Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom September, 2018 angezeigt.

Babyboomer brauchen mehr Selbstbewusstsein

Die Journalistin Lisa Ortgies stellte im Medienforum des Bistums ihr neues Buch vor und traf dabei den Nerv ihres Publikums
Witzig, ernst und geistreich. So gewann Frau-TV-Moderatorin Lisa Ortgies im Medienforum des Bistums die Herzen ihres mehrheitlich weiblichen Publikums, dem sie ihr neues Buch „Ich möchte gerne in Würde altern, aber doch nicht jetzt“ vorstellte, ohne dass der Abend zur oberflächlichen Personality- und Verkaufsshow geraten wäre. Im Gegenteil. Mit dem Schalk im Nacken und dem ernsten Blick für das Wesentliche im Leben, hatte die 52-jährige Journalistin nicht nur die Lacher, sondern auch die nachdenklichen Nicker auf ihrer Seite.
Das Alter der Journalistin und zweifachen Mutter, die auch schon das Kulturmagazin des NDRs moderiert und die Redaktion der Frauenzeitschrift Emma geleitet hat, darf man nennen. Denn es ist Kern des Themas, das Ortgies ohne Wehklagen, aber mit sanfter Ironie in den Fokus nimmt. Von ihrer Generation der Babyboomer, die heute zwischen 50 und 60…

Der Stadtverordnete Hasan Tuncer ist jetzt ein Aktiv-Botschafter für Demokratie und Toleranz

Der in der Türkei geborene Hasan Tuncer vertritt seit der letzten Kommunalwahl 2014 das Bündnis für Bildung im Stadtrat und arbeitet dort im Hauptausschuss, in den Ausschüssen für Bildung, Arbeit, Gesundheit, Soziales und in der Vergabekommission mit. Jetzt will der Vorsitzende des an der Hingbergstraße 91-97 ansässigen Alevitischen Kulturzentrums etwas für die zivilgesellschaftliche Bildung in unserer Stadt tun. In Köln hat er sich von Sozial- und Islamwissenschaftler im Rahmen von fünf Tagesseminaren der alevitischen Gemeinde in Deutschland zum AKTIV-Botschafter und Multiplikator in Sachen Aufklärung über die Ideologie des Salafismus ausbilden lassen. Seine Schulung, zu denen die  für die Radikalisierung, die mit der Inter- und Transkulturalität verbundenen Herausforderungen, das Rollenverständnis der Geschlechter, der Abbau von Vorurteilen, die Auswirkungen von Diskriminierungen und die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gehört, ist Teil des Bundesprogramms „AKTIV! – …

Ein Hindernislauf vom feinsten

"Das mache ich doch jeden Tag vor unserer Haustür", kommentierte Mutter einen Beitrag, den sie jetzt in der NRZ las. Thema: Ein Parcours-Training für Rollatorfahrer. Tatsächlich gleichen Mutters Rollator-Runden durch die holprige Innenstadt einem anspruchsvollen Parcour-Training, das sich keine Experte besser hätte ausdenken können. Sie muss Stufen und Bürgersteigkanten überwinden, auf losen Bodenfließen standhaft bleiben, geistesgegenwärtig Geisterfahrern auf 2 und 4 Rädern ausweichen oder täglich wechselnde Unebenheiten, Schlaglöcher und Geschäftsauslagen geschickt umfahren, ohne aus der Kurve zu fliegen. Wer sagt es denn? Wer es in unserer Innenstadt als Rollatorahrer schafft unfallfrei unterwegs zu sein, der schafft es überall. Warum machen wir da aus der Not nicht eine Tugend und erklären die Fußgängerzone einfach zu Deutschlands größtem Parcour für professionelles Rollatourfahrtraining. Was der Hockenheimring oder die Straßen von Monaco für Rennfahrer auf zwei und vier…

