiresistente Krankheitserreger und MRSA-Keime gewinnen? Ein Gespräch mit der Hygienebeauftragten des Evangelischen Krankenhauses, Gabriele Kantor

In einigen Duisburger Krankenhäusern haben sich (wie berichtet) die Infektionen mit dem multiresistenten MRSA-Keim gehäuft. Ein Mann ist gestorben. Müssen sich auch Mülheimer Patienten sorgen und was kann man gegen MRSA-Keime machen? Darüber sprach ich für die NRZ mit der Hygienebeauftragten des Evangelischen Krankenhauses, Gabriele Kantor.


Frage: Kann man ausschließen, dass auch in einer Mülheimer Klinik ein Patient an einer MRSA-Infektion sterben könnte?

Antwort: Nein, dass kann man nicht, weil gerade lange Krankenhausaufenthalte mit mehreren operativen Eingriffen und Antibiotikabehandlungen immer die Gefahr eine MRSA-Infektion in sich bergen, auch wenn wir bisher noch keinen Todesfall hatten, der ursächlich auf eine MRSA-Infektion zurückzuführen gewesen wäre.

Frage: Ist der MRSA-Erreger ein reiner Krankenhauskeim?

Antwort: Nein. Denn 90 Prozent der betroffenen Patienten bringen den MRSA-Keim, bereits mit ins Krankenhaus. Er kann sich auf ihrer Haut oder in ihrer Nasenschleimhaut fe…

Multiresistente Erreger sind auch in Mülheim ein Thema: Beim Kampf gegen die MRSA-Keime ist ein gutes Hygienemanagement der Anfang von allem

Multiresistente Erreger und MRSA-Keime sind nicht nur in Duisburg, sondern auch in Mülheim ein Thema. Wie der Leiter des Gesundheitsamtes, Georg Ohde, auf meine Anfrage im Auftrag der NRZ bestätigte, wurden dem Gesundheitsamt im laufenden Jahr zwei MRSA-Infektionen und sowohl im Vorjahr wie in diesem Jahr jeweils ein Todesfall gemeldet, der auf eine Infektion mit MRSA-Keimen zurückzuführen war. Ohde kann aber keine Angaben darüber machen, wo diese Patienten verstorben sind.


Der Vergleich zeigt Ohde, dass es derzeit in den Nachbarstädten Duisburg (50) und Essen (21) deutlich mehr meldepflichtige MRSA-Fälle gibt als in Mülheim.

Meldepflichtig, so Ohde, seien aber auch nur MRSA-Befunde, die bei Blut- oder Gehirnflüssigkeitsuntersuchungen festgestellt worden seien. Die per Abstrich in Kliniken festgestellten MRSA-Befunde seien dagegen nicht meldepflichtig.

In einem Interview, das ich mit ihr für die NRZ führte, betonte die Hygienebeauftragte des Evangelischen Krankenhauses, Gabriele Kant…

Was ist uns unsere Kommunalpolitik wert? Sollte sie weiter ehrenamtlich oder doch besser hauptamtlich betrieben werden?

Wer mehrstündige Rats- oder Ausschusssitzungen, miterlebt, bekommt eine Ahnung davon, mit welch komplexen Themen sich ehrenamtliche Kommunalpolitiker beschäftigen und welche Papierberge sie bewältigen müssen. Ratsherr Hans Georg Hötger von den Mülheimer Bürgerinitiativen (MBI) erinnert sich etwa an einen 256-seitigen Bebauungsplan und fragt sich: „Wer soll das alles lesen?“


„Die meisten Bürger wissen gar nicht, was wir tun und werfen uns mit der Verwaltung oder mit den Berufspolitikern auf Bundes- und Landesebene in einen Topf“, beklagt SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering. Er kann nicht verstehen, dass Bürger, die sich ehrenamtlich in der Leseförderung engagieren, ein positives Echo bekommen und Ratsmitglieder, die sich um das Gemeinwesen kümmern, vor allem Kritik zu hören bekommen.

Trotz einer Aufwandsentschädigungen (siehe Kasten) ist Kommunalpolitik, anders als Landes- oder Bundespolitik, ein Ehrenamt mit hohem Arbeits- und Zeitaufwand. Deshalb will die SPD-Landtagsfraktion Kommuna…

Wie der doppelte Abiturjahrgang die Zahl der Freiwilligen ansteigen lässt: Eine Umfrage

Was macht man, wenn es den eigenen Abiturjahrgang gleich doppelt gibt und ein extremer Numerus Clausus den Weg zum Studium der Wahl versperrt? Nutzen heute mehr Schulabgänger die Möglichkeit im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder des Bundesfreiwilligendienstes zwölf Monate mit einer sinnvollen Tätigkeit zu überbrücken?


Bei der Caritas, den Mülheimer Seniorendiensten, dem Diakonischen Werk der Arbeiterwohlfahrt, der Lebenshilfe, dem Deutschen Roten Kreuz und bei der Stadt bestätigt man, dass es mehr Bewerber für die zur Verfügung stehenden Freiwilligen-Stellen gibt. Bei den Mülheimer Seniorendiensten hat man dagegen nur eine gleichbleibende Bewerberzahl registriert.

„Die meisten Bewerber, die zu uns kommen wollen nicht studieren, sondern ausprobieren, ob sie in der Altenpflege arbeiten können“, erklärt Ingo Hickmann aus der Personalabteilung der Seniorendienste. Judith Kellerhoff vom Personalamt der Stadt schätzt, dass seit Jahresbeginn etwa 30 bis 40 entsprechende Anfragen,…

Der neue Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, Klaus-Jürgen Wolf will als kreativer Quereinsteiger nicht nur gestalten und begeistern, sondern auch zuhören, um Potenziale zu heben

Ehe er am 1. Juli die Nachfolge von Helmut Storm antrat, hatte Klaus-Jürgen Wolf nichts mit dem Roten Kreuz zu tun. Jetzt steht der 48-jährige Diplom-Kaufmann als Kreisgeschäftsführer an der Spitze des Mülheimer DRKs. Eine Zeitungsanzeige wies ihm den Weg zu seiner neuen Aufgabe. In seiner neuen Funktion trägt Wolf Verantwortung für 40 hauptamtliche und rund 400 ehrenamtliche Mitarbeiter.


„Ich kann zuhören,“ beschreibt der neue DRK-Geschäftsführer seine wichtigste Stärke. Das Zuhören ist für ihn die Voraussetzung dafür, „um die Stärken von Menschen zu erkennen und ihre Potenziale zu heben.“ Wie das im Einzelfall funktioniert, kann und will der Mann an der Spitze des Mülheimer DRKs nach gut einem Monat im Amt noch nicht sagen. Aber er hat sich fest vorgenommen, den ehrenamtlichen Helfern mehr Anerkennung zu verschaffen und als hauptamtlicher Geschäftsführer dort, wo es notwendig ist, ehrenamtliche Mitarbeiter in Leitungsfunktionen zu entlasten. Dabei denkt Wolf zum Beispiel an die ehre…

Was wir auch in Mülheim aus den Mainzer Personalpannen der Deutschen Bahn lernen können und müssen: Ein Gespräch mit Verdi-Vize Günter Wolf

Die urlaubs- und krankheitsbedingten Ausfälle der Deutschen Bahn im Stellwerk des Mainzer Hauptbahnhofes haben bundesweit zu einer Kontroverse darüber geführt, ob Arbeitnehmer im Notfall aus dem Urlaub zurückgeholt werden können und ob die Personaldecken insgesamt zu dünn geworden sind. Die NRZ sprach darüber mit dem stellvertretenden Geschäftsführer der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Günter Wolf, die in Mülheim und Oberhausen insgesamt 15?000 Arbeitnehmer in den Bereichen Verwaltung, Verkehr, Handel, Gesundheit, Soziale Dienste, Kirchen, Post, Wachdienste und Wohnungswirtschaft vertritt.


Frage: Dürfen Arbeitnehmer bei einer Notlage aus dem Urlaub zurückgeholt werden?

Antwort: Darauf haben Arbeitgeber keinen Rechtsanspruch. Das kann nur auf freiwilliger Basis und im Einvernehmen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschehen.

Frage: Wenn ein Arbeitnehmer freiwillig seinen Urlaub unterbricht, worauf sollte er achten?

