Montag, 26. September 2016

"Ausbildung und Arbeit sind ein wichtiges Fundament für das Lebenshaus" - Zwei Kirchenmänner sind als Botschafter in Sachen Berufsausbildung unterwegs

Großer Bahnhof mit Stadtdechant Michael Janßen (links) und
Weihbischof Franz Grave (rechts)
Nur ein Viertel der Betriebe bilden aus. Und obwohl das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, suchen noch 190 Bewerber eine Lehrstelle. Deshalb ließen sich jetzt Stadtdechant Michael Janßen und der emeritierte Weihbischof Franz Grave von der örtlichen Agentur für Arbeit gerne als Botschafter für mehr Ausbildungsplätze einspannen. Sie taten dies bei einem Betriebsbesuch, der Kraftfahrzeug-Handel-und-Service-GmbH, deren Inhaber, Oliver Kammann gleich 5 Auszubildende und 1 Praktikanten in seinem Team hat. „Wir wollen uns bei Ihnen für Ihr Engagement bedanken und an andere Arbeitgeber appellieren, beim Thema Ausbildungsplätze vielleicht noch eine Schippe drauf zu legen“, betonte Grave.

Derweil machte der Kaufmann und Handwerksmeister Oliver Kammann, der Dennis Krüger (18), Luca Strucksberg (16), Dominick Rillo (19), Niko Dangiris (22) und Marvin Puchert (17) zum KFZ-Mechatroniker ausbildet, deutlich: „Man kann nicht über Fachkräftemangel klagen und gleichzeitig nicht ausbilden wollen. Das ist für mich eine Investition in meine Monteure von morgen.“

So etwas hörte auch der örtliche Chef der Agentur für Arbeit, Jürgen Koch gerne. Er forderte bei dieser Gelegenheit gleich „eine bessere Netzwerkarbeit, wenn es um die Schaffung und Meldung von Ausbildungsplätzen gehe. Immerhin konnte er einen achtprozentigen Anstieg der Ausbildungsplätze auf derzeit 1094 vermelden. Arbeitsvermittlerin, Erika Pulikow-Fast, vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit glaubt, „dass mehr Arbeitgeber ausbilden würden, wenn sie besser Bescheid wüssten, mit welchen finanziellen und sozialpädagogischen Hilfen wir sie bei der Ausbildung eines Lehrlings unterstützen können.“ Lohnzuschüsse sind ebenso möglich, wie die Übernahme von Nachhilfekosten oder die Unterstützung durch einen Ausbildungscoach, der die Jugendlichen während ihrer Ausbildungszeit begleitet.

„Ausbildung und Arbeit sind ein wichtiges Fundament für das Lebenshaus“, unterstrich der sozialpolitisch engagierte Weihbischof Grave. Und Stadtdechant Janßen erklärte Arbeit und Ausbildung „zu einem Grundrecht.“ Mit Sorge sieht Janßen, dass vor allem Menschen mit Behinderung auch dann oft keine Chance bekommen, wenn ihre Motivation und Qualifikation nichts zu wünschen übrig ließen, weil sich viele Arbeitgeber lieber eine Ausgleichsabgabe zahlten, als einen Schwerbehinderten einzustellen.

Gerne würde Oliver Kammann, dessen KFZ-Betrieb alles, vom kleinen Pkw bis zum großen Lkw repariert, auch seinen syrischen Praktikanten, Mazhar Al Monajed in eine Ausbildung übernehmen. Denn der 23-jährige Flüchtling hat sich während seines vierwöchigen Praktikums bewährt. Er hat auch einen Führerschein. Dem ehemaligen Jurastudenten, der in Syrien auch in der KFZ-Werkstatt seines Onkels gearbeitet hat, fehlt aber ein Auto, mit dem er dauerhaft von seinem Wohnort Moers nach Mülheim fahren könnte.

„Ob jemand perfekt deutsch spricht, ist doch nicht so entscheidend, wie der Umstand, dass man sich versteht, jeder sich bemüht und jeder dem anderen hilft. Was der Eine nicht weiß, weiß eben der Andere“, erklärte Lehrling Dennis Krüger, was die internationale Blaumann-Fraktion der Firma KHS, zu der neben deutschen, auch griechische, syrische und italienische Kollegen gehören, zusammenhält. „Sie geben uns mit ihrem Vorbild im Kleinen ein Beispiel der Solidarität, das zeigt, wie es im Großen funktionieren könnte,“ lobte Weihbischof Grave die Betriebsgemeinschaft.
Großer Bahnhof in Sachen Ausbildung in der Werkshalle der am Wiescher Weg ansässigen Kraftfahrzeug-Handel-und Service GmbH.

Dieser Text erschien am 10. September 2016 im Neuen Ruhrwort





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