Posts mit dem Label Beruf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Beruf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 18. Dezember 2016

Herr Fleischmann mag es vegetarisch: Der Bio-Caterer aus Broich ist von seinem gesunden Ernährungsangebot überzeugt, aber ewig lockt die Currywurst die eher fleischeslustigen Kunden

Bio-Caterer Andreas Fleischmann bei der Arbeit
Früher arbeitete Andreas Fleischmann  als Wirtschaftsinformatiker in der Aldi-Hauptverwaltung an der Mintarder Straße 40. Heute steht er dort dienstags, zwischen 10 Uhr und 13.30 Uhr mit seinem Imbiss-Wagen und bietet seinen ehemaligen Kollegen einen mobilen Mittagstisch an.

Wer Lust auf Pommes, Currywurst und Pizza hat, wird bei Andreas Fleischmann nicht glücklich. Wer es etwas gesünder und natürlicher mag, kommt bei dem 33-Jährigen Bio-Caterer voll auf seine Kosten.

Auf seiner Speisekarte, die er mit grüner, roter und weißer Kreide auf eine Tafel geschrieben hat, stehen Gerichte, wie zum Beispiel sämige Smoothies aus Mango, Apfel, Banane, Zitronen, Spinat, Datteln und Ingwer, eine Linsensprossen-Bolognese oder ein Thai-Curry-Eintopf , Kartoffeln und Kichererbsen, Chilli con carne mit Rindfleisch aus ökologischer und tiergerechter Rinderzucht, jeweils mit  Basmatireis. Oder auch ein gemischter Salat mit Blattsalat, Hirsesalat, Paprika, Olivenöl und Kräutern.

Früher beschäftigte sich der Mittdreißiger aus Broich vor allem mit Zahlenkolonnen in seinem Computer. Doch 2011 kam die Wende, als auch manches andere in seinem Leben im Umbruch war. Er beschäftigte sich mit gesunder Ernährung und mit der Frage, „ob ich mein ganzes Leben hinter dem Schreibtisch meines Büros verbringen will oder etwas Sinnvolleres mit meinen Händen tue, das Menschen  gut tut“. Es fing mit einer Internetrecherche an. Andreas Fleischmann wollte wissen, wie man selbst Soja-Milch herstellen kann. Dabei stieß er unter anderem auf Hochleistungsmixer, mit denen er heute seine Smoothies herstellt. Auf den Laien wirken sie wie ein bevorzugt grüner Gemüsesaft. „Doch er ist mehr als das, weil alle Bestandteile der Lebensmittel verarbeitet werden und so nicht nur die Vitamine und Spurenelemente, sondern auch die für den Körper notwendigen und besonders nährwertigen Ballast- und Faserstoffe erhalten bleiben. Sie können so unter anderem die Verdauung fördern,“ erklärt Fleischmann den Mehrwert der Smoothies.

Was ihm selbst gut tut und dazu führt, „dass ich seltener krank und insgesamt  vitaler bin“, bietet er seit 2014 seinen Kunden an. Die trifft er nicht nur dienstags auf dem Aldi-Park-Platz an der Mintarder Straße, mittwochs zur gleichen Zeit auf dem Aldi-Park-Platz an der Oberen Saarlandstraße 2 und samstags von 9 bis 15 Uhr auf dem Saarner Pastor-Luhr-Platz, sondern auch bei Musikfestivals, Festen oder zuletzt bei der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle der Mülheimer Klimaschutzinitiative und des Agendabüros am Löhberg.

„Es ist schwer gegen die Pommes-und-Currywurst-Mentalität anzukämpfen, aber ich gebe mir Zeit und probiere immer wieder verschiedene Sachen aus, um herauszufinden, was bei den Kunden besonders gut ankommt“, sagt Fleischmann.
2014 wagte der alleinerziehende Vater eines siebenjährigen Sohnes den Sprung ins kalte Wasser. Er investierte 5000 Euro in die Anschaffung seines Imbisswagens und der dazugehörigen  gastronomischen Grundausstattung.

Schnell hat der ehemalige Büromensch mit geregeltem Einkommen und geregelten Achtstundentagen gemerkt, dass er als Kleinunternehmer in Sachen gesundes Essen (neudeutsch: Vital Food) zwar sein eigener Chef ist und selbst über seine Zeit bestimmen kann, aber „selbst und ständig aktiv sein muss“, ohne am Tagesbeginn zu wissen, ob am Tagesende die Kasse stimmt. 
Mit diesem wettertechnisch suboptimalen Dienstag auf dem Saarner Aldi-Parkplatz ist Fleischmann jedenfalls auch umsatztechnisch nicht zufrieden. Zwölf Aldi-Mitarbeiterinnen und drei -Mitarbeiter sowie eine Stammkundin aus einer nahegelegenen Steuer-Kanzlei haben sich von Fleischmann gesund und lecker ernähren lassen, „weil das eine gesunde Abwechslung auf dem Speiseplan ist“, „weil es einfach schmeckt und gut tut“ und: „weil Herr Fleischmann immer so freundlich ist“.

