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Es werden Posts vom Juni, 2016 angezeigt.

So gesehen: Fröhliche Nicht-Begegnung oder: Schon wieder abgehängt

Ich weiß nicht, ob Sie es noch wissen, dass ich vor einigen Tagen an dieser Stelle über meine zwiespältigen Aufzugserfahrungen mit einer jungen Dame geschrieben habe. Damals wollte ich abwärts und wurde abgehängt. Jetzt wollte ich aufwärts und wurde wieder von einer jungen Dame abgehängt, die vor meiner Nase die Aufzugtür zufallen ließ, so dass ich diesmal den Treppenaufstieg in die 5. Etage im Schweiße meines Angesichtes und im vollen Bewusstsein meines Übergewichtes antreten musste.

Ich nahm es als willkommene Trainingseinheit, auch wenn ich mich als nicht mehr ganz so junger Junggeselle bei jedem Treppenabsatz fragte, woran es eigentlich liegt, dass ich immer wieder von jungen Damen angehängt werde. Auch wenn ich beim Wettbewerb Mister Universum chancenlos wäre, glaubte ich beim Blick in den Spiegel bisher davon ausgegangen, dass mein äußeres Erscheinungsbild nicht derart abschreckend ist, dass junge Damen vor mir Ausreiß nehmen müssen.

Aber wenn ich genau darüber nachdenke, hatte di…

So gesehen: Nehmen wir es sportlich

Sport ist gesund. So hört man. Doch was man nicht nur bei der Fußball-EM, sondern auch auf heimischen Sportplätzen erlebt, sieht oft alles andere, als gesund aus. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Orthopäden.

Da wird getreten, gegrätscht, gehalten, gezerrt,  gerempelt und manchmal sogar handfest zugelangt. Selbst zwei Brüder aus meiner Nachbarfamilie, die noch weit unterhalb des viel zu gut bezahlten Profi-Fußballs in einem örtlichen Amateurverein kicken, kamen mir schon mit bandagierten und geschienten Beinen und Armen entgegen. Bemerkenswert fand ich, dass sie ihre Blessuren fast stolz und ohne jede Wehleidigkeit ertrugen. Ein Mann muss eben tun, was ein Mann zu tun hat, und sei es Fußball spielen.

Und was ist mit den Frauen? Die spielen entweder selbst Fußball, aber offensichtlich mehr mit Köpfchen als mit Knocheneinsatz. Oder sie verbieten ihren kleinen und großen Männern vorsorglich ganz den gesundheitsgefährdenden Fußball und gehen stattdessen mit ihnen wandern, radfa…

Auch mit 90 geht Gisela Lentz noch regelmäßig in die Schule. Ihr Lebensmotto: "Man muss ein Dickkopf sein!"

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Gisela Lentz ist ein Fleisch gewordenes Wunder. Auch mit 90 mag sie nicht auf der Couch sitzen und ihren Lebensabend genießen. Statt dessen geht sie lieber regelmäßig zur Max-Kölges-Schule an der Bruchstraße, um dort mit Teenagern im besten Pubertätsalter zu malen. Ist die Frau verrückt? Nein. Sie ist offensichtlich glücklich im Kreis ihrer Schüler, die aus aller Herren Länder nach Mülheim gekommen sind und hier für ihr Leben lernen.
Von Gisela Lentz, die seit ihren Kindertagen malt und eigentlich Biochemie studieren wollte, aber dann doch als Kunststudentin an der Folkwangschule landete, haben die Jugendlichen viel gelernt. „Sie ist immer für uns da, auch wenn es uns mal nicht so gut geht.“ „Sie hat mir gezeigt, dass Malen auch für Jungs spannend sein kann.“ „Der Malkurs bei ihr ist für mich, wie Urlaub“, sagen die Max-Kölges-Schüler über ihren ehrenamtliche Lehrerin, die vor über 10 Jahren durch das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) zur Hauptschule an der Bruchstraße.
Au…

Ein Stück Mülheimer Fußbalgeschichte: Vor 40 Jahren spielten die Styrumer Löwen in der 2. Bundesliga

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Bundesliga-Fußball in Styrum? Unglaublich, aber wahr, zumindest vor 40 Jahren.

Mitte der 70er Jahre erlebten die Löwen des 1. FC Mülheim-Styrum die Hochzeit ihrer inzwischen 92-jährigen Vereinsgeschichte. Damals hießen die Gegner, die ins Ruhrstadion kamen Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Rot-Weiss Essen, Wattenscheid 09, Bayer Uerdingen oder FC St. Pauli.

Denn in den Jahren 1974 bis 1976 spielten die Löwen in der Zweiten Bundesliga-Nord. In ihrer ersten Zweit-Liga-Saison erreichten die Fußballer um Trainer Horst Witzler immerhin einen achtbaren 11. Platz im Tabellen-Mittelfeld. Und im DFB-Pokal war für die Styrumer erst in der dritten Runde gegen den Erst-Ligisten Eintracht Frankfurt Schluss. In den Reihen der Frankfurter spielten damals Weltmeister, wie Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski.
Die Idole der Styrumer Fußballfreunde waren damals Abwehrspieler Ernst Bachmann, Torwart Manfred Manglitz, die Mittelfeld-Spieler Wilfried Mackscheidt und Reiner Greiffendorf so…

"Wir brauchen neue Ideen und Impulse", sagt Pfarrer Manfred von Schwartzenberg mit Blick auf die Zukunft der Kirche vor Ort

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Am 25. Juni lädt die Pfarrgemeinde Sankt Barbara zu einer Zukunftswerkstatt in ihr Pfarrheim am Schildberg ein. Was es damit auf sich hat, erklärt der zuständige Pfarrer Manfred von Schwartzenberg.

Warum braucht Sankt Barbara eine Zukunftswerkstatt?
Weil wir uns darüber unterhalten müssen, wie wir Kirche vor Ort leben und gestalten wollen, wenn wir künftig noch weniger Kirchenmitglieder und Kirchensteuereinnahmen haben werden, als das heute der Fall ist.

Wer sollte zu dieser Veranstaltung kommen?
Alle Bürger aus dem Mülheimer Norden und dem angrenzenden Oberhausener Teil unserer Pfarrgemeinde, denen das kirchliche Leben in unserer Stadt nicht völlig gleichgültig ist und die das Gefühl haben, dass die Kirche in unserer Stadtgesellschaft auch künftig eine Rolle spielen sollte, wenn es um Wertevermittlung, Sinnstiftung und soziales Engagement geht.

Reicht es denn nicht, wenn sich die aktiven Gemeindemitglieder treffen und ihre Ergebnisse im Rahmen des aktuellen Pfarreientwicklungsprozesses de…

Der Brexit schockt auch Mülheim: Auch die englische Partnerstadt Darlington stimm jetzt für den britischen Austritt aus der Europäischen Union

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Das Entsetzen über den Brexit ist einhellig, ob man mit dem Vorsitzenden des Städtepartnerschaftsvereins in Darlington, Tom Nutt, oder mit Mülheimern spricht, denen die seit 1953 gewachsene Städtepartnerschaft mit dem Pendant im Vereinigten Königreich am Herzen liegt.

In der nordenglischen Partnerstadt war die Zustimmung zum Brexit noch deutlicher als im Landesdurchschnitt. Stimmten auf der nationalen Ebene  51,9 Prozent für den Brexit, so waren es in Darlington sogar 56,2 Prozent. Entsprechend geringer, 43,8 statt 48,1 Prozent, fiel der Anteil der Befürworter einer britischen EU-Mitgliedschaft aus. Insgesamt rund 55 000 Darlingtoner beteiligten sich am Referendum, wobei das Brexit-Lager einen Stimmenvorsprung von rund 6000 Stimmen einfuhr. Auch der Anführer der Brexit-Befürworter, Boris Johnson (siehe Foto unten) hatte in Darlington für einen EU-Austritt geworben. „Ich kann nur hoffen, dass Leute wie Boris Johnson oder Nigel Farrage von der rechten UKIP-Party nicht den zukünftigen pol…

Die Verwaltungsspitze will die lokale Klima- und Energiewende vorantreiben

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Statistisch betrachtet verursacht jeder der 170.000 Mülheimer jährlich den Ausstoß von 10 Tonnen CO2, immerhin 5 Tonnen weniger, als noch 1992, aber immer noch zu viel. 2050 sollen es nur noch 2 Tonen pro Bürger und Jahr sein. Außerdem soll der Anteil der energetisch sanierten Gebäude in Mülheim in den nächsten drei Jahren von 1 auf 2 Prozent ansteigen. Auch der Anteil der erneuerbaren Energiequellen (Biogas, Wasserkraft, Windkraft und Solaranlagen) soll von derzeit 9 Prozent deutlich ansteigen. Diese Ziele gaben jetzt Oberbürgermeister Ulrich Scholten, Umweltdezernent Peter Vermeulen und Klimaschutzkoordinatorin Ulrike Marx jetzt für die Weiterentwicklung der lokalen Klimaende aus. Unterstützt durch einen Ratsbeschluss wird die Stadt in den kommenden fünf Jahren jeweils 100.000 Euro in die Förderung des Klimaschutzes investieren. Außerdem hofft man im Rathaus auf Fördermittel, unter anderem von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau. In drei Modellquartieren in Stadtmitte, H…

„Ich bete dafüre, dass wir in der EU bleiben“ Gespräch mit Tom Nutt, der in Mülheims Partnerstadt Darlington dem Stadtrat angehört über die Ausgangs- und Gefühlslage am Tage des EU-Rederendums

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Tom Nutt, Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins in Darlington, gehört seit 2003 für die Labour-Party dem Stadtrat der nordenglischen Partnerstadt an. Dort ist er Mitglied des Gesundheitsausschusses. Am Tag des britischen EU-Referendums erklärt er, warum viele seiner Landsleute raus aus der EU wollen und warum er ein englischer EU-Bürger bleiben will.

Warum wollen so viele Briten raus aus der EU?

Ich glaube, dass viele die Fakten und Hintergründe  nicht verstehen oder nicht kennen, die für unsere EU-Mitgliedschaft sprechen. Sie tun sich deshalb auch schwer, die sehr unterschiedlichen Informationen der polarisierenden Kampagnen für einen Verbleib oder für einen Austritt in der EU richtig einzuordnen. Viele, die für einen EU-Austritt stimmen, haben vor allem Angst vor der Reise- und Niederlassungsfreiheit in der EU und der damit zunehmenden Zahl von Einwanderern.

Wie argumentieren Sie für eine britische EU-Mitgliedschaft?

Die EU hat uns 70 Jahre Frieden zwischen den europäischen Lände…

Zeitsprung: Das alte Schulhaus an der Gathestraße

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Der alten Schule an der Gathestraße sieht man heute an, dass sie schon mal bessere Tage gesehen hat. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie eines der beliebtesten Postkarten-Motive aus dem „Königreich“ Dümpten. Die historische Aufnahme aus dem Stadtarchiv, die der Dümptener Bürgerverein auch schon mal in einem seiner Dümptener Bilderbögen veröffentlich hat, beweist es.
Heute gehört die Schule an der Gathestraße als Teilstandort zur Schule am Hexbachtal. Hans-Dieter Strunck vom Volkshochschul-Arbeitskreis Spurensuche hat sich im Rahmen eines Buchprojektes über 400 Jahre Mülheimer Schulgeschichte mit dem alten Schulhaus beschäftigt. In seinem Text und in anderen Quellen aus dem Stadtarchiv, erfährt man, dass die Schule an der Gathestraße 1871 als zweite evangelische Volksschule in Dümpten eröffnet wurde.

Obwohl damals von Ökumene keine Rede war, ging man das Schulleben an der Gathestraße pragmatisch an und nahm nicht nur evangelische, sondern auch katholische Schüler auf. F+r alle galt das u…

So gesehen: Nur keine unnötige Hast

Man liest und hört oft von Menschen, die sich abgehängt fühlen. Und plötzlich gehört man selbst dazu, zum Club der Abgehängten. Bei mir schlich sich jetzt das Gefühl ein, alt auszusehen, als ich unsere junge Nachbarin im Treppenhaus traf. Sie war, wie ich, auf dem Weg nach unten und ich lud sie ein, mit mir abwärts zu fahren. „Nein, danke, der Aufzug ist mir zu langsam!“ lehnte sie mit einem Lächeln ab und sprinntete, ehe ich etwas sagen konnte, treppabwärts. Nachdenklich bestieg ich den Aufzug und fühlte mich um 40 Jahre älter und  um 20 Kilo schwerer. Mein erster Impuls, selbst die Treppe zu nutzen, versagte im Angesicht ihres unverschämt leichtfüßigen Treppensprints. Das Blei in meinen Glieder wog schwer. Doch dann erlöste mich wenig später eine freundliche alte Dame, mit der ich beim Einkauf am Kühlregal in ein Gespräch über die Vor- und Nachteile verschiedener Rollatormodelle kam. Nach der Fachsimpelei im Supernarkt kam mir ihr Rollator wie ein Sportgerät vor und ich fühlte mich …

So gesehen: Keine Happy End für den flotten Dreier

Ich dachte immer: Gemeinsam ist man stärker, vor allem im Ruhrgebiet, in dem das Wort Kumpel Programm ist. Doch wenn es ums Geld geht, hört die Liebe oft auf. Das gilt nicht nur für die zwischenmenschlichen,- sondern auch für die Verkehrsverbindungen. Die Scheidungsabsicht der Duisburger Verkehrsgesellschaft zeigt es.

Gerade erst haben Politiker Land Stadt, Land und Revier zur Schippe gegriffen, um den Radschnellweg durchs Ruhrgebiet auf den Weg zu bringen, da zeigen sich die Bus- und Bahnbetriebe aus der Nachbarstadt als Spielverderber und Bremsklotz. Man sollte meinen, dass kommunale Betriebe, die mit Nahverkehr ihr Geld verdienen, wissen, wie man Menschen schnell und unkompliziert zusammenbringt. Doch Reisende hält man nicht auf. Und vielleicht wird die Nahverkehrsehe zwischen Mülheim und Essen ja eine Erfolgsgeschichte, nachdem der Dreiecksgeschichte Via - das kennt man auch aus anderen Verkehrsbereichen des Lebens - kein Happy End beschieden war.

Dieser Text erschien am 18. Juni 20…

Katholische Frauen aus Sankt Barbara packten wieder an und ein, damit sozial benachteiligte Kinder in Rumänien eine Chance fürs Leben bekommen

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Helfen macht Freude. Man merkt es, wenn man den Pfarrsaal von St. Barbara betritt. Es wird viel gelacht. Und zwischendurch gönnen sich die 24 Frauen, die im Pfarrheim am Schildberg fleißig Pakete packen auch eine kleine Stärkung mit Kaffee und Brötchen. Wir sind bei der Katholischen Frauengemeinschaft, die bereits seit 24 Jahren ein- bis zweimal pro Jahr einen LKW voller Pakete mit Spielzeug, Wäsche, Kleidung und Werkzeugen in das 1700 Kilometer entfernte Pecio Nou schicken. Die Dümptener Frauen packen ein, was ihre Nachbarn nicht mehr brauchen, was aber im westrumänischen Pecio Nou gebraucht wird. Sogar alte und ausgemusterte Brillen, die der Mülheimer Niederlassungsleiter der Barmer Ersatzkasse, Norbert Misak, über das Jahr von Versicherten mit neuer Brille bekommt, kommen dort zu neuen Ehren. „In Pecio Nou werden die alten Brillen einfach so lange ausprobiert, bis sie einem Mädchen oder einem Jungen passen und zu einem besseren Sehvermögen verhelfen“, weiß KFD-Sprecherin Christel We…

Die Nummer 1 aus Speldorf: Fritz Buchloh war in einer Zeit Torwart der deutschen Nationalmannschaft, als die Fußball-Profis noch Amateure waren

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Ein Nationaltorhüter aus Mülheim? Was in diesen EM-Tagen unvorstellbar klingt, war in den Jahren 1932 bis 1936 Wirklichkeit. 17-mal hütete Fritz Buchloh damals das Tor der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Reichstrainer Otto Nerz hatte den Torwart des VFB Speldorf bei einem Spiel der Westdeutschen Länderauswahl entdeckt und nominiert.

Am 4. Dezember 1932 stand der damals 23-Jährige Mülheimer erstmals im Tor der deutschen Nationalmannschaft. Sportlerpech, dass er bei seinem Debüt gegen die Niederlande zweimal hinter sich greifen musste. Die Deutschen verloren ihr Auswärtsspiel in Amsterdam mit 0:2. Doch Trainer Nerz, Vorgänger des späteren WM-Trainers Sepp Herberger, erkannte das Talent des Mülheimers und behielt ihn in seinem Kader.

Buchlohs zweite Chance kam schon bald. Am 1. Januar 1933 spielte Deutschland in Bologna gegen die spätere Weltmeister-Elf der Italiener. In der 50. Minute, Deutschland lag bereits 1:3 zurück, drohte das Team von Otto Nerz auseinanderzubrechen, nachdem Tor…

"Unsere Aufgabe ist noch nicht erfüllt": Die FDP feierte ihren 70. Geburtstag

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Bei der FDP ist man das Warten gewohnt. Derzeit warten die Liberalen bekanntlich auf ihren Wiedereinzug in den Bundestag. Und so ließ ihr Kreisvorsitzender Christian Mangen erst einmal 70 Jahre FDP in Mülheim Revue passieren, weil der Bundesvorsitzende der Liberalen, Christian Lindner, im Stau steckte und erst später zu den 150 Gästen im Ruhrkristall sprechen konnte.Mangen nannte einige historische Fakten, um seine Parteifreunde für die Gegenwart und Zukunft der Mülheimer Liberalen zu inspirieren. "Mit Wilhelm Dörnhaus, Alfred Jutzi und Paul Gerhard Bethge hat die FDP im Laufe von 70 Jahren drei Bürgermeister gestellt. Und ich bin davon überzeugt, dass Paul Gerhard Bethge, der heute unter uns ist, nicht der letzte Bürgermeister gewesen sein wird, den die FDP in Mülheim stellt." Keinen Zweifel ließ der liberale Ratsherr auch daran, dass er heute lieber 405 Parteifreunde (wie 1946/47) haben würde, als derzeit nur 130.
Auch die 5,3 Prozent, die die FDP bei der Kommunalwahl 2014…

So gesehen: Die FDP mal ganz sozialliberal

Die FDP ist die Partei der Marktwirtschaft. Das betonten ihre Vertreter auch beim Festakt zum 70. Geburtstag im Ruhrkristall. Deshalb fragten denn auch einige Gäste gleich danach, was sie fürs Buffet zu zahlen hätten.

Doch die Mülheimer FDP zeigte sich diesmal ganz sozialliberal. „Sie brauchen nichts zu bezahlen. Das ist uns unser 70. Partei-Geburtstag schon wert, dass sie alle kostenfrei und gut versorgt werden“, betonte der Kreisvorsitzende Christian Mangen. Sozialismus in der FDP? Mitnichten. Die Liberalen sind pragmatisch. Wer für die Freiheit kämpft, muss sich auch schon mal zum Freibier durchringen.

Liegen Programmpapiere auch schon mal schwer im Magen. Ein Buffet kann potenzielle Wähler immer auf den Geschmack bringen.

Dieser Text erschien am 16. Juni 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

70 Jahre Mülheimer FDP: Eine Partei ist so frei

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Die FDP wird 70. Am 14. Juni feierte sie diesen Geburtstag im Ruhrkristall. Auch der Bundesparteivorsitzende Christian Lindner gratulierte. Doch was gibt es zu feiern? Die Partei hat derzeit in Mülheim 127 Mitglieder und ist nicht mehr im Bundestag vertreten. Und bei der letzten Kommunalwahl schafften es nur drei Liberale in den Stadtrat.

Kaum zu glauben, dass die FDP in Mülheim 1947 über 400 Mitglieder hatte und 1952 mit 20 Prozent acht Ratsmitglieder ins Stadtparlament entsenden konnte. Bürgermeister-Persönlichkeiten, wie Wilhelm Dörnhaus, Alfred Jutzi (in den späten 40er- und frühen 50er-Jahren) oder Paul Gerhard  Bethge (in den frühen 80er-Jahren) standen beispielhaft dafür, dass Mülheim eine liberale Hochburg im Ruhrgebiet war.

„Das sind wir auch heute noch. Bei der Kommunalwahl 2014 konnten wir hier mit 5,3 Prozent das bester Ruhrgebiets-Ergebnis der FDP erzielen. Und inzwischen sehen uns die Demoskopen auch schon wieder bei 7 und 8 Prozent“, sagt FDP-Ratsherr und Parteichef Chris…

Zeitsprung am Flughafen: Große Geschichte, aber ungewisse Zukunft

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Die 91 Jahre währende Geschichte des Flughafens in Raadt ist ein Auf und Ab. Aktuell sieht es nach Ab aus. Aber das Thema scheidet die Geister. Die einen wollen möglichst schnell raus. Die anderen hoffen und glauben noch an das wirtschaftliche Potenzial des Flughafens.

Heute versetzt uns das historische Foto aus der Mitte der 1930er Jahre in die kurze Blütezeit des Flughafens. Das 80 Jahre alte Foto aus dem Stadtarchiv strahlt Geschäftigkeit aus. In einer Zeit, in der das Fliegen noch ein Luxus war,  zählte man in Raadt jährlich rund 15 000 Starts und Landungen von und nach Europa.

Für Passagiere wurde der am 30. August 1925 von der Luftfahrtgesellschaft Ruhrgebiet eröffnete Flughafen ebenso zum „Luftbahnhof“, wie für diverse Wirtschaftsgüter. Auch das Flughafenrestaurant mit seinen 700 Terrassenplätzen war in den 30er Jahren nicht nur bei Flugschautagen ein Publikumsmagnet. Hier konnten Ausflügler, die sich vielleicht kein Flugticket leisten konnten, zumindest die Piloten und ihre Masc…

So gesehen: Kalorienfalle in der Fankurve

Wenn jetzt schon im Schaufenster meines Leib- und Magenkonditors rot-schwarz-goldene Girlanden und Fußbälle für den Torten hängen, weiß ich es ist so weit. Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, zumal, wenn mich auch im Supermarkt gleich eine ganze Chips-Tonne in Schwarz-Rot-Gold anlacht. Mal schauen, ob Jogi und seine Jungs bei dieser Fußball-Europa-Meisterschaft in Frankreich eine Schnitte bekommen. Zeit wär’s ja, 20 Jahre nach dem letzten deutschen EM-Titel in England. Damals zitterten wir uns in der heimischen Fankurve auf dem Sofa vor dem Fernsehen auch mit der Nervennahrung englischer Weingummis ins Finale. Und wie beruhigen wir uns in den kommenden EM-Wochen, wenn es mal wieder zu spannend werden sollte? Mit Torte, Chips oder Grillwürstchen der Marke Schwarz-Rot-Gold. Doch wenn ich auf meine Waage schaue, greife ich wohl besser auf das kaloroienfreie Mineralwasser aus dem Quartier unserer Nationalmannschaft in Evian zurück. Es kann natürlich auch ein Mineralwasser aus de…

Ein Mann für alle Notfälle Unterwegs mit dem Notfall- und Kranknhaus-Seelsorger Guido Möller

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Als Notfallseelsorger muss Pfarrer Guido Möller immer mit dem Schlimmsten rechnen. Man merkt es ihm nicht an, als er die Pakete mit der Infobroschüre über die psychologischen und sozialen Herausforderungen der Notfallseelsorge in sein Büro im ersten Stock der neuen Feuerwache an der Duisburger  Straße bugsiert.
Wenn Möller nicht gerade als Notfall- oder Krankenhausseelsorger unterwegs ist, bildet er haupt- und ehrenamtliche Notfallseelsorger aus, schreibt Dienstpläne, pflegt seine Kontakte zu Gott und der Welt in Mülheim und seinen Nachbarstädten oder unterrichtet an der Krankenpflegeakademie des St. Marien-Hospitals Ethik.
„Notfallseelsorge funktioniert nur kollegial“, sagt Möller. Wenn der laufende Ausbildungskurs im Herbst beendet sein wird, werden ihm 21 haupt- und 29 ehrenamtliche Kollegen in der Notfallseelsorge zur Seite stehen.

Das Möller ein Gemeinschaftsmensch ist, merkt man schon daran, dass er gerne angesprochen wird und auch selbst gerne anspricht, wenn er beim Gang durch di…

Moderator und Mahner müssten Er oder Sie sein

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Max Stimpel, 17, stellvertretender Schülersprecher am Otto-Pankok-Gymnasium fiel im Rahmen der Serie „Das Mülheim von Morgen“ durch seine originellen politischen Positionen auf. Deshalb fragte ihn jetzt für die NRZ, wie er den Amtsverzicht von Bundespräsident Joachim Gauck beurteilt.

Bedauern Sie, dass Gauck 2017 nicht noch einmal antritt?
Eigentlich nicht. Auch wenn er seine Sache ganz gut gemacht hat, hat er in den wichtigen politischen Fragen doch eher ein Schattendasein geführt. Ich bin gespannt, wer seine Nachfolge antritt, ohne dass ich selbst schon einen Favoriten oder eine Favoritin hätte.

Brauchen wir das weitgehend repräsentative Amt des Bundespräsidenten?
Ich glaube, dass es nützlich sein kann, wenn es jemanden gibt, der über dem tagespolitischen Geschehen steht, um Deutschland als Ganzes zu repräsentieren und von außen wichtige und richtige Dinge zu sagen, die den Finger in die Wunde legen und die politische Diskussion beflügeln.

Was erwarten Sie von einem Bundespräsidenten ode…

Ein Lebens-Künstler Wer mit dem Altenpfleger Kofi Akoto im Haus Ruhrgarten unterwegs ist, lernt etwas darüber, was im Leben wichtig ist und was Menschen glücklich macht. Zeit und Zuwendung sind seine wichtigsten Dienste.

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Kofi Akoto ist ein erstaunlicher Mann. Er ist immer gut gelaunt und hat für jeden ein freundliches Wort, der ihm begegnet.

Dabei hat der Mann aus Ghana, der der Liebe wegen 2001 nach Deutschland kam und heute Vater von zwei kleinen Töchtern ist, einen schweren Beruf. Er ist Altenpfleger. 
Zurzeit wechselt der 36-Jährige vom Früh- in den Nachtdienst, der Kinder wegen und weil seine Frau wieder berufstätig ist, als Sicherheitsassistentin am Düsseldorfer Flughafen. Doch an diesem Tag kommt er noch einmal zum Frühdienst ins Haus Ruhrgarten. Mit seinen Kollegen auf der Wohngruppe 2 bespricht er um 6.40 Uhr den mentalen und körperlichen Zustand der 24 hochbetagten Männer und Frauen, um die sich Akoto und seine beiden Kollegen kümmern.

Er selbst ist für acht Bewohner zuständig. Er stellt ihre Medikamente für den Tag zusammen und schaut in die Akte einer alten Dame, über deren Gesundheitszustand er später noch mit der Hausärztin sprechen wird.
„Man ist hier Mediziner, Pfleger, Betreuer, aber vor …

Suche nach neuem Superintendenten beginnt Hitzbleck hört 2017 auf. Kreissynode beschloss: Alle Pfarrer zur Notfallseelsorge verpflichtet

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Im evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr beginnt jetzt die Suche nach einem neuen Superintendenten. Denn Amtsinhaber Helmut Hitzbleck, der im Dezember 2017 seinen 65. Geburtstag feiert, kündigte bei der Kreissynode im Altenhof an, dass er am 1. April 2017 in den Ruhestand gehen wird. Hitzbleck steht seit 2005 an der Spitze des Kirchenkreises. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin (Bewerber sind  noch nicht absehbar) wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt.

Die Kreissynode, die derzeit 48 000 Mülheimer Protestanten vertritt, beschloss am Samstag auch eine Neuordnung der seit 1998 bestehenden Notfallseelsorge. Demnach werden die 25 Gemeindepfarrer des Kirchenkreises, die bisher nur auf freiwilliger Basis in der Notfallseelsorge mitgearbeitet haben, jetzt zu entsprechender Mitarbeit verpflichtet. Sie sollen die hauptamtlichen Notfall- und Krankenhausseelsorger Katharina Schmalenbach und Guido Möller nicht nur in der eigentlichen Notfallseelsorge, sondern auch in der Krankenhauss…

Der Evangelischen Kirchenkreis an der Ruhr bekommt wieder ein Jugendreferat

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Der evangelische Kirchenkreis An der Ruhr soll wieder ein Jugendreferat bekommen. Das beschlossen am Samstag die 53 anwesenden Mitglieder der Kreissynode.

Möglich wurde die Einrichtung einer entsprechenden Jugendreferentenstelle durch unerwartet gute Kirchensteuereinnahmen und außerdem durch eine Förderung der Stiftung Jugend mit Zukunft. Die vom ehemaligen Superintendenten Frank Kastrup initiierte Stiftung wird die Stelle des Jugendreferenten oder der Jugendreferentin in den kommenden drei Jahren mit jeweils 5000 Euro unterstützen.

Entscheidend ist aber, dass der Kirchenkreis 2014 und 2015 mit einem Kirchensteuer-Minus von jeweils rund 200 000 Euro gerechnet hatte, tatsächlich aber in beiden Jahren ein Plus von jeweils rund 400 000 Euro verbuchen konnte.

Der neue Jugendreferent oder die neue Jugendreferentin werden die kirchliche Jugendarbeit auf der Kirchenkreisebene koordinieren und durch neue Projekte stärken. Außerdem soll er oder sie die Belange der evangelischen Jugendlichen in de…

Wenn aus dem Ihr ein Wir wird Die Ruhrorter vom Theater an der Ruhr bringen mit ihren Inszenierungen im leerstehenden Woolworth-Gebäude alte und neue Mülheimer zusammen

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Man kann Leerstände in den Innenstadt auch mit Theater füllen. Das beim Theater an der Ruhr angesiedelte Ensemble Ruhrorter machte es am Wochenende im ehemaligen Woolworth-Gebäude vor.

Der Theaterenthusiast und ehrenamtliche Regisseur Adem Köstereli inszenierte mit seinem elfköpfigen Ensemble auf drei Kaufhausetagen eine starkes Stück über das Menschsein zwischen Leben, Liebe, Angst, Freiheit, Freude, Wünschen, Warten und Hoffen.

Zuschauer und Schauspieler bewegten sich buchstäblich immer auf gleicher Ebene und erlebten Theater auf Augenhöhe. Da die Schauspieler aus Indien, Iran, Syrien und Afghanistan in ihrer Muttersprache, aber auch von vollem Körpereinsatz spielten, trat die Sprache zusehens in den Hintergrund. Die deutschsprachigen Zuschauer verstanden nichts und doch alles, weil sie, wie in einem Ballett, durch ausdruckstarke und unwiderstehliche Bilder in die Handlung hineingezogen wurden.
Dazu passte auch, dass Zuschauer Eberhard Heinrich an einer Stelle aufgefordert wurde, einen…

1271 Menschen suchten 2015 die Schulden- und Insolvenzberatung der Arbeiterwohlfahrt

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1271 Männer und Frauen suchten im vergangenen Jahr Hilfe bei der Awo-Schulden- und Insolvenzberatung. 812 von ihnen suchten zum ersten Mal die Hilfe der Arbeiterwohlfahrt und ihrer insgesamt vier Schuldenberater. Durch deren Beratung konnten am Ende des Jahres in 2442 Beratungsgesprächen Schulden in einer Gesamthöhe von 4,8 Millionen Euro reguliert werden, sei es durch einen Vergleich mit den Gläubigern oder durch eine private Insolvenz. "Damit sind unsere Fallzahlen leicht zurückgegangen, bewegen sich aber, wie schon in den vergangenen Jahren zwischen 1200 und 1300 Klienten pro Jahr", erklärte der Leiter der Beratungsstelle, Carsten Welp, jetzt bei der Vorstellung des Arbeitsberichtes. Im Jahr zuvor hatten noch 1362 Männer und Frauen in 2621 Beratungsgesprächen die Hilfe der Awo-Schulden- und Insolvenzberatung gesucht. Dass die Beratungszahlen seines Verbandes leicht rückläufig sind, führt Awo-Geschäftsführer Lothar Fink vor allem darauf zurück, dass die Arbeitsmarktlage ak…