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Unter Umständen ans Ziel

Wer eine Reise macht, der kann was erleben. Das hat sich seit Goethes Zeiten nicht geändert. Das merkte ich jetzt, als ich am Wochenende meine Schwester im Münsterland besuchte. „Sie wollen nach Nottuln-Appelhülsen? Wo liegt das? Buchstabieren Sie mal. Nachdem ich die Erdkundekenntnisse der freundlichen Dame hinter dem Fahrkartenschalter erweitert hatte, ging es los und das im doppelten Sinne des Wortes. Denn der Zug, der durchfahren sollte, fuhr aufgrund von  Gleisbauarbeiten nicht. „Der Zug fällt heute aus. Wir bitten um Ihr Verständnis“, ließ die Deutsche Bahn aus dem Lautsprecher wissen. Und wer hat Verständnis für mich, der ich pünktlich zu meiner Schwester ins Münsterland kommen will? 

Ein Ersatzzug brachte uns unerschrockenen Münsterlandfahrer erst nach Essen, wo wir in eine Regionalbahn umstiegen, um uns bis Haltern dem Münsterland anzunähern. Von dort ging es mit einem weiteren Ersatzzug über durch das schöne, aber nahverkehrstechnisch nur bedingt zu empfehlende Münsterland. Wie schön, dass mich zwei freundliche Damen an meiner Endstation Sehnsucht mit ihrem Auto in den Ortskern Nottulns mitnahmen, nachdem der Taxibus am Bahnhof Nottuln-Appelhülsen schon weg war. So konnte ich mein Schwesterherz schon nach 3 ½ Stunden Anfahrt in den Arm nehmen und an ihrer Geburtstagstafel Platz nehmen, nicht ohne zu vergessen, dass der letzte Bus in Richtung Bahnhof Nottuln-Appelhülsen vier Stunden nach meiner Ankunft und keine 4 später kommen sollte. 3 ½ Stunden und einen Kegelclub im Zugabteil später hatte mich die Mülheimer Heimat ermattet wieder. Danach wusste ich: Nur die Harten kommen in den Garten oder mit der Deutschen Bahn ans Ziel.

Dieser Text erschien am 28, Mai 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

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