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Es werden Posts vom Juli, 2016 angezeigt.

Wie ein warmer alter Mantel: Eine Veranstaltung in der katholischen Akademie Die Wolfsburg stellte die Frage, wie Kirche klingen muss, wenn sie von Gott spricht.

Wie kann Kirche klingen? Das fragte sich die Katholische Akademie und suchte Rat bei berufenen Experten. Rat tut Not. Denn die Frohe Botschaft des Christentums kommt nicht mehr überall an. Rund 7500 Katholiken im Bistum Essen haben, laut Bischofskonferenz, im Jahr 2014 ihrer Kirche den Rücken gekehrt. Die aktuelleren Austrittszahlen aus dem Jahr 2015, die das Bistum Mitte Juli veröffentlichen will, werden wahrscheinlich vergleichbar hoch sein. Seit dem Jahr 2000 ist der Bevölkerungsanteil der katholischen Christen im Ruhrbistum so um fünf auf jetzt noch 33 Prozent gesunken. Warum verstehen viele Katholiken ihre Kirche nicht mehr? „In der Kirche ist es meistens kalt und dunkel. Da wird von Tod, Angst und Zuversicht gesprochen. Das verstehen viele Menschen nicht. Und sie empfinden es als übergriffig“, schreibt der junge Katholik Erik Flügge seiner Kirche ins Stammbuch. Der Germanist, Buchautor, Blogger und Politikberater zeigt nicht nur an diesem Abend in der Wolfsburg, dass er mit Sprac…

Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Darüber diskutierten Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und CDU-Landeschef Armin Laschet mit interessierten Bürgern in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg

„Lesen Sie auch die Kirchenzeitung?“ fragt CDU-Landeschef Armin Laschet einen Zuhörer im vollbesetzten Auditorium. Der Mann hat gerade aufgezählt, welche Zeitungen er liest und welche Fernsehnachrichten er schaut, um sich gut zu informieren. Die Frage kommt nicht von ungefähr. Denn bei der Debatte darüber, „was unsere Gesellschaft zusammenhält“, kommt aus dem Publikum auch der Anstoß, dass eine demokratische Gesellschaft ihren Zusammenhalt und ihre Funktionsfähigkeit verliert, wenn ihre Bürger sich nicht gut informieren oder von den Medien nicht gut informiert werden. Das, so weiß der ehemalige Chefredakteur der Aachener Kirchenzeitung, Armin Laschet, gilt natürlich auch für die Kirche und ihre gesellschaftspolitische Positionierung.
Laschets Frage bleibt, zumindest, was die Kirchenzeitung betrifft, unbeantwortet. Im Auditorium weiß man, dass Bistum Essen hat seine katholische Wochenzeitung Ruhrwort 2014 durch das alle zwei Monate erscheinende Magazin Bene ersetzt. Bischof Franz-Josef …

Ein Leben, das bis heute nachklingt: Vor 100 Jahren wurde der Kirchenmusiker und Komponist Siegfried Reda geboren

Wer mit seiner Biografie Eingang in eine Fachenzyklopädie findet, muss in seinem Leben schon Außergewöhnliches geleistet haben. Der vor 100 Jahren in Bochum geborene und später in Dortmund und Berlin ausgebildete Kirchenmusiker und Komponist SiegfriedReda gehört zu diesen Menschen. Das Klangerlebnis von Bachs Matthäuspassion wies dem Neunjährigen den Weg zu seiner Berufung. Zwischen 1952 und 1968 wirkte er als Kirchenmusiker an der Petrikirche, lehrte aber auch als Hochschullehrer an der Folkwangschule, gab in ganz Europa Orgelkonzerte und komponierte Orgel- und Chorwerke. Auch als Dozent von Meisterkursen und Orgelsachverständiger war Reda gefragt. Als Musiker der Kriegsgeneration, der Diktatur und Krieg erlebt und erlitten hatte, wusste er aus den christlichen Quellen zu schöpfen.

„Anders als die Generation seiner Lehrer versuchte Reda, engen Kontakt mit der allgemeinen Entwicklung der Neuen Musik zu halten. Später übernahm er Elemente der Zwölftontechnik und in seinen l…

So gesehen: Der Lebensabend will erarbeitet sein

Lebensabend. Das hört sich schön an. Da möchte man gleich in Rente gehen. Doch noch ist nicht aller Tage Abend. „Gott sei Dank“, möchte man sagen, wenn man die Diskussionsveranstaltung der SPD-Senioren zum Thema Altersarmut besucht hat.
Wer sich dort die Fakten rund um Demografie, prekäre Beschäftigung und Rentenreform anhörte, weiß als Angehöriger der Generation Praktikum gar nicht mehr, ob er sich auf seinen  Lebensabend noch  freuen kann. Joggen und Müsli essen, damit man auch mit Mitte 80 noch als rüstiger Mini-Jobber mit Zeitvertrag fragen kann:  „Welcher Hamburger darf es denn sein? Oder hätten Sie lieber unseren Seniorenteller?“
Man könnte natürlich auch reich heiraten und von den Zinsen leben. Arbeit ist doch was Spießer. Doch wenn Euro-Banker Mario Dragi nicht bald in seinen unverdienten Ruhestand geht und die Sparer weiter enteignet, könnte auch dieser Traum, wie eine Seifenblase platzen. Von möglichen Scheidungskosten ganz zu schweigen. Also müssen wir vor der Rente noch mal …

Schicht im Schacht: Am 29. Juli 1966 wird in Mülheim zum letzten Mal Kohle gefördert. Mit der Stilllegung von Rosenblumendelle verlor die Stadt ihre letzte Zeche. Das war das Ende einer langen Tradition.

„Im Pütt ist Feierabend" titelt die NRZ, nachdem am Mittag des 29. Juli 1966 in der Zeche Rosenblumendelle die letzte Kohlenlore aus 915 Metern Tiefe zutage gefördert worden ist. Der Moment, in dem Mülheim zur ersten zechenfreien Stadt des Ruhrgebietes wird und damit eine jahrhundertelange Tradition zu Ende geht, wird sogar von Fernsehkameras festgehalten.

Der für die Zechenschließung verantwortliche Veba-Chef Paul Kemper gibt offen zu, dass ihm an diesem Tag nicht nach Film und Fernsehen zumute sei. An die 163 Kumpel der letzten Schicht am Heißener Schacht gerichtet, sagt Kemper: „Die Schließung von Rosenblumendelle verlangt unerhört viel von Ihnen. Wir werden uns aber mit allen Mitteln dagegen wehren, dass strukturelle Änderungen auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die dadurch den Arbeitsplatz verlieren." Mit den strukturellen Änderungen meint Kemper die Tatsache, dass immer mehr mit Öl und Gas statt mit Kohle geheizt wird.

Das bedeutet für Rosenblum…

Zeitsprung an der Eppinghofer Straße: Eiene Geschichte aus der Geschäftswelt

Der Name Latte steht noch über den Geschäftseingängen an der Eppinghofer Straße. Wo heute ein Reisebüro und eine Spielhölle Kunden anziehen, verkaufte die Familie Latte bis 1986 Obst, Gemüse und Feinkost. Bernd Simmerock, heute aktiv beim Geschichts- und Kulturladen an der Oberstraße, hat uns das historische Foto aus dem Jahr 1970 zur Verfügung gestellt. Pfarrer Helmut Kämpgen vom Eppinghofer Bürgerverein kann sich noch gut an das Traditionsgeschäft erinnern, das 1948 von Robert (Bubi) Latte und seiner Frau Irene eröffnet wurde. „Dort gab es ein Aquarium mit Fischen, die später verkauft und verspeist wurden“, erinnert sich Kämpgen, der Robert Latte 2003 beerdigt hatte. „Robert Latte war eine bekannte Persönlichkeit mit einer markanten dunklen Stimme, die man schon von weitem erkannte“, erzählt Kämpgen. Mülheimer Hockey-Fans kennen Robert Latte noch als Mitglieder Deutschen-Meister-Mannschaft des HTC-Uhlenhorst. 1950 schrieb der Kaufmann, der eigentlich Marinearzt hatte werden wollen, …

So gesehen: Geduldsprobe an der Ampel

Als ich gestern mit meiner Mutter an einer Innenstadt-Ampel stand, stand, stand und immer noch stand, ehe wir nach gefühlten zehn Minuten als Fußgänger Grünes Licht bekamen, musste ich an den Dalai Lama denken. Ich weiß zwar nicht, was der weise Mann zur Ampelschaltung in der Innenstadt sagen würde, wenn seine engelsgleiche Geduld durch sie auf die Probe gestellt würde.

Ich weiß aber, dass er in einem Interview den bedenkenswerten Satz: „Die Geduld ist der Schlüssel zur Glückseligkeit!“ gesagt hat. Auch wenn das in unseren Ohren, wie ein schlechter Witz klingt, da wir doch gelernt haben, dass Zeit Geld ist, verspürten meine Mutter und ich nach langem Warten tatsächlich so etwas, wie einen kurzen Moment der Glückseligkeit, als es für uns endlich weiter ging und wir so unserem Ziel näher kamen. Doch offensichtlich muss das Zeitgefühl und die Geduld, der Menschen, die für die Programmierung der Ampelschaltung in der Innenstadt verantwortlich sind noch etwas trainiert werden. Denn nach gef…

Als die Kugel Eis noch für 10 Pfennige zu haben war: Ein Zeitsprung

Kinder, wie die Zeit vergeht. Dieses Foto aus seinem Familienalbum zeigt den 1936 geborenen Walter Neuhoff im Juli 1949 auf der Grünfläche im Bereich Kaiserstraße und Lohscheidt.
Der Bildvergleich zeigt. Die drei alten Wohnhäuser haben die Stürme der Zeit überstanden. An der  Ecke Südstraße/Kaiserstraße ist ein Neubau hinzugekommen, in dem derzeit unter anderem ein Friseursalon ansässig ist.

„Die alten Wohnhäuser stammen noch aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts“, erzählt Zeitzeuge Walter Neuhoff. Als die historische Aufnahme entstand, war Walter Neuhoff ein 13-jähriger Gymnasiast, der seine Sommerferien genoss und mit einem Wip-Roller die Stadt entdeckte. „Die Kugel Eis im Eiscafé Ringel an der Kaiserstraße kostete damals zehn Pfennige“, erinnert sich Neuhoff, der bis heute in seinem Elternhaus an der Tersteegenstraße lebt.
Im Juli 1949 befand sich Mülheim im Wahlkampf zum ersten Deutschen Bundestag. Das Grundgesetz war erst wenige Wochen zuvor in Bonn verkündet worden.

Auf ihren L…

So gesehen: Ran an die Fleischtöpfe

Haben Sie mal einen Euro?  So fragt die Fleischereifachverkäuferin. „Diesen Satz höre ich sonst nur auf der Straße“, meint die Kundin, während sie ihren Aufschnitt im Einkaufskorb versenkt.

Andächtige Stille. Einen Augenblick fühlt es sich so an, als stünden alle jene mit im Raum, die man in  keiner Metzgerei sieht, weil  ihnen aus welchen Gründen auch immer der Euro fehlt, den man braucht, wenn es nicht nur beim Metzger um die Wurst geht. „Ich kann das auch. Man lernt dazu“, löst die Dame hinter der Theke das Schweigen und sorgt für allgemeine Heiterkeit. Allen vor und hinter der Theke wird plötzlich klar, dass sie allen Grund zur Freude haben, solange sie noch etwas kaufen oder verkaufen können und die Kasse stimmt. Und in diese vollmundige Dankbarkeit für die eigenen Möglichkeiten mischt sich bei dem einen oder anderen Schnitzeljäger, die Hoffnung, dass Deutschlands Fleischtöpfe angesichts von Rekordsteuereinnahmen von insgesamt 808 Milliarden Euro so groß sind, dass es in unserem L…

Das Rot-Kreuz-Team des Saarner Flüchtlingsdorfes und der Mülheimer Künstler Peter Torsten Schulz machen Kinder mit Kreativität stark oder: Bastel mir doch einen Storch!

Sollte es in dieser Stadt einen Handwerks- oder Handelsbetrieb oder eine spendierfreudige Privatperson geben, der oder die mal was Gutes tun will, sollte er/sie sich an das Deutsche Rote Kreuz wenden.Denn das DRK betreibt mit seinen Sozialarbeitern und Sozialpädagogen derzeit das Saarner Flüchtlingsdorf . Hier, an der Mintarder Straße, leben unter anderem auch rund 50 Kinder. 30 von ihnen basteln jetzt Storche, die voraussichtlich im Laufe des Septembers ausgestellt und für einen guten Zweck an die Frau und den Mann gebracht werden sollen.Die kleinen Bastler brauchen NachschubDoch auch wenn die Kinder mit ihren Betreuerinnen im Umfeld des Dorfes schon einiges Alltagsmaterial einsammeln konnten, wird in der Kreativwerkstatt der Halle F des Flüchtlingsdorfes noch vieles gebraucht. Die kleinen Künstler aus Syrien, Afghanistan, Albanien, Iran und Irak brauchen Nachschub.

„Wir können noch Draht und Holz, aber auch Klebstoff, Pappe, Papier, Malfarben, Malstifte und Federn gebrauchen“, sagt D…

Nachgefragt: Politiker kennen keine Pause

Die letzte Sitzung ist ausgesessen. Nicht nur im Rathaus, sondern auch im Land- und Bundestag bricht die parlamentarische Pause an. Heißt es jetzt, sich vom Bohren dicker politischer Bretter zu erholen?

