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Es werden Posts vom Mai, 2018 angezeigt.

Rettungsringe für die Stadt

Jetzt wird mir klar, dass unsere Stadt ins Schwimmen kommt. Als Mülheimer, der noch im alten Stadtbad bei einem beamteten Bademeister Schwimmen gelernt hat, staune ich darüber, dass die Stadt, die von uns Steuerzahlern, inklusive Tariferhöhung im Öffentlichen Dienst, über Wasser gehalten wird, personell und finanziell nicht mehr in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass wir regelmäßig baden gehen.
Wahrscheinlich würden wir als Stadtgesellschaft wirklich baden gehen, wenn nicht aktive Bürger in der PIA-Stiftung und in den Mülheimer Schwimmvereinen der Stadt einen Rettungsring zuwerfen würden, damit Mülheimer Kinder auch heute und morgen nicht als Nichtschwimmer aufwachsen müssen. Denn als solche könnten sie ja noch nicht mal kostenneutral in der Ruhr baden gehen. Sie sehen: Wir müssen uns als Bürger täglich neu abstrampeln, um den Kopf über Wasser zu halten, nicht nur im Schwimmbad

Dieser Text erschien am 31. Mai 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Zugehört: Kirche zu und fertig? - Ein WDR-Stadtgespräch zum Pfarreientwicklungsprozess

Essen-Schönebeck. Der Gemeindesaal in St. Antonius-Abbas reicht nicht aus. 150 Menschen haben sich versammelt, um das WDR-5-Stadtgespräch: "Kirche zu und fertig" live mitzuerleben und mit zu diskutieren. Deshalb wird die Veranstaltung mit Generalvikar Klaus Pfeffer, der Theologin Magdalena Bußmann von der Bewegung "Wir sind Kirche" und dem Bonner Theologie-Professor Albert Gerhards via Video auch in die benachbarte Kirche übertragen. Auch dort haben sich kurz vor dem Beginn der Sendung um 20.05 Uhr gut 100 Interessierte versammelt, um zuzusehen und zuzuschauen.

Judith Schulte-Loh, die das Podium moderiert und Olaf Biernat, der mit dem Publikumsmikrofon durch die Reihen geht, verstehen es 55 Sendeminuten zu prall mit Positionen und Fakten zu füllen, dass auch der außenstehende Zuhörer am Radio nach der Sendung weiß, worum es geht.
Die Sendung verläuft erwartungsgemäß emotional, ohne den Boden der Sachlichkeit und des gegenseitigen Respektes zu verlassen. "Das ist…

Ziemlich viel Profil

Gestern fielen mir gleich mehrere leicht bekleidete Damen in die Hände. Wie mir das passieren konnte? Ein Werbeprospekt der Neuen Ruhr Zeitung für die aktuelle Bademode machte es möglich. Da schaut man(n) gerne hin. Nach dem ersten Entzücken über die makellosen weiblichen Rundungen, schoss mir plötzlich der Gedanke in den Kopf. Wie würdest du eigentlich als Badehosen-Model im Werbeprospekt aussehen? Beim Blick auf mein Körperprofil musste ich mir eingestehen: Das Entzücken der Damenwelt würde sich angesichts meiner pfundigen Erscheinung in engen Grenzen halten, auch wenn es Damen geben soll, die die männliche Angriffsfläche nicht nur bei der Bademode zu schätzen wissen. Ich sehe den Fleisch gewordenen Tatsachen ins Auge: Als Model mit Idealfigur komme ich nicht in Frage. Da modelliere ich dann schon lieber Tagesglossen für die NRZ, auch wenn ich damit die eine oder andere Angriffsfläche biete. Aber damit kann ich leben. Sie hoffentlich auch.