Angela Huestegge: Die Neue am Gymnasium Broich

Als neue Schulleiterin des Gymnasiums Broich ist Angela Huestegge nach mehr als 40 Jahren in Berlin in ihre Mülheimer Heimat zurückgekehrt. „da ich immer Freunde und Familie in Mülheim hatte, habe ich den Kontakt zur Stadt nie verloren“, sagt die Pädagogin, die 1977 ihr Abitur am Karl-Ziegler-Gymnasium gemacht hat. Dort lernte sie auch ihren heutigen Mann Karl Peter kennen, mit dem sie nach dem Abitur zum Studium nach Berlin ging. „Ich habe dort zunächst Elektrotechnik studiert, dann aber schnell gemerkt, dass ich lieber mit Kindern und Jugendlichen arbeiten würde“, erinnert sich die dreifache Mutter und zweifache Großmutter.

Sie wechselte ins Lehramtsstudium und studierte neben Geografie und Physik auch Ethik und Informatik. Diese Fächer unterrichtete sie zuletzt an einem Gymnasium in Berlin, an dem sie auch als naturwissenschaftliche Fachbereichsleiterin und als stellvertretende Schulleiterin Leitungsaufgaben übernahm. „In Berlin ist der Anteil der Zuwanderer noch erheblich höher, al…

Vorsicht vor Zahlen

Wie gefällt es dir im Kindergarten?“ will der große Junge vom kleinen Jungen wissen. „Ich gehe doch nicht mehr in den Kindergarten. Ich gehe schon in die 2. Klasse“, lässt der kleine Knirps den großen Knirps wissen. So ändern sich die Zeiten. Je jünger man ist, desto älter möchte man sein. Und je älter man ist, desto mehr freut man sich, wenn man für jünger gehalten  wird. Als Mann sollte man sich einfach auf keine Altersschätzungen einlassen.

Und das gilt nicht nur bei Kindern, die noch aussehen, als gingen sie in den Kindergarten, obwohl sie schon die Schulbank drücken ebenso, wie für reife Damen, die einen lächelnd, wie verschlagen fragen: „Für wie alt halten Sie mich.“ Da kann man als Mann nur schief liegen. Schätzt man die Dame zu jung, hält sie einen für einen Schleimbeutel und Süßholzraspler. Überschätzt man ihr Alter aber auch nur um ein Jahr, dann kommt man auf ihre schwarze Liste und muss vielleicht Jahre daran arbeiten, um ihre Gunst wieder zu erlangen. Dabei ist irren doch …

Wohin mit den Emotionen, wenn die eigene Kirche nicht mehr Kirche ist?

„Ich dachte schon, dass wird hier heute eine Randalebude“, gab Jens Oboth am Ende des Donnertagabends zu. Stattdessen bedankte sich der Dozent der katholischen Akademie bei den Tagungsteilnehmern im Kardinal-Hengsbach-Saal der Wolfsburg „für ihre sachlichen und inspirierenden Wortbeiträge. Tatsächlich hätte die Abendveranstaltung mit rund 120 interessierten Basis-Katholiken und den Podiumsgästen Markus Potthoff, im Generalvikariat Leiter der Abteilung für Pastorale Arbeit und Bildung, und dem Düsseldorfer Pastoralpsychologen und Psychotherapeuten Prof. Dr. Wolfgang Reuter auch eine hochemotionale Auseinandersetzung über die Zukunft der Pfarrgemeinden im Bistum Essen werden können. Denn die Zahlen, die Potthoff zum Thema Pfarreientwicklungsprozess auf den Tisch legte, hatten das Zeug zum Aufreger. Seit dem Jahr 2000 sind in Deutschland 500 Kirchen profaniert worden. Im Zuge der ersten Strukturreform des Bistums Essen wurden aus 259 nur noch 43 Pfarreien. Und nur ein Drittel der heute …

Bundesverdienstmedaille für Manfred von Schwartzenberg: Bundespräsident zeichnet Dümptener Pfarrer aus

