Freitag, 9. August 2013

So gesehen: Gerade, wenn man nicht im Geld schwimmt, ist es gut, wenn man sich nicht nur auf Kassenautomaten verlassen muss

Als ich jetzt im Friedrich-Wennmann-Bad schwimmen gehen wollte, wäre ich um ein Haar baden gegangen. Und das hatte mit meiner Eintrittskarte zu tun. Auf der waren noch 30 Euro gespeichert. Doch davon wollte der Kassenautomat im Heißener Schwimmbad nichts wissen. Schon fürchtete ich, auf dem Trockenen sitzen zu bleiben und meinen guten Vorsatz einer im besten Sinne des Wortes bewegten Freizeitgestaltung nicht in die Tat umsetzen zu können, als mich ein Schwimmmeister aufklärte und zur Hilfe kam: Meine Karte sei noch am Automaten des Südbades gelöst worden. Ich staunte nicht schlecht, als ich hörte, dass der alte Automat im Südbad und der neue Automat im Wennmann-Bad nicht kompatibel seien. Sind denn nicht beide Bäder städtisch? Ja, aber nicht mehr lange, ließ man mich beim Mülheimer Sportservice wissen. Denn weil das Südbad ab 1. Oktober von den Mülheimer Vereinen übernommen und dann hauptsächlich von denen und von Schulen und nur noch eingeschränkt von der Öffentlichkeit genutzt werden kann, wollte der Sportservice keine 50- bis 60?000 Euro mehr in die Hand nehmen, um damit einen neuen und kompatiblen Kassenautomaten für das Südbad anzuschaffen. Denn der Stadt steht das Wasser ja bis zum Hals.


Konnte ich also mit meiner Karte im Wennmann-Bad nicht mehr baden gehen, weil die Stadt sonst in einen gefährlichen Strudel geraten würde? Gott sei Dank muss man sich als Badegast aber nicht allein auf Automaten verlassen, sondern trifft eben auch noch auf einen hilfsbereiten Schwimmmeister, der mein Kartenguthaben aus dem Südbad auf eine Karte übertragen hat, die auch der Automat in Heißen geschluckt hat. Baden zu gehen ohne das einem, mangels Kleingeldreserven, das Wasser finanziell bis zum Hals steht, war für mich ein Gefühl wie Weihnachten und das mitten im Hochsommer.

So ein Hochgefühl hätte unser Stadtkämmerer wohl auch gerne mal. Doch wenn unsere Stadtkasse ins Schwimmen kommt, weil man mehr ausgibt, als man einnimmt, kann wohl nur der gesund kalkulierende Menschenverstand helfen, da es noch keinen Kassenautomaten gibt, der die öffentlichen Haushalte per Knopfdruck ausgleichen könnte.

Dieser Text erschien am 7. August 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

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