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Es werden Posts vom Oktober, 2015 angezeigt.

Eine handliche Harfe macht Lust aufs Musizieren Musikpädagogin Renate Lindemann und Heile Wilde geben spätberufenen Musikfreunden, die keine musikalische Vorbildung haben, mit ihren Veehharfenkursen eine zweite Chance. Der instrumentale Erfolg stellt sich schnell ein

Anders, als die Harfe, ist die Veehharfe ein sehr handliches Instrument, das man leicht in die Hand oder auf einen stabilen Notenständer stellen kann. Ihr englesgleicher und harmonischer Klang erinnert ein wenig an die Zither. Wer Anton Karas Filmmusikklassiker „Der dritte Mann“, mag wird die Veehharfe lieben.

Musikpädagogin RenateLindemann entdeckte das von Hermann Veeh für seinen behinderten Sohn entwickelte Instrument durch ihre 80-jährige Mutter. Im Gegensatz zu ihrer Tochter hat sie keine musikalische Vorbildung, konnte aber schon nach wenigen Stunden erste Volkslieder, Schlager, Spirituals und kleine Klassikstücke intonieren.

Lindemann und ihre Kollegin Wilde waren elektrisiert. Im April stellten sie das Instrument für spätberufene Musikanten bei der Seniorenmesse im Forum der Öffentlichkeit vor. Die Resonanz war so positiv, dass Wilde und Lindemann erste Kurse auf die Beine stellten. „Man kann dieses Instrument ohne Notenkenntnisse spielen und hat schnell musikalisch…

"Schmidt-Mülheim" verlässt die politische Arena

1956 in Mülheim geboren, begann Andreas Schmidt als Vorsitzender der Schüler-Union sein politisches Engagement in der CDU. Das war im WM-Jahr 1974. Als Jurastudent und Assistent des CDU-Europaabgeordneten Otmar Franz lernte Schmidt in den 80er Jahren den Parlamentarismus von innen kennen.

Ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Politiklehrer Thomas Schröer (SPD) kandidierte der damals 29-jährige Schmidt 1987 erstmals für den Bundestag und verlor. 1990 zog er dann über die Landesliste ins Bundesparlament ein. Neben seinem Mandat hielt er als Rechtsanwalt immer auch seine Mandanten im Auge, um beruflich und politisch unabhängig zu bleiben.

In seinen 19 Bundestagsjahren war Schmidt kein Hinterbänkler, sondern stand als Justiziar und Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, als CDU-Obmann im Parteispenden-Untersuchungsausschuss oder als Vorsitzende des Rechtsausschusses immer in der ersten oder zweiten Reihe.

Anderas Schmidt arbeitet seit seinem Ausscheiden aus dem…

Als die Mütter noch hamstern mussten: Im Gespräch mit Zeitzeugen erzählt der Buchautor Thomas Kahl Mülheimer Kindheits- und Jugendgeschichten aus den 40er und 50er Jahren

"Sagt mal. Wie war das damals, als ihr jung wart?“ Wenn Enkel ihren Großeltern diese Frage stellen, könnte das Buch „Mülheim - aufgewachsen in den 40er und 50er Jahren“ ihr Gespräch anregen. Denn mit seinen historischen Fotos und seinem kompakten, gut verständlichen und aus anschaulichen Zeitzeugenberichten gespeisten Texten wirft es ein bezeichnendes Licht auf den Alltag im Nachkriegsjahrzehnt zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder.

Als ThomasKahl im vergangenen Herbst von einem Verlag das Angebot bekam, ein Buch über die Mülheimer Jugend der 40er und 50er Jahre zu schreiben, zögerte er zunächst. „Ich bin ja kein gebürtiger Mülheimer, sondern ein Zugezogener“, sagt er. Doch dann wurde ihm klar: „Auf diesem Weg könnte ich meine Wahlheimat besser kennen lernen.“ Gesagt. Getan. Schnell merkte er, dass die Großstadt Mülheim eigentlich ein großes Dorf ist, in dem jeder jeden kennt oder jemanden, der wieder jemanden kennt, der zum Beispiel über seine Kindheit und Jugen…

Mensch, Malocher und Poet: Eine Rückschau auf Günter Westerhoff

„Mein Platz ist noch frei“, staunt der Leiter des Stadtarchives, Kai Rawe, über den Andrang. Gut 70 Zuschauer sind der Einladung des Stadtarchives, der Stadtbücherei und des Filmbüros NRW gefolgt. Sie wollen sich im Kino Rio nicht die neueste Produktion eines Kino-Regisseurs anschauen. Sie wollen sich einen Dokumentarfilm anschauen, den Klaus Wildenhahn 1979 in Mülheim gedreht hat. Für den Norddeutschen Rundfunk portraitierte er den damals 56-jährigen GünterWesterhoff.

Der Arbeiter und Dichter, der bis zu seinem Tod in diesem Jahr in der alten Heißener Bergmannsiedlung Mausegatt/Kreftenscher gelebt hat, führt die Zuschauer Ende der 70er Jahre durch die alte Bergmannssiedlung. Sie ist damals gerade erst durch eine Bürgerinitiative um Walter Schmidt vor der Privatisierung und Modernisierung gerettet worden.

Für viele Zuschauer ist der Film „Der Nachwelt eine Botschaft“ ein Wiedersehen mit GünterWesterhoff, der selbst als Schlosser auf Zeche Rosenblumendelle gearbeitet hat, abe…

Der grüne Engel: Hildegard Drosten

Wir haben Respekt vor ihrem ehrenamtlichen Engagement. Denn das Krankenhaus ist groß. Da tut eine Wegweiserin gut, die weiß, wo es lang geht“, finden Birgit Fuchs und ihre Tochter Katja Pfeitz. Das zu hören, freut Hildegard Drosten, die seit 2004 als ehrenamtliche Grüne Dame im Evangelischen Krankenhaus arbeitet.

An diesem Morgen begleitet die 74-Jährige Birgit Fuchs, die eine Hüft-Operation überstanden hat und ihre Tochter hinaus zum Wagen. Heute tut sie als Hallendame Dienst. In ihrem grünen Kittel sieht sie wie das Vorauskommando eines Operationsteams aus. Doch dem ist nicht so. Ihr Operationsziel heißt:„Patienten beruhigen und ihnen die Angst und Unsicherheit nehmen.“ Die schleiche sich nämlich automatisch ein, wenn man als Patient zum ersten Mal ins Krankenhaus komme. „Auf welche Station muss ich? Wo habe ich meinen Behandlungstermin?“ Solche Fragen bekommt Hildegard Drosten dann regelmäßig zu hören. Nach elf Jahren im Evangelischen Krankenhaus kennt sie sich aus und …

Was bleibt nach zwölf Jahren von der scheidenden Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld: Eine Umfrage in der Innenstadt

An ihrem letzten Amtstag kann man sagen, dass die meisten Mülheimer die scheidende Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld mit Ruhrbania verbinden. Das zumindest zeigte eine Straßenumfrage in der Innenstadt.

Deutlich wurde dabei auch, dass sich nach wie vor an dem Stadtentwicklungsprojekt, das Mühlenfeld maßgeblich vorangetrieben hat, die Geister scheiden. Die Kritiker sprechen von einer Fehlinvestition, die Mülheim nicht vorangebracht habe. Die Befürworter sehen in Ruhrbania aber einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

Für sie sind das neue Ruhrquartier und seine Promenade mit ihren Lokalitäten Teile eines entwicklungsfähigen Projekts, das noch nicht abgeschlossen ist. Horst Kampmann etwa empfindet die Realisierung des neuen Ruhrquartiers als „eher erdrückend“. Fotograf Carsten Andre hat im Vergleich mit dem Duisburger Innenhafen oder mit dem Düsseldorfer Medienhafen den Eindruck gewonnen, „dass die Investitionen, die in dieses Stadtentwicklungsprojekt geflossen sind, …

So gesehen: Wir sind Europameister

Wir waren schon mal Fußball-Europameister. Ob wir es (nach 1972, 1980 und 1996) 2016 mal wieder werden, ist nach der holprigen EM-Qualifikation der DFB-Elf wohl eher eine Glaubenssache.

Kaum zu glauben, dass wir längst Europameister sind. Doch das Bundesumweltministerium hat es uns schriftlich gegeben: „Wir sind Europameister im Produzieren von Verpackungsmüll.“ Kommen Sie mir nicht damit, dass Sie immer mit einem Jute-Beutel einkaufen gehen und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Sie werfen nämlich jedes Jahr 213 Kilogramm Verpackungsmüll weg. Und wir alle zusammen kommen auf einen jährlichen Verpackungsmüllberg von 17,1 Tonnen. Das hat zumindest das Bundesumweltministerium festgestellt. Das muss es ja wissen, beschäftigt es sich doch von Amts wegen mit der Umwelt.

Müssen wir am Ende vielleicht zurück in die Zukunft, um von Umweltsündern zu Umweltengeln zu werden? Denn für unsere Eltern und Großeltern war es schließlich kein Problem mit Milchkanne, Brotbeutel und Obstkorb ei…

Eine Lobby für die Schwachen: Paul Heidrich und sein Verein engagieren sich seit 15 Jahren für Behinderte

Der Name klingt etwas sperrig. Doch die Hilfe, die der gemeinnützige Verein zur Förderung von Einrichtungen für Behinderte im Ausland seit 15 Jahren im Südosten Bulgariens leistet, ist sehr konkret und erfolgreich. Diesen Erfolg feierte Katholikenrat und Caritas-Vorstand Paul Heidrich jetzt mit seinen deutschen und bulgarischen Unterstützern vor Ort in der Gemeinde Bolyarovo. Der heute 65 Mitglieder zählende Verein, den Heidrich seit seiner Gründung führt, hat mit Hilfe von Geld- und Sachspenden, aber auch durch die Vermittlung von fachlichem Know How dafür gesorgt, die Wohn- und Lebensbedingungen von mehr als 150 Menschen mit geistiger Behinderung zu verbessern. Das gilt sowohl für die bereits bestehende Betreuungseinrichtung in Malko Scharkovo, als auch für die 2007 mit Hilfe des Vereins neugegründete Wohngruppe in Boljarovo oder die vom Verein unterstützte Tagesstätte für Menschen mit Behinderung in Tundsha. Heidrich schätzt das Volumen der seit 2000 nach Bulgarien g…

12 Uhr im Dichterviertel: Ein Rundgang mit Barbara Kaufhold und den Eheleuten Kämpgen zeigt, das Viertel hat mehr als nur großartige Gründerzeitarchitektur zu bieten

Goetheplatz und Uhlandstraße. Schillerstraße und Klopstockstraße. Die Straßennamen zeigen es: Wir sind im Dichterviertel. Die Historikerin Barbara Kaufhold, die zahlreiche Bücher zur Mülheimer Geschichte geschrieben hat und die Eheleute Jutta und Helmut Kämpgen begleiten uns. Helmut Kämpgen, heute Vorsitzender des Bürgervereins Eppinghofen, ist hier aufgewachsen und hat hier später mehr als 30 Jahre als Gemeindepfarrer gelebt und gearbeitet.

Kaufhold und ihr Mann Tobias der das Museum zur Vorgeschichte des Films in der Camera Obscura leitet sind vor 15 Jahren ins Dichtervielel gezogen, „weil es zentral liegt, trotzdem realtiv ruhig ist und viele wunderschöne alte Häuser mit großzügigen Gärten hat. Tatsächlich. Der Gang durch das Dichterviertel, das um 1900 als Wohnquartier für leitende und mittlere Angestellte gebaut wurde, ist wie eine Architekturführung durch die Gründerzeit. Hier hat sich vor allem der Architekt und Bauunternehmer Franz Hagen ein Denkmal gesetzt. Und die offensichtl…

Der Realist: Centermanager Wolfgang Pins

„Den kenne ich doch!“ Das sagen sehr viele Mülheimer über Wolfgang Pins. Obwohl er noch in Krefeld wohnt, ist er eines der bekanntesten Gesichter Mülheims. „Können Sie nicht noch einige Sitzbänke aufstellen? Warum hat sich Tchibo eigentlich verkleinert und der DM-Markt vergrößert? Wir brauchen mehr Quadratmeter! Wir wollen uns kleiner setzen! Können Sie uns dabei helfen?“ Das sind Fragen, mit denen sich Wolfgang Pins täglich beschäftigt. Vor 15 Jahren kam der vormalige Geschäftsführer des Kaufhofs nach einem Intermezzo beim Kaufhof in Fulda als Manager des Forums zurück nach Mülheim. „Damals hatte ich das Gefühl, dass ich noch viel dazu lernen müsste. Vom Bau- oder Mietvertragsrecht hatte ich als Kaufhof-Kapitän keine Ahnung. Jetzt gehe ich mit dem Gefühl, dass ich hier viel dazugelernt habe“, sagt Pins. Das Fachwissen, das er sich im Laufe seiner Forum-Jahre in Sachen Immobilien- und Vermögensverwaltung angeeignet hat, allein in die Modernisierung von 2011 mussten 30 Mill…

Die Tschernobyl-Initiative macht weiter

Bisher verband sich die 1992 gegründete Tschernobyl-Initiative vor allem mit der Gründerin und langjährigen Vorsitzenden Dagmar van Emmerich. Doch jetzt haben Norbert Flör (als Vorsitzender), Manfred Rixecker (als Stellvertreter) und Maria Luise Rixecker (als Schatzmeisterin) die Führung des gemeinnützigen Vereins übernommen. Denn die hochverdiente und vielfach für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnete Dagmar van Emmerich kann ihre Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen.

Trotz dieser Zäsur, die alle 70 Vereinsmitglieder bedauern, geht die Arbeit weiter. Flör und die beiden Rixeckers sind zweimal pro Jahr in Shodino und Dobrin. Im Osten Weißrussland, der bis heute unter den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 leidet, unterstützt der Verein eine Schule und ein Zentrum, das er selbst gebaut hat, und in dem nicht nur Jugendliche und Behinderte, sondern auch Senioren und Sozialwaisen Rat und Hilfe erfahren.

Schatzmeisterin Maria Luise Rixecker s…

So gesehen: Darf es ein bisschen mehr sein?

"Hallo, Frau Priester. Wie viele Pflaumen dürfen es denn heute sein?“ Der Katholik am Obst- und Gemüsestand, glaubt, nicht richtig zu hören. Hat er Bohnen in den Ohren? Oder hat er etwas verpasst. Denn seines Wissens nach gibt es in der römisch-katholischen Kirche weder weiblichen Priester noch dürfen Priester Ehefrauen haben. Oder sollte über Nacht ein Wunder geschehen sein und der Papst verkündet haben: „Frauen dürfen Priester und Priester dürfen Ehemänner werden.“

Was so manchem konservativen Kirchenführer als Alptraum erscheinen mag, könnte für manchen pflichtzölibatären Priester und so manche geistlich begabte Frau zum Traum werden.

Vielleicht würde die Kirche ja mal ein himmelblaues Wunder erleben, wenn ihre Diener und Dienerinnen Liebe, Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit in allen Lebens- und Alltagsbereichen konsequent leben könnten. Man stelle sich eine Frau Priester vor, die ihre männlichen Amtsbrüder mit ihrem weiblichen Pragmatismus verblüffen und auf neue …

Denkanstöße zum Tag des Weißen Stocks: Blinde und Sehbehinderte wollen im Blick behalten wetdem und fordern mehr Rücksicht

Heute ist der Tag des Weißen Stocks. Er soll den Fokus auf die Belange blinder und sehbehinderter Menschen richten. Was ist zu tun? Für die NRZ befragte ich dazu Christa Ufermann, die den Blinden- und Sehbehindertenverein (BSV) leitet.

Frage: Was regt Sie als blinde Frau in unserer Stadt auf?

Antwort: Wenn Arbeitgeber keine blinden und sehbehinderten Menschen einstellen, weil sie ihnen nichts zutrauen, auch wenn diese eine gute Ausbildung haben; wenn es in Bussen und Bahnen keine Haltestellenansagen gibt; wenn taktile Leitplatten in der Stadt falsch verlegt werden, so dass Blinde und Sehbehinderte in die Irre geführt und damit in Gefahr gebracht werden. Auch ausufernde Geschäftsauslagen und Baustellenschilder oder Autofahrer, die Bürgersteige zuparken, machen uns das Leben schwer.

Frage: Warum sollte man als blinder oder sehbehinderter Mensch Ihrem Verein beitreten?

Antwort: Weil man dort gleich Betroffene und Gleichgesinnte trifft und regelmäßig Informationen bekommt, die ei…

Altes Angebot an neuem Ort - Ab Oktober berät der Blinden- und Sehbehindertenverein Ratsuchende im Medienhaus am Synagogenplatz: Seit 2009 gab es bei den Grünen 69 Sprechstunden mit je bis zu fünf Klienten

Mit Sonnenblumen bedanken sich Christa Ufermann und Maria St. Mont vom Blinden- und Sehbehindertenverein (BSV) bei der Vorsitzenden der Grünen, Heidemarie Sinn-Leydecker, für die Gastfreundschaft ihrer Partei. Sechs Jahre lang, immer wieder am ersten Donnerstag des Monats, haben die beiden regen Damen vom BSV bei den Grünen an der Bahnstraße 50 blinde und sehbehinderte Menschen beraten. Wann und wie viel Blinden- und Sehebhindertengeld kann ich bekommen? Welche Hilfsmittel gibt es? Wo und wie bekomme ich ein Mobilitätstraining und wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis, der mir und meiner Begleitperson freie Fahrt in Bussen und Bahnen gewährt? Solche und ähnliche Fragen werden Ufermann und St. Mont (beide sind selbst blind bzw. schwer sehbehindert) ab dem 1. Oktober in einem Seminarraum des Medienhauses am Synagogenplatz beantworten. „Wir gehen nich, weil wir uns hier nicht wohlgefühlt hätten, sondern weil unsere Klienten auch älter und gebrechlicher geworden sind und wir in …

„Zerbruch kann heilen“ - Wolfgang Reinhardt und seine Frau Denise Uwimana berichten bei den Bibeltagen über ihre Versöhnungs- und Aufbauarbeit in Ruanda

„Der Geist des Herrn ist über mir. Darum, dass mich der Herr gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, den Gefangenen die Freiheit zu verkünden und den Gebundenen, dass ihnen die Tür geöffnet werde.“ Ein Text aus dem Alten Testament (Jesaia 61 1-5) wird plötzlich ganz aktuell und auch die Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5 3-16) Jesu: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“, hört sich plötzlich ganz aktuell an.
Wolfgang Reinhardt und seine aus Ruanda stammende Frau Denise Uwimana berichten bei den Bibeltagen im Altenhof über ihre Aufbau- und Versöhnungsarbeit im ostafrikanischen Land der 1000 Hügel und verbinden das mit einer Bibelarbeit. Er hat lange als Pfarrer im Ruhrgebiet gearbeitet und sie hat al…

Mit Charme und Ordnungssinn: Rita Baltes und Jacqueline Vieth vom Ordnungsamt schauen in der City nach dem Rechten

Ein junger Mann schießt auf seinem Skateboard aus dem Löhberg. Um ein Haar hätte er einen Fußgänger auf der Schloßstraße von der Seite angefahren. Der junge Mann hat Glück. Hätten Rita Baltes und Jacqueline Vieth seine Aktion gesehen, wäre ein Bußgeld oder zumindest eine Verwarnung fällig gewesen. Wäre der Fußgänger auch noch zu Schaden gekommen, hätte es vielleicht sogar eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gegeben.

Denn Baltes (52) und Vieth (33) arbeiten beim Citydienst des Ordnungsamtes. Regelmäßig bestreifen sie zusammen die Innenstadt und die angrenzenden Bereiche in der Müga oder in Eppinghofen. Sie schreiben Parksünder auf, die zum Beispiel eben mal schnell zur Bank wollten und deshalb auf dem Behindertenparkplatz oder in der Feuerwehrzufahrt stehen. Auch Lieferwagenfahrer, die außerhalb der offiziellen Ladezeiten durch die Fußgängerzone kurven oder rasende Radfahrer, werden von ihnen verwarnt und mit einem Bußgeld belegt. „Wir sind die Mädchen fü…

So gesehen: Das Kreuz bleibt eine Glaubenssache

Das Menschen auf die Straße gehen, weil sie gegen Entscheidungen protestieren wollen, die Politiker getroffen haben, erlebt man immer wieder. Wenn Politiker auf die Straße gehen, kann das nur eines bedeuten. Sie wollen etwas von uns, in der Regel unsere Stimme für die nächste Wahl. Wer am Samstag über den Kurt-Schumacher-Platz, etwa zum Einkauf ins Forum ging, musste sich erst mal den Weg durch das Spalier der Oesterwind-Jünger und der Scholten-Apostel bahnen. Mit freundlichen Worten, bunten Infoblättern und Luftballons warben sie ebenso, wie mit Kugelschreibern. Natürlich. Mit denen soll man bei der Oberbürgermeister-Wahl am 13. September an der richtigen Stelle sein Kreuz machen. Doch welche Stelle ist für uns Wähler und Steuerzahler die Richtige, wo doch beide OB-Kandidaten als recht sympathische und problembewusste Mitbürger erscheinen. Das Mittagsgeläut vom nahen Kirchenhügel zeigte nicht nur mir. In der Kommunalpolitik ist vieles, wie in der Kirche am Ende wohl eine persönlich…

12 Uhr in Raadt: Schön und grün, aber was sonst? Manfred Mons lebt seit 40 Jahren gerne in Raadt. Aber der begeisterte Jazz-Musiker sieht und kennt auch die Schwachstellen seines Stadtteiles

Raadt ist einfach schön“, sagt Manfred Mons. Der Bandleader der Ruhr-River-Jazzband und Chef des Mülheimer Jazzclubs lebt seit 1975 in dem ausgesprochen grünen und landschaftlich sehr reizvollen Stadtteil, der mehr als einen Flughafen und den Kunstrasenplatz des Raadter Sportvereins zu bieten hat. Nicht nur Mons, sondern auch seine Nachbarin Ruth Schalkowsky (95) beklagt, dass sie als Raadter bis zum Oppspring ins benachbarte Holthausen fahren müssen, um ihren Einkauf oder einen Arztbesuch erledigen zu können. Das die Straßenbahnlinie 110 jetzt nicht mehr durch Raadt fährt und die Ersatzbuslinie die Leute zum Einkaufen nach Essen und ins Rhein-Ruhr-Zentrum bringt, hält Mons für ebenso kontraproduktiv, wie die für 2016 geplante Schließung der Kita Raadthäuschen. Auch,wenn es mit dem Flughafenrestaurant, der Vereinsgaststätte des SV Raadt, dem traditionsreichen Liebfrauenhof und dem Hofcafé Felchner am Bollenberg gastronomische Leuchttürme gibt, könnte der grüne Stadtteil au…

Als der Eiserne Vorhang fiel: Der Ungar Laszlo Nagy berichtete bei den Herbstgesprächen der CDU zur Vorgeschichte der Deutschen Einheit.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Urban lässt Zäune bauen, um Flüchtlinge aufzuhalten. Das sind die aktuellen Fernsehbilder, die auch die 100 Gäste im Kopf haben, die an diesem Tag der Deutschen Einheit zu den Herbstgesprächen der CDU in die Alte Post gekommen sind. „Der Flüchtlingsstrom zeigt uns, dass wir die großen Probleme unserer Zeit nicht mehr nationalstaatlich, sondern nur europäisch lösen können“, sagt CDU-Chef Andreas Schmidt. Und dann erinnert der Ungar Laszlo Nagy von der Stiftung Paneuropäisches Picknick an eine Zeit, in der Ungarn Grenzzäune einriss und damit vielen Ostdeutschen die Flucht aus der DDR ermöglichte.

Nagy berichtet nicht nur über Motive und organisatorische Details des paneuropäischen Picknicks in Sopron, das 600 DDR-Bürger am 19. August 1989 zur Flucht in Richtung Westen nutzten. Er schildert auch die politischen Hintergründe, die im Spätsommer 1989 zur Öffnung des Eisernen Vorhangs führten. Nagy berichtet zum Beispiel davon, dass sich die Regierung d…

Als Mülheimer die Deutsche Einheit feierten: Ein Rückblick auf den 3. Oktober 1990

"Das ist ein Tag, den ich nie vergessen werde. Das war ein unwiederholbares Erlebnis“, sagt Manfred Mons vom Jazzclub. Er meint den 3. Oktober 1990. Als Deutschland wiedervereinigt wurde, spielten seine Kollegen von der Ruhr-River-Jazzband und er auf dem Potsdamer Platz und vor dem Palast der Republik in Berlin. Tausende hörten zu. Eine befreundete Band aus der Hauptstadt hatte die Mülheimer zum Gastspiel am Tag der Einheit eingeladen.

Aber auch in Mülheim wurde die Deutsche Einheit gefeiert. In der damals noch neuen Sparkasse am Berliner Platz hörten 900 Bürger die Festreden von Oberbürgermeisterin Elenore Güllenstern und NRW-Staatssekretär Hartmut Krebs. Das Sinfonieorchester der damaligen Jugendmusikschule intonierte das Deutschlandlied und die Europahymne, Ludwig van Beethovens Ode an die Freude.

Schauspieler aus dem Theater an der Ruhr erinnerten mit einer kleinen Lesung daran, dass Deutschland auch das Land der Dichter und Denker war. Eleonore Güllenstern sprach in ihrer nach…

Die Frau mit Hut und Orgel Ohne Noten, aber mit viel Gefühl öffnen Sylvia Vorhaus und ihre mölmsche Drehorgel Herzen

Ich kenne Sie doch. Tragen Sie nicht normalerweise einen Hut?“ Das hört die Speldorferin Sylvia Vorhaus immer wieder, wenn sie im Straßenzivil unterwegs ist. Ja. Sie trägt immer einen Hut, mal einen blauen und in jüngster Zeit auch gerne mal einen orangefarbenen, modisch flankiert durch elegante gleichfarbige Schals. Das ist ihre Dienstkleidung, wenn sie mit ihrer mölmschen Drehorgel zum Beispiel bei Stadtteil- Schul,- Kindergarten,- Geburtstags,- Hochzeits,- und Weinfesten, aber auch als Vorprogramm bei Konzerten und Musikfesten auftritt.

„Ein bisschen Verkleidung gehört dazu, wenn man eine Drehorgel spielt. Würde ich nur in Jeans und Pulli hinter der Orgel stehen, würde das die Atmosphäre und Ausstrahlung ihrer Musik zerstören“, findet die 56-jährige Mutter eines erwachsenen Sohnes und einer erwachsenen Tochter. „Meine Kinder unterstützen mich. Sie haben mir eine Internetseite eingerichtet und meinen Flyer layoutet“, freut sich Vorhaus.

Die gelernte Arzthelferin, die heut…

So gesehen: Lachen wir uns doch mal gesund

Ich lache mich krank. So sagt man, wenn man sich vor Lachen kaum halten kann. Wenn dem so wäre, im Evangelischen Krankenhaus wäre man an der richtigen Adresse. Sollte sich das Krankenhaus vielleicht deshalb seit 25 Jahren etwa ein Theater halten, das die Leute regelmäßig zum Lachen bringt? Frei nach dem Motto: Wer zuviel lacht, wird gleich auf die Station gebracht. Doch manche Redensarten sind bei genauerem Hinsehen einfach lachhaft, so auch diese. Denn medizinische und psychologische Studien zeigen: Lachen ist gesund, weil es entspannt, Stress abbaut, den Blutdruck senkt, Glückshormone freisetzt und die Wahrnehmung von Schmerzen vermindert. Also wird umgekehrt ein Schuh draus. Wenn es sie nicht schon seit 25 Jahren gäbe, müssten das Backsteintheater und die Musischen Werkstätten dem Evangelischen Krankenhaus auf Rezept verschrieben werden. Zu nicht vorhandenen Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker. Oder bringen Sie diese am besten gleich zur näch…

Unverzichtbare Energiequelle 400 Gäste erlebten im Altenhof ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, das 25 Jahre Kulturarbeit im Evangelischen Krankenhaus Revue passieren ließ

Was hat Ihnen eigentlich am besten gefallen?“ Diese am Samstagabend häufig gestellte Frage war gar nicht so leicht zu beantworten. Chorgesang, Theater, Kleinkunst und Talkrunden mit Zeitzeugen. So ließen etwa 100 haupt- und ehrenamtlich Kreative aus dem Kulturbetrieb des Evangelischen Krankenhauses das erste Vierteljahrhundert der Kulturarbeit im Krankenhaus Revue passieren.
25 Jahre in zweieinhalb Stunden. Dass war für 400 Zuschauer im Altenhof anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich. Die schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Genres machten den Abend kurzweilig.

Beeindruckend führten 50 Chorgeschwister aus den Musischen Werkstätten mit Ausschnitten aus Carl Orffs „Carmina Burana“ die archaische Kraft der Musik vor. Die Leichtigkeit des Seins brachten Petra Stahringer, Ulrike Dommer und Bärbel Bucke als Backstein-Trio mit Abba-Memories, wie „Mamma Mia“ oder „Thank You for the Music“ auf die Bühne. „Gemeinsam zu singen und zu musizieren ist eine der wichtigsten menschli…