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Es werden Posts vom 2011 angezeigt.

Warum die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt in der kommenden Woche nach Lateinamerika schaut

Reisen bildet bekanntlich. Doch weil die 19.000 Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt nicht alle nach Lateinamerika reisen können, kommt Lateinamerika in Person von Erzbischof Jorge Jimenez Caravajal aus Kolumbien zu ihnen. Warum blickt die Gemeinde bereits zum dritten Mal im Advent nach Südamerika? "Man kann dort eine enorme Frische des Glaubens erleben, weil der Glaube dort kein Tabu ist, das man verstecken möchte, sondern eine Kraftquelle, zu der man sich auch gerne öffentlich bekennt", sagt Franz Grave. Als Weihbischof des Ruhrbistums stand er lange an der Spitze des Hilfswerkes Adveniat und kennt die Situation in Lateinamerika aus eigener Anschauung.

"Wenn wir über unseren eigenen Kirchturm hinausschauen und mit Erzbischof Jorge Jimenez Caravajal ins Gespräch kommen, können wir daraus auch für uns selbst lernen und sehen, dass wir hier trotz aller Probleme immer noch auf sehr hohem Niveau klagen", glaubt Pfarrer und Stadtdechant Michael Ja…

Ein Streifzug durch ein dunkles Kapitel der Mülheimer Straßennamen

Nomen est omen. Das gilt auch für die Straßennamen unserer Stadt. Zum 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, machte ich mich für die NRZ auf die Spurensuche nach Mülheimer Straßennamen in der NS-Zeit. Wussten Sie, dass die Friedrichstraße während des Dritten Reiches Adolf-Hitler-Straße hieß und der Kaiserplatz der Platz der SA war. Die Heißener Straße hieß Horst-Wessel-Straße. Die Mendener Brücke trug den Namen Hermann Görings. Und die Schulstraße war nach dem deutschnationalen Verleger und Parteiführer Alfred Hugenberg benannt.

Es überraschte mich, im Stadtarchiv herauszufinden, dass die Stadtverwaltung im Mai 1945, auf Befehl der alliierten Militärregierung 17 Straßen umbenennen musste, die nach Nazi-Größen benannt worden waren. Nachdem die Nazis ihre Macht gefestigt hatten, hatten sie ab Mitte der 30er Jahre offensichtlich mit Erfolg die Vordenker und Wegbereiter ihrer Ideologie im Straßenbild und damit im öffentlichen Bewusstsein der Bürger zu verankern.

Es gab aber auch …

Eine Politikerin mit Weitsicht: Die Mülheimer Bundestagsabgeordnete Helga Wex starb vor 25 Jahren

Elterngeld bei Vätern immer beliebter." So titelte kürzlich die NRZ. Die Idee, Eltern finanziell zu unterstützen, damit sie Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können, ist nicht neu.Bereits 1973 beantragte eine Mülheimerin im Deutschen Bundestag, ein Erziehungsgeld einzuführen und Erziehungszeiten auf die gesetzliche Rente anzurechnen. Helga Wex hieß sie. Sie war damals als stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende der Union eine der prominentesten Bundespolitikerinnen.









Als Bundesvorsitzende der damals 160?000 Mitglieder zählenden Frauenvereinigung in der CDU, die heute Frauenunion heißt, gehörte sie in den 70er und 80er Jahren zu den exponiertesten Frauen- und Familienpolitikerinnen.Viele Ideen und Forderungen, die sie damals in Positionspapieren und Programmen formulierte, klingen auch 25 Jahre nach ihrem Tod immer noch aktuell: Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, etwa durch Teilzeitarbeit und Job-Sharing, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, mehr Frau…

Keine Institution von gestern oder: Warum die Katholischen Öffentlichen Büchereien in Zeiten des demografischen Wandels nötiger denn je sind

Vera Steinkamp vom Medienforum des Bistums nennt beeindruckende Zahlen: 1200 Frauen und Männer haben sich 2010 als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit insgesamt 112.000 Arbeitsstunden in den Katholischen Öffentlichen Büchereien ihrer Gemeinden engagiert. Sie haben dabei 1843 Veranstaltungen auf die Beine gestellt und rund 38.000 Leserinnen und Leser beraten, 5,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. "Ihre Arbeit wird geschätzt. Sie sind sichtbar. Sie sind keine grauen Mäuse", bestätigt die Leiterin des Medienforums den rund 90 ehrenamtlichen Bibliothekaren, die den Weg zum Diözesantag der Katholischen öffentlichen Büchereien in die Wolfsburg gefunden haben.

Die Frauen und Männer des guten Buches haben sich an diesem Samstag im Auditorium der katholischen Akademie versammelt, um sich mit ihrer Zukunft zu beschäftigen. Wie wird diese Zukunft aussehen? "Weniger, vielfältiger, älter und weiblicher", sagt Referentin Ellen Ehring. Die Organisationsberaterin ist i…

Warum Bernd Fleskes das Prädikat eines behindertenfreundlichen Arbeitgebers verdient hat

Schwerbehindert. Das Wort klingt nach Leistungsunfähigkeit. Vielleicht liegt es daran, dass der Landschaftsverband Rheinland (LVR) zu dem Ergebnis kommt, dass 80 Prozent aller Unternehmen in seinem Bereich ihre gesetzliche Verpflichtung nicht erfüllen, nämlich mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Lieber zahlen sie eine entsprechende Ausgleichsabgabe und kaufen sich von ihrer Verpflichtung frei. Der Anteil der Mitarbeiter mit Behinderung liegt in der freien Wirtschaft landesweit gerade mal bei 4,3 Prozent, während im öffentlichen Dienst immerhin 6,6 Prozent aller Beschäftigten ein Handicap haben.

Doch es gibt auch in der freien Wirtschaft Ausnahmen von dieser unrühmlichen Regel. Eine von ihnen ist der Mülheimer Unternehmer Bernd Fleskes. Der 50-Jährige, der selbst einen behinderten Schwager hat, betreibt im Hafen eine Firma für Behältermanagement und Verpackungslogistik. Drei seiner zwölf Mitarbeiter, also 25 Prozent sind schwerbehindert. …

Welche Bedeutung hat die Styrumer Gesamtschule in den letzten 25 Jahren für den Stadtteil gewonnen? Ein Gespräch mit ihrem Schulleiter Behrend Heeren

Heute kann man es sich gar nicht mehr vorstellen. Aber bis 1986 konnte man in Styrum kein Abitur machen. Dann kam die Gesamtschule, die seit 1993 den Namen des ehemaligen Bundeskanzlers und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt trägt. Welche Bedeutung hat diese Schule mit ihren heute 975 Schülern in den letzten 25 Jahren gewonnen. Behrend Heeren muss es wissen. Der 65-jährige Pädagoge leitet die Schule von Anfang an.

Wie hat sich die Schule in den letzten 25 Jahren verändert?
Die Schule hat an Kontinuität und Stabilität gewonnen. Anfangs hatten wir nur 85 Schüler und begannen als eine Abteilung der Gustav-Heinemann-Schule. Damals mussten wir um unser Standing kämpfen. Doch schon im zweiten Schuljahr hatten wir bei den Anmeldungen Überhänge und das hat sich eigentlich bis heute so gehalten. Heute kommen 60 Prozent unserer Schüler aus Styrum.

Wie hat sich der Stadtteil aus Ihrer Sicht seit 1986 gewandelt?
Der Bau dieser Schule war Teil einer Wohnumfeldverbesserung in Styrum, die auch Früchte getrag…

Die Stadtbücherei im Wandel der Zeit

Bücher müssen nicht teuer sein. Dafür sorgt die Stadtbücherei. Fast eine Million mal haben Mülheimer im letzten Jahr dort nicht nur Bücher, sondern auch Zeitschriften, Hörbücher, Musik-CDs, Spiele oder DVD-Filme ausgeliehen. Dass sich der Umzug vom Rathausmarkt ins neue Medienhaus 2009 für die Stadtbücherei ausgezahlt hat, sieht Büchereileiterin Claudia vom Felde daran, dass die Zahl der Ausleihen in der alten, 1969 eröffneten Stadtbücherei am Rathausmarkt nur bei 690 000 lag.

„Viele Geschäftsleute verbringen hier ihre Mittagspause. Und es kommen auch mehr Schüler und Studenten als früher“, berichtet vom Felde aus dem Alltag des Medienhauses am Synagogenplatz. Als dieser Platz noch Viktoriaplatz hieß, wurde dort bereits 1905 eine Volkslesehalle eingerichtet. So schließt sich der Kreis.Verführung zum LesenDie Bibliothekschefin bestätigt, dass literarische Appetitmacher, wie die Frankfurter Buchmesse oder die derzeit laufenden Mülheimer Herbstblätter vor allem die Nachfrage nach neuen Ro…

Wie sich ein Stadtteil eine neue Schule erkämpfte: Die Entstehungsgeschichte der Styrumer Gesamtschule

Als Pädagoge weiß der inzwischen pensionierte Winfried Schmidt: Die Schule ist wie das Leben, eine Baustelle. Die aktuellen Umbaumaßnahmen an der Styrumer Gesamtschule erinnern ihn an die Bauarbeiten, die dort bewerkstelligt werden mussten, als er dort vor gut 30 Jahren Schulleiter war.Was vor 25 Jahren zur Gesamtschule wurde, war zu seiner Zeit noch eine Hauptschule und in baulich bedenklichem Zustand.

1977 kam Schmidt von der damals noch existierenden Hauptschule an der Bülowstraße in Broich an die Oberhausener Straße. „Das war das reinste Paradies gegenüber den Verhältnissen, wie ich sie damals in Styrum antraf“, erinnert sich Schmidt an eine Schule, die damals extremen Renovierungsbedarf hatte.Der Zustand der Klassenräume förderte die damals ohnehin schon vorhandene Frustration und Gewaltbereitschaft der Jugendlichen und stand im krassen Kontrast zur neuen Lehrküche und zum Technikraum, mit dem man schon damals auf praxis- und berufsorientiertes Lernen setzte.

Als sich der Schulauss…

Als die Demokratie in Mülheim laufen lernte: Vor 65 Jahren wählten die Mülheimer den ersten Stadtrat der Nachkriegszeit

Ein steigendes Haushaltsdefizit und rückläufige Gewerbesteuer. Da wird Kommunalpolitik zur Quadratur des Kreises. Da ist die Ratsarbeit alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Das war sie vor 65 Jahren allerdings noch viel weniger als heute. Damals wählten die Mülheimer ihren ersten Nachkriegsrat.

„Herr im eigenen Haus“ sollten die Mülheimer werden. So forderte es die britische Militärregierung in einem Aufruf vom Mai 1946. Das Müllheimer Haus glich ein Jahr nach Kriegsende noch einer Ruine. 800 000 Kubikmeter Trümmerschutt lagen auf den Straßen. Fast 30 Prozent aller Wohngebäude waren zerstört. Zwei Drittel galten als kriegsbeschädigt. In dieser Situation fordert die britische Militärregierung die Bürger auf: „Schließe dich einer Partei an. Informiere dich politisch. Arbeite mit. Hilf mit. Es gibt nur diesen einen Weg zur Freiheit.”Die Stadt wiederaufzubauen und den Hunger zu überwinden waren über alle Parteigrenzen hinweg das politische Gebot der Stunde und das beherrschende The…

Eine gute Idee braucht Unterstützung: Die katholische Ladenkirche am Kohlenkamp hat jetzt einen Förderverein

"Eingeladen Kirche zu erleben" steht über dem Eingang der katholischen Ladenkirche am Kohlenkamp 30. Das ist dort seit sechs Jahren Programm. Und das soll es auch in Zukunft bleiben. Deshalb stellt sich dort am 24. September 2011 ein neuer Förderverein vorgestellt, der die Ladenkirche finanziell unterstützen möchte, um dieses Angebot langfristig zu erhalten.









Konkret geht es, wie der Vorsitzende des Fördervereins, der Pfarrer von St. Barbara, Manfred von Schwartzenberg, sagt, um die Finanzierung der Kaltmiete für das Ladenlokal in bester City-Lage. Dafür sind monatlich 1200 Euro aufzubringen.Beim Thema Miete hat es die vor sieben Jahren eröffnete Evangelische Ladenkirche an der Kaiserstraße 4 besser. Ihr Ladenlokal befindet sich im Altenhof und damit in einem Haus des Kirchenkreises An der Ruhr. Auch wenn die evangelische Ladenkirche im Gegensatz zu ihrer katholischen Schwester mit Nina Gutmann eine hauptamtliche Leiterin hat, werden beide Ladenkirchen maßgeblich von ehrenamtl…

Werner Gilles: Ein Maler aus Mülheim wird 50 Jahre nach seinem Tod vom Kunstmuseum Alte Post mit einer Ausstellung geehrt:

Träumender und Sehender. Unter diesem Titel präsentiert das Kunstmuseum in de Alten Post von Sonntag, 9. Oktober, bis zum 8. Januar eine Werkschau des Malers und Grafikers Werner Gilles (1894-1961), der zu den Meistern der klassischen Moderne gehört. Im Vorfeld der Ausstellung sprach ich für die NRZ mit dem 1925 in Mülheim geborenen Gilles-Neffen Klaus Kleinheisterkamp über den Maler und dessen Verhälsnis zu Mülheim.





Welche Beziehung hatte Ihr Onkel zu Mülheim?


Er ist als Fünfjähriger zusammen mit seinen Eltern nach Heißen gekommen, wo sein Vater als Volksschullehrer unterrichtete.Frage: Wie stark war seine Bindung an die Stadt?Antwort: Er hat bis zum Ersten Weltkrieg in Mülheim gelebt, ehe er dann 1914 Soldat wurde. Später hat er zwar nicht mehr hier gelebt, war aber immer wieder in Mülheim zu Besuch und hat sich auch selbst immer als Mülheimer gesehen. Auch die Entwicklung seiner alten Schule, des Staatlichen Gymnasiums, das heute den Namen Otto Pankoks trägt, interessierte ihn sehr. …

Sprechen wir über Deutschland und seine (Un)-Tugenden: Eine Mülheimer Umfrage zum Tag der Deutschen Einheit

Heute feiern wir den Tag der Deutschen Einheit. An so einem Feiertag, an dem wir uns über die Wiedervereinigung unseres Landes freuen können, stellt sich die Frage: Was ist eigentlich deutsch? Für die NRZ suchte ich nach Antworten und wurde fündig.

Der Vorsitzende des Türkischen Vereins, Fevzi Eraslan (73), der seit 1957 in Deutschland lebt, findet es typisch deutsch, "dass hier alles in vergleichbar ruhigen und geordneten Bahnen verläuft." Das fange schon beim Straßenverkehr an. Für den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde Rhein-Ruhr. Mustafa Okur (70) ist typisch deutsch, dass er als türkischer Zuwanderer eine berufliche und private Existenz aufbauen konnte und nach 50 Jahren in Deutschland sagen kann: "Hier ist meine Heimat."
Und das liegt für ihn "an den Menschen, mit denen ich hier lebe."Der am Otto-Pankok-Gymnasium unterrichtende Deutsch- und Geschichtslehrer Joachim Junik (59) sieht sein Deutschsein als "ein besonderes Gefühl für die deutsche Sp…

Warum sich Kirchen und Gewerkschaften dafür stark machen, dass der Sonntag Sonntag bleibt

War heute was? Ach ja. Sonntag! Bereits am Samstag ging die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) auf die Straße, um vor der Ladenkirche am Kohlenkamp mit Passanten über den Wert des Sonntags ins Gespräch zu kommen. Warum und mit welcher Resonanz? Für die NRZ fragte ich den Vorsitzenden des KAB-Stadtverbandes, Hermann Meßmann.





Warum gehen Sie für den Sonntag auf die Straße?


Wir machen gemeinsam mit den Gewerkschaften Aktionen, weil wir die Sonntagsruhe bewahren wollen. Für uns als KAB geht es natürlich auch darum, dass die Kirche in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und zu gesellschaftlich relevanten Themen Stellung bezieht.


War Ihren Gesprächspartnern der Sonntag wichtig?


Die Menschen erkennen, dass die Sonntagsruhe immer mehr ausgehöhlt wird, auch wenn viele aus wirtschaftlichen Gründen schon mal eine Sonntagsschicht mitgenommen haben. Ich habe in den Gesprächen eine positive Resonanz gespürt und bin unter diesem Eindruck mehr denn je sehr dafür, dass die ausufernden Ladenöffnungsze…

Urlaub anno dazumal: Erinnerungen an die gute alte Sommerfrische

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Und der Trend, so bestätigt Alexandra Scholz vom Speldorfer Reisebüro Fleck, geht wieder zum Urlaub im eigenen Land, "weil es preiswerter ist und viele Leute auch nicht gerne fliegen." Die Reisekauffrau und ihre Kollegen stellen fest, dass vor allem der Urlaub an Ost- und Nordsee hoch im Kurs steht. Wer keine Flugangst hat und sich viel Sonne für wenig Geld wünscht, den zieht es laut Scholz derzeit vor allem in die Türkei oder nach Ägypten und Tunesien, während klassische Urlaubsziele wie Ibiza und Menorca wegen gestiegener Preise weniger attraktiv seien, anders, als die "gut gebuchten" Kreuzfahrten und das Urlaubsziel schlechthin: Mallorca. Da sei vor allem bei ganz jungen Urlaubern gefragt.









Wie machten eigentlich unsere Eltern und Großeltern Urlaub, als von All inclusive noch keine Rede war. Aus erster Hand erfahre ich von meiner Mutter Edith Emons, die gerade ihren 80. Geburtstag gefeiert hat, dass sie in ihren Kindertagen mit Vater, M…

Warum brauchen wir eigentlich Denkmalschutz? Ein Gespräch mit dem Mülheimer Architekten Wolfgang Kamieth, der in einem Denkmal zu Hause ist

Zum Tag des offenen Denkmals sprach ich für die NRZ mit Wolfgang Kamiethdarüber, warum wir den Denkmalschutz als Gesellschaft brauchen. Als Architekt ist Kamieth nicht nur am Bau neuer Häuser interessiert. Er selbst wohnt zusammen mit seiner Frau Annette in einem sehr alten Fachwerkhaus, das 1784 am Ruhrufer errichtet wurde und das er 1988 erworben und restauriert hat.





Damals mussten wir jeden Balken nummerieren und 80 Prozent des Fachwerkes austauschen, weil die Balken verfault waren, erinnert sich Kamieth an den Kraftakt.In einem Haus zu wohnen, in dem schon viele Generationen vor uns gelebt haben, fasziniert ihn. Wir können uns nur mit unserer Zukunft beschäftigen, wenn wir auch unsere Vergangenheit kennen, ist Kamieth überzeugt. Er selbst hat sich sehr intensiv mit der Geschichte seines Hauses und dessen früheren Bewohnern beschäftigt, die er bis 1812 zurückverfolgen kann. Er weiß, dass hier früher Ruhrschiffer und Schlosser lebten und arbeiteten. An der Fassade hat er auch Hinwei…

Ein Blick in die Stadtgeschichte: Wie die Mülheimer vor 50 Jahren den Mauerbau in Berlin erlebten

Wenn wir heute an Flüchtlinge denken, denken wir an Menschen, die aus fernen Ländern zu uns kommen, weil sie vor Krieg und Verfolgung fliehen. Laut Ausländerbehörde leben in Mülheim derzeit 91 Asylbewerber aus dem Irak und aus verschiedenen afrikanischen Staaten, die als Asylbewerber in unserer Stadt Zuflucht gefunden haben.Flüchtlinge aus der ZoneVor 50 Jahren kamen die Flüchtlinge, die in Mülheim Zuflucht suchten aus Deutschland, nämlich aus der DDR, die damals noch als sowjetische besetzte Zone bezeichnet wurde. In den Wochen vor dem Mauerbau schwoll der Flüchtlingsstrom an. Anfang August 1961 ging die Stadtverwaltung von 1500 Zonenflüchtlingen aus, die in Mülheim untergebracht werden mussten, weil sie die Freiheit im Westen Deutschland dem realexistierenden Sozialismus im SED-Staat vorzogen. „Spitzbart und Brille sind nicht des Volkes Wille“ hieß es damals in einem Witz, der in der DDR hinter vorgehaltener Hand über Staats- und Parteichef Walter Ulbricht erzählt wurde.

Doch angesic…

Als Bürger Bürgern halfen von Deutschland-Ost nach Deutschland-West zu kommen: Eine Mülheimer Geschichte zum 50. Jahrestag des Mauerbaus

Als die Mauer in Berlin gebaut wurde, war der Mülheimer Jurist Jochen Hartmann drei Jahre alt. Obwohl er selbst keine Verwandten in der damaligen DDR hatte, hat sich Hartmann, wie er sagt, „immer für Deutschlandpolitik interessiert, weil ich mich auch immer schon für deutsche Geschichte interessiert habe.“ Deshalb verfolgte er auch schon als 20-Jähriger Ende der 70er Jahre die Mitteilungen des Vereins „Hilferufe von drüben“ und gründete in der Jungen Union (JU) einen deutschlandpolitischen Arbeitskreis. Durch den Verein „Hilferufe von drüben“ wurde er 1979 auf den Fall der Familie Baumgart aufmerksam.

Die dreiköpfige Familie lebte damals in Weinböhla, im Bezirk Dresden, wollte aber seit 1976 nach Mülheim übersiedeln, um sich dort um ihre kranke Mutter und Schwiegermutter kümmern zu können.Von Deutschland-Ost nach Deutschland-West überzusiedeln, war in Zeiten der Mauer und der deutschen Teilung mit Schikanen durch das SED-Regime verbunden, da ein Ausreiseantrag in den Augen des DDR-Staa…

Wo die Kunst auf die Straße gesetzt wird: Kunst Raus zeigt sich im September in Saarn noch einmal von seiner besten Seite

Im September geht die Saarner Aktion „Kunst raus“ auf die Zielgerade. Am 8. und 17. September kann man sich noch einmal um 19 Uhr und um 17 Uhr fachkundig durch die Freiluftgalerie der elf, 1,50x1,20-Meter großen und plakativen Kunstwerke führen lassen, die 22 Künstler der Gruppe XX+X im Dialog miteinander kreiert haben. Los geht es jeweils an der Saarner Dorfkirche an der Holunderstraße.Schon jetzt sprachen die beteiligten XX+X-Kreativen Peter Flach (46), Markus Schmidt (44) und Pauline Höchter (12) beim Spaziergang über die Saarner Kunstmeile in einem Dialog über die Kunstaktion, die am 25. September um 10 Uhr mit einem musikalischen Gottesdienst in der Dorfkirche ausklingt und über ihre eigene Kunst.









Welche Resonanz hat Kunst Raus bisher gefunden?




Flach: Bei der ersten Führung am 28. Mai hatten wir mindestens 120 Teilnehmer, so viele, wie noch nie zuvor in den letzten 19 Jahren, in denen es Kunst Raus gibt. Natürlich ist der Andrang bei den normalen Werktagsführungen nicht so stark, …

Was Mülheimern zum 20. Juli 1944 einfällt: Nur Mut! oder eine aktuelle Umfrage zu einem historischen Gedenktag, der kein Thema von gestern ist

Sie sind bis heute ein Sinnbild für Mut, die Männer des 20. Juli 1944. Mit dem Attentat auf Adolf Hitler versuchten sie ein unmenschliches Regime und einen verbrecherischen Krieg zu beenden, um das Schicksal Deutschland zum besseren zu wenden. Diese Männer des militärischen Widerstandes um den Grafen Stauffenberg, zu denen auch der aus Mülheim stammende Offizier Günther Smend (siehe Kasten) gehörte, bezahlten ihren Mut mit dem Leben. Doch was ist für uns und unseren Alltag in einer Demokratie, jenseits von Krieg und Diktatur, heute noch mutig? Für die NRZ suchte und wurde ich fündig:



Werner Andorfer (63), Leiter der Karl-Ziegler-Schule: "Mut bedeutet für mich, sich für etwas oder jemanden einzusetzen, ohne dabei an die Konsequenzen zu denken, die sich daraus ergeben könnten. Das kann zum Beispiel bedeuten, einzuschreiten, wenn Menschen attackiert werden. Als Demokrat bedeutet Mut für mich, sich gegen alle totalitären und extremistischen Tendenzen aufzulehnen, die auf eine Unterdr…

Ein nachdenkliches "Geburtstagsgespräch" mit Christa Ufermann zum 90. Geburtstag des Blinden- und Sehbehindertenvereins

Mit einer Schiffstour an Bord der Weißen Flotte feierte der Blinden- und Sehbehinderten verein am 3. September seinen 90. Geburtstag. Woher kommt der Verein und wohin geht die Reise für ihn und die Menschen, deren Interessen der BSV vertritt. Für die NRZ sprach ich darüber mit Christa Ufermann, die vor 65 Jahren blind auf die Welt kam und den BSV seit 1987 als Vorsitzende führt.





Warum hat man den BSV vor 90 Jahren ins Leben gerufen?


Der Verein ist damals als reiner Blindenverein gegründet worden, der hilfsbedürftige Blinde unterstützte. Das war ja nach dem Ersten Weltkrieg eine schwierige gesellschaftliche Situation, in der es noch keinen Sozialstaat gab, wie wir ihn heute kennen.





Wie hat der Verein geholfen?


Der Verein hat über einen Blindenhilfsverein Spendengelder für die Ärmsten gesammelt und am Dickswall sogenannte Blindenwaren verkauft. Das waren zum Beispiel Besen, Bürsten, Aufnehmer, Webwaren oder auch Körbe, die von blinden Handwerkern hergestellt wurden. Früher waren die allerme…

Vergebung um jeden Preis? Wa dem Pastor und sechsfachen Vater Ekkehart Vetter zum Fall Mirco einfällt, der derzeit vor Gericht verhandelt wird

Es ist wohl das Schlimmste, das Eltern widerfahren kann, ihr Kind, wie im Fall Mirco, durch die Hand eines Mörders zu verlieren. Deshalb mag es manchen wundern, wenn Mircos Eltern als freikirchlich engagierte Christen Verständnis für den Täter zeigen und trotz ihrer Tragödie vom Glauben sprechen, der sie stärkt, ihnen Hoffnung gibt und sie nicht verzweifeln lässt. Vor diesem Hintergrund sprach ich bereits vor einigen Monaten für die NRZ mit Pastor Ekkehart Vetter von der freikirchlichen Christusgemeinde über Glauben, Gemeinschaft, Schuld, Sühne, Vergeltung und Vergebung.



Können Sie die Haltung von Mircos Eltern nachvollziehen?



Das ist eine Extremsituation, in die man sich nicht theoretisch hineindenken kann. Ich selbst würde für mich nicht die Hand ins Feuer legen, wie ich in einer vergleichbaren Situation reagieren würde. Natürlich kann man auch für einen Täter Verständnis entwickeln, auch, wenn man seine Tat verabscheut. Jeder Mensch hat Gründe, warum er so handelt, wie er handelt. E…