Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174.000 Einwohnern, in der es rund 100.000 Kraftfahrzeuge gibt und die damit eine der deutschen Städte mit der höchsten Kraftfahrzeugdichte ist.
Immerhin strahlt noch das Café in dem 1899 errichteten Haus, dass viele alte Mülheimer noch als Rosenhof kennen, etwas majestätisches aus. Auch einige Häuser vis-a-vis an der Althofstraße können und wollen ihre architektonische Herkunft aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches nicht verleugnen. Alte Postkarten, die in der kaiserzeit das waren, was heute E-Mails und WhatsApp Nachrichten sind, zeigen den Kaiserplatz in der ganzen Stattlichkeit seines Namens, den er mit seiner Schaffung 1875 erhalten hat. Damals wurde dort der Teich der alten Altenhofmühle, um einen repräsentativen Platz mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Von motorisierter Massenmobilität und der Notwendigkeit von Parkplätzen war damals noch keine Rede. Und Kaiser Wilhelm II. konnte sich der Illusion hingeben, dass sich das Auto langfristig nicht gegen das Pferd und die von ihm gezogene Kutsche durchsetzen werde.Samstag, 6. Juni 2026
Ein Platz für den Kaiser
Sonntag, 31. Mai 2026
Otto Pankok kehrt zurück ins Kloster Saarn
Otto Pankok wurde 1893 im ehemaligen Äbtissinnenhaus des Klosters Saarn geboren. Im Kloster Saarn hat er später auch seine ersten Zeichnungen angefertigt. Sie zeigen ihn selbst, die dörfliche Landschaft Saarns, seine Schwester Hedwig und seine Mutter, die selbst auch malte, an einer Staffellage. Mit einer Ausstellung, die noch bis zum 12. Juli im oberen Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters zu sehen ist, kehrt der vor 60 Jahren verstorbene Pankok jetzt mit seinem Jugendwerk an den Ort seiner Geburt und einer Kindheit zurück.
Möglich gemacht hat diese Ausstellung, in der 50 Arbeiten des großen Meisters der Schwarz-Weiß-Zeichnungen, zu sehen sind das ehrenamtliche Team der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, unterstützt von der Leiterin des Pankok-Museums in Hünxe, Dr. Dagmar Schmengler, und Pankoks Großneffen, dem Künstler Moritz Pankok.
Moritz Pankok, Dr. Dagmar Schmengler und Pfarrer Christian Böckmann sind sich einig, "dass es keinen besseren Ort als diesen gibt", um vor allem Pankonks Frühwerk einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, weil: "sich hier Kirche und Kultur mit den Werten verbinden", für die der Künstler und Mensch Otto Pankok, dessen vom christlichen Humanismus geprägten Arbeiten von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" diffamiert und mit einem Ausstellungverbot belegt wurden, zeitlebens eigestanden sei. Diese Grundhaltung Pankoks, die für seinen Großneffen Moritz, angesichts der heutigen "sozialen und politischen Härten, aktueller denn je sind", kommen zum Beispiel in seinem Passionszyklus aus den 1930er Jahren und seiner Zeichnung "Christus zerbricht das Gewehr" zum Ausdruck. Letztere wurde in den 1950er Jahren, als Pankok als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf lehrte, zu einer Ikone der internationalen Friedensbewegung, vergleichbar der Friedenstaube Picassos.
In der klösterlichen Pankok-Ausstellung begegnen wir auch den berührenden Portraits des Sinti-Mädchens Eher wieder, die als "Mädchen-mit-Ball-Skulptur" seit 1983 am Wegesrand der Düsseldorfer Straße, mitten im Saarner Dorf steht.
Die Otto-Pankok-Werkschau im Kloster Saarn ist in ein eintrittsfreies Rahmenprogramm mit Führungen, Exkursionen, Publikumsgesprächen und Lesungen eingebettet. Der Eintritt kostet sieben Euro und berechtigt zugleich zum Besuch des historischen Klostermuseums. Die Ausstellung ist donnerstags und freitags (16-20 Uhr) sowie samstags, sonntags und feiertags (10-18 Uhr) im Kloster Saarn zu sehen. Die für sieben Euro zu erwerbende Eintrittskarte berechtigt auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums der Saarner Klosterfreunde. Der Eintritt in die Pankok-Ausstellung, der auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums berechtigt, kostet sieben Euro.
Mittwoch, 13. Mai 2026
Mülheim im Jahr 1946
Zahlen, Daten und Fakten aus den Bekanntmachungen der Stadtverwaltung der und seit dem Juni 1945 für Mülheim an der Ruhr zuständigen britischen Militärregierung werfen ein bezeichnendes Licht auf den Nachkriegsalltag in unserer Stadt.
Folgt man dieser im Stadtarchiv an der Von-Graefe-Straße einzusehenden Quelle, dann lebten vor 80 Jahren 132.000 Menschen in unserer Stadt, davon 3800 sogenannte Ostflüchtlinge aus Ost- und Mitteldeutschland.
Das Gesundheitsamt gab die Zahl der "schwer unterernährten" Personen mit 3800 an. Mit Blick auf das örtliche Schulwesen erfahren wir, dass damals 1/3 der Schulgebäude infolge des Krieges zerstört und 83 Lehrkräfte aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Lehramt entlassen worden sind.
1946 besuchen 14.000 Kinder und Jugendliche eine von 24 Volksschulen. 1600 Jungen und 250 Mädchen besuchen ein Gymnasium, 780 Jungen und Mädchen lernen an den städtischen Mittelschulen und 3500 Jugendliche an den berufsbildenden Schulen der Stadt. 15.000 Schulkinder erhalten eine tägliche Schulspeisung durch das Schwedische Rote Kreuz. Dafür zahlen ihre Eltern eine Reichsmark pro Woche.
