Montag, 8. Mai 2017

Handwerker der Genossen: Thomas Isermann ist als Mitarbeiter des MWB-Handwerkerservice täglich auf Tour, um zu reparieren, zu installieren oder auszutauschen

Sieben Uhr morgens. Thomas Isermann gönnt sich noch eine Tasse Kaffee an der Trinkhalle seines Vertrauens. Von dort aus fährt der 48-jährige Gas- Wasser- und Heizungsinstallateur zur Firmenzentrale seines Arbeitgebers, der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft. Seit vier Jahren gehört der verheiratete Vater einer 16-jährigen Tochter zum Handwerkerteam des MWB. Zusammen mit seinen vier Kollegen ist er für die fast 5000 Wohnungen der Genossenschaft zuständig, die sich auf 900 Häuser verteilen.

Da gibt es immer viel zu tun. „Ich bin für die Wohnungen und Häuser in den Rechtsruhr-Stadtteilen Stadtmitte, Styrum, Winkhausen, Dümpten, Menden, Holthausen und Raadt zuständig“, erzählt Isermann, der täglich bis zu zwölf Reparaturaufträge abarbeitet und dabei insgesamt rund 100 Kilometer zurücklegt. Doch an diesem Tag führt ihn sein Weg auch in die Saliersiedlung nach Broich, wo er seinem Kollegen Oliver Knorr dabei hilft, einen Heizkessel zu reparieren.

Der Laderaum seines Transporters gleicht einem Ersatzteillager: Duschschläuche, Brauseköpfe, Seifenkörbe, Durchlauferhitzer, Glühbirnen und Rauchmelder. Selbst ist der Mann. Wenn er Nachschub braucht, kann sich Isermann auch in einem MWB-Lager an der Adolfstraße bedienen. Dort lagern auch die Pavillonzelte und Sitzgarnituren, die Isermann und seine Kollegen etwa bei Nachbarschafts- und Richtfesten aufbauen.

Während er auf dem Weg zu einer alten Dame ist, deren Toiletten-Spülkasten repariert werden muss, inspiziert er noch gleich einige Kellerräume, begutachtet und notiert einen Mauerschaden am Vorgarten eines MWB-Hauses, entfernt Müll von der Grünfläche und schiebt die einen entleerten, aber offensichtlich vergessenen Abfalleimer in seine Containerbox am Straßenrand zurück.
Beim Besuch der alten Dame, die ihren kranken Mann pflegt, nimmt sich der Handwerker nicht nur Zeit für den defekten Spülkasten ihrer Toilette. Er hat auch ein offenes Ohr für ihre Lebens- und Krankheitsgeschichte. „Das gehört dazu. Dafür braucht man Fingerspitzengefühl. Einerseits muss man sich in solchen Fällen die Zeit zum Zuhören nehmen. Andererseits darf man auch nicht zu sehr aus dem Takt kommen und seiner anstehenden Aufträge vergessen“, beschreibt Isermann eine typische Herausforderung seines Berufsalltages.

Kaum hat er die Wohnung der alten Dame verlassen, spricht ihn eine andere Mieterin an: „In der Treppe zum ersten Stock habe ich in einer Stufe einen Riss entdeckt und der Hausflur müsste auch mal wieder angestrichen werden“, sagt sie. Isermann notiert und macht mit seinem Smartphone ein Foto von dem alles andere als dramatisch aussehenden Riss in der Treppenstufe. „Die Mieter sind in der Formulierung ihrer Anliegen sehr selbstbewusst. Denn sie sind als Mieter ja auch Genossen und damit Anteilseigner der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft“, weiß Thomas Isermann.
Manchmal gibt es traurige Einsätze

Doch mit selbstbewussten Mietern hat der gestandene Handwerker, für den das Anbringen eines Rauchmelders, das Wechseln eines defekten Durchlauferhitzers oder einer defekten Tür- und Fensterklinke zum kleinen Einmaleins seines Arbeitsalltags gehören, kein Problem. „Als ich noch für ein privates Gas,- Wasser- und Heizungsinstallationsunternehmen gearbeitet habe, bin ich noch mit ganz anderen Ansprüchen konfrontiert worden. Die Kunden wollten möglichst viele Extras für wenig Geld und der Meister wollte vor allem möglichst viel Umsatz und Geld verdienen“, erinnert sich Isermann an sein früheres Berufsleben. Aber auch bei einigen extravaganten Mieterwünschen müssen Isermann und seine Kollegen schon mal auf die Bremse treten, auch bei einer Genossenschaft, die jährlich eine Bilanzsumme von über 100 Millionen Euro erwirtschaftet und 8 bis 9 Millionen in die Instandhaltung und Modernisierung ihres Wohnungsbestandes investiert.

Auf der anderen Seite wissen Isermann und seine Kollegen, deren Porträts zusammen mit der Rufnummer ihres Handwerkerservice großformatig die MWB-Transporter schmücken, dass ihre Arbeit eine Visitenkarte ihres Wohnungsunternehmens ist und dass sie mit ihrem handfesten und tatkräftigen Einsatz über die langfristige Mieterbindung der 1898 gegründeten Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft mitentscheiden.

Denn in Zeiten des demografischen Wandels, in denen die Stadtgesellschaft tendenziell kleiner und älter wird, wird das Geschäft der Wohnungsvermietung nicht leichter.
Alles andere als leicht fallen Isermann und seinen Kollegen auch die Einsätze, bei denen sie mit Feuerwehr oder Polizei die Wohnungstür eines alten und alleinstehenden Mieters öffnen müssen, den seine Nachbarn seit Tage nicht gesehen haben und dessen Briefkasten überquillt, weil er verstorben ist. Dann muss die Wohnung geräumt und vom Modernisierungsservice des MWB für den Nachmieter generalüberholt werden. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte, die wie die Arbeit der MWB-Handwerker ebenso zum Alltags- und Arbeitsleben der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft gehört.

Aber weil auch Thomas Isermanns Leben nicht nur aus Arbeit besteht, ist er nicht nur mit seinem Handwerkermobil, sondern am Feierabend und an Wochenenden vor alllem mit seinem Fahrrad oder mit seinem Motorrad unterwegs.

Dieser Text erschien am 6. Mai 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen