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So gesehen: Menschenskinder, es weihnachtet

Heute Abend ist es also soweit. Wir wünschen uns frohe Weihnachten. Oder sollten wir doch besser schon „Merry Christmas“ sagen? Denn wenn man heutzutage ganz unbesinnlich, um nicht zu sagen „verry busy“ durch die Stadt hetzt, um die letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen und dabei in dicken Lettern „Weihnachts Sale“ liest oder der Festtagsschnitt beim Friseur als „Haar Style“ verkauft wird, kann einem die deutsche Weihnacht schon ganz schön „denglisch“ vorkommen.

Solche Sprachverwirrung passt auch zu der nicht nur für Kindergarten-Kinder verwirrenden Glaubensfrage, ob die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum nun vom Weihnachtsmann, vom Christkind oder doch von Mama und Papa kommen.

Apropos Kindergarten. Das Wort lässt uns hoffen, im babylonischen Sprachgewirr des globalen Dorfes zu überleben. Denn das Wort Kindergarten ist einer der seltenen Sprachexporte Deutschlands, die sich sogar im Wortschatz der Amerikaner festgesetzt haben.

Kein Wunder. Ist der Kindergarten doch ein Ort, an dem uns…

Die in Mülheim geborene Regina Greefrath hat sich "nicht gegen eine Familie, sondern für das Kloster entschieden"

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„Im Moment schwebe ich noch auf Wolke Sieben“, sagt Regina Greefrath. Man könnte meinen, dass die junge Frau, die vor 31 Jahren in Mülheim das Licht der Welt erblickte, von ihrer Hochzeit und den Flitterwochen spricht. Doch ihr Ordenskleid, das dem Besucher nur den Blick in ihr Gesicht freigibt, spricht dagegen.
Doch ist der Vergleich mit der Hochzeit und den Flitterwochen ist gar nicht so abwegig. Denn im Oktober hat sie als Augustiner Chorfrau ihre ewigen Gelübde abgelegt. Damit ist sie als Ordensfrau, wenn man es poetisch ausdrücken möchte, eine Braut Christi.
„Mein Lebensplan sah lange so aus, dass ich mit Kindern arbeiten und einen Mann und Kinder haben wollte“, erzählt Greefrath, die seit ihrer ewigen Profess Schwester Maria Regina heißt. Ihr erster Plan hat sich erfüllt. Heute unterrichtet sie als Lehrerin an der Essener BMV-Schule, die von ihrem Orden getragen, wird Religion und Spanisch. Doch ihr zweiter Lebensplan wird sich, wie es aussieht, nach der endgültigen Entscheidung f…

Als es Weihnachten noch etwas weniger sein durfte

Als Ilse Steuck zehn Jahre alt war, da wünschte sie sich zu Weihnachten eine Puppe. „Aber sie zu kaufen, war für meine Eltern damals unerschwinglich. Deshalb hat mir mein Vater mit Stroh und einer Bettdecke eine wirklich schöne Puppe selbst gemacht, über die ich mich sehr gefreut habe“, erzählt 86-Jährige. Über die Geschenkeorgien und Festgelage heutiger Weihnachtstage schütteln sie, Ellen Werner (89), Irmgard Splettstözer (91), Margret Schauenburg (85) und Johanna Padberg (97) milde den Kopf. Wenn sie heute mit ihren Mitbewohnern im Haus Ruhrgarten Weihnachten feiern und „ganz ohne Textblatt“ die alten Weihnachtslieder singen, werden Erinnerungen an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit und Jugend wach, bei denen es geschenke- und essenstechnisch bescheidener als heute, aber nicht unbedingt weniger besinnlich erwartungsfroh zuging. In allen Erinnerungen schwingt vor allem Dankbarkeit dafür mit, dass es ihren Eltern auch in Kriegs- und Hungerjahren immer wieder gelang, ihren Kindern ein …

