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Es werden Posts vom Mai, 2017 angezeigt.

Nicht jeder mag es heiß

Manche mögen es heiß. Ich nicht. Nicht, dass ich gerne friere. Aber wenn das Thermometer auf über 25 Grad Celsius steigt, bekomme ich kalte Füße, weil dann ein Schweißausbruch den nächsten jagt und jeder Schritt zu viel erscheint. Wie gut, dass es für Bus- und Bahnfahrgäste, wie mich, den einen oder anderen U-Bahnhof gibt. An Hitzetagen, wie diesen, gibt es keine schnellere Abkühlung, als ein Ausflug in den Mülheimer Untergrund. Da darf die U-Bahn oder der unterirdisch haltende Bus auch schon mal eine oder zwei Minuten auf sich warten lassen.

Doch der Abkühlungseffekt ist schnell dahin, wenn man, wie jetzt am U-Bahnhof Stadtmitte feststellen muss, dass Rolltreppe und Aufzug auch nicht mehr können und ihren Dienst kurzerhand eingestellt haben.

Da hilft der Mutter mit Kinderwagen auch die Information per Leuchtschriftband nicht wirklich weiter. „Können Sie mir mal helfen?“ Welcher Mann mit Herz, kann da, trotz Hitzewallungen, schon Nein sagen, wenn er endlich mal wieder eine tragende Roll…

Britta Vincent will Brücken der deutsch-französischen Freundschaft bauen

Die Präsidentin der Deutsch-Französischen Vereinigung in Tours, Britta Vincent, hat jetzt zusammen mit dem Tourainer Bürgermeister Serge Barbary Mülheim besucht, um zu sondieren, wie die seit 55 Jahren bestehenden Beziehungen zwischen Tours und Mülheim intensiviert werden können. Auch beruflich organisiert die aus Krefeld stammende Britta Vincent, die seit 20 Jahren in Tours lebt, internationale Kontakte, Projekte und Sprachreisen. Am vorletzten Tag stand Frau Vincent der Mülheimer Woche und ihrem Lokalkompass für ein Interview zur Verfügung.
Was sind die Stärken der im Mai 1962 vom damaligen Mülheimer Oberbürgermeister Heinrich Thöne und dem damaligen Tourainer Bürgermeister Jean Royer begründeten  Partnerschaft zwischen Mülheim und Tours?
Die Tatsache, dass die Bürger beider Städte viele menschliche Kontakte miteinander geknüpft haben und so dazu beigetragen haben, dass wir auch nach 55 Jahren eine lebendige Städtepartnerschaften mit Bürgerfahrten und Begegnungen haben, die wie eine Br…

Heute würde John F. Kennedy 100 Jahre alt: Ein Rückblick auf den ersten katholischen Präsidenten der USA

John F. Kennedy kann man sich nicht als einen Hundertjährigen vorstellen. Der erste katholische Präsident der USA ist als der jüngste gewählte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in das kollektive Gedächtnis der Weltgeschichte eingegangen. Seine Ermordung riss den damals erst 46-jährigen Politiker auf tragische Weise aus dem Leben.
Dass der am 29. Mai 1917 in Boston geborene John F. Kennedy der erste Katholik im Weißen Haus war, ist heute wohl nur noch Historikern geläufig. Als der Senator aus Massachusettsim Juni 1960 zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei nominiert wurde, warnte der Demokrat und Ex-Präsident Harry S. Truman: „Amerika ist noch nicht reif für einen Katholiken!“ Der 1884 geborene Truman war alt genug, um sich noch an die erste Präsidentschaftskandidatur eines Katholiken zu erinnern. 1928 trat der New Yorker Gouverneur und Katholik Alfred E. Smith an, um für die Demokraten das Weiße Haus zu erobern und sah sich daraufhin im Wahlkampf zahlreich…

Zeitzeuge Helmut Herrmann berichtete Schülern aus seiner Kindheit und Jugend unter dem Hakenkreuz

Geschichte steht auf dem Stundenplan der Zehntklässler an der Realschule Mellinghofer Straße. „Normalerweise lernen wir Geschichte aus Büchern und Filmen. Aber heute können wir jemanden befragen, der Geschichte selbst erlebt hat“, freut sich Schülerin Johanna.

