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Unterwegs mit dem Obst- und Gemüsehändler Mehmet Tagrikulu

Gönül und Mehmet Tagrikulu hinter der Theke ihres
Obst- und Gemüseladens am Kohlenkamp.
4 Uhr. Der Wecker von Mehmet Tagrikulu klingelt. Fürs Frühstück ist keine Zeit mehr. Der Großmarkt in Essen wartet. Der Obst- und Gemüsehändler Mehmet Tagrikulu, der seit 20 Jahren einen Obst- und Gemüseladen am Kohlenkamp betreibt, kauft für seine Kunden jeden Tag frisch ein. „Aprikosen und Kirschen sind im Moment meine Bestseller“, erzählt der 44-Jährige, während er durch die riesigen und gegen 4.30 Uhr noch recht kühlen Markthallen geht.

Tagrikulu hat eine Hand voller Stammhändler, bei denen er seit Jahren einkauft und von denen er weiß, dass sie den selben Qualitätsbegriff haben, wie er. Man kennt sich und spricht zwischen Aprikosen, Kirschen, Nekatarinen und Weintrauben über Wetter- und Erntelagen. „Im Laufe der Jahre bekommt man einen genauen Blick für gute- und bessere Qualitäten“, sagt der Obst- und Gemüse-Händler, während er seine bis zum Anschlag gefüllten Kisten in seinen 3,5-Tonnen-Lieferwagen packt.  Heute wird voll geladen. „Das mache ich immer so an zwei Tagen der Woche. An den anderen Tagen  bepacke ich meinen Lieferwagen nur zur Hälfte,“ berichtet der Mülheimer, dessen Wiege in Trabzon am Schwarzen Meer stand. Wie schafft es der gelernte Schlosser, der nach einem Praktikum bei Verwandten in den Obst- und Gemüsehandel einstieg, genau so viel einzukaufen, wie er am Ende des Tages verkauft? „Das ist Lebenserfahrung“, sagt er lakonisch und lächelt. Der Laie staunt.

Nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Quark, Kaffee, Nudeln, Kartoffeln und Eier kauft Tagrikulu ein. Die trapiert er gegen 7 Uhr in den Holz- und Kühlreaglen seines 45 Quadratmeter großen Geschäftes. Seine vollen Obst- und Gemüsekisten stellt er, wie ein Dekorateur im und vor dem Laden auf. Die ersten Kunden kommen vorbei und nehmen sich auf dem Weg zur Arbeit Joghurt, Kirschen, Aprikosen, Äpfel oder gemischte Salte mit. Letztere bereitet seine Frau Gönül in der kleinen Küche hinter den Ladenkulissen zu.

Zwischendurch gönnt sich auch Tagrikulu die eine oder andere Banane oder die eine oder andere Aprikose. „Das ist mein Frühstück“, sagt er und lächelt wieder. Das fällt den Tagrikulus nicht schwer. Sie sind zufriedene und kommunikative Menschen, denen man nicht nur im verbindlichen und freundlichen Umgang mit den Kunden anmerkt, dass ihnen ihre Arbeit Freude macht. „Man muss seine Arbeit immer mit Freude machen, egal welche. Anders geht es nicht“, sagt der türkischstämmige Mülheimer, der früher von Mülheim nur wusste, „dass hier die Firmenzentrale von Aldi Süd sitzt.“ Inzwischen weiß er,, „dass es in Mülheim eine gutbürgerliche Kundschaft gibt, die nicht nur die Qualität, sondern auch das Tante-Emma-Ambiente meines Ladens zu schätzen weiß.“
Die Anerkennung seiner Arbeit, die sich auch auszahlt, tut ihm sichtlich gut. Und wenn man ihn beobachtet, wie er mit seinen Kunden nicht nur über Obst, Gemüse und Vitamine, sondern auch die große Tagespolitik oder die großen und kleinen Glücksfälle und Leidensgeschichten des Alltags spricht, dann merkt man: Der Mann ist angekommen.

Der Wahl-Mülheimer,  kennt das Wehklagen über den Verfall der Innenstadt. Doch er sieht die City mit Bäckerei, Fleischerei, Markthändlern und diversen Geschäften im Rurhegbietsvergleich als einen „schönen Fleck“, an dem man sehe, „dass die Händler alles geben, was sie können.“ Und er empfielt seinen Mitbürgern sein Lebensmotto: „Leben im Hier und Jetzt, mit dem Mut auch mal was Neues auszuprobieren.“

Dieser Text erschien am 16. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

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