Und kein Friede auf Erden: Rückblick auf den Luftangriff, der Mülheim am 24. Dezember 1944 traf

Am 24. Dezember 1944 werden die Mülheimer jäh aus den Vorbereitungen auf den Heiligen Abend gerissen. Um 14.05 Uhr heulen die Sirenen. 170 Bomber der Royal Airforce sind im Anflug. Ihr Ziel ist der Flughafen. Bei einem von insgesamt 160 Luftangriffen, die Mülheim im 2. Weltkrieg treffen, erleben und erleiden die Menschen den Krieg am eigenen Leib. Heute erinnert eine Gedenktafel hinter dem Sportplatz des SV Raadt daran. Der Krieg tritt vor 70 Jahren in seine letzte Phase. Amerikanische Truppen stehen in Aachen bereits auf deutschem Boden. Im April 1945 werden sie auch in Mülheim einmarschieren. Mitte Dezember startet die militärisch längst geschlagene Wehrmacht in den Ardennen eine letzte Gegenoffensive.

Als Antwort darauf bombardiert die britische Luftwaffe die Mülheimer Flughafensiedlung. In den 30er Jahren konnte man von Mülheim aus noch ins europäische Ausland fliegen. Doch seit 1940 ist aus dem Flugplatz, der damals größer war, als der in Düsseldorf, ein Fliegerhorst geworden. Hi…

Eingeladen Kirche zu erleben: Seit zehn Jahren gibt es am Kohlenkamp eine katholische Ladenkirche

Eine Frau und ihr Sohn werden nicht fertig mit dem Tod des Vaters und Ehemannes. Ein Mann stößt bei der Betreuung seiner pflegebedürftigen Frau an seine Grenzen. Ein anderer Mann hat seinen Arbeitsplatz verloren und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Eine junge Mutter fragt sich, ob sie ihr Kind taufen lassen soll? Solche und ähnliche Gespräche werden fast täglich in der Mülheimer Ladenkirche geführt. „Viele Menschen sind heute sehr einsam und haben niemanden, dem sie ihre Sorgen mitteilen können“, weiß Barbara Heckler. Sie ist eine von 50 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die die Ladenkirche am Kohlenkamp tragen und zwei- bis dreimal im Monat einige Stunden investieren, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, ihnen zuzuhören oder Informationen aus der katholischen Stadtkirche an die Frau und den Mann zu bringen.
"Wir haben uns damals gesagt: Wenn immer weniger Menschen zur Kirche kommen, muss die Kirche eben zu den Menschen kommen“, beschreibt Johannes Valkyser den Impuls, der vo…

Bürgerarbeit: Eine zweite Chance für den Arbeitsmarkt vor dem Aus

„Der SPD-Bundestagsabgeordnete Arno Klare fordert einen sozialen Arbeitsmarkt, aber die Große Koalition hat es versäumt, rechtzeitig ein Nachfolgeprogramm für die auslaufende Bürgerarbeit aufzulegen“, ärgert sich der Geschäftsführer des Diakoniewerkes Arbeit und Kultur, Ulrich Schreyer.

In der Spitze beschäftigte das Diakoniewerk 70 aus der Langzeitarbeitslosigkeit kommende Bürgerarbeiter, die zum Beispiel in der Kantine, an der Tafel, im Textil- und Secondhand-Verkauf, im Fuhrpark, in der Schreinerei oder bei Wohnungsauflösungen eingesetzt wurden. Zurzeit sind es noch 35. Nur 15 von ihnen können mit Eigenmitteln des Diakoniewerks und Fördermitteln der Sozialagentur zwei Jahre lang weiterbeschäftigt werden. Auch wenn der Wegfall der Bürgerarbeiter beim Diakoniewerk mit einigen Überstunden anderer Kollegen ausgeglichen werden kann, macht es aus Schreyers Sicht keinen Sinn, „dass der Steuerzahler mehr Geld dafür bezahlt, Langzeitarbeitslose mit massiven Vermittlungshindernissen zu Hause…