Der 1929 geborene Helmut Herrmann, einst Betriebsrat bei Siemens, Ehrenvorsitzender der örtlichen Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes und des Bundes der Antifaschisten, leistete in den 80er Jahren Pionierarbeit bei der Erforschung und Dokumentation von Widerstand und Verfolgung in Mülheim unter dem Hakenkreuz.

Heute wollen die 15 und 16 Jahre alten Realschüler von ihm wissen, wie er den Nationalsozialismus als Jugendlicher erlebt hat. Ihre gezielten Fragen zeigen, dass sie sich gut vorbereitet haben. Kannten sie jüdische Altersgenossen? Wurden Sie von den Nazis verfolgt? Wie haben Sie den Zweiten Weltkrieg erlebt? 

Alle Schüler hören gespannt zu, wenn ihnen Herrmann erzählt, wie das war, als die SA sein Elternhaus durchsuch…

Vom Rheinischen Bauernhaus zum Pizza-Imbiss: Ein Zeitsprung an der Delle

Früher, wie heute wird an der Ecke Delle/Friedrichstraße gegessen und getrunken. Heute kann man dort in einen Pizza-Imbiss einkehren. Früher gingen die alten Mölmschen dort im Rheinischen Bauernhaus ein und aus.

„Meine Eltern gingen gerne dort hin, um gemeinsam ein Glas Wein  zu trinken. Außerdem probten dort die Chorbrüder des Männergesangvereins Frohsinn“, erzählt der 1936 geborene Mülheimer Walter Neuhoff mit Blick auf das historische Foto aus dem Stadtarchiv.

So kannte man das Rheinische Bauernhaus bis zu seiner Zerstörung durch den britischen Luftangriff in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943.

Damit ging eine fast 300-jährige Tradition im Bombenhagel unter. In seinen besten Zeiten wurde das Rheinische Bauernhaus nicht nur von Ruhrschiffern und Werftarbeitern besucht, sondern auch von Bauern, die ihre Erzeugnisse auf dem Alten Markt an der Petrikirche und später auch auf dem Rathausmarkt an die Frau und den Mann brachten.

In der Silvesternacht 1851/52 waren es 35 sangesfreudige Gä…

Der neue Superintendent Gerald Hillebrand setzt auf Dialog

Pfarrer Gerald Hillebrand ist neuer Superintendent des evangelischen Kirchenkreises an der Ruhr und vertritt damit 47 000 evangelische Christen in Mülheim. Der Geistliche tritt die Nachfolge von Helmut Hitzbleck an, der sich Ende März in den Ruhestand verabschiedete, und führt dessen Amtszeit zunächst bis zum Herbst 2020 fort. 31 von 58 Mitgliedern der Kreissynode stimmten für Hillebrand, 25 für seine Mitbewerberin, Pfarrerin Dagmar Tietsch-Lipski.

Worin sehen Sie Ihre erste Aufgabe im neuen Amt?
Wir brauchen eine bessere Verschränkung und Kommunikation zwischen den Gemeinden und dem Kirchenkreis. Außerdem müssen wir Familien in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen stärken. Auch die ökumenische Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche sollte verstärkt werden. Ich denke zum Beispiel an die Begleitung von Trauernden, aber auch an die gemeinsame Nutzung von Gebäuden.

