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Unverzichtbare Energiequelle 400 Gäste erlebten im Altenhof ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, das 25 Jahre Kulturarbeit im Evangelischen Krankenhaus Revue passieren ließ


Was hat Ihnen eigentlich am besten gefallen?“ Diese am Samstagabend häufig gestellte Frage war gar nicht so leicht zu beantworten. Chorgesang, Theater, Kleinkunst und Talkrunden mit Zeitzeugen. So ließen etwa 100 haupt- und ehrenamtlich Kreative aus dem Kulturbetrieb des Evangelischen Krankenhauses das erste Vierteljahrhundert der Kulturarbeit im Krankenhaus Revue passieren.
25 Jahre in zweieinhalb Stunden. Dass war für 400 Zuschauer im Altenhof anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich. Die schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Genres machten den Abend kurzweilig.

Beeindruckend führten 50 Chorgeschwister aus den Musischen Werkstätten mit Ausschnitten aus Carl Orffs „Carmina Burana“ die archaische Kraft der Musik vor. Die Leichtigkeit des Seins brachten Petra Stahringer, Ulrike Dommer und Bärbel Bucke als Backstein-Trio mit Abba-Memories, wie „Mamma Mia“ oder „Thank You for the Music“ auf die Bühne. „Gemeinsam zu singen und zu musizieren ist eine der wichtigsten menschlichen Energiequellen“, brachte Stahringer ihre wichtigste Erfahrung als Leiterin der Musischen Werkstätten auf den Punkt.

Lebens- und Spielfreude pur waren auch zu spüren, als Schauspieler der großen Backstein-Theaterbühne Ausschnitte aus ihren Komödien „Ewig jung“ und: „Der nackte Wahnsinn“ zeigten. Da erlebten die Zuschauer am eigenen Leibe, was Simone Adelhütte meinte, wenn sie als einer der dienstältesten Schauspielerinen feststellte: „Unser wichtigstes Ziel war und bleibt es, Menschen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern.“ Dass das Krankenhaus die Infrastruktur für diese Theater und Kulturarbeit bereitstelle, so Adelhütte, „und wir nur noch spielen brauchen“, sei nicht selbstverständlich.

Wie man Menschen ein Lachen ins Gesicht zaubert, führte auch Gustav an Huef von der Kleinen Bühne mit seinem gelungenen Vortrag des Georg-Kreisler Chansons: „Mein Weib will mich verlassen. Gott sei Dank. Ich kann es gar nicht fassen. Ist Sie krank?“ vor. Kollegin Annegret Hartmann stellte sich als Blondine vom Dienst herrlich dumm: „Ich suche in meiner Ketchupflasche immer noch den Heinz!“

Was die 1990 vom damaligen Stiftungsdirektor Volkmar Spira initiierte Kulturarbeit im Evangelischen Krankenhaus geleistet hat, brachte der ärztliche Direktor Heinz Jochen Gassel sehr treffend auf den Punkt. Er sagte: „Diese Kulturarbeit hat dem Krankenhaus ein Herz und eine Seele gegeben.“

Hat die Kultur im Krankenhaus Zukunft? Man darf es hoffen, wenn man die 15-jährigen Anna Lena Höhne von ihren ersten Schritten auf der Großen Backstein-Bühne schwärmen hört: „Das ist total cool, live dabei zu sein, wenn man als Gruppe ein Jahr lang ein Stück erarbeitet und es gemeinsam auf die Bühne bringt.“


Dieser Text erschien am 7. September 2015 in NRZ und WAZ

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