Die Jüdische Gemeinde zwischen Baustellen und Lichtblicken: Ein Gespräch mit ihrem Geschäftsführer Michael Rubinstein

Am 16. Dezember feierte die Jüdische Gemeinde Mülheim-Duisburg-Oberhausen den ersten Tag ihres achttägigen Lichterfestes Channukka auch auf dem Synagogenplatz. Dann werden der neue Vorstandsvorsitzende der Gemeinde Dmitrij Yegudin und der neue Gemeinderabbiner Reuven Konnik zusammen mit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld die erste von acht Festtagskerzen entzünden. Zur Feier des Tages wird auch der Gemeindechor singen und Fettgebackenes gereicht. Das jüdische Lichter- und Familienfest Channukka erinnert an ein Wunder. Als 164 vor Christus der 2. jüdische Tempel in Jerusalem nach einer Verwüstung durch die Syrer wieder eingeweiht wurde, reichte das Olivenöl zum Entzünden des siebenarmigen Kerzenleuchters, dessen Licht nicht erlöschen sollte, eigentlich nur für einen Tag. Doch durch eine wunderbare Ölvermehrung brannten die Kerzen acht Tage, solange, bis neues Olivenöl hergestellt und herangeschafft werden konnte.

Wenn sich der Geschäftsführer der 2700 Mitglieder zählenden Gemeinde,…

So gesehen: Selbst ist der Mann

Früher wussten Studenten, die Geld brauchten, was sie im Dezember zu tun hatten. Ein Anruf bei der Nikolaus-Vermittlung des Arbeitsamtes reichte. Heute heißt das Arbeitsamt Agentur für Arbeit, hat aber wie man hört, gar keine Nikoläuse mehr im Angebot, die zu einem nach Hause kommen und nicht nur den lieben Kleinen bei Bedarf die Leviten lesen, um sie anschließend Besserung geloben zu lassen und zum guten Schluss zu beschenken. Offensichtlich braucht man heute keinen Nikolaus vom Amt, weil es heute an allen Ecken und Enden selbst berufene Nikoläuse gibt und in jedem Mann eben auch ein Weihnachtsmann steckt. Wie sagte doch jüngst Kabarettist Stefan Bauer: Erst glaubt man an den Nikolaus, dann nicht mehr und dann ist man selbst der Nikolaus.

Dieser Text erschien am 10. Dezember 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

So gesehen: Der Nikolaus und seine Nachfolger

Der Nikolaus lebt. Ich sah ihn gestern auf der Schloßstraße. Er ging an einem Rollator. Der Mann kommt ja auch in die Jahre.

Ob es der leibhaftige Nikolaus war, muss natürlich stark bezweifelt werden. Denn der heilige Bischof Nikolaus von Myra hat ja im 3. und 4. Jahrhundert gelebt.

Doch wenn gestandene Männer anno 2014 unter eine Nikolausmütze schlüpfen und mit rockiger Adventsmusik im Ohr am helllichten Tag über die Schloßstraße wandeln, zeigt das die Langlebigkeit von Schutzheiligen. Im Falle von Nikolaus profitieren vor allem Kinder und Seeleute vom Schutz des Heiligen.

Vielleicht war sein jahreszeitgemäß behüteter und beschallter Nachfolger ja gerade auf der Schloßstraße unterwegs, um ein kleines Geschenk für seine Enkel einzukaufen und damit den Einzelhandel in der Innenstadt anzukurbeln. Den dort oft gebeutelten Händlern kommt jeder Nikolaus gerade recht, wenn er etwas bei ihnen kauft, mit dem er seine lieben Kleinen beschenken und ihre Kassen klingeln lassen kann.

Denn von den…

Warum gehen Menschen heute noch ins Kloster? oder: "Unser Leben ist die beste Werbung"; Ein Rückblick auf die Saarner Klostergespräche

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Warum gehen Menschen heute ins Kloster? Wie funktioniert Klosterleben im 21. Jahrhundert? Diesen Fragen gingen jetzt die Saarner Klostergespräche nach. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres 800 Jahre Kloster Saarn luden sich die Klosterfreunde und die katholische Akademie Die Wolfsburg mit der Franziskusschwester Benigna Berens (81), dem Zisterzienser-Prior Pater Pirmin Holzschuh (46) und der Augustiner Chorfrau Regina Greefrath (31) Ordensleute aus drei Generationen ein.

Über alle Altersgrenzen hinweg zeigte sich schnell, dass die Ordensleute viel verbindet, wenn man sie, wie Moderator Jens Oboth und die rund 60 Gäste im Bürgersaal von Kloster Saarn zu den Motiven ihres Klosterlebens befragt. Von der Kraft des Gebetes und der Gemeinschaft war immer wieder die Rede. „Das Vier-Augen-Gespräch mit Gott macht mir immer wieder den Kopf frei“, unterstrich Schwester Benigna Berens. Die ehemalige Generaloberin ihres Ordens sieht ihren eigenen Lebens- und Glaubensweg als „eine Prozession, in der ic…

Sterbehilfe oder Sterbebegleitung? Eine Diskussion in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg über die Frage: Was ist der Mensch?

Nichts ist so sicher, wie der Tod. „Hier geht es um die Frage: Was ist der Mensch?“, sagt Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bei einer Diskussion zum Thema Sterbehilfe. Eingeladen dazu hat die Katholische Akademie Die Wolfsburg. Ihr Auditorium ist mit 350 Zuhörern fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele der interessierten Gäste, die die Politiker, Theologen, Juristen und Mediziner auf dem Podium befragen, haben als Seelsorger, Mediziner, Pflegekräfte oder ehrenamtliche Hospizmitarbeiter einen sehr persönlichen Zugang zum Thema.

Die zweieinhalbstündige Diskussion verläuft nicht kontrovers. Sie ist eher ein gemeinsames Nachdenken und Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten. Zu diesem Gemeinsamkeiten zwischen den Fachleuten auf dem Podium und im Publikum gehören die Einsicht, dass wir in Deutschland keine aktive Sterbehilfe, sondern den Ausbau der stationären und ambulanten Versorgung sterbender Menschen brauchen, die die Angst vor Schmerzen und Einsamkeit auf dem letzten Weg nimmt und nic…

Der Bund stellt zusätzliches Geld für die Flüchtlingshilfe der Kommunen bereit: Was könnte das für Mülheim bedeuten?

Gute Nachrichten aus Berlin. Bund und Länder haben sich gestern im Bundesrat darauf geeinigt, dass der Bund in den kommenden beiden Jahren jeweils 500 Millionen Euro bereitstellen soll, um die Kommunen bei der Unterbringung der Flüchtlinge finanziell zu unterstützen.

Was bedeutet das für Mülheim? Obwohl der genaue Verteilungsschlüssel der Mittel noch nicht feststeht, kann sich der stellvertretende Leiter des Sozialamtes, Thomas Konietzka, vorstellen, dass Mülheim mit rund einer Million Euro aus der Bundeskasse rechnen könnte.

Diese Prognose ergibt sich aus dem Verteilungsschlüssel für die Aufnahme der Flüchtlinge. Aufgrund seiner Größe und Einwohnerzahl muss Nordrhein-Westfalen derzeit ein gutes Fünftel aller Flüchtlinge aufnehmen, die nach Deutschland kommen. Mülheim muss wiederum aufgrund seiner Größe und Einwohnerzahl ein Prozent aller Flüchtlinge aufnehmen, die nach Nordrhein-Westfalen kommen.

Demnach würden NRW 100- von 500 Millionen Euro aus der Bundeskasse zustehen. Und Mülheim be…

Auf ein Wort: Der Kabarettist Kai Magnus Sting ist so frei

2013 hielt er die Laudatio auf seinen Kabarettkollegen Rene Steinberg. Am 29. November wird der Kabarettist und Autor Kai Magnus Sting von den Mülheimer Karnevalisten beim Prinzenball selbst mit der Spitzen Feder für seine Verdienste um das freie und offene Wort ausgezeichnet. Deshalb bat ihn in der NRZ auf ein Wort.

Frage: Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit der Spitzen Feder?

Antwort: Ich freue mich über diese Auszeichnung, weil sie mir zeigt, dass das, was ich seit vielen Jahre als Alltagskabarettist mache, Menschen gefällt und sein Publikum findet. Und Publikum ist das wichtigste, was ein Künstler braucht.

Frage: Was verbindet Kabarett und Karneval?

Antwort: Ob mit einem Lied, in einer Büttenrede oder bei einer Kabarettnummer. Immer geht es darum Menschen eine gute Geschichte zu erzählen, die sie nicht nur unterhält, sondern sie auch dazu bringt ihren Alltag einmal unter einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Gutes Kabarett und guter Karneval hält Menschen immer auch den Sp…

Nachhaltig christlich: Das Mülheimer Barbaramahl unterstützt die örtliche Hospizarbeit

Wie können wir etwas schaffen, was im christlichen Sinne nachhaltig wirkt? Aus der Antwort auf diese im Kulturhauptstadtjahr 2010 vom Bochumer Katholikenrat gestellte Frage entstand das Barbaramahl, das inzwischen zweimal in Bochum, einmal in Bottrop und einmal in Mülheim stattgefunden hat. Ziel dieses Mahles, zu dem Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen des Ruhrbistums eingeladen werden, ist die finanzielle Unterstützung der Hospizarbeit. Denn die heilige Barbara ist nicht nur die Schutzpatronin der Bergleute, sondern auch der Sterbenden, der Flüchtlinge und der Verfolgten. Wolfgang Feldmann vom Kuratorium Barbaramahl schätzt, dass bei jedem Barbaramahl jeweils rund 10.000 Euro für die jeweilige Hospizarbeit vor Ort gesammelt werden konnten. Als er 2012 das Barbaramahl in der Mülheimer Stadthalle organisierte, kamen sogar 13.500 Euro als Reinerlös zusammen, der je zur Hälfte an das stationäre und an das ambulante Hospiz der Ruhrstadt übergeben werden konnte. Dass das Barbarama…

Der neue Vorsitzende der Mülheimer SPD, Ulrich Scholten, will ein Kümmerer sein, der die Basis aktiviert und die Leute vor der Haustür abholt

Fast neun Monate war die Führungsfrage bei der Mülheimer SPD nicht geklärt, führten Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld und Partei-Vize Constantin Körner die Partei kommissarisch und suchten nach einem Nachfolger für den im April zurückgetretenen Parteichef Lothar Fink. Jetzt hat der Unterbezirksparteitag am Samstag in der Stadthalle mit Ulrich Scholten einen neuen Parteichef gewählt. 95,5 Prozent der Delegierten sagten Ja zu dem Mann aus Eppinghofen, der hauptamtlich seit 17 Jahren das Personalwesen der Salzgitter-Mannesmann-Grobblech GmbH leitet und seit 15 Jahren für die SPD im Rat sitzt, wo er unter anderem in den Ausschüssen für Finanzen, Stadtplanung und Bürgerangelegenheiten mitarbeitet. Scholten vereinte 126 Ja-Stimmen bei fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung auf sich.

Der gerade 57 Jahre alt gewordene Mülheimer sieht sich selbst als „Kümmerer.“ Worum er sich als Parteivorsitzender kümmern muss, weiß Scholten aus seiner eignen Biografie. Als er 1973 in die SPD eintrat, hatt…

Wie in einem offenen Wohnzimmer: Im Jugendzentrum Stadtmitte wird Integration nicht gefordert, sondern gelebt und gefördert

Am 17. November verlieh der Integrationsrat der Stadt Mülheim, der 24 Mitglieder zählt, den mit 400 Euro dotierten Förderpreis für ein gedeihliches Miteinander und gegenseitige Integration.
Ausgezeichnet wurde der Verein für soziale Kinder- und Jugendarbeit, der neben dem Jugendzentrum an der Georgstraße auch die Jugendzentren an der Tinkrathstraße in Heißen, an der Leybankstraße in Winkhausen und an der Nordstraße in Dümpten betreibt.
In Mülheim leben 168.000 Menschen aus mehr als 100 Nationen. Da hat integrationsfördernde Jugendarbeit, wie sie jetzt vom Integrationsrat auszeichnet worden ist, für die Stadtgesellschaft eine existenzielle Bedeutung. Wie die aussehen kann, zeigt ein Besuch im Jugendzentrum an der Georgstraße.

Was den Charme des Jugendzentrums ausmacht, in dem Jugendliche aus 30 Nationen ihre Freizeit verbringen, bringt die 17-jährige Ayse, die hier gerade ein Schülerpraktikum absolviert hat, auf den Punkt: „Das ist hier, wie ein offenes Wohnzimmer. Man sitzt hier wie in …

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Das Priesterbild im Wandel

„Wie stellen wir uns als Gemeinden darauf ein und was macht das mit unserer Seelsorge?“ Das fragt sich nicht nur Theologe Jens Oboth, sondern auch seine Tagungsgäste in der katholischen Akademie Die Wolfsburg angesichts der nicht nur im Bistum Essen dramatisch gesunkenen Zahl von Priestern und Priesteramtskandidaten. Gerade mal 14 junge Männer aus dem Bistum studieren zurzeit katholische Theologie mit dem Ziel, Priester zu werden. Sie tun es seit 2012 nicht mehr in einem Priesterseminar des Bistums Essen. Das Bochumer Priesterseminar wurde mangels Masse mit dem des Bistums Münster zusammengelegt.

„Viele Menschen kennen Priester heute nur noch aus Film oder Fernsehen“, sagt Lisa Kienzl. Die Religionswissenschaftlerin von der Universität Graz muss es wissen, hat sie doch die mediale Inszenierung von Priesterbildern wissenschaftlich untersucht.
Es scheint eine Ironie der Geschichte. Je weniger die Kirche im Dorf und der Pfarrer samt Kaplan in der Kirche ist, desto größer wird das mediale I…

Die Menschen mitnehmen: Was können und müssen Laien in der katholischen Kirche leisten: Ein Gespräch mit den beiden Katholikenräten Wolfgang Feldmann (63) und Daniel Wörmann (28)

Kirchenaustritte, demografischer Wandel, Missbrauchsskandale, Priestermangel. Weniger Kirchensteuer einerseits und Verschwendung von Kirchengeldern andererseits. Die katholische Kirche hat viele Baustellen. Warum lohnt es sich trotzdem oder gerade deshalb, als Laie in der Kirche aktiv zu sein und sich auch für den Glauben zu engagieren? Und wie wird man auch in Zukunft Menschen dafür begeistern und so Kirche und Glauben in unserer zunehmend säkularen und multikulturellen Gesellschaft weiter leben können. Darüber sprach das Neue Ruhrwort jetzt mit Wolfgang Feldmann und Daniel Wörmann, die stellvertretend für zwei unterschiedliche Generationen aktiver Laien stehen.
Fangen wir doch mal ganz grundsätzlich an: Warum glauben Sie eigentlich?
Feldmann: Weil ich als Kind mit Religion und Kirche aufgewachsen bin. Vor allem durch den Einfluss meiner Großeltern waren das Beten und der Gottesdienstbesuch für mich von Anfang an selbstverständlich.
Wörmann: Auch ich bin durch meine Familie in den Glau…