Dieser Text erschien am 28. Mai 2018 in der …

Unter Umständen ans Ziel

Wer eine Reise macht, der kann was erleben. Das hat sich seit Goethes Zeiten nicht geändert. Das merkte ich jetzt, als ich am Wochenende meine Schwester im Münsterland besuchte. „Sie wollen nach Nottuln-Appelhülsen? Wo liegt das? Buchstabieren Sie mal. Nachdem ich die Erdkundekenntnisse der freundlichen Dame hinter dem Fahrkartenschalter erweitert hatte, ging es los und das im doppelten Sinne des Wortes. Denn der Zug, der durchfahren sollte, fuhr aufgrund von  Gleisbauarbeiten nicht. „Der Zug fällt heute aus. Wir bitten um Ihr Verständnis“, ließ die Deutsche Bahn aus dem Lautsprecher wissen. Und wer hat Verständnis für mich, der ich pünktlich zu meiner Schwester ins Münsterland kommen will? 

Ein Ersatzzug brachte uns unerschrockenen Münsterlandfahrer erst nach Essen, wo wir in eine Regionalbahn umstiegen, um uns bis Haltern dem Münsterland anzunähern. Von dort ging es mit einem weiteren Ersatzzug über durch das schöne, aber nahverkehrstechnisch nur bedingt zu empfehlende Münsterland. W…

Zugehört: Sind die Religionen Friedensstifter oder Brandstifter?

Die Religionen machen Schlagzeilen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lässt in allen Amtsstuben des Freistaates Kreuze aufhängen, um die christliche Leitkultur zu dokumentieren. In Berlin wird ein jüdischer Kipa-Träger von einem Muslim geschlagen. Der selbsternannte Islamische Staat mordet und terrorisiert die Menschheit. Vor diesem Hintergrund griff das WDR-5-Stadtgespräch in der Bürgerhalle der Bezirksregierung die Frage auf: „Kreuz, Kippa und Koran – Wie können die Religionen friedlich zusammenleben?“ Laut WDR-Fakten-Check leben im 18 Millionen Einwohner zählenden  Nordrhein-Westfalen derzeit rund sie sieben Millionen katholische und evangelische Christen, rund 1,5 Millionen Muslime und 26.000 Juden.
Wozu religiöse Intoleranz und Dummheit führen können, machten die Moderatoren der Sendung, Thomas Koch und Holger Beller, mit einer ersten Publikumsrunde deutlich. Da berichtete eine muslimische Grundschullehrerin von einer alten Frau, die ihr im Bus sagte: „Ihr gehört alle vergast…

Lehren aus der der Geschichte

Gestern hörte ich im Radio einen Beitrag über den Beginn des Dreißigjährige Krieges, der auch über die Menschen im damaligen Mülheim viel Unheil im Namen des Heils brachte. Zwischen Marmeladenbrot und Kaffe wurde mir klar, wie unglaublich es ist, dass sich Menschen bis heute um ihres Glaubens Willen für Machtinteressen einspannen lassen. Von den christlichen Kreuzfahrern bis zu den islamistischen Terroristen zieht sich eine blutige Spur durch die Geschichte. Und das im Namen von Religionen, die den Menschen Liebe, Hoffnung, Vergebung und Seelenheil versprechen. 
Da hat jemand etwas gründlich falsch verstanden. Oder hat das Missverständnis Methode. Hat der Philosoph Hegel Recht, wenn er sagt: „Das einzige, was wir aus der Geschichte lernen, ist, dass der Mensch nichts aus der Geschichte lernt“!? Ich will das nicht glauben und halte es lieber mit „Ringparabel“ des Dichters Lessing, in der ein Vater jedem seiner Söhne, die er alle gleich lieb hat, seinen goldenen Ring als Erbe verspricht …

Dem Ernst ins Auge schauen

"Lach bloß nicht!" rät die Ehefrau Ihrem Ehemann. Ehekrach? Nein. Die beiden lassen nur Passfotos machen.