Die Stadtverwaltung meldet im Rahmen der Entnazifizierung 119 Beamte, 95 Angestellte und 62 Arbeiter, die ihre Stelle aufgrund ihrer NS-Vergangenheit verloren haben. Aus der freien Wirtschaft werden 2000 NS-bedingte Amtsenthebungen gemeldet.
Der Wiederaufbau des kriegszerstörten und beschädigten Wohnraums nimmt sich zwei Jahre vor der westdeutschen Währungsreform mit 445 neugebauten Wohnungen und rund 5400 winterfest gemachten Wohnungen noch sehr bescheiden aus.
Donnerstag, 30. April 2026
Ausflug in die Außenpolitik
„Wir stehen für politische Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte Kreisvorsitzende Astrid Timmermann-Fechter in ihrem Grußwort an die zahlreichen Gäste des Frühlingsempfangs, zu dem die Mülheimer CDU in die Stadthalle eingeladen hatte. „Wir nehmen unsere politische Verantwortung als Volkspartei auch auf der kommunalen Ebene wahr, indem wir politische Befindlichkeiten zurückstellen und als Parteien der demokratischen Mitte zusammenarbeiten“, ergänzte die Vorsitzende der Ratsfraktion, Christina Küsters mit Blick auf den Kooperationsvertrag, den CDU und SPD für ihre Kooperation im Rat der Stadt ausgehandelt haben.
Inhaltlich lud die Mülheimer CDU ihre Gäste zum Ausflug in
die Außenpolitik ein. „Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen wir aktuell
konfrontiert werden, dürfen wir unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen
verlieren, unsere Gesellschaft durch unsere Arbeit besser zu machen“, schlug
der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert
Röttgen, als Gastredner den Bogen von
der hauptamtlichen Bundespolitik zur ehrenamtlichen Kommunalpolitik. Mit seiner
Fraktionskollegin Astrid Timmermann-Fechter war sich Röttgen einig, „dass
Veranstaltungen, wie der Frühlingsempfang der CDU, eine wichtige Basis des
gesellschaftlichen Dialogs schaffen, der am Anfang aller demokratischen Politik
steht“. In seinem außenpolitischen Referat machte Röttgen deutlich, dass eine
Volkspartei, wie die Union in der Verantwortung stehe, lokal, regional,
national und global Menschen zusammenzubringen und mitzunehmen. Röttgen sieht
Deutschland innerhalb der Europäischen Union „in einer Führungsverantwortung,
nachdem die im Kalten Krieg gewachsene Interessengemeinschaft zwischen den USA
und der EU von der Trump-Administration einseitig aufgekündigt worden“ sei.
Der CDU-Außenpolitiker ließ keinen Zweifel daran, „dass die
27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nur gemeinsam weltpolitisch
handlungsfähig sind“. Mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine gegen den
russischen Angriffskrieg betonte er: „Die Ukraine verfügt heute über die größte
und kampffähigste Armee in Europa. Sie verteidigt auch unsere Sicherheit. Und
indem wir sie dabei unterstützen, sorgen wir zusammen mit unseren Partnern
dafür, dass das Konzept Krieg in Europa scheitert." Für diese Aussage
erhielt Röttgen den spontanen Applaus seines Publikums in der Stadthalle.
Dienstag, 28. April 2026
Mahnung zur Menschlichkeit
Die Lebensgeschichte der jüdischen Autorin und Schauspielerin Bela Winkens, die am 1. April in Düsseldorf verstorben ist, führt uns den ganzen Wahnsinn des Holocaust vor Augen und mahnt uns zur Menschlichkeit.
Ihr Leben, das 1941 in Berlin unter lebensgefährlichen Bedingungen begann, führte sie im Kriegsjahr 1943 und im Nachkriegsjahr 1945/46 auch nach Mülheim an der Ruhr. Hier fand das Kind Zuflucht bei der Halbschwester ihres Vaters Walter, Sophie Kukla, die mit ihrem nicht-jüdischen Ehemann in Saarn lebte.
Das hat Stadtarchivarin Annett Fercho bei ihren Recherchen herausgefunden, die in Bela Winkens, literarische Autobiografie "Brief an die Mutter" eingeflossen sind, die Bela Winkens 2025 im Berliner Verbrecherverlag veröffentlicht hat.
Anders, als ihre Eltern und Großeltern, die 1943 in Auschwitz ermordet wurden, überlebte Bela den Holocaust und die NS-Diktatur. Sie überlebte, obwohl ihre Identität und ihr Versteck verraten wurde und sie 1944/45 im Konzentrationslager Theresienstadt interniert war und erst nach einem Erholungsaufenthalt in Lüneburg zu ihrer Tante nach Mülheim zurückkehren konnte.
1951 wurde aus Bela Heymann Bela Winkens, nach dem sie von dem in Düsseldorf lebenden christlich-jüdischen Ehepaar, Elsa und Theodor Winkens, adoptiert worden war. Nach ihrem Abitur ließ sie sich in ihrer Heimatstadt Berlin zur Schauspielerin ausbilden und verkörperte später unter anderem Anne Frank.
Zur Tragik ihrer Lebensgeschichte gehört, dass sie immer wieder von Neo-Nazis angegriffen und angefeindet wurde, weil sie als Schauspielerin und Autorin ihr Schicksal, das ein Schicksal von Millionen war, thematisierte.
Sonntag, 19. April 2026
Gelebte Nächstenliebe
Gelebte Nächstenliebe. Mit diesen Worten wurde das ehrenamtliche Engagement der aktuell 60 Grünen Damen und Herren im Evangelischen Krankenhaus mehr als einmal gewürdigt, als die Gruppe um Krankenhausseelsorgerin Lisa Schönrock mit einem Festgottesdienst in der Petrikirche und einem anschließenden Jubiläumsempfang in Petrikirchenhaus ihrem 50 Geburtstag feiern konnte.
1976 von der damaligen Klinikseelsorgerin Margarete Harbecke ins Leben gerufen, gehört die Evangelische Krankenhaushilfe im Evangelischen Krankenhaus Mülheim zu den ältesten und größten Gruppen der Evangelischen Krankenhaushilfe, die 1969 von Brigitte Schröder in Düsseldorf ins Leben gerufen wurde. Die Ehegatten des damaligen Bundesaußenminister Gerhard Schröder hatte bei einem Besuch in den USA die Pink Ladies kennengelernt, die in Kliniken ehrenamtlich für Patienten und Patientinnen sowie deren Angehörige im Einsatz waren. Weil sie die Farbe pink nicht mochte, die Idee der Pink Ladies aber unbedingt nachahmenswert fand, machte sie aus dem Pink Ladies die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe.In Anspielung darauf, das Grün im Volksmund als Farbe der Hoffnung gilt, bezeichnete Superintendent Michael Manz die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe "als eine grüne Kraft der Hoffnung, die Menschen durch ihre Zeit und ihre Zuwendung in existenziell schwierigen Lebenssituationen Mut Hoffnung und Trost" spendeten. Viele der Grünen Damen und Herren, die Patienten zuhören, sie im Rollstuhl durch die Klinik oder deren Park schieben, ihnen mit kleinen Handreichungen assistieren oder für sie Besorgungen machen, haben selbst als Patienten oder Angehörige den segensreichen Beistand der Grünen Damen und Herren erlebt und sich so zu ihrem Ehrenamt motivieren lassen.
Dienstag, 14. April 2026
Denk ich an Thyssen
Der vor 100 Jahren gestorben August Thyssen ist zurecht als Großindustrieller in die Geschichte eingegangen. In seinem Todesjahr arbeiteten rund 65.000 Menschen für sein Unternehmen, das er 55 Jahre zuvor mit einem Stahlwerk und 70 Arbeitern auf einem ehemaligen Bauernhof in Styrum gegründet hatte.
Aus gutem Grund hatte ihn der Stadtrat, dem er damals selbst angehörte, 1912, zum Mülheimer Ehrenbürger ernannt. Denn in diesem Jahr hatten August Thyssen und sein Bruder Josef mit ihrer Stiftung die Eröffnung des Stadtbades an der Ruhr ermöglicht.Auch die 1894 eingeweihte Marienkirche in Styrum und das 1927 im Luisental eröffnete Franziskushauses gehen auf seine Stiftung zurück. Mit seiner Initiative verbunden sind auch die Gründungen des Rheinischen Westfalen Elektrizitätswerkes und des Rheinischen Westfälische Wasserwerkes (RWW) sowie der Bau der heutigen Mausegattsiedlung, in der früher Bergarbeiter und ihre Familien lebten sowie der Bau von 128 Werkswohnungen an der Moritzstraße und des Styrumer Wasserturms, den wir seit der Landesgartenschau Müga 1992 als Wassermuseum Aquarius kennen.
1922 dankte August Thyssen in einem Beitrag für die Jubiläumsausgabe der Mülheimer Zeitung vor allem seinem Arbeitern und seiner Familie für deren Unterstützung, die seinem Erfolg als Unternehmer erst möglich gemacht hätten.
Seine ehemalige Firmenzentrale an der Wiesenstraße kennen wir seit 2005 als Haus der Mülheimer Wirtschaft und seit 2008 als Mülheim Unternehmer Museum kennen, Auch eine Straße, die durch Mintard zu seinem letzten Wohnsitz Schloß Landsberg führt, wurde bereits zu seinem 80. Geburtstag nach ihm benannt.
Mittwoch, 8. April 2026
Kunst bildet
Die Mülheimer Künstlerin Ronja Nekes hat das ehemalige Naturfreundehaus nicht nur zu ihrem Lebens- und Arbeitsplatz, sondern auch zu einem Centrum für Freiraum umgebaut. Zuletzt war sie dort Gastgeberin eines Art-Xplore-Workshops den die Malerinnen Claudia Desgranges und Lara Kaiserfür sieben junge und kreative Künstlerinnen zwischen 14 und 17 Jahren gaben. Möglich gemacht hatten den Workshop der Ruhepreisträger Dirk Salz und seine Frau Inge mit ihrer Kulturstiftung. "Es geht uns nicht nur um Malen und Zeichnen, sondern um kulturelle Bildung und den Mut, auch mal einen anderen Blick auf die Welt zu werfen, der das Leben nicht nur nach Geld und Zahlen bewertet", erklärt der im Uhlenhorst wohnende und an der Aktienstraße arbeitende Maler Dirk Salz die Motivation seiner Stiftung.
Deshalb soll der von Mal-Profis geleitete Workshop in Rona Nekes Centrum für Freiraum im Juli und Oktober 2026 mit Alexander und Maja Voß sowie mit Frauke Wilken und Marie Spellenberg eine Fortsetzung erfahren.
Nach ihrem persönlichen Mehrwert befragt, sprechen die Teilnehmerinnen von der inspirieren Arbeit mit professionellen Malerinnen und gleichgesinnten Gleichaltrigen, die Ihnen neue Perspektiven und den Mut zur künstlerischen Improvisation, Spontanität und Experimentierfreude vermittelt hätten. Keine Frage, dass am Ende des dreitägigen Workshops am Böllrodt in Raadt Rufnummern ausgetauscht und neue Netzwerke gebildet wurden.
Mittwoch, 1. April 2026
Die Stadthalle heute
Die Mülheimer Stadthalle am Broicher Ruhrufer wird seit 2001 von der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft MST gemanagt. Deren Geschäfte werden aktuell von Michael Birr geführt. Er muss damit auch die Millionen-Investitionen verantworten, die notwendig sind um das 100 Jahre alte Gebäude instand zuhalten, in dem Theateraufführungen, Konzerte, Kongresse, Empfänge und andere Veranstaltungen über die Bühne gehen.
Im Gespräch, das ich für die Lokalredaktion führen konnte, verwies er auf steigende Personal- und Energiekosten, aber auch auf die finanzielle Förderung, die der Stadthallenbetrieb durch das Land Nordrhein-Westfalen und seinen Partner Westenergie erhält, aber auch auf einen 40-prozentigen Mietrabatt, den die MST gemeinnützigen Organisationen für Ihre Veranstaltungen in der Stadthalle gewährt.
Die Restaurierung der Stadthallenarkaden, eine neue Verglasung, eine neue Tonanlage und eine neue LED-Beleuchtung für den 1073 Gästen Platz bietenden Theatersaal, der über eine 14 Meter breite Bühne verfügt, den Anschluss an das Glasfasernetz und das mit verbundene digitale Contentmanagement der Stadthalle und eine moderne Klima- und Energietechnik sind die aktuellen Baustellen des Stadthallenmanagements.
Auf der Haben-Seite der Stadthalle hält Michael Birr die Tatsache fest, "dass die Stadthalle mit ihrer Lage an der Ruhr als Veranstaltungsort einen besonderen Charme hat und dass wir die Folgen der Corona-Pandemie heute nicht mehr spüren, weil die Menschen Kultur wieder live erleben wollen!"
Samstag, 21. März 2026
Denk(m)al Kirche
Die Zeiten ändern sich. Als St. Theresia 1892 für die katholischen Bergleute in Selbeck und 1901 die Evangelische Kirche an der Wilhelminenstraße in Broich eingeweiht wurden, waren die christlichen Kirchen Volkskirchen. Vergangenheit.
Heute wird der 125. Kirchengeburtstag an der Wilhelminenstraße in der zum Jahresbeginn neugegründeten Brückengemeinde gefeiert. Und in der Linksruhrpfarrei St. Mariä Himmelfahrt macht sich ein von Michael Gatz-Kippert geleitetes Team Theresia darüber Gedanken, wie die baufällige, aber denkmalgeschützte Kirche an der Karl-Forst-Straße auch ohne Kirchensteuermittel erhalten und auch außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste für die Bürgerschaft nutzbar gemacht werden kann.
Im neugotischen Stil errichtet, wirkt die Kirche an der Wilhelminenstraße, wie eine Zeugin aus Kaisers Zeiten, als Kaiserin Auguste Viktoria deren Altarbibel stiftete und ihr kaiserlicher Gatte Wilhelm II. im Kriegsjahr 1917 die drei Kirchenglocken für seine Rüstung einschmelzen ließ.
Wie durch ein Wunder hat die Kirche an der Wilhelminenstraße, die bei ihrer Einweihung im März 1901 noch in einer Landbürgermeisterei Broich stand, zwei Weltkriege fast unbeschadet überstanden. Nur die Kirchenfenster gingen während des Luftkriegs zu Bruch, um dann in den Jahren 1948 bis 1953 wiederhergestellt zu werden. Auch die vor 125 Jahren vom preußischen Hoforgelbauer Wilhelm Sauer montierte Orgel erklingt bis heute im spätromantischen Musikstil ihrer Zeit. Und die vor 100 Jahren installierten Art-Deko-Lampen beleuchten immer noch, zeitlos schön, das gottesdienstliche und Gemeindeleben im altehrwürdigen Gotteshaus.
Man könnte meinen, die seit 1892 so benannte Wilhelminenstraße, an der die evangelische Kirche steht, sei dem Geist ihrer Zeit entsprechend, nach der Schwester Friedrich II., Wilhelmine, benannt. Doch weit gefehlt. Ihre Namensgeberin war die frühverstorbene Frau des Gemeindemitglieds Ferdinand Roßkothen, der im Andenken an seine Frau, seiner Gemeinde, die ursprünglich mit ihrer Nachbargemeinde in Speldorf fusionieren sollte, im Drei-Kaiser-Jahr 1888 den Baugrund stiftete, auf dem später ein Pfarr- und ein Gemeindehaus sowie ein Teil der Kirche errichtet werden sollte.
Dienstag, 17. März 2026
Legendäre Luise
Lange bevor von Diana Spencer die Rede war, war Luise hierzulande die Königin der Herzen und das weit über ihren frühen Tod hinaus.
Als preußische Madonna wurde sie von ihren Landesleuten verehrt und verklärt. Vor 250 Jahren wurde Luise am 10. März 1776 als Prinzessin von Mecklenburg Strelitz geboren. Elf Jahre später besuchte sie zusammen mit ihrer Schwester Friederike und mit ihrer Großmutter Marie-Luise-Albertine von Hessen-Darmstadt und Leiningen-Dagsburg das Schloss Broich. Dort, wo ihre Großmutter als regierende Landgräfin nach dem Rechten schaute, verbrachte sie nach 1787 auch noch einmal 1789 und 1791 ihre Sommerfrische.Damals war noch nicht absehbar, dass sie 1793 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm heiraten würde, mit dem sie 1797 den preußischen Thron besteigen sollte.
Ihre Regentschaft endete mit ihrem Tod am 19 Juli 1810 auf ihrem elterlichen Schloss in Mecklenburg. Wie wir heute wissen, starb sie an den Folgen eines Lungentumors, der auf ihren Herzmuskel übergegriffen hatte.
Postum entfaltete Luise als preußische Nationalheilige und als Ikone der deutschen Nationalbewegung ihre größte Wirkung. Die 1838 gegründete Freimaurerloge zur verkehrten Luise, die 1892 sogenannte Luisenschule, das Luisental und die 1914 sogenannte Prinzess-Luise-Straße erinnern uns bis heute an den Luisenkult, der auch in einer Büste zum Ausdruck kommt, die bis 1922 in den Ruhranlagen stand und heute im Schloss Broich steht, wo die kleine Luise einst herumgetollt ist. Selbst als nach 1918 die Monarchie in Deutschland untergegangen war, wurde die preußische Königin Luise von der antirepublikanischen deutschen nationalen Volkspartei (DNVP) als politisches Covergirl instrumentalisiert.
Sonntag, 15. März 2026
Bühnenreife Schule
Mit ihrer Musicalklasse hat die Gesamtschule Saarn ein echtes Alleinstellungsmerkmal. 110 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren haben jetzt ihre inzwischen 19. Musicalproduktion auf die Bühne gebracht und ihre neue Schulaula in einen kleinen Broadway verwandelt.
Nach der "School of Rock" haben die beiden Lehrer Stephanie von der Marwitz und Sebastian Klein mit ihren Nachwuchsstars "Anastasia" die Geschichte der jüngsten Zarentochter, auf die Bühne gebracht.Wer die Generalprobe gesehen hat, staunt über die enorme Professionalität von Jugendlichen, die ihre Bühnenarbeit, inklusive des Textlernens und der Gesangsproben, neben ihrem Schulalltag bewältigen. Für die jungen Damen und Herren aus der Musicalklasse ist jeder Samstag ein Probetag. Und nach der Premiere ist vor der Premiere. Die Castings für die 20. Musicalproduktion laufen bereits.
Sonntag, 8. März 2026
Warum sich der Sozialstaat auszahlt
Wer Helga Albrecht-Faßbender begegnet, trifft eine starke, ausgeglichene und lebensbejahende Frau.
Wenn sie es nicht selbst erzählen würde, käme man nicht darauf, dass sie eine familiäre und eine eigene Alkohol- und Drogengeschichte hinter sich hat.Heute kann die 67-Jährige EDV-Dozentin von sich sagen: "Ich bin seit 25 Jahren trocken und rauchfrei." Ihre Lebenserfahrung gibt sie heute als ehrenamtliche Vorsitzende des Mülheimer Kreuzbundes an Menschen weiter, die eine vergleichbare Suchtgschichte mit ihr teilen.
Aufgewachsen ist Helga Albrecht-Faßbender mit drei Geschwistern in einem Elternhaus, das von der Alkoholsucht ihres vom Zweiten Weltkrieg traumatisierten Vaters geprägt war. "Die Generation meiner Eltern hätte nach dem Krieg komplett auf die Couch gehört. Aber damals hat sich niemand um die seelische Gesundheit der Menschen gekümmert, die im Krieg traumatisiert worden waren", erinnert sich Albrecht-Faßbender an ihre Kindheit und Jugend.
Mit 16 hielt sie es zu Hause nicht mehr aus und kam mit Hilfe des Jugendamtes in einem Mädchenwohnheim unter. Von da an schien es, auch mit Hilfe engagierter Erzieherinnen und Erzieher, für Sie bergauf zu gehen. Sie besuchte die Berufsschule und machte das Fachabitur nach. Aber dann kam sie mit falschen Männern und mit falschen Menschen zusammen und lebte ein Leben zwischen Cannabis und Alkohol. "Ich wundere mich noch heute, dass mich die Erfahrung meiner Kindheit nicht so weit sensibilisiert hat, um nicht in die Sucht abzugleiten!" Das sagt Albrecht-Faßbender im Rückblick auf ihre nassen und durchrauchten Jahre.
"Ich habe hier Menschen getroffen, die mich so genommen haben wie ich bin und mir keine Vorwürfe gemacht haben. Gemeinsam haben wir überlegt, wie unser Leben ohne Alkohol und Cannabis aussehen könnte. Eine Alternative, die wir gefunden haben war das Fahrradfahren."
Trocken und rauchfrei fand Albrecht-Faßbender auch die Kraft zum beruflichen Durchstarten. Sie machte ihr Abitur nach und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur technischen Redakteurin.
Ihre wichtigsten Lebenserfahrung lautet: "Ich hatte das Glück im Unglück, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der der Sozialstaat ausgebaut und nicht, wie heute, zusammengeschrumpft wurde. Ohne diesen Sozialstaat hätte ich nicht die professionelle Hilfe bekommen, die es mir erlaubt hat, aus meiner Lebenskrise gestärkt hervorzugehen und auch als berufstätige Frau wieder in die Sozialsysteme unserer Gesellschaft einzahlen zu können. Schicksalsgenossen rät sie, "sich den eigenen Hilfebedarf einzugestehen und sich die professionelle Hilfe zu holen, die es Gott sei Dank immer noch in unserem Land gibt. Ohne die professionelle Beratung durch die Caritas hätte mein Leben einen ganz anderen Verlauf genommen", ist sich Albrecht- Faßbender sicher.
Mittwoch, 25. Februar 2026
Ein Hauch von Venedig
Als die Stadthalle vor 100 Jahren eröffnet wurde, ließen die "Bunten Blätter" auf ihrem Titel eine Gondel an dem neuen Bauwerk vorbeifahren. Der Altbau der Stadthalle erinnert an einen venezianischen Palazzo und brachte Mülheim 1926 den Ruf eines "Ruhrvenedigs" ein.
Den Plänen der Architekten Hans Grossmann und Artur Pfeifer sei Dank. Großmann und Pfeifer hatte auch das im Ersten Weltkrieg fertiggestellte Rathaus geplant. Doch der Erste Weltkrieg ließ keine Zeit und kein Geld mehr übrig für den schon lange geplanten Stadthallenbau am Broicher Ruhrufer.
Gebaut wurde dann von 1923 bis 1925 auf dem ehemaligen Grundstück der Mülheimer Papierfabrikanten Vorster, aus deren Familie auch Mülheims erster Bürgermeister Hermann Vorster hervorgegangen war.
Mitten in der Hyperinflation begann der Stadthallenbau als Notstandsmaßnahme, finanziert mit Notgeld, dass sich die damals vom Oberbürgermeister Paul Lembke geführte Stadt selbst gedruckt hatte.
Das erste Konzertpublikum, das im Dezember 1925 in der neuen Stadthalle Platz nahm, bestand nicht aus den Mülheimer Honoratioren, sondern aus den Arbeitern, die den Bau bewerkstelligt hatten. Die Lokalpresse sprach damals vom "demokratischsten Konzert der Stadtgeschichte."
Bei der Eröffnung der Stadthalle am 5. Januar 1926 nahmen dann aber doch die üblichen Honoratioren im Theatersaal der Stadthalle Platz. Die Duisburger Sinfoniker spielten zur Feier des Tages Werke von Brahms und Wagner.
Gustaf Gründgens, Sven Hedin, Max Planck, Wilhelm Furtwängler und die Berliner Philhamoniker waren nur einige Prominente, die auf der Stadthallenbühne gastierten, ehe "Mülheims gute Stube" 1943 ein Opfer des Luftkriegs wurde.
Der Wiederaufbau der Stadthalle, der unter anderem mit einer Lotterie finanziert wurde, sollte sich bis ins Jahr 1957 hinziehen und vom Hannoveraner Architekten Hermann Graubner geplant. Der moderne Westflügel der Stadthalle atmet den Zeitgeist der 1950er Jahre. Der Theodor-Heuss-Platz vor der Stadthalle erinnert daran, dass sie am 11. Oktober 1957 im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit Werken Beethovens und Goethes Egmont wiedereröffnet wurde. In der Hauptrolle war damals Klausjürgen Wussow zu sehen, der auch später mehrfach in der Stadthalle gastierte und als "Professor Brinkmann aus der Schwarzwalklinik" einem Millionenpublikum bekannt werden sollte.
Götz George, Horst Tappert, OW Fischer, Joachim Kuhlenkampf, Joachim Fuchsberger, Hedi Kabel, Willi Millowitsch, Dieter Hildebrand, Juliette Greco, Thomas Gottschalk, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder waren nur einige von vielen Prominenten, die nach 1957 als Schauspieler, Sängern, Kabarettisten und Politiker auf den Bühnen der Stadthalle ihr Publikum fanden.
Sei 2001 wird die Stadthalle von der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft MST als Veranstaltungsort vermarktet. Zur Geschichte der Stadthalle gehört auch, dass sich viele gemeinnützige Organisationen, trotz eines Saalmietenrabatts, aus finanziellen Gründen die Stadthalle heute meiden und auf andere Veranstaltungsorte ausweichen, die für sie bezahlbarer sind als die Stadthalle.
Mehr über die Mülheimer Stadthalle erfahren Sie unter anderem hier.
Samstag, 21. Februar 2026
Für Umsicht, Rücksicht und Vorsicht
Mit Vorsicht, Umsicht und Rücksicht kommen wir auch im Straßenverkehr gemeinsam besser ans Ziel. Für die Verbreitung dieser Einsicht arbeitet die Verkehrswacht in Mülheim an der Ruhr seit 100 Jahren. Seit ihrer Gründung am 12 Februar 1926 hat sich die Zahl der in Mülheim an der Ruhr registrierten Fahrzeuge von rund 500 auf mehr als 90.000 erhöht. Nach Solingen ist sie die an Rhein und Ruhr älteste Verkehrswacht Deutschlands.
Das feierten ihre derzeit 100 Mitglieder mit ihren Gästen jetzt im Casino an der Delle. Neben Oberbürgermeister Marc Buchholz gehörten auch Nordrhein-Westfalens Vrkehrsminister Oliver Krischer und die Bundespräsidentin der Verkehrswacht Kerstin Lühmann zu den Gratulanten, die der Vorsitzende der Ortsvereinigung Prof Dr Gunter Zimmermeyer zur Jubiläumsfeier willkommen heißen konnte.Altersgerechte Verkehrserziehung in Kindertagesstätten und Grundschulen, Fahrtraining für Fahranfänger, Elektrofahrrad- und Rollator-Training für Senioren und leuchtende Rucksäcke und Westen, die auch bei Dunkelheit dafür sorgen, dass man als Verkehrsteilnehmer unübersehbar ist. Mit Blick auf all diese ehrenamtlichen Aktivitäten der Verkehrswacht sagte NRW-Verkehrsminister Krischer: "Ihre Arbeit hat viele Leben gerettet. Er betonte aber auch angesichts von bundesweit rund 2800 Verkehrstoten im Jahr 2025: "Wir sind noch weit von der Vision Zero entfernt". Und die Präsidentin der Verkehrswacht Deutschland machte mit Blick auf den Anstieg der Verkehrsunfälle auf dem Schulweg, zuletzt um rund 5%, deutlich, dass die Verkehrswacht und ihre ehrenamtliche Aktiven weiterhin gebraucht werden.
Schon vor dem Festakt hatte der Vorsitzende der Verkehrswacht Mülheim Professor Dr. Gunter Zimmermeyer im Gespräch mit der Mülheimer Lokalredaktion auf wesentliche Baustellen der Verkehrswacht hingewiesen. Mit Sorge betrachtet er die dramatisch zunehmenden Unfälle, in die E-Scooter verwickelt sind, die mit bis zu 25 km/h über Gehwege fahren dürfen. Ebenso kritisch betrachtet er das Phänomen der Elterntaxis. "Kinder müssen frühzeitig lernen, selbstständig ihren Schulweg zurückzulegen, um damit ihre Bewegungsfähigkeit zu trainieren und gleichzeitig auf dem Schulweg soziale Kontakte zu Altersgenossen knüpfen zu können." Positiv bewertet Zimmermeyer, dass die Fahrzeugsicherheit sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert habe. Zum Vergleich: Vor 50 Jahren kamen fast 15.000 Menschen allein in der damals westlichen Bundesrepublik Deutschland im Straßenverkehr ums Leben, obwohl damals nur ein Viertel der heutigen Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs war.
Weitere Informationen über die Arbeit der Mülheimer Verkehrswacht finden Sie unter anderem hier,
Freitag, 20. Februar 2026
Närrische Nachlese
Auch in der jetzt abgelaufenen Session hat der aktuell in 11 Gesellschaften und im Hauptausschuss Groß-Mülheimer-Karneval organisierte Frohsinn unter dem Vorzeichen von Lebensfreude und Gemeinschaft Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen und Generationen miteinander vereint.
Mit einem aus Uruguay stammenden Stadtprinzen (Lucas Leonard Lungo-Laporta) und einem aus der Türkei stammenden Hofmarschall (Hakan Zileli) spiegelte sich im Tollitätenteam der demografische Wandel einer zunehmend multikulturellen Stadtgesellschaft, in der heute Menschen aus 145 Nationen zusammenleben.
Das die Karnevalsjugend des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval in dieser Session mit einem neuen Social-Media-Auftritt, inklusive ihres Podcast "Kappes und Kokolores" an der Start gegangen ist, um mehr Menschen aus der Generation U30 für die Fünfte Jahreszeit zu gewinnen spiegelt die Digitalisierung unserer Gesellschaft ebenso wider, wie die Tatsache, dass die Mülheimer Lokalredaktion den diesmal leider arg verregneten Rosenmontagszug, via Livestream ins Internet übertragen hat und damit rund 1900 Online-Zuschauer gefunden hat.
Sowohl zum Beginn, wie zum Ende der Session stieg der Ex-Stadtprinz Jürgen Wisniewski als Hoppeditz der KG Blau Weiß dankenswerterweise in die Bütt und zeigte damit, dass der Karneval seine politischen Spitzen noch nicht verloren hat und eben mehr ist als nur Party.
Sowohl bei der Mädchensitzung der Roten Funken als auch beim Kostümball des Mülheimer Carnevalsclubs und beim Gemeindekarneval, made by St. Mariae Rosenkranz und MüKaGe zeigten sich sonst auch schon mal kostümmuffeligen mölmschen Jecken kostümtechnisch von ihrer buntesten und besten Seite.
Alle drei Saalveranstaltungen gingen im Dümptener Autohaus der Ruhrdeichgruppe über die Bühne. Sie zeigten, ebenso, wie der zweite Karnevalsempfang mit den kleinen und großen mölmschen Tollitäten, dass auch im mölmschen Karneval ohne Moos, sprich Sponsoren, nichts los ist, auch wenn das ehrenamtliche Engagement der mehr als 1000 aktiven Karnevalisten und Karnevalistinnen, etwa in den Musikzügen und Tanzgarden oder beim Wagenbau für den Rosenmontagszug Geld und Gold wert und gar nicht zu überschätzen ist.
Aus gutem Grund wurden in der Session 2025/26 mit dem Prinzenführer Detlef Michael Klapper ein seit Jahrzehnten ehrenamtlicher Karnevalist zum Ritter vom Schiefen Turm und die Sparkassenstiftung als Karnevalssponsor mit dem Mölmschen Narr ausgezeichnet.
Und weil der Karneval auch ohne Musik undenkbar wäre, wurde mit Horst Herrmann ein Ein-Mann-Orchester mit dem Ehrenzeichen des Bundes Deutscher Karneval ausgezeichnet, der den Mülheimer Saalkarneval seit 1974 begleitet.
Undenkbar wäre der organisierte Frohsinn in Mülheim natürlich auch ohne die Mutter aller Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die MüKaGe, die mit einem weiblichen Führungsquartett in seine 88. Session ging, während die ebenfalls von einer starken Frau (Gisela Claus) angeführte Ruhrgarde aus gutem Grund feiern durfte, dass sie seit inzwischen 50 Jahren, nicht nur auf Mülheims Bühnen, mit glamourösen Showtanz für Furore sorgt, der an den Broadway, das Moulin Rouge und das Crazy Horse erinnert.
Mehr über den Mülheimer Karneval erfahren Sie unter anderem hier
Mittwoch, 4. Februar 2026
Lassen wir die Kirche im Dorf
Wer die Kirche im Dorf lässt, bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Die Betrachtung der Tatsachen, führt jetzt dazu, dass die christlichen Stadtkirchen ihre Kräfte bündeln. Ihre Mitgliederzahl ist in den vergangenen 50 Jahren von 165.000 auf aktuell 78.000 zurückgegangen. Die Gründe dafür sind im Demografischen Wandel. aber auch im gesellschaftlichen Wandel zu suchen. Sozialwissenschaftlich erhobene Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz zeigen: 56% der deutschen Bevölkerung bezeichnen sich als säkular. Nur 13% der Menschen in Deutschland sehen sich als kirchliche und religiös gebunden.
In Mülheim gehören heute noch jeweils 39.000 Menschen zur katholischen und evangelischen Kirche. Das sind 45% der Stadtbevölkerung. Vor 50 Jahren gehörten noch 85% Stadtgesellschaft einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Damit liegt unsere Stadt im nationalen und regionalen Trend. Lebten bei der Gründung des Ruhrbistums noch 1,1 Millionen Katholiken an der Ruhr, so sind es heute noch 638.000. Bundesweit ist die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder in den vergangenen 25 Jahren von 26 auf 18 Millionen und die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder von 27 auf 20 Millionen zurückgegangen.
Das beide große christlichen Kirchen von Austritten und Überalterung betroffen sind, zeigt das nicht allein der Missbrauchskandal in der katholischen Kirche für den dramatischen Mitgliederschwund in der römischen katholischen Kirche verantwortlich zu machen ist.
"Meine Zukunftsperspektive ist eine christliche", betont denn auch die Leiterin der katholischen Akademie Die Wolfsburg, Dr. Judith Wolf, die zum Moderatorenteam des Reformprozesses "Christlich Leben. Mittendrin." gehört.Auch Jansen und sein evangelischer Amtsbruder Superintendent Michael Manz sehen und praktizieren die Ökumene als christliches Zukunftsmodell, etwa beim Kirchenfest auf dem Kirchenhügel oder beim Jahresempfang der christlichen Kirchen im Altenhof, durch ihr gemeinsames Engagement im Mülheimer Karneval und durch die enge Zusammenarbeit in den Bereichen Krankenhausseelsorge, Notfallseelsorge und Trauerbegleitung.
Nimmt die katholische Stadtkirche für das Jahr 2028 die Gründung einer Stadtpfarrei in den Blick, die von christlichen Orten, wie etwa Schulen, Kindertagesstätten und der Caritas flankiert werden soll, so haben sich im evangelischen Kirchenkreis an der Ruhr zum Jahresbeginn 2026 die Gemeinden Broich-Saarn und Vereinte Evangelische Kirchengemeinde (VEK) zur Brückengemeinde Mühlheim zusammengeschlossen.
Mit Blick auf den jüngsten Reformprozess "Christlich Leben. Mittendrin." (CLM) diskutierten jetzt 82 aktive Mitglieder der katholischen Stadtkirche im Pfarrsaal von St. Barbara darüber, ob man den Vorstand der künftigen Stadtpfarrei aufgrund ihrer großen Trägerverantwortung ausschließlich hauptamtlich oder sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich besetzen sollte. Die strukturellen Reformvorschläge, die das Moderatorenteam, zu dem auch Judith Wolf gehört, präsentierte, ersetzt eine ehrenamtlich gewählte oder berufene Pfarrversammlung die bisherigen Pfarrgemeinderäte.
Sonntag, 1. Februar 2026
Im närrischen Zug der Zeit
Jecken aufgepasst. Die Session ist kurz. Der Rosenmontagszug kommt diesmal schon am 16. Februar, Zwischen 14 und 17 Uhr wird er zwischen Kaiserstraße und Schloßbrücke durch die Innenstadt ziehen. 1000 Aktive, 30 Wagen und 15 Fußgruppen sind mit von der närrischen Partie. Wenn Petrus mit den Narren ist, werden rund 30.000 Menschen zur größten Veranstaltung der Stadt erwartet.
Kaum zu glauben, aber wahr. Während die Mutter aller Rosenmontagszüge schon 1823 durch Köln zogen, erlebten die Mölmschen erst 1958 ihren ersten Rosenmontagszug in der eigenen Stadt. Im Dezember 1957 hatte sich im Hotel Handelshof der Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval gegründet, um den Mülheimer Rosenmontagszug ins Rollen zu bringen.
Bis dahin konnten mölmsche Jecken nur in den Nachbarstädten Duisburg und Oberhausen am Rosenmontag zum Zug gehen. Auch die 1937 in Saarn gegründete Erste Große Mülheimer Karnevalsgesellschaft MÜKAGE war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst im Duisburger Rosenmontagszug mit von der närrischen Partie.
Und aus der von 1872 bis 1945 erscheinenden Mülheimer Zeitung wissen wir, das am Mülheimer Hauptbahnhof, der damals noch am Notweg und am Froschenteich, der heutigen Friedrich-Ebert-Straße gelegen war und heute als S-Bahnhof West ein Schattendasein fristet, schon ab 1890 Rosenmontagssonderzüge von der Ruhr an den Rhein fuhren um die Freunde des Frohsinns der Karnevalsumzüge in Düsseldorf und Köln teilhaftig werden zu lassen.
Damals wie heute waren es Sponsoren aus der Mülheimer Wirtschaft, die den Rosenmontagszug, samt Kamelle und Co ins Rollen brachten, weil sie nicht nur närrisch, sondern auch pfiffig waren und die Werbewirksamkeit des Karnevals erkannten, der bis heute Menschen aus unterschiedlichen Generationen und gesellschaftliche Gruppen im Spaß an der Freude vereint. Vor diesem Hintergrund überrascht es auch nicht, dass der erste Mülheimer Stadtprinz, Erich I. (Ibing) der im Rosenmontagszug 1959 mitfuhr, ein Mülheimer Bierbrauer war. Ein Prosit der närrischen Gemütlichkeit. Das lag ebenso in der Natur der Dinge, wie die Tatsache, dass der Mülheimer Rosenmontagszug in den Jahren 1990, 1991, 2016 und 2021 wetter- kriegs- und corona-bedingt ausfallen musste.
Freitag, 23. Januar 2026
Als Mülheim noch mahlte
Mülheim, die Stadt der Mühlen. So ist sie seit 1093 urkundlich nachweisbar. Allein im Rumbachtal standen einst sieben Mühlen. Bis heute steht dort die Walkmühle aus dem 14. Jahrhundert, die seit dem 19. Jahrhundert als Gasthaus betrieben wird. Vor dem Zweiten Weltkrieg konnten dessen Gäste auf dem ehemaligen Mühlenteich Bootspartien unternehmen. Auch Straßennamen, wie Mühlenstraße, Walkmühlenstraße und Wetzmühlenstraße erinnern uns an die Zeit, in der Mülheim noch mahlte.
Auch auf dem 1875 angelegten Kaiserplatz stand einst eine Mühle. Die vielleicht berühmteste Mühle der Stadt stand zwischen der Mitte des 17. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts am Broicher Ruhrufer, wo seit 1928 die 1912 gegründete Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) mit ihrer von dem Architekten Hans Grossmann geplanten Hauptverwaltung ansässig ist.
Die Familie Vorster, die mit Hermann Vorster 1808 Mülheims ersten Bürgermeister stellte, produzierte hochwertiges Kanzleipapier, das in ganz Europa gefragt war. Und mit Wilhelm Rettinghaus nahm einer ihrer Gesellen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sein Fachwissen und sein Handwerk mit in die Neue Welt, um in Germantown, heute ein Stadtteil von Philadelphia, als William Riddenhouse die erste Papiermühle Nordamerikas zu gründen. Auf deren Papier wurde im frühen 18. Jahrhundert auch die erste Zeitung Nordamerikas, die American Weekly gedruckt wurde.
Mehr über die Mülheimer Geschichte erfährt man auf den Internetseiten des Mülheimer Geschichtsvereins
Ein Platz für den Kaiser
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