Mittwoch, 4. Februar 2026

Lassen wir die Kirche im Dorf

 Wer die Kirche im Dorf lässt, bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Die Betrachtung der Tatsachen, führt jetzt dazu, dass die christlichen Stadtkirchen ihre Kräfte bündeln. Ihre Mitgliederzahl ist in den vergangenen 50 Jahren von 165.000 auf aktuell 78.000 zurückgegangen. Die Gründe dafür sind im Demografischen Wandel. aber auch im gesellschaftlichen Wandel zu suchen. Sozialwissenschaftlich erhobene Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz zeigen: 56% der deutschen Bevölkerung bezeichnen sich als säkular. Nur 13% der Menschen in Deutschland sehen sich als kirchliche und religiös gebunden.


In Mülheim gehören heute noch jeweils 39.000 Menschen zur katholischen und evangelischen Kirche. Das sind 45% der Stadtbevölkerung. Vor 50 Jahren gehörten noch 85% Stadtgesellschaft einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Damit liegt unsere Stadt im nationalen und regionalen Trend. Lebten bei der Gründung des Ruhrbistums noch 1,1 Millionen Katholiken an der Ruhr, so sind es heute noch 638.000. Bundesweit ist die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder in den vergangenen 25 Jahren von 26 auf 18 Millionen und die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder von 27 auf 20 Millionen zurückgegangen.


Das beide große christlichen Kirchen von Austritten und Überalterung betroffen sind, zeigt das nicht allein der Missbrauchskandal in der katholischen Kirche für den dramatischen Mitgliederschwund in der römischen katholischen Kirche verantwortlich zu machen ist.

"Meine Zukunftsperspektive ist eine christliche", betont denn auch die Leiterin der katholischen Akademie Die Wolfsburg, Dr. Judith Wolf, die zum Moderatorenteam des Reformprozesses "Christlich Leben. Mittendrin." gehört. 

Stadtdechant Michael Jansen hinterfragt die von Wolf präsentierten Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz, indem er fragt: "Wer sind die Säkularen?" Er stellt fest: "Meine Erfahrung ist, dass es keine Atheisten, sondern nur suchende Menschen gibt. Und aus meinen Gesprächen weiß ich, dass die Sehnsucht nach einem sinnvollen und zielführenden Leben im Sinne der Frohen Christlichen Botschaft größer denn je ist."

Die jetzt zu Ende gehenden Volkskirchen sieht Jansen als Ergebnis von zwei Weltkriegen. Not lehrt beten und die Not der Kirchen lehrt sie, sich zu reformieren.
Auch Jansen und sein evangelischer Amtsbruder Superintendent Michael Manz sehen und praktizieren die Ökumene als christliches Zukunftsmodell, etwa beim Kirchenfest auf dem Kirchenhügel oder beim Jahresempfang der christlichen Kirchen im Altenhof, durch ihr gemeinsames Engagement im Mülheimer Karneval und durch die enge Zusammenarbeit in den Bereichen Krankenhausseelsorge, Notfallseelsorge und Trauerbegleitung.
Nimmt die katholische Stadtkirche für das Jahr 2028 die Gründung einer Stadtpfarrei in den Blick, die von christlichen Orten, wie etwa Schulen, Kindertagesstätten und der Caritas flankiert werden soll, so haben sich im evangelischen Kirchenkreis an der Ruhr zum Jahresbeginn 2026 die Gemeinden Broich-Saarn und Vereinte Evangelische Kirchengemeinde (VEK) zur Brückengemeinde Mühlheim zusammengeschlossen.

Mit Blick auf den jüngsten Reformprozess "Christlich Leben. Mittendrin." (CLM) diskutierten jetzt 82 aktive Mitglieder der katholischen Stadtkirche im Pfarrsaal von St. Barbara darüber, ob man den Vorstand der künftigen Stadtpfarrei aufgrund ihrer großen Trägerverantwortung ausschließlich hauptamtlich oder sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich besetzen sollte. Die strukturellen Reformvorschläge, die das Moderatorenteam, zu dem auch Judith Wolf gehört, präsentierte, ersetzt eine ehrenamtlich gewählte oder berufene Pfarrversammlung die bisherigen Pfarrgemeinderäte.

Angesichts der Frage, wie gesellschaftlich relevant die christlichen Kirchen in Zukunft noch sein werden, wurden unter anderem eine verstärkte ökumenische Zusammenarbeit der christlichen Stadtkirchen und der Aufbau einer hauptamtlichen und professionellen Presse und Öffentlichkeitsarbeit für die katholische Stadtkirche eingefordert.  Letzteres wurde allerdings durch die Gegenfrage konterkariert: "Woher soll das Geld dafür kommen?"

Positiv bewertete Stadtdechant Janßen, dass beim CLM Auftakt am Schildberg viele junge Menschen dabei gewesen seien und damit Ihr Interesse an der Zukunft der Stadtkirche dokumentiert hätten.

Weitere Informationen rund um den Reform- und Konsultationsprozess Christlich Leben. Mittendrin." finden sich im Internet unter: www.clm.bistum-essen.de 

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