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Es werden Posts vom Juni, 2014 angezeigt.

So gesehen: Lieber leer als mehr

Was wäre unser Leben ohne Rituale, die unseren Alltag strukturieren? Ohne gutes Frühstück und eine informative Zeitungslektüre käme ich nicht wirklich gut in den Tag.

Wie bei der Zeitungslektüre ist es wohl auch beim morgendlichen Gang zum Briefkasten Neugier die treibende Kraft. Mal schauen, was für mich drin ist. Ein Liebesbrief? Die Gewinnbenachrichtigung der Lottogesellschaft? Ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann oder gar die Nachricht vom Millionenerbe eines entfernten und verblichenen Verwandten, den man bisher noch gar nicht kannte?

Doch mit dem Gang zum Briefkasten, ist es, wie mit dem Lebensweg. Mit der Zeit verliert man eine Illusion nach der anderen. Statt toller Nachrichten, die das eigene Leben verändern, bekommt man immer wieder unerbetene Werbepost, die den Briefkasten verstopft und später als Altpapier entsorgt werden muss.

Und spätestens bei der nächsten Stromrechnung oder der letzten Mieterhöhung, die einem auf den ersten Blick als harmloser Brief ins Haus fla…

So gesehen: Von Worten und Taten

Wenn die Lokalredaktion Briefe oder Anrufe von Lesern bekommt, geht es meistens darum, dass sich jemand über etwas ärgert, was nicht so ist, wie es sein sollte. Und seien wir ehrlich: Es gibt vieles, worüber man sich zurecht ärgern kann.
Doch auch wenn Journalisten nachgesagt wird, dass für sie nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten seien, ist dem Gott sei Dank doch nicht immer so. Und deshalb hat sich die Redaktion auch über die Geschichte von Frank Laenen aus Winkhausen gefreut, die zurecht den Weg auf die Lokalseite 1 fand, weil sie zeigt, dass auch aus schlechten Nachrichten (wie die über Sturmschäden) auch gute Nachrichten (wie die über tatkräftige Nachbarn, die sich in der Not helfen und dabei nicht nach Zeit, Geld und Zuständigkeit fragen) erwachsen können.
Menschen, wie Frank Laenen, zeigen, was es bedeutet aus der Not eine Tugend zu machen. Wenn sie, wie er, sagen: „Geld ist doch nicht alles, was im Leben zählt“, erkennt man, dass sie für die Gesellschaft im Gegensatz zu…

Ein Mann wie ein Baum: Frank Laenen gehört zu den stillen Helden des Sturms

„Ich bin Frank Laenen sehr dankbar. Das ist wirklich eine außerordentliche Leistung, die über die normale Nachbarschaftshilfe hinaus geht, zumal in einer Zeit, in der viele Menschen noch nicht mal einen Besen in die Hand nehmen, um das Laub vor der Haustür wegzukehren“, sagt Wolfgang Bellenberg. Der 79-Jährige wohnt am Kaldenhofkamp in Winkhausen und schaut mit seiner Frau vom Balkon gerne auf die Grünfläche zwischen dem Kaldenhofkamp und der Freiherr-vom-Stein-Straße.

Doch nach dem Pfingststurm bot sich nicht nur ihm auf dieser Grünfläche kein schöner Anblick. Umgestürzte Bäumen und wild herumliegende Ästen erinnerten eher an ein Schlachtfeld, denn an eine Grünanlage. Bellenberg staunte nicht schlecht, als er schon einen Tag nach dem Sturm einen jungen Mann mit einer Motorsäge Baumstämme und Äste zersägen sah. Als er ihn ansprach, staunte er noch mehr. Es war kein Mitarbeiter einer vom Hauseigentümer Viva West beauftragten Firma, sondern ein tatkräftiger Nachbar, der sich aus freien …

Die Ruhe nach dem Sturm: Obwohl das Pfingstunwetter im öffentlichen Personennahverkehr auch am Tag danach zu chaotischen Verhältnissen geführt hatte, blieben die meisten Fahrgäste gelassen

Mal eben mit Bus und Bahn in die Nachbarstadt oder von einem Stadtteil in den nächsten fahren. Nicht an diesem Tag nach einem Unwetter, das bei vielen Fahrgästen am Hauptbahnhof Erinnerungen an den Orkan Kyrill weckt, der im Januar 2007 durchs Land wirbelte.

„Hier stand das Wasser bis zur zweiten Stufe der Rolltreppe. Erst ab acht Uhr konnte der erste Bus wieder fahren“, erinnert sich der Leiter des sechsköpfigen Serviceteams der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG), Frederik Wohlgehaben, an den Beginn seiner Dienstschicht am frühen Morgen. Feuerwehrleute mussten ab 21.45 Uhr anrücken, um die Abläufe des Busbahnhofes von Schlamm und Geäst zu befreien, um den Tunnel unter dem Kurt-Schumacher-Platz wieder passierbar zu machen. „Doch das war einer unserer kleineren von bisher über 1000 Einsätzen“, sagt Feuerwehrsprecher Thorsten Drewes am Mittag.

Da pendeln Servicemann Wohlgehaben und seine fünf Kollegen schon wieder zwischen U-Bahnhof und Busbahnhof. Sie beantworten nach eigener Einschätz…

So gesehen: Das Publikum darf gespannt sein

Auch in WM-Zeiten wird nicht nur Fußball gespielt. Gott sei Dank. Am Samstag spielten 18 Gemeindemitglieder aus St. Mariä Himmelfahrt auf dem grünen Rasen hinter dem Jugendheim an der Landsberger Straße Theaterszenen aus dem Klosterleben des 17. Jahrhunderts, die zeigten, dass die guten alten Zeiten auch im Kloster Saarn nicht immer gut waren, weil auch die Klosterfrauen nur Menschen und deshalb sich nicht immer grün waren. Doch mit einigen Jahrhunderten Abstand wurden die Zwistigkeiten von Anno Dazumal zum himmlischen Vergnügen für 400 begeisterte Zuschauer.

Begeistern konnten gestern auch die Bands, die beim Jubiläum des Jazzclubs aufspielten und ihre Zuhörer als Marchingband auf eine Tour de Ruhr mitnahmen, die mit schwungvollem Swing- und Dixie-Jazz erst gar keinen Sonntagsblues aufkommen ließen.

Mal sehen, welche Töne heute und morgen zum Auftakt der Wahlperiode im neuen Stadtrat angeschlagen werden? Als steuerzahlende Zuhörer und Zuschauer im Konzert der Demokratie wollen wir sc…

"Ich bin kein Einzelkämpfer und habe keine Amgst vor dem Ratsmandat, sondern freue mich darauf", sagt Ratsneuling Carsten Trojahn

Stadtverordneter. Das kann man nicht lernen. Das kann man nur werden. Aber wie wird man es? Carsten Trojahn, der bei der Kommunalwahl für die Piratenpartei ins Stadtparlament eingezogen ist, durchlebt gerade diese Wandlung vom einfachen Bürger zum Kommunalpolitiker.

„Da wusste ich, dass sich die Arbeit des Wahlkampfes gelohnt hat und jetzt noch mehr Arbeit auf mich zukommt“, erinnert sich Trojahn an den Moment, als Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld am Wahlabend im Rathausfoyer das Wahlergebnis und auch seinen Namen verlas.

Sein Ratsmandat, das er bei der Kommunalwahl am 25. Mai gewonnen hat und das der Wahlausschuss durch die Feststellung des amtlichen Endergebnisses am 2. Juni bestätigt hat, hat Trojahn übrigens erst am vergangenen Dienstag offiziell angenommen. Denn erst an diesem Tag bekam er den entsprechenden Brief aus dem Rathaus, der ihn über seine Wahl informierte und ihn fragte, ob er sein Mandat annehmen oder ablehnen wolle. Dass er sein Mandat annahm, war für Trojahn ke…

Politik fängt immer vor der Haustür an oder: Kann Mülheim von Monheim lernen?

Zugegeben, Mülheim an der Ruhr (168000 Einwohner) ist nicht im Maßstab 1:1 mit dem 42000 Einwohner zählenden Monheim am Rhein zu vergleichen. Dennoch wirft der Vergleich der Wahlergebnisse in den beiden Städten die Frage auf: Wie viel Monheim stect in Mülheim? Wie ist es einem jungen Bürgermeister und seiner erst 1998 gegründeten Partei Peto gelungen, in einer Stadt die einst von SPD und CDU abwechselnd mit absoluten Mehrheiten regiert wurde, zwei Drittel der Ratsmandate zu gewinnen und bei der Bürgermeisterwahl ein Ergebnis zu erreichen, das man sonst nur von den staatlich gelenkten Kommunalwahlergebnissen in der DDR kannte?

Monheims gerade atemberaubend wiedergewählter Bürgermeister Daniel Zimmermann möchte seiner Mülheimer OB-Kollegin Dagmar Mühlenfeld, die 2009 mit 43,1 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde und im Bürgerbarometer der NRZ zuletzt eine Zustimmung von 38 Prozent bekam, keine Ratschläge geben. Aber er lässt keinen Zweifel daran, dass seine Partei Peto (lateinisch: I…

Fast, wie zu Großmutter Zeiten: Das neue Stadtparlament repräsentiert die weibliche Bevölkerungsmehrheit nicht

Ein demokratisches Parlament soll die Bevölkerung repräsentieren und Mehrheiten abbilden. Der jetzt neu gewählte Stadtrat tut dies nicht, zumindest wenn es um das Verhältnis der Geschlechter geht. Denn 52 Prozent der Mülheimer sind Mülheimerinnen, aber nur 13 von 54 Stadtverordneten (gut 25 Prozent) sind Frauen.

Darüber kann sich die ehemalige CDU-Ratsfrau und Kulturausschussvorsitzende Renate Sommer (82), die dem Rat von 1975 bis 2000 angehörte so energisch aufregen, wie eine junge Nachwuchspolitikerin. „Das ist sehr deprimierend. Denn das Stadtparlament hat ja auch eine Vorbildfunktion und sollte den Querschnitt der Stadtgesellschaft abbilden. Aber was sollen die Frauen sagen, wenn sie in den Rat schauen und fast nur Männerköpfe sehen. Wir haben heute auf keinen Fall mehr, sondern eher weniger Frauen im Rat, als zu meiner aktiven Zeit“, beklagt Sommer.
„Wir haben in der CDU zwar eine Quote, wonach jedes dritte Fraktionsmitglied eine Frau sein sollte und es gibt auch genügende engagi…

Der Wind hat sich gedreht: Hoffnungen und Sorgen am Mülheimer Siemens-Standort: Ein Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzenden Pietro Bazzoli

Gefragt nach der zukünftigen Entwicklung des Siemens-Standortes Mülheim hat auch Betriebsratschef Pietro Bazzoli derzeit mehr Fragen als Antworten. Die Siemens-Betriebsräte und die IG-Metall haben ihre Fragen am 23. Mai 2014 mit einer großen Kundgebung in Krefeld öffentlichkeitswirksam an die Konzernleitung herantragen.

„Was wir vermissen, ist eine konkrete Mülheim- und Deutschland-Strategie. Aber auch die Politik muss klare Rahmenbedingungen schaffen“, sagt der Mülheimer Betriebsratsvorsitzende Pietro Bazzoli mit Blick auf den geplanten Konzernumbau im Besonderen und die Energiewende im Allgemeinen.

Dass sich beides auf den Mülheimer Standort auswirken wird, der mit 4835 Mitarbeitern der größte Siemens-Standort in NRW ist, steht für ihn außer Frage. Das gilt aus seiner Sicht auch für die Übernahme des französischen Energie- und Zugtechnikkonzerns Alstom, unabhängig davon, ob am Ende Siemens oder Konkurrent General Electric das Rennen machen wird.

Ob Siemens in Mülheim, wo mit Gas- un…

Mit der Wirtschaft auf Empfang? Wie gut funktioniert der Dialog zwischen Kommunalpolitik und lokaler Wirtschaft?

Muss die Kommunalpolitik beim Thema Wirtschaft nachsitzen? Wim Abbing vom Vorstand des Unternehmerverbandes (die NRZ berichtete) lässt kurz vor der Kommunalwahl aufhorchen, wenn er mehr politische Aufmerksamkeit für wirtschaftliche Themen und einen intensiveren Dialog zwischen lokaler Wirtschaft und lokaler Politik fordert.

In einem Punkt geben die Fraktionschefs Dieter Wiechering (SPD), Wolfgang Michels (CDU), Peter Beitz (FDP) Lothar Reinhard (MBI) und die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Erd, dem Mann aus der Wirtschaft recht. Mülheims Verkehrsinfrastruktur, vor allem Straßen und Brücken sind dringend investions- und reparaturbedürftig. „Es hätte gar nicht so weit kommen dürfen, dass wir jetzt an vielen Stellen bis auf die Felgen herunter gekommen sind“, räumt Beitz ein. Und seine Ratskollegin von den Grünen erweitert die Perspektive. „Bei der Verkehrsinfrastruktur dürfen wir nicht alles auf die Straße bringen, sondern müssen darüber nachdenken, wo sich Transpo…

So gesehen: Die Evolution geht weiter

Wenn alles gut geht, hat ein Mensch zwei Augen, um nach vorne zu schauen, zwei Beine um nach vorne zu gehen und zwei Ohren, um sich umzuhören. Über Jahrmillionen hat sich der Mensch zu dem aufrecht gehenden Lebewesen entwickelt, das in der Lage ist, sich in seiner Umwelt zu bewegen, zu orientieren und mit anderen menschlichen Lebewesen zu kommunizieren.
Diese Entwicklung nennt man wohl Evolution. Ein solcher Evolutionsschritt scheint auch derzeit wieder im Gange zu sein. Denn immer öfter begegnet man jetzt Menschen, die seltsam gebeugt sitzen oder gehen und denen Hören und Sehen vergangen zu sein scheint. Sie haben keinen Blick und kein Ohr mehr für ihre Mitmenschen, die immer öfter gezwungen sind, ihnen auszuweichen, um nicht mit ihnen zu kollidieren oder aber sie massiv anzusprechen und aufzurütteln, wenn sie mit ihnen ins Gespräch kommen wollen. Denn diese Menschen haben ein neues Körperteil bekommen, das nicht nur ihre Aufmerksamkeit fesselt, sondern auch ihre Kommunikation besti…