„Welche Pause?“ fragt der SPD-Bundestagsabgeordnete Arno Klare zurück. Doch er räumt mit Blick auf die Monate Juli und August ein: „Entspannter wird es schon. Also werde ich lesen, entspannte Gespräche führen und einige Kilometer mit dem Rad machen.“ Bevor der Berliner Parlamentsbetrieb im September wieder beginnt, stehen für seine Bundestags-Kollegin Astrid Timmermann-Fechter von der CDU „einige Urlaubstage, längst verabredete Treffen mit Bürgern, Besuche bei Vereinen und Unternehmen sowie ein CDU-Landesgruppentreffen mit der Bundeskanzlerin auf dem Programm.“

Derweil will sich der CDU-Landtagsabgeordnete Heiko Hendriks nach seinem Urlaub durch 18 Aktenordner arbeiten, in denen er die neuesten Erkenntnisse des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Bundeskriminalamtes ru…

Unterwegs mit dem Obst- und Gemüsehändler Mehmet Tagrikulu

4 Uhr. Der Wecker von Mehmet Tagrikulu klingelt. Fürs Frühstück ist keine Zeit mehr. Der Großmarkt in Essen wartet. Der Obst- und Gemüsehändler Mehmet Tagrikulu, der seit 20 Jahren einen Obst- und Gemüseladen am Kohlenkamp betreibt, kauft für seine Kunden jeden Tag frisch ein. „Aprikosen und Kirschen sind im Moment meine Bestseller“, erzählt der 44-Jährige, während er durch die riesigen und gegen 4.30 Uhr noch recht kühlen Markthallen geht.

Tagrikulu hat eine Hand voller Stammhändler, bei denen er seit Jahren einkauft und von denen er weiß, dass sie den selben Qualitätsbegriff haben, wie er. Man kennt sich und spricht zwischen Aprikosen, Kirschen, Nekatarinen und Weintrauben über Wetter- und Erntelagen. „Im Laufe der Jahre bekommt man einen genauen Blick für gute- und bessere Qualitäten“, sagt der Obst- und Gemüse-Händler, während er seine bis zum Anschlag gefüllten Kisten in seinen 3,5-Tonnen-Lieferwagen packt.  Heute wird voll geladen. „Das mache ich immer so an zwei Tagen der Woche.…

Mülheims soziale Zukunftsaufgaben aus Sicht der Caritas: Ein Gespräch mit Regine Arntz und Margret Zerres

Wenn die Geschäftsführerin der Caritas, Regine Arntz, und ihre Stellvertreterin Margret Zerres in das Mülheim von Morgen schauen, sehen sie ein Mülheim, „in dem mehr alte und alleinstehende Menschen mit geringen Renten“ leben werden. „Heute haben wir auch schon arme Rentner, aber doch auch sehr viele Senioren, die mit ihrer Rente gut auskommen und sehr mobil sind“, weiß Arntz.
Künftig werden nach ihrer Einschätzung mehr den je wohnortnahe und quartiersbezogene Dienstleistungen und Treffpunkte gebraucht. „Wir werden gut daran unsere Altentagesstätten, die derzeit doch eher stiefmütterlich behandelt werden zu Begegnungszentren für Menschen jeden Alters auszubauen.“ Dabei denkt Arntz nicht nur an einen Anlaufpunkt für Rat und Hilfe in allen Lebenslagen, sondern auch einen sozialen Kommunikationsort, an dem man sich etwa auch bei einem Spielenachmittag oder in einer Kochgruppe begegnen und so der sozialen Isolierung entgehen kann.
Eine besondere Herausforderung sehen Zerres und Arntz für d…

Schon heute geht auch in Mülheim die soziale Schere immer weiter auseinander

Wenn man den Leiter der Sozialagentur, Klaus K
onietzka und Stadtforscher Volker Kersting nach den sozialpolitischen Herausforderungen für das Mülheim von Morgen fragt, legen sie erschreckende Zahlen aus dem Mülheim von Heute vor. 30 000 Mülheimer, fast ein Fünftel der Stadtbevölkerung, sind heute auf Arbeitslosengeld 2 oder auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Am höchsten ist der Anteil der von Arbeitslosengeld 2 abhängigen Mülheimern mit 
Die ganze Dramatik dieser Zahl wird deutlich, wenn Statistiker Volker Kersting mit Blick auf eine Mülheim-Karte zeigt, dass Armutsrisiko in den Stadtteilen (Styrum, Eppinghofen und Stadtmitte) am größten ist, in denen mit 130 bis 150 pro Jahr die meisten Kinder geboren werden. Hier liegt der Anteil der Kleinkinder, deren Eltern auf Arbeitslosengeld 2 angewiesen sind bei bis zu 62,4 Prozent. Im Gegensatz dazu weisen Saarn und Speldorf-Nordwesten, wo mit etwa 30 pro Jahr die wenigsten Kinder geboren werden, in der gleichen Altersgruppe einen ALG…

Arm und alt trotz Arbeit: Eindrücke einer Diskussionsveranstaltung der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 Plus

„Altersarmut könnte ein wichtiges Thema des nächsten Bundestagswahlkampfes werden“, glaubt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft 60 Plus, Ulrich Schallwig. Deshalb luden die SPD-Senioren jetzt auch zu einer Diskussion über das Thema in den Bürgergarten ein.

Auch wenn die Zahlen aktuell noch nicht besorgniserregend aussehen, sagte Elke Dormann-Jurkiewicz von der Seniorentagesstätte der Arbeiterwohlfahrt: „Altersarmut ist kein Thema von Morgen. Sie ist schon jetzt da. Vor allem viele Witwen sind betroffen, die nicht mehr die Heizung aufdrehen und sogar am Essen und an Medikamenten sparen“, berichtete die in der Stadtmitte aktive Sozialarbeiterin. „Altersarmut sieht man nicht, weil sich viele Betroffene gar nicht mehr aus ihrer Wohnung trauen und sich zurückziehen“, pflichtete ihr der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Helmut Storm bei. Sozialamtsleiter Klaus Konietzka und der Vorsitzende des Sozialausschusses im Rat der Stadt, Sascha Jurczyk, beschrieben zwar Ansätze, wie man, etwa mit …

So gesehen: Was wir uns schuldig sind?

Bisher lebte ich immer in dem Glauben, ich sei schuldenfrei. Doch jetzt musste ich in unserer Zeitung lesen, dass ich mit 6814 Euro in der Kreide stehe. Lachen Sie nicht. Denn Ihnen geht es ja nicht besser, wenn Sie Bürger dieser Stadt sind. Es ist ja schön, wenn unsere Stadt mal wieder Top ist. Nur schade, dass  uns  diese  „Ehre“ bei den Schulden und nicht bei den Arbeitsplätzen zuteil wird. 

Dabei hatte ich eigentlich noch nie das Gefühl, dass ich in einer Luxus-Stadt lebe, wenn ich über das marode Pflaster der Schloß- oder der Leineweberstraße gestolpert bin oder beim Blick in den Fahrplan feststellen musste, dass ich zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten immer länger darauf warten muss, mit Bus und Bahn voranzukommen.

Dabei könnte ich mit 6814 Euro zum Beispiel eine 14-tägige Top-Kreuzfahrt nach Amerika oder Asien machen. Alles inklusive! Aber soweit will ich ja gar nicht. Mir würde es ja schon reichen, wenn ich mit einem freundlichen Bus- oder Bahnfahrer schnell von Mintard…

Drei Fragen an Ulrich Schreyer vom Diakoniewerk Arbeit & Kultur: Brauchen wir einen sozialen Arbeitsmarkt?

Sollte es nicht das Ziel sein, alle arbeitsfähigen Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen?
Unabhängig von der jeweiligen Konjunktur haben wir heute bei uns eine verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit. Bundesweit sprechen wir hier von etwa drei Millionen Menschen. Das sind Menschen mit sogenannten Vermittlungshemmnissen. Das können fehlende Schulabschlüsse oder fehlende Sprachkenntnisse sein. Das kann aber auch ein Suchtproblem oder eine psychische Erkrankung sein. Solche Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt in der Konkurrenz um hoch-qualifizierte Arbeitsplätze keine Chance haben, finden bei uns sinnvolle Arbeit, eine sinnvolle Tagesstruktur und Würde. Da geht es nicht nur um Geld.
Werden hier Arbeitgeber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen?
Hier geht es um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und um die langfristige Sicherung des sozialen Friedens. Hier wird niemand aus der Verantwortung entlassen, sondern alle müssen sich ihrer sozialen Verantwortung stellen, auch …

So gesehen: Das kleine 1x1 der Marktwirtschaft

Wenn der kleine Enkel mit seiner Omi einkaufen geht, dann kann er was erleben. Beim Metzger bekommt eine Scheibe Fleischwurst über die Theke gereicht. Der Obsthändler beglückt den kleinen Mann mit einer Gratis-Banane. Und beim Bäcker gibt es ein kostenloses Stütchen oben drauf. Ob soviel Zuwendung strahlt nicht nur der Knirps, sondern auch seine Omi. Das Mittagessen kann auf jeden Fall erst mal warten.

Kein Wunder, dass  der kleine Mann an der Hand seiner Omi gleich die nächsten Wurst,- Obst- und Brotsorten ins Visier nimmt und ganz unschuldig fragt: „Soll ich die nicht auch mal probieren?“ Doch da holt die Oma ihren kleinen Begleiter auf den Boden der Tatsachen zurück. „Nein, jetzt nicht. Die kannst du später probieren. Denn die muss die Oma bezahlen.“Da muss der größer gewordene Knirps im Hintergrund schmunzeln. Er hat schon seit Jahrzehnten keine Gratis-Fleischwurst über die Theke gereicht bekommen. Mein lieber Junge, erst bringen  sie dich auf den Geschmack und dann musst du alles …

Zeitsprung am Broicher Ruhrufer

Der 1093 erstmals urkundlich belegte Name Mülheim kommt nicht von ungefähr. Mülheim war einst die Heimat vieler Mühlen. Sie nutzten die Wasserkraft der Ruhr, auch am Broicher Ruhrufer, Hier standen schon im 17. und 18. Jahrhundert Papier,- Korn- und Walkmühlen. Die Papiermühle Vorster stellte Kanzleipapier für ganz Europa her. Hier lernte auch Wilhelm Rettinghaus im 17. Jahrhundert das Handwerk der Papierproduktion. Er wanderte später aus und gründete die erste Papierfabrik in Nordamerika. Aus der Familie Vorster stammte auch Mülheims erster Bürgermeister Hermann Vorster, der 1808 sein Amt antrat. In den 1880er Jahren wurden die drei Mühlen am Broicher Ruhrufer fusioniert und Teil einer Zellulose-Fabrik. Um 1900 wurde das Unternehmen dann Teil der Dorstener Papierfabrik, die das Grundstück und Gebäude später an August Thyssen verkaufte. Er betrieb dort ein Elektrizitätswerk. 

In dieser Zeit (um 1911) ist auch das historische Foto aus dem Stadtarchiv entstanden. 1912 wurden Werk und Gru…

So gesehen: Machen wir unser eigenes Spiel

Jetzt haben sich meine Lieblings-verkäufer zwischen Mineralwasser und Weizenmischbrot so was von ins Zeug gelegt, um mich mit ihrem schwarz-rot-goldenen Halsschmuck in patriotische Fußball-Stimmung zu bringen. Und was tun Jogis Jungs? Sie verlieren einfach. Schluss mit Schwarz-Rot-Gold? Mitnichten. Jetzt erreichte mich der Trost-Gutschein einer Buchhandlung. Weil unsere Kicker das französische Tor nicht getroffen haben, sollen wir jetzt zur Beruhigung lesen? Wenn schon Lesen, dann höchstens unseren hoch-bezahlten Fußballern die Leviten. Aber was soll’s? Wir sind ja schon Weltmeister? Da können wir den Europameister-Titel getrost unseren europäischen Haus-Nachbarn Frankreich oder Portugal gönnen. Denn wenn es unseren Nachbarn gut geht, geht es auch uns gut, selbst, wenn wir mal nicht im siebten Fußball-Himmel schweben. Jetzt müssen wir unser eigenes Spiel machen, im schwarz-rot-goldenen Alltag.

Dieser Text erschien am 9. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Leckeres vom Land: Ein Ernte-Besuch beim Landwirt Jochen Unterhandsberg vom Buchholzhof

Wo, bitte, ist der Spargel? Statt weißer Stangen sieht man an diesem Nachmittag auf den Feldern von Birgit und Jochen Unterhansberg nur 180 bis 200 Meter lange Erdhügel, die mit Folien überdeckt sind.

„Wir haben heute schon einiges an Spargel gestochen. Aber wir haben frühen, mittleren und späten Spargel, der in unterschiedlichen Intervallen wächst und deshalb mit zwei Folien warmgehalten werden muss“, erklärt der 54-jährige Landwirt.

Wenn Jochen Unterhansberg „wir“ sagt, meint er seine Frau Birgit, seine beiden landwirtschaftlich ausgebildeten Töchter Anne (25) und Lea (23), die Mitarbeiter seines Hofladens und seine zehn bis zwölf Erntehelfer. Deutsche Erntehelfer, die zwischen sechs Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags Spargel stechen oder auch Erdbeeren pflücken, sucht man nicht nur auf den Feldern der seit 1848 in Raadt und Kettwig ansässigen Familie Unterhansberg vergeblich.

„Für Deutsche ist die körperlich anstrengende und zeitlich auf drei Monate befristete Arbeit nich…

So gesehen: Alles eine Frage der Perspektive

Man bekomme ja gar nichts mehr in er Innenstadt, klagt die Dame mit den vollen Einkaufstaschen dem Gemüse- und Obsthändler ihr Leid.

Der gute Mann lächelt und fragt zurück: „Darf es noch ein bisschen mehr sein?“, während er der Dame die Aprikosen, den Salat, die Möhren und die Bananen einpackt, die sie so eben bei ihm gekauft hat. Die Dame nimmt  gleich noch zwei Pfund Kartoffeln mit und freut sich, dass ihr der freundliche Händler auch die Tür öffnet. Auf der Straße sieht er sie dann noch beim spontanen Treff mit einer Bekannten.

Die beiden Frauen  entschließen sich spontan in das gegenüber gelegene Café einzukehren. Worüber sie sich wohl austauschen? Wahrscheinlich darüber, dass man in der Innenstadt ja eigentlich gar nichts mehr bekommt, abgesehen von den diversen Waren ihrer offensichtlich prall gefüllten Einkaufstaschen oder Kaffee und Kuchen. Aber bitte mi Sahne! Alles ist eben eine Frage der Perspektive.

Dieser Text erschien am 4. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

So gesehen: Es war einmal eine Fußgängerzone

Ich wohne in einer Fußgängerzone. Angeblich. Denn wenn ich aus dem Haus auf die Schloßstraße trete, habe ich zu bestimmten Tageszeiten schon mal das Gefühl, auf einer Rennstrecke zu sein.
Wenn morgens oder nachmittags der Lieferverkehr für die Geschäfte und Gastronomen kommt, muss man als Fußgänger ebenso auf der Hut sein, wie abends ab 20 Uhr, wenn aufgeweckte Kinder oder jugendliche und nicht erwachsen gewordene Halbstarke die Fußgänger unmissverständlich wissen lassen. Hier wird Fußball gespielt und gerast, was das Zeug hält. Wer zu Fuß oder gar am Stock und mit dem Rollator unterwegs ist, ist für diese Herrschaften, die sich mit Respekt und Rücksicht nicht aufhalten, selbst Schuld, wenn Er oder Sie sich der Gefahr aussetzen, zum Torpfosten oder zur Slalomstange zu werden. Während man Ordnungshüter in den sportiven und automobilen Hochzeiten auf der Schloßstraße, viel zu selten sieht, darf man dankbar sein, dass umso mehr unsichtbare Schutzengel auf der Schloßstraße unterwegs sind. …

So gsehen: Trauen wir uns mal was zu

Sollen wir unsere Politiker jetzt an der Schippe zeigen oder nicht? Das fragten sich jetzt die Kollegen aus der Redaktion, nachdem Oberbürgermeister Ulrich Scholten, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Verkehrsminister Michael Groschek und RVR-Chefin Karola Geiß-Netthöfel beim Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt des Radschnellweges zur Schippe griffen.

Das stimmt nachdenklich. Traut man Politikern heute nicht mehr zu, dass sie zur Schippe greifen können, obwohl man sich manchmal von ihnen wünscht, dass sie eine Schippe drauf legen würden.

Welches Politik-er-innen-Bild steckt dahinter? Kann man sich unsere Volksvertreter nur noch als digitale und ipad-abhängige Aktenfresser vorstellen? Politik als reine Schreibtisch-Tat ohne frische Luft und menschlichen Kontakt? Na, dann gute Nacht Deutschland.

Vielleicht sollten Politiker ja mal öfter Fotos verbreiten, die sie zum Beispiel mit Schippe beim Umgraben ihres Gartens oder mit Hammer und Nagel an ihrer Wohnungswand zeigen, damit das ske…

Unterwegs mit Kay Fischer vom städtischen Bauhof: Frische Luft gibt es inklusive

„Kein Tag ist, wie der andere“, sagt Kay Fischer mit Blick auf seine Arbeit als stellvertretender Leiter des städtischen Bauhofes am Heifeskamp.

Was dem gelernten Schlosser-Meister an seinem Arbeitstag besonders gut gefällt, ist der ständige Wechsel zwischen Schreibtischarbeit und Außendiensten vor Ort. Kurz nach 8 Uhr beginnt es mit der Einteilung der zwei Bauhof-Kolonnen. Wo müssen welche Straßen- und Gehwegschäden beseitigt werden? Wo sind Straßenschilder aufzustellen, weil die alten das Zeitliche gesegnet oder von Vandalen und Schmierern unbrauchbar gemacht worden sind. „Leider erwischt man die Graffiti-Schmierer so gut, wie nie. Die müssten einfach mal ein Schild selbst reinigen oder ein neues herstellen, um mal zu erleben, wie viel Arbeit, Zeit und Geld da drin stecken“, sagt Fischer. Je nach Beschaffenheit kostet ein Verkehrsschild zwischen acht und 120 Euro. Den Personal- und Zeitaufwand für seine Reparatur oder seinen Austausch beziffert Fischer auf 200 bis 300 Euro.

Der Laie s…

Eine Erfolgsgeschichte Schon nach neun Monaten ist der iranische Flüchtling Mohammed Reza Jami auf dem ersten Arbeitsmarkt angekommen: Jetzt muss er nur noch Asyl bekommen

"Wie können Integration und sozialer Zusammenhalt gelingen?“ Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck beantwortete diese Frage bei einer Veranstaltung am Montag in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg so: „Am besten Gelingen sie durch vorgelebte Erfolgsgeschichten.“ Eine solche Erfolgsgeschichte ist die von Mohammed Reza Jami.

Der 21-jährige Iraner lebt seit gut einem halben Jahr im Saarner Flüchtlingsdorf an der Mintarder Straße.

Jetzt hat der Christ, der seine Heimat aus religiösen Gründen verlassen und ein Modegeschäft in der iranischen Hauptstadt Teheran aufgeben musste, einen Arbeitsvertrag bei Marcus Prünte unterschrieben. „Er ist freundlich und hoch motiviert“, sagt der Inhaber von vier Mülheimer McDonalds-Restaurants über seinen neuen Mitarbeiter. Das merkt er schon daran, dass der junge Mann, der jetzt in Prüntes Schnellrestaurant an der Kölner Straße arbeitet, täglich eine halbe Stunde vor Dienstbeginn an seinem Arbeitsplatz erscheint, um sich mit seinen deutschen Kollegen zu …

So gesehen: Stadtrundfahrt a la card

Wenn meine beiden Schwestern und ich früher schon mal eine Imbissstätte (was für ein Wort) aufsuchen durften, um uns mit Pommes Frittes und Würstchen zu laben, war das für uns ein Feiertag. Damals galt das ungeschriebene Gesetz: Gegessen wird entweder direkt im Imbisslokal oder  zuhause.  Letzteres bedeutete: Man ließ sich seinen Imbiss einpacken und machte, dass man heimwärts kam, um möglichst schnell wieder auspacken und losschlemmen zu können. Beide Varianten waren für uns Kinder ein echtes Abenteuer.

Heute erlebe ich ganz andere kulinarische Abenteuer, wenn ich zu Fuß oder mit Bus und Bahn unterwegs bin. Dann sehe und rieche ich überall Menschen, die im Laufen, Gehen, Fahren und Sitzen essen und trinken, was das Zeug hält.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich komme aus dem Haus und muss gleich einem Eisesser ausweichen, der seine Eiskugeln kaum in den Griff bekommt. Ich warte an der Haltestelle neben einem jungen Mann, der mal eben seine Mega-Pizza-Pappe öffnet und neben Piz…

So gesehen: Mein lieber Schimanski

Es gibt Nachrichten, die möchte man nicht glauben, auch wenn man sie schwarz auf weiß in der Zeitung liest: Zum Beispiel diese: „Schimanski ist tot!“ Tot? Tot! Auch wenn Götz George als Tatort-Kommissar Schimanski nicht in Mülheim, sondern in der Nachbarstadt Duisburg ermittelte, wurde er zu einer Ruhrgebiets-Ikone, obwohl er gar nicht im Ruhrpott lebte. Zugegeben, die Handlung war schon manchmal haarsträubend und übertrieben. Aber niemand konnte, den Zuschauern so aus dem Herzen sprechen wie er. Und das für Journalisten verpönte Wort mit Sch... ging ihm schon vor Jahren ganz locker über die Lippen. Und so ganz nebenbei gab dieser Schimanski uns eine Lebensweisheit mit auf den Weg: Klartext hilft manchmal weiter und schützt die seelische Gesundheit. Ganz schön sch...ade, dass du jetzt schon gegangen bist. Warst du wirklich schon 77? Angesichts der bewegten Film- und Theater-Bilder, die dich unsterblich gemacht haben und wie einen guten Bekannten erscheinen lassen, kann man…