Wird die Kirche künftig eher zentral oder dezentral organisiert sein?
Man sollte den Kirchenkreis nicht gegen die Gemei…

Frische Luft und Familienanschluss: Unterwegs mit Marian Brzostek

Seine Arbeit auf dem Dümptener Bauernhof der Familie In der Beeck-Bolten gefällt Marian Brzostek und sie tut ihm gut. Das spürt man, wenn man mit ihm spricht und mit ihm auf dem 70 Hektar großen Betrieb im grünen Nordzipfel Mülheims unterwegs ist, mal zu Fuß und dann wieder mit einem kleinen Elektrowagen, auf dessen Ladefläche er Erdbeeren, Kartoffeln und Eier transportiert. Wären wir im Herbst, wäre er mit Kürbissen unterwegs und in einigen Wochen werden auf die Erdbeeren die Himbeeren folgen. Seine Arbeit auf dem Dümptener Bauernhof der Familie In der Beeck-Bolten gefällt Marian Brzostek und sie tut ihm gut. Das spürt man, wenn man mit ihm spricht und mit ihm auf dem 70 Hektar großen Betrieb im grünen Nordzipfel Mülheims unterwegs ist, mal zu Fuß und dann wieder mit einem kleinen Elektrowagen, auf dessen Ladefläche er Erdbeeren, Kartoffeln und Eier transportiert. Wären wir im Herbst, wäre er mit Kürbissen unterwegs und in einigen Wochen werden auf die Erdbeeren die Himbeeren folgen. L…

Als die Reformation nach Mülheim kam: Ein Gespräch mit dem Histoirker und Buchhautor Jürgen Nierhaus, der darüber geforscht und geschrieben hat

Mülheim ist keine Insel. Auch hier kommt die Weltgeschichte an. Das galt auch für die vor 500 Jahren von Martin  Luther angestoßene Reformation. Wie das vonstatten ging, beschreibt der pensionierte Otto-Pankok-Geschichtslehrer Jürgen Nierhaus in seinem Buch über die Reformation in Mülheim. Ein Gespräch mit dem Autor.

Wie kam die Reformation nach Mülheim?
Nierhaus: Das hatte mit dem Broicher Grafen Wirich V. zu tun. Der erlebte Martin Luther als Teilnehmer des Wormser Reichstages kennen und war von seinen Ideen interessiert. 
Warum fand die Reformation auch in Mülheim rasch Zulauf?
Nierhaus: Die Menschen waren mit der zunehmenden  Verweltlichung der Kirche unzufrieden. Das hatte nicht nur mit dem Ablasshandel zu tun. Die Adeligen schoben sich die Pastorenämter gegenseitig zu, weil sie mit Pfründen, das waren Grundstücke und Pachtabgaben, von denen man sehr gut leben konnte, verbunden waren. Dabei setzten viele Pastöre wiederum Vikare ein, die in ihrem Auftrag an den damals drei Altären der…

Ich zahle, also bin ich

Ich fahre, also bin ich! Das schrieb ich gestern an dieser Stelle. Sie erinnern sich?! Heute bin ich mit meiner Erkenntnis einen Schritt weiter und sage: Ich zahle, also bin ich!

Denn gestern legte ich im Kundencenter der Mülheimer Verkehrsgesellschaft mein Monatsticket und meinen Personalausweis vor, um nachträglich nachweisen zu können, dass mein Monatsticket auch wirklich mein Monatsticket ist, nachdem ich tags zuvor mit meinem Monatsticket, aber ohne meinen Personalausweis mit Bus und Bahn durch Mülheim fuhr.

Den von mir unerbetenen Aufwand, zu notieren, dass ich mit Fahrschein, aber ohne Personalausweis im Nahverkehr unterwegs war und die nachträgliche Betrachtung meines Personalausweises und meines Monatstickets, um sicherzustellen, dass ich auch wirklich der bin, der ich bin, ließ sich die MVG mit sieben Euro bezahlen.

Ich frage mich jetzt nur, wieviel ich der MVG demnächst an Arbeitsaufwand in Rechnung stellen kann, wenn ich mir mal wieder an der Haltestelle die Bein…

Ich fahre, also bin ich

Wer bin ich? Das ist eine wahrhaft philosophische Frage, mit der man manchmal unverhofft konfrontiert wird, etwa, wenn man mit Bus und Bahn unterwegs ist und plötzlich von der Seite angesprochen wird: „Ihre Fahrkarte, bitte?“

Kein Problem! Ich habe ja mein Monatsticket dabei. Darauf steht mein Name und meine Kundennummer. Das müsste doch reichen. Von wegen. Wir sind in Mülheim. Hier muss alles seine Ordnung haben. Schließlich könnte ja jeder mit meinem Namen und mit meinem Monatsticket daherkommen. „Können Sie sich ausweisen?“ Nein, kann ich nicht. Mein Personalausweis liegt zu Hause. Da liegt er gut. Der gewissenhafte MVG-Mitarbeiter bringt mich zum Grübeln. Ich dachte, ich sei einmalig und mein Name stünde für sich. Statt dessen muss ich erkennen, dass ich nur dann zweifelsfrei ich selbst bin, wenn ich mich ausweisen kann. Das muss ich jetzt mit einem Gang zum nächsten Kundencenter der MVG (unter Vorlage eines „Denkzettels“) nachholen. So bringt die MVG auch meine grauen…

Vor der Wahl ist nach der Wahl

CDU-Stadtrat Markus Püll drückt mir zwischen Gemüsehändler, Metzger und Bäcker auf der Leineweberstraße ein Flugblatt in die Hand. Kommt der Mann nicht etwas zu spät, ist die Landtagswahl nicht schon gelaufen? Er ahnt meine Gedanken und meint: „Nach der Wahl ist vor der Wahl!“ Diesen Spruch kannte ich bisher nur vom seligen Sepp Herberger mit Blick aufs Fußballspiel.

Ein Blick aufs Flugblatt zeigt es: Die CDU will am 20. Mai ab 10.30 Uhr an der Ecke Leineweberstraße/Kohlenkamp mit Bürgern über die Zukunft der Baumallee an der Leineweberstraße ins Gespräch kommen. Wenn man es so sieht, sind sich Politik und Fußball ähnlich. Es geht darum ins Schwarze zu treffen und möglichst nicht ins Abseits hineinzulaufen.

Kein Wunder also, dass die Schwarzen zum Bürgergespräch ins Grüne einladen, weil auch sie wissen, dass die mögliche Fällung der Platanen an der Leineweberstraße die Bürger auf die Palme bringt. Da heißt es, sich auf dem politischen Spielfeld rechtzeitig als Baumfreunde …

Der Mann an der Orgel

Der Kaiser hätte an Otto seine Freude. Otto ist ein Mann in den besten Jahren und hat eine Pickelhaube auf dem Kopf. Der Mann, der in einer alten Polizeiuniform auf der Schloßstraße steht, um die Passanten mit seiner Musik aus der Drehorgel und einer Trompete zu erfreuen, ist zwar nicht so alt, dass er den Kaiser noch gekannt hätte, aber doch schon so alt, dass er in Ehren ergraut und im Ruhestand angekommen ist. „Ich habe gerade kein Geld“, entschuldigt sich der eilige Journalist, der dem reifen Musikanten in seiner Uniform aus Urgroßvaters Zeiten gerne ein oder zwei Münzen für seine schwungvollen Rhythmen auf seinen Teller gelegt hätte. „Ich auch nicht!“, sagt der Mann an der Drehorgel. Er macht aus der Not eine Tugend. In dem er den Passanten auf der Schloßstraße mit seiner Musik und seiner sehenswerten Erscheinung eine Freude macht, bessert er seine karge Rente auf. Gut, dass Otto noch Luft und Töne hat. Da macht Wiedersehen und Wiederhören Freude. Der nächste Euro kom…

Weit weg und doch ganz nah: Alte Feldpostbriefe haben Wolfgang Geibert seinen 1944 in Weißrussland gefallenen Vater nahegebracht: Lange ließ er dessen Geschichte auf sich beruhen

„Mein Liebling, ich weiß zwar nicht, ob ich so wiederkomme, wie ich jetzt gehe und stehe, aber ich werde wiederkommen. Die Anstrengungen sind groß. Aber für unser deutsches Vaterland und unsere Lieben zu Hause halten wir gerne durch. Wo ich auch bin, denke ich an dich, mein liebes Goldfrauchen.“ Der am 13. April 1943 geborene Wolfgang Geibert, den viele Mülheimer aus seiner Zeit als SPD-Bezirksvertreter kennen, liest aus einem Feldpostbrief, den sein Vater Jakob am 27. Juni 1944 im Frontabschnitt südlich der weißrussischen Hauptstadt Minsk geschrieben hat. Einen Tag später wurde der Infanteriesoldat der Wehrmacht dort beim Botengang durch einen Herzschuss getötet.

Der 23-Jährige hinterließ seine gleichaltrige Frau Klara und seinen einjährigen Sohn Wolfgang.

Wolfgang Geibert legt den mit einem gemalten Herz geschmückten Brief seines Vaters beiseite und nimmt ein kleines Stück Birkenrinde, auf das Jakob Geibert einen kleinen Blumenstrauß gemalt und den Satz geschrieben hat: „…

Angelo Guiseppe Roncalli wirkt als Konzils- und Reform-Papst Johannes XXIII. bis heute nach

Johannes XIII. ist als der Papst des 2. Vatikanischen Konzils in die Geschichte eingegangen. „Die katholische Kirche muss im 20. Jahrhundert ankommen. Wir müssen den Unheilspropheten, die Gegenwart verdammen und behaupten, dass früher alles besser gewesen sei, entgegentreten, um die Lebendigkeit und Aktualität der frohen christlichen Botschaft in unserer Zeit zu entfalten“, sagt der 261. Papst auf dem Stuhl Petri, den seine Zeitgenossen als „den guten Papst“ bezeichnen. Am 25. November 1881 wird Angelo Guiseppe Roncalli in Sotto il Monte, einem Dorf in der Nähe von Bergamo in der Lombardei geboren. Seine Elterm Giovanni und Mariana sind Bauern und schenken zwölf Kindern das Leben. Ein Großonkel und der Dorfpfarrer entdecken früh das Talent des Bauernsohns und überzeugen den skeptischen Vater, seinem Sohn eine höhere Schulbildung zukommen zu lassen. 1892 tritt Angelo in das Priestervorbereitungsseminar ein. Nach dem Abitur absolviert er den einjährigen Militärdienst und studiert anschlie…

Hannelore Kraft und Heiko Hendriks mussten am Wahltag zur Schule gehen

Am heutigen Wahlsonntag mussten die Landtagskandidaten Hannelore Kraft (SPD) und Heiko Hendriks (CDU) zur Schule gehen. Denn beide gaben ihre Stimmen in einer Mülheimer Grundschule ab, Kraft in der Erich-Kästner-Grundschule an der Nordstraße und Hendriks in der Grundschule am Krähenbüschken. Wer zwischen 11.30 Uhr und 12.00 Uhr in der Erich-Kästner-Schule seine beiden Kreuze auf dem langen Landtagswahlzettel machen wollte, musste sich durch ein Dickicht von Fotografen und Kameraleuten kämpfen. „Die Hannelore kommt gleich“, erklärte ein älterer Herr seiner Frau den Medienauflauf.

Um 11.45 Uhr betrat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft, das Wahllokal, begleitet von Ehemann Udo und Sohn Jan. „Entschuldigung, dass ich hier so einen Aufwand mache“, sagte die zum dritten Mal als SPD-Spitzenkandidatin antretende Kraft zu den Wahlbürgern, die sich, ob des Blitzlichtgewitters, erst mal hinten anstellen mussten, ehe Kraft ihre beiden Kreuze gemacht hatte.
Zweckoptimismus
Nachd…

Wie stabil ist unsere Demokratie? Kolping lud zur Diskussion mit dem Politikwissenschaftler Karl Rudolf Kort

Gefährdet das Erstarken extremistischer Parteien unsere Demokratie? Diese Frage diskutierten der Politikwissenschaftler Karl Rudolf Korte und NRZ-Redaktionsleiter Philipp Ortmann an einem Fußballabend, an dem Bayern gegen Dortmund spielte, mit fast 200 interessierten Mülheimern. Sie waren der Einladung der Mülheimer Kolpingfamilien in die Sparkasse am Berliner Platz gefolgt. 1:0 für die Demokratie. Sparkassenchef Martin Weck zitierte zum Auftakt der Veranstaltung einen Satz aus dem Kommentar, den Ortmann nach dem Wahlsieg Donald Trumps geschrieben hatte: „Die meisten von uns mussten sich in ihrem Leben nie Gedanken über die Demokratie machen. Spätestens jetzt sollten wir damit beginnen.“
Dass sich viele Bürger angesichts der besorgniserregenden Entwicklungen in der Türkei, in Frankreich, in den USA, aber auch in Österreich und in den Niederlanden, auch ihre Gedanken über die Stabilität der deutschen Demokratie gemacht haben, zeigten die Fragen aus dem Publikum. Kann die politisch motiv…

Kneipe trifft Kirche

Vor einiger Zeit erzählte mir ein Kollege folgende Alltagsanekdote: Seine kleine Tochter sagte zu ihrer Freundin: „Gestern war ich mit meinem Papa in einer Kneipe.“ Darauf antwortete ihre Freundin: „In einer Kneipe war ich noch nicht. Aber ich war mit meinem Papa gestern in der Kirche.“

An diese kleine Geschichte musste ich denken, als ich gestern den „Kneipen-Gottesdienst“ miterleben durfte, zu dem der  CVJM in die  Innenstadt-Kneipe „Rathstuben“ eingeladen hatte. Ein Gottesdienst in der Gaststätte? Geht’s noch? Ja, es geht. Und es ging gut. 70 Kneipengänger und Kirchengänger rückten dort zusammen, teilten das Brot, reichten den Wein in kleinen Schnapsgläschen an den Nebenmann und die Hinterfrau weiter.

Die Nähe und Gemeinschaft, verbunden mit dem Hören der biblischen Geschichte vom Zöllner und Sünder Zachäus, der sich von der Einkehr Jesu dazu inspirieren lässt, seinen zu Unrecht erworbenen Reichtum mit den Armen zu teilen und damit den scheinheilig die Nase rümpfenden und den moralis…

Ein langer Wahlgang

Mutter ist nicht wählerisch. Denn sie hat den Krieg er- und überlebt. Deshalb ist sie hart im Nehmen. Aber wenn sie, wie jetzt, wählen soll, schaut sie genau hin, und das nicht nur beim Wahlzettel. Auch das Wahllokal begutachtet sie. Wenn man, wie Mutter, nicht nur zur Kriegsgeneration, sondern auch zur Generation Rollator gehört, versteht sich das von selbst. Da zählt jede Hürde und Stufe.  Bei der letzten Wahl konnte sie noch in der Wertstadt am Löhberg ihre Kreuze machen. Doch bis zum CBE an der Wallstraße, ist es ihr diesmal das bei genauerem Hinsehen doch eine schräge Anhöhe und eine Stufe zu viel, um ihr Wahlrecht wahrzunehmen. Also doch vorgezogene Briefwahl im Rathausraum C 113. Der Weg war für Mutter verdammt lang. Aber mit Hilfe von zwei Aufzügen am Ende doch barriereärmer.

Jetzt hofft Mutter, dass sie den Muttertag, der auch Wahltag ist ohne größere Hindernisse und auch mit Aussicht auf ein gutes Wahlergebnis genießen kann, ohne rot sehen zu müssen oder sich schwarz ärgern z…

Ein Hauch von Hollywood: Die "Pottkinder" stehen vor der Premiere

„Jetzt bekomme ich doch langsam ein schwummeriges Gefühl“, gibt Alexander Waldhelm zu. Der 40-jährige Mülheimer hat, wie berichtet, drei Jahre Arbeit in einen „Heimatfilm“ über uns, die Menschen im Ruhrgebiet investiert. Herausgekommen ist ein 108 Minuten langer ernster und zugleich heiterer Kinofilm, der am 6. April in der Essener Lichtburg der Presse und den Kinobetreibern der Region vorgeführt wird. Sein schöner Titel „Pottkinder“! Die öffentliche Premiere, die dort am 10. Mai vor 1250 Zuschauern über die Bühne und die Leinwand gehen wird, ist bereits ausverkauft.
Zwischen Hoffen und Bangen
„Ich kann nur hoffen, dass bei der morgigen Pressevorführung möglichst viele Journalisten und Kinobetreiber den Daumen heben und nicht senken, damit möglichst viele Menschen in möglichst vielen Kinos unseren Film sehen können.“ Wenn Waldhelm, der sich hauptberuflich als Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt, von „Wir“ spricht, meint er die fast 200 Menschen,…

Emmanuel Macron triumphierte auch in der Partnerstadt Tours

Die Tourainerin Eliane Lebret engagiert sich haupt- und ehrenamtlich als Mitarbeiterin des Deutsch-Französischen Institutes und der Deutsch-Französischen Gesellschaft für die deutsch-französische Freundschaft zwischen Mülheim und Tours.

Wie ist die Präsidentschaftswahl in Tours ausgegangen?

Lebret: Hier hat Emmanuel Macron mit 78,82 Prozent der Stimmen noch deutlicher gewonnen als im Landesdurchschnitt. Die Wahlbeteiligung lag bei 71 Prozent und 5.6 Prozent der Wähler haben einen ungültigen Wahlzettel abgegeben, weil sie weder für Macron noch für Le Pen stimmen wollten.

Wie haben Sie den Wahlkampf erlebt?

Lebret: Es war eine sehr anstrengende Zeit. Der FN hat versucht Macron mit dubiosen Falschmeldungen im Internet zu diskreditieren. Dabei ging es um seine finanziellen Verhältnisse und um seine Ehe mit seiner ehemaligen Lehrerin. Aber für mich war die Wahl von Anfang an klar, weil Emmanuel Macron der einzige pro-europäische Kandidat war. Leider haben einige enttäuschte Anhänger des konser…

Handwerker der Genossen: Thomas Isermann ist als Mitarbeiter des MWB-Handwerkerservice täglich auf Tour, um zu reparieren, zu installieren oder auszutauschen

Sieben Uhr morgens. Thomas Isermann gönnt sich noch eine Tasse Kaffee an der Trinkhalle seines Vertrauens. Von dort aus fährt der 48-jährige Gas- Wasser- und Heizungsinstallateur zur Firmenzentrale seines Arbeitgebers, der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft. Seit vier Jahren gehört der verheiratete Vater einer 16-jährigen Tochter zum Handwerkerteam des MWB. Zusammen mit seinen vier Kollegen ist er für die fast 5000 Wohnungen der Genossenschaft zuständig, die sich auf 900 Häuser verteilen.

Da gibt es immer viel zu tun. „Ich bin für die Wohnungen und Häuser in den Rechtsruhr-Stadtteilen Stadtmitte, Styrum, Winkhausen, Dümpten, Menden, Holthausen und Raadt zuständig“, erzählt Isermann, der täglich bis zu zwölf Reparaturaufträge abarbeitet und dabei insgesamt rund 100 Kilometer zurücklegt. Doch an diesem Tag führt ihn sein Weg auch in die Saliersiedlung nach Broich, wo er seinem Kollegen Oliver Knorr dabei hilft, einen Heizkessel zu reparieren.

Der Laderaum seines Transporters gleicht eine…