Mülheim. Der katholische Ehrenstadtdechant und Pfarrer von St. Barbara, Manfred von Schwartzenberg, hat vom Bundespräsidenten die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen. Die Auszeichnung würdigt von Schwartzenbergs außergewöhnliches Engagement in Kirche und Gesellschaft. Seine Arbeit am 1998 uraufgeführten Nikolaus-Groß-Musical wird in der Begründung ebenso genannt, wie sein Einsatz in der lokalen Flüchtlingshilfe, seine Initiative zur Gemeinde-Partnerschaft zwischen St. Barbara und der St.-Josef-Gemeinde im kroatischen Razine-Sibenik oder seine Mit-Initiative zur Stiftung und Aufführung der Mülheimer Festouvertüre im Mülheimer Stadt-Jubiläums-Jahr 2008. Der ehemalige Stadt-Katholikenrats-Vorsitzende Wolfgang Feldmann, der Gemeinderatsvorsitzende von St. Barbara Ulrich Schweda und der Sohn des 1945 ermordeten Widerstandskämpfers, Nikolaus Groß, Diakon Bernhard Groß hatten sich seit 2015 um eine entsprechende Auszeichnung des katholischen Priester bemüht. „…

Katholische Rebellion: Der Essener Katholikentag 1968

Kirche ist immer die Kirche ihrer Zeit. So war es auch 1968, als Essen und sein Bischof Franz Hengsbach Gastgeber des 82. Katholikentages waren. Damals rebellierten die Studenten gegen den „Muff unter den Talaren“ und gegen den Krieg in Vietnam. Mit dem katholischen US-Senator Robert Kennedy und dem schwarzen US-Bürgerrechtler Martin Luther King fielen 1968 zwei politische Hoffnungsträger Mordanschlägen zum Opfer. Der deutsche Studentenführer Rudi Dutschke überlebte ein Attentat schwer verletzt. Und mit dem sowjetischen Einmarsch in der CSSR starben 1968 auch die politischen Hoffnungen, die sich mit dem Prager Frühling und dem Reformer Alfred Dubcek verbanden. Das katholische Deutschland stand 1968 noch unter dem Eindruck des Zweiten Vatikanischen Konzils und der von Papst Paul VI. 1968 verkündeten Enzyklika Humane Vitae. Das päpstliche Verbot der Antibabypille, das ihm Volksmund den Namen „Pillen-Paul“ einbrachte, enttäuschte viele katholische Laien. Sie sahen den 1962 von Papst Johan…

Wild West vor der Haustür

Früher sah ich gerne Westernfilme, in denen John Wayne als Marshall die bösen Jungs zur Strecke brachte. Heute habe ich als Innenstadtbewohner das Gefühl, dass der Wilde Westen vor der Haustür beginnt. Die bösen Jungs kommen in der Beton-Prärie nicht mehr als Reiter, sondern als rasende Radfahrer daher.

Gestern wäre ich um Haaresbreite um meine grundgesetzlich garantierte körperliche Unversehrtheit gebracht worden, weil zwei halbstarke und halbgescheite Radrowdys nur ihre freie Fahrt, aber nicht die Bewegungsfreiheit ihrer Mitbürger schätzen, die ohne akute Lebensgefahr in ihrer Innenstadt unterwegs sein möchten. Erst hätte mich beinahe ein Radfahrer, der offensichtlich für die nächste Tour de France trainierte, am Baustellenzaun an der Leineweberstraße, erwischt. Und dann kam mir bei tief stehender Herbstsonne ein freihändig rasender Radcowboy auf der Schloßstraße entgegen. Der Erhalt meiner Gesundheit war eine Frage von Millimetern. 

Leider kamen die Marshalls der Polizei, nicht so pü…

Ein Zeitsprung am Kohlenkamp ider: "Es war noch nie so schön, in Mülheim einzukaufen!"

Hanns Holthaus lässt uns mit seinem Foto, das in der 1968 in der November-Ausgabe des Illustrierten Stadtspiegels erschien auf den Kohlenkamp zwischen Schloß- und Leineweberstraße schauen. Das Bild diente damals der Illustration eines Beitrages, den der Journalist Franz Rolf Krapp über die "neue Einkaufsstadt Mülheim" geschrieben hat. Damals machte sich Mülheim auf, in seiner Stadtmitte eine autofreie Fußgängerzone, samt neuer Beleuchtung, neuer Blumenkübel und Blumenbeete und einer Tiefgarage einzurichten.

Es sei kaum vorstellbar, dass die Fußgänger, "eine ganze Straße von einem Schaufenster zum anderen" für sich hätten, meinte Krapp. Der mittelständische Einzelhandel Mülheims, so prognostizierte er damals, brauche die Konkurrenz mit den Nachbarstädten nicht zu scheuen. "Ein wahres Wort. Kaufe vor Ort!" empfahl er seinen Lesern und kam zu dem fast überschwänglichen Ergebnis: "Noch nie hat es so viel Freude gemacht, in der Mülheimer Innenstadt einzuka…

Vorbildlicher Vierbeiner

Eine Frau sitzt in einem Straßencafé an der Schloßstraße und lässt sich ihren Kaffee munden. Neben ihr sitzt auf dem gut gepolsterten Sitzmöbel des Cafés kerzengerade ein weißer Pudel.
Der Pudel ist mindestens genauso gut frisiert, wie sein Frauchen. In unserer Stadt gibt es nämlich nicht nur Friseure für Zweibeiner, sondern auch für Vierbeiner.

Mich hätte es nicht verwundert, wenn dem Pudel der Café-Haus-Gängerin die Fell-Haare zu Berge gestanden hätten. Denn während Frauchen ihren Kaffee schlürfte, gab es für ihren Vierbeiner noch nicht mal eine Schale Wasser.

So hundsgemein können auch nur Menschen sein. Friedrich der Große wusste, was er sagte, als er meinte: „Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Hunde!“

Wahrscheinlich ist es beim weißen Pudel aber so, dass er auf dem Café-Haus-Polster auch deshalb ohne jedes Gejaule vornehme Abstinenz üben konnte, weil er sein Frauchen besser kennt, als der vorbeieilende Zweibeiner und deshalb genau weiß, dass seine Zeit noch kommt. Denn dort, …

Wie gewonnen, so zerronnen

Gestern hatte ich Glück. Dachte ich. Denn ich wurde nach dem Ende einer Veranstaltung in der Katholischen Akademie in Speldorf von einer netten Kollegin im Auto mit in die Stadtmitte genommen.

Toll. Wir hatten noch eine schöne Unterhaltung und ich war deutlich eher zu Hause, als wenn ich mit dem Bus oder der Bahn gefahren wäre.

Doch ich hatte mich zu früh über meinen vermeintlichen Zeitgewinn gefreut. Denn kaum war ich zu Hause und hatte meine Kaffeemaschine angeworfen, da erreichte mich auch schon ein Telefonanruf aus der Katholischen Akademie: „Sie haben hier ihre Lesebrille vergessen. Wir hinterlegen sie für Sie an unserer Rezeption. Bitte, holen Sie sie zeitnah wieder ab!“

Wenn ich schon mal meine, etwas gewonnen zu haben, und sei es auch nur Zeit, dann ist es auch schon wieder zerronnen. Was man nicht im Kopf hat, muss man wohl in den Beinen haben. Einmal Prinzenhöhe und zurück.

Beim nächsten Mal lasse ich auch die schnellste und netteste Mitfahrgelegenheit lieber fahren und packe na…

Einfach mal anders herum gedacht

In Mülheim geht der Abo-Frust um. Die Rede ist nicht von sinkenden Abo-Zahlen der Zeitungen. Auch auf Bus und Bahn sind immer weniger Mülheimer abonniert. 

Das finde ich schade. Ich wünsche mir ein Bürgerticket für alle. Jeder Bürger sollte das Recht haben, eine Zeitung seiner Wahl zu lesen und in seiner Region mit Bus und Bahn unterwegs zu sein. Viel zu teuer? Illusionär? Von wegen. Politische Entscheider in Rathäusern, Staatskanzleien und Kanzleramt müssten nur mal den Mut haben, die Bürger aus ihrer Bequemlichkeitsfalle zu locken und ihnen die Wahrheit über die Sackgasse vermitteln, in die wir als politik-, bus- und bahn-frustrierte Bürger hineinsteuern.

Ich habe einen Traum. Ein Bürgerticket für Busse, Bahnen und Zeitungen, würde unsere Demokratie wieder in Fahrt und die politischen Rattenfänger aufs Abstellgleis bringen. Bürger, die gerne mit pünktlichen und preiswerten Bussen und Bahnen fahren könnten, könnten ihr Auto immer öfter stehen lassen und so die Straßen und ihre abgas- u…

Es gibt sie noch, die Solidarität

Manchmal hat man das Gefühl, dass sich die Zeit gegen einen verschworen hat, weil sie einem immer schneller davon läuft. Eben fühlte man sich noch auf der Höhe der Zeit und schon kommt man zu spät und wird vom Leben bestraft. Doch manchmal wird man vom Leben belohnt, zum Beispiel  vom Fahrgast einer Bahn, der mit dem Fuß solange die Schiebetür blockiert, bis der späte und eilige Zeitgenosse die letzten Meter bis zum Einstieg geschafft hat. Das nenne ich Solidarität! Danke, Herr Nachbar, dass Sie mit einer halben Minute ihrer Lebenszeit dafür gesorgt haben, dass ich im Tageslauf den Anschluss behielt. Gemeinsam kommt man eben doch besser und schneller ins Ziel.

So lange es noch solch freundliche Mitmenschen gibt, braucht man nicht in Kulturpessimismus verfallen und mit Blick auf die Zukunft schwarz zu sehen. Die nächste Gelegenheit, mich zu revanchieren, kommt sich auch für mich schon bald. Und dann werde ich an Sie, lieber Herr Nachbar, denken und Ihnen oder einem unserer Kollegen den …

Jung und gar nicht unpolitisch

Gestern diskutierten junge und politisch aktive Mülheimer im Gymnasium Broich mit Schülern, die nur wenig jünger sind als sie selbst, über die Frage: „Warum soll ich mich als Jugendlicher oder junger Erwachsener politisch engagieren?“ Die Diskussion war herzerfrischend und gerade für Zuhörer interessant, die sich bestenfalls zur reifen Jugend zählen können.

Denn sie zeigte allen Klageliedern über den Werteverfall in unserer materialistischen Gesellschaft und den vermeintlich unmittelbar bevorstehenden Untergang des christlichen Abendlandes zum Trotz, dass junge Leute von heute sehr wohl wissen, was politisch angesagt ist. 

Denn das diskutierte Themenspektrum reichte vom Umweltschutz und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur über die Bekämpfung von Armut und Rechtsextremismus bis hin zur  Starthilfe für die Berufsausbildung. Auch die gemeinsame und sinnvolle Freizeitgestaltung wurde in der jungen politischen Umschau nicht vergessen. Schließlich leben wir ja nicht nur, um zu arbeiten. Di…

Ohne Jugend ist kein Staat zu machen

Unter der politisch aktiven Jugend Mülheims ist eines über alle Parteigrenzen hinweg politischer Konsens: „Wir brauchen in allen Schulen der Stadt einen Wlan-Zugang zum schnellen Internet.“ Das war schon mal ein guter Grund, den der Vorsitzende des Rings der politischen Jugend, Marcel Helmchen, (20) von der Jungen Union, die Vorsitzende des 18-köpfigen Jugendstadtrates, Klara Aus der Fünten (18), die Juso-Chefin, Laura Libera (24) und Franziska Ristok von der Grünen Jugend ihren 120 Zuhörern in der Broicher Schulaula nennen konnten, als es um die Frage ging: „Was bringt es mir als Jugendlicher, mich politisch zu engagieren.

„Wenn ihr keinen Bock auf Parteien habt, könnt ihr euch auch in Verbänden, Vereinen, Bürgerinitiativen und anderen Nicht-Regierungs-Organisationen engagieren“, ließ Moderator Fabian Jaskolla (21) die Zehntklässler des Gymnasiums Broich wissen. Der Student, der selbst sein Abitur an ihrer Schule gemacht hat, kam über die katholische Jugendarbeit zu den Grünen. „Was h…

Die Springmäuse ließen den Funken überspringen

Wie schnell können 90 Spielminuten vergehen, wenn die Akteure die hohe Kunst der Improvisation beherrschen. Die Rede ist nicht von Jogis Jungs, sondern von den Bonner Springmäusen Vera Passý, Paul Hombach, Ben Hartwig und Norbert Frieling, die am Freitagabend im Ringlokschuppen 370 Kleinkunst Fans zum Lachen brachten.

Wenn Lachen wirklich gesund ist, dann dürfte dieser Abend des gehobenen Blödsinns so manche Pille und so manchen Arztbesuch erspart haben. Stellen Sie sich vor, Sie werden zu einer Geburtstagsparty eingeladen und ihr Gastgeber käme auf die Idee: „Einige von uns spielen  und singen kleine Sketche und Lieder, in denen Stichworte vorkommen, die ihnen die zuschauenden Gästen zurufen.“

Sind Sie  musisch und kreativ veranlagt, werden Sie sagen: „Das kann ich. Das macht Spaß.“ Doch spätestens, wenn Ihnen die ersten Zuschauer Worte, wie Darmspiegelung oder Farblichttherapie zurufen, dürfte Ihnen der Spaß vergehen.
Ganz anders bei den Springmäusen, die bei ihrem Programm „Juke Box“ …

Der ÖPNV ist kein Wunschkonzert

Wann kommt denn unsere Straßenbahn“, fragt das kleine Mädchen seine Mutter. „Sie kommt gleich!“, bekommt sie zur Antwort und erwidert spontan: „Ich will aber, dass unsere Bahn jetzt kommt!“ Die Erwachsenen an der Haltestelle müssen lachen. Sie haben den selben Wunsch, würden ihn aber nie so direkt äußern. Denn sie haben schon eine etwas längere Erfahrung mit den Bussen und Bahnen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Sie wissen: Der ÖPNV hat seine ganz eigene Dynamik. Und so ist das Erstaunen auch nicht wirklich groß, als die angekündigte Bahn, die eigentlich „sofort“ kommen soll, plötzlich von der elektronischen Fahrplananzeige verschwindet.

Ein ernüchterndes Seufzen und Kopfschütteln geht durch die Reihen der Wartenden. Das bedeutet wohl, dass die Bahn ausfällt.

Während die großen Fahrgäste zum Teil ihr Handy zücken, um ihrer Zielperson ihre nahverkehrstechnisch bedingte Verspätung anzukündigen, zieht der kleine Fahrgast seine Mutter zur Rechenschaft: „Du hast aber gesagt, dass…

Steht unsere Zukunft in der Kippe?

Auch wer die aktuelle Berichterstattung zum Thema Kinderarmut verfolgt hat, wonach jedes dritte Kind in Mülheim von Armut bedroht ist, musste am Samstag schlucken, als die SPD zu eben diesem Thema in die Stadthalle eingeladen hatte. Die Kinderarmut hat in Mülheim seit 2006 um 50 Prozent zugenommen. Und in der Stadtmitte wachsen heute zwei Drittel der Kinder in Familien auf, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind. „In diesen Zahlen sind die von Armut bedrohten Familien, die aber kein Arbeitsgeld II bekommen, noch gar nicht mit enthalten“, betonte der Sozialwissenschaftler Volker Kersting, den viele Mülheimer noch als Stadtforscher kennen und der inzwischen als Regionalforscher an die Ruhruniversität Bochum gewechselt ist.

Kersting stellte aber auch die andere Seite der sozialen Medaille vor. Zwischen 2013 und 2015 ist die Zahl der Mülheimer Einkommensmillionäre von 43 auf 58 angestiegen. Die Betroffenheit ob dieser Zahlen, die plakativ zeigen, wie in unserer Stadt die sozial Schere…

In Memoriam: Werner Bungert

Mit Werner Bungert hat Mülheim einen tatkräftigen und großherzigen Menschen verloren. Der seit 1970 selbstständige Lederhändler lebte und arbeitete aus dem Bewusstsein heraus, dass Geld unter dem Strich nicht alles ist. Jetzt ist er im Alter von 81 Jahren gestorben. Die Mülheimer werden ihn vor allem als Mitgründer des Internationalen Clubs der Schlitzohren, des Mülheimer Golfclubs und des Ledermuseums in Erinnerung behalten. Er besaß die Schlitzohrigkeit, die man im besten Sinne des Wortes braucht, um im Leben etwas zu bewegen. In eben diesem Sinne hatte den damals 26-jährigen Bungert 1963 auch die Begegnung mit dem damals 87-jährigen Alt-Kanzler Konrad Adenauer inspiriert, mit dem er in dessen Haus in Rhöndorf einen lebenserfahrenen Menschen kennen lernte, der Schlitzohrigkeit und Gradlinigkeit zu verbinden wusste.

Als welterfahrener Mensch kannte Bungert die Nöte unter denen vor allem Kinder weltweit zu leiden haben, weil sie naturgemäß das schwächste Glied in der gesellschaftlichen…

In Memoriam Günther Smend

"Wir haben doch nichts gewusst!" Dieser Satz war 1945 und später oft in Deutschland zu hören. Günther Smend, der heute vor 74 Jahren auf Geheiß Adolf Hitlers und seines willfährig von Roland Freisler geleiteten Volksgerichtshofes in Berlin-Plötzensee hingerichtet oder besser gesagt ermordet wurde, war einer der wenigen Deutschen seiner Zeit, die sich der grausamen Wahrheit über die Verbrechen Hitlers und seiner vielen Helfershelfer stellte und daraus die Konsequenz des aktiven Widerstandes zog.

Der 1912 in Trier geborene und in Mülheim aufgewachsene Offizier, wurde, wie seine Mitstreiter aus dem militärischen Widerstand um den Grafen Klaus Schenck von Stauffenberg, von seinem christlichen Glauben angetrieben, dem verbrecherischen Regime der Nationalsozialisten ein Ende zu setzen, und koste es das eigene Leben.

Der Widerstand gegen Hitler, den auch der in Heißen aufgewachsene Priester Otto Müller oder die Stadtverordneten Wilhelm Müller (SPD), Otto Gaudig und Fritz Terres (be…

Kneippen im Engelbertus-Stift

Im katholischen Engelbertus-Stift, das zur Contilia-Gruppe gehört, hat man sich vor drei Jahren auf den Weg gemacht, eine Kneipp-Einrichtung zu werden. Jetzt konnte Einrichtungsleiter Dirk Wiegmann aus den Händen der Landesvorsitzenden, Josi Marten, das entsprechende Zertifikat des Kneipp-Bundes in Empfang nehmen. Dem Kneippbund gehören in Deutschland 160.000 Mitglieder an.
5000 Euro hat das Pflegeheim in Material und Fortbildung investiert, um, wie es Dirk Wiegmann erklärt, "unseren Bewohnern etwas Gutes zu tun und den Einsatz von Medikamenten zu reduzieren."
Jetzt gehören morgendliche Barfußgänge im hauseigenen Garten, Kneipp-Exkursionen zur Duisburger Sechs-Seen-Platte, Wassergüsse, Fußbäder, Kräutertees, Yoga, Wadenwickel und Honigbretter zum Alltag in dem Pflegeheim, in dem sich 100 Mitarbeiter um 150 Bewohner kümmern.
"Die praktische Orientierung an den Grundprinzipien des Pfarrers Sebastian Kneipp hat dazu geführt, dass Mitarbeiter und Bewohner achtsamer miteina…

Menschliche Kontinuität

Ich traue mich abends in der Innenstadt nicht mehr auf die Straße. Da sind so viele undurchsichtige Typen unterwegs“, klagt die alte Dame und fügt hinzu: Das war früher anders. Damals war die Polizei öfter auf der Straße zu sehen.“ Wie anders es war, fand ich gestern bei Recherchen im Stadtarchiv heraus, als ich in einem Bericht der Mülheimer Zeitung des Jahrgangs 1894 nachlesen konnte: „Wieder einmal hat es sich  gezeigt, dass es für Frauen nicht ratsam ist,  abends, nach Einbruch der Dunkelheit, in der Innenstadt unterwegs zu sein. Denn gestern abend wurden zwei Damen von einem verrohten Burschen, der dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatte, unsittlich angesprochen.

Den entsetzten Damen blieb nur die Flucht. Leider blieb das unverschämte Bürschlein unerkannt. Man hätte es ihm gewünscht, dass er einmal Bekanntschaft mit der Polizei macht.“
Wahrscheinlich haben auch die bedrängten und geflohnen Frauen anno 1894 über die Verrohung der Sitten und die mangelnde Präsens der Polizei geklagt u…

"In den besten Zeiten waren wir 40 Kollegen!"

Heute feiert Theo Henninghaus nicht nur seinen 75. Geburtstag. An diesem Tag schaut er auch auf ein 60-jähriges Berufsleben als Wochenmarkthändler in Mülheim zurück. „In den besten Zeiten waren wir 40 Kollegen. Heute sind wir nur noch zehn“, beschreibt Hellinghaus den Wandel des Wochenmarktes, der seit acht Jahren nicht mehr auf dem Rathausmarkt, sondern auf der Schloßstraße seine Stände aufbaut.

„Wir leben von unserer Stammkundschaft, nicht von der Laufkundschaft“, betont Henninghaus. Mit „Wir“ meint der leidenschaftliche Fan von Fortuna Düsseldorf und ehemalige Schützenkönig seine aus dem Schwarzwald stammende Frau Maria, seine Söhne Martin und Theo und ihre Aushilfen, die der Familie unter die Arme greifen.

Anfangs verdienten Theos Eltern, Theo und Katharina Henninghaus, ihr Geld als fahrende Obst- und Gemüsehändler. Doch dann bekamen die Düsseldorfer 1958 den Tipp, dass der Mülheimer Rathausmarkt ein gutes Pflaster für Markthändler sei. Seitdem ist die Düsseldorfer Fami…

Sich die Last von der Seele schreiben

Der Name ist Programm. Und deshalb hat die Caritas ihrem Fachdienst für Rehabilitation und Integration jetzt auch einen neuen Namen gegeben. Ab sofort leitet Dagmar Auberg den Fachdienst für soziale Teilhabe und Integration.
„Dahinter steckt der Ansatz, dass es nicht nur darum geht Menschen durch Rehabilitation wieder fit zu machen, sondern auch dafür einzustehen und zu arbeiten, dass auch Menschen mit Einschränkungen das Recht auf soziale Teilhabe haben“, erklärt Auberg.
In ihrem Verantwortungsbereich kümmern sich derzeit 45 Mitarbeitende zum Beispiel um Langzeitarbeitslose, Flüchtlinge und Zuwanderer, psychische kranke Menschen, Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind.
Die in ihren Fachdienst geleistete und vom Landschaftsverband Rheinland finanzierte Arbeit ist Teil des seit zehn Jahren von den Mülheimer Kontakten und der Caritas ökumenisch getragenen und im katholischen Stadthaus an der Althofstraße 8 ansässigen Sozialpsychiatrischen Zentrums Mülheim an der Ruhr.
Mit einer Ta…