"Sie müssen geradeaus und neutral schauen. Sonst sind Sie auf Ihrem biometrischen Personalausweis nicht identifizierbar", sagt die Fotografin. Der Angesprochene schaut verdutzt. Kein Wunder. Was ist heute schon neutral? Angesichts des Weltgeschehens um uns herum, erscheint es zwangsläufig, ernst in die Welt zu schauen. Aber wenn man sich die unfreiwilligen Chefkomiker Trump, Putin, Erdogan und Co anschauen, kann man nur noch lachen, um nicht zu weinen. Wer hat eigentlich gesagt: "Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand!" Kann man den Urheber dieser Unweisheit noch zur Rechenschaft ziehen? Am besten täte man dies gleich zusammen mit all jenen, die sich in ihren Ämtern als mächtig dumm, skrupellos und beratungsresistent erweisen und damit nicht nur dieser Volksweisheit, sondern auch den Völkern Hohn spotten. Wir bräuchten nicht nur für Unternehm…

Psychologie des Alltags

"Die Packung sah doch sonst immer anders aus?" frage ich den Verkäufer. "Die Firma hat ihr Produkt neu verpackt. So wie wir uns regelmäßig neue Kleider kaufen und anziehen, so verpacken die Unternehmen ihre Waren regelmäßig neu", klärt mich der freundliche Mann Supermarktregal auf. Das nennt man wohl Marketing. Und das sich die Gramm-Zahlen auf der neuen Verpackung leicht nach unten verändert haben, während der Preis des Produktes gleich geblieben ist, gehört wohl auch dazu. Und das alles, damit wir Kunden mal was neues im Regal sehen, das uns doch altbekannt ist? Wer das glaubt, ist auch davon überzeugt, dass es kleine Wichte sind, die nachts unsere Kleider enger nähen, so dass sie uns am anderen Morgen nicht mehr passen und wir genötigt werden, zu diäten oder in unser Portemonnaie zu greifen. Vielleicht hilft es ja, wenn wir dann kleinere Packungen einkaufen, in denen weniger ist, als wir denken, damit wir weniger essen und die kleinen Wichte nachts nicht so schn…

Schüler entdecken Israel „So eine Reise hätten wir alleine nicht machen können“

Die meisten Deutschen kennen Israel nur aus den Medien. 18 junge Frauen und Männer, die das Mülheimer Berufskolleg Stadtmitte und das Gymnasium in Essen-Werden besuchen konnten sich jetzt ein eigenes Bild machen. Der dafür mit früheren Zuschüssen der Städte Mülheim, Oberhausen und Duisburg gefüllte Sparstrumpf der DIG und eine Finanzspritze der Mülheimer Sparkasse machten es möglich. Jerusalem und Tel Aviv standen ebenso auf dem einwöchigen Reiseprogramm, wie die Golanhöhen, der See Genezareth, das Tote Meer und Mülheims, 15 Kilometer nordöstlich von Tel Aviv gelegene  Partnerstadt Kfar Saba.
“So eine Reise hätten wir für 450 Euro pro Person niemals machen können”, sagt die Gymnasiastin Franziska Halle, während sie beim Nachtreffen der Israel-Fahrer auf einer Leinwand die Fotos ihre Reiseeindrücke vorbeiziehen lässt und dabei in ein Stück Pizza beißt. Was ist den Schülern nach sieben vollen Tagen in Israel besonders im Gedächtnis geblieben?
“Man lernt den Frieden zu schätzen”
Die Berufs…

Adolph Kolpings Erben stellen die Weichen in Richtung Zukunft

Kolping Upgrade. Wie hat der 1850 vom seligen Gesellenvater Adolf Kolping gegründete Verband eine Zukunft? Darüber diskutierten 100 Kolpinggeschwister am 28. April bei einem Regionalforum im Gertrudissaal. Die Tagungsteilnehmer kamen nicht nur aus dem Bistum Essen, sondern auch aus den Nachbardiözesen Köln und Aachen

"Wo katholisch drauf steht muss auch katholisch drin sein", betonten die Traditionalisten. "Wir müssen uns für alle Menschen guten Willens öffnen, die sich zu Kolpings Grundwerten bekennen", forderten die Erneuerer. "Durch unsere Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe haben wir auch viele junge Nicht-Christen kennengelernt, die gerne in unserem Verband mitarbeiten würden", erklärt das Diözesanvorstandsmitglied Klaudia Rudersdorf den Hintergrund der aktuellen Diskussion.
Kontrovers wurde auch über die künftige Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit diskutiert. Sollte Kolping im Zeitalter der sozialen Internet-Netzwerke auf allen Kanälen kommunizieren …

Ein Popstar ohne Stimme

Ed Sheeran kann jetzt vielleicht auch nicht in Düsseldorf abrocken, weil seinem Konzert auf dem dortigen Parkplatz Bäume im Weg stehen. Ich möchte nicht sein Tourmanager sein. Dem armen Mann muss ja bald Hören und Sehen vergehen. Erst wird sein Rockstar, dessen Musik und Gesang in den Ohren der Fans, wie eine Nachtigall klingt, auf dem Mülheimer Flughafen vor der Feldlerche und den explosiven Altlasten des Zweiten Weltkrieges weichen und jetzt stehen seiner Tonkunst Bäume im Weg. Mich würde nicht wundern, wenn man demnächst davon lesen sollte, das Ed Sheeran einen Vogel bekommen oder auf die nächstbeste Palme gegangen ist.
Da muss sich doch was machen lassen, damit sich der Mann mit seiner Musik Gehör verschaffen kann. Ist nicht irgendein Bundesliga-Stadion frei, das während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ohnehin nicht bespielt wird, weil unsere Nationalkicker dann hoffentlich bei ihren Auswärtsspielen die reinste Fußballsinfonie auf den Rasen zaubern, ohne das ein schräger …

Eine Hilfe für die fremden Helfer: Sylvia Eberlein von der Alzheimer-Gesellschaft wird im Mai polnische Betreuungspersonen fortbilden

Wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt, kann das ein Ehe- und Familienleben aus den Fugen geraten.

Nach Angaben des Servicezentrums Demenz Westliches Ruhrgebiet, gibt es in der 172 000-Einwohner-Stadt derzeit rund 3600 Demenzerkrankte. Hinzu kommt, dass rund 22 000 Mülheimer über 75 Jahre alt sind und deshalb ein erhöhtes Risiko haben, an Demenz zu erkranken.

Die örtliche Alzheimer-Gesellschaft unterstützt Demenzerkrankte und ihre Angehörigen. Ihr Vorstandsmitglied Sylvia Eberlein, die hauptberuflich in der Pflegedienstleitung des ambulanten Pflegedienstes Pflegepartner arbeitet, kümmert sich jetzt im Auftrag der Alzheimer-Gesellschaft um ein sehr spezielles, aber wichtiges Fortbildungsprogramm. Mitte Mai fliegt sie nach Breslau, um dort polnische Betreuungspersonen auf ihren Einsatz in Deutschland vorzubereiten.

Möglich macht das die Pflegevermittlung Brinkmann, die mit mehreren Pflegediensten in Polen zusammenarbeitet und aktuell 50 polnische Betreuungspersonen begleitet, die sich in …

Als der Petrikirche noch die Turmspitze fehlte: Ein Zeitsprung an der Teinerstraße

Wir springen zurück ins Jahr 1954. Sonntagsausflug in die Altstadt. Diese Foto erscheint damals im Adressbuch der Stadt und zeigt die Reste der Altstadt, die den Luftangriff vom 23. Juni 1943 überstanden haben. Das heute baufällige und eingerüstete Tersteegenhaus (rechts) ist damals seit vier Jahren Heimatmuseum. Die im 13. Jahrhundert errichtete Petrikirche, von den Bomben des Zweiten Weltkrieges schwer getroffen, steht damals noch ohne Turmspitze da. Erst 1958 kann ihr Wiederaufbau abgeschlossen werden. "Dieser Tag ist nicht nur ein Fest für die Mülheimer Gemeinde, sondern ein Fest für die Gemeinden im ganzen Land, weil die uralte Petrikirche ein Zeichen dafür ist, dass an diueser Stelle Menschen schon seit über 1000 Jahren an Gott glauben und ihn anbeten", sagt der damilige Präses der Rheinischen Landeskirche, Joachim Beckmann beim Wiedereröffnungsgottesdienst am 21. Dezember 1958. Der Wiederaufbau der Petrikirche, der 1949 begonnen wird, kostet am Ende 900.000 Mark. Das …

Nehmen wir das Leben bloß nicht zu wörtlich

"Ich habe kürzlich unser Wohnzimmer ausgemessen“, erzählt der Mann im Bus neben mir. „Schön, wenn man handwerklich begabt ist. Das spart Geld“, sage ich und ernte ungläubige Blicke. Kein Wunder. Meine Zufallsbekanntschaft ist mit Krücken unterwegs und ich bin ins Fettnäpfchen getreten. Sorry. Mein Gegenüber hat Humor und muss ob meines Missverständnisses lachen.  Denn neben mir sitzt kein  Do-it-yourself-Mann, sondern ein  gestrauchelter und gestürzter Mitmensch, der am eigenen Leibe die statistisch längst belegte Tatsache erfahren musste, dass das Leben zuhause am aller gefährlichsten ist, weil in der vertrauten Umgebung die meisten Unfälle passieren. 

Der Mann mit den Krücken und dem Handverband, der im Rucksack seine Einkäufe nach Hause schleppt, beeindruckt mich. Er hält sich nicht lange mit seiner Krankengeschichte auf, sondern erzählt begeistert von seinen Reiseplänen. Nach Venedig soll es gehen, ob mit oder ohne Krücken. „Toll! Venedig sehen und sterben!“ sage und füge noch…

Hüsch lesen lohnt sich

Er war kein lauter, aber ein scharfsinniger und einfühlsamer Kabarettist und Autor. Wolfgang Hausmann liest am Freitagabend in der Fünte Hanns Dieter Hüsch mit seinen Texten lebendig werden. Gastgeber Frank Bruns hatte recht: „Sie könnten heute Abend auch an der Ruhr sein, aber das wäre ein großer Fehler!“

30 Zuhörer entdeckten in der alten Kultur-Kneipe an der Gracht 209 den 2005 verstorbenen Hüsch neu, der über sich und seine Landsleute vom Niederrhein gesagt hat: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären!“ Eine pure Untertreibung, wie Hausmanns Hüsch-Abend zeigte, an dem man den 1925 in Moers geborenen Kabarettisten, Buchautor, Chansonier, Rundfunkmoderator, Synchronsprecher, Gelegenheitsschauspieler und Heimorgelspieler als Poeten und Philosophen kennen lernte und seine Impulse mit nach Hause nahm.
O-Ton-Hüsch in seinem Gedicht gegen ein rechthaberisches Christentum: „Mein Glück soll auch dein Glück, dein Leid soll auch mein Leid sein. Gottes Liebe möge auch unsere Li…

Nachlese zum Muttertag

Mutter, Vater und zwei kleine Jungs machen einen Sonntagsspaziergang durch die Innenstadt. Schon haben die Knirpse einen der Spielbrunnen auf der Schloßstraße entdeckt und gleich geentert.
Herrlich, wie sich da von einem Bein aufs andere springen lässt. Nur als die beiden Abenteurer sich auf die Brunnenplattform knien, um die ersten Wasserproben  zu nehmen, wird es der Frau Mama zu abenteuerlich. Sie   legt einen Spurt ein und springt selbst auf die Brunnenplattform, um ihre schon halb im Wasser hängenden Jugend-forscht-Anwärter aus dem sprudelnden Nass zu ziehen und ihnen anschließend eine klare Ansage über den Fortgang des Spaziergangs zu machen.
Während dessen hält sich der Herr Papa am Regenschirm fest und schaut unbeteiligt in eine andere Richtung, als habe er mit den Vorgängen am Brunnen auf der Schloßstraße nichts zu tun.
Manche Dinge ändern sich eben nie, auch nicht am Muttertag. Die Brunnen-Szene auf der Schloßstraße erinnert mich an eine Vatertagsszene an der Ruhr, als er zu ih…