Aber als er nach drei Stunden auf dem Parkplatz seinen Imbisswagen abtakelt und seine am Morgen liebevoll geschnibbelten und in einer Gewerbeküche vorgekochten Köstlichkeiten wieder einpackt, sind seine Warmhaltetöpfe noch lange nicht leer.

„Was übrig bleibt, esse ich selbst oder gebe es an Freunde ab“, erzählt Fleischmann. Doch ein wirklich guter Tag ist für den selbstständigen Bio-Caterer nur ein Tag, an dem er seinem siebenjährigen Sohn Jurj, den er nachmittags aus der Offenen Ganztagsgrundschule abholt, erzählen kann: „Heute hat der Laden wieder gebrummt.“ Heute war kein solcher Tag. Höchste Zeit, um nach der Buchhaltungsarbeit am heimischen Schreibtisch beim Krafttraining oder beim Fußballspiel in einer Hobbymannschaft wieder aufzutanken. Aber morgen ist ja ein neuer Tag. Auch diesen Tag wird der ernährungsbewusste Andreas Fleischmann wieder mit einem gesunden Müsli-Frühstück und frischem Obst beginnen.

Dieser Text erschien am 17, Dezember 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung  

Montag, 26. September 2016

"Ausbildung und Arbeit sind ein wichtiges Fundament für das Lebenshaus" - Zwei Kirchenmänner sind als Botschafter in Sachen Berufsausbildung unterwegs

Großer Bahnhof mit Stadtdechant Michael Janßen (links) und
Weihbischof Franz Grave (rechts)
Nur ein Viertel der Betriebe bilden aus. Und obwohl das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, suchen noch 190 Bewerber eine Lehrstelle. Deshalb ließen sich jetzt Stadtdechant Michael Janßen und der emeritierte Weihbischof Franz Grave von der örtlichen Agentur für Arbeit gerne als Botschafter für mehr Ausbildungsplätze einspannen. Sie taten dies bei einem Betriebsbesuch, der Kraftfahrzeug-Handel-und-Service-GmbH, deren Inhaber, Oliver Kammann gleich 5 Auszubildende und 1 Praktikanten in seinem Team hat. „Wir wollen uns bei Ihnen für Ihr Engagement bedanken und an andere Arbeitgeber appellieren, beim Thema Ausbildungsplätze vielleicht noch eine Schippe drauf zu legen“, betonte Grave.

Derweil machte der Kaufmann und Handwerksmeister Oliver Kammann, der Dennis Krüger (18), Luca Strucksberg (16), Dominick Rillo (19), Niko Dangiris (22) und Marvin Puchert (17) zum KFZ-Mechatroniker ausbildet, deutlich: „Man kann nicht über Fachkräftemangel klagen und gleichzeitig nicht ausbilden wollen. Das ist für mich eine Investition in meine Monteure von morgen.“

So etwas hörte auch der örtliche Chef der Agentur für Arbeit, Jürgen Koch gerne. Er forderte bei dieser Gelegenheit gleich „eine bessere Netzwerkarbeit, wenn es um die Schaffung und Meldung von Ausbildungsplätzen gehe. Immerhin konnte er einen achtprozentigen Anstieg der Ausbildungsplätze auf derzeit 1094 vermelden. Arbeitsvermittlerin, Erika Pulikow-Fast, vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit glaubt, „dass mehr Arbeitgeber ausbilden würden, wenn sie besser Bescheid wüssten, mit welchen finanziellen und sozialpädagogischen Hilfen wir sie bei der Ausbildung eines Lehrlings unterstützen können.“ Lohnzuschüsse sind ebenso möglich, wie die Übernahme von Nachhilfekosten oder die Unterstützung durch einen Ausbildungscoach, der die Jugendlichen während ihrer Ausbildungszeit begleitet.

„Ausbildung und Arbeit sind ein wichtiges Fundament für das Lebenshaus“, unterstrich der sozialpolitisch engagierte Weihbischof Grave. Und Stadtdechant Janßen erklärte Arbeit und Ausbildung „zu einem Grundrecht.“ Mit Sorge sieht Janßen, dass vor allem Menschen mit Behinderung auch dann oft keine Chance bekommen, wenn ihre Motivation und Qualifikation nichts zu wünschen übrig ließen, weil sich viele Arbeitgeber lieber eine Ausgleichsabgabe zahlten, als einen Schwerbehinderten einzustellen.

Gerne würde Oliver Kammann, dessen KFZ-Betrieb alles, vom kleinen Pkw bis zum großen Lkw repariert, auch seinen syrischen Praktikanten, Mazhar Al Monajed in eine Ausbildung übernehmen. Denn der 23-jährige Flüchtling hat sich während seines vierwöchigen Praktikums bewährt. Er hat auch einen Führerschein. Dem ehemaligen Jurastudenten, der in Syrien auch in der KFZ-Werkstatt seines Onkels gearbeitet hat, fehlt aber ein Auto, mit dem er dauerhaft von seinem Wohnort Moers nach Mülheim fahren könnte.

„Ob jemand perfekt deutsch spricht, ist doch nicht so entscheidend, wie der Umstand, dass man sich versteht, jeder sich bemüht und jeder dem anderen hilft. Was der Eine nicht weiß, weiß eben der Andere“, erklärte Lehrling Dennis Krüger, was die internationale Blaumann-Fraktion der Firma KHS, zu der neben deutschen, auch griechische, syrische und italienische Kollegen gehören, zusammenhält. „Sie geben uns mit ihrem Vorbild im Kleinen ein Beispiel der Solidarität, das zeigt, wie es im Großen funktionieren könnte,“ lobte Weihbischof Grave die Betriebsgemeinschaft.
Großer Bahnhof in Sachen Ausbildung in der Werkshalle der am Wiescher Weg ansässigen Kraftfahrzeug-Handel-und Service GmbH.

Dieser Text erschien am 10. September 2016 im Neuen Ruhrwort





Sonntag, 11. September 2016

Bei diesem Beruf geht es um die Wurst: Fleischermeister Falk Oesterwind sucht zwei Auszubildende, die die Produktion und den Verkauf seiner Metzgerei verstärken

Fleischer steht bei jungen Leuten nicht gerade an der Spitze der Berufswünsche. Das weiß auch die Arbeitsagentur. Dabei zählt der Beruf zu denen mit Perspektive – und es gibt freie Kapazitäten.

„Ich habe schon als Junge gerne gekocht und mir Fleischspieße gebraten“, erinnert sich der 21-jährige Fleischergeselle Gérard Schlösser. Als Schüler machte er dann ein Praktikum in einer Metzgerei. Damit war er nach seiner Fachoberschulreife an der Gustav-Heinemann-Schule der richtige Kandidat für Falk Oesterwind. Denn der 49-jährige Fleischermeister, der an der Aktienstraße 308 eine Metzgerei betreibt, die sein Urgroßvater 1936 eröffnet und sein Vater Willi 1994 an ihn übergeben hat, suchte damals einen Fleischerlehrling.

Jetzt ist es wieder soweit. Unterstützt von der Agentur für Arbeit sucht der Fleischermeister, der einen Familienbetrieb mit 15 Mitarbeitern führt, gleich zwei Bewerber für eine Ausbildung zum Fleischer oder zur Fleischerin und für eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin oder zum Fleischereifachverkäufer.

„Beide Ausbildungen lassen sich mit Hauptschul-Abschluss gut bewältigen“, sagt Oesterwind. Wichtiger als Noten und Schulabschlüsse sind ihm Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen, Pünktlichkeit, Fleiß, und Zuverlässigkeit.“

In der Küche arbeiten drei, im Laden sieben und in der Produktion fünf Kollegen. „Man kommt ganz schön auf Trapp und muss gut im Team arbeiten können. Aber da findet man sich schnell rein“, berichtet Fleischergeselle Gérad Schlösser aus seinem Arbeitsalltag. Der beginnt in der Regel schon um sechs Uhr, wenn man nicht gerade Spätschicht hat. Werktags ist die Metzgerei bis 18.30 Uhr und samstags bis 14 Uhr geöffnet.

Das Wurstmachen und das professionelle Zerschneiden der großen Fleischteile ist natürlich Aufgabe der Fleischer. Ansonsten sind die Grenzen zwischen den Arbeits- und Ausbildungsbereichen fließend. Jeder in der Metzgerei sollte wissen, „dass man Kunden am besten mit einem Lächeln auf den Lippen bedient, wie man ein Fleischermesser oder den Fleischwolf und andere Fleischereimaschinen gefahrlos benutzt.“

Ebenso stehen Betriebshygiene, Warenkunde, das Zubereiten von Grillspezialitäten und kaufmännisches Rechnen auf dem dreijährigen Ausbildungsplan. Auch das Belegen von Wurst- und Buffetplatten will gelernt sein. Die monatliche Brutto-Ausbildungsvergütung steigt während der Lehrzeit von 500 auf 700 Euro. Die Ausbildung beginnt mit einer viermonatigen Probezeit. Die Lehrlinge des Betriebs arbeiten drei Wochen pro Monat im Betrieb und eine Woche in der Berufsschule.

„Wir bilden den Nachwuchs für unseren Betrieb aus. Das hat sich bewährt. Denn so wissen wir auch, was wir von unseren Mitarbeitern erwarten“, macht Oesterwind deutlich, dass am Ende einer erfolgreichen Ausbildung die Übernahme in eine Festanstellung steht, die im Falle eines Fleischergesellen mit monatlich brutto 1850 Euro und in Fall der Fleischereifachverkäuferin mit 1650 bezahlt wird.


Dieser Text erschien am 26. August in NRZ/WAZ

Mittwoch, 17. August 2016

Das Handwerk als Sprungbrett in den Beruf Ein Informationsbesuch beim Dachdeckerbetrieb Richard zeigte die Potenziale einer dualen Berufsausbildung auf

Dachdeckermeister Jens Peter Richard begrüßte in seinem Betrieb Franz Roggenmann
von der Industrie- und Handelskammer (links), Barbara Yeboah vond der Kreishandwerkerschaft,
Klaus Konietzka von der Sozialagentur und Christiane Artz von der Agentur für Arbeit.
„Wir haben bereits im zweiten Jahr in Folge mehr Schulabgänger, die ein Studium beginnen, statt in eine Berufsausbildung zu starten“, stellt der für Ausbildung zuständige Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Franz Roggemann, fest. Das hält er für volkswirtschaftlich bedenklich, „weil die duale und arbeitsmarktorientierte Berufsausbildung ein wesentlicher Pfeiler unseres Wohlstandes ist.“

Deshalb haben die operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit, Christiane Artz, und Barbara Yeboah, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, zwei Botschaften, eine für die Betriebe: „Bilden Sie aus!“ und eine für die Lehrstellensuchenden: „Informieren Sie sich auch abseits der klassischen Ausbildungsberufe im großen Feld der über 300 Ausbildungsberufe.“

Als beste Gelegenheit dafür empfiehlt der Leiter der Mülheimer Sozialagentur, Klaus Konietzka, die Ausbildungsmesse, die am 21. September in der Stadthalle alle Akteure des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes unter einem Dach zusammenbringen wird.

„Wenn Jugendliche an Ausbildung denken, haben sie immer erst den KFZ-Mechatroniker oder die Friseurin, aber nicht den Dachdeckerberuf im Blick“, weiß der stellvertretende Obermeister der Dachdecker-Innung, Jens Peter Richard.

Er selbst beschäftigt in seinem Betrieb sechs Mitarbeiter und zwei Auszubildende. „Wir bilden immer für den eigenen Bedarf aus“, betont Richard den Vorteil, dass eine Handwerksausbildung auch zu einer Anschlussbeschäftigung führt, die in diesem Fall mit einem Gesellengehalt von monatlich brutto 3500 Euro bezahlt wird.

„Ein angestellter Meister verdient monatlich seine 4500 Euro brutto“, macht Richard deutlich, dass sich gut ausgebildete Handwerker oft leichter mit dem Berufseinstieg tun, als dies bei vielen Akademikern der Fall ist. „Mit einer Handwerksausbildung kann man Karriere machen und sein Leben gut gestalten“, weiß auch Barbara Yeboah von der Kreishandwerkerschaft.

Nicht nur diese, sondern auch die Arbeits- und Sozialagentur unterstützen und beraten ausbildungswillige Betriebe, zum Beispiel mit gezieltem Coaching für förderungsbedürftige Auszubildende. „Das Handwerk hat dafür gesorgt, dass die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diese Jahr um 1,6 Prozent gestiegen ist“, freut sich Christiane Artz. Im Handwerk stehen 1000 Betrieben der Kreishandwerkerschaft 600 Ausbildungsverträge gegenüber. Aber insgesamt bilden derzeit nur 22 Prozent der Betriebe in Mülheim und Oberhausen aus.


Dieser Text erschien am 12. August 2016 in NRZ/WAZ

Leder, made in Mülheim

  Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu...