Mittwoch, 13. Juli 2016

So gesehen: Was wir uns schuldig sind?

Bisher lebte ich immer in dem Glauben, ich sei schuldenfrei. Doch jetzt musste ich in unserer Zeitung lesen, dass ich mit 6814 Euro in der Kreide stehe. Lachen Sie nicht. Denn Ihnen geht es ja nicht besser, wenn Sie Bürger dieser Stadt sind. Es ist ja schön, wenn unsere Stadt mal wieder Top ist. Nur schade, dass  uns  diese  „Ehre“ bei den Schulden und nicht bei den Arbeitsplätzen zuteil wird. 

Dabei hatte ich eigentlich noch nie das Gefühl, dass ich in einer Luxus-Stadt lebe, wenn ich über das marode Pflaster der Schloß- oder der Leineweberstraße gestolpert bin oder beim Blick in den Fahrplan feststellen musste, dass ich zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten immer länger darauf warten muss, mit Bus und Bahn voranzukommen.

Dabei könnte ich mit 6814 Euro zum Beispiel eine 14-tägige Top-Kreuzfahrt nach Amerika oder Asien machen. Alles inklusive! Aber soweit will ich ja gar nicht. Mir würde es ja schon reichen, wenn ich mit einem freundlichen Bus- oder Bahnfahrer schnell von Mintard bis Dümpten oder von Speldorf bis Heißen komme, ohne das mein Ticketpreis in einem immer dichteren Takt steigt, während die Fahrplandichte umgekehrt abnimmt und die Stolperfallen auf den Straßen zunehmen, weil unsere Stadt neunstellig verschuldet ist, ihre Spitzen aber immer noch sechsstellig bezahlt.

Dieser Text erschien am 14. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

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