Arbeiten für unsere gemeinsame Zukunft: Warum sich die pensionierte Pädagogin Marlies Pesch-Krebs ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert

Zusammen mit dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) stellt die Mülheimer Woche Menschen vor, die als Ehrenamtler unbezahlte Arbeit leisten, die sich für unsere Stadtgesellschaft auszahlt. Marlies Pesch-Krebs gehört dazu. "Kinder liegen mir am Herzen", sagt die 68-jährige Heißenerin Marlies Pesch-Krebs. Man glaubt es ihr sofort, wenn man erfährt, dass die Mutter eines heute 39-jährigen Sohnes früher als Grundschullehrerin und Grundschulrektorin gearbeitet hat.

Viele Mülheimer werden sie noch als Rektorin der Gemeinschaftsgrundschule an der Schlägelstraße kennen, an der sie zusammen mit August Weiland ein historisches Klassenzimmer einrichtete. Schon als Schulleiterin in Styrum und später in Hamborn hatte es die Pädagogin mit Kindern aus aller Herren Länder zu tun, die zum Teil auch aus sozial benachteiligten Familien kamen. "Mir war es immer wichtig, vor allem jene Kinder zu unterstützen, die durch ihr Elternhaus nur wenig oder gar keine Hilfe auf ihrem Bildu…

Die heile Welt lässt grüßen

Auch wenn meine geistig behinderte Schwester älter ist, als ich, hat sie sich ein kindliches Gemüt bewahrt. „Du weißt, dass ich bald Geburtstag habe“, sagte sie mir gestern am Telefon. Als ob ich den Geburtstag meiner Schwester vergessen könnte. Und gleich bekam auch schon ihre Wünsche und meine Geschenkalternativen mitgeteilt. Nur keine falsche Zurückhaltung. Man muss ja sehen, wo man bleibt und das bekommt, was man braucht: Eine Musik-CD mit Nenas Lied von den 99 Luftballons und DVDs mit den Sissi-Filmen und dem Schloss am Wörther See. Na, dann. Nichts wie los. Gut, die Verkäuferin schaute mich schon etwas komisch an, als ich meine besondere Bestellung aufgab. Aber nur keine intellektuelle Verkrampfung. Was tut man nicht alles für sein Schwesterherz, das sich wie Pippi Langstrumpf die Welt so macht und anschaut, wie sie ihr gefällt und sich deshalb einen unverstellten Blick auf die schönen Seiten des Lebens bewahrt hat. Davon können wir alle nur lernen, denen täglich vor allem die u…

Adveniat warnt vor einer humanitären Katastrophe in Venezuela

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und die beiden Adveniat-Geschäftsführer Pater Michael Heinz und Stephan Jemtgens bedankten sich gestern bei den Menschen, die dem Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland 2017 Spenden in Höhe vom 44,4 Millionen Euro beschert haben.

Damit konnte das Hilfswerk 2164 Sozial- und Bildungsprojekte fördern. Allein 24,8 Millionen Euro kamen bei der Weihnachtskollekte zugunsten Adveniats zusammen. Neben Spenden konnte sich das Hilfswerk auch über Nachlässe und 1,2 Millionen Euro Zuwendungen aus Kirchensteuermitteln freuen.
Obwohl die Einnahmen aus der Weihnachtskollekte um 800.000 Euro niedriger ausfiel, als im Jahr davor, stieg die Gesamtsumme der bei Adveniat eingegangenen Spenden im Jahresvergleich um 100.000 Euro. "Das ist angesichts der großen Konkurrent auf dem deutschen Spendenmarkt ein schöner Erfolg und zeigt, dass die Menschen in unserem Land auch über ihren eigenen Tellerrand hinaus denken, wenn es darum geht christliche …

Die Musik macht den Ton

Kirche. Dabei denken heute viele an Austritt, manche aber auch an das Gegenteil. Das erlebte ich gestern im Gespräch mit ehrenamtlich engagierten Frauen, die in der evangelischen Ladenkirche an der Kaiserstraße mit Menschen ins Gespräch kommen, die wieder in die Kirche eintreten wollen.  Da kann, muss aber nicht über alles gesprochen werden. Zugehört wird aber in jedem Fall. Zugehört wurde auch am Sonntagnachmittag, als das Mercator-Ensemble im Gemeindehaus von Sankt Laurentius bei Kaffee und Kuchen aufspielte. „Mein Gott, war das schön!“ sagte eine ältere Dame nach der Veranstaltung, die Gemeindemitglieder aus Mintard ohne theologischen Unterbau, aber mit großem Herzen auf die Beine gestellt hatten, um ihren Nachbarn und sich selbst mit Musik, Genuss und Gesprächen eine Freude zu machen.

Wie schön, wenn sich Menschen in kirchlichen Räumen glücklich und willkommen fühlen, weil man dort den richtigen Ton trifft und ihnen zuhört, ganz ohne großes Credo, dafür aber mit großer und zugewand…

Wo die alten schon schwammen: Ein Zeitsprung ins Styrumer Freibad

„Besucht das Ruhrstadion!“ fordert das Adressbuch der Stadt Mülheim anno 1936 auf einer seiner ersten Seiten und illustriert diese Aufforderung mit der historischen Aufnahme.
1925 wurde das Styrumer Freibad mit dem Ruhrstadion errichtet.  Damals hatten die deutschen Arbeitnehmer maximal zwölf Urlaubstage pro Jahr. 1936 waren es immerhin schon 21. Heute sind es im Durchschnitt 30.

Doch auch wenn die Nationalsozialisten mit ihrem Ferienwerk Kraft durch Freude (KDF) erstmals auch Arbeitern und kleinen Angestellten einen Urlaub ermöglichten und dies als Propagandaerfolg für ihre Diktatur feierten, konnten die meisten Deutschen damals von Urlaubsreisen in ferne Länder nur träumen. Nach Angaben des Statistischen Reichsamtes verdienten 1936 62 Prozent der Steuerzahler weniger als 1500 Reichsmark pro Jahr. 60 Prozent ihres Einkommens mussten sie für Lebensmittel und Wohnungsmiete aufwenden. 

Umso wichtiger waren für die einfachen Bürger in dem von Thyssen geprägten Industrieort Styrum und für ih…

Ganz schön ausgeschlafen

Ausgerechnet in der NRZ-Beilage Geld und Karriere wurde mir ein „Power-Nepping“ empfohlen. Wie bitte? Power-Nepping. Ich bin alt genug, um mich noch an Eduard Zimmermanns Fernsehsendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ zu erinnern. Seit dieser Zeit weiß ich: Nepper betrügen und täuschen ihre Mitmenschen, um auf deren Kosten Kasse zu machen. Und das wird einem jetzt in einer Geld- und Karriere -Beilage empfohlen? Ist dem Turbo-Kapitalismus denn wirklich nichts mehr heilig? Doch bei genauerem Hinschauen wurde aus dem Power-Nepping ein Power-Napping. Wenn Sie das bisher nicht kannten, geht es Ihnen, wie mir. Hinter dem Power-Napping, unser tägliches Denglisch gib uns heute, verbirgt sich das gute alte deutsche Nickerchen. 

Das gönnt man landläufig eher alten Menschen, den Menschen, die mitten im Berufsleben stehen und gefälligst etwas leisten, statt ihre Zeit verschlafen sollen, aber nicht. Doch jetzt erfahre ich: 20 bis 30 Minuten Schlaf am Mittag reduziert das Gewicht, produziert Glück…

Das Berufskolleg Stadtmitte: Ein Zeitsprung an der Kluse

Wir schauen auf das Berufskolleg an der Kluse. Das Foto aus dem von Burkhard Richter herausgegebenen und im Buchhandel erhältlichen Kalender „Mülheim gestern“ 2018 zeigt die Berufsschule 1955, vier Jahre nach ihrer Eröffnung,

Der vom städtischen Hochbauamt geplante und realisierte Berufsschulbau wurde in den 1960er Jahren mehrfach durch zusätzliche Klassen,- Fach- und Wirtschaftsräume erweitert. In den 1980er Jahren erhielt das Berufskolleg Stadtmitte, das ursprünglich unter dem Namen Gewerblich-Technische Unterrichtsanstalten firmierte ein zusätzliches Gebäude an der Von-Bock-Straße.
Bevor die Berufsschule an der Kluse 1951 eröffnet wurde, fand die seit 1902 gesetzlich verpflichtende berufliche Bildung dezentral in verschiedenen Mülheimer Schulen der statt. Anders, als die heute 2400 Schüler des Berufskollegs Stadtmitte mussten die Berufsschüler, die ab 1850 die Handwerkerschule in der Stadtmitte besuchten, für ihren ausbildungsbegleitenden Unterricht noch Schulgeld bezahlen.
Heute biet…

Bleiben Sie bloß gesund

"Bitte noch vor Weihnachten!“ sagt die gesetzlich versicherte Patientin in der Facharztpraxis, als die von der Arzthelferin nach ihrem Wunschtermin gefragt wird. Da muss selbst die Dame hinter dem Praxisthresen lachen. „Das sollte machbar sein“, meint sie. Die Frage der älteren Dame stimmt nachdenklich. Wenn man früher zum Facharzt ging, hatte man das Gefühl, ihm etwas gutes zu tun. Jetzt muss man sich bei den meisten Fachärzten auf wochen- oder  monatelange Wartezeiten einstellen. Und wenn man vorsichtig nach einem früheren Termin fragt, erntet man je nach Temperament der Arzthelferin einen mitleidigen Blick oder eine harsche Zurechtweisung: „Wissen Sie eigentlich, wie viele Patienten auf der Warteliste stehen und das unser Budget in diesem Quartal schon fast ausgereizt ist?“ 

Krankheit ist die reinste Zumutung, nicht nur für den betroffenen Patienten, sondern auch für den Arzt, der in unserem Gesundheitssystem, das jährlich mit rund 300 Milliarden Euro gefüttert wird, nicht nur,…

Was hat uns Karl Marx heute noch zu sagen? Drei Fragen an den Geschäftsführer des Diakoniewerkes Arbeit & Kultur: Ulrich Schreyer

Hat sich Karl Marx fundamentale Kapitalismus-Kritik mit dem Scheitern des real existierenden Kommunismus, etwa in der DDR oder in der UdSSR erledigt?
Schreyer: Der real existierende Kommunismus ist zu Recht gescheitert, weil er die Ansätze von Marx konterkariert und die Diktatur des Proletariates durch eine Diktatur einer Staatspartei ersetzt und deren Ideologie absolut gesetzt hat. Das hatte mit Marx, der die Menschen von ihrer wirtschaftlichen Ausbeutung befreien und die Gesellschaft für die soziale Frage sensibilisieren wollte, nichts zu tun.
Marx fordert: "Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Wer ist heute noch Proletarier und wer will es sein?
Schreyer: Mit Proletariat meinte Marx die besitzlosen Menschen, die nur ihre Arbeitskraft verkaufen konnten. Heute erleben wir eine Drittelung unserer Gesellschaft, in der ein Drittel sehr gut lebt, ein Drittel in einem konjunkturell abhängigen Beschäftigungszustand mal besser und mal schlechter über die Runden kommt und ein Dri…