Antwort: Er oder sie sollte sich vom Arbeitgeber den…

Der Pilot Frank Achner fliegt vom Flughafen Essen-Mülheim aus nicht nur prominente Fluggäste zu ihren Zielen in Deutschland und Europa

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, singt Reinhard Mey. „Der Mann hat Recht“, sagt Frank Achner. Der Mann muss es wissen. Er ist Pilot. 1966 saß er zum ersten Mal am Steuer eines Flugzeugs. Damals war er 16 Jahre alt. Seitdem hat ihn die Faszination des Fliegens nicht mehr losgelassen. Zwölf Jahre lang flog der promovierte Zahnmediziner als Soldat der Luftwaffe Starfighter. Heute startet er mit Turbopropmaschinen vom Typ King Air und mit kleinen Düsenjets vom Typ Cessna Citation durch. „Mit den kleinen Düsenjets dürfen wir hier nur landen und starten, wenn wir für die Deutsche Stiftung Organspende Transplantationszentren anfliegen. Sonst müssen wir auf Turbopropmaschinen zurückgreifen“, erzählt Achner.


Der Pilot, der auch während seiner Zahnarztzeit nebenberuflich Passagiere von A nach B flog, fliegt von Mülheim aus meistens gespendete Organe, durch Deutschland und Europa. Er schätzt, dass 350 von 450 Flügen, die seine Gesellschaft Star Wings von Raadt startet, a…

Eine sommerliche Zwischenbilanz: Oder wie sich die Sommerhitze ausgezahlt hat

Spätestens seit Billy Wilders gleichnamiger Filmkomödie aus dem Sommer 1959 wissen wir: „Manche mögen es heiß.“ Und die, die es heiß mögen, kamen in den letzten Wochen wahrlich auf ihre Kosten.


Für die NRZ machte ich mich in der vergangenen Woche im Schweiße meines Angesichtes auf eine hochsommerliche Spurensuche und surfte zumindest zahlentechnisch auf der Hitzewelle, die die einen jubilieren und die anderen stöhnen ließ.

Dabei sorgte das Unterfangen den ersten Sommermonat 2013, der seinen Namen auch verdiente, in Zahlen zu fassen und so eine sommerliche Zwischenbilanz zu ziehen, auch für die eine oder andere Hitzewallung.

Im heißen Juli hieß es für viele Mülheimer immer wieder: „Pack die Badehose ein.“ Das ließ sowohl im Styrumer Naturbad , als auch im Südbad und im Heißener Wennmann-Bad die Kassen klingeln. Allein im Naturbad, das von der Paritätischen Initiative für Arbeit betrieben wird, kühlten sich im Juli 19.604 Badegäste ab. 20.232 Wasserratten planschten und schwammen derwei…

So gesehen: Gerade, wenn man nicht im Geld schwimmt, ist es gut, wenn man sich nicht nur auf Kassenautomaten verlassen muss

Als ich jetzt im Friedrich-Wennmann-Bad schwimmen gehen wollte, wäre ich um ein Haar baden gegangen. Und das hatte mit meiner Eintrittskarte zu tun. Auf der waren noch 30 Euro gespeichert. Doch davon wollte der Kassenautomat im Heißener Schwimmbad nichts wissen. Schon fürchtete ich, auf dem Trockenen sitzen zu bleiben und meinen guten Vorsatz einer im besten Sinne des Wortes bewegten Freizeitgestaltung nicht in die Tat umsetzen zu können, als mich ein Schwimmmeister aufklärte und zur Hilfe kam: Meine Karte sei noch am Automaten des Südbades gelöst worden. Ich staunte nicht schlecht, als ich hörte, dass der alte Automat im Südbad und der neue Automat im Wennmann-Bad nicht kompatibel seien. Sind denn nicht beide Bäder städtisch? Ja, aber nicht mehr lange, ließ man mich beim Mülheimer Sportservice wissen. Denn weil das Südbad ab 1. Oktober von den Mülheimer Vereinen übernommen und dann hauptsächlich von denen und von Schulen und nur noch eingeschränkt von der Öffentlichkeit genutzt werde…

Die Sonnen- und Schattenseiten eines Busfahrerlebens: Ein Gespräch mit dem MVG-Fahrer Cemil Ates

Seine Kollegin auf dem Plakat der Fahrerkampagne lächelt. „Für euch stehe ich gerne früh auf“, steht da. Über dieses Motiv kann Cemil Ates nur schmunzeln. „Ich bin ein Nachtmensch. Morgens früh aufzustehen, fällt mir schwer“, sagt der 49-jährige Busfahrer der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG). Deshalb beginnt er seinen Fahrdienst meistens am frühen Nachmittag oder am späten Abend.


Auf den sechs Nachtexpresslinien der MVG fährt Ates am liebsten. „Nachts ist es ruhiger auf den Straßen. Es sind nicht so viele Autos und Menschen unterwegs und viele Ampeln sind abgeschaltet“, beschreibt er die Vorzüge seiner Nachtfahrten.

Doch der gelernte Stahlbetonbauer, der nach der Insolvenz seines früheren Arbeitgebers 2005 auf Busfahrer umschulte, „weil man da mehr mit Menschen zu tun hat“, weiß auch: „Als Busfahrer muss man seine Augen immer überall haben.“ Nachts hat er seine Augen vor allem dort, wo vor allem am Wochenende regelmäßig alkoholisierte Jugendliche an Diskotheken und Kneipen einstei…

Wenn Politik krank macht: Ein Gespräch mit dem Politik-Aussteiger Thomas Behrendt

Matthias Platzeck ist mir sympathisch, "weil er kein Stratege und Taktiker ist. Der Mann ist bodenständig und nah dran an den Menschen. Der weiß, was wirklich los ist," sagt Thomas Behrendt über den brandenburgischen Ministerpräsidenten.


Dass Platzeck jetzt aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt hat, bestätigt Behrendt in seiner Ansicht und macht ihm Platzeck noch vertraut. Denn so wie jetzt der Landes- und Bundespolitiker musste auch der Kommunalpolitiker im Mai 2010 die Reißleine ziehen, weil sein Körper und seine Seele gegen den Dauerstress als Fraktionschef der Grünen und als Personalratschef der Sparkasse rebellierten. Er gab alle seine Ämter auf, nahm eine mehrmonatige Auszeit und ging für einige Wochen in eine psychosomatische Rehaklinik, um wieder ins seelische und körperliche Gleichgewicht zu kommen.

Was für Platzeck zwei Hörstürze und ein leichter Schlaganfall waren, das waren für Behrendt Angstzustände, Herzrasen und depressive Verstimmungen. "…

So gesehen: Zwischen Reifezeugnis und Armutszeugnis oder: Was ist das Abitur heute noch wert?

Was ist das Abitur heute noch wert? Dieser Frage ist die NRZ erst kürzlich nachgegangen. Einst galten Abiturienten als gemachte Leute. Heute, da wir gleich zwei Abiturjahrgänge ins Leben entlassen, wird es ihnen mit einem ausufernden Numerus Clausus offensichtlich immer schwerer gemacht, ihren Weg zu gehen und ihr Glück zu machen.

Obwohl wir als überalternde Gesellschaft die jungen Abiturienten von heute schon morgen dringend als Fachkräfte brauchen, versperrt ihnen immer öfter der NC, der nur die Noten und nicht die Menschen mit ihren Talenten im Auge hat, den Weg zu ihrer Berufung. Das ist offensichtlich kurzsichtig und stellt unserer Gesellschaft kein Reife,- sondern ein Armutszeugnis aus. Zeit zum Nachsitzen? Klassenziel verfehlt? Wer kann uns Nachhilfe geben? Vielleicht die Abiturienten des Doppeljahrgangs, die mit ihren 12 oder 13 erfolgreich abgeschlossenen Schuljahren eine reife Leistung abgelegt haben, egal was der NC sagt. Sie nehmen hoffentlich alle Hürden und Umwege und be…

Was bekannte Mülheimer in ihrer Schulzeit für ihr Leben gelernt haben: Eine Umfrage zwischen den Schuljahren

Die Schule, wo ich viel vergessen habe, bestritt seitdem den größten Teil der Zeit. Ich war ein patentierter Musterknabe. Wie kam das bloß? Es tut mir jetzt noch leid. So dichtete Erich Kästner 1930 in seinem „Kurzgefassten Lebenslauf.“ Dabei soll man doch in der Schule nicht vergessen, sondern, wie es wohl jeder Schüler schon mal zu hören bekommen hat, fürs Leben lernen. Doch was hat man in der Schule wirklich für sein Leben gelernt? Heutigen und künftigen Schülern zum Trost fragte ich für die NRZ bei Mülheimern nach, deren Schulzeit schon etwas länger zurückliegt und die sich sei dem in der Schule des Lebens behauptet haben.


„Ich glaube, dass es am wichtigsten war zu begreifen, dass ich, wenn ich mich richtig bemühe, das, was ich mir vornehme, auch wirklich erlernen und einigermaßen gut beherrschen kann“, beschreibt Schuldezernent Ulrich Ernst die zentrale Lektion seiner Schulzeit.

Die Leiterin der Willy-Brandt-Schule, Ingrid Lürig, wird etwas konkreter, wenn sie sich erinnert: „Da…