Sonntag, 23. Oktober 2011

Keine Institution von gestern oder: Warum die Katholischen Öffentlichen Büchereien in Zeiten des demografischen Wandels nötiger denn je sind

Vera Steinkamp vom Medienforum des Bistums nennt beeindruckende Zahlen: 1200 Frauen und Männer haben sich 2010 als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit insgesamt 112.000 Arbeitsstunden in den Katholischen Öffentlichen Büchereien ihrer Gemeinden engagiert. Sie haben dabei 1843 Veranstaltungen auf die Beine gestellt und rund 38.000 Leserinnen und Leser beraten, 5,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. "Ihre Arbeit wird geschätzt. Sie sind sichtbar. Sie sind keine grauen Mäuse", bestätigt die Leiterin des Medienforums den rund 90 ehrenamtlichen Bibliothekaren, die den Weg zum Diözesantag der Katholischen öffentlichen Büchereien in die Wolfsburg gefunden haben.

Die Frauen und Männer des guten Buches haben sich an diesem Samstag im Auditorium der katholischen Akademie versammelt, um sich mit ihrer Zukunft zu beschäftigen. Wie wird diese Zukunft aussehen? "Weniger, vielfältiger, älter und weiblicher", sagt Referentin Ellen Ehring. Die Organisationsberaterin ist immer wieder gefragt, wenn Städte und Landkreise darüber nachdenken, wie sie sich auf den demografischen Wandel einstellen können. Dass unsere Gesellschaft immer älter und bunter wird, macht Ehring mit einem "bewegten Einstieg" deutlich. Alle Tagungsteilnehmer müssen sich in einer Runde aufstellen. "Wer ist unter 30? Bitte vortreten!" Keiner. Gerade mal zwei KÖB-Frauen sind unter 40. Die Gruppe der 40- bis 50-Jährigen ist überschaubar. Die Gruppe der 50- bis 60-Jährigen ist die größte, gefolgt von der Gruppe 60 Plus. Viele treten auch vor, als nach Freunden, Nachbarn und Verwandten mit Zuwanderungshintergrund gefragt wird.

Die Zahlen, die Ehring nennt machen nachdenklich. 2010 hatten wir in 16 deutschen Bundesländern nur 678.000 Neugeborene. 1964 waren es in elf westdeutschen Bundesländern noch 1,57 Millionen. 2050 werden ein Drittel aller Deutschen 65 und älter sein. Schon heute wächst ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland in einer Zuwandererfamilie auf. Und 73 Prozent aller Frauen über 65 sind heute aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung verwitwet. Was bedeutet diese Entwicklung für die Katholischen öffentlichen Büchereien der Zukunft? Ehring macht ihren Zuhörern Mut. "Das wird Ihre Stunde sein. Denn sie sind mit ihren Büchereien nah dran an den Menschen. Halten sie das aufrecht. Denn wir brauchen in Zukunft immer mehr kommunikative Bildungs- und Begegnungsorte, zu denen ältere Menschen hingehen können. Außerdem brauchen wir mehr Komm- und Bringstrukturen." Und auch das macht Ehring deutlich. Katholische öffentliche Büchereien müssen sich im Zeitalter des demografischen Wandel mehr denn je vernetzen, um mit Partnern neue Angebote machen zu können. Sei es eine Informationsveranstaltung für pflegende Angehörige, Qualifizierungsangebote für Zuwanderer oder eine intensivere Betreuung und Förderung der weniger, aber um so wichtiger werdenden Kinder einer immer älter werdenden Gesellschaft. Für Vera Steinkamp steht nach dem Vortrag fest: "Katholische öffentliche Büchereien sind kein kultureller Luxus, sondern ein gesellschaftliches Muss."

Dieser Beitrag erschien am 21. Oktober 2011 im